"Und ER ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanze nach dem Regen sproßt das Grün aus der Erde."

(2. Sam. 23:4)

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„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“ (Röm.13:12)

„Glückselig der Mensch, der sich beständig fürchtet; wer aber sein Herz verhärtet, wird ins Unglück fallen.“ (Spr.28:14)

Bremen, den 29.05.2021

Lieber Michael,

vorab erstmal danke für Deine beiden Email, zu denen ich jetzt erst komme, sie zu beantworten. Wer hätte gedacht, dass aus dieser beiläufigen Erwähnung in meinem Rundbrief zum Thema Züchtigung ein so intensiver Dialog entstehen könnte! Dabei sollten wir uns aber immer vor Augen führen, dass es uns beiden nicht um Rechthaberei gehen sollte, sondern um den aufrichtigen Wunsch, das Wort der Wahrheit richtig zu teilen. Hierbei ist aber nicht eine Teilung zwischen gültigen und vermeintlich ungültigen Worten Gottes gemeint, sondern, dass man sich aus der Vielzahl sich gelegentlich scheinbar widersprechender Aussagen einen richtigen (weil alle infrage kommenden Verse berücksichtigenden) Weg durch das Dickicht schneidet. Denn grundsätzlich sollte doch gelten: „Denn alles, was in der Schrift steht (also auch jeder Vers aus dem Alten Testament) ist von Gottes Geist eingegeben und deshalb nütze zur Belehrung, zur Überführung (von Sünde), zur Zurechtweisung und zur Unterweisung in der Gerechtigkeit“ (2.Tim.3:16).

Die Worte Gottes aus dem Alten und Neuen Testament bilden also eine einheitliche Botschaft, die das Ziel verfolgt, uns Menschen nach Gottes Willen zu verändern. Das gelingt freilich nur, wenn wir sie auf uns selbst anwenden, anstatt sie als Waffe gegen andere oder als Rechtfertigung unserer eigenen Wünsche zu missbrauchen. Zu Letzteren zählt aus meiner Sicht auch die heute weit verbreitete Vorstellung, dass wir Gott nicht mehr fürchten brauchen und dass Er Seine Kinder auch nicht mehr züchtigt/bestraft. Sicherlich hat sich die Furcht vor Gott durch unser Kindschaftsverhältnis zu Ihm im Neuen Bund verändert, indem wir nicht mehr fürchten müssen, bei jeder noch so geringen Verfehlung sofort in Ungnade bei Ihm zu fallen (Röm.8:15). Aber dass wir Gott heute als Gläubige überhaupt nicht mehr fürchten sollen oder die Furcht angeblich sogar „im Widerspruch zur Liebe Gottes“ stehe, wie Du schreibst, das geht zu weit und steht auch nicht so in 1.Joh.4:18. Dort geht es um die Furcht vor dem Tag des Gerichts (V.17) und nicht generell um die Gottesfurcht.

Du schreibst zudem: „Gott hat gar kein Interesse, uns zu strafen, und es ist auch vollkommen unnötig […] Das Bild eines - seine Kinder für einzelne Verfehlungen strafenden - Gottes (im neuen Bund) kann und will ich nicht mit dir teilen. Was für ein übles Gottesbild. Mein Gott ist ein anderer.“ Nun, das mag sein, aber entscheidend ist doch, dass unsere Vorstellung von Gott dem entspricht, wie sich uns Gott selbst in Seinem Wort offenbart hat, und dass wir Ihm nichts Ungereimtes zuschreiben wie die Freunde Hiobs, gegen die deshalb der Zorn Gottes entbrannt war (Hiob 42:7). Simon Petrus z.B. versuchte sogar den HErrn Jesus davon zu überzeugen, dass Gott kein strafender Gott sei und deshalb nie zulassen würde, dass Ihm ein Unheil geschehe; aber der HErr Jesus wies ihn mit scharfen Worten zurecht und wandte sich dabei sogar direkt an den Satan, der sich des Petrus in diesem Moment bevollmächtigt hatte, indem Er diese anbiedernde Kuschelei mit einem harmlosen und niemals strafenden Plüsch-Gott als „Ärgernis“ bezeichnete (Mt.16:22-23). Gott hat sicher keine Freude daran, uns Menschen mit Leid und Schmerz zu plagen (Klag.3:33), aber wenn es notwendig ist und zu unserem Heile dient, dann benutzt der HErr auch Krankheiten für die Seinen: „Siehe, zum Heile ward mir bitteres Leid…“ (Jes.38:17). „Gott verletzt und verbindet, Er schlägt, und Seine Hände heilen“ (Hiob 5:18).

