"Und ER ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanze nach dem Regen sproßt das Grün aus der Erde."

(2. Sam. 23:4)

Suchmaschine

werbung

Seite übersetzen?

Statistik - Besucher

Heute 6 Gestern 308 Woche 553 Monat 1664 Insgesamt 198219

Kubik-Rubik Joomla! Extensions

„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“ (Röm.13:12)

Und ich werde ihre Gefangenschaft wenden, die Gefangenschaft Sodoms … und deine Schwestern, Sodom und ihre Töchter, werden zurückkehren zu ihrem früheren Stand… damit du dich erinnerst und dich schämst und den Mund vor Scham nicht mehr auftust, wenn ich dir alles vergebe, was du getan hast, sprich der Herr, HErr. (Hes.16:53+55+63)

Bremen, den 15.04.2020

Lieber Bruder Lothar,

sei herzlich gegrüßt und gesegnet durch unseren himmlischen Vater und unseren HErrn Jesus Christus!

Wie mir aus Deiner Biographie bekannt ist, hast Du in Deinem Leben schon viele Enttäuschungen erleben müssen, auch und gerade von anderen Christen, die der Meinung waren, eine Deutungshoheit zu besitzen – nur, weil sie in der Mehrheit waren. Dabei ist es Dir hoch anzurechnen, dass Du als Dr. der Theologie auf ein auskömmliches, regelmäßiges Salär verzichtet hast (Hebr.11:24-26), indem Du aus Liebe zur Wahrheit 1998 aus der EKD ausgetreten bist, um die Schmach Christi außerhalb des Lagers zu tragen (Hebr.13:12). Wieviel Kopfschütteln und Unverständnis muss dies bei Deinen Verwandten und Freunden hervorgerufen haben! Du hättest es so einfach haben können und würdest so ein hohes Ansehen überall genossen haben. Aber Du hast die richtige Entscheidung getroffen, und der Herr wird’s Dir vergelten.

Ebenso bitter muss es für Dich gewesen sein, als auf einmal viele Gläubige Dich kritisiert hatten, nachdem Deine erste Frau sich von Dir getrennt hatte und Du nach vielen vergeblichen Versöhnungsversuchen einige Jahre nach der Scheidung gemäß Matth.19:9 und 1.Kor.7 eine gläubige Schwester geheiratet hast. Statt Verständnis und Mitleid für Deine tragische Situation erlebtest Du von vielen Geschwistern Unverständnis und kalte Ablehnung, indem man Dich als „Ehebrecher“ diffamiert hatte. Besonders bitter war dies, weil die Ablehnung diesmal nicht von Gottlosen kam, sondern von Glaubensgeschwistern, die Du einmal sehr geschätzt hattest. Viele wollten Deine biblischen Begründungen gar nicht anhören, sondern hatten sofort ein vernichtendes Urteil über Dich gesprochen. Dabei hatte Paulus ja geschrieben, dass ein „Gelöstwordener“ in 1.Kor.7:27, sprich: ein unfreiwillig Geschiedener, „nicht sündigt“, wenn er erneut heiratet (Vers.28).

Ähnliche Diffamierungen musstest Du Dir sicherlich auch schon anhören, seit Du Dich vor 4 Jahren für die AfD eingesetzt und eine entsprechende Wahlempfehlung verbreitet hattest (auch ich hatte Dir damals ja davon abgeraten). Durch die Manipulation der Medien und der Altparteien ist ja die Mehrheit der Deutschen überzeugt, dass die AfD eine rechtsextremistische Partei sei, welche die Demokratie abschaffen will und deshalb vom Verfassungsschutz beobachtet werden sollte. Obwohl ich zwar auch meine Bedenken gegen die AfD habe, ist mir nicht entgangen, mit was für perfiden und undemokratischen Mitteln die AfD in die nationalsozialistische Ecke gerückt wird. Die AfD ist allgemein geächtet, und wer sich – wie Du – zu den Positionen der AfD bekennt, der wird ebenso gleich als „Rechtsradikaler“ oder „Faschist“ gebrandmarkt, ohne dass einem die Möglichkeit eingeräumt wird, sich verteidigen zu dürfen.

Wenn man so oft - wie Du - missverstanden, stigmatisiert und aus scheinheiligen Gründen gemieden wurde, dann sollte man doch inzwischen die perfiden Methoden der Manipulation kennen und sie aus Liebe zur Wahrheit nicht selber anwenden, nicht wahr? Was Du nicht willst, dass man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu (Mt.7:12). Diese schlichte Regel menschlichen Anstands wurde von Gott ja in den zehn Geboten konkretisiert, wo es u.a. im 9. Gebot heißt, dass wir kein „Zeugnis des falschen Anscheins“ geben dürfen (5.Mose 5:20). Das hier gebrauchte hebr. Wort SchaW° meint eine Scheinwahrheit, die man als „eindeutig belegt“ verbreitet und durch die man nicht nur selbst getäuscht ist, sondern auch andere täuschen kann, die man ironischerweise gerade dadurch vor Täuschung schützen will. Nicht nur bei Jesuiten, sondern auch bei vielen rhetorisch geschulten Evangelikalen wird oftmals nach der Überzeugung verfahren: „Der Zweck heiligt die Mittel“. Gott aber hatte den Kindern Israel auferlegt, dass sie nicht nur nicht lügen sollten, sondern auch keinen falschen Eindruck erwecken sollen, um Zuhörer durch rhetorische Mittel zu manipulieren.

Im Neuen Testament geht das Liebesgebot aber viel weiter. Nicht nur, dass wir kein Unrecht tun dürfen, sondern wir sollen die Rechte der Schwächeren stärken, anstatt sich der eigenen Stärke zu rühmen (1.Kor.12:22). „Schwach“ sind z.B. in Lehrfragen die Minderheiten unter den Gläubigen, weil sie gegenüber den Vertretern der Mehrheit benachteiligt sind. Würde z.B. die AfD irgendwann die Mehrheit im Bundestag haben, dann würde den heutigen linksliberalen Pressevertretern der Mut fehlen, weiter gegen die AfD zu hetzen, weil sie nicht mehr den Rückhalt der Mehrheit hätten. Unter Kindern Gottes sollten jedoch solche perfiden Tricksereien mit Halbwahrheiten, Stigmatisierung und Manipulation absolut verpönt sein, sondern wir sollten um Christi willen vielmehr Rücksicht nehmen auf unsere benachteiligten Brüder.

Wahrscheinlich ahnst Du schon längst, auf was ich hinauswill. Du hast im Internet zwei Videos hochgeladen, in denen Du über „Drei Betäubungsmittel für die endzeitliche Christenheit“ predigst, womit Du die Babytaufe, die Allversöhnung und die Lehre von der Unverlierbarkeit des Heils meinst. Ich hatte über die Ostertage mal Zeit, diese Predigt zu analysieren und würde gerne im Folgenden ausführlich zum Thema „Allversöhnung“ Stellung nehmen. Wie Du weißt, glaube ich seit meiner Rückbekehrung vor sechs Jahren wieder an die Gültigkeit der ganzen Heiligen Schrift und somit auch daran, dass Gott alle Menschen retten und zur Erkenntnis der Wahrheit bringen will (1.Tim.2:4). Weil ich glaube, dass Gott „ein Retter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen“ werde ich wie Paulus schon seit langem „geschmäht“ (1.Tim.4:10), und man unterstellt mir, eine unbiblische Irrlehre zu vertreten, manche behaupten sogar : „ein falsches Evangelium“ (so als ob man allein durch den Glauben an eine unendliche Qual im Feuersee gerettet werden könne!). Niemand wird durch den Glauben an die Allversöhnung errettet, daher kann es keine Heilsbotschaft sein. Wer indes die Allversöhnung für ein anderes Evangelium hält, sagt damit indirekt, dass der Glaube an eine unendliche Höllenqual Bedingung sei, um errettet zu werden und verkündigt dadurch selbst ein falsches Evangelium. Du hingegen bist nicht so weit gegangen, sondern respektierst mich seit unserem Gespräch im Frühjahr 2015 als aufrichtigen Bruder im HErrn. In Deiner Predigt sagst Du sogar: „Es sind Geschwister, die so viel Liebe haben, dass sie sich nicht vorstellen können, dass einer verloren geht.“

Bevor ich im Einzelnen auf einige Deiner Argumente eingehe und sie biblisch bewerte, möchte ich nur kurz mal auf diesen letztgenannten Satz zu sprechen kommen: Kann man tatsächlich ZU VIEL Liebe haben? Kann ein Übermaß an Liebe gar schädlich sein? Was Du meinst, ist wohl eher die Gefahr der Unnüchternheit und der falschen Kompromisse (1.Sam.15:9-23, Mt.16:22-23). Aber von der echten „Liebe aus reinem Herzen und ungeheucheltem Glauben“ kann man doch gar nicht zu viel haben (1.Tim.1:15). Verglichen aber mit Gottes Liebe, reicht unsere Liebe bei weitem nicht heran. ER ist sogar bereit alle Sünden und Lästerungen der Menschen zu vergeben (Mark.3:28) und hat zu diesem Zweck Seinen einzig geborenen Sohn Jesus Christus hergegeben, damit Er für uns Sein Leben ließ! Wieviel mehr sollte Er uns mit Ihm nicht auch alle schenken, für die wir regelmäßig beten (Röm.8:32)! Aber wenn sogar wir, die wir „böse sind“ (Luk.11:13), bereit wären, die Ungläubigen nach einer notwendigen, mehr oder weniger langen, aber „angemessenen“ Strafe wieder zu begnadigen, warum unterstellen wir dann Gott, dass Er dazu nie mehr bereit wäre? Kann denn etwa unsere Liebe und Erbarmen größer sein, als die Liebe und das Erbarmen Gottes?!

Nun aber zu meiner Analyse. Hiob sagte ja: „Soll nicht das Ohr die Worte prüfen, wie der Gaumen die Speise kostet?“ (Hi.12:11). Unter den vielen rhetorischen Tricks gibt es

  1. 1. Das Spiel mit den Negativen Konnotationen

In Richt.12:5-6 lesen wir von einem Beispiel, wie schnell wir Menschen auf Schlagwörter reagieren können, um eine standrechtliche Aburteilung zu bewirken ohne nähere Untersuchung. Wir kennen das ja alle von uns selbst, dass bestimmte Trigger-Worte sofort eine positive oder negative Assoziation bei uns hervorrufen, die durch die Verwendung dieses Reizwortes „mitschwingt“. In der Sprachwissenschaft bezeichnet man dies ja als Konnotation; man kann auch sagen: es ist das, was „zwischen den Zeilen“ gesagt wurde, was sich der Hörer schon denken kann. Zu solchen emotional aufgeladenen Reizwörtern zählt z.B. das Wort „charismatisch“, „Evolution“ oder "Migrationshintergrund“. Für sich genommen bezeichnen diese Worte ganz neutrale, kulturelle Phänomene, die alle ihre jeweilige Existenzberechtigung haben, aber in bestimmten christlichen Kreisen negativ besetzt sind. Es sind Worte, die „einem genügen“, um sie sofort in eine gedankliche Schublade zu stecken, weil man meint, schon genug darüber zu wissen. Zu diesen anstößigen Begriffen zählt leider heute unter den meisten Christen auch das Wort „Allversöhnung“, obwohl es eigentlich nur das bezeichnet, was in Kol.1:20 geschrieben steht: „…und durch Ihn alles (w. das All) zu versöhnen zu Ihm hin“.

Eine negative Konnotation kann man schaffen, indem man regelmäßig einen neutralen Begriff mit einem negativ besetzten Begriff verbindet, weil sich dann im Gehirn der Zuhörer allmählich eine entsprechende Verschaltung bewirken lässt, z.B.: AfD = Nazis, außerhalb der Kirche = Sekte, Wiederheirat = Ehebruch, Allversöhnung = Irrlehre, Impfen = Profitgier der Pharmalobby, Juden = Weltverschwörung, usw. Wenn man also immer wieder solche Worte miteinander zusammenbringt, dann hinterlässt man Spuren im Gehirn der Zuhörer. Das nennt man Manipulation. Ich denke, wir sind uns einig, dass eine solche strategische Verwendung von Reizworten daher ziemlich perfide, wenn nicht sogar teuflisch ist, nicht wahr?

Ich zitiere jetzt mal aus Deiner Predigt ein paar Satzteile und Stichworte, bei welcher Du die biblische Allversöhnungslehre aus Kol.1:20 mit Reizwörtern oder Namen in Verbindung bringst, die unabhängig von ihrer Berechtigung beim Hörer unwillkürlich sofort negative gedankliche Verknüpfungen hervorrufen: „Die Allversöhnungslehre geht auf die THEOSOPHIE zurück und ist über Origenes aus dem alexandrinischen RELIGIONsbereich ÄGYPTENS in das Christentum EINGEDRUNGEN (wie ein Fremder!) … das ist die EVOLUTIONSLEHRE von HEGEL beeinflusst… HÖHERENTWICKLUNG der Menschheit … ist auch bei RUDOLF STEINER zu finden… UNIVERSALISMUS… Wunschtraum… gefährliches BERUHIGUNGSKISSEN… BETÄUBUNGSMITTEL in der Endzeit… FEGEFEUER ähnlicher Zustand, berührt sich mit dem KATHOLISCHEN… nichts anderes als KATHOLISCHES FEGEFEUER … Jane Leades GEISTOFFENBARUNG… SWEDENBORG…SCHLEIERMACHER, BARTH, BULTMANN… Das wäre ein ZWINGEN! … Gott wollte keinen KADAVERGEHORSAM. Keine HAMPELMÄNNCHEN, die Arme und Beine in die Luft heben, … Es geht nicht um unser GEFÜHL…

Wenn jemand all diese hervorgehobenen Stichworte liest, aber die biblische Allversöhnung gar nicht kennt, dann ist der Fall für ihn sofort klar, und er/sie glaubt, dass man sich nicht weiter damit beschäftigen müsse, denn die genannten Personen und Begriffe stehen für jeden bibeltreuen Christen verständlicherweise unter dem Bann. Ich gehe mal davon aus, dass Du dies auch damit erreichen wolltest, nicht wahr? Dir muss aber auch klar sein, dass Du – solltest Du Dich irren – auch die volle Verantwortung dafür trägst, wenn vielen Gläubigen nun der Zugang zur biblischen Allversöhnung versperrt ist, den man nicht durch Voreingenommenheit, sondern nur durch ein Prüfen der Schrift erlangen kann (Mt.23:13, Apg.17:11). Wir werden aber von Gott dazu aufgefordert, dass wir an Hand der Heiligen Schrift „alles prüfen“ sollen (1.Thes.5:21). Prüfen bedeutet aber nicht ein Abgleich mit meiner bisherigen vorgefassten Meinung (denn dann wäre es nur der Wunsch nach Bestätigung), sondern ist der aufrichtige Wunsch, sich im Falle eines Irrtums von Gottes Wort korrigieren zu lassen, weil man mehr als alles andere „den Willen Gottes tun will“ (Joh.7:17). „Die Weisheit von oben ist als erstes lauter, sodann friedfertig, vorbildlich, (wohlwollend) überzeugbar [d.h. bereit, sich überzeugen zu lassen], angefüllt mit Erbarmen und guten Früchten, nicht zweifelnd beurteilend [d.h. nicht schwankend, nicht zwiespältig, entschieden, entschlossen], ungeheuchelt“ (Jak.3:17).

Wohlgemerkt soll die Überzeugungsbereitschaft sich allein auf die Heilige Schrift beziehen und nicht auf rhetorischen Tricks und erst recht nicht auf irgendwelche Geisteroffenbarungen. Als ich vor sechs Jahren wieder zum HErrn zurückkehrte, da bin ich „nicht mit Fleisch und Blut zu Rate gezogen“ (Gal.1:16), und ich habe mich auch nicht für irgendwelche Philosophen interessiert, was die meinen oder nicht meinen (Kol.2:8), sondern mich trieb allein der Wunsch, aus der Schrift von Gott zu erfahren, was Gott mit den Unerretteten nach dem Gericht am Weißen Thron noch vorhat. Und wenn der Heilige Geist mich dann nicht auf all jene Bibelstellen aufmerksam gemacht hätte, auf die ich noch zu sprechen kommen werde, dann hätte ich nie und nimmer die Allversöhnung angenommen. Denn warum sollte sich jemand freiwillig der Schmach durch andere Gläubigen aussetzen wollen, von der Paulus in 1.Tim.4:10 schreibt? Und auch alle anderen Brüder, die ich kenne und die wie ich die Allversöhnung erkennen durften, sind keineswegs irgendwie gefühlsduselig oder schwärmerisch, und haben diese auch nicht von irgendwelchen Esoterikbüchern oder Totengeistern erworben, sondern allein durch intensives Schriftstudium. Du kennst selbst z.B. seit Jahren den Bruder Bernd Fischer und weißt, wie sehr er das Wort Gottes liebt und kennt. Könntest Du Dir vorstellen, dass er etwas auf die Behauptung von Philosophen oder Spiritisten geben würde? Deshalb sind doch Deine ganzen Anspielungen auf Spiritismus, Philosophie, Theosophie oder bibelkritischer Theologie im Zusammenhang mit der Allversöhnung nichts weiter als eine üble Verleumdung. Es mag ja sein, dass auch irgendwelche Esoteriker auf eine Allversöhnung hoffen, aber das ist dann ohnehin wohl kaum die biblische Allversöhnung, sondern nur eine eigenwillige Wunschversion davon.

