"Und ER ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanze nach dem Regen sproßt das Grün aus der Erde."

(2. Sam. 23:4)

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„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“ (Röm.13:12)

Auserwählung oder freier Wille – Worauf kommt es an?

Ein Gespräch unter Brüdern

 

R: „Mein lieber Bruder F., Du hattest mich bei unserem letzten Gespräch gefragt, welchen Vorteil unsere Erwählung denn habe, wenn sie am Ende nicht auch mit Sicherheit zu dem gewünschten Ziel Gottes mit uns führt.“

F: „Ja genau. Wenn Gottes Berufung »unbereubar« ist nach Röm.11:29, dann käme ein Nichterreichen des Berufungszieles Gottes einem Scheitern Gottes gleich, das man durchaus bereuen müsste“.

R: „Gott hat uns aber nicht in erster Linie berufen, um errettet zu werden, sondern um Ihm zu dienen, sowohl durch Gutestun als auch durch Leiden (1.Petr.2:20-21). Daher kommt ja auch das Wort »Beruf«, nämlich »Zum-Dienst-rufen«. Dass die Berufung selbst aber nicht immer auch die Erlangung des ewigen Lebens zur Folge hat, siehst Du auch im Gleichnis von der Hochzeit, wo Er sagt: »Viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte« (Matth.22:14).“

F: „Ja, damit aber sagt Er auch, dass die Auserwählten auf jeden Fall das Ziel erreichen. »Was Israel sucht, hat es nicht erlangt; aber die Auserwählten haben es erlangt« (Röm.11:7). Die Auserwählten werden sogar in der zukünftigen Drangsal Überwinder sein, denn der HErr sagt: „…so dass, WENN es möglich WÄRE, auch die Auserwählten verführt werden« (Matth.24:24) – aber es IST eben nicht möglich! Der HErr weiß, welche Er auserwählt hat, und diese bleiben auch bei Ihm! (Joh. 6:70, 13:18).“

R: „Nicht unbedingt; der HErr will hier im Grunde sagen: „…wenn untreues oder unkluges Verhalten der Auserwählten es möglich MACHT…“. Davon mal abgesehen: Das Thema hatten wir schon, und wir waren uns am Ende einig, dass es auch Christen geben wird, die verloren gehen werden, wenn sie abfallen von der Glaubenstreue oder wenn sie keine Frucht bringen. Lass uns da also nicht schon wieder mit anfangen.“

F: „Ich rede hier aber von den Auserwählten, die Gott schon »von Anfang (o. ‚als Erstlingsfrucht‘) erwählt hat zur Seligkeit in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit« (2.Thess.2:13). Gottes Absicht ist also, dass wir die Seligkeit auch wirklich erlangen sollen!“

R: „Ja, das ist Sein Plan, und dieser erfüllt sich jedes Mal, wenn ein Mensch sich heute zu Gott bekehrt und wenn er bis zu seinem Lebensende im Glauben treu und standhaft bleibt. Deshalb werden wir auch ermahnt: »Darum, Brüder, befleißiget euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen; denn wenn ihr diese Dinge (fortwährend) tut, so werdet ihr niemals straucheln« (2.Petr.1:10).

F: „Die Erwählung erfüllt sich aber doch nicht erst, sondern sie IST schon längst geschehen: »Wie Er uns auserwählt hat in Ihm vor Grundlegung der Welt… und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesum Christum ...in welchem wir auch ein Erbteil erlangt haben« (Eph.1:4-5, 11). Es ist also schon längst alles fest beschlossen, jeder einzelne Tag unseres Lebens, wie es in Psalm 139 heißt. Festbeschlossen und unausweichlich!“

R: „Ich verstehe den Text anders: Da wir im Gegensatz zum Vater und Sohn gar keine Präexistenz hatten, ist die Erwählung so zu verstehen, dass Gott vor Grundlegung der Welt die Entscheidung getroffen hat, dass eine gewisse Auswahl an Menschen eines Tages »in Christus« sein soll. Diese hat Er dann in das Buch des Lebens eingeschrieben mit der Absicht, sie später auch zu erretten. Erst von dem Moment an, wo Gott einen Menschen errettet HAT, ist dieser auch berufen, denn es heißt: »Ein jeder bleibe in dem Beruf (o. ‚Stand‘), in welchem er berufen worden ist« (1.Kor.7:20).“

F: „Aber der HErr Jesus sagt doch ganz klar: „Ihr habt nicht mich auserwählt, sondern ich habe euch auserwählt« (Joh.15:16). Sonst wäre es ja wohlmöglich doch noch unser Verdienst, wenn wir uns für Ihn hätten entscheiden können. Aber es ist allein Seine unverdiente Gnade, dass Er ausgerechnet uns auserwählt hat, die wir keinerlei Vorzug hatten vor anderen!“

R: „Ja, das sehe ich auch so. Wobei ich schon denke, dass Gott uns nicht willkürlich gewählt, hat, sondern Seine Auswahl nach einem bestimmten Vorsatz getroffen hat – so wie Er damals über Israel sagte: »Nicht weil euer mehr wären als aller Völker, hat der HErr sich euch zugeneigt und euch erwählt; denn ihr seid das geringste unter allen Völkern; sondern wegen des HErrn Liebe zu euch« (5.Mos.7:7).

F: „Und das sagt Er ja auch im Neuen Bund, dass Gott dies vor Weisen und Verständigen verborgen hat und es nur Unmündigen geoffenbart hat (Matth.11:25). »Das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, auf dass Er die Weisen zu Schanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, auf dass Er das Starke zu Schanden mache; und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, und das, was nicht ist, auf dass Er das, was ist, zunichtemache, damit sich vor Gott kein Fleisch rühme« (1. Kor.1:27-29).“

R: „Gott hat also einen bestimmten Plan gehabt bei Seiner Auswahl und hat sie nicht blind getroffen, sondern nach einem Vorsatz, nämlich »dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rate seines Willens« (Eph.1:11). Es hat einen Grund, warum heute z.B. so wenig Menschen gläubig werden in Deutschland, während in den Ländern der 3. Welt die Menschen in Massen zum Glauben kommen. »Höret, meine geliebten Brüder: Hat nicht Gott die weltlich Armen auserwählt, reich zu sein im Glauben, und zu Erben des Reiches, welches Er denen verheißen hat, die Ihn lieben? « (Jak.2:5).