Da Du Dir nun viel Mühe gemacht hast, um meine vorigen Argumente zu widerlegen, will ich nun im Folgenden darauf eingehen, sie jedoch thematisch sortieren in die folgenden drei Fragen:

  1. 1. Müssen wir als Gläubige den HErrn heute noch fürchten?

Ja, selbstverständlich. Denn wie ich Dir ja schon in Hebr. 12:28-29 zitiert hatte, sollen wir Kinder Gottes im neuen Bund „wohlgefällig dienen mit Frömmigkeit und Furcht, denn AUCH UNSER Gott ist ein verzehrendes Feuer“. Du schreibst dazu: „Wer aber errettet ist, muss das Feuer Gottes nicht fürchten, denn a) kommt er gar nicht mehr ins Gericht (Joh. 5,24) und b) hat er den Fürsprecher Jesus (1.Joh. 2,1; vgl. Jak. 5,15b) an seiner Seite, der für seine Sünden bereits bezahlt hat.“ Du übersiehst hierbei, dass dieser Brief nicht an Ungläubige geschrieben ist, sondern an „heilige Brüder, Genossen [wörtl. Mithaber, d.h. Teilhaber/Besitzer] der himmlischen Berufung“ (Hebr.3:1). Der Briefsender spricht die Hebräer auch immer wieder mit „wir“ an: „Christus… dessen Haus wir sind“ (Hebr.3:6), „Wir, die wir geglaubt haben, gehen in die Ruhe ein“ (Hebr.4:3) usw. Die Absicht des Schreibers war ja gerade, durch den Vergleich des Alten mit dem Neuen Bund aufzuzeigen, dass es zwar in Bezug auf das Heil und die Sündenvergebung entscheidende Unterschiede gibt durch das Opfer des HErrn Jesus als unser neuer Hohepriester, dass es aber im Verhalten Gottes zu den Gläubigen heute eben gerade keinen wesentlichen Unterschied gibt, sondern die Beurteilungsmaßstäbe Gottes noch immer dieselben sind, damals wie heute. Deshalb sagt er ja auch, dass „AUCH UNSER Gott ein verzehrendes Feuer“ sei, d.h. nicht nur der Gott des Alten Testaments, sondern auch der Gott des Neuen Testaments. Und er spricht auch nicht von dem Gott der Verlorenen, sondern meint mit „unseren“ den himmlischen Vater. Ein Gläubiger kommt zwar nicht mehr ins Gericht, aber das gilt auch nur unter der Bedingung, dass er auch im Glauben, d.h. in der Glaubenstreue und dem Gehorsam, bleibt, denn es steht geschrieben: „… wer aber dem Sohn nicht (bis zum Ende) gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm“ (Joh.3:36). „ER ist allen, die Ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden“ (Hebr.5:9). „Wenn wir aber mit Willen sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerits und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verschlingen wird“ (Hebr.10:26-27).

