"Und ER ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanze nach dem Regen sproßt das Grün aus der Erde."

(2. Sam. 23:4)

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„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“ (Röm.13:12)

„Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre das Gehör? Wenn ganz Gehör, wo der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt, jedes einzelne von ihnen an dem Leibe, wie es Ihm gefallen hat.“ 2.Kor.12:17-18

                                                                                                                                                             Bremen, den 15.08.19

Lieber Bruder Norbert,

die Gnade und der Friede unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus seien mit Dir!

[ - hier folgt zunächst Persönliches, das nur für den Bruder bestimmt war und deshalb nicht veröffentlicht wird - ]

Nun zu der Frage, ob das Internet das Malzeichen des Tieres ist.

Zunächst einmal ist das Internet nichts weiter als ein Informationsmarkt und gehört niemandem und damit jedem. Nun wird das Internet ja vor allem kommerziell genutzt, um seine Waren und Dienstleistungen zu bewerben und zu verkaufen, ähnlich wie auf einem Wochenmarkt. Wenn ich eine eigene Internetseite haben will, dann benötige ich dafür jemanden, der sie einrichtet und anmeldet; das ist ungefähr vergleichbar wie ein Tischler, der mir auf dem Wochenmarkt eine Bude aufbaut und sie beim örtlichen Ordnungsamt anmeldet. Das World-Wide-Web (www) hatte sein Erfinder, der CERN-Mitarbeiter Tim Berners-Lee 1989 entwickelt, um wissenschaftliche Dokumente mit anderen Wissenschaftlern auf einfache Weise auszutauschen. Deshalb heißt es auch Web, also Gewebe, und nicht Net = Netz, denn es geht nicht darum, Menschen zu fangen, sondern ihnen einen vereinfachenden Zugang zu einem Informationsaustausch zu gewährleisten, ähnlich wie die Straßen einer Stadt dem Menschen dienen sollen, um sich gegenseitig zu besuchen. Wollte man also das Internet verteufeln, dann wäre das vergleichbar, als würde man Christen davor warnen, die Straßen einer Stadt zu benutzen, weil ja überall die Sünde lauert (ganz so abwegig ist dieser Vergleich ja auch nicht, wenn man Spr.7:8 bedenkt).

Im Gegensatz zu festgelegten Straßen gibt es im Internet aber keine starren Fahrbahnbegrenzungen, weshalb man es eher mit einem Wasserstraßennetz vergleichen kann, auf denen man zu jeder Zeit überall hin „surfen“ kann (daher kommt wohl auch dieses Verb). Verglichen mit dem Meer, besteht aber auch im Internet die Gefahr von „Wellen“ und „Strömungen“ (Meinungen, Behauptungen), durch die ein unerfahrener Surfer „untergehen“ kann. Man kann durch das zu viele Trinken von schädlichen Bildern oder Informationen „ertrinken“ bzw. von „Haien“ (Ideologien) „gefressen“ werden. Soll man aber deshalb dieses „Meer der Möglichkeiten“ völlig meiden, um sich vor schädlichen Einflüssen zu schützen? Dann dürfte man konsequenterweise auch nicht das Evangelium in der Innenstadt verbreiten, denn auch dort lauern überall Gefahren durch Nacktbilder oder Kaufverlockungen. Man könnte dies als „faule Ausrede“ benutzen, wenn man keine Lust hat, Traktate zu verteilen: „Der Faule spricht: Ein Löwe ist draußen; ich möchte (nicht) ermordet werden mitten auf den Straßen!“ (Spr. 22:13). Stattdessen sollten wir wie der HErr Jesus lernen, die Dinge zu sehen, ohne sie zu beachten bzw. mit offenen Ohren nicht zuzuhören, was alles so geredet wird (Jes.42:20).