F: „Aber weißt Du, warum Gott dich auserwählt hat? Also ich könnte nicht sagen, warum. An mir ist nichts Liebenswürdiges, denn ich bin ein furchtbarer Sünder gewesen und bin auch heute noch ganz auf Seine Gnade angewiesen. Es ist wirklich ein Wunder, dass Er sich meiner erbarmt hat. Ich bin es nicht wert gewesen!“

R: „Ich glaube, dass dies wohl jedes Kind Gottes von sich sagen kann. »Da ist kein Gerechter, auch nicht einer; da ist keiner, der verständig sei; da ist keiner, der Gott suche« (Röm.3:10-11). Obwohl wir Seine Feinde waren, hat Er uns geliebt und sich für uns hingegeben. Dafür sei Ihm ewig Dank und Ehre!“

F: „In Römer 8 gibt es ja die berühmte »goldene Kette« in den Versen 29 bis 30: »Welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvor bestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber zuvor bestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht« (Röm.8:29-30). Hier wird übrigens auch deutlich, dass es diese Hoffnung nicht für alle anderen Menschen gibt.“

R: „Wie kommst Du denn jetzt darauf?“

F: „Das haben wir doch eben gelesen: Nur die von Ihm Berufenen werden gerechtfertigt; es glauben letztlich nur die, »so viele ihrer zum ewigen Leben verordnet waren« (Apg.13:48). Nur diejenigen, »die Ihn aber aufnahmen, denen gab Er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an Seinen Namen* glauben, welche nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind« (Joh.1:12-13). D.h. alle Nichterwählten sind »aus dem Willen des Fleisches« oder »aus dem Willen des Mannes« geboren, - eben weil der Mann gerade Lust hatte.“                 (*Sein Name = das betreffs Ihm Genannte, d.h. alles was die Bibel von Ihm her u. über Ihn nennt/ aussagt)

R: „Gott will aber, »dass ALLE Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen« (1.Tim.2:4)“

F: „Ja, schon, aber Er wusste auch von Anbeginn, dass dies nicht möglich sei, deshalb hat Gott sich eine Schar ausgesucht, die Er auf jeden Fall erretten wollte, nämlich Seine Auserwählten. Sie allein sollten wie Noah und Seine Familie in die rettende Arche gehen. Deshalb sagt der HErr Jesus auch: »Der Sohn des Menschen ist…gekommen… Seine Seele zu geben als Lösegeld für VIELE« (Mark.10:45). ER sagt also nicht: »für ALLE«!“

R: „Das sagt Er, weil nur »viele« Ihn letztlich annahmen und nicht »alle«, aber das Angebot hat Er dennoch allen gemacht, so wie geschrieben steht: »ER ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt« (1.Joh.2:2). Sonst wäre Gott ja ungerecht, wenn Er nicht allen das Heil anbieten würde. Stattdessen heißt es aber: »Der HErr… ist langmütig gegen euch, da Er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zum Umdenken kommen« (2.Petr.3:9).“

F: „Das gilt allein den Gläubigen, an die sich Petrus ja wendet! Die anderen haben keine Verheißung in Gottes Plan. Der Psalmist sagt: »Der Gesetzlose ist … wie ein nicht verpflanzter grüner Baum« (Ps.37:35). Und jede Pflanze, die der »Vater nicht gepflanzt hat, wird entwurzelt werden« (Matth.15:13). Ich weiß, dass dies dem modernen Menschen ungerecht erscheint, aber das ist die Lehre des HErrn Jesus: »Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass der Vater, der mich gesandt hat, ihn ziehe« (Joh.6:44).“

G: „Ja, aber das bedeutet, dass sich der Mensch den Zeitpunkt dieses Ziehens nicht aussuchen kann, sondern erst wenn Gott ihn ruft, kann er kommen oder es bleiben lassen: »Siehe, das alles tut Gott zwei-, dreimal mit dem Manne, um seine Seele abzuwenden von der Grube, dass sie erleuchtet werde von dem Lichte der Lebendigen« (Hiob 33:29-30). Grundsätzlich will Gott aber alle Menschen erretten; das finden wir überall in der ganzen Bibel, besonders in den Propheten, z.B. bei Jeremia, wo Gott immer wieder daran erinnert, dass Er sich »früh aufmachte«, um sie immer wieder zu warnen (Jer.7:13, 11:7 etc.). Und das tat er nicht einfach nur als Alibi, sondern Er bezeugt: »Habe ich irgendwie Gefallen an dem Tode des Gesetzlosen, spricht der Herr, Jahwe? Nicht vielmehr daran, dass er von seinen Wegen umkehre und lebe?« (Hes.18:23).

F: „Du musst hier den Zusammenhang beachten: Er spricht hier allein zum Haus Israel, denn nur sie hatten ja die Segensverheißungen von Gott bekommen. Aber für die gesetzlosen Heiden, die Er nicht zuvor bestimmt und erwählt hat, gibt es keine Hoffnung. Deswegen sagt Salomo: »Der HErr hat alles zu Seiner Absicht gemacht, und auch den Gesetzlosen für den Tag des Unglücks« (Sprüche 16:4). Die Nichterwählten stoßen sich an dem Wort, aber dazu sind sie »auch gesetzt« (1.Petr.2:8). Sie sind – wie Judas sagt - »schon vorlängst zu diesem Gericht zuvor aufgezeichnet« worden (Jud.1:4). Sie sollen also gar nicht gerettet werden!“ 

R: „Solch eine calvinistische Doppelprädestination lehrt die Bibel nicht. Sonst hätte der HErr Jesus uns doch nicht aufgefordert, das Evangelium der ganzen Schöpfung zu predigen (Mark.16:15). Es wäre ja sonst auch ein totaler Widerspruch zu Gottes Wesen, denn Er ist ein »Retter-Gott« (1.Tim.2:3), ein »Erretter aller Menschen, besonders der Gläubigen« (1.Tim.4:10). Deshalb predigt der Apostel den Athenern: »Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet Er jetzt den Menschen, dass sie alle überall umdenken sollen« (Apg.17:30). Gottes Güte leitet den Menschen zum Umdenken, sofern er diesen Reichtum Seiner Güte nicht verachtet (Röm.2:4). Gott lädt alle Menschen ein zu Seinem Fest und sagt: »Kommt, denn schon ist alles bereit« (Luk.14:17). Die Gerechtigkeit des HErrn Jesus reicht aus, um ALLEN Menschen die Rechtfertigung des Lebens anzubieten (Röm.5:18), deshalb lautet der Zuruf: »Lasst euch versöhnen mit Gott! « (2.Kor.5:20).

