"Und ER ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanze nach dem Regen sproßt das Grün aus der Erde."

(2. Sam. 23:4)

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„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“ (Röm.13:12)

Der große Abstand   (Teil 1)

Durch die Corona-Krise mussten wir uns alle umstellen. Automatische Prozesse und Gewohnheiten, die wir über Jahrzehnte erlernt haben, mussten auf einmal aufgrund eines neues Infektionsschutzgesetzes einem kollektiven UMDENKEN unterzogen werden. Man spricht inzwischen von einer Neuen Normalität. Der abrupte Zwang zum Abstand, verbunden mit einer Maskenpflicht, hat bei vielen Gefühle der Entmündigung ausgelöst („Maulkorb“) und den Verdacht geweckt, dem Staat ginge es gar nicht so sehr um unsere Gesundheit, sondern um eine allmähliche „Versklavung“ (Teile und herrsche). Besonders viele Gläubige sind aufgrund der in der Bibel angekündigten Weltherrschaft des Antichristen aufgeschreckt und solidarisieren sich sogar mit Ungläubigen auf Anti-Corona-Demos.

Doch hier soll es nicht um irgendeinen Mindestabstand gehen wegen der Gefahr einer Ansteckung, sondern um einen anderen „Abstand“, der in den letzten 150 Jahren schleichend stattgefunden hat und von vielen Christen kaum bemerkt wurde. Das griech. Wort für „Abstand“ heißt APO’STASIS (APO = Ab-, STASIS = Stand) und kommt in 2.Thes.2:3 als Ankündigung eines zukünftigen Abfalls der Christenheit vor. Die meisten denken hier fälschlicherweise nur an einen bewussten Abfall vom Glauben. Aber tatsächlich geht es um ein schleichendes ABSTANDNEHMEN von den Geboten Gottes und damit auch von der Glaubenstreue. Das griech. Wort PISTIS bedeutet ja nicht nur „Glaube“, sondern auch „Treue“, und wenn Christen aufgehört haben, Gott treu zu sein, dann wandeln sie auch nicht mehr im Glauben und im Vertrauen auf die Gültigkeit des Wortes Gottes. Zugleich ist damit aber auch ein „Abstand“ zu den Glaubensgeschwistern verbunden, denn man kann die Treue zur Bibel unmöglich von der Liebe zu den Gläubigen trennen (1.Joh.5:2). Mit zunehmender Gesetzlosigkeit ist aber auch die Liebe unter den Gläubigen zueinander und zu Gott erkaltet (Mt.24:13).

Durch die Beschäftigung mit der Lehre von der unendlichen Feuerqual ist mir inzwischen klar geworden, dass es um weit mehr geht als nur um einen weiteren Lehrstreit unter vielen. Es geht vor allem darum, welche Vorstellung man von Gott und von Seinen Geschöpfen hat. Wenn ich glaube, dass Gott gleichgültig, ungeduldig, grausam und unbarmherzig ist, dann wundert es nicht, dass ich allmählich immer gleichgültiger, ungeduldiger, grausamer und unbarmherziger werde mit meinen Mitmenschen, ja sogar mit meinen eigenen Glaubensgeschwistern. „Haben wir nicht alle EINEN Vater? Hat nicht EIN Gott uns geschaffen? Warum handeln wir treulos gegen den anderen, indem wir den Bund unserer Väter entweihen?“ (Mal.2:10).

Zu unseren Vätern im Glauben haben wir inzwischen einen weiten Abstand genommen und haben die Verbundenheitstreue zu ihnen und zueinander aufgegeben. Jeder ist nur noch froh über sein eigenes Heil, aber allerorten fehlt es an der Retterliebe zu den Verlorenen. Anstatt nach den Pfaden der Vorzeit zu fragen“ (Jer.6:16), erfinden sich die modernen Christen immer wieder neu und glauben, mit Discobeleuchtung und Lobpreis-Events Gott zu gefallen (Am.5:23). Nach außen wird noch eine fromme Fassade aufrechtgehalten, aber im Inneren sind die Christen noch nie so sehr zerstritten gewesen wie heute und schotten sich gegenseitig in ihren Denominationen von einander ab. Deshalb ist es so wichtig, dass der Prophet Elia wieder die Herzen der Väter zu den Söhnen und die Herzen der Söhne zu den Vätern lenkt, damit der HErr bei Seiner Wiederkunft nicht das Land mit dem Bann schlage (Mal.4:6).

Gemäß der kirchengeschichtlichen Auslegung der Sendschreiben in Offb. 2 und 3 befinden wir uns heute in der letzten Gemeindeausprägung vor der Rückkehr des HErrn, nämlich der von LAODIZEA („Volksgerechtigkeit“). Zuvor entstand im 17. und 18. Jh. in Deutschland mit dem Pietismus eine Erweckungsbewegung, die sich konsequent auf die Bibel gründete und die Erkenntnisse aus der Reformation in die Tat umsetzte. „In dieser Gemeinde mit dem Namen PHILADELPHIA („Bruderliebe“) in der man im freien Gespräch der Brüder die Bibel betrachtete (der Anfang der späteren Bibelstunde), gewann man daraus die innige Liebe zu Gott und zum HErrn Jesus und aus deren erbarmender Liebe zu allen Geschöpfen (Ps.145:9) die Bruderliebe zu allen Menschen: die zu den engsten Glaubensbrüdern, zu den Namenchristen, zu den in Sünde versklavten Menschen, zu den anderskirchlichen Christen, zu den Heiden, zu den von allen gehassten Juden, zu den im Himmel befindlichen Gläubigen, zu den Engeln und viele auch zu den gestorbenen Menschen – d.h. zu den Brüdern in Christus und zu den Brüdern in Adam, im Himmel auf Erden und unter der Erde. Diese Gemeinde erhielt vom HErrn ebenso wie die SMYRNA-Gemeinde (Offb.2:8-11) nur Lob ohne Tadel (Offb.3:7-13). In ihr wurde die Allversöhnungslehre von vielen anerkannten Christen geglaubt und (in zurückhaltender Weise) gelehrt – ganz so wie schon in der Smyrna-Gemeinde. Auch wurde die Allversöhnungslehre damals ebenso wie der Calvinismus und der Arminianismus allgemein toleriert“ (Bernd Fischer, „Die große Verleumdung Gottes“, 2020, S.1).

Leider hatten die Philadelphia-Christen mehrheitlich nicht über das 19. Jh. hinaus an dieser Bruderliebe festgehalten, wie der HErr ihnen gebot, sondern es entstand bald darauf die heutige Laodizea-Christenheit (Evangelikale) mit ihrem Elitebewusstsein („Sauerteig der Pharisäer“) und ihrer völligen Fehleinschätzung über ihren tatsächlichen Zustand in den Augen Jesu (Offb.3:14-20). Dabei wurde der biblische Schwerpunkt vom Lebenswandel in Liebe und Gerechtigkeit als sichtbares Zeichen der Wiedergeburt (1.Joh.2:29, 4:7) immer weiter verschoben – hin zu einem einmaligem Bekehrungserlebnis und zu einem bloßen Bekenntnis zur Lehrauffassung der eigenen Gruppierung. Wie zu der Zeit Jesu hat sich heute wieder eine allgemein anerkannte Führerschaft über das Volk Gottes herausgebildet, die sich ähnlich wie die Pharisäer damals das Recht herausnimmt allgemeinverbindlich zu entscheiden, wie die Bibel auszulegen sei. Und wer nach ihrer Auffassung als „Irrlehrer“ zu gelten habe, wird dann von dieser Elite in Büchern verketzert, so wie es damals der Vatikan durch seine Bann-Bullen tat.