  1. 2. Die Verwendung von „Strohmann-Argumenten“

Und hier sind wir bei dem nächsten Problem, das ich mit Deiner Predigt habe: so wie viele Gegner der Allversöhnung diffamierst auch Du diese, indem Du ihnen Ansichten unterstellst, die gar nicht auf sie zutreffen. Eigentlich solltest Du als Theologe doch die entscheidenden Unterschiede zwischen der biblischen Allversöhnung und dem unbiblischen Universalismus kennen, der besagt, dass alle ungläubigen Menschen auch ohne Gericht und Strafe einfach so errettet sind, wenn sie sterben. Diese Auffassung vertrat ja z.B. Karl Barth und wohl auch die ungläubigen Bibelkritiker Schleiermacher und Bultmann. Willst Du uns mit jenen in einen Topf stecken? Oder wenn Du von „Betäubungsmitteln“ oder „Beruhigungskissen“ sprichst, dann mag das vielleicht auf die Lehre von der Unverlierbarkeit des Heils zutreffen, aber keineswegs auf die Allversöhnung. Denn ohne Frage werden ja die ungläubigen Toten von Gott gerichtet und bestraft, weshalb von einem Beruhigungskissen doch gar keine Rede sein kann. Uns wird ja immer unterstellt, wir würden Ungläubige dazu verführen, sich erst nach dem Tod bekehren zu wollen, damit sie das Leben hier auf Erden noch so lange wie möglich genießen können. Tatsächlich gibt es weltweit keinen einzigen Menschen, der zwar an die Allversöhnung, das Gericht und den Feuersee glaubt, es aber dennoch nicht für nötig hält, sich zu bekehren, weil er auf eine Errettung nach dem Tod spekuliert. Das sind unreflektierte Ammenmärchen, die nur den einen Zweck verfolgen, die Allversöhnungslehre krampfhaft als etwas Gefährliches darzustellen.

Wenn man eine Behauptung kritisiert oder gar widerlegt, die niemand wirklich behauptet hat, nur um den Anschein zu erwecken, dass diese Teil der gegnerischen Ansicht sei, dann nennt man dies in der Rhetorik ein sog. „Strohmann-Argument“; denn es ist gleichsam so, als würde man auf eine leblose Strohpuppe eindreschen. Anstatt sachlich auf die tatsächlichen Argumente des Streitgegners einzugehen, werden ihm dann verzerrte, übertriebene, falsch dargestellte und damit leicht zu widerlegende Scheinargumente untergeschoben, um den Eindruck zu erwecken, dass diese unhaltbare Darstellung angeblich die Position des Gegners sei. Ähnlich verhält es sich, wenn man sich Bibelstellen herauspickt, die angeblich von der Gegenseite benutzt werden, aber in Wirklichkeit kaum überzeugend wirken für den tatsächlichen, infrage kommende Streitgegenstand und sich deshalb leicht widerlegen lassen. Oder aber man verwendet absichtlich einen Vergleich, der wesentlich einfacher zu widerlegen ist als die eigentlich zu widerlegende These. Das trifft z.B. zu, wenn Du suggerierst, als würden die „Allversöhner“ das Gericht und die Qual im Feuersee gar nicht ernst nehmen, indem Du sagst: „Das äonische Läuterungsfeuer ist nichts anderes als das katholische Fegefeuer“. Hier würde Dir nicht nur jeder katholische Geistliche widersprechen, sondern auch der andere Allversöhnungskritiker Wilfried Plock, der besser zu differenzieren weiß. Die biblische Allversöhnung spricht weder von einer „Läuterung“ im Feuersee, noch von einem „Fegefeuer“, sondern von einem Evangelisieren im Totenreich (1.Petr.3:19, 4:6, Joh.5:24-25) und einer „Lebendigmachung“ der Gestorbenen (1.Kor.15:22 mit Joh.6:63), sowie einem „HErr werden über Lebende und Gestorbene“ (Röm.14:9 - Der hier verwendete Aorist "Herr werde" schließt ein "Herr sein" aus, denn er beschreibt einen fortlaufenden Vorgang, der erst mit dem Erreichen abgeschlossen ist).

Dass die Allversöhnungslehre – wie oft behauptet - „an keiner Stelle der Bibel“ zu finden sei oder angeblich ein betäubender oder gar verderblicher Einfluss von ihr ausgehen würde, ist nur eine unbewiesene Schutzbehauptung. In Wirklichkeit ist es genau andersherum: Nicht die Allversöhnungslehre hält die Menschen von der Bekehrung ab, sondern die Unendliche-Verdammungs-Lehre; denn Millionen von Menschen hätten sich längst bekehrt, wenn die Christen ihnen nicht irrtümlicherweise einen völlig unglaubwürdigen und in sich widersprüchlichen Heilsplan Gottes vermittelt hätten. Die Unendliche-Verdammungs-Lehre war auch für mich 1996 u.a. der Anlass, dass ich nicht mehr an die Bibel glauben konnte und war in der Folgezeit dann ebenfalls ein Haupthinderungsgrund, um wieder an den Gott der Bibel glauben zu können (aber dazu werde ich später noch kommen). Man kann auch hier wieder einen Vergleich ziehen zur Politik: Während die Altparteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnten, weil sie angeblich „keine demokratische Partei“ sei, haben sich ausgerechnet diese Parteien als schlechte Verlierer erwiesen und in völlig undemokratischer Weise Anfang Februar 2020 verlangt, dass das demokratisch nicht zu beanstandende Wahlergebnis in Thüringen einfach annulliert werden soll. In beiden Fällen wird bei einem Missverhältnis zwischen einem ideologischen Anspruch einerseits und der missliebigen Realität andererseits einfach versucht, die Realität zu verbiegen, anstatt seine eigenen ideologisch geprägten Prämissen infrage zu stellen. Man versucht, im Namen des Rechts das Recht zu beugen, weil man sich in der Mehrheit weiß. Wären die Mehrheitsverhältnisse aber anders, dann würde man sich solche Tatsachenverdrehungen nicht zutrauen, da sie dann sofort von allen scharf kritisiert worden wären. Zweierlei Maß und zweierlei Gewichte sind dem HErrn aber ein Gräuel.

Auch in Bezug auf den Evangelisationseifer hat das Wissen um Gottes Rettungsplan für alle Menschen keinerlei nachweisbaren lähmenden Einfluss, sondern genau das Gegenteil: Gerade WEIL ich die Zuversicht habe, dass mein evangelistischer Einsatz für den HErrn nicht vergeblich ist, sondern die Saat eines Tages aufgehen wird, bin ich um so mehr motiviert, jeden Samstagnachmittag in der Bremer Innenstadt zu predigen oder Traktate zu verteilen, selbst wenn heute noch kaum einer zuhört. Gott hat mir ja verheißen, dass sich eines Tages jeder Mensch vor dem HErrn Jesus niederknieen wird, um Ihn als HErrn zu bekennen (Phil.2:9-11). Du selbst betonst ja immer wieder in Deiner Predigt, dass dies nicht aus Zwang geschehen kann, weil Gott „keine Marionetten“ geschaffen hat, sondern verheißt, dass die Menschen Ihn „im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Joh.4:24). Es kann in Phil.2:11 auch niemand sagen „HErr ist Jesus Christus“, wenn er/sie nicht den Heiligen Geist hat (1.Kor.12:3). Denn JEDER, der den Namen des HErrn anruft, wird gerettet werden“ (Joel 3:5, Röm.10:13). Und was dann jede Zunge bekennen wird, steht in der zitierten Stelle in Jes.45:24: „‘Nur in dem HErrn hat Er mir zugesprochen Gerechtigkeit und Stärke‘. Zu Ihm wird man kommen [Joh.6:37], und es werden beschämt werden alle, die gegen Ihn entbrannt waren [vergl. Hes.16:63]“. Wenn ich aber glauben würde, dass nur die „Erstlinge Seiner Schöpfung“ gerettet werden (Jak.1:18), also nur gerade einmal 1–5 %, dann kann ich gut verstehen, dass so viele Christen samstags lieber Fußball gucken oder Einkaufsbummel machen, anstatt Traktate zu verteilen, weil sich der Aufwand dann weniger „lohnt“.

  1. 3. Die unbelegbare Unendlichkeit

Wenn es um das Wort „alle“ geht in der Bibel, z.B. in Röm.5:18, 11:32, 1.Kor.15:22 usw., dann wird vonseiten der Unendlichkeitsverdammer gefordert, dass das Wort „alle“ nicht immer „alle im absoluten Sinne“ bedeuten würde, obwohl es durch den Artikel „TA PANTA“ = die alle, das All, tatsächlich ausnahmslos alle sind. Wenn es aber um das Wort „ewig“ geht, dann soll es auf einmal keine Differenzierungen mehr geben können, sondern „ewig heißt ewig“, obwohl das hebr. Zeitwort OLaM (gr. AIOo‘N) sich nachweislich an vielen Stellen nur auf etwas Vorübergehendes beziehen kann (2.Mo.21:6, 29:9, 1.Sam.3:13, 2.Chron.6:2, Neh.2:3, Ps.104:5, Pred.1:4, 9:6, Jer.20:17, 35:6, Dan.2:4, 3:10, 5:10, 6:6+21,1, Jona 2:6, Mark.11.14, u.a.). Das z.B. die „Strafe ewigen Feuers“ (Jud.7) für Sodom nicht unendlich sein kann, hatte ich Dir ja schon eingangs in Hes.16:53-63 veranschaulicht, und ich wüsste auch keine einzige alternative Auslegungsmöglichkeit als die, dass Sodom irgendwann vorzeitig aus der Haft entlassen wird, wie ja schon der HErr Jesus andeutet in Mt.11:24. Die Menschen werden im Gericht eben nicht alle über einen Kamm geschoren, sondern bekommen alle ihr jeweiliges individuelles Strafmaß, „GEMÄSS IHRER WERKE“ und nicht UNgemäss ihrer Werke, das nur in einer entsprechenden Verweildauer im Feuersee unterschieden werden kann und nicht etwa in der jeweiligen Hitzetemperatur. Gerade WEIL Gott absolut gerecht ist und keine Person im Gericht bevorzugt, muss er auch alle ähnlich gelagerten Fälle mit gleicher Rechtsprechung behandeln, und ich glaube, dass die meisten Menschen noch nicht einmal annähernd an die Sünden Sodoms heranreichen.

Ein Bruder versuchte, mir Hes.16:53-63 mal so zu erklären, dass nicht die Sünder aus der Gefangenschaft herauskommen, sondern nur deren „Töchter“ (obwohl damit nach Judas 7 eigentlich nur die „umliegenden Städte“ mitsamt ihren Bewohnern gemeint sind). Dann stellt sich jedoch die Frage, warum Gott die Töchter der Sünder gefangen nehmen ließ, wo doch nach Hes.18 das Kind nicht anstelle der Eltern zur Verantwortung gezogen werden kann. Und nebenbei gesagt, steht an anderen Stellen, dass Gott auch bei anderen Völkern „die Gefangenschaft wenden wird am Ende der Tage“, z.B. von Moab (Jer.48:47), die Gefangenschaft Ammons (Jer.49:6) oder die Gefangenschaft Elams (Jer.49:39). Der Zusatz „am Ende der Tage“ schließt die Möglichkeit aus, dass mit der Gefangenschaft nur eine irdische gemeint sei konnte, die schon seit Jahrhunderten vorüber ist, sondern diese Zeitangabe bezieht sich an anderen Stellen auf den Zeitpunkt der Auferstehung (Dan.12:3), wenn die Kinder Israel zu dem HErrn umgekehrt sind und „sich zitternd wenden werden zu dem HErrn und zu Seiner Güte am Ende der Tage“ (Hos.3:5). Die Befreiung dieser Völker kann sich also nur aus ihrer Gefangenschaft im Hades beziehen, weil sie den HErrn angenommen haben.

Das Standartargument gegen eine Endlichkeit der „äonischen Qual“, das Du ja auch in Deiner Predigt anführst und von Augustinus stammt, bezieht sich auf Mt.25:46 und lautet: „Da für die ‚ewige Qual‘ und das ‚ewige Leben‘ das gleiche Adjektiv im selben Satz verwendet wird, kann die Qual nur genauso lange andauern wie das Leben“. Das ist logisch und selbstverständlich richtig. Und dennoch bedeutet AIOo‘NIOS nicht „unendlich ewig“, sondern nur „äonisch“ bzw. „äonenlang“. Die Definition für das „äonische Leben“ ist gemäß Mark.10:30 und Luk.18:30 das Leben im „kommenden Äon“. Demnach kann aber auch die Definition für die „äonische Qual“ in Mt.25:46 nur die sein, dass es die Qual im kommenden Äon ist. Da aber die Äonen zeitlich begrenzt sind und die Bibel vom Beginn und Ende von Äonen spricht (Mt.13:39-49, 24:3, 28:20, Röm.16:25, 1.Kor.2:7, 10:11, Eph.3:9+11+21, Kol.1:26, 2.Tim.1:9, Hebr.9:26, Jud.25), kann weder das äonische Leben noch die äonische Qual unendlich sein. Selbst die Dauer eines Äons ist nicht nur unbekannt, sondern völlig variabel. Man muss bedenken, dass der griechische Begriff AIOoN hier als Entsprechung des hebräischen bzw. aramäischen Pendants eingeführt wurde (etwa über die Septuaginta, der griechischen Übersetzung des sog. Alten Testaments). Der hebräische Begriff OLaM kann aber sowohl im Sinne eines langen Zeitraumes verstanden werden, einer kalendarisch fixierten Zeitspanne entsprechen, für einen nicht absehbaren aber potenziell endlichen Prozess stehen, sowie als Umschreibung für Ewigkeit gebraucht werden. Inwieweit diese Möglichkeiten ausgeschlossen werden können, hängt vom durchaus nicht immer eindeutigen Kontext ab und ist im Einzelnen gar nicht entscheidbar, etwa weil Mehrdeutigkeiten offensichtlich beabsichtigt waren. Eine Festlegung kann daher allein aus dogmatischen Gründen für diese Fälle allenfalls in die Formulierungen hineingelesen werden. Anhand der Grammatik und Semantik ist diese jedoch meistens nicht beweisbar. So finden wir neben Mt.25:46 auch andere Beispiele im Neuen Testament, wo das Wort „äonisch“ im gleichen Satz jeweils als begrenzten wie auch als unbegrenzten Zeitraum genannt wird: In Röm.16:25-26 ist von „ewigen Zeiten“ die Rede, in denen ein jetzt enthülltes Geheimnis verschwiegen war, die also abgelaufen sind, und vom „ewigen Gott“, der Seinem Wesen nach ewig ist und nicht nur äonisch. Auch in Tit.1:2 ist im gleichen Satz vom „ewigen Leben“ und von „ewigen Zeiten“ die Rede.

Der Begriff OLaM (aram. ĀLa‘M) stammt vom hebr. Verb aLa’M ab und bedeutet „verhüllen“ und steht entsprechend für eine unbekannt lange, „verhüllte“ Zeitspanne. Dies entspricht den regulär üblichen Sprachgewohnheiten in orientalischen Kulturen bis heute, denn diese zeichnen sich durch einen eher vagen und durchaus nicht präzisen Zeitbegriff aus. Man erkennt dies auch daran, dass es im Althebräischen- wie Aramäischen streng genommen überhaupt keinen exakten Zeitbegriff gab, sondern vielmehr zwischen abgeschlossenen und fortlaufenden Prozessen unterschieden wurde. Übersetzungen in die Vergangenheit oder Zukunft sind daher in der Regel nachträgliche Interpretationen der Übersetzer. Dies gilt auch für die Formulierung „hin zu (den) Äonen der Äonen“ (griech. ÄIS TOU’S AIOoNAS TOoN AIOo‘NOoN in Offb.14: 10). Die meisten Übersetzer haben sich hier lediglich mit der geläufigen Redewendung „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ begnügt, wobei scheinbar immer wieder von anderen abgeschrieben wurde. Wenn man aber an Hand der Bibel herausfinden möchte, was die wörtlichere Wiedergabe „hin zu den Äonen der Äonen“ bedeuten könnte, dann braucht man sich nur mal die ähnlich formulierten Verse anschauen: „Knecht der Knechte“ (1.Mo.9:25), „Gott der Götter“ (5.Mo.10:17, Dan.2,47), „Herr der Herren“ (Ps.136:3, Offb.17:14), „König der Könige“ (Esr.7:12, Hes.26:7), „Fürst der Fürsten“ (Dan.8:25), „Himmel der Himmel“ (5Mo.10:14, 1.Kön.8:27), „das Heilige der Heiligen“ (d.h. das Allerheiligste 2.Mo.26:33, 1.Kön.6:16). Ohne Frage handelt es sich hier bei all diesen um die gleiche Redewendung wie bei der obigen mit „Ewigkeit“. Würde man die Übersetzung mit „von… bis…“ auch bei den anderen anwenden, käme nur noch grober Unfug heraus: „von Gott zu Gott“? „Vom Herrn zum Herrn“?! Nein, das funktioniert nicht, und die Worte „von“ und „bis“ stehen da auch gar nicht. Vielmehr geht es bei all diesen Beispielen immer nur um etwas Überragendes innerhalb einer gleichartigen Bezugsgruppe. „Der Himmel der Himmel“ meint den höchsten Himmel, das „Heilige des Heiligen“ meint das Allerheiligste und „die Äonen der Äonen“ meinen „die entscheidenden Äonen“.