F: „Auch diese Aufforderung gilt nur den Gläubigen! Gott hat nun einmal nicht alle Menschen auserwählt, sonst würde der Begriff »Auserwählung« auch gar keinen Sinn ergeben! »Ihr seid nicht von meinen Schafen«, sagte der HErr Jesus zu den Pharisäern (Joh. 10:26) – auch wenn sie sich noch so sehr bemühten. Lass uns doch mal gemeinsam die berühmten Worte in Römer 9:11-22 lesen, denn dort wird es ganz deutlich: »Selbst als die Kinder noch nicht geboren waren und weder Gutes noch Böses getan hatten (auf dass der Vorsatz Gottes nach Auswahl bestände, nicht aus Werken, sondern aus dem Berufenden), wurde zu ihr gesagt: ‚Der Größere soll dem Kleineren (als Sklave) dienen‘; wie geschrieben steht: ‚Den Jakob habe ich geliebt, aber den Esau habe ich gehasst.‘ Was sollen wir nun sagen? Ist etwa Ungerechtigkeit bei Gott? Das sei ferne! Denn er sagt zu Moses: ‚Ich werde begnadigen, wen ich begnadige, und werde mich erbarmen, wessen ich mich erbarme‘. Also liegt es nun nicht an dem Wollenden, noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott. Denn die Schrift sagt zum Pharao: ‚Eben hierzu habe ich dich erweckt, damit ich meine Macht an dir erzeige, und damit mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde‘. So denn, wen Er will, begnadigt Er, und wen Er will, verhärtet Er. Du wirst nun zu mir sagen: Warum tadelt Er noch? Denn wer hat Seinem Willen widerstanden? Ja freilich, o Mensch, wer bist du, der du das Wort nimmst wider Gott? Wird etwa das Geformte zu dem Former sagen: Warum hast du mich also gemacht? Oder hat der Töpfer nicht Macht über den Ton, aus derselben Masse ein Gefäß zur Ehre und ein anderes zur Unehre zu machen? Wenn aber Gott, willens, Seinen Zorn zu erzeigen und Seine Macht kundzutun, mit vieler Langmut ertragen hat die Gefäße des Zornes, die zubereitet sind zum Verderben…«. Hier wird es also ganz deutlich gesagt. Diese Lehre kommt also nicht von Calvin, sondern ist aus der Bibel.“

R: „Dieser Abschnitt wird aber häufig missverstanden, so als ob Gott ein grausamer Tyrann wäre, der willkürlich Menschen nur zum Zwecke der ewigen Qual erschaffen habe. Deshalb ist es wichtig, einmal genau zu lesen, was wirklich gesagt wurde: Erstens wird die vorgeburtliche Auswahl Gottes nicht mit willkürlichem und unbegründeten Hass auf Esau begründet, wie es den Anschein hat, sondern sie bezieht sich allein auf die Rangordnung, die Gott den beiden Brüdern zugedacht hatte. Und zweitens…“

F: „Halt! Da muss ich kurz unterbrechen. Gott hatte der Rebekka ja nur prophetisch vorhergesagt, dass Esau seinem Bruder eines Tages dienen würde, aber Er hatte es nicht angeordnet, sondern Jakob hat sich den Segen ja letztlich durch Betrug erschlichen.“

R: „Das denken viele, ist aber falsch: Rebekka befragte Gott und bat Ihn um eine Handlungsanweisung (wörtlich heißt es: »sie forschte nach«). Und der HErr befahl ihr darauf hin – wörtlich übersetzt: »Der Vielseiende SOLL dem Geringeren dienen« (1.Mos. 25:23). Es geht hier also um eine vorauslaufende Willensbekundung Gottes und nicht um eine Zukunftsvoraussage. Nachdem Jakob sich auf ganz legitime Weise das Erstgeburtsrecht – und damit auch den Segen des Erstgeborenen – erkauft hatte, verschwieg Esau seinem Vater diesen Handel und wollte dadurch dem Jakob diesen abgekauften Segen wieder stehlen. Rebekka hingegen tat nur ihre Pflicht als sie die Handlungsanweisung Gottes umsetzen wollte, indem sie dem Betrugsversuch Esaus durch einen Gegenbetrug vereitelte.“

F: „Das hört sich sehr gut an und leuchtet mir ein. Das erklärt auch gut, warum Jakob überhaupt das Erst-geburtsrecht brauchte, denn ohne den dadurch erlangten Segensanspruch wäre es wertlos gewesen.“

R: „Dann kommen wir zweitens zu Mose und Pharao: Es ist bekannt, dass Gott den Pharao erst dann verhärtete, nachdem sich dieser zuvor immer wieder selbst verhärtet hatte (2.Mos.9:12, 1.Sam.6:6). Gott reagiert also nur auf den Trotz eines Menschen und versiegelt dann quasi sein Tun, um es für das Gericht aufzubewahren. Deshalb wurde auch Adam und Eva nach dem Sündenfall der Zugang zum Baum des Lebens versperrt, damit sie nicht ohne Bestrafung das ewige Leben durch die Hintertür erlangen (1.Mos.3:22).“

F: „Aber wie erklärst Du Dir, dass Gott dem Mose schon von vornherein angekündigt hatte, dass der Pharao sich verhärten würde? »Aber ich weiß wohl, dass der König von Ägypten euch nicht ziehen lassen wird, auch nicht durch eine starke Hand« (2.Mos.3:19).“