Das Wort Gottes lehrt uns, dass wir „die Welt gebrauchen“ dürfen (1.Kor.7:31), denn „alles ist euer“ (1.Kor.3:23). Paulus hat dies getan, indem er immer wieder Schiffe gebrauchte, um das Wort zu verbreiten (Apg.20:13+18, 21:2-6). Heute gebrauchen wir zur Verbreitung des Wortes Gottes Versammlungsräume, fahren mit dem Auto in eine Stadt, um zu predigen oder betreiben eine Internetseite. Versammlungsräume müssen aber angemietet werden, Autos müssen bei der Behörde zugelassen werden und Internetseiten muss man registrieren lassen. Nun würde aber doch niemand auf die Idee kommen, dass man durch das Mieten eines Hauses oder das Zulassen eines Wagens ein Bündnis mit der Welt eingehe oder sich gar zum Bestandteil des Systems mache. Warum aber glaubst Du, dass man sich durch das Anmelden einer Internetseite mit dem antichristlichen System eins mache? Ich habe sogar gleich zwei Internetseiten, eine für Gläubige (www.derhahnenschrei.de) und eine für Ungläubige (www.zeitaufzustehen.de). Ich könnte stattdessen auch nur Schriften und Traktate verteilen, aber das kostet sehr viel Geld und ist wesentlich mühseliger. Eine Internetseite hingegen ist wie ein Netz, das ich nur ins Wasser halten brauche und die Fische schwimmen ganz von alleine hinein – und sollen wir etwa nicht „Menschen fischen“? Auf meiner christlichen Internetseite sind seit 2016 schon rund 27.000 Aufrufer „ins Netz gegangen“ und auf meiner evangelistischen Internetseite waren es sogar schon fast 40.000 Aufrufe bis jetzt. Stell Dir mal vor, wie viele Traktate ich hätte verteilen müssen, um solch eine Reichweite zu erlangen! Dem HErrn sei Lob und Dank!

Du hast geschrieben, dass es einen Unterschied macht, ob Du nur das Internet als Gast betrittst, oder ob Du es durch eine eigene Internetseite als Miteigentümer verwendest. Das stimmt. Wenn man z.B. eine alte Kirche betritt – wie Du schreibst – dann muss man sich der Hausordnung unterstellen und darf nicht machen, was man will, denn sonst wird man hinausgeworfen. Durch das Betreten der Kirche erkennt man also automatisch auch ihr Hausrecht an und unterstützt damit indirekt auch ihre Existenzberechtigung. Wenn ich aber meine eigene Gemeinde oder meine eigene Internetseite gründe, dann muss ich mich niemandem zum Dienst unterwerfen, sondern kann im Gegenteil von meinen Besuchern erwarten, dass sie mein Hausrecht achten. Oder – um einen anderen Vergleich zu bringen – macht es einen Unterschied, ob ich ein Bordell als Kunde betrete oder ob ich vor der Tür des Bordells die Besucher zur Buße aufrufe oder nur deshalb hineingehe, um Traktate zu verteilen (vergl. Spr. 1:20-22). Wenn ein Christ also das Internet nicht zur Verbreitung des Wortes Gottes nutzen will, hat man auch nichts im Internet zu suchen.

Deine Ansicht, dass die Verwendung einer Internetseite der Annahme des Malzeichens des Tieres entspricht, weil das „www“ der 666 entspräche, ist haltlos und leicht widerlegbar. Denn nach Offb.13:16 wird man das Malzeichen an der rechten Hand oder an der Stirn annehmen. Es wird sich also eher um eine Art Chip oder um eine Tätowierung handeln, um persönliche Daten auszulesen, die zum Kauf oder Verkauf erforderlich sind. Im Laufe der Kirchengeschichte gab es aber schon Dutzende andere Theorien und Meinungen, was dieses „Malzeichen“ sein könnte. Ellen White war ja z.B. der Meinung, dass es sich um das „Sonntagsgesetz“ handele und gründete daraufhin ihre eigene Sekte der Siebenten-Tags-Adventisten. An diesem Beispiel sieht man, wie gefährlich es ist, wenn man seine eigene Meinung zu einer biblischen Lehre erklärt und dadurch alle Christen auf einen Schlag als Malzeichenträger verdammt, obwohl sich diese Meinung gar nicht auf einer eindeutigen Bibelstelle gründet, sondern auf einer willkürlichen Auslegung einer Bibelstelle. „Wer den Gerechten verdammt, ist dem HErrn ein Gräuel“ (Spr.17:15), deshalb dürfen wir nicht leichtfertig unsere Meinungen verabsolutieren, sondern sollten sie demütig als „mögliche Deutung“ vorschlagen.

Wie Du sicher gehört hast, hatte ich vor zwei Monaten schon einmal solch eine Diskussion mit Bruder Wolfgang Ruland. Ich hatte es zunächst toleriert, dass er der Meinung war, jeder Orgasmus sei Sünde aufgrund seiner Deutung von 1.Kor.6:12. Aber als er dann noch weiterging und den Verzicht auf den Orgasmus als Heilsnotwendigkeit lehrte und diese Idee sogar auf Traktaten drucken ließ, da hatte meine Toleranz ein Ende, denn er verbreitete damit ein ganz neues Evangelium. Wir werden ja in Jak.3:1-2 davor gewarnt, Irrlehren zu verbreiten, zumal wir alle nicht vor Irrtümern gefeit sind. Du hattest mich ja z.B. zurechtgewiesen, weil ich meinen Vater öffentlich bloßgestellt hatte, obwohl uns das in der Schrift verboten ist. Daran siehst Du, wie schnell jeder von uns mal von einem Fehltritt übereilt werden kann und deshalb der Korrektur durch andere Brüder bedarf.