Anstatt sich also wie zu der Zeit der Apostel gemeinsam an einem Ort zu treffen, „um diese Sache zu besehen“ (Apg. 15:6), nimmt jede Clique sich das Recht heraus, eigenmächtige Anathemas über die jeweils andere Gruppe zu verhängen und fördert dadurch immer weiter die Spaltung im Leibe Christi. „Die da sprechen: Bleibe für dich und komm mir nicht näher, denn ich bin heiliger als du: Diese sind ein Rauch in meiner Nase, ein Feuer, das den ganzen Tag brennt“ (Jes.65:5). Als Reaktion auf meine ausführliche Stellungnahme zur Allversöhnung bekam ich von Br. Lothar Gassmann die kurze Antwort: „Lieber Simon, […] Die Argumente sind mir natürlich längst bekannt. Dennoch sehe ich es von der Bibel her anders. Schalom, Dein Lothar“. In wieweit er es anders sah, wollte er mir nicht mitteilen, sondern verwies auf ein Buch von Br. Thomas Zimmermanns, in welchem dieser gegen die Allversöhnung Stellung bezog. Ich habe mir dieses und auch ein weiter Buch gegen die Allversöhnung von Dirk Schürmann durchgelesen und möchte die darin enthaltenen Argumente hier mal im Folgenden der Reihe nach veröffentlichen, um die Oberflächlichkeit und Unhaltbarkeit der Argumente und Behauptungen bloßzustellen:

 

Unterstellungen und Vorurteile

1.1.Gefühle als Maßstab

Von Seiten der Allversöhnungsleugner wird den Vertretern der Allversöhnung immer wieder unterstellt, dass sie sich bei ihrer Positionierung von ihren Gefühlen leiten lassen anstatt von der Heiligen Schrift: „Man macht seine Gefühle zum Maßstab der Beurteilung: Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein Gott der Liebe Menschen für ewig im Feuer brennen lässt; … ‚Ich kann mir nicht vorstellen‘ – das ist in jedem Fall ein schlechter Lehrmeister bei der Auslegung der Bibel“ (Dirk Schürmann in „Versöhnung statt Allversöhnung“, 2020, S.116). Wie einfach, wenn es so wäre! Tatsächlich handelt es sich hier aber um eine plumpe Unterstellung, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Denn so wie alle Kinder Gottes geht es auch den an die Allversöhnung glaubenden Geschwistern um nichts anderes als um die Wahrheit des geoffenbarten Wortes Gottes. Welch ein Selbstbetrug, wenn sich Christen eigenmächtig über das Zeugnis der Schrift hinwegsetzen und einfach nur ihren Gefühlen nachgeben! Dann aber könnten sie genauso gut ihren Glauben an die Gültigkeit der Heiligen Schrift aufgeben, wenn sie ihre eigenen Wünsche zum Maßstab ihres Glaubens machen.

Es ist nicht grundsätzlich falsch, gelegentlich sein Bauchgefühl zu nutzen, wenn man z.B. in der Mathematik zu einem Ergebnis kommt, das einem unwahrscheinlich vorkommt. Da aber Gefühle täuschungsanfällig sind, können sie nur als erster Eindruck dienen, um einen Verdacht zu wecken, aber nicht ein gründlicheres Prüfen ersetzen. Bezogen auf die Allversöhnung hat es gar den Anschein, dass man sich seitens ihrer Gegner eine völlige Enthaltsamkeit aller natürlicher Empfindungen auferlegt hat, so wie es etwa die Wachleute in den Konzentrationslagern taten, aus Angst ihre vermeintliche Pflicht zu verletzen. Dies gelingt freilich nur durch das rhetorische Vermeiden einer klaren Sprache und damit einem Verzicht auf Wahrhaftigkeit.


1.2 „
Menschlichkeit“, „Humanismus

Aus lauter Menschlichkeit und intellektuellem Feingefühl weist man die Idee einer ewigen Hölle von sich“ (Arthur E. Wilder-Smith, „Allversöhnung: Ausweg oder Irrweg?“, 1985, S.44). Auch hier wird wieder unterstellt, als würde es einem Allversöhner gar nicht um die Wahrheit gehen, weshalb man ihn deshalb gerne in die Nähe des aufklärerischen Humanismus rückt, der eine Vervollkommnung des Menschen ohne göttliches Einwirken für möglich hält. Sich selbst bescheinigt man dadurch indirekt eine völlige Unempfänglichkeit vor emotionalen Einwirkungen. Man gibt vor, nüchtern und unbestechlich zu sein, während die Allversöhner nicht bereit seien, „jeden Gedanken gefangen zu nehmen unter den Gehorsam des Christus“ (2.Kor.10:5). Stattdessen seien sie offen für Philosophie, und stellen ihre Maßstäbe von Gerechtigkeit und Menschenliebe über die des Wortes Gottes.

1.3 Exegetisches „Zurechtbiegen

Haben sie das Wort Gottes akzeptiert und sich ihm unterworfen oder haben sie es sich so lange zurechtgebogen, bis es so gesprochen hat, wie sie sich Gott vorgestellt haben“ (Schürmann, S. 117). Die Unterstellung, dass die AV-Vertreter sich das Wort Gottes „zurechtbiegen“ würden, ist zwar aus Sicht ihrer Gegner verständlich, aber nüchtern betrachtet ein sehr schwerer Vorwurf. Denn man tut ja so, als würden diese Brüder bewusst das Wort Gottes verfälschen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Aber selbst, wenn dies nicht absichtlich, sondern nur faktisch aber ungewollt geschieht, steckt dahinter eine mangelnde Liebe zur Wahrheit und ein damit verbundenes, billigendes Inkaufnehmen von Irrtümern zur Durchsetzung der gewünschten Aussage (2.Kor.4:2). Die Unterstellung einer solchen Motivation fällt aber unter das Verbot des bösen Richtens (1.Kor.4:5). Die Liebe unterstellt dem Nächsten aber nichts Böses (Röm.13:10), sondern „glaubt alles“.

1.4 Origenes, der Erfinder der Allversöhnung?

Eine Spielart der Manipulation, die gerne auch bei sog. Aufklärungsbüchern oder Dokus verwendet wird, ist die angebliche, pseudo-sachliche Betrachtung einer Lehre unter Maßgabe ihres willkürlich behaupteten Ursprungs. So wird ja z.B. von Seiten der Wissenschaft der Ursprung der biblischen Geschichte nicht aus der Bibel selbst abgeleitet, sondern bei den Sumerern verortet, von denen die biblischen Autoren angeblich abgeschrieben hätten (tatsächlich war es genau anders herum). Oder - um ein weiteres Beispiel zu nennen - sagen die Adventisten ja, dass der Ursprung des Sonntagsgottesdienstes auf Kaiser Konstantin zurückginge, weil er trotz seiner Bekehrung angeblich immer noch dem Kult der unbesiegbaren Sonne huldigte. Tatsächlich hatten aber schon die Apostel sich am ersten Tag der Woche versammelt (Apg.20:7, 1.Kor.16:2), was auch die Gemeindeväter Barnabas und Justin bestätigten.

Eine solche Geschichtsklitterung gibt es auch in Bezug auf die Allversöhnung. Man versucht es so darzustellen, als ob erst Origenes (185-254 n.Chr.) der „Erfinder“ der Allversöhnungslehre sei, obgleich sich auch frühere Kirchenväter, z.B. Clemens von Alexandria (150 – 215 n.Chr.), und sogar selbst Paulus dazu bekannten, dass Gott ein „Retter aller Menschen“ sei (1.Tim.4:10). Origenes war also nicht ein Erfinder, sondern ein FINDER der Allversöhnung. Er wurde zwar 552 n.Chr. von der Katholischen Kirche als Ketzer verurteilt, aber das wurde auch Jan Hus und Martin Luther. Zu seinen Lebzeiten war Origenes von sämtlichen Christen der Urgemeinde als Bibellehrer hoch angesehen, selbst bei seinen Kritikern. Er hat zahlreiche Bibelkommentare geschrieben und die frühe Christenheit vor falschen Lehren beschützt. Sein Glaube an eine „Wiederherstellung aller Dinge“ gab zu seiner Zeit nie Anlass zu Streit, wohl aber seine Überzeugung, dass der HErr Jesus Seinem Vater untergeordnet sei gemäß 1.Kor.15:28. Auch trifft es nicht zu, dass er der Gnosis nahestand, obgleich man bei ihm schon auch platonische Einflüsse feststellen konnte.