R: „Weil Gott Vorkenntnis hat und deshalb weiß, wie jeder Mensch reagieren wird (1.Petr.1:2). ER wusste sogar, dass die Bewohner von Tyrus und Sidon in Sack und Asche Buße getan HÄTTEN, wenn Er bei ihnen die gleichen Wunderwerke getan hätte wie in Chorazin und Bethsaida (Matth.11:21). ER hat aber Seine guten Gründe, warum Er nicht allen die gleichen Chancen einräumt, und es ist müßig, darüber zu spekulieren. Dennoch wird sich im Gericht Gottes niemand damit herausreden können, dass er nie die Möglichkeit von Gott bekommen hätte, sich bekehren zu können: »Weil sie, Gott kennend, Ihn weder als Gott verherrlichten, noch Ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Schlussfolgerungen in Torheit verfielen, und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde« (Röm.1:21).“

F: „Ich glaube, dass Gott selbst das Herz der Menschen verfinstert, weil sie die Wahrheit auch gar nicht erkennen sollen, damit nur Seine Auserwählten errettet werden, so wie geschrieben steht: »Jenen, die draußen sind, geschieht alles in Gleichnissen, damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen, und hörend hören und nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen (die Sündenakte) erlassen werde« (Mark.4:11-12).“

R: „Bedenke bitte, dass es hier nicht um irgendwelche Menschen ging, sondern um solche, die den HErrn bereits verworfen hatten und Ihm vorwarfen, durch den Teufel die Dämonen auszutreiben (Mark.3:22). Der HErr wollte sich in Bezug auf ihre verdiente Strafe nicht mehr umstimmen lassen, wollte aber aus Liebe zu ihnen auch nicht, dass sie durch noch mehr Belehrung ihr Strafmaß noch weiter erhöhten, denn je mehr jemand weiß, desto höher ist seine Verantwortung, wenn er daraus keine Konsequenzen zieht. Deshalb hat der HErr hier sozusagen einen »Stop-Loss« gesetzt, um es mal in der Börsensprache auszudrücken.“

F: „Aber wie verstehst Du dann die Stelle, wo Paulus schreibt, dass Gott ein Recht dazu habe, auch »Gefäße zur Unehre« zu schaffen, nämlich die »Gefäße des Zorns, die zubereitet sind zum Verderben« (Röm.9:22)? Gott ist doch absolut souverän und kann mit Seinen Geschöpfen machen was Er will (Matth.20:15). Wenn jemand mit Gott rechten wollte, könnte er Ihm auf tausend nicht eines antworten (Hiob 9:3). ER muss auch niemandem Rechenschaft ablegen und kann selber den Maßstab festlegen, was Recht und Unrecht ist.“

R: „Ja, Gott ist ein souveräner Herrscher und braucht sich selbst nicht an Vorschriften halten. ER kann immer tun, was er will, und niemand könnte Ihm einen Vorwurf machen. Aber »Der HErr liebt das Recht« (Ps.37:28), und Er will die Menschen nicht ungerecht behandeln. Dies aber wäre der Fall, wenn er Seine Geschöpfe nur zu dem Zweck geschaffen hätte, damit sie einmal ewig in der Hölle gequält werden ohne je die Möglichkeit gehabt zu haben, errettet zu werden. In dem Text in Römer 9 bezieht sich Paulus ja auf das Gleichnis in Jeremia 18, wo es heißt: »Und ich ging in das Haus des Töpfers hinab, und siehe, er machte eine Arbeit auf der Scheibe. Und das Gefäß, das er aus dem Ton machte, missriet in der Hand des Töpfers; und er machte wiederum ein anderes Gefäß daraus, wie es zu machen den Töpfer gut dünkte. Und das Wort des HErrn geschah zu mir also: Vermag ich euch nicht zu tun wie dieser Töpfer, Haus Israel? spricht der HErr; siehe, wie der Ton in der Hand des Töpfers, also seid ihr in meiner Hand, Haus Israel. Einmal rede ich… Und ein anders Mal rede ich über ein Volk und über ein Königreich es zu bauen und zu pflanzen; tut es aber was böse ist in meinen Augen, sodass es auf meine Stimme nicht hört, so lasse ich mich des Guten gereuen, das ich ihm zu erweisen gesagt hatte« (Jer.18:3-10). Gott erklärt hier also das Gleichnis, indem Er feststellt, dass nicht Er der Schuldige sei, weil der Ton in Seiner Hand missriet, sondern die Menschen, die nicht auf Seine Stimme hören wollten. Zum anderen wird auch hier deutlich, dass selbst ein auserwähltes Volk wie Israel von Gott verworfen werden kann, wenn es den guten Weg verlässt und anfängt Böses zu tun in Seinen Augen.“

F: „Von der Verantwortung des Menschen ist aber in Römer 9 nichts erwähnt, sondern es geht nur um die Souveränität Gottes. »Wen Er will, begnadigt Er« – ohne jedwede Bedingung! Aber genauso bedingungslos ist auch die Verhärtung, weil Gott das so entschieden hat!“

R: „Damit unterstellst Du Gott aber Willkür und Despotismus. Der ganze Zusammenhang bezieht sich auf das Volk Israel, das sich verstockt hatte: »Sie wollen nicht auf mich hören. Denn das ganze Haus Israel ist von harter Stirn und verstockten Herzens« (Hes.3:7). Hätten sie aber Buße getan, dann hätte Gott sie nicht verworfen: »O dass du gemerkt hättest auf meine Gebote! dann würde dein Friede gewesen sein wie ein Strom, und deine Gerechtigkeit wie des Meeres Wogen« (Jes.48:18). Und auch heute bekommt jeder Mensch eine faire Chance zur Umkehr: »Heute, wenn ihr Seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht«(Hebr.3:15). Gott will nicht den Tod des Sünders, aber wenn er nicht umkehrt, dann nur deshalb, weil er nicht gewollt hat: »Jerusalem, Jerusalem, … Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Kücklein versammelt unter ihre Flügel, UND IHR HABT NICHT GEWOLLT!« (Matth.23:37). Wohlgemerkt: Er sagt nicht: »Ihr habt nicht gekonnt«, sondern »Ihr habt nicht gewollt«!“