Ob wir uns also vor Gottes Gericht noch fürchten müssen oder nicht, hängt ganz entscheidend von der Frage ab, ob wir im Willen Gottes leben oder nicht. Aber auch grundsätzlich sollten wir „als geliebte Kinder“ Gottes noch wie im AT „in der Furcht des HErrn wandeln“ (Apg.9:31). Dass sich Furcht und Liebe nicht ausschließen, hat doch schon jeder Mensch in seiner Kindheit erfahren: man liebt die Eltern, aber man fürchtet sie zugleich – warum sollte es also bei Gott anders sein müssen? „Wer Ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ist Ihm angenehm“ (Apg.10:35). Die Gottesfurcht ist nicht nur der Anfang der Weisheit, sondern wir sollen auch „die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes“ (2.Kor.7:1), bzw. „in der Furcht Christi“ (Eph.5:21): „Bewirket eure eigene Seligkeit mit Furcht und Zittern“ (Phil.2:12). Und auch in der Offenbarung wird uns immer wieder geboten: „Fürchtet Gott und gebet Ihm Ehre!“ (Offb. 14:7). „Wer sollte Dich, Gott, nicht fürchten und Deinen Namen verherrlichen!“ (Offb.15:4).


2.   Straft der HErr heute immer noch die Seinen?

Ja selbstverständlich! Denn bei Ihm ist „kein Ansehen der Person“ (Röm.2:11), nur dass Gott mit uns als mit Söhnen verfährt (Hebr.12:7). Das war übrigens schon im Alten Testament so: „Ich will ihm Vater sein, und er soll Mir Sohn sein, so dass, wenn er verkehrt handelt, Ich ihn züchtigen werde mit einer Menschenrute und mit Schlägen der Menschenkinder“ (2.Sam.7:14). Das ganze Kapitel Hebräer 12 erklärt uns doch ausführlich, dass Gott auch und gerade die Gläubigen züchtigt, egal ob im Alten oder im Neuen Testament, während Er die Ungläubigen gerade eben nicht züchtigt, weil das gar keinen Sinn hätte (da sie es nicht verstehen): „Ich beneidete die Übermütigen, als ich sah die Wohlfahrt der Gesetzlosen… Da ich ja geplagt ward den ganzen Tag, und alle Morgen meine Züchtigung da war“ (Ps. 73:3+14). Die Freunde Hiobs machten den gleichen Fehler wie viele Christen heute, dass sie glaubten, dass ein Gott wohlgefälliger Christ immer Gesundheit und Wohlstand habe, und dass Gott niemals einem Seiner Kinder etwas antun würde. Dabei ist es in Wirklichkeit genau andersherum, dass nämlich gerade die Christen von Gott bestraft werden, während die Gottlosen erst nach dem Gericht Strafe erleiden (2.Thes.1:9).

Höret auf die Zuchrute und auf Den, Der sie bestellt“ (Mich.6:9). Du hattest ja bestritten, dass das Wort „Züchtigung“ nur ein Synonym für „Bestrafung“ sei, obgleich die beiden Wörter immer wieder parallel und damit gleichbedeutend verwendet werden (Ps.6:2, 38:2, 94:10, Spr.3:11, 5:12, 9:7, 10:17, 13:1+18+24, 15:5+10, Hab.1:12). Jetzt schreibst Du, dass dies ja nur im Alten Testament so war, aber dass Gott im Neuen Testament keine Bestrafungen mehr verhängt, sondern Seine Kinder nur noch erzieht. Dann aber nennst Du selbst so viele Ausnahmen (Luk.23:16+22, 1.Tim.1:20, 1.Kor.11:30-32, Offb.3:19 etc.), dass man sich die Frage stellen kann, ob Du Dir das nicht einfach so zurechtlegst, wie es für Dich passt. Tatsächlich aber gibt es auch im neuen Bund keinen Unterschied zwischen Erziehung und Züchtigung, und gerade die Stelle in 1.Kor.11:30-32 beweist sogar, dass Gott Krankheit und Tod als Erziehungsmittel verwendet.