Der Glaube, dass man AIOoN mit „Ewigkeit“ übersetzen müsse (anstatt richtigerweise mit „Zeitalter“), beruht auf dem bangen Unbehagen, dass man den „ewigen Gott“ ja dann zu einem „äonischen Gott“ degradieren würde. Diese Prämisse ist jedoch ein Trugschluss, denn Gott ist selbst dann ewig, wenn Er u.a. der „König der Äonen“ ist (1.Tim.1:17), weil Er eben NICHT NUR der König der Äonen ist. Er ist ja auch nicht nur - aber auch - der „Gott Israels“, sondern Er herrscht auch „unter den Nationen“ (Ps.22:28). Und genauso ist unser „äonisches Leben“ nicht notwendiger Weise mit Ablauf der Äonenzeit zu Ende, zumal es ja verheißen ist, dass wir „allezeit bei dem HErrn sein werden“ (1.Thess.4:18). Dass es nach der Äonenzeit noch weiter geht, verrät uns die hebräische Formulierung „OLaM Wö-äD“, d.h. „äonisch und fortdauernd“: 2.Mo.15:18, Ps.9:5, Ps.10:16, 21:4, 45:6, 45:6+17, 48:14, 52:8, 104:5, 119:44, 145:1+2+21, Dan.12:3, Mi.4:5. Keine einzige dieser Stellen spricht von der Bestrafungsdauer für die Ungläubigen. Von daher ist die immer wiederkehrende Behauptung, dass die Qual im Feuersee unendlich sei mit keiner einzigen Bibelstelle belegbar. Sie ist vielmehr ein tragischer Mythos, der von Augustinus in die Welt gesetzt wurde und seit 2000 Jahren einen erbarmungslosen und in sich widersprüchlichen Gott darstellt, der mit dem biblischen Gott nichts zu tun hat.

  1. 4. Das ungereimte Gottesbild

Wir sollen uns als Gläubige ja kein Bild machen von Gott, also auch keine Vorstellung, sondern wir dürfen uns nur nach dem orientieren, wie Gott sich selbst uns geoffenbart hat. Gott ist zwar souverän in Seinen Entscheidungen, aber Er handelt dennoch nicht willkürlich, sondern ist an Seinen Namen (d.h. Sein Wesen, Seine Charaktereigenschaften) gebunden und „Er kann sich selbst nicht verleugnen“ (2.Tim.2:13). Das aber bedeutet, dass Er nicht einmal so und dann plötzlich völlig entgegengesetzt sein kann. Nur dadurch, dass Gott Sein Wesen nicht ändert, können wir Ihm überhaupt erst vertrauen. Und wie wunderbar, dass Gott selbst die Liebe ist. Das bedeutet, dass alle Seine Entscheidungen von der Liebe geleitet, getragen und von der Liebe motiviert werden. Und anders kann es auch gar nicht sein. Man stelle sich nur mal vor, wenn Gott auf einmal nicht mehr die Liebe wäre! Dann wäre das Universum wie ein Gebäude, dem plötzlich die Fundamente entzogen wären – alles wäre auf einmal instabil und würde in sich zusammenfallen. „Wenn Er Sein Herz nur auf sich selbst richtete, Seinen Geist und Seinen Odem an sich zurückzöge, so würde alles Fleisch insgesamt verscheiden und der Mensch zum Staube zurückkehren“ (Hi.34:14-15). ER ist der „Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes“ (2.Kor.1:3), der dem verlorenen Schaf nachgeht, bis Er es findet.

Es ist keineswegs egal, wie wir über Gott denken. Von Hiob heißt es nicht nur, dass er „nicht sündigte“, sondern auch, dass er „Gott nichts Ungereimtes zuschrieb“ (Hiob 1:22). Hiob hatte sich zwar in seinen Mutmaßungen über Gottes Motive weit hinausgelehnt, aber er hat nie an der Güte Gottes gezweifelt, auch wenn er sie nicht spürte. Seine Freunde hingegen hielten Gott für einen Geschäftspartner, mit dem man einen Deal machen, Ihn aber ansonsten von sich fernhalten könnte. Solange man sich an bestimmte Regeln hielt, könne man machen, was man wolle (z.B. Hiob 22:2-3+21). Für sie war Gott wie ein Automat, in den man Geld hineinwirft und dann seine Limo bekommt. Aber das reichte Gott ganz und gar nicht. Deshalb sagt er zu Eliphas: „Mein Zorn ist entbrannt wider dich und wider deine beiden Freunde; denn nicht geziemend habt ihr von mir geredet, wie mein Knecht Hiob... Hiob, mein Knecht, möge für euch bitten; denn ihn will ich annehmen, damit ich nicht an euch tue nach eurer Torheit; denn nicht geziemend habt ihr von mir geredet, wie mein Knecht Hiob“ (Hiob 42:7-8). Auch wir stehen in Gefahr, dass wir meinen, mit Gott Handel treiben zu können, indem wir z.B. unbewusst denken: „Ich habe mich rechtzeitig bekehrt und taufen lassen, deshalb habe ich mir jetzt rechtmäßig das ewige Leben verdient; die anderen hingegen haben sich nicht rechtzeitig bekehrt und taufen lassen, deshalb verdienen sie auch nicht das ewige Leben.“

Natürlich würde kein echter Christ so reden und noch nicht einmal sich selbst dies eingestehen. Stattdessen wird immer wieder zurecht betont: „Es war absolut unverdiente Gnade, dass ich errettet wurde!“ Aber wenn die Evangelikalen wirklich so durchdrungen wären von ihrer eigenen Begnadigung, warum reiten sie dann immer so auf den angeblich „freien Willen“ bzw. ihrer „Entscheidungsfreiheit“ herum, als wenn es doch noch etwas gäbe, dessen sie sich den anderen gegenüber insgeheim rühmen? Wie unbiblisch das Konstrukt des angeblich „freien Willens“ in Bezug auf die Errettung ist, erkennen wir an Jesu Worten in Joh.15:16 „Ihr habt nicht Mich auserwählt, sondern Ich habe euch auserwählt“. Und ferner sagt Paulus: „Es liegt also nicht am Menschen mit seinem Wollen und Bemühen, sondern an Gott und Seinem Erbarmen“ (Röm.9: 16). Die Errettung ist Chefsache und viel zu wichtig, als dass Gott sich da von dem Menschen hereinpfuschen lassen würde. Deshalb ist es auch falsch zu sagen: Gott will zwar alle erretten, aber Er kann es nicht, weil der Wille des Menschen Ihn daran hinderte. Dann unterstellt man nämlich Gott, dass Er einen Turm bauen wollte, aber leider nicht genügend Fähigkeit hatte, um diesen auch zu Ende zu bauen und deshalb Sein Vorhaben vor der Zeit abbreche, indem Er sich mit dem Wenigen zufrieden gebe (Luk.14:28-30). Dass Gott grundsätzlich jeden Menschen retten kann, den Er retten will, bestätigt der HErr Jesus in Bezug auf die Reichen, die nach menschlichem Maßstäben unmöglich errettet werden können, aber dass bei „Gott alle Dinge möglich sind“ (Mark.10:27). Die Frage ist also nur: Will Er denn überhaupt alle retten? Allerdings!

Würden sich die Evangelikalen heute nicht durch die Lehre vom „freien Willen“ so viel auf ihre eigene Cleverness einbilden, dann hätten sie viel mehr Mitleid mit den Verlorenen und würden sich nicht scheinheilig mit dem unbiblischen Scheinargument zufrieden geben: „Die anderen wollen ja unbedingt in die Hölle, deshalb kann Gott sie nicht daran hindern.“ Dadurch wird Gott unbewusst als ohnmächtiger und gleichgültiger Prinzipienreiter verlästert, der hilflos mit ansehen muss, wie Seine wertvollen Geschöpfe zum größten Teil vom Satan geraubt werden. Was für ein Armutszeugnis wird dem allmächtigen Gott ausgestellt! Der HErr sagt zwar zu Israel: „Ihr habt nicht gewollt“, aber Er lässt Sein Volk trotz ihres Starrsinns nicht im Stich, sondern bereitet durch die Wiedergeburt einen Weg, durch welchen Israel trotz seiner Widerspenstigkeit dennoch erneuert werden wird. Gott weiß sich zu helfen. Er hat alle Mittel, und Er weiß sie auch richtig einzusetzen. Gott scheitert nicht. „Siehe, Ich bin der HErr, der Gott alles Fleisches; sollte Mir irgendein Ding unmöglich sein?“ (Jer.32:27) „Alles, was Gott wohlgefällt, tut Er in den Himmeln und auf der Erde, in den Meeren und in allen Tiefen“(Ps.135:6). „Gott schafft das Wollen wie auch das Vollbringen nach Seinem Wohlgefallen“ (Phil.2:13) und kann die Herzen der Könige neigen „wohin immer Er will“ (Spr.21:1).

Ich habe gelernt, dass es so etwas gibt wie eine scheinheilige „Superfrömmigkeit“. Damit ist gemeint, wenn man sich aus Heuchelei noch frommer darstellt als man in Wirklichkeit ist, indem man z.B. sagt: „Meine Sünden haben eine unendliche Höllenstrafe verdient!“. Was im ersten Moment sehr fromm klingt, ist bei näherer Betrachtung eine unreflektierte Anmaßung und Übertreibung, denn etwas Unendliches kann man sich als endlicher Mensch nicht „verdienen“, weder ein unendliches Leben noch eine unendliche Strafe. Wir Menschen sind viel zu begrenzt in unseren Möglichkeiten und vollkommen unbedeutend. Erst die Gnade Gottes in Jesus Christus gibt uns und unseren Taten überhaupt eine Bedeutung, aber noch längst keine unendliche. Was wir haben und sind ist allein VON Gott, DURCH Gott und FÜR Gott (Röm.11:36).

Mir wird ein Gedanke allmählich immer deutlicher: wer sich der christlichen Mainstream-Auffassung von einer unendlichen Höllenqual für die Ungläubigen anschließt, entscheidet sich damit zugleich auch dafür, Menschen abzuschreiben, ja, sich in eine Hauptsache-ich-bin-dabei-Mentalität abzuschotten. Bei der gedanklichen Zuordnung von Menschen in solche, die für den Feuersee bestimmt sind, geschieht im Grunde eine Abschreibung, d.h. „Wertminderung“, indem man sie als „nicht mehr rettbar“ einstuft. Diese Vorstellung zerstört aber allmählich auch die Retterliebe im Herzen. Evangelisation verkommt dadurch zu einem Feigenblatt, zu einer Alibi-Veranstaltung, als würde es nur darum gehen, sein eigenes Gewissen zu beruhigen nach dem Motto: „Ich habe ja meinen Teil getan, und wenn die anderen trotzdem nicht errettet werden, ist das nicht mehr meine Schuld!“ Wenn ich aber glaube, dass Gott die anderen auch wirklich erretten will, dann schreibe ich sie nicht von vornherein ab, sondern bemühe mich um sie, auch wenn der Weg noch so weit sein wird. Haben wir uns etwa das Reich Gottes verdient, weil wir die richtige Entscheidung für Jesus getroffen haben? Wohl kaum. Haben aber dann die Ungläubigen den Feuersee verdient, weil sie keine Entscheidung für Jesus getroffen haben? Nein, sondern sie kommen gerade deshalb in den Feuersee, DAMIT sie spätestens dort umdenken und sich zum HErrn Jesus bekehren; denn der HErr Jesus ist ja nach Seinem Tod am Kreuz wie Joseph im "Gefängnis" gewesen, d.h. im Hades (Apg.2:31) und im Abgrund (Röm.10:7), um den Gestorbenen das Evangelium zu predigen (Joh.5:25, 1.Petr.3:19, 4:6), und um die dadurch gläubig Gewordenen anschließend ins Paradies zu überführen (Luk.23:43).

Gott ist der Gott, der niemanden abschreibt, deshalb sollten wir es auch nicht tun. Der HErr geht nicht an dem Verlorenen einfach vorbei, deshalb sollten wir es auch nicht tun. Dass Gottes Liebe größer ist als meine, ist für mich der größte Trost überhaupt. Der Feuersee ist kein KZ ohne Wiederkehr, sondern eher wie ein Straf- und Erziehungslager, um den Menschen zum Umdenken zu bewegen. Gott ist der Gott der Hoffnung und nicht der Hoffnungslosigkeit. Wer glaubt, dass das Erbarmen Gottes ein Verfallsdatum hat und Seine Geduld irgendwann ein Ende hat, der kann schon in diesem Leben völlig verzweifeln und sich sagen: „Gott kann mir nicht mehr vergeben, denn ich habe es mit meinen Sünden zu sehr übertrieben“. Tatsächlich habe ich schon Gläubige gehört, die zu mir in seelsorgerlichen Gesprächen sagten: „Es lohnt sich für mich nicht mehr, gegen die Sünde anzukämpfen, denn Gott hat mich ohnehin längst verworfen. Dann gehe ich eben verloren, - was soll’s! Es kommt jetzt eh nicht mehr drauf an. Deshalb genieße ich wenigstens noch die kurze Zeit auf Erden in der Sünde, wenn es doch ohnehin keine Hoffnung mehr für mich gibt!“ Der Bruder, der diese Worte sprach, war keineswegs ein Junggläubiger, der die Bibel noch nicht kannte, sondern schon 13 Jahre gläubig und kannte die Heilige Schrift besser, wie jeder andere. Er hatte eine herausragende Gabe zum Predigen und wäre ein sehr wertvoller Diener des HErrn geworden, wenn er nicht zu früh schon den Kampf gegen eine bestimmte Sünde aufgegeben hätte. Vielmehr ließ ihn seine Vorstellung von einem ständig enttäuschten und unerbittlichen Schuldeneintreiber-Gott, dem er es nie rechtmachen konnte, am Ende glauben, dass er Gottes Langmut inzwischen verspielt hatte. Er hatte zwar eine große Gottesfurcht, aber Sein falsches Gottesbild hinderte ihn daran, einfach immer wieder mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, um sich die rechtzeitige Hilfe zu erbitten (Hebr.4:16). Einfach mal dieses destruktive Gottesbild infrage zu stellen, um stattdessen auf einen barmherzigen Erzieher-Gott zu vertrauen, der ein Erretter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen, dazu war er nicht bereit, sondern hatte eine tiefe Ablehnung gegen die biblische Allversöhnung. Vielleicht war es gerade sein Stolz, der ihn an einer echten Buße hinderte.

  1. 5. Wird der Mensch dann nicht etwa durch Qualen gezwungen, sich zu bekehren?

Nein, denn der Feuersee ist keine Folterkammer, um ein Geständnis zu erzwingen, sondern ein Ort äußerster Finsternis, der den Menschen zur Besinnung und damit zum „Heulen und Zähneknirschen“ bringen soll. Deshalb standen Abraham und Lazarus am Rande des Hades bereit, um dem Mann seelsorgerlich beizustehen und seine Fragen zu beantworten („Scheol“ kann man übersetzen mit „Der Ort des Fragens und Bittens“, abgeleitet von Scha’aL = fragen, bitten). Leider hatte er noch nicht die entscheidende Frage gestellt „Wie kann ich errettet werden?“, aber er hatte immerhin schon ein wenig das Mitleid erlernt, als er darum bat, man möge seine Brüder warnen. Durch die Gerichte lernt der Mensch die Gerechtigkeit (Jes.26:9). Sie sollen ihn dazu bringen, dass er wie der Schächer am Kreuz bekennt: „Ich erleide, was meine Taten wert sind, aber der HErr Jesus hat nichts Unrechtes getan.“ Dieses Eingeständnis wurde für ihn schließlich zur Eintrittskarte ins Paradies. Die Erinnerung, dass das milde Handeln Gottes einen das ganze Leben hindurch begleitet hat, führt die Menschen zur Einsicht, dass sie selbst all die Jahre undankbar waren (Röm.2:4).