Immer wieder wird den Allversöhnungsvertretern unterstellt, sie hätten sich nicht vom Wort Gottes, sondern von menschlicher Philosophie beeinflussen lassen (Kol.2:8). Eine substantiierte Herleitung für diesen Vorwurf bekommt man indes nicht. Stattdessen werden nur vage Begriffe wie Parsismus, Theosophie oder Gnosis in den Raum geworfen, um durch die negative Besetzung dieser Begriffe eine Vorverurteilung zu bewirken, damit man sich gar nicht erst aufgeschlossen und unvoreingenommen von der Bibel her mit dieser Lehre beschäftigt. Schon allein das Wort Philosophie hat eine negative Konnotation bei uns Bibelgläubigen, obwohl der Begriff selbst ja eigentlich etwas durchaus Biblisches ausdrückt, nämlich die Liebe zur Weisheit, durch die wir unseren himmlischen Vater erfreuen (Spr.29:3). Das Buch des Predigers ist im Grunde ein philosophisches Buch, indem es die höchste menschenmögliche Weisheit ohne Gottesoffenbarung beschreibt.


1.5 Pädagogische Unwahrhaftigkeit

Dirk Schürmann berichtet in seinem 2020 erschienen Buch von „manchen Allversöhnern“, die „gar meinen, Gott habe nur aus pädagogischen Gründen von einem ewigen Feuer oder von der ewigen Verdammnis gesprochen“ (S.118). Zurecht wirft er diesbezüglich die rhetorische Frage auf, ob „Gott es denn nötig habe, durch Unwahrhaftigkeit ein ‚pädagogisches Ziel‘ zu erreichen?“ Hier wäre im Gegenzug zu fragen, ob Schürmann glaubt, dass etwa die Allversöhner es nötig hätten, durch Unwahrhaftigkeit ihre Lehre zu behaupten. Denn faktisch gibt es wohl keinen einzigen Vertreter der Allversöhnung, der diese Meinung vertritt. Es ist sicherlich nicht abzustreiten, dass Gott selbst Lehrirrtümer zulässt (wie z.B. der Glaube, dass Christus der Sohn Davids sei), aber es würde Seinem Wesen widersprechen, wenn man Ihm unterstellte, Er würde sie absichtlich gebrauchen, um Seine Kinder durch Vortäuschung falscher Tatsachen einzuschüchtern und dadurch zu erziehen (1.Sam.15:29).

Wenn der HErr bei Seinen treuen Nachfolgern Irrtümer zulässt, dann bestenfalls zu dem Zweck, um sie vor Schaden zu bewahren. So haben wohl die meisten Seiner Jünger Ihn damals missverstanden, als Er sagte: „Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles dieses geschehen ist“ (Mark.13:30). Viele sahen die Erfüllung in der Eroberung Jerusalems im Jahr 70 und haben die anderen Vorhersagen einfach vergeistigt. Erst im 19. Jh. setzte sich mit der Brüderbewegung allmählich die Erkenntnis durch, dass man all die detaillierten Hinweise in der Prophetie unmöglich alle vergeistigen könne (z.B. die Ellenmaße für den Tempelbau in Hesekiel 40-47), und es erfüllte sich die Verheißung in Dan.12:4, dass sich die Erkenntnis zum Ende hin mehren würde. Dennoch sehen wir an diesem Beispiel, dass Gott gerade im Bereich der Prophetie (zu der im Prinzip auch die Allversöhnung zählt) Er es über Jahrhunderte zulassen kann, dass die Gläubigen in Unwissenheit sind.

1.6 „Gott Vorschriften machen

Weil der US-amerikanische Pastor Rob Bell nüchtern feststellt, dass Gott nach Ansicht der meisten Christen heute „unnachgiebig Strafen über Menschen verhängt“ und dass dies „keine besonders gute Geschichte“ sei, folgert Bruder Schürmann daraus: „Folglich schreibt er Gott sozusagen vor, wie Er zu sein habe, wenn Menschen an Ihn glauben sollen“ (Schürmann, S.137). Diese polemische Formulierung, „wir dürften Gott keine Vorschriften machen“, hört man immer wieder und offenbart, mit welcher Abschätzigkeit den Brüdern der Allversöhnung mangelnde Gottesfurcht unterstellt wird. Genauso wenig, wie ein Mensch das All mit sich selbst versöhnen kann, weil dies nur Gott selbst vermochte (weshalb schon die Bezeichnung „Allversöhner“ unzutreffend ist), genauso wenig könnte ein Mensch Gott irgendwelche „Vorschriften machen, wie Er zu sein hat.“ Dieser Vorwurf soll wohl davon ablenken, dass Gott selbst sich vorgeschrieben hat, wie Er sein will, und hat uns Sein Wesen geoffenbart: „Barmherzig und gnädig ist der HErr, langsam zum Zorn und groß an Güte; Er wird nicht immerdar rechten und nicht ewiglich nachtragen“ (Ps.103:8-9). Es kann also gar keine Rede davon sein, dass wir Gott irgendetwas „vorschreiben“, sondern wir dürfen Gott einfach nur beim Wort nehmen. Würde diese Beschreibung des Wesens Gottes irgendwann aufhören, dann würde sich Gott selbst verleugnen, was aber nach 2.Tim.2:13 unmöglich ist.

1.7. Kann Gott heute „barmherziger“ sein?

Der Schriftsteller Thomas Zimmermanns, der früher mal Rechtswissenschaft studierte, unterstellt mit Strohmann-Argumenten den die Allversöhnung erkennenden Brüdern, dass sie angeblich über die Schrift hinausgehend „vielfach mit persönlichen Inspirationen, Erleuchtungen und Privatoffenbarungen“ die AV begründen würden (Zimmermanns, „Allversöhnung – Was sagt die Bibel dazu?“, 2008, S.15). Ich kenne persönlich niemanden, der dieses tut, und auch der Rechtswissenschaftler Zimmermanns versäumt es hier, Zeugen zu benennen. Des Weiteren meint er, Allversöhner zu kennen, die glauben, dass „Gott im Laufe der Heilsgeschichte barmherziger geworden sei und an den in der Bibel angedrohten ewigen Strafen nicht mehr festhalte“ (Zimmermanns, S. 13). Auch diese Darstellung soll wohl den Eindruck erwecken, als würden wir AV-Gläubigen uns von außerbiblischen Eindrücken leiten lassen, anstatt vom Wort Gottes.

Während es für ihn nun ein Kinderspiel ist, festzustellen, dass unbiblische Inspirationen nicht von Gott sein können, ist es für Bruder Zimmermanns deutlich schwerer, über Gottes Barmherzigkeit zu schreiben, da er wohl selber merkt, dass er sich widerspricht, wenn er mit Hebr.13:8 an die Unwandelbarkeit Gottes erinnert (S.13). Denn gerade der Umstand, dass Gott in der Vergangenheit genauso barmherzig war wie in der Zukunft, widerlegt ja die These, dass Gott irgendwann kein Erbarmen mehr haben könne mit den unbekehrt Gestorbenen.