F: „Judas hat auch nicht gewollt, und dennoch wurde Er vom HErrn Jesus als Verräter ausgewählt, damit sich die Schrift erfüllen würde (Joh.13:18). Es heißt, dass er Ihn »überliefern SOLLTE« (Joh.12:4).“

R: „Judas hatte wie jeder andere die Wahl, noch rechtzeitig umzukehren, aber der HErr wusste genau, dass Judas ihn verraten würde, weil er ein Dieb war (Joh.12:6) und sich bereichern wollte. Auch Judas liebte den HErrn und wollte nicht, dass Er stirbt. Wahrscheinlich dachte er, dass der HErr im letzten Moment unsichtbar werden und dadurch entkommen würde, denn wie alle anderen Jünger konnte auch er sich nicht vorstellen, dass man Ihn als Sohn Gottes tatsächlich töten könnte.“

F: „Trotzdem: Dieses »Ihr habt nicht gewollt« bezieht sich auf Israel und kann nicht einfach auf die ganze Menschheit angewendet werden. Das wäre ungefähr so, als wenn eine Mutter sich nicht nur damit begnügen würde, ihren eigenen Kindern eine Moralpredigt zu halten, sondern plötzlich auch in der Fußgängerzone die Passanten anspricht und ihnen Vorhaltungen macht, obwohl sie zu diesen gar keine Beziehung hat. Deshalb sagt Gott zu Amos: »Nur euch habe ich von allen Geschlechtern der Erde erkannt; darum werde ich alle eure Missetaten an euch heimsuchen« (Am.3:2). Die Kinder Israel waren bevorrechtigt, dass ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut wurden (Röm.3:2). Die übrigen Nationen aber, die weder Israel angehören, noch der Gemeinde des Neuen Bundes, sind Gott egal. ER hat sie nicht erwählt und ist deshalb auch nicht verantwortlich für sie. Wenn sie in die Hölle kommen, dann nur deshalb, weil es für sie keinen anderen Ort und auch keine andere Verwendung gibt.“

R: „Nein, das stimmt einfach nicht. Wir sollen Fürbitte tun für ALLE Menschen, weil Gott im Prinzip will, dass ALLE Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1.Tim.2:1-4). Auch die heidnischen Völker wurden schon immer von Gott beurteilt und gerichtet, das findest Du an vielen Stellen im AT, z.B. bei Nebukadnezar: »Als sein Herz sich erhob und sein Geist bis zur Vermessenheit sich verstockte, wurde er von seinem königlichen Throne gestürzt, und man nahm ihm seine Würde« (Dan.5:20). Und wie ich schon zitiert hatte über die Einladung von Paulus an die Heiden: »Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet Er jetzt den Menschen, dass sie alle überall umdenken sollen« (Apg.17:30).“

F: „Ja, das Evangelium soll schon gepredigt werden, aber nur, damit die errettet werden, die Gott auserwählt hat, aber nicht die anderen. Ein Mensch ist doch gar nicht in der Lage, Buße zu tun bzw. umzudenken, wenn Gott ihm nicht den Glauben geschenkt hat (Eph.2:8). Kein Mensch sucht Gott aus freien Stücken, weil er dem Teufel gehört, der über ihn frei verfügt (Röm.3:11, 2.Tim.2:26). Unser Wille ist so verderbt, dass wir gar nicht in der Lage sind, den HErrn Jesus als unseren Retter anzunehmen. Von Natur sind wir deshalb Kinder des Zorns, die immer nur den Willen des Fleisches oder der Welt tun können, aber nie eine echte Wahlmöglichkeit haben (Eph.2:3, 1.Petr.4:3).“

R: „Der Glaube ist eine Gabe Gottes, das ist richtig. Dennoch aber sagen wir: »Ich glaube« und nicht etwa: »Es glaubt in mir«. Das bedeutet, in uns muss auch die Bereitschaft vorhanden sein, zu glauben. Wir müssen quasi mit Gottes Wirkungen in uns interagieren, ähnlich wie die Eizelle mit dem Samen. Wir sind keine Marionetten, sondern tragen eine Mitverantwortung für unser Seelenheil.“

F: „Eben gerade nicht!!! Der Mensch kann mit all seinen Bemühungen nicht mit Gottes Gnade kooperieren, denn das wäre ja dann eine »Mischfinanzierung«, wie Luther sich ausdrückte. Er stritt sich damals über diese Frage mit Erasmus von Rotterdam, der wie Du an den „freien Willen« des Menschen glaubte. Was Du – so wie auch er – nicht verstehst, dass wir durch und durch unfrei sind in unseren Entscheidungen. Wir tun nie, das was wir wollen, sondern was wir sollen (Gal.5:17). Luther verglich unseren Willen mit einem Lasttier, dass immerfort geritten wird, entweder von Gott oder vom Teufel. Der Humanist bildet sich ein, dass er wie »Herkules am Scheideweg«* steht und sich aus einer neutralen Stellung heraus FÜR oder GEGEN Gott entscheiden könne. Aber er ist eben nicht neutral und kann deshalb auch nicht annehmen, was des Geistes Gottes ist (1.Kor.2:14).“

*Das ist eine Metapher aus der griechischen Mythologie

R: „Du hast schon recht, dass es nicht um eine Wahl geht – vergleichbar einer Wahl, die ich im Kaufhaus zwischen zwei Produkten habe. Sehr wohl geht es aber um eine Wahl zwischen Leben und Tod, und da ist es eher neben der Sache, dass ich mich während meines Lebens von allen möglichen Interessen und Gelüsten habe (ver)leiten lassen. In dem Moment, wo sich der HErr mir offenbart um mich zu retten, kann ich zwar nicht »Ja« sagen, aber ich kann durchaus »Nein« sagen. Denn wenn der Mensch noch nicht einmal das Heil ausschlagen könnte, wäre er auch nicht schuldig vor Gott. Moses aber sagte zu den Kindern Israel: »Ich nehme heute den Himmel und die Erde zu Zeugen gegen euch: Das Leben und den Tod habe ich euch vorgelegt, den Segen und den Fluch! So wähle das Leben, auf dass du lebest, du und dein Same« (5.Mos.30:19).“