Um die Grausamkeit einer angeblich unaufhörlichen Quälung euphemistisch zu vertuschen, wird immer wieder behauptet: „Es wird keiner zu seinem Heil gezwungen!“ Einige fügen dann noch zynisch hinzu: „In der Hölle gibt es nur Freiwillige.“ Die Frage ist, was wir unter „Zwang“ verstehen. Sahen wir uns etwa nicht auch „gezwungen“, den HErrn Jesus um Gnade anzurufen bei unserer Bekehrung, weil wir nicht verloren gehen wollten? Und selbst wenn heute Christen scheinheilig widersprechen und darauf bestehen, dass sie sich nicht aus Angst bekehrt hatten, sondern weil sie „von der Liebe des Heilands überwältigt“ waren, so bliebe doch auch hier ein gewisser innerer Zwang, die entgegengebrachte Liebe zu erwidern. Die Behauptung, völlig ohne irgendeinen Zwang eine freie Entscheidung zu treffen, entspringt dem humanistischen Menschenbild des Idealismus, dass der Mensch im Grunde „Herr seiner selbst sei“ (Rousseau), dass die Willensfreiheit „allem Sein vorausgehe und dadurch absolute Reflexion“ sei (Fichte). Die ständige Wiederholung der Behauptung, Gott würde die Menschen „nicht zwingen“, soll den Eindruck vermitteln, als würde der Mensch eine Wahl haben wie ein Kunde, der sich zwischen zwei Produkten entscheiden müsste. Tatsächlich aber handeln Menschen immer nur aufgrund von Notwendigkeiten, also einem inneren Zwang, um zu Überleben. „Lasst euch retten“ lautet die Aufforderung des Evangeliums, während es im Gesetz noch hieß: „Wähle!“ Wenn ich jedoch einen Menschen einlade, dann kann ich ihn nicht gleichzeitig im Falle der Ablehnung mit einer unumkehrbaren Strafe drohen und ihm „die Hölle heiß machen“ für den Fall, dass er nicht kommen will. Denn dadurch erreiche ich u.U. genau das Gegenteil, nämlich Kopfschütteln und Spott.

Um den Zwang oder die Drohung hinter der Evangeliumsverkündigung schönzureden, bemühen manche auch Sätze wie „Gott zwingt uns nicht, aber Er warnt uns vor der Hölle“. Warnen kann man aber nur vor einer Gefahr, die man selbst nicht verursacht. Die Hölle ist jedoch nicht so ein zufälliges Missgeschick wie das Coronavirus, sondern ein angedrohtes Strafgericht Gottes. Warum auch nicht? Wer an die Hölle glaubt, der wird selbstverständlich alles tun, um diese nicht zu erleiden, egal ob man sie nur einen Tag, tausend Jahre oder eine Ewigkeit lang erleiden müsste. Eine andere Verschleierungstaktik ist die Aussage, dass „Gott die Ablehnung der Ungläubigen AKZEPTIEREN würde, sie aber dann die Konsequenzen erleiden müssten.“ Mit „Konsequenz“ soll der Eindruck erweckt werden, als handle es sich beim Feuersee um die tragische Entfesselung eines unumstößlichen Naturgesetzes, für dessen Wirkung sich der Mensch aus freien Stücken entschieden hätte. Manche Allverdammer vergleichen es ja auch mit der Unterschrift unter einen Ehevertrag oder einer wirtschaftlichen Fehlinvestition mit unvorhersehbaren Folgen. Tatsächlich ist „Konsequenz“ ja nur ein Euphemismus (verschleiernde Sprache) für eine unendliche Quälung der Mehrzahl der Geschöpfe Gottes im Feuersee. Offensichtlich traut sich heute niemand mehr, die Dinge beim Namen zu nennen, weil man sich die Absurdität nicht vor Augen stellen will. Es ist wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Niemand möchte sein Unbehagen eingestehen und alle verwenden eine Art Orwellsches „Neusprech“. Und wahrscheinlich muss man wirklich ein Kind sein, um arglos festzustellen: „Der Kaiser ist ja nackt!

  1. 6. Aber wäre der HErr Jesus denn dann nicht ganz umsonst gestorben?

Nein. Denn wenn Er nicht für uns alle gestorben wäre, dann gäbe es für niemanden Vergebung der Schuld. Wir haben uns vielmehr an den Gedanken gewöhnt, dass es auch Verlierer geben muss, weil es sonst keine Gewinner geben könne. Hinter der Frage nach dem Sinn des Opfers Jesu steckt in Wirklichkeit unausgesprochen eine ganz andere Frage: „Habe ich mich denn dann nicht ganz umsonst schon so früh bekehrt, wenn am Ende sich doch sowieso alle noch bekehren werden?“ So sagte ja auch schon Asaph: „War es denn völlig umsonst, dass ich mir ein reines Gewissen bewahrte und mir nie etwas zuschulden kommen ließ?“ (Ps.73:13). Als ich 17 Jahre alt war, habe ich diese Frage auch mal gestellt an dem Tage, als ich mit dem 59-jährigen Bruder Edgard Böhnke auf dem Weg zur Kirchenverwaltung war, um auszutreten: „Edgard, eigentlich ist das doch unfair, dass der HErr mich schon mit 16 errettet hat, denn jetzt muss ich mein ganzes Leben lang beten und in der Bibel lesen, und bekomme jetzt gar nicht mehr die Möglichkeit, noch vorher die Welt kennenzulernen. Du hingegen hast Dich erst mit 49 bekehrt und konntest auch noch ein wenig das Leben genießen.“ Edgard lachte damals über meine Ehrlichkeit, aber im Grunde offenbarten meine Worte nur, was auch viele andere insgeheim denken, aber sich nicht zu sagen trauen: „Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und Du hast sie uns gleich gemacht, die wir die Last des Tages und die Hitze getragen haben“ (Mt.20:12). Es ist also eine Art Missgunst vorhanden, weil man den Glauben als Entbehrung empfindet. Wen wundert’s, dass manche Autoren unverhohlen zugeben: „Soll denn dann all das Leid und die Entbehrungen so vieler Glaubensmänner ganz umsonst gewesen sein, wenn am Ende alle gleichbehandelt werden?“ Wer so redet, sagt damit im Grunde, dass diese Opfer gar nicht aus Liebe zum HErrn erbracht wurden, sondern nur deshalb, um für sich Pluspunkte zu sammeln.

Die Frage nach dem Wert des Erlösungswerkes setzt die Überlegung voraus, dass Gott bei dem Plan, alle Menschen erretten zu wollen, doch auch ganz auf den Sühnetod Jesu und eine Bestrafung in der Hölle hätte verzichten können, denn sonst ergäbe diese Behauptung überhaupt keinen Sinn. Offensichtlich liegt hier aber eine Denkblockade vor, denn man kann sich die Notwendigkeit des Opfers Jesu und das Gericht Gottes scheinbar nicht ohne die Bedingung vorstellen, dass nur ein winziger Anteil der Geschöpfe Gottes errettet werden dürfe. Denn bei nüchterner Betrachtung ist es doch in Wirklichkeit genau anders herum: Der HErr Jesus wäre nahezu umsonst gestorben, wenn z.B. nur 1 oder 2 Promille (0,1 - 0,2 %) aller Seiner Geschöpfe am Ende errettet werden. Und selbst wenn am Ende 1 Milliarde Menschen errettet wären, gebe es noch immer 99 Milliarden Menschen, die angeblich für immer und ewig unter grausamsten Qualen im Feuersee gepeinigt werden sollen. Was aber soll das noch mit einer Freudenbotschaft zu tun haben? Da wäre es doch noch Millionen Mal gnädiger, wenn der HErr Jesus wenigstens die Existenz derjenigen auslöschen würde, aber die Anhänger dieser gruseligen Lehre gestehen dem HErrn noch nicht mal so viel Barmherzigkeit zu.

Derzeit leben etwa 8 Milliarden Menschen auf der Erde. Da aber die meiste Zeit im Schnitt nur eine Milliarde auf der Erde gelebt haben und eine Generation ca. 40 Jahre gelebt hat, macht das bei einer Menschheitsgeschichte von ca. 6000 Jahren etwa 150 Milliarden Generationen. Läge die Rate der Wiedergeborenen bei 1 %, dann wären am Ende 1,5 Milliarden errettet. 1,5 Milliarden kann man aber noch zählen. Gott hat aber verheißen, dass die Zahl derer, die am Ende gläubig werden, „unzählbar“ sein wird, „wie die Sterne am Himmel“ und „wie der Sand am Ufer des Meeres“. Man müsste Gott sonst der Lüge bezichtigen, wenn es tatsächlich nur 1.500.000.000 wären, denn es gibt auf der Erde etwa 70.000.000.000.000.000.000.000 Sandkörner. Und die Zahl der Sterne ist noch weit höher: Allein in unserer Galaxie gibt es 200.000.000.000 Sterne und man schätzt die Anzahl der Galaxien auf mindestens 350.000.000.000. Demnach wären es 7.000.000.000.000.000.000.000.000 Sterne! So viele Menschen haben aber noch nicht einmal auf der Erde gelebt. Gerade WEIL der Vater Seinen eigenen Sohn nicht verschont hat und Ihn ans Kreuz schlagen ließ, begnügt sich der Vater nicht mit so einer winzigen Zahl, sondern verlangt, dass alle errettet werden sollen - eine unzählbare Menge, so wie es Sterne am Himmel gibt. „Ja, er spricht: Es ist zu gering, dass du mein Knecht seiest, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten von Israel zurückzubringen; ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um mein Heil zu sein bis an das Ende der Erde“ (Jes.49:6).

Nun wird man einwenden, dass doch auch von den mehr als 600.000 Israeliten, die aus Ägypten auszogen, nur zwei Männer ins verheißene Land kamen (Josua und Kaleb). Und auch bei der Flut sind am Ende nur acht Seelen gerettet worden, während alle anderen Menschen umkamen. Spricht der HErr denn nicht auch von einer „kleinen Herde“, der das Reich gegeben wird (Luk.12:32)? Ja, in der Tat finden in diesem Äon „nur wenige“ den Weg zum Leben (Mt.7:14). Aber wir sind ja auch nur die „Erstlingsfrucht Seiner Geschöpfe“ (Jak.1:18). Ein Bauer wird aber nicht nur die ersten reifen Äpfel an seinen Bäumen ernten und die übrigen, noch unreifen Früchte mitsamt seinen Bäumen verbrennen. Das wäre völlig unsinnig, bei all der Mühe, die er sich gab, und all der Geduld, die er hatte. Der HErr Jesus sagte: „Sammelt die übriggebliebenen Brocken, auf, dass nichts umkomme“ (Joh.6:12). Wenn der HErr sich also schon Gedanken macht über relativ wertlose Brotreste, wie viel mehr hat Er sich dann erst Gedanken gemacht, wie Er auch noch die übrigen Seiner Werke einsammeln kann! „Der HErr ist gut gegen alle, und Seine Erbarmungen sind über alle Seine Werke“ (Ps.145:9). „Gott sinnt darauf, dass ein Verstoßener nicht für immer von Ihm verstoßen bleibe“ (2.Sam.14: 14). Strafe hat aber immer auch das Ziel der Besserung, denn wenn Gott ausdrücklich Seinen Willen bekundet, dass Er ALLE MENSCHEN retten will, dann wäre es völlig unglaubwürdig, wenn Er dieses Ziel schon allein wegen des Todes eines Menschen nicht mehr weiterverfolgen würde. Es wäre halbherzig und unwahrhaftig. Gott aber verfolgt Sein Ziel auch nach dem Tod weiter und wird am Ende auch zum Ziel kommen, so wie er ja auch heute Menschen bekehrt. „Jedes Geschöpf im Himmel, auf Erden und unter der Erde“ wird eines Tages dem Lamme Gottes die Ehre geben (Offb.5:13). Selbst die Spötter, die in der Sintflut umkamen, hat der HErr nicht vergessen, sondern ihnen im Totenreich das Evangelium gepredigt (1.Petr.3:18-20). „…selbst für Widerspenstige, damit der HErr, Gott, eine Wohnung habe“ (Ps.68:18).

  1. 7. Kann man die Herrlichkeit Gottes genießen, während alle anderen gequält werden?

Als ich noch nicht gläubig war, hatte ich als überzeugter Tierschützer mal die Idee, Fotos von geschundenen Tieren aus den Mastbetrieben heimlich in den Kühlregalen der Supermärkte zu verteilen, damit den Leuten der Appetit am Fleisch vergeht. Mit schockierenden Bildern auf Zigarettenverpackungen arbeitet ja auch die EU, um bei den Rauchern ein Umdenken zu bewirken. Der Mensch kann nämlich bis zu einem gewissen Grad durch Ablenkung das Böse verdrängen. Wenn wir aber ständig das Elend von verhungernden Kindern in der Dritten Welt vor Augen hätten, dann könnten wir uns an nichts mehr erfreuen. Als ich in Kolumbien mit Freunden bei McDonald war, schauten uns von außen durch die Scheiben hungernde Kinder beim Essen zu, so dass wir nur die Hälfte essen konnten, damit sie den Rest nehmen können. „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisset, wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die Ihn bitten“ (Mt.7:11). Wenn wir uns das Elend der Verlorenen schon kaum lange ansehen könnten, wieviel weniger könnte Gott es ertragen! „Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum, und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen“ (Jes.57:15). Das ist unser Gott! Halleluja!

Bei der Frage nach dem Glück der Erlösten angesichts des Leides im Feuersee berührt man auch bei den Befürwortern der Ewigen-Qual-Theorie einen wunden Punkt. Alle Menschen sind prinzipiell zum Mitleid begabt, denn sie besitzen im Gehirn sog. Spiegelneuronen, die sie dazu befähigen, das Leid anderer nachzuempfinden. Jemand schrieb einmal: „How can heaven and hell coexist? How can any sane and loving human being be happy knowing that millions of people, innocent or not, are being tortured for eternity? This heaven would be a place void of emphathy, an asylum for psychopaths. How can this heaven be any good?“ (übersetzt: „Wie können der Himmel und die Hölle zusammen koexistieren? Wie kann irgendein geistig zurechnungsfähiger und liebender Mensch glücklich sein, wenn er weiß, dass Millionen von Menschen, ob unschuldig oder nicht, auf ewig gefoltert werden? Dieser Himmel wäre ein Ort ohne Erbarmen, ein Asyl für Psychopathen. Wie könnte dieser Himmel überhaupt irgendwie gut sein?“).

Ist der Himmel nur etwas für empathielose Psychopathen? Wie sehr wird doch der „Gott und Vater unseres HErrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes“ (2.Kor.1:3), verunglimpft durch die lästerliche Lehre von einer unendlichen Qual! Dabei steht doch ausdrücklich geschrieben: „Er wird NICHT immerdar rechten und nicht ewiglich nachtragen“ (Ps.103:9). Das stünde doch im völligen Widerspruch! An anderer Stelle erklärt er auch, warum: „Ich will nicht ewiglich rechten und nicht auf immerdar ergrimmt sein; denn der Geist würde vor mir verschmachten, und die Seelen, die Ich ja gemacht habe“ (Jes.57:16). Jetzt wird natürlich gleich wieder der Einwand erhoben: „Das gilt doch nur für das Volk Israel!“ Schließlich heiße es doch in Vers 21: „Kein Friede den Gesetzlosen!“ Ja, aber es wird auch kein Friede für die Gesetzlosen in Israel, bevor sie sich nicht zum HErrn bekehrt haben. Aber es wird „Frieden den Fernen und den Nahen“ geben (Vers 19). Denn bei Gott ist kein Ansehen der Person. Was für die einen gilt, gilt auch für die anderen. „Gott hat (ausnahmslos) alle (zuvor) in den Unglauben eingeschlossen, damit Er sich (am Ende) (ausnahmslos) aller erbarme“ (Röm.11:32). Er will „Seinen Geist ausgießen über alles Fleisch“ (Joel 3:1), damit am Ende „alle Seine Werke Ihn preisen sollen“ (Ps.145:9-10). Aber dazu muss Er erst „die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln, damit sie alle den Namen des HErrn anrufen und Ihm einmütig dienen“ (Zeph.3:9). Alles Bibelstellen, die einfach überlesen und nicht beachtet werden.