2. Propaganda

Während man dem nicht wirklich bekannten Gegner alles nur erdenklich Böse zutrauen kann und dies durch Unterstellungen auf diesen projiziert, halten Parteien ihre Leute geschickt durch unterschwelliges Selbstlob und Eitelkeit zusammen („Wir sind die wahrhaft Bibeltreuen!“). Ein wirklicher Dialog durch das gleichberechtigte Teilen von anderen Erkenntnissen, um möglicherweise auch mal Neues zu lernen, findet außerhalb der eigenen Grenzen heute kaum mehr statt. Verständlich, - denn andernfalls müsste man ja sein - als sicher geglaubtes - Lehrgebäude immer wieder infrage stellen und korrigieren, was mit sehr viel Demütigung und Selbstverleugnung verbunden wäre. Stattdessen ist es viel angenehmer, sich mit den eigenen Leuten gegenseitig der eigenen Rechtgläubigkeit zu versichern. Dies kann auf Dauer kaum ohne Manipulation und Selbstbetrug gelingen, zumal man neben Angriffen von außen auch immer von inneren Selbstzweifeln angefochten wird („Kann ich das eigentlich wirklich glauben wollen?“).

2.1 Kann das Opfer Christi geschmälert werden durch zu viele Erlöste?

Immer wieder wird uns der Vorwurf gemacht, wir hätten angeblich „den wahren Charakter der Sünde zu wenig verstanden“ und hätten auch keine ausreichende Vorstellung von „Golgatha, wo Gott die Sünde an Seinem eigenen Sohn strafte… das übersteigt bei weitem unsere Vorstellungskraft, und doch ist es völlig wahr“ (Schürmann, S.127, 129). Wer meint, Christus habe uns letztlich nur von einer zeitlichen Strafe erlöst, der schmälert nach Ansicht der Golgathaversteher das Werk des HErrn Jesus, „das uns in Wahrheit nicht von einer nur zeitlichen, sondern von einer ewigen Strafe erlöst hat. Die Härte und die Dauer der Strafe machen deutlich, wie ernst Gott über Sünde denkt… Je mehr wir unsere Sündhaftigkeit und Verdorbenheit im Licht der Heiligkeit Gottes erkannt haben, desto mehr werden wir verstehen, dass wir es verdient haben, für immer aus der Gegenwart Gottes ausgeschlossen zu sein und Seinen ewigen Zorn und die ewige Pein zu erleiden“ (Schürmann, S.150-151). Was für eine brillante Rhetorik! Ohne Frage zählt sich Bruder Dirk Schürmann zu jenen, die in dieser Tiefe des Verständnisses eingedrungen sind und deshalb verdientermaßen das Plädoyer für eine endlose Qual im Feuersee halten dürfen.

Wenn man den Ausführungen des Bruders folgt, müsste man zu dem Schluss kommen, dass der HErr Jesus gar nicht gekommen sei, um die Welt zu erretten, sondern um sie zu verdammen (Joh.12:47). Gott erschuf scheinbar die Menschheit nur deshalb, um sie später in alle Ewigkeit zu quälen und habe dies nur dadurch moralisch rechtfertigen können, indem Sein Sohn starb, um einer winzigen Schar von Auserwählten gnädig zu sein. Eine „zeitliche Strafe“ empfinget Dirk Schürmann als eine Schmälerung des Werkes Christi, dabei ist es doch nüchtern betrachtet genau anders herum: Der HErr Jesus soll auf Wunsch der Ewig-Verdammer nicht den vollen Lohn bekommen für all Sein Leid am Kreuz von Golgatha, sondern mit einer mickrigen Schar von Erstgeborenen abgespeist werden (Hebr.12:23). Wenn nicht die Menge an Erlösten („wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist“), sondern die Verweildauer der Ungläubigen im Feuersee die Frucht wäre, an der sich der HErr Jesus „von der Mühsal Seiner Seele sättigen“ werde (Jes.53:11), dann war der Sinn von Golgatha nicht die Errettung der Menschen, sondern eine fragwürdige Rechtfertigung, die übrigen Menschen für ewig quälen zu dürfen ohne Gewissensbisse.

2.2 Euphemismus = Verharmlosende Rede

Wenn man etwas Unsägliches erträglich erscheinen lassen will, dann kann man dies mit Sprachbildern tun, die das eigentliche, um das es geht, verhüllen oder gar vertuschen sollen. Hitler nannte z.B. die Vernichtung der Juden in Europa die Endlösung. Damit suggerierte er, dass es ein lästiges Problem gäbe, für das er eine endgültige Lösung gefunden habe, um sich dieser Last zu entledigen. So wird auch das kaltblütige Zerstückeln von Kindern im Mutterleib heute euphemistisch verharmlost als Schwangerschaftsabbruch, so als würde man eine Urlaubsreise vorzeitig abbrechen. Gibt es aber noch etwas Grausameres und Schrecklicheres als eine ewige Quälung im Feuersee?

Man mag es kaum glauben, aber den Verfechtern einer endlosen Höllenqual gelingt sogar das Kunststück, dieses unvorstellbare Leid noch mit geradezu zynisch wirkenden Vergleichen zu relativieren und mit banalen Dingen des täglichen Lebens gleichzusetzen: „Müssen wir nicht manchmal unser Leben lang wegen eines kleinen Fehlers die Folgen tragen? Ein kleiner Fehler im Straßenverkehr kann schwerste Verletzungen mit lebenslangen Behinderungen zur Folge haben oder sogar das Leben auf der Erde beenden und hat somit unvorstellbare, nicht wiedergutzumachende Konsequenzen … Warum sollten endliche Sünden nicht ewige Folgen nach sich ziehen, wenn wir doch ein ähnliches Prinzip überall beobachten können“ (Schürmann, S.129-130). Der Denkfehler, dem Bruder Schürmann hier erlegen ist, besteht in der falschen Grundannahme, dass der Mensch durch unglückliche Zufälle seinem Schicksal ausgeliefert sei und er entweder Glück oder Pech haben kann. So mag vielleicht die Welt denken, aber der HErr Jesus hat uns gelehrt, dass Gott für alle Geschicke der Menschen am Ende einen gerechten Ausgleich schaffen wird: der lebenslang benachteiligte Lazarus wird auf dem Schoß Abrahams getröstet, während der sorglose, reiche Mann am Ende das gleiche Leid erdulden muss, das er zu seinen Lebzeiten dem Lazarus wie selbstverständlich zuerkannt hat, ohne selbst für einen Ausgleich zu sorgen.

Eine an Zynismus kaum zu überbietende Verschleierung der tatsächlichen Sachlage stellt die Verwendung des Wortes „respektieren“ im Zusammenhang mit der äonischen Höllenstrafe dar, das genauso verlogen ist wie das Verb „entscheiden“. Der Jurist Zimmermanns verwendet sogar beide Tätigkeitsworte im selben Satz: „Gott erzwingt die Durchsetzung dieses Willens aber nicht, sondern Er sucht eine freiwillige Entscheidung des Menschen und respektiert, dass Menschen sich gegen Ihn entscheiden und nicht zu Ihm umkehren“ (Zimmermanns, S.14). Was zunächst ganz plausibel klingt, hält einer gründlichen Prüfung anhand von Gottes Wort nicht stand (Joh.15:16, Röm.9:16). Die Worte „respektieren“ oder „Entscheidung“ stehen noch nicht einmal in der Bibel, zumindest nicht im Zusammenhang mit Bekehrung.

2.3 Die Kriminalisierung der Ungläubigen

Die Vorstellung, dass sich die Menschen angeblich „gegen Gott entscheiden“ hat mit der Realität nichts zu tun und trifft allenfalls nur auf richtige Satanisten zu. Kein Mensch, der nicht an Gottes Existenz glaubt, entscheidet sich dadurch gegen Gott, denn man kann sich nur für oder gegen jemanden entscheiden, wenn man überhaupt von der Existenz dieser Person ausgeht. Hier in Deutschland glauben die meisten Menschen aber noch nicht einmal an die Existenz Gottes. Ihr Unglaube hat also gar keine moralische Kategorie, denn es hat nichts mit Bosheit zu tun, wenn man an etwas nicht glaubt, sondern mit mangelnder Überzeugtheit. In anderen Religionen glauben die Menschen sogar an einen Gott, aber sie halten aus Unkenntnis nur jeweils ihren Gott für den einzig wahren. Man kann also auch ihnen nicht vorwerfen, dass sie sich „gegen Gott entschieden“ hätten, denn sie glauben ja durchaus an den Gott, der ihnen verkündigt wurde. So einfach ist es eben nicht, wie sich das die Ewig-Verdammer machen wollen.