F: „Ja, und sie haben das Leben erwählt, aber nicht weil sie wirklich eine freie Wahl hatten, sondern weil sie bereits Gottes auserwähltes Volk waren, so wie auch wir es heute sind. Rein äußerlich betrachtet hat es den Anschein, als ob wir eine Wahl für Gott treffen, aber in Wirklichkeit ist Er es, der »in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken nach Seinem Wohlgefallen« (Phil.2:13). Deshalb muss einer Bekehrung von uns immer erst eine Bekehrung durch Gott vorangehen, so wie geschrieben steht: »Bekehre mich, dass ich mich bekehre, denn du bist der HErr, mein Gott« (Jer.31:18). Wenn Gott uns nicht erleuchtet, dann bleiben wir in der Finsternis. Aber in dem Moment, wo der HErr in unsere Finsternis hinein-leuchtet, können wir ihr – wie Saul von Tarsus – nicht mehr widerstehen, weil sie uns überwältigt.“

R: „Das Licht scheint aber auch oftmals in einer Finsternis, ohne dass diese es erfasst (Joh.1:5). »Ich habe den ganzen Tag meine Hände ausgebreitet zu einem widerspenstigen Volke, welches seinen eigenen Gedanken nach auf dem Wege wandelt, der nicht gut ist« (Jes.65:2). Du selbst hast ja eben zugegeben, dass Israel das auserwählte Volk war und sie wie wir in einen Bund mit Gott getreten sind. Gott hat sie aber nicht gezwungen, sondern hat um sie geworben wie ein Bräutigam um seine Braut wirbt (vergl.Hes.16). Aber alle Liebe und Fürsorge Gottes nützte am Ende nichts, so dass Er resigniert feststellte: »Allezeit gehen sie irre mit dem Herzen; aber sie haben meine Wege nicht erkannt. So schwur ich in meinem Zorn: Mitnichten werden sie in meine Ruhe eingehen!« (Hebr.3:10-11).“

F: „Warum setzt Du nur immer wieder Israel mit der Gemeinde gleich!? Die Israeliten sind doch nicht versiegelt worden mit dem Heiligen Geist durch die Wiedergeburt, so wie es bei uns geschehen ist (Eph.1:3). Ein echtes Kind Gottes ist gar nicht mehr in der Lage, sich der heilenden und heiligenden Wirkung des Geistes Gottes zu entziehen. Es lebt nicht mehr für sich selbst, sondern lässt nur noch Christus durch sich leben (Gal.2:20). Durch die Erneuerung der Wiedergeburt sind wir auch nicht mehr fähig, weiter in der Sünde zu leben, wie es Israel tat. Wir Glieder am Leibe Christi sind doch dem alten Menschen mit seinen verdorbenen Lüsten und Begierden längst abgestorben im Gegensatz zu ihnen. Sie konnten noch straucheln, weil sie die Gnade Gottes noch nicht erfahren haben, sondern immer noch dem Fleische gehorchen mussten.“

R: „Dafür dass unser Fleisch abgestorben ist, ist es aber manchmal noch ganz schön rührig! Deine idealisierte Vorstellung von der Gnadenwirkung Gottes scheint mir abgehoben und realitätsfern. Auf der einen Seite sprichst Du den Ungläubigen jedwede Entscheidungsfähigkeit ab, auf der anderen Seite postulierst Du aber eine nahezu unfehlbare Superfrömmigkeit für die Gläubigen, die mit der erfahrbaren Realität nichts zu tun hat, sondern merkwürdig theoretisch klingt. Beides indes scheint mir biblisch nicht belegbar. Sowohl im Alten wie auch im Neuen Testament lesen wir überall von einem einladenden, geduldigen, aber auch erziehenden und ziehenden Gott, dem am Heil des Menschen gelegen ist. Deswegen hat Er Seinen Sohn Jesus Christus zu uns gesandt, um uns zu belehren, aber vor allem, damit Er Sein sündloses Blut als Sühne für uns am Kreuz vergoss, um uns dadurch freizukaufen. Dies im Glauben anzunehmen ist so einfach, vielleicht für manche zu einfach. Wir müssen aber nicht bis ins einzelne die verborgenen Geisteswirkungen Gottes durchschauen, sondern einfach nur glauben wie ein Kind. Kinder hinterfragen nicht ständig ihre Motive oder die Motive ihrer Eltern, sondern vertrauen einfach nur.“

F: „Die Gefahr besteht aber, dass wir uns dem Zeitgeist anpassen und eigenmächtig versuchen, Menschen für Christus zu gewinnen, ohne dass der Vater sie zieht. Wir sollten stattdessen lernen, stille zu werden, damit Gott selbst die Herzen anrührt und sie dann von ganz alleine kommen. Es geschieht ohnehin nichts, was Gott nicht zuvor geplant hat bzw. bewusst zulässt: »Von etlichen Menschen sind die Sünden vorher offenkundig und gehen voraus zum Gericht, etlichen aber folgen sie auch nach. Desgleichen sind auch die guten Werke vorher offenkundig, und die, welche anders sind, können nicht verborgen bleiben« (1.Tim.5:24-25). Je mehr wir erkennen, dass wirklich alles vorherbestimmt ist, desto mehr kommt unser Gewissen zur Ruhe von den toten Werken.“

R: „Ist dann nicht alle Wortverkündigung, alle Mission und Evangelisation, alles Ermuntern zum Bibellesen, alles Einladen zu Predigt und Bibelstunde schlicht Unsinn? Gilt es dann nicht, die Augen zu schließen und auf den wunderbaren Gnadeneinbruch senkrecht von oben zu warten? Jede Aktivität steht doch dann immer unter dem Verdacht, aus dem eigenen Fleisch motiviert zu sein und sollte dann doch besser unterbunden bleiben. Dann frage ich mich aber, warum es im Wort Gottes so viele Gebote und Aufforderungen an uns Gläubige gibt, wenn wir doch gänzlich unfähig wären zum Gehorsam. Und ebenso die Gottlosen: Wenn Gott sie eines Tages nach ihren Werken richten wird, dann muss Er ihnen doch wenigstens ansatzweise die Möglichkeit gegeben haben, die Gebote Gottes auch befolgen zu können. Wenn sie aber völlig willenlose Kreaturen wären, dann würden sie sogar nach menschlichem Ermessen als schuldunfähig gelten.“