In Offb.21:3-5 lesen wir von der himmlischen Herrlichkeit: „3Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden Sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. 4Und Er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5Und der auf dem Thron saß sprach: Siehe, Ich mache alles neu…“ Auch hier stellt sich die Frage, ob mit „jeder“ Träne nur die der zu Lebzeiten Bekehrten gemeint ist oder auch aller Menschen. Die Formulierung „die Hütte Gottes bei den Menschen“ weist uns darauf hin, wer mit „sie“ gemeint ist, von denen es dann heißt: „Sie werden Sein Volk sein“ – gemeint sind hier offenbar alle Menschen, denn sonst müsste es heißen: „die Hütte Gottes bei Seinen Kindern“ oder „…bei Seinen Auserwählten“. Nun wenden die Befürworter einer unendlichen Höllenqual ein, dass in Vers 8 doch von jenen anderen die Rede ist, die nach ihrer Auffassung keinen Teil daran haben sollen, nämlich die „Feiglinge, die Untreuen und mit Gräueln befleckten und Mörder und Hurer und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner – ihr Teil wird in dem See sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod“. Hier sei doch offensichtlich, so die Großteilverdammer, dass es einen zweifachen Ausgang der Geschichte gäbe, denn sonst würde es doch heißen: „…ihr vorläufiger Teil“ oder „…ihr vorübergehender Teil“, nicht wahr?...

Nun, ohne Frage wird es einen zweifachen Ausgang der Geschichte geben, aber nicht für alle Ewigkeit. Bei dem „Teil“ geht es hier nicht um ein „ewiges Erbteil“, sondern um eine Zuteilung infolge eines Urteils. Die zugeteilte Bestrafung der bis dahin Gesetzlosen ist „das Teil ihres Bechers“ (Ps.11:6), den sie trinken müssen (d.h. erleiden sollen). Wie lange dieses Leid im Feuersee währt, wird hier nicht gesagt, aber das finden wir an anderen Stellen, nämlich in Offb.19:3 und 20:10, wo es in beiden Stellen wörtlich heißt: „… hin(führend in) die (überragenden )Äonen der Äonen“, d.h. sie dauert mindestens solange an, bis die überragenden bzw. entscheidenden Äonen am Ende der Äonenzeit erreicht sind, wo sie nämlich ihre Strafe spätestens verbüßt haben und der HErr Jesus dann auch ihr persönlicher HErr und Heiland werden kann und soll.

Bis dieser Zeitpunkt erreicht ist, dass der HErr all Seine Feinde unter die Füße Jesu und unter Seine Hauptschaft gebracht hat (1.Kor.15:25, Eph.1:10), kann es für ein treu liebendes Gotteskind, das von der Retterliebe Gottes beseelt ist, noch keine vollkommene Freude und keinen vollendeten Trost geben. Deshalb sind die Worte in Offb.21:3-5 auch nicht zeitgleich mit dem Strafgericht in Offb.21:8 zu verstehen. Denn wenn es „keine Trauer, noch Geschrei, noch Leid“ mehr geben soll, dann kann es zeitgleich auch nicht mehr die Trauer über die verlorenen Angehörigen oder das Geschrei und das Leid im Feuersee geben, da diese Verheißung dann ja gar nicht wahr wäre. Deshalb stehen all diese Verheißungen auch immer in der Zukunft: „Er wird… sie werden… der Tod wird…“ Das Futur zeigt, dass das Positive nur wachstümlich erreicht wird (wobei die im Feuersee mit einbezogen sind). In Vers 8 steht hingegen keine Zeitform, ja noch nicht einmal ein Verb steht im Grundtext: „…ihr Teil (ist? könnte sein? wäre?) in dem See…“. Im Grunde ist allein das fehlende Verb schon ein Hinweis des Heiligen Geistes, dass die Zukunft in Bezug auf das Schicksal der noch nicht erretteten Menschen offen ist. In jedem Fall aber werden sie eine gerechte Strafe erhalten, damit sie am Ende erkennen und einsehen, dass der HErr absolut gerecht mit ihnen war und ihnen nach ihren bösen Werken gerecht und angemessen vergolten hat (Jes.49:26, Hes.14:23, 17:24).

  1. 8. Was ist aber mit der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes?

Ein häufiges Argument, das ich immer wieder höre, ist dies: „Gott ist nicht nur Liebe, sondern Er ist auch heilig und gerecht!“ Selbstverständlich ist Er das, und niemand könnte je etwas anderes behaupten. Durch solche allgemein anerkannten Feststellungen soll offensichtlich der Eindruck erweckt werden, als würde die Allversöhnung von einem Gott ausgehen, der gutmütig und nachsichtig über die Sünden der Menschen hinwegsieht und am Ende einfach sagt: „Schwamm drüber“. Das ist natürlich völlig verkehrt und unbiblisch. Gottes Großherzigkeit bedeutet nicht, dass Gott zugleich auch gleichgültig sein kann gegenüber den Verbrechen, die in der Welt geschehen sind. Die Täter zu schonen, käme einer Verhöhnung der Opfer gleich. Die Gerechtigkeit Gottes erfordert es, dass er einen Ausgleich schaffen muss, damit niemand einen Anlass hat, sich über sein eigenes Schicksal zu beklagen, sondern im Gegenteil, jeder Grund findet, Gott zu loben. Die Aussicht auf ein zukünftiges Gericht Gottes schafft in der Gegenwart Rechtssicherheit, indem jeder fromme und gerechte Gottesknecht weiß, dass er nicht selbst Gerechtigkeit mit Gewalt herbeiführen muss. Gott wird auch nicht zum Rundumschlag ausholen, sondern er wird ein sehr detailliertes und gut begründetes Urteil über jeden Menschen fällen. Der HErr Jesus sagt sogar, dass „die Menschen am Tag des Gerichts von jedem unnützen Wort, das sie geredet haben, Rechenschaft ablegen müssen“ (Mt.12:36).

Durch die Erwähnung der Heiligkeit Gottes soll wohl suggeriert werden, als käme die Begnadigung der Unerretteten einem unbedachten Dammbruch gleich. Man stellt sich den Gott der Allversöhnung scheinbar wie eine Angela Merkel vor, die ihr Land fahrlässig mit Millionen von Einwanderern überschwemmt habe, nach der Devise: „Wir schaffen das!“ Tatsächlich gibt es hier gewisse Parallelen zwischen der Skepsis gegenüber der Einwanderungspolitik Merkels einerseits und der Ablehnung der Allversöhnung andererseits. So wie man sich z.B. bei den Flüchtlingen nicht vorstellen kann, dass aus ihnen einmal gut ausgebildete Fachkräfte und Rentenbeitragszahler werden, genauso will man nicht glauben, dass Gott aus steinernen Herzen von Schwerstverbrechern wie Hitler und Stalin einmal liebevolle Glaubensbrüder zurechtmachen kann. Hier wird die Macht des Geistes Gottes unterschätzt, der auch uns problemlos zu verändern vermochte. Selbstverständlich wird kein Sünder oder Lügner in die Stadt Gottes eingehen (Offb.21:27), weil sie sich zuvor völlig reinigen und verändern lassen müssen durch den HErrn Jesus. Niemand kommt zum Vater, als nur durch Ihn; aber Seine Liebe und Güte hat kein Verfallsdatum. „Denn ein Augenblick ist in Seinem Zorn, ein Leben in Seiner Gunst; am Abend kehrt Weinen ein, und am Morgen ist Jubel da“ (Ps.30:5).

Dieser „Heils-Egoismus“ fing bereits vor 150 Jahren an, als die Gläubigen die Engel nicht mehr als Brüder ansahen, sondern ihre Bedeutung in der Heilsgeschichte allmählich heruntergespielt wurde. Wir kennen z.B. alle das Lied „O lasset uns lobsingen“, wo in der 3. Strophe behauptet wird: „Die Engel sind erhoben, zum Dienen und zum Loben, doch Söhne sind sie nicht. Kein Tod hat sie gekettet, kein hoher Preis gerettet, kein Arm geführt aus Nacht zum Licht. – ER wählte Seine Kinder, nur aus der Mitt‘ der Sünder…“ Die Engel sind aber selbstverständlich Söhne Gottes (1.Mo.6:1-4, Hiob 1:2, 2:1, 38:7, Jud.5-6) und natürlich können auch Engel sündigen und „haben gesündigt“ (Hiob 4:18, 2.Petr.2:4) und verloren dadurch ihre Unsterblichkeit (Ps.82:6-7). Aber da der HErr Jesus gekommen ist, „um Sünder zu erretten“ und deshalb den ganzen Kosmos errettet hat (1.Joh.2:2), hat Er auch die Engel gerettet, die ja auch zum Kosmos gehören (1.Kor.4:9). Die Stelle in Hebr.2:16 ist ungenau übersetzt; richtig muss es heißen: „Er ergreift nicht die Engel“. Heute aber will man von Errettung der „Himmlischen“ (Phil.2:10) nichts wissen, denn diese sind ja nach den Worten von Carl Brockhaus nur „zum Dienen und zum Loben“ da. Was für eine Lieblosigkeit, dass man für die Engel, die wir richten werden (1.Kor.6:3), jede Hoffnung auf Begnadigung und Erlösung von vornherein kategorisch ausschließen will, obwohl sie sich durch ihre Sünden gar nicht mehr von jedem anderen Sünder unterscheiden, der das Heil in Christus braucht! Man unterstellt Gott im Grunde, dass Er den Engeln zwar die Fähigkeit zum Sündigen anerschaffen habe, aber keinerlei Vorkehrung getroffen hätte, um sie zu erretten!

Die Gerechtigkeit Gottes bedeutet, dass die Menschen GEMÄSS ihren Werken gerichtet werden und nicht ungemäß ihrer Werke (Offb.20:12). Der HErr sagt, dass die Ungläubigen nach dem Gesetz Mose gerichtet werden (Johannes 12:45). Danach gilt „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Das bedeutet, dass der Mensch eine seinen Werken angemessene Bestrafung bekommt und nicht eine unangemessene. Da eine unendliche Strafe jedoch maßlos ist, kann sie per Definition auch nicht gerecht sein. Wenn bei Gott theoretisch ein anderes Rechtsempfinden oder andere Gerechtigkeitsmaßstäbe gelten würden als bei uns Menschen, dann würde Gott mit zweierlei Maß messen bzw. mit unterschiedlichen Gewichtungen. Diese sind Ihm aber erklärtermaßen ein Gräuel: „Zweierlei Gewichtssteine, zweierlei Epha, sie alle sind dem HErrn ein Gräuel“ (Spr.20:10). Nicht nur gäbe es dann gar keine Rechtssicherheit mehr, sondern Gott hätte uns dann auch in die Irre geführt, wenn sich am Ende herausstellen würde, dass Sein Gesetz bei der Rechtsprechung am Weißen Thron gar keine Anwendung fände, sondern irgendwelche ganz anderen „göttlichen“ Regeln, die uns gar nicht zugänglich waren. Allein solch ein Verhalten wäre im juristischen Sinne eine Rechtsbeugung. Die Ungläubigen würden ihr Urteil auch zurecht nie anerkennen, sondern würden es als „Recht des Stärkeren“ verunglimpfen. Der Name Gottes, d.h. Sein Ruf wäre unwiederbringlich geschädigt. Noch schlimmer: Sein Reich könnte auf Dauer gar nicht mehr bestehen, denn „Gerechtigkeit und Gericht sind Seines Thrones Grundfeste“ (Ps.89:14) und nur „durch Gerechtigkeit steht Sein Thron fest“ (Spr.16:12).

Die Befürworter einer endlosen Qual im Feuersee glauben im tiefsten Grunde gar nicht daran, dass Gott gerecht sei, sondern gehen von einer – für den menschlichen Verstand nicht zugänglichen – „göttlichen Gerechtigkeit“ aus, die sich vor niemanden rechtfertigen müsse. Solch eine „Gerechtigkeit“ verdient diese Bezeichnung nicht mehr, sondern käme der Willkür eines Tyrannen gleich. Gott ist aber kein Tyrann, sondern ein „gerechter Richter“ (Ps.7:11, 2.Tim.4:8), der „Richter der ganzen Erde“, wie Abraham ihn nannte (1.Mo.18:25). „Richten“ kommt von „richtig“, d.h. es muss zwingend einen allgemein anerkannten und gültigen Maßstab geben, um ein Urteil auch als „richtig“ und gerecht beurteilen zu können. Und dieser wird uns in Gottes Wort klar genannt, und zwar entweder das Gesetz Moses oder aber – falls dieses nicht bekannt sei – der Maßstab, nach welchem ich andere beurteilt und verurteilt habe (Mt.7:1, Röm.2:1-3). Es ist also ganz entscheidend, was jemand gewusst oder nicht gewusst hat. Der weltliche Spruch: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ gilt bei Gott nur bedingt und hängt von der Gewissenslage des einzelnen ab. Der HErr sagt: „Jener Knecht, der den Willen seines Herrn wusste und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird mit vielen [nicht: mit unendlich vielen] Schlägen geschlagen werden; wer ihn aber nicht wusste, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird mit wenigen geschlagen werden. Jedem aber, aber, dem viel gegeben ist, viel wird von ihm verlangt werden; und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern“ (Luk.12:47-48). Hier wird auch deutlich, dass die Gläubigen und insbesondere die Prediger eine viel strengere Beurteilung von Gott bekommen (Jak.3:1). Deshalb richten sich alle Höllenandrohungen des HErrn immer wieder an die Gläubigen und nicht an die Ungläubigen.

Das „gerechte Gericht Gottes“ ist maßvoll und nicht maßlos (Röm.2:5). Ein jeder erntet, WAS er gesät hat und nicht, was er NICHT gesät hat (Gal.6:7). Im Prinzip wird also alles immer 1 : 1 vergolten werden. Der Mörder soll z.B. mit seinem Leben bezahlen, d.h. er muss möglicherweise für die gleiche Lebensdauer, die er seinem Opfer am Weiterleben gehindert hat, im Feuersee verbringen. Bei zusätzlicher Treulosigkeit muss man sogar „das Doppelte erstatten“ (2.Mo.22:1), und ein Dieb sogar „vierfältig“ (2.Mo.22:1, 1.Sam.12:6, Luk.19:8), - aber in allen Fällen nicht unendlich. Wenn alle für die unterschiedlichsten Delikte genau die gleiche Strafe bekämen, dann wäre das nicht nur ungerecht, sondern man hätte sich theoretisch auch den ganzen Aufwand mit dem Gericht und den Büchern ersparen können. So einleuchtend das klingt, aber die Vertreter der Endlosverdammung haben diesen simplen Gedanken bisher nicht in Erwägung gezogen. Für sie hat das Gericht am Großen weißen Thron offensichtlich nur noch den Zweck, die ohnehin schon längst eingeschüchterten und verängstigten Sünder noch einmal vorzuführen und sie wie bei einem stalinistischen Schauprozess von oben herab abzukanzeln, ohne irgend eine Aussicht auf Gnade und Erbarmen. Schon zu Beginn des Prozesses steht im Prinzip bereits fest, wie das Urteil lauten wird. Juristisch nennt man solch eine Inszenierung einen „Schauprozess“. Es geht nicht mehr um die Feststellung der individuellen Schuld, sondern nur noch um Demütigung und Propaganda.

Im Gericht Gottes werden hingegen die Werke beurteilt. Dabei können sogar gute Werke, wie z.B. das Darreichen eines Glases kalten Wassers an einen Jünger mindestens ein milderndes Urteil zur Folge haben. Die ausdrückliche Erwähnung dieses Beispiels vom HErrn Jesus in Mt.10:42 wird von den meisten Auslegern heute kaum beachtet. Es passt so gar nicht zur allgemeinen Auffassung, dass Werke angeblich vor Gott nicht zählen würden. Dabei sagt der HErr ganz klar: „Er wird seinen Lohn NICHT verlieren“. Das gleiche gilt für Mt.5:26, wo der HErr sagt: „…du wirst nicht von dannen herauskommen (aus dem Gefängnis), bis du auch den letzten Heller bezahlt hast“ (Luk.12:59). Es kann zwar niemand ohne den HErrn Jesus errettet werden, aber man kann durchaus seine Strafe abbüßen. Wenn man behauptet, dass man seinen „letzten Heller“ noch nicht mal annährend bezahlen könnte, dann würde man dem HErrn unterstellen, dass hier lügt (oder aber sarkastisch ist, was genauso anrüchig wäre). Israel hat z.B. während der 70 Jahre in Babylon „seine Schuld abgetragen“, ja sogar „ein Zweifaches empfangen von der Hand des HErrn für alle ihre Sünden“ (Jes.40:2). Damit war ihr Schuldkonto beglichen und sie konnten nun wieder Gnade empfangen vom HErrn. Wenn man nun bedenkt, wie schwerwiegend die Sünden Judas waren (sie verbrannten ihre Kinder zu Ehren des Gottes Molech!), so reichen nur wenige Menschen an diese Gräuel heran. Die Begnadigung Israels ist für uns heute ein starke Vorschattung auf die Vergebungsbereitschaft, die Gott auch mit den übrigen der Nationenmenschen hat, damit sie alle am Ende den HErrn bis zum Erfolg suchen (Apg.15:17). Und wenn dann immer wieder die Frage aufkommt: „Soll am Ende etwa auch noch Satan errettet werden?“ dann kann man nach dem Zeugnis der Schrift nur antworten: „Ja, der besonders!“ Denn dieser wird ja in Jes.14 mit dem König von Babel verglichen, der sich genauso gegen Gott erhob, bis er von den Menschen ausgestoßen wurde für „sieben Zeiten“ (sieben Äonen?). „Und am Ende der Tage erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel, und mein Verstand kam mir wieder; und ich pries den Höchsten, und ich rühmte und verherrlichte den ewig Lebenden …“ (Dan.4:34). Mehr wollte Gott nicht, als dass er das erkennen sollte, und welch ein Triumph für den HErrn, wenn sich am Ende auch noch sogar Sein Erzfeind Ihm freiwillig unterwirft und Ihm alle Ehre gibt, die Ihm gebührt! Erst dann kann Gott „alles in allen“ sein (1.Kor.15:28).