Wenn wir von kriminalisieren sprechen, meinen wir damit ein fälschliches Bezichtigen eines Unschuldigen, den man durch eine Beschuldigung aufgrund eines neuen Rechtsverständnisses zum Verbrecher macht (Mt.12:7). Dieser Tatbestand liegt vor, wenn ich aus der Tatsache, dass „es keinen Gerechten“ gäbe, folgern würde, dass alle Menschen Verbrecher seien. Das glauben auch noch nicht einmal die Allverdammer, obwohl sie kein Problem damit haben, für eine menschenfreundliche Muslima dieselbe ewige Pein für gerecht zu empfinden wie für Adolf Hitler. Überhaupt leben viele solcher Christen in einem schizophrenen Verhältnis zu ihrer ungläubigen Umwelt: über den Gartenzaun plaudern sie mit dem Nachbarn über das trockene Wetter und den Baumbeschnitt, lachen gemeinsam über das Eichhörnchen, das sich immer aus dem Futternapf der Meisen bedient, und nach ein paar Jahren wird der Nachbar wegen eines Herzinfarkts abgeholt und verstirbt kurz darauf. Und die Christen zucken mit den Schultern und sagen: „Vielleicht hat er sich ja noch im letzten Moment bekehrt und bekommt die ‚Schächergnade‘. Und wenn nicht, dann tut’s mir ja leid für ihn, dass er jetzt ewig im Feuersee brennen muss. Schade eigentlich, - war immer ein netter Mensch, aber kann man halt nichts machen.“

Die Ewig-Verdammer haben keine Antwort auf die Vielfalt der menschlichen Schicksale, für die alle angeblich die gleiche Strafe vorgesehen ist. So viele Menschen in all den Ländern dieser Welt, die größtenteils nicht so ein komfortables Leben genießen durften, sondern mit Krankheiten, Trauer und Entbehrungen zu kämpfen hatten, die ihnen das Leben auf Erden verleidet haben! Nicht wenige von ihnen hatten im Bilde gesprochen die Hölle auf Erden erlebt und den Tod schließlich als Erlösung empfunden. Nach dem Dogma der Allverdammung sollen sie jetzt auf immer weiterleiden, wenn sie den HErrn Jesus nicht zu Lebzeiten kennengelernt und angenommen haben. Sie haben keine Antwort auf die Frage, was dies eigentlich noch mit Gerechtigkeit zu tun haben soll. Aber – gelobt sei Gott – hat der HErr Jesus in den Seligpreisungen der Bergpredigt die Antwort offenbart, dass diese sich selbst dann noch erfüllen werden, wenn sie auch von der Mehrheit der Christen heute nicht geglaubt werden. Die meisten Ungläubigen sind geistig Lahme, Blinde, Taube und Verkrüppelte, die ohne Hoffnung das Leben irgendwie gemeistert haben und nicht das Vorrecht hatten wie wir, den HErrn Jesus kennen zu dürfen. Aber gerade für sie ist Er gekommen!

2.4 Die Gleichgültigkeit der „Gewinner

Das eigentlich Erschreckende und Verstörende an den Überzeugungen der Ewig-Verdammer ist das mangelnde Unbehagen bei ihnen. Je mehr sie die Endlosigkeit der Höllenstrafe rechtfertigen, desto mehr ähneln sie der gleichgültigen Hure, die zu Salomo sprach: „Weder mein noch dein soll es sein, zerteilet es!“ (1.Kön.3:26). Als Hiskia von dem Gericht über seine Nachkommenschaft hörte, sagte er: „Der HErr weiß was er tut; ich beuge mich Seinem Urteil. Wenn nur zu meinen Lebzeiten noch Frieden und Ruhe herrschen!“ (2.Kön.20:19). Diese egoistische Gleichgültigkeit und Abgestumpftheit von Hiskia löste am Ende den Zorn Gottes aus, weil „sein Herz sich überhob“ und er dabei völlig „die Wohltat vergaß“, die Gott kurz zuvor an ihm übte (2.Chr.32:25). Wenn man glaubt, dass man selbst zu den glücklichen Gewinnern zählt, weil man sich durch eine rechtzeitige Entscheidung für Jesus ausreichend fürs Himmelreich qualifiziert habe, dann will man sich nicht so gerne den Platz an der Sonne mit jenen teilen, die erst viel später dazustoßen sollen (Futterneid). Beim Untergang der Titanic wurden viele mit dem Ruder weggestoßen vom Rettungsboot und ihrem sicheren Tod im Eismeer überlassen, weil man der Meinung war, dass das Boot sinken würde bei zu vielen Passagieren.

Dass Gott jeden Menschen zur Buße führen kann und will, trauen sie Ihm nicht zu, obgleich Er doch auch sie selbst zur Buße zu bringen vermochte. Stattdessen halten sie an einem unbiblischen point of no return fest, den Bruder Thomas Zimmermanns in Pred.11:3 und Joh.9:4 belegt finden will. Er schreibt dazu: „Aus diesen Stellen wird man wohl folgern können, dass sich der von Gott abgewandte Zustand und die Bindungen an Sünde, Leidenschaften und Begierden nach dem Tod verfestigen und verewigen und eine Umkehr hiervon nicht mehr möglich ist… Es ist nicht anzunehmen, dass Gott denen, die im Zustand der Trennung von Ihm gestorben sind, die Gnade zur Buße geschenkt bekommen… Durch ein Erleiden der Strafe in Totenreich und Hölle kann es niemals zu einer freiwilligen Buße und zu einer freiwilligen Entscheidung für Gott kommen, da das Motiv einer Buße und Umkehr unter diesen Umständen nicht Liebe zu Gott sein würde, sondern nur der Wunsch, die Fortdauer der Leiden zu vermeiden.“ (S. 11)

Gelobt sei der HErr, dass wir nicht auf solche Vermutungen und Spekulationen angewiesen sind, denn die Bibel sagt uns ja genau das Gegenteil, nämlich dass die Menschen gerade durch die Gerichte Gottes die Gerechtigkeit erlernen (Jes.26:10). Wir können es ja aus eigener Erfahrung bestätigen, dass Gottes Züchtigungen uns zum Guten verändert haben, und so war es auch schon immer (Hebr.12). „Die Bewohner der Finsternis und des Todesschattens, gefesselt in Elend und Eisen: Weil sie widerspenstig gewesen waren gegen die Worte Gottes und verachtet hatten den Rat des Höchsten, so beugte Er ihr Herz durch Mühsal; sie strauchelten und kein Helfer war da. Da schrien sie zu dem HErrn in ihrer Bedrängnis, und aus ihren Drangsalen rettete Er sie. Er führte sie heraus aus der Finsternis und dem Todesschatten, und zerriss ihre Fesseln. Mögen sie den HErrn preisen wegen Seiner Güte und wegen Seiner Wundertaten an den Menschenkindern! Denn Er hat die ehernen Türen und die eisernen Riegel zerschlagen“ (Ps.107: 10-16). Vielleicht wird es eines Tages sogar genau anders herum sein, dass all jene, die während ihres ganzen Lebens immer nur auf der Verliererseite waren, weil sie durch ihr eigenes Verschulden von einem Elend ins nächste fielen (häusliche Gewalt, Scheidung, Alkohol, Jobverlust, Spielsucht, Schulden, Drogen, Diebstahl, Gefängnis, Krankheit), dass diese nach ihrem Tod zum HErrn Jesus finden (Joh.9:35-39), während all jene, die sich ihres Platzes am Tisch des HErrn schon sicher glaubten und kein Erbarmen hatten mit den Verlorenen, hinausgeworfen werden (Mt.8:11-12). Sagte der HErr nicht, dass die Letzten Erste sein werden und die Ersten Letzte sein würden?