F: „Die Gebote Gottes sind nur dazu da, den Menschen eines Tages vor Augen zu halten, dass er die ewige Qual im Feuersee rechtmäßig verdient hat. Für einen durch Christus gerechtfertigten Wiedergeborenen sind die Gebote Gottes nicht gemacht, wie Paulus in 1.Tim.1:9 schreibt, denn dieser wandelt ja bereits durch den Geist Gottes in Gerechtigkeit und Heiligkeit.“

R: „Also das halte ich für eine sehr gefährliche Fehldeutung und steht im Widerspruch zu sämtlichen Aussagen des HErrn, wie z.B. »Wer mich liebt, hält meine Gebote« (Joh.14:15), aber das ist ein anderes Thema, und darüber sollten wir deshalb jetzt nicht sprechen. Ich würde stattdessen nochmal auf diesen Punkt der Schuldfrage kommen. Du stellst es ja jetzt so dar, als ob Gott die Nichterwählten betrügen würde, indem Er sie für etwas verantwortlich machen würde, wofür sie doch eigentlich gar keine Schuld hätten, weil sie ja angeblich einen völlig unfreien Willen haben würden, der gar nicht in der Lage ist, das Gute zu wählen. Habe ich Dich da richtig verstanden?“

F: „Das ist natürlich mal wieder typisch für unsere von der Sünde verdorbene Vernunft, dass wir uns erdreisten, Gott auf die Anklagebank zu stellen, anstatt uns unter Seinen geoffenbarten Ratschluss zu beugen und im Glauben anzunehmen, dass dieser weise und gerecht sei. Dabei hat uns Paulus doch aufgefordert, dass »wir Vernunftsschlüsse zerstören sollen und jede Höhe, die sich erhebt wider die Erkenntnis Gottes, und jeden Gedanken gefangen nehmen unter den Gehorsam des Christus« (2.Kor.10:5). Das war ja auch immer der Kampf der Reformatoren mit den Humanisten im 16.Jh., weil diese nicht verstehen wollten und konnten, dass Gottes Gedanken höher sind als unsere Gedanken und unsere Wege nicht Seine Wege sind (Jes.55:8). Wir können Gott eben nicht intellektuell begreifen, sondern nur an Seine Gerechtigkeit glauben. Aber die Christen hören heute lieber auf den Zeitgeist, der Gottes Handeln anpassen möchte an unseren Verstand. Es ist einfach kränkend für den aufgeklärten Menschen, wenn man ihm sagt, dass sein Wille und seine Gedanken gar nicht wirklich frei sind, sondern von unsichtbaren Kräften gesteuert werden. Dies hat übrigens in jüngster Zeit auch die Hirnforschung bestätigt.“

R: „Dieser Vorwurf ist nicht fair, denn ich habe die ganze Zeit darauf verzichtet, Deine Ansichten intellektuell als eine Ansammlung von Absurditäten zu widerlegen, sondern habe mich allein auf die Aussagen aus der Heiligen Schrift berufen. Aber in der Tat bietet die Prädestinationslehre auch und gerade für Atheisten eine breite Angriffsfläche, um den christlichen Glauben zu verspotten und Gott als willkürlichen Tyrannen darzustellen, und das nicht zu Unrecht! Aber ich erhebe doch keine Vorwürfe gegen Gott, sondern gegen das, was Du über Ihn behauptest, weil Du Ihm wie die Freunde Hiobs »Ungereimtes« unterstellst und dadurch Seinen heiligen Namen in Verruf bringst. Wenn das 2. Gebot uns verbietet, Gottes Namen »zu Eitlem zu missbrauchen«, dann bezieht sich dies nicht nur auf unbedachte Redewendungen, sondern auch darauf, wenn wir dem Wesen Gottes ein gesetzloses Handeln andichten, das nicht mit der Bibel übereinstimmt.“

F: „In der Tat, nach der »Weisheit dieses Zeitlaufs«, nämlich des Humanismus und der Aufklärung, erscheint die Lehre von der Auserwählung den Gebildeten heute wie eine Torheit, aber das war schon damals so, als Paulus den Griechen predigte. Aber ich schäme mich nicht dieser Lehre Christi, und es schert mich auch nicht, wenn diese selbst von Gläubigen heute teilweise als »absurd« hingestellt wird. Die Reformatoren wie Luther oder Calvin hatten damals noch eine klare Sicht und ließen sich nicht von den Ausklügelungen der Humanisten beirren. Luther sagte: »Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!«."

R: „Diese Worte hat Luther eigentlich nie wirklich gesagt, sondern wurden ihm angedichtet. Aber was er in späteren Zeiten tatsächlich von sich gab, war: »Ich will meine Lehre ungerichtet haben…Wer meine Lehre nicht annimmt, dass er möge selig werden. Denn sie ist Gottes und nicht mein; darum ist auch mein Gericht Gottes und nicht mein«¹. Diese unglaubliche Überheb-lichkeit, die auf die Worte des HErrn in Joh.7:16 anspielt, drückt eine nahezu päpstliche Unfehlbarkeit aus, die er selbst in seinen jungen Jahren noch kritisiert hatte am Papst, den er für den Antichristen hielt.“

F: „Was soll daran jetzt so verkehrt sein, wo es doch heißt: »Wenn jemand redet, so rede er als Aussprüche Gottes« (1.Petr.4:11)?“