Zuletzt sei noch bemerkt, dass die Menschen „nach ihren WERKEN“ gerichtet werden und nicht nach ihrer Erkenntnis oder ihrem Bekenntnis; denn Menschen können sich immer irren. Gleichwohl folgen u.U. aus Irrtümern natürlich auch sündhafte Handlungen. Aber nur, weil jemand den HErrn Jesus zu Lebzeiten nie kennengelernt hat oder durch eine falsch dargestellte Evangeliumsverkündigung nicht bereit war, an Ihn zu glauben, reicht dies allein nicht aus, um verdammt zu werden. Denn dann müssten auch unbekehrte Säuglinge, Kinder, geistig Unmündige, Urwaldbewohner, usw. und jeder, der den HErrn Jesus in den letzten 2000 Jahren gar nicht kennenlernen konnte, weil er/sie in anderen Religionen aufwuchs - alle in der Hölle landen und das selbst, wenn sie zu Lebzeiten die tugendhaftesten Menschen waren. Der faule Knecht in Mt.25:24-26 hatte eine völlig entstellte und irrige Lehrauffassung über den HErrn Jesus; aber Dieser tadelt ihn deshalb nicht mit EINER Silbe, sondern wirft ihm lediglich vor, keine guten Werke vorweisen zu können. Die guten Werke folgen aus der richtigen Erkenntnis, aber der Sinn der Errettung ist nicht die richtige Erkenntnis, sondern die guten Werke, die aus der richtigen Erkenntnis resultieren.

  1. 9. Die Gerechten unter den Völkern

Selbst wenn im absoluten Sinne niemand gerecht ist vor Gott (Röm.3:10) und man auch nicht durch eigene Werke gerettet werden kann (Eph.2:9), so gibt es dennoch ein „relatives Gerechtsein“ in der Bibel, das sich auf Menschen bezieht, die den HErrn Jesus noch nicht kannten, z.B. Hiob usw. So heißt es in Röm.2:7, dass diejenigen, die „mit Ausharren in gutem Werke Herrlichkeit und Ehre und Unverweslichkeit SUCHEN“, die bekommen „ewiges Leben“; „denn nicht die Hörer des Gesetzes sind gerecht vor Gott, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden“ (Röm.2:13). Die Rechtfertigung geschieht hier nicht in der Gegenwart, sondern in der Zukunft („werden gerechtfertigt werden“). Diese kann natürlich nur durch den HErrn Jesus erfolgen, denn „niemand kommt zum Vater, als nur durch mich“ (Joh.14:6). Aber durch die gerechten Taten schaffen diese Menschen sich eine gute Voraussetzung, um später das Heil in Christus anzunehmen. Deshalb sagte der Engel zu Kornelius vor seiner Errettung: „Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgestiegen zum Gedächtnis vor Gott“ (Apg.10:4).

Dem Gerechten wird auf Erden vergolten“ sagt die Schrift (Spr.11:31), aber einigen wird auch erst „bei der Auferstehung der Gerechten vergolten“ (Luk.14:14). Es gibt Katholiken oder Orthodoxe, die ihr ganzes Leben lang Gott gedient haben mit Lob und Dank, ohne wiedergeboren zu sein. Sie kommen deshalb zwar noch nicht sofort ins Reich Gottes, aber der HErr verheißt ihnen: „Wer Lob opfert verherrlich Mich, und bereitet dadurch den Weg vor, damit ich ihm das Heil Gottes zeige“ (Ps.50:23). Und das gilt genauso für alle anderen Religionen: „…Sondern in jeder Nation: Wer Ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ist Ihm angenehm“ (Apg.10:23). „Gott ist nicht ungerecht, eures Werkes zu vergessen“ (Hebr.6:10). Die Evangelikalen sollten sich deshalb von der irrigen Idee verabschieden, dass Werke bei Gott gar nichts zählen und allein der richtige Glaube und die Bekehrung für Ihn maßgeblich sei. Denn wenn dieser Glaube keine Werke nach sich zieht, dann ist er ohnehin nutzlos (Jak.2:14+24). Und andersherum sind nach den Worten von Paulus auch jene Heiden, die von Natur her erkannt haben und ausüben, was die Gebote Gottes vorschreiben, vor Gott gerecht gesprochen. Sie werden trotz ihrer geistigen „Vorhaut“ (Ahnungslosigkeit) zu den am Herzen Beschnittenen gezählt, da sie „das Werk des Gesetzes geschrieben zeigen in ihren Herzen“ (Röm.2: 15). Deshalb sagt der HErr Jesus: „Ich sage euch aber, dass viele von Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tische liegen werden in dem Reiche der Himmel, aber die SÖHNE DES REICHES werden hinausgeworfen in die äußere Finsternis…“ (Mt.8:11-12).

Über jene Werke und Herzenshaltungen, die den Weg vorbereiten, damit der HErr ihnen das Heil Gottes zeigen kann, spricht der HErr Jesus gleich am Anfang der Bergpredigt. Seine Einladung geht dort gar nicht ausdrücklich an wiedergeborene Christen, sondern Er verheißt auch ganz allgemein vielen anderen Leuten den Eintritt ins Reich Gottes: So mag es zum Beispiel auch unter den Muslimen viele geben, die „arm im Geiste“ sind oder unter den Hindus solche, die in ihrem Leben viel Leid und Trauer erleiden mussten und von Gott eines Tages getröstet werden (Mt.5:3-4). Und wie viele Menschen haben nie einer Fliege etwas zu Leide getan, sondern sind sanftmütig und sogar Friedensstifter; nach der Verheißung des HErrn Jesus werden sie eines Tages als „Söhne Gottes“ das Land ererben (Mt.5:5+9). Und wie viele Menschen haben sich während ihres Lebens gegen das Unrecht in der Welt eingesetzt und wurden verfolgt, obwohl sie nicht den HErrn Jesus kannten! Sie haben jahrelang im Gefängnis oder Konzentrationslager „nach der Gerechtigkeit gehungert und gedürstet“; sie werden nach dem Tod nicht auch noch weiter gefoltert werden, sondern endlich zu ihrem Recht kommen (Mt.5:6+10). Und wie viele Agnostiker wird es gegeben haben, die ihr ganzes Leben lang Barmherzigkeit und Mildtätigkeit an den Hungernden und Bedürftigen der Welt geübt haben! Sie sollen nach den Worten des HErrn Jesus „Barmherzigkeit erlangen“ finden, denn die Barmherzigkeit rühmt sich gegen das Gericht (Mt.5:7, Jak.2:13). Und wie viele Menschen durfte ich schon kennenlernen, die zwar nicht gläubig waren, aber ein „reines Herz“ hatten voller Einfalt und Arglosigkeit (Mt.5:8)!

Viele Menschen sind auf dem breiten Weg der Sünde und Weltliebe und gehen darauf verloren, wenn sie nicht Buße tun. Aber nicht ALLE Menschen! denn um auf den breiten Weg zu gelangen, muss man erst mal durch die weite Pforte hindurch, d.h. eine bewusste Entscheidung treffen, ohne Gott leben zu wollen. Diese Entscheidung haben aber längst nicht alle getroffen, sondern viele sind auf der Suche nach Gott, ohne Ihn bisher gefunden zu haben. Oder aber sie glauben, Ihn gefunden zu haben, dienen aber in Wirklichkeit einer religiösen Einrichtung anstatt Gott, wie z.B. der Wachtturmgesellschaft, den Mormonen oder der Römischen Kirche*. Aber „Gottes Gnade ist erschienen, um allen Menschen das Heil zu bringen“ (Tit.2:11). Und wenn ein religiöser Mensch in Unkenntnis des Evangeliums die Gebote Gottes einhält und sogar lehrt, dann wird er „groß geheißen im Reich der Himmel“ (Mt.5:19), denn bei Gott ist kein Ansehen der Person (Röm.2:11). Es kann sein, dass der HErr nach seinem Tod dann auf ihn zutreten wird mit der Frage: „Glaubst du an den Sohn Gottes?“ und dieser dann wie der Blindgeborene antworten wird: „Wer ist es, Herr, damit ich an Ihn glauben kann?“ (Joh.9:36). Solche haben also eine absolute Bereitschaft zum Glauben, so dass ihre Bekehrung dann nur noch reine Formsache ist. Aber selbst wenn sie bis zur Wiederkunft Christi nicht erfahren, wer der HErr Jesus ist, so werden sie es spätestens dann erfahren, wenn der HErr ihnen sagen wird: „Kommet her, Gesegnete meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an; denn mich hungerte, und ihr gabet mir zu essen; mich dürstete, und ihr tränktet mich; ich war Fremdling, und ihr nahmet mich auf; nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis, und ihr kamet zu mir“ (Mt.25:34-36). Sie selbst gehörten nicht zu den Brüdern des HErrn, aber sie taten ihnen Gutes. Deswegen werden sie noch einmal die Chance bekommen, sich zu bekehren. (*Die röm. Kirche wird im Sendschreiben an Thyatira gelobt und gehört zur Gemeinde Jesu, nicht aber solche, die sich völlig außerhalb stellen, indem sie die Kirche und ihre Geschichte als Teufelswerk verdammen. Nach dem Urteil des HErrn ist die röm. Kirche viel weniger verdorben als Laodizea. Auch hat z.B. die Fegefeuer-Lehre eine biblische Grundlage, die nur entzerrt werden müsste. Laodizea hat gar keine wirkliche biblische Lehre vom Totenreich und hält den reichen Mann für ein Muster der ewigen Verdammnis, wobei die meisten, auch z.B. Johannes Pflaum, behaupten, Gehenna und Feuersee seien identisch).

Nach 1.Petr.4:6 werden diese Gestorbenen noch gerichtet „menschengemäß nach dem Fleisch“, im Unterschiedzu jenen, die schon zu ihren Lebzeiten gläubig wurden (Joh.5:24); aber sie werden dennoch „leben Gott gemäß nach dem Geist“. Ich vermute, dass bis zum Tage des Gerichts die Mehrzahl der Menschen sich bekehrt haben und ins Buch des Lebens eingetragen werden, so dass nur noch sehr wenige in den Feuersee müssen. Aber auch dieser ist nicht die „absolute Gottesferne“, sondern im Gegenteil die „absolute Gottesnähe“, die die Unbekehrten kaum ertragen können. Für diese Vermutung gibt es drei Hinweise: Das Feuer in der Bibel ist immer ein Symbol für die Liebe (Hohel.8:6) und damit für Gott selbst, der die Liebe ist (5.Mo.4:24). Der „Schwefel“ im Feuersee bedeutet übersetzt „das Göttliche“ (griech. THÄION, vergl. THÄOS = Gott). Und der „Wurm, der nicht stirbt“ kann in der Symbolsprache der Bibel eigentlich nur der HErr Jesus sein, der in Ps.22:6 bekennt: „Ich aber bin ein Wurm und kein Mann, der Menschen Hohn und der vom Volke verachtete“. Das hebr. Wort ToWLaaT ist zugleich auch der blutrote Farbstoff Karmesin, der in der Stiftshütte immer wieder verwendet wird und aus der Koschenilleschildlaus gewonnen wird. Man kann also sagen, dass es das Blut Jesu ist, das in dem unauslöschlichen Feuer der Liebe Gottes den Sünder immer wieder in Erinnerung gerufen wird, bis er zum Zerbruch und zur Buße kommt.

Dieser „Wurm“ hat möglicherweise auch den Wunderbaum in Jona 4 angefressen, bei dem es sich symbolisch möglicherweise um den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen handelt, d.h. dem Gesetz Gottes, der dem Menschen vorübergehend einen „Schatten der zukünftigen Güter“ (Hebr.10:1) spendet, aber den Menschen auch zu einer Selbstgerechtigkeit verleiten kann, so dass ihnen die „Sonne der Gerechtigkeit“ nicht scheinen kann (Mal.4:2, 2.Kor.3:12-18). Jona hat sich über diesen „Wurm“ geärgert, war aber auch schon vorher verdrossen, weil er nicht einverstanden war damit, dass Gott sich umstimmen ließ und ihn dadurch wie einen Narren aussehen ließ, der ein Gericht ankündigt, das nicht eintrifft. Kommt einem das nicht bekannt vor in Bezug auf die Allversöhnung? Wie viele Gläubige werden am Ende auch missmutig reagieren, wenn sie sehen werden, dass Gott sich auch der übrigen Menschen noch erbarmt und sie begnadigt! Dabei sollte Jona sie noch nicht einmal zur Buße aufrufen, sondern ihnen die Strafe Gottes als etwas Festbeschlossenes und Unabwendbares übermitteln, so wie es auch heute die Gläubigen tun. Wenn aber nach dem Tod die meisten Menschen Buße tun sollten und Gott sich des Übels über sie gereuen ließe, - wie wäre dann unsere Reaktion? Gott begründet Seine Entscheidung gegenüber Jona noch nicht einmal mit der Buße Ninives, sondern erinnert ihn lediglich daran, dass sie „noch nicht einmal unterscheiden können zwischen ihrer Rechten und ihrer Linken“ (Jona 4:11). Trifft aber nicht genau dies auch auf 90 % der gesamten Menschheit zu (im Bilde gesprochen)? Sollte sich Gott nicht über sie erbarmen, wo doch Seine Erbarmungen nicht zu Ende sind mit dem Tod, sondern „jeden Morgen neu“, und Er „nicht ewiglich verstößt, sondern wenn Er betrübt hat, sich erbarmt nach der Menge Seiner Gütigkeiten“ (Klag.3:22-32)?

  1. 10. Der Krampf mit 1.Petrus 4:6

Wenn nicht sein kann, was nicht sein darf, dann versucht man, eine Bibelstelle so sehr in eine annehmbare Richtung zu biegen, dass sie Risse bekommt und bricht. Die Leugner der biblischen Allversöhnung, die ja immer sehr großspurig und dreist behaupten, dass „die Bibel an keiner einzigen Stelle die Allversöhnung“ bezeuge oder dass es angeblich „eindeutig belegt sei, dass es eine ewige Höllenqual gebe“, tun sich indes bei einigen dieser angeblich nicht existierenden Stellen in der Bibel sehr schwer, sie anders als im Sinne der Allversöhnung zu deuten. So „eindeutig“ sie ihre Überzeugungen auch sonst bewertet haben und so einmütig und geschlossen sie ansonsten gerne nach außen die Allversöhnung kritisiert haben, so widersprüchlich und uneinig sind sie sich allerdings bei der Stelle in 1.Petr.4:6, wo es mindestens drei verschiedene Deutungsversuche gibt, die jedoch alle drei nicht funktionieren:

a.) Da es ja für sie nicht sein darf, dass hier Gestorbenen die frohe Botschaft verkündigt wird, behaupten die einen, dass es sich gar nicht um buchstäblich Gestorbene handelt, sondern angeblich um „geistlich Tote“ (vergl. Eph.2:1), die daraufhin – noch während ihres Lebens – zum Glauben fanden. Dies kann aber schon aus zwei Gründen nicht funktionieren, denn: zum einen werden diese Toten ja noch „gerichtet nach dem Fleisch“, während es von denen, die schon zu Lebzeiten an den HErrn Jesus glauben, heißt, dass sie „nicht mehr gerichtet werden“ (Joh.5:24). Zum anderen zeigt aber auch der Kontext, dass es hier unmissverständlich um buchstäblich Gestorbene handelt, denn im Satz zuvor heißt es am Ende: „…der bereit ist, die Lebenden und die Toten zu richten“ (Vers 5).

b.) Andere deuten diese Stelle in dem Sinne, dass diesen Toten zwar wie in Kap. 3:18-20 noch einmal das Evangelium verkündigt wurde durch den HErrn Jesus, als dieser bei Seiner Kreuzigung ins Totenreich hinabfuhr, aber dass nur die Gläubigen aus dem Alten Bund dadurch herausgebracht werden sollten aus dem Scheol, während die anderen nur informiert werden sollten, dass sie demnächst gerichtet und dann ewig verdammt werden (Joachim Langhammer). Für Letztere soll die „Frohbotschaft“ also darin bestanden haben, dass sie – ohne vielleicht je zuvor das Evangelium gehört zu haben – von nun an für immer gequält werden sollen, ohne gegen dieses Urteil Berufung einlegen zu können und ohne Aussicht auf Begnadigung. Auch diese sadistische Auslegung funktioniert natürlich nicht, denn es sind ja genau die Gleichen, die im Anschluss an die Evangeliumsverkündigung sowohl gerichtet als auch gerettet werden sollen. Denn sonst müsste es heißen: „…damit die einen gerichtet werden… und damit die anderen gerettet werden sollen“.  

c.) Eine weitere Idee, die u.a. auch McArthur vertritt, ist folgende: Das Gerichtet-werden beziehe sich gar nicht auf das Gericht am Großen weißen Thron, sondern um ein bereits „Von-Menschen-gerichtet-worden-Sein“ im Sinne einer Hinrichtung um des Evangeliums willen. Auch diese Deutung funktioniert nicht aus mindestens zwei Gründen: erstens hätte ihnen ja gar nicht mehr das Evangelium gepredigt werden brauchen, wenn sie doch bereits um desselben willen hingerichtet wurden, denn dann hätten sie es ja kennen müssen. Zweitens geschieht die Evangeliumsverkündigung bei den Gestorbenen ja gerade mit der Absicht, „DAMIT sie (nur noch) menschengemäß gerichtet werden mögen“ bzw. „DAMIT sie Gott gemäß leben mögen im Geiste“. Zweck des Evangeliums ist aber nicht automatisch, dass wir von Menschen hingerichtet werden. Abgesehen davon würde eine solche Absicht ja nicht nur für bereits gestorbene Gläubige gelten.