2.5 Der „
Lebzeiten“-Wahn

Obwohl nirgendwo in der Bibel steht, dass die Gnade und das Erbarmen Gottes ein Verfallsdatum haben, sondern im Gegenteil bezeugt wird, dass Seine Güte ewiglich währt (Psalm 136, Klag.3:22-33), glauben dennoch die meisten Christen, dass Gott den Menschen nach dem Tod nicht mehr die Möglichkeit gibt, den HErrn Jesus anzunehmen, um errettet zu werden. Nur wer zu Lebzeiten an den HErrn Jesus gläubig geworden ist, könne noch von Gottes Gnade profitieren, aber mit dem Tod sei dann die Gnadenfrist abgelaufen und damit alles aus und vorbei. Man stellt sich Gott scheinbar wie einen verzweifelten Viehbesitzer vor, der hilflos mit ansehen muss, wie eines Nachts sein Stall lichterloh brennt und er nur einige wenige Kühe vorher noch befreien konnte. Er wollte sie zwar alle retten, aber sie waren zu dumm, rechtzeitig den brennenden Stall zu verlassen. In diesem Fall wäre Gott theoretisch der tragischste Versager aller Zeiten und Seine Weisheit und Allmacht nur noch schöne Worte ohne Bedeutung.

Einige Ewig-Verdammer hingehen sehen in dem Tod eines Ungläubigen eher das Verstreichen einer Frist, die zwar den meisten nicht bekannt war, aber über die sich die Ungläubigen ja rechtzeitig hätten informieren können, nach dem Motto: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Thomas Zimmermanns schreibt: „Aber selbst wenn man annehmen wollte, dass solche Menschen noch zur Buße fähig und willig seien… setzt dies voraus, dass der Mensch diese Gnade zu Lebzeiten in Anspruch nimmt; nach dem Tod ist dies ausgeschlossen“. In diesem Fall würde sich Gott wie ein unerbittlicher und fast schon arglistiger Versicherungsvertreter verhalten, der zu den Menschen, die nicht an Ihn geglaubt hatten, sagen würde: „Tut mir schrecklich leid, aber Sie haben dummerweise die Frist nicht eingehalten, um den Schaden geltend zu machen, deshalb können wir leider nichts mehr für Sie tun, so dass Sie mit den Folgen ihrer Untätigkeit nun leben müssen“.

Wenn man bedenkt, dass die Menschen ja alle liebend gern die Gnade und das Heil in Christus rechtzeitig angenommen HÄTTEN, WENN es ihnen glaubwürdig erschienen wäre und ihr Unglaube ja nur dadurch begründet war, dass die Botschaft für sie einfach nicht glaubwürdig klang (was nicht zuletzt auch an der Behauptung einer ewigen Höllenqual lag), dann muss man feststellen, dass die Annahme des Heils für sie nie in erreichbarer Entfernung lag. Die Welt spottet heute sogar über diese Vorstellung. In Douglas Adams Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ erfährt die Menschheit eines Tages, dass ihr Planet von einer außerirdischen Raumflotte zerstört werden muss, um einer galaktische Hyperraumexpressroute Platz zu machen. Als sich daraufhin die Erdbewohner darüber beschweren, teilt man ihnen mit, dass die Pläne zum Bau der Hyperraum-Umgehungsstraße bereits seit 50 Jahren in dem für die Erde zuständigen Planungsamt auf Alpha Centauri lagen, so dass genug Zeit für eine formelle Beschwerde gewesen wäre. Doch die Erdlinge ließen eine Beschwerdefrist fruchtlos verstreichen, obwohl das Planungsamt doch nur vier Lichtjahre entfernt war.

Der Denkfehler bei der Frage, ob es einmal ein Zu-spät geben wird, besteht darin, dass man nicht genauer fragt: „Für was?“ Es gibt ja sehr wohl eine „Zeit der Annehmung“ bzw. einen „Tag des Heils“ (Jes.49:8), und dieser Tag ist „jetzt“ (2.Kor.6:2). „Heute, wenn ihr Seine Stimme höret, verhärtet eure Herzen nicht“ (Hebr.4:7). „Suchet den HErrn, während Er sich finden lässt“ (Jes.55:6). Der HErr lässt sich aber nicht immer finden. Jerusalem hatte z.B. „die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt“ (Luk.19:44). Und dann hat der HErr sie verstockt und sie für 2000 Jahre auf ein Abstellgleis gestellt (Hos.3:4). Aber Er bestimmt auch den Zeitpunkt für das Ende der Verstockung (Röm.11: 25, 5.Mo.30:3). Er hatte schon dem Propheten Hosea geoffenbart, dass die Wiederbelebung Israels „nach zwei Tagen“ (d.h. nach 2000 Jahren) geschehen wird und Er sie „am dritten Tag aufrichten“ werde (Hos.6:2-3), d.h. im Tausendjährigem Reich. Und so wie mit Israel hat Gott auch für die ungläubig Gestorbenen einen Zeitpunkt festgelegt, an welchem Er sie aus dem Feuersee befreien wird (Hes.16:53, 29:14, Jer.48:47, 49:6+39).

2.6 Verdrehung der Tatsachen

Ein bewährtes Propagandamittel in jeder Sekte und jeder Diktatur ist das Schüren von Furcht vor den Gegnern. Der natürliche Mensch unterliegt immer einem Herdentrieb und passt sich deshalb tendenziell immer lieber der Mehrheit an aus Angst davor, an den Rand gedrängt oder gar ausgeschlossen zu werden. So mag es auch heute viele Geschwister geben, die gerne an die Allversöhnung glauben würden, aber sich nicht zu ihr bekennen wollen aus Angst, von der Gemeinde ausgeschlossen zu werden (Joh.12:42). Denn wenn man hört und liest, mit welch harten Bandagen die Gegner der Allversöhnung gegen ihre Vertreter zu Felde ziehen, kann man fast den Eindruck haben, es würde sich um einen offenen Kampf zwischen Licht und Finsternis handeln. So schreibt Dirk Schürmann: „Wir müssen uns konsequent distanzieren von einem falschen Evangelium und von einer Lehre, die das Werk des HErrn, sowie die Heiligkeit, Gerechtigkeit und Ehre Gottes angreift und die uns das Vertrauen in die Aussagen des Wortes Gottes nimmt“ (Schürmann, S.175). Für ihn ist die Allversöhnung „eine Lehre, die das wahre Christentum untergräbt und in der Lage ist, einmal erwachte Gewissen wieder in den Schlaf zu wiegen“ (S. 247).

Kann es eine Lehre geben, die mehr die Gerechtigkeit und die Ehre Gottes angreift als jene, die von einem Gott erzählt, der die Mehrzahl der Geschöpfe Gottes zu einem „ewigen Dasein ohne Gott, ohne Freude, ohne Licht und ohne Gemeinschaft“ verurteilt (S. 250)? Soll das die Lehre sein von dem „Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes“ (2.Kor.1:3), der „nicht will, dass auch nur EINER verloren gehe, sondern alle zur Buße kommen“ (2.Petr.3:9)? Ist es etwa nicht ein Frontalangriff auf die Gerechtigkeit Gottes, wenn behauptet wird, dass all die Bücher, in denen die Werke der Menschen aufgeschrieben wurden, nur zum Schein geschrieben wurden, weil Gott am Ende ohnehin über allen angeblich das gleiche unbarmherzige Urteil einer ewigen Verdammnis verhängen werde (Offb.20:12)? Und welche Lehre könnte wohl besser geeignet sein, die Ehre Gottes in den Schmutz zu ziehen, als jene, die aus Gott einen Heuchler macht, der Seinen Kindern Feindesliebe vorschreibt und nie aufhörende Vergebungsbereitschaft (Mt.5:44, 18:22), aber angeblich selbst irgendwann nicht mehr bereit ist, Seinen Geschöpfen zu vergeben? Eine Lehre, die dem allmächtigen Gott unterstellt, dass Er Sein Vorhaben, die ganze Welt zu retten als Lohn für das Leid Seines Sohnes, schon nach wenigen Jahren wieder aufgibt und sich mit einer vergleichsweise mickrigen Schar an Erlösten zufrieden gibt, obwohl sie doch sein sollte wie die Sterne des Himmels an Menge?