R: „Ja, wenn es denn so wäre. Aber jeder noch so schlimme Sektierer und Irrlehrer maßt sich an, das Sprachrohr Gottes zu sein, deshalb müssen wir »die Worte prüfen wie der Gaumen die Speise kostet« (Hiob 34:3). Über die Straßenprediger, die dem Luther ein Dorn im Auge waren, sagte er z.B.: »Wenn sie gleich das reine Evangelium wollten lehren, ja wenn sie gleich Engel und Gabriel vom Himmel wären... Will er predigen, so beweise er den Beruf oder Befehl ... Will er nicht, so befehle die Obrigkeit solchen Buben dem rechten Meister, dem Meister Hans (= dem Henker)«². Solche Empfehlungen sprach Martin Luther regelmäßig aus, und die Fürsten hörten auf ihn und ließen in der Folge Tausende der sog. Wiedertäufer foltern und verbrennen. Und nicht nur seine Mitbrüder, sondern auch gegen die Bauern sprach Luther Todesurteile: »Ich habe im Aufruhr alle Bauern erschlagen; all ihr Blut ist auf meinem Hals. Aber ich schiebe es auf unseren Herrgott; der hat mir befohlen, solches zu reden«³. Damit aber erfüllt Luther den Tatbestand, vor dem der HErr in Matth.24:48 warnt: »Wenn aber jener böse Knecht… anfängt, seine Mitknechte zu schlagen, und ist und trinkt mit den Trunkenen…« - Selbst in Bezug auf den legendären Alkoholismus Luthers trifft dieses Wort zu. Es ist überliefert, dass er »zu jeder Mahlzeit knapp zwei Liter Südwein und dazwischen obendrein reichlich Neumburgisch‘ Bier«⁴. Er war eindeutig Alkoholiker.“

F: „Luther war ein Kind seiner Zeit. Und die Zeit des ausgehenden Mittelalters war leider sehr grausam. Aber auch Luther selbst war zeitlebens in Todesgefahr, und wir verdanken es heute seinem Mut, dass die Römisch-Katholische Kirche heute nicht mehr so eine furchtbare Macht hat wie damals, weil er damals auf dem Reichstag in Worms die Wahrheit bezeugt hat.“

R: „Ja, Gott hat Luther gebraucht, um der Welt das Wort Gottes zugänglich zu machen und besonders das Heil allein aus Gnade zu betonen. Aber in seinen späteren Jahren, als er durch sein ausschweifenderes Leben der Fettsucht und Trunkenheit verfiel, begann er, die Lehre von der Gnade zu pervertieren. An seinen Freund Melanchthon schrieb er: »Sündige tapfer, aber glaube noch tapferer«⁵ Dieser Spruch wurde später im Deutschen Volk zum Geflügelten Wort, indem die Lutheraner sich bei jeder Sünde immer wieder auf diesen Ausspruch Luthers beriefen. Der HErr Jesus hat aber genau das Gegenteil gelehrt: "Gehe hin, und sündige hinfort nicht mehr, auf dass dir nichts ärgeres widerfahre« (Joh.5:14, 8:11) »Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird« (Hebr.10:26). Im Grunde wurde Luther hier zum Prediger der Gesetzlosigkeit, und es ist bezeichnend, dass in der Lutherbibel von 1545 das Wort »Gesetzlosigkeit« nicht ein einziges Mal vorkommt, sondern von ihm immer wieder anders übersetzt wurde, als wollte er das Wort vermeiden. Bei all seinen Verdiensten, muss man Luther also leider doch diesen Vorwurf machen, dass er das Volk wie einst Aaron »zügellos gemacht hat zum Gespött unter ihren Widersachern« (2.Mos.32:25). Deshalb beschreibt der HErr Jesus das Zeitalter der Reformation in den Sendschreiben prophetisch mit der Kritik an Sardes: »Ich kenne deine Werke, dass du den Namen hast, dass du lebst, und bist tot« (Offb.3:1), d.h. sie hatten noch ein Bekenntnis, das sie als Lebendige auswies, aber in Wirklichkeit waren sie geistlich tot, weil sie keine Glaubenswerke hatten (Jak.2:17), sondern nur Werke der Gesetzlosigkeit. Und das ist bis heute so. »Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen… Deshalb, an den Früchten werdet ihr sie erkennen« (Matth.7:18+20). Die Reformatoren Luther, Calvin und Zwingli haben durch ihre Hetze gegen Andersgläubige unzählige Wiedertäufer foltern lassen und sie danach ertränken, verbrennen, rädern, zersägen oder köpfen lassen. Das ist die böse Frucht der Prädestinationslehre, wenn man sich selbst als unfehlbaren Auserwählten sieht, der sich für seine Taten nicht mehr verantwortlich fühlt, weil ja angeblich alles von Gott gewirkt sei!“

F: „Aber Calvin hat doch keine Wiedertäufer foltern und töten lassen, soweit ich weiß.“

R: „Doch, selbstverständlich, und zwar den spanischen Arzt Michel Servet, ein gottesfürchtiger Reformator, der Calvins Lehren kritisiert hatte. Calvin ließ ihn bei dessen Flucht in Genf festnehmen und lieferte dem Gericht auch die nötigen Beweise, und zwar Briefe, aus denen Servets »Ketzerei« hervorgeht. Calvin wird zum Zeugen, Ankläger und Gutachter zugleich. Am 27.10.1553 ist Michel Servet dann auf qualvolle Weise verbrannt worden.“

F: „Aber Servet war doch kein Christ!“

R: „Das behaupten die Calvinisten, um sich von dieser Schuld Calvins reinzuwaschen; aber selbst wenn er andere Lehren vertrat, hatte Calvin kein Recht, seine Hinrichtung zu fordern. Als Schriftgelehrter hätte er es wissen müssen. Übrigens waren die letzten Worte Servets: »O Jesus, Sohn des ewigen Gottes, hab Erbarmen mit mir«.“

F: „Nun ja, »Der Herr kennt, die sein sind« (2.Tim.2:19).

R: „Aber der Satz geht noch weiter: »Jeder der den Namen des HErrn nennt, stehe ab von aller Ungerechtigkeit!« (2.Tim.2:19).“

F: „Du sagst es. Das war ein gutes Schlusswort!“

 

¹     1 (Index verborum, Martin Luther´s German Writings, 1516 - 1525, Boston College 1999, Volume 10 / 2, S.107)  
    
       2 (Der 82. Psalm durch D.M.L., geschrieben und ausgelegt Anno 1530, Tomos 5, S. 74b ff.)
3 (WA, Tischreden, Band 3, Weimar 1914, Nr. 2911b., S. 75)
4 (Focus 6/96)
5 (Brief an Philipp Melanchthon vom 1.8.1521; Weimarer Ausgabe der Lutherschriften, Band Briefe Nr. 2, Nr. 424)

 

 

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