Die Korinther, die aufgrund ihres leichtfertigen Umgangs mit den Symbolen des Abendmahls vom HErrn durch Krankheit und vorzeitigem Tod gezüchtigt wurden, waren keine Ungläubigen, sondern echte Gläubige. Und die in Vers 32 erwähnte „Züchtigung“ bestand nicht (nur) in der Warnung Gottes durch dieses an ihnen verübte Gericht – wie Du schreibst – sondern war selbst das Gericht; denn Paulus gebraucht die Worte „richten“ und „züchtigen“ ja in Vers 32 als Synonyme und zeigt dadurch, dass es nicht das gleiche Richten ist, dass die Welt eines Tages erfährt. Auch das „Überliefern in die Hände Satans“ in 1.Kor.5:5 und 1.Tim.1:20 sind ausdrücklich Maßnahmen der „Züchtigung“, denn es steht dort das gleiche Verb PAIDÄUThOoSIN wie in 1.Kor.11:32, und sie zielen darauf ab, „das Fleisch zu verderben, damit der Geist gerettet werde am Tage des HErrn Jesus“ (1.Kor.5:5).


3. Gibt es im Neuen Bund noch eine Sippenhaftung?

Auf jeden Fall! Ich würde sogar sagen: heute mehr als je zuvor. Doch bevor ich dies näher belegen werde, will ich noch einmal auf den in 2.Mo.34:6-7 beschriebenen „Namen des HErrn“ eingehen, dessen Bedeutung Du für das Neue Testament einfach ignoriert und mit einer Hand vom Tisch gefegt hast. Wir sind uns sicherlich einig darin, dass es bei dem Namen Gottes um die Beschreibung Seines Wesens handelt und dass dieses Wesen in all den genannten, für Ihn typischen Verhaltensweisen zum Ausdruck kommt. Wir beten gemeinsam im Vaterunser, dass dieser Name Gottes von uns geheiligt werden soll, d.h. nicht nur in Worten, sondern auch im Leben volle Anerkennung und Respekt von uns erfahren möge. Dies kann aber nur dann geschehen, wenn wir daran glauben, dass der Name JaHWeHs – und damit Sein Wesen und Seine Verhaltensgrundsätze - „ewiglich währt“ (Ps.135:13). „Ich, der HErr, Ich verändere Mich nicht“ (Mal.3:6). Wer also der Meinung ist, dass der Name Gottes, und damit Sein Wesen und Sein Verhalten, nicht ewig währt, sondern Er sich irgendwann verändern könnte, so dass man sich folgerichtig nicht mehr auf Ihn verlassen könnte, der heiligt nicht den Namen des HErrn, sondern entheiligt ihn sogar! „Gott KANN sich selbst nicht verleugnen“ (2.Tim.2:13).

Vor diesem Hintergrund ist nun auch die Heimsuchung Gottes „an den Kindern und Kindeskindern, am dritten und vierten Geschlecht“ zu verstehen (2.Mo.32:7). Damit ist nicht etwa eine Bestrafung von unschuldigen Kindern und Enkeln gemeint – was Gott ja in Hesekiel 18 auch kategorisch ausschließt – sondern eher eine Vernachlässigung und geringere Beachtung gemeint, indem Gott sich ihnen gegenüber genau so verhält, wie sie sich Ihm gegenüber zuvor verhalten haben. Man muss nämlich unbedingt den Zusatz beachten: „…derer die mich hassen“ (2.Mo.20:5, 5.Mo.5:9). Das hebräische Wort für „hassen“ meint nicht ein bösartiges Verabscheuen oder Anfeinden einer Person, sondern bereits ein Geringachten oder An-zweiter-Stelle-setzen. Lea z.B. oder Peninna wurden von ihren Ehemännern nicht verabscheut oder angefeindet, aber sie wurden „gehasst“ im Sinne eines An-zweiter-Stelle-Setzens. Aber genauso setzen auch viele Christen den HErrn heute an zweiter Stelle und wundern sich dann, dass auch Gott sie an zweiter Stelle setzt, also geringachtet (vergl. Ps. 18:24-26, 2.Tim.2:12-13).