Vor dem Hintergrund all dieser lästerlichen Aspekte der Ewigen-Verdammungs-Lehre müsste man sich eigentlich fragen, ob man sich nicht vielmehr selbst von diesen Vertretern distanzieren muss, zumal sie auch noch den sektiererischen Anspruch hegen, für „das wahre Christentum“ zu sprechen bzw. dieses zu vertreten. Der Schriftsteller Roman Nies schrieb einmal treffend in einer Rezension zu T. Zimmermanns Allversöhnungsbuch: „Der Autor verbreitet statt der Lehre, die er angreift, dass alle Menschen im Lauf der Zeitalter am Ende doch in Dankbarkeit und Anbetung die Knie vor ihrem Heiland und Schöpfer beugen, die Gegen-Lehre, dass Gott nicht die Macht hat, den größten Teil der Menschheit davor zu bewahren in einer angeblich endlosen Hölle, die Gott selber geschaffen hat, für ihren Unglauben gestraft und gequält zu werden, in einer völlig sinnlosen Verunendlichung einer Existenz, deren Beginn sie nicht zu verantworten hatten. Diese Lehre stammt aus dem Heidentum, das an Götter glaubte, die den Menschen nicht wohl gesonnen sind. In der Bibel wird ein solcher Anti-Gott Satan genannt.

Wenn es nicht Gott selbst wäre, sondern irgendein Mensch, den man solch ein Verhalten zugeschrieben hätte, dann würden selbst die Allverdammer einen solchen als abgrundtief böse und verdorben ansehen. Da sie sich aber weigern, die vielen Zeugnisse von der Versöhnung Gottes mit allen Menschen am Ende der Zeit anzuerkennen, bleibt ihnen nur übrig, die Unvereinbarkeit einer unendlichen Höllenqual mit der Liebe Gottes in eine Unverstehbarkeit zu verklären. John N. Darby unternahm den Versuch eines verbalen Spagats, indem er schrieb: „Auf Seine Liebe zu verweisen und zu meinen, es sei deshalb auch Seine unausweichliche Pflicht, dementsprechend in einer ganz bestimmten Weise zu handeln, der Er sich gar nicht entziehen könne, so dass es unmöglich eine ewige Verdammnis geben könne, diese Vorstellung ist nicht nur falsch und unbiblisch, sondern auch unsinnig. Er ist Liebe, ja, aber Er ist vor allem Gott und handelt in Seiner Liebe nicht gezwungenermaßen, sondern frei und entsprechend Seiner Heiligkeit. Natürlich: Gott ist Liebe, aber Der, der Liebe ist, ist GOTT. Liebe ist ein Wesenszug Gottes und sagt uns, was Er ist. Aber die erste Frage lautet nicht: ‚Was ist Er?‘, sondern ‚Wer ist Er?‘ Er ist Gott und kann deshalb in Seiner Unumschränktheit handeln, wie Er will. ‚Alles was Ihm wohlgefällt, tut Er‘ (Ps.115:3).“ (Darby, „Es gibt eine ewige Verdammnis“, S. 29-31).

Man spürt deutlich, wie schwer Darby sich hier mit dieser Erklärung tat. Er versucht, auf Gottes Souveränität zu verweisen, übersieht dabei jedoch, dass Gott sich an Seinen Namen (d.h. Sein Wesen) gebunden hat und sich nicht selbst verleugnen kann (2.Tim.2:13). In dieser Hinsicht ist Er also in Seiner Souveränität eingeschränkt. Er kann daher nur in Liebe und aus Liebe handeln, wenn Er selbst die Liebe ist. Er kann auch nicht neu definieren, was Liebe ist, weil Er andernfalls kein Gott mehr wäre, dem man vertrauen kann. Ebenso kann Gott nicht einen anderen Maßstab für Gerechtigkeit haben als den unsrigen, denn dann würde Er ja mit zweierlei Maß rechnen, also selbst nach Seinem eigenen Maßstab ungerecht handeln (Spr.20:10). „Gerechtigkeit und Rechtsprechung sind Seines Thrones Grundfeste“ (Ps.89:14). Da eine maßlose Strafe aber gegen Gottes Gesetz verstoßen würde (2.Mo.21:24), könnte Sein Thron nicht mehr bestehen, wenn Er diese dennoch durchsetzen würde. Gott tut alles, was Er will, aber beugt nicht das Recht (Hiob 34:12). Sein erklärter Wille ist, dass alle Menschen errettet werden, und das tut Er auch.

2.7 „Am Ende auch noch der Teufel und die Dämonen“

Um bei den einfachen Lesern Empörung und Entsetzen hervorzurufen, bedient man sich immer wieder gerne der gruseligen Vorstellung, dass gemäß der Allversöhnung Gott auch noch das äußerste Extrem an Bosheit und Verdorbenheit am Ende erlösen würde, nämlich Satan selbst, der Inbegriff aller Schlechtigkeit: „Ein Teil der Vertreter der Allversöhnungslehre nimmt sogar an, dass auch der Teufel und die Dämonen nach einer langen Zeit der Strafe Buße täten und von Gott wieder angenommen würden“ (Zimmermanns, S.6). Bruder Thomas will hier scheinbar den Vorwurf insinuieren: „Hier seht Ihr’s doch: Die sind doch völlig verrückt geworden und schrecken vor nichts zurück! Sogar den Teufel wollen sie noch errettet wissen!“ Für Menschen mag man ja noch Mitleid empfinden, aber für den Urheber aller Bosheit und Schlechtigkeit verbiete sich doch sogar schon der Gedanke an eine späte Begnadigung! „Solche Ausleger verkennen und verharmlosen völlig das absolut bösartige und zur Buße unfähige und unwillige Wesen dieser gefallenen Engel“ (Zimmermanns, S.16).

Ergänzend dazu wendet Dirk Schürmann ein, dass es für Engelwesen ohnehin keine Möglichkeit der Sühne und Vergebung geben könne, da es ja in Hebr. 2:16 heiße: „Er nimmt sich fürwahr nicht der Engel an, sondern der Nachkommen Abrahams nimmt Er sich an“. Ich hatte ja schon im Brief an Bruder Gassmann erwähnt, dass die Stelle hier ungenau übersetzt ist. Wörtlich heißt es: „Denn Er ergreift doch sicherlich nicht Engel, sondern den Samen Abrahams ergreift Er“. Das griech. EPILAMBANOMAI ist nicht ein Annehmen (PROSLAMBANOo), sondern ein Ergreifen, und zwar durchaus gewaltsam (Mt.14:31, Luk.23:26), auch im Sinne eines Verhaftens (Apg.16:19), oder aber ein Fangen in der Rede (Luk.20:20+26). Gott hatte auch Israel nicht nur erwählt, sondern auch „ergriffen von den Enden der Erde her“ (Jes.41:8-9), und dennoch waren sie nicht die einzigen. Der HErr kam ja, um den ganzen KOSMOS zu retten, und zu diesem zählen auch die Engel (1.Kor.4:9).