Wie man es also dreht und wendet – man findet keine funktionierende Auslegungsmöglichkeit, die wirklich alle Zweifel ausräumen könnte, es sei denn, man sperrt sich nicht so vehement gegen die Möglichkeit, dass auch den ungläubig Gestorbenen noch das Evangelium gepredigt wurde (und wird), damit sie nicht im Gericht Gottes verurteilt sondern begnadigt werden aufgrund der Annahme des Evangeliums. Es gibt auch noch andere bereits genannte Bibelstellen, durch welche man die Brüder, die starr und verstockt an einer unendlichen Verdammnis festhalten wollen, „schachmatt setzen“ kann, und zwar Hes.16:53-63 und Jes.45:22-24. Letztere Stelle war es übrigens, die auch mich damals stutzig machte, als sie mir zum ersten Mal von einem Bruder gezeigt wurde. Denn wenn absolut alle Menschen („jede Zunge“) einmal bekennen würden: „Nur in dem HErrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke“, dann müssen auch all diese gläubig sein, denn dieser Satz kommt einem Glaubensbekenntnis gleich (wortwörtlich heißt das hebräische Wort „hat-Er-gesprochen zu mir“ bzw. „hat-Er- mir -zugesprochen <umfassende >Rechtfertigung/Gerecht<igkeitsverwirlich>ung und Stärke“). Das wird auch nicht eingeschränkt durch die folgenden Worte: „es werden beschämt werden, die gegen Ihn entbrannt waren“; denn „beschämt“ kann nur jemand werden, der etwas geschenkt bekommt, dass er nach eigener Ansicht gar nicht verdient hat und deshalb „schamrot“ wird (Hes.16:63). Und auch die Erwähnung des „ganzen Samen Israels“ am Ende ändert nichts daran, dass sich „alle Enden der Erde“ zu Gott „wenden und errettet werden“ sollen (V. 22).

  1. 11. Wie kann man als Christ überhaupt an eine unendliche Quälerei glauben?

Wie kann ein Christ, der seine Feinde lieben soll (Luk.6:35) und seinem Bruder 70 x 7 mal vergeben sollte (Mt.18:22) überhaupt glauben, dass Gott, der die Liebe selbst ist, irgendwann nicht mehr in der Lage ist, Seine Feinde zu lieben, so dass Er ihnen angeblich nicht mehr vergeben könne??! Derselbe Gott, der noch nicht einmal am Tod des Gesetzlosen Gefallen hat (Hes.33:11), sondern sogar wollte, dass alle Menschen gerettet werden – derselbe Gott soll sich nach dem Gericht etwa in ein erbarmungsloses Wesen verwandeln und kein Mitleid mehr haben mit den Verlorenen, um sie dort wieder herauszuholen (1.Sam.2:6)? Wie soll das möglich sein? Wenn selbst wir, die wir böse sind, solch eine Grausamkeit selbst noch nicht einmal unserem ärgsten Feind wünschen würden, wie können dann Gläubige dem vollkommensten Wesen überhaupt eine solch bestialische und grauenvolle Bestrafung zutrauen? Was geht da im Kopf (und Herzen) vor? Schon allein jeder normale Mensch würde doch vor der Vorstellung einer ewigen Peinigung erschrecken und sagen: „Was soll das noch mit einem liebenden Gott zu tun haben?“ Selbst dem schlimmsten Verbrecher aller Zeiten würde wohl bei einer solchen Tat schaudern, und er würde Skrupel haben, solch eine Entscheidung gutzuheißen. Warum aber traut man dann Gott so etwas zu?

Dieses Phänomen lässt sich nicht mehr allein mit falsch gedeuteten Bibelstellen rechtfertigen, sondern es muss auch eine dämonische Komponente haben. Wir wissen, dass der Teufel und seine Dämonen immer darauf bedacht sind, den Heiligen Namen unseres Gottes in den Schmutz zu ziehen, und wenn es ihm wie Bileam gelingt, das Volk Gottes zur Sünde zu verleiten, z.B. durch Missachtung des 3. Gebotes ebenso den Namen des HErrn (d.h. Sein Wesen) zu verunglimpfen, dann reizen wir Gott zum Zorn und verhindern dadurch selbst, dass Er uns segnen kann. Ein Bruder schrieb einmal: „Wer Gott zum grausamsten aller Wesen erklärt, weil er Ihm ein sinnloses, ja sogar unaufhörliches Quälen unterstellt, beweist, dass er einer frevlerischen, dämonischen Lehre verfallen ist.“ Freilich würde ich niemandem irgendwie frevlerische Motive unterstellen, sondern bin im Gegenteil davon überzeugt, dass dieses von Augustinus* bedenkenlos übernommene Dogma völlig unbewusst und unreflektiert Einzug ins Christentum gefunden hat, und damit auch in die Herzen der meisten Christen heute. Man hat es ohne Frage im guten Glauben angenommen, dass es sich dabei doch schließlich um eine Lehre Jesu und der Apostel handeln müsse und diese Lehre trotz großer Bauchschmerzen bereitwillig übernommen. Dabei spielte der Umstand, dass die Ewige-Hölle-Lehre von der großen Mehrheit der gesamten Christenheit geglaubt wird, eine nicht unwesentliche Rolle. (*Hier sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Augustinus nicht Griechisch konnte und dass in Smyrna und Philadelphia sehr viele sehr anerkannte Lehrer die Allversöhnung geglaubt und dezent vertreten haben, und die damals auch von den meisten Allversöhnungsgegnern nicht Irrlehrer genannt wurden. Auch Augustinus tat das nicht).

Diese erschreckende kollektive Gelassenheit angesichts eines hellen Wahnsinns erinnert mich nicht nur an das gruppendynamische Stillhalten im bereits erwähnten Märchen „Des Kaisers neue Kleider“, sondern auch an das sog. „Milgram-Experiment“. Im Jahr 1961 machte der amerikanische Professor Stanley Milgram ein sozialpsychologisches Experiment, um herauszufinden, welche Rolle Autoritätshörigkeit dabei spiele, wenn z.B. Soldaten im Krieg Befehle ausführen, die eigentlich gar nicht mit der Menschenwürde im Einklang zu bringen sind. Nicht zuletzt ging es dabei um die Frage, ob bei der Aufklärung der nationalsozialistischen Verbrechen die These zuträfe, dass die Deutschen besonders pflichtversessen Befehlen gehorchen, ohne sie zu hinterfragen, oder ob dies auch für alle Menschen gelte („Are Germans different?“). Als Versuchspersonen dienten dabei Freiwillige, denen man erzählt hatte, es würde um eine Verbesserung des Lernerfolges bei der Anwendung von Strom gehen. Ihre Aufgabe bestand darin, vor einem Schaltpult zu sitzen und durch eine große Scheibe auf einen angeblichen Probanden zu schauen, der auf einen elektrischen Stuhl gefesselt war. Dabei sollte er auf Anweisung des Versuchsleiters einen Regler bedienen, um die jeweilige Strommenge auszulösen, die der „Proband“ bei falscher Beantwortung einer Frage erhalten solle. Der angebliche Proband, war natürlich ein Schauspieler, der die Wirkung der in Wirklichkeit nicht ausgeführten Stromstöße nur durch Schmerzgrimassen vortäuschen sollte, was der Teilnehmer aber nicht ahnte.

Schon zu Beginn des fragwürdigen Experiments werden sicherlich ein paar der Freiwilligen zunächst Bedenken geäußert, ob solch eine Studie überhaupt moralisch vertretbar sei. Ihnen wurde aber dann versichert, dass dies alles schon seine Richtigkeit habe und sie sich keine Sorgen machen bräuchten. Dann ging’s los, dass der Versuchsleiter dem angeblichen „Schüler“ Fragen stellte, die der Proband bei fehlerhafter Antwort mit einem Stromstoß von 45 V bestrafen sollte. Bei jedem weiteren Fehler wurde die Stromspannung jeweils um 15 Volt erhöht. Um seine Schmerzen für den ahnungslosen Probanden glaubhaft zu machen, bat der „Schüler“ (Schauspieler), dass er das Experiment abbrechen und befreit werden wolle, aber man ließ es ihm nicht zu (zum Wohle der Wissenschaft). Ebenso wurde der Student mit zuvor festgelegten Sätzen zur Fortsetzung des Experiments angehalten: 1. „Bitte fahren Sie fort!“ 2. „Das Experiment erfordert, dass Sie weitermachen!“ 3. „Sie müssen unbedingt weitermachen!“ 4. „Sie haben keine Wahl, Sie müssen weitermachen!“ Bei 200 Volt gab der „Schüler“ Schreie von sich, die einem das Blut in den Adern gefrieren ließen. Bei 300 Volt weigerte sich schließlich der „Schüler“, die Fragen weiter zu beantworten. Doch obwohl die Stromstärke nach der Anordnung des Versuchsleiters immer weiter erhöht werden sollte, stellten von insgesamt 40 Teilnehmern nur 14 das Experiment in Frage und brachen es vorzeitig ab. Die anderen ließen auf Befehl den Scheinprobanden bis zur maximalen Spannung von 450 V quälen, bis dieser sich nicht mehr bewegte. Bis dahin waren die Versuchspersonen ausnahmslos in einem aufgewühlten Gemütszustand, hatten Gewissensbisse und hätten gerne den Versuch abgebrochen; dennoch reagierten sie auch weiterhin auf jedes Wort des Versuchsleiters und gehorchten ihm bis zum Schluss.

Die menschliche Psyche hat verschiedene Möglichkeiten, eine normalerweise unerträgliche Gewissenslast zu überwinden. Man spricht hier von „Dissonanzauflösung“ oder „Dissonanzreduktion“. Neben der Suche nach echten Lösungen für ein konkretes Problem, kann ein moralisches Fehlverhalten auch dadurch entschuldigt oder verdrängt werden, dass man sich auf einen Befehlsnotstand beruft (wie es die Nazis taten) oder indem man die Verantwortung auf andere schiebt: „Das Weib, das Du mir gegeben hast, sie gab mir, und ich aß…“. Gewissensbisse können auch dadurch unterdrückt werden, indem man sich im Kreise von Gleichgesinnten weiß, wo man sich gegenseitig in der unmoralischen Denkweise beschwichtigen und sogar bestärken kann mit Scheinargumenten („Eine Krähe hackt der anderen nicht das Auge aus“). Hier kann es sogar zu einem Überbietungswettbewerb kommen, wem von allen es gelingt, die beste Ausrede zu finden. Am einfachsten ist es freilich, sich auf selektive und eigenwillig interpretierte Informationen zu berufen, wie z.B. auf Bibelstellen, die einen scheinbar in der selbstgewählten Meinung bestätigen. Aber man wird nicht dadurch rechtschaffener oder strenggläubiger, indem man - ohne mit der Wimper zu zucken – wie beim Milgram-Experiment - in unerbittlicher Weise einer unendlichen Höllenstrafe für seine Mitmenschen zustimmt, sondern indem man streng und unerbittlich gegen sich selbst und seine eigenen Sünden vorgeht.

Gott entbindet uns auch nicht von unserer Verantwortung, unser Verhalten und unsere Entscheidungen von der Liebe leiten zu lassen. Selbst wenn es sich bei der lästerlichen Vorstellung einer endlosen Verdammung nur um ein fehlerhaftes Verständnis von bestimmten Bibelstellen handelt, sind wir als Christen dazu verpflichtet, durch ein gründliches aber auch ergebnisoffenes und überzeugungsbereitwilliges Prüfen (Jak.3:17) der in dieser und anderen Ausarbeitungen dargelegten Argumente an Hand der Heiligen Schrift nach einer Lösung zu suchen, um diese Verunglimpfung des dreimal heiligen Namens Gottes durch die Lehre von einer angeblich endlos währenden Qual im Feuersee abzuwenden. Wer aufrichtig sucht, der wird auch finden; aber wer nicht sucht, sondern mit Gleichgültigkeit und einem gewissen Hochmut dieses Bild von einem sadistischen Gott unbeirrt hinnehmen will, der sollte unbedingt mal in sein Herz schauen und im Gebet den HErrn bitten: „Was ist nicht sehe, zeige Du mir; wenn ich Unrecht verübt habe, so will ich es nicht mehr tun“ (Hiob 34:32). Die Barmherzigkeit, Liebe, Sanftmut und Langmut, die uns gelehrt wird, kann soetwas jedenfalls nicht ertragen und müsste doch verzweifelt nach der Wahrheit suchen. Abraham rang z.B. mit Gott: „Sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben?“ (1.Mo.18:25). Für Abraham war es undenkbar, dass Gott ein total anderes Rechtsempfinden haben könnte als er selbst. Für Abraham war es auch undenkbar, dass Gott eine Zusage abändern oder zurücknehmen könnte. Kol.1:20 lehrt z.B. die 100%-Allversöhnung, - und die sollte Gott etwa später durch Offb.14:10-11 und Offb.21:8 und 22:15 auf die Größenordnung von 1 % herabgesetzt haben? Auch nur 1 Promille Herabsetzung wäre Zerstörung des Glaubens Abrahams. Viele darbystisch oder calvinistisch beeinflusste Gläubige erklären es sogar für unzulässig, sich wie Abraham auf ein natürliches Rechtsempfinden zu berufen, sondern man müsse blindlings selbst dem Unrecht zustimmen, wenn es von Gott vermeintlich so entschieden wurde. So schreibt z.B. Peter Lüling Im Kalender „Leben ist mehr“ vom 31.1.2019 „Nicht, weil es ‚an sich‘ schon gut wäre, sondern, was Gott will, wird dadurch ‚gut‘, dass er es will. Und es ist auch allein darum ‚gut‘, weil er es will. Gott hält sich also an keine Norm, Gott ist die Norm. Er folgt keiner Ordnung, sein Wille, den er geoffenbart hat, ist die Ordnung.“     Gott ist demnach also nicht objektiv gesehen gut, um Seiner Güte und Werke willen, sondern allein aufgrund Seiner angeblich willkürlichen und möglicherweise auch wandelbaren Festlegung, was „gut“ sei. Aber ist dies nicht der Ruhm eines Tyrannen, wenn das Belieben des Mächtigen als solches schon gerecht ist?

  1. 12. Woher kommt nur die Ablehnung der Allversöhnung und der Hass auf deren Vertreter?

Anstatt missgünstig zu sein wie der ältere Bruder im Gleichnis vom verlorenen Sohn, sollten wir uns darüber freuen, dass Gottes Heil „bis an das Ende der Erde“ wirksam werden wird (Jes.49:6). Der HErr Jesus will ALLE zu sich ziehen (Joh.12:32), damit „ALLE“ den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren (Joh.5:23). Alles was Odem hat soll eines Tages den HErrn loben, und wenn uns bewusst wird, dass der HErr wirklich „alles tut, was Ihm wohlgefällt“ (Ps.115:3), „Ihm alles möglich ist“ (Mt.19:26) und „kein Ding Ihm verwehrt werden kann“ (Hi. 42:2), dann dürfen wir auch im Glauben für die Errettung aller Menschen bitten, wie es uns ja auch geboten ist in 1.Tim.2:1 und dürfen gewiss sein, dass der, der doch Seinen einzigen Sohn nicht verschont, sondern Ihn für uns alle gegeben hat, „uns mit Ihm auch ALLE schenken“ wird, um die wir Ihn bitten (Röm.8:32). Die Fürbitte würde sonst auch gar keinen Sinn machen, wenn Gott sich nicht umstimmen ließe.