Und jetzt kommen wir zur Sippenhaft im Neuen Testament: In Offb.2:23 sagt der HErr Jesus: „Und Ich werde ihre (d.h. Isebels) Kinder mit Tod töten“. Mit dem Tod kann sowohl buchstäblich der frühe Tod ihrer Kinder gemeint sein, als auch der geistliche Tod, d.h. dass ihre Kinder Drogen nehmen, frech sind, körperlich behindert oder homosexuell sind, oder dass sie sich gegen den Glauben auflehnen und verhärten. Genauso wie unsere Treue und Vertrauen auf den HErrn bewirken kann, dass Gott auch unsere ganze Familie segnet und sie gläubig wird (Apg.16:31), genauso kann auch unsere Untreue bewirken, dass – im Bilde gesprochen – das „Schwert nicht weichen wird“ von unserer Familie für mehrere Generationen (2.Sam.12:10). Dabei verhält sich Gott einfach so uns gegenüber, wie wir Ihn behandelt haben: unsere Gleichgültigkeit bewirkt, dass auch Er uns vor Augen führt, was passiert, wenn auch Er sich gleichgültig uns gegenüber erweist („Ihr sollt erfahren, wie es ist, wenn Ich mich abwende!“ (4.Mo.14:34).

Eli hatte sich selbst nichts zuschulden kommen lassen, aber er hatte es versäumt, seine Söhne wirksam vom Sündigen abzuhalten. Er versuchte es zwar, aber er tat es zu behutsam, weil er ihr Wohlwollen nicht verlieren wollte. Dabei setzte er den HErrn an zweite Stelle („Du ehrst deine Söhne mehr als Mich“ 1.Sam.2.29). Eine solche falsche Rücksichtnahme finden wir aber auch im NT: „Ich habe ein weniges wider dich, dass du solche dort hast, welche die Lehre Balaams festhalten… Aber Ich habe wider dich, daß du das Weib Jesabel duldest…“ (Offb.2:14+20). Sie selbst hatten nicht gesündigt, aber durch ihre Gleichgültigkeit in Bezug auf die Weltliebe anderer und das Zulassen, das Frauen predigen durften, begingen sie eine Unterlassungssünde, was letztlich zur Folge haben kann, dass die ganze Gemeinde unter Gericht fällt („So komme ich dir und werde deinen Leuchter aus seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust“). Sicherlich waren nie wirklich alle in der Gemeinde gleichermaßen schuldig geworden, aber der HErr richtet dennoch die gesamte Gemeinde („Ich werde dich aus meinem Munde ausspeien“). Denn wer sich in einer Gemeinde aufhält, in der Sünde geduldet wird, macht sich auf Dauer selbst schuldig an den Sünden der anderen, wenn er sie nicht zu unterbinden sucht (Offb.18:4).

Zu letztgenannten Vers schreibst Du: „Gehet von ihnen heraus, ... damit ihr nicht ihrer Sünden mitschuldig werdet" (Off. 18,4) bedeutet ebenfalls NICHT, dass Gott mich für die Sünden anderer bestrafen könnte ("mitgefangen - mitgehangen")…“ – Ja, was denn sonst?! Der gläubige Josaphat machte auch immer wieder gemeinsame Sache mit Gesetzlosen und wurde deshalb vom HErrn immer wieder schwer gezüchtigt, bis er es unterließ (1.Kön.22:48, 2.Chr.19:2). Der HErr Jesus machte die Pharisäer ebenso mitschuldig an der Ermordung der Propheten, obwohl nicht sie selbst, sondern ihre Väter es getan hatten, und zwar deshalb, weil sie aus den Fehlern ihrer Väter nichts gelernt hatten (Mt.23:29-35). Der HErr sagt, dass das von jenen unschuldig vergossene Blut eines Tages von ihnen gefordert werden wird (Luk.11:50-51). Das hat auch eine geistliche Bedeutung, nämlich jene, wenn wir einen