Dass der HErr Jesus auch für die Engel starb, um sie zu erlösen, ist eigentlich selbstverständlich, denn wenn Engel grundsätzlich auch sündigen können und sogar von uns gerichtet werden, dann brauchen sie genauso die Möglichkeit wie wir, Erlösung zu finden. Von den „Himmlischen (Dingen und Wesen)“ lesen wir, dass sie „durch bessere Schlachtopfer gereinigt werden“ als die irdischen Abbilder (Hebr.9:23), nämlich durch das Blut des Lammes Gottes. Deshalb werden Ihn ja auch die Himmlischen Wesen eines Tages alle ohne Ausnahme als ihren HErrn bekennen (Phil.2:10-11). Dies ist schon bei Joseph vorgeschattet, dem nicht nur alle Getreidegarben (Menschen) huldigen sollten, sondern auch Sonne, Mond und Sterne (1.Mo.37:9), d.h. die Himmelswelt. Alles soll „auf das Haupt hin zusammengefasst werden in dem Christus, was im Himmel und auf Erden ist“ (Eph.1:10). „‘Alles hast Du untergeordnet unter Seine Füße‘. Denn indem Er Ihm alles ausnahmslos untergeordnet hat, ließ Er Ihm nicht eines, dass Ihm nicht untergeordnet sei. Jetzt aber sehen wir Ihm noch nicht alles untergeordnet“ (Hebr.2:8). Dazu gehören auch die Feinde Gottes: „Selbst für Widerspenstige“ (Ps.68:18). Und dass es keine gewaltsame Unterwerfung, sondern eine Unterordnung aus völliger Überzeugung geben wird, finden wir in 1.Kor.15:25-28, wo sich der HErr Jesus am Ende genauso freiwillig Seinem Vater unterordnen wird, wie zuvor alle anderen Geschöpfe Seinen Füßen untergeordnet werden, damit am Ende „Gott alles in allem sei“.

Welch ein Triumph für das Lamm Gottes, dass Er am Ende HErr geworden ist über die Lebenden und die Toten (1.Kor.14:9), dass sogar Sein schlimmste Feind zitternd und gedemütigt zu Ihm angekrochen kommt, und Ihn um Gnade anfleht! Gerade er, der ständig das Handeln Gottes voller Skepsis kritisiert hat, soll am Ende eingestehen, dass er ein Narr war und durch seine Bosheit so viel Schaden angerichtet hat. Aber was für ein Ruhm und eine Ehre für die Liebe Gottes, dass Gott sogar ihm noch vergeben kann! – nach all dem, was er angerichtet hat. „Wem viel vergeben wurde, der liebt viel“ sagt der HErr Jesus (Luk.7:47). Diese Feindesliebe können wir wirklich nicht fassen.

Dass der Teufel am Ende Buße tun wird, finden wir im Buch Daniel, Kapitel 4 vorgeschattet: Aus Jes.14 wissen wir, dass der „König von Babel“ eine allegorische Umschreibung für den Teufel ist. Sein Denken und Handeln werden im Wort Gottes durch Nebukadnezar verkörpert und anschaulich gemacht. Auch dieser hat sich immer wieder überhoben und seine Macht seiner eigenen Überlegenheit zugeschrieben, anstatt sie Gottes Güte zu verdanken. Sein Imperium wird in einem Traum mit einem Baum verglichen, der bis in den Himmel reicht, so dass die Vögel des Himmels und die Tiere des Feldes bei ihm Zuflucht suchen (Dan.4:12, Hes.31:6). „Vögel des Himmels“ symbolisieren in der Schrift immer die dämonischen Geister (Luk.8:5, 13:19, Offb.18:2). Gott hatte ihm seine Überhebung angekündigt und ebenso auch seine Strafe und spätere Begnadigung, und genauso hatte es sich dann erfüllt (Dan.4:17-34). Wir lesen dort: „Und am Ende der Tage [vergl. Jer.23:20, 30:24, 48:47, 49:39, Hos.3:5] erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel, und mein Verstand kehrte zu mir zurück. Und ich pries den Höchsten, und ich rühmte und verherrlichte den ewig Lebenden, dessen Herrschaft eine ewige Herrschaft ist und dessen Reich von Geschlecht zu Geschlecht währt“ (Dan.4:31). Wenn Gott sogar einen Mächtigen wie ihn, der die Menschen mit einem Feuerofen bedrohte, wenn sie nicht sein Bild verehrten, zur Buße leiten konnte, wieviel mehr kann Gott dann auch jeden anderen selbst noch nach dem Tod zur Buße leiten!

2.8 Der Wahn von der eigenen Rechtgläubigkeit

Wer an eine endgültige Verdammnis glauben will, der verändert sich allmählich genau in das Bild, das er sich selbst von Gott gemacht hat. Er bekommt all jene bösen Charaktereigenschaften, die er zuvor Gott zugeschrieben hat: Härte, Ungeduld, Reizbarkeit, Verbitterung, Gleichgültigkeit, Egoismus, Größenwahn, Unerbittlichkeit und Grausamkeit. Mit anderen Worten: Er lässt immer weniger die Charaktereigenschaften des Geistes Jesu erkennen, nämlich „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Sanftmut, Treue und Selbstbeherrschung“ (Gal. 5:22). Ich habe schon Brüder erlebt, die mir nach einem zweistündigen Gespräch über das Erbarmen Gottes noch nicht einmal mehr die Hand geben wollten zur Verabschiedung. So wie Gott uns in Sein Wesen verwandeln möchte durch den Wandel im Heiligen Geist, so möchte auch der Teufel die Menschen zurückversetzen in ein tierisches Wesen, das nur noch nach dem Recht des Stärkeren handelt.

Da auch der Teufel die Heilige Schrift gut kennt, kann er sie virtuos verwenden, um mit ihr Streit, Verbitterung und Spaltung zu rechtfertigen. Er findet dann bei solchen Gläubigen ein offenes Herz, die sich aus Nachlässigkeit nie mit den Rechtsgrundsätzen Gottes beschäftigt haben, wie wir sie im Gesetz Mose finden. Dort wird in 2.Mo.21-23 an Hand vieler Beispiele veranschaulicht, dass Gott ein Gott des Maßes ist, der für jedes Unrecht ein genau festgelegtes Maß an Strafe verhängt, damit der Mensch über seinen Fehler nachdenkt und zum Umdenken gebracht wird. Wer nicht hören will, muss fühlen. Dirk Schürmann versucht, seiner Vorstellung vom Feuersee einen Sinn abzugewinnen: „Die immerwährende Strafe für die Unbußfertigen besteht darin, dass sie durch Erfahrung lernen müssen, was sie einst ablehnten. Als sie dem Zeugnis des Heiligen Geistes nicht glauben wollten“ (Schürmann, S. 248). Ja, sie sollen etwas LERNEN – aber WOFÜR NOCH?! Wozu sagt Gott, dass Er dem Gesetzlosen seine Fehler „vor Augen halten will“, wenn dieser überhaupt keine Chance mehr zur Buße bekäme (Ps.50:21)?

Wer an einen unbarmherzigen, unerbittlichen und gesetzlosen Gott glaubt, wird selber immer unbarmherziger, unerbittlicher und gesetzloser. Der Herr Jesus sagt: „Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt aber die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst darzubringen“ (Joh.16:2). Die Juden zur Zeit Jesu glaubten, sie würden für Gottes Ehre eifern, wenn sie jemanden töten, der sich als Sohn Gottes ausgab. Und so meinen auch viele Eiferer heute, dass sie Gott wohlgefällig sind, wenn sie Brüder aus ihren Gemeinden ausschließen, deren Verbrechen darin bestand, „allem zu glauben, was in dem Gesetz und in den Propheten geschrieben steht“ (Apg.24:4). In den letzten sechs Jahren wurde ich allein vier Mal aus Gemeinden ausgeschlossen, aber weiß mich in bester Gesellschaft mit vielen anderen Zeugen Jesu.