Im tiefsten Inneren wünscht sich natürlich jeder Gläubige, dass Gott sich doch am Ende aller erbarmen möge, besonders wenn man Angehörige hat, die nicht gläubig sind, und wo kaum mehr Hoffnung besteht, dass sich daran zu Lebzeiten noch etwas ändert. Aber niemand würde sich so ohne weiteres trauen, die Allversöhnung als mögliches Happy End für Gottes Heilsplan in Erwägung zu ziehen, da man dann ja unter seinesgleichen sofort als geächtet gilt. Man fürchtet, menschlich gesprochen, dass man der mangelnden Bibeltreue bezichtigt werden könnte, und dann ist man bei Fundamentalisten ja schon eine persona non grata. Die Anerkennung innerhalb einer Gemeinde oder eines christlichen Netzwerkes ist jedoch äußerst wichtig und für einen Prediger, der von Spenden lebt, sogar lebensnotwendig, weshalb man die Möglichkeit, dass an der Allversöhnung vielleicht doch etwas dran sein könnte, lieber von vornherein ausschließt und sich deshalb auch gar nicht erst mit deren Argumenten auseinandersetzen will. Zudem ist die Anhängerschaft der Allversöhner so niedrig, dass mit ihr kein Blumentopf zu gewinnen ist. Und da niemand unbedingt einer Außenseitergruppe angehören will, macht man sich gar nicht erst die Mühe, die Argumente an Hand der Bibel zu prüfen, denn selbst, wenn sie zuträfen, wäre der Preis zu hoch, um sich neu zu positionieren.

Aber wie ist dieser Hass auf die Anhänger der Allversöhnung zu erklären? Vielleicht liegt es daran, dass die Allversöhnung auf den ersten Blick zu schön klingt, um wahr zu sein, weshalb sie so etwas Verführerisches und damit Anrüchiges hat. Es liegt in unserer menschlichen Natur, dass wir eine Versuchung dadurch abzuwehren suchen, dass wir ihr mit übertriebenem Eifer entgegentreten. So hat es z.B. schon öfter Politiker gegeben, die sich nach außen als „Saubermänner“ gaben und leidenschaftlich gegen die multikulturelle Gesellschaft und den Islam hetzten, aber z.B. heimlich homosexuell waren (J.E. Hoover, P. Fortyn, M. Kühnen). Es ist so, als wollten sie ihre eigene Schwäche bekämpfen, indem sie sich schwache Minderheiten als Opfer suchen, um diese an den Pranger zu stellen. Man will von sich ablenken und ruft laut: „Haltet den Dieb!

Solch eine Heuchelei ist vor Gott besonders verwerflich. Nur dann, wenn Menschen völlig darauf verzichten, andere zu richten, werden sie nach der Verheißung Jesu nicht (mehr) gerichtet (Mt.7:1). Nirgendwo in der Schrift finden wir eine Berechtigung, Kindern Gottes wegen eines anderen Bibelverständnisses den Glauben abzusprechen oder sie aus der Gemeinde auszuschließen, und trotzdem geschieht dies heute viel zu oft. Als die Jünger dem HErrn sagten, sie hätten einen Jünger daran gehindert, dem HErrn zu dienen, weil er nicht IHNEN folgte, sagte der HErr: „Wehret ihm NICHT!“ (Mark.9:39). Heute aber bekommen die Brüder, die die Allversöhnung vertreten, fast in allen Gemeinden Predigtverbot und gelegentlich sogar Hausverbot. Man will sich rein und unbefleckt halten wie die Laodizea-Gemeinde und merkt gar nicht, dass man dadurch auch den HErrn ausgesperrt hat (Spr.30:12). „Die da sprechen: Bleibe für dich und komm mir nicht zu nahe, denn ich bin viel heiliger als du: Diese sind mir wie ein Rauch in meiner Nase und wie ein Feuer, das den ganzen Tag brennt“ (Jes.65:5). Als Glieder am selben Leib kann keiner von dem anderen sagen: „Ich bedarf deiner nicht“ (1.Kor.12:21). Zu der Zeit der Apostelgeschichte gab es das gar nicht, dass jemand wegen unterschiedlicher Bibelauslegung aus der Gemeinde verstoßen wurde und dann einfach in eine andere Gemeinde ging, denn die Gläubigen und Gemeinden hielten zusammen und übten in Lehrfragen Toleranz (Phil.3:15). Denn außerhalb der Herausgerufenen gab es nur noch das finstere Heidentum. Deshalb sagte David zu Saul: „…sie haben mich am heutigen Tag ausgestoßen aus dem Erbteil des HErrn, indem sie sprechen: ‚Geh doch und diene (meinetwegen) anderen Göttern!‘“ (2.Sam.26:19).

Es gibt bei vielen Verantwortlichen der heutigen Laodizea-Gemeinden eine gewisse Ratlosigkeit, wie sie mit den sog. „Allversöhnern“ umgehen sollen. Die meisten sprechen ihnen nicht das Heil ab, können sich aber deshalb auch nicht auf 2.Joh.9 berufen, da dort von solchen die Rede ist, die „Gott nicht haben“ oder die „nicht Jesus Christus im Fleische kommend bekennen“ (2.Joh.7), was beides nicht auf die Allversöhner zutrifft. Deshalb werden sie zwar meistens geduldet, man lässt sie jedoch nicht predigen, da sie mit einem Makel behaftet sind, der irgendwie stört. Sobald diese Brüder dann aus irgendwelchen anderen Gründen zu unliebsamen Personen werden, entledigt man sich ihrer, wie es Diotrephes tat (3.Joh.9), indem man sich dann einfach fadenscheinig auf die Allversöhnung beruft, da man ja weiß, wie anrüchig allein schon dieses Wort klingt vor einem heutigen „Synedrium“ (Mt.26:60, Apg.6:13). Dabei behandelt die Allversöhnung lediglich eine Streitfrage innerhalb der biblischen Prophetie, also ein in fernster Zukunft liegendes Ereignis, das mit dem moralischen Verhalten eines Bruders heute absolut nichts zu tun hat.

Es hat auch noch nie einen einzigen Ungläubigen gegeben, der sich aufgrund der Allversöhnung noch nicht bekehren wollte. Das ist eine verlogene Schutzbehauptung, weil man nichts anderes vorzubringen weiß, um die behauptete „Gefährlichkeit“ dieser biblischen Lehre zu begründen. Sie ist auch keineswegs „ungesund“ oder „einschläfernd“, sondern im Gegenteil äußerst erbaulich und motivierend. Leider hat man sie durch gezielte Propaganda über Jahre zu einem Popanz aufgebauscht. Gerade weil es so wenige Vertreter der Allversöhnung gibt, ist es leicht, auf sie einzudreschen. Aber es ist auch äußerst feige, und wir wissen ja, dass Gott die Feigen verabscheut (Offb.21:8). Perfiderweise wird aber gerade den Brüdern, die an die Allversöhnung glauben, Feigheit und Unwahrhaftigkeit unterstellt, weil sie sich nicht sofort zur Allversöhnung bekennen, sondern aufgrund der vielen Ablehnung vorsichtig geworden sind. Man unterstellt ihnen eine „subversive Maulwurfstätigkeit“, wenn sie sich in Einzelgesprächen freimütig zur Allversöhnung bekennen. Um nicht immer wieder aus Gemeinden ausgeschlossen zu werden, haben viele aber inzwischen ganz darauf verzichtet, sich zur AV-Lehre zu bekennen. So wie ja auch Johann Albrecht Bengel mal gesagt haben soll: „Wer sie [die AV] nicht erkennt, ist ein Ochse, wer sich aber zu ihr bekennt, ist ein Esel“. Als der Bruder Jung-Stilling im 18. Jh. nach einem Namen suchte, wie er seinen Freundeskreis von Verstoßenen nennen wollte, angesichts all der Anfeindungen von anderen Christen, nannte er ihn: „Die Stillen im Lande“, angelehnt an einen Psalm Davids: „Ich werde Dich preisen in der großen Versammlung, unter zahlreichem Volke Dich loben. Lass sich nicht über mich freuen, die ohne Grund mir feind sind… Denn nicht vom Frieden reden sie; und gegen die Stillen im Lande ersinnen sie trügerische Dinge“ (Psalm 35:18-20).

Wenn sich jedoch mal einer aus der Deckung wagt und sich freimütig zur biblischen Allversöhnung bekennt, dann riskiert man heute, von allen ausgegrenzt und ausgeschlossen zu werden, egal ob man von Gott eine klare Berufung hat zum Predigen oder Lehren und dazu entsprechend begabt wurde. Wie der HErr klopfen wir geächteten Brüder vergeblich an die Türen der Laodizea-Gemeinde, um Einlass gewährt zu bekommen (Offb.3:20). „Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Plan des HErrn offenbar geworden?“ (Jes.53:1). Wie oft hat man mir vorgehalten, ich möge mich doch mal fragen, warum nur so wenig Christen an die Allversöhnung glauben, und ich solle mich doch mal selbstkritisch fragen, ob nicht schon allein dies ein Beweis sei, dass sie gar nicht von Gott sein könne, da der Heilige Geist sie doch dann allen geoffenbart hätte. Dann entgegne ich immer wieder, wie viele denn die Auferstehung des HErrn Jesus erwartet hatten unter all Seinen Jüngern. Und genauso wie damals, würde auch ich den Gläubigen heute vorhalten: „Oh ihr Unverständigen und trägen Herzens, zu glauben an alles, was die Propheten geredet haben!“ (Luk.24:25). Wenn Martin Luther sich nach der Mehrheitsmeinung der damaligen Christen orientiert hätte, dann würden wir vielleicht nie eine Reformation gehabt haben, sondern noch im finsteren Mittelalter leben.

Immer dann, wenn die Gemeinde des HErrn in den letzten 2000 Jahren auf gutem Wege war und eine herzliche Bruderliebe bestand unter Gottes Volk, haben auch viele Brüder die Allversöhnung erkannt und wurden von den anderen nicht nur toleriert, sondern auch genauso wertgeschätzt wie alle anderen. Das war z.B. in den ersten drei Jahrhunderten der Fall, in welcher ein Großteil der Gläubigen an die Errettung aller Menschen glaubte, z.B. Theophilos, Klemens, Origenes, Gregorius von Nazianz, Diodor von Tarsus, Gregorius von Nyssa, Theodoret, Fakundus, Theodor von Mopsuestia. Andere Gemeindeväter sahen die AV zwar nicht, aber sie standen der Lehre wohlwollend gegenüber (Ignatius, Irenäus, Ambrosius, Didymus, Chrysostomus, Hieronymus). Genauso war’s dann auch in der Reformation (16.Jh.) und im Pietismus in Europa (17.-18. Jh.), dass viele bibeltreue Gläubige an die Allversöhnung glaubten und es unter ihnen zu einer großen Erweckung kam: Martin Bucer, Hans Denk, Johann Wilhelm Petersen, Christian Gottlieb Pregitzer, Michael Hahn, Friedrich Christoph Oetinger, Johann Albrecht Bengel, Jung-Stilling, Johann Christoph Blumhardt und sein Sohn Christoph Friedrich Blumhardt. Der HErr Jesus übte keinerlei Kritik an Philadelphia (Bruderliebe), sondern sagte ihr nur: „Halte fest, was du hast bis Ich komme“. Während Er die verderbenbringenden Irrlehren Bileams (Hurerei mit der Welt), der Nikolaiten (Klerikalismus) und Isebels (katholischer Götzendienst) scharf kritisierte, verlor Er kein einziges kritisches Wort über die Smyrna- und Philadelphia-Gemeinden. Die schärfste Kritik indes erhielt indes die Laodizea-Gemeinde (heutige Freikirchen und Evangelikale), da sie von sich glaubte, nicht mehr auf die Väter der Gemeinde hören zu brauchen, da sie mit all ihrem Wissen eine Art Deutungshoheit und Wahrheitsmonopol zu besitzen glaubte; - und das sehen wir ja heute.

Du hast in einer Ausgabe Deines Heftes „Der schmale Weg“ über Matth.13 einmal gelehrt und darin das „Unkraut“ als „die Ungläubigen“ hingestellt. Der HErr meint aber vom Teufel besäte Gläubige damit. Weltmenschen werden überhaupt nicht gesät, sondern nur Gläubige. Der Irrtum ist überaus verbreitet, es ist aber eine Verleumdung der Ungläubigen, und Verleumdung ist in jedem Fall schwer schuldhaft. Leider denken sehr viele Antiallversöhner, dass man solchen, die sowieso verloren gehen, den bürgerlichen Anstand vorenthalten oder ungestraft Unrecht antun darf.   Am Unrecht, das den Allversöhnungsvertretern angetan wird, nehmen auch sehr achtbare Laodizea-Christen mit vorbildlichem Lebenswandel teil.   Die Krankheit von Laodizea ist der Sauerteig der Pharisäer. Der Sauerteig der Sadduzäer ist die Krankheit der Bibelkritischen. Der Sauerteig des Herodes breitet sich durch die Enthüllungen und Verschwörungstheorien im Internet immer weiter unter den Christen aus. Heute ist ja bei vielem gar nicht mehr feststellbar, was wahr oder was Lüge ist. Auch das hemmungslose Richten/Urteilen und die Unfähigkeit, gerecht zu denken und zu urteilen, erfasst immer mehr echte Gläubige. Zu den Aufgaben des Propheten Elia, der vor dem zweiten Kommen des HErrn Jesus die Gemeinde wieder herstellen und vorbereiten soll auf den HErrn, damit sie nicht „mit dem Bann geschlagen werde“, gehört es, dass er „die Herzen der Söhne zu den Vätern wenden“ wird (Mal.3:24), d.h. dass sich die Nachgeborenen wieder mehr für die Weisheit ihrer Glaubensväter interessieren und ihrem Vorbild nacheifern. Schon jetzt haben einige Brüder damit begonnen, die Texte der Kirchenväter wieder zu lesen und stellen überraschend fest, wie aktuell sie auch für die heutige Zeit Anwendung finden können und sollten. Solche Brüder haben bereits vom HErrn Augensalbe gekauft und Buße getan wegen ihres Hochmuts zu glauben, dass sie bereits allen Reichtum an Wissen und Erfahrung besäßen und keiner Korrektur mehr bedürften (Offb.3:17-19).

Unabhängig davon, ob ich Dich mit meinen Ausführungen überzeugen konnte oder nicht, lieber Lothar, hoffe ich doch, dass Du mir wenigstens darin zustimmst, dass wir uns alle als Volk Gottes demütigen und bekennen sollten, dass wir uns durch unsere Selbstgefälligkeit und unsere mangelnde Liebe zur Bruderschaft des HErrn alle mehr oder weniger das Gericht Gottes zugezogen haben und deshalb gemeinsam den HErrn um Vergebung bitten sollten. Ich bin davon überzeugt, dass – wenn wir uns demütigen – und dem HErrn gemeinsam unsere Schuld bekennen, wie es Esra, Nehemia, Daniel und Hesekiel taten, dass dann der HErr wirklich vom Himmel her aufmerken und uns wieder eine Belebung schenken wird wie in Maleachi 3:16. Aber solange der Brudermord an den „Allversöhnern“ nicht aufhört, können sich die sog. „Bibeltreuen“ noch so häufig als Möchtegern-Maleachi-Kreis versammeln und sich als „treuen Überrest“ feiern, aber das Gericht Gottes über Sein Volk werden sie dadurch nicht abwenden können (2.Petr.3:8). Und auch die Hure Babylon wird die Irrlehre von der unendlichen Höllenqual zum Anlass nehmen, die sog. „fundamentalistischen“ Christen allesamt als grausame Fanatiker zu verleumden, die kein gesundes Rechtsempfinden hätten, sondern lieber an einen erbarmungslosen Gott glauben. Und dann werden sich auf einmal viele Christen schämen, aber keine Zeit mehr haben, zu einem gesunden Bibelverständnis umzukehren. Stattdessen werden sie den Glauben an die Inspiriertheit der Heiligen Schrift aufgeben und sich wie damals die sog. „Deutschen Christen“, die sich 1933 völlig gleichgeschaltet Hitler ergeben hatten, dem kommenden Führer unterwerfen. Dieser Abfall der Christenheit ist in 2.Thes.2:3 schon angekündigt. Es sind jene „Sterne“, die durch den Wind des Zeitgeistes vom Himmel fallen werden (Offb.6:13).        

Sei der Gnade des HErrn Jesus Christus befohlen!

Simon