Aber genauso verhält es sich auch mit Deiner neuartigen Internetlehre. Hättest Du sie zunächst einmal einer breiten Masse an Brüdern zur Prüfung und Beratung vorgelegt, dann hätte wohl ein Großteil Dir an Hand der Schrift belegen können, dass Du hier über die Strenge geschlagen hast. Gott kann zwar durchaus auch mal einen einzelnen Bruder erwecken, um in prophetischer Weise eine nicht beachtete Wahrheit wieder ans Licht zu bringen, aber selbst dann sollen „die übrigen“ es prüfen (1.Kor.14:29, 1.Thes.5:20-21). Wenn man keine Legitimierung durch einen Brüderrat oder durch schriftliche Zeugnisse der früheren Gemeinde hat, darf man eine Privatmeinung auch nicht als „neue Lehre“ verbreiten. Denn neue Ideen führen letztlich fast immer zu Sektiererei und Spaltungen. Das ist ungefähr so, als würde sich jemand als Polizist ausgeben und eigenmächtig Bußgelder kassieren. Nur die Verantwortungsträger einer Ortsgemeinde sollen durch einstimmigen Beschluss eine Erkenntnis als allgemeinverbindlich festlegen und nicht irgendwelche selbsternannten „Lehrer“ (Mt.18:18). Hätten sich die begabten Brüder immer an diesen Grundsatz gehalten, dann gäbe es heute nicht so viele Sonderlehren.

So wie ein neues Medikament erst durch viele Labortests als wirksam und tauglich geprüft werden muss, so sollten wir auch in theologischen Fragen gründlich und vorsichtig umgehen mit neuen Erkenntnissen, bevor wir sie veröffentlichen. Das beweist dann echte Ehrfurcht vor der Wahrheit und auch ein Eingeständnis der eigenen Fehlbarkeit. Ich habe z.B. den „Hahnenschrei“ früher immer noch durch einen alten Bruder korrekturlesen lassen, bevor ich ihn veröffentlicht habe. Und das war gut so, denn wie oft erschien mir schon etwas richtig, und ich musste später dann feststellen, dass ich etwas übersehen hatte! Allein die Frage der Wiederheirat von Geschiedenen hat mich das ganze Jahr 2018 beschäftigt, und ich musste immer wieder meinen Aufsatz zu dem Thema abändern und umschreiben, bis endlich ein passender Schuh daraus wurde. Mir scheint, dass der Heilige Geist einem einzelnen Gläubigen ganz bewusst nicht alleine die ganze Wahrheit schenkt, sondern Er verteilt die Erkenntnis auf viele Brüder gleichzeitig, damit sie sich untereinander beraten und zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen. Auf diese Weise entsteht eine echte, lebendige Bruderschaft und die Abhängigkeit der einzelnen Glieder Christi zueinander.

Dennoch sollte auch kein Bruder entmutigt oder gar mundtot gemacht werden, sondern in seinem Eifer für neue Erkenntnis aus der Schrift sogar gefördert werden. Wenn Du z.B. einen Beitrag über die Gefahren des Internets schreibst, ist dies wohl mehr als berechtigt. Und auch Dein Hinweis, dass die Abkürzung www doch kein Zufall sein kann, ist nicht von der Hand zu weisen und ein wertvoller Denkanstoß. Wenn Du jedoch weiter gehst und auch die Verwendung einer Internetseite für problematisch ansiehst, dann solltest Du dies nicht nur ausführlich mit der Bibel begründen, sondern auch diese Ansicht immer deutlich als MEINUNG kennzeichnen, durch die Du einen Beitrag zur gemeinsamen Besprechung einbringen willst.

Lieber Norbert, morgen früh mache ich mich wieder mit zwei Brüdern auf die Reise, um in verschiedenen Städten Deutschlands das Evangelium zu predigen. Wenn der HErr will und wir leben, sind wir am nächsten Mittwoch auch in Nürnberg und könnten Dich auf der Durchreise besuchen kommen. Wenn es Dir recht ist, würde ich Dich noch rechtzeitig informieren, wann genau wir da sind. Ich habe auch ein kleines Geschenk für Dich.

In der Liebe zum HErrn Jesus verbunden

Dein Bruder

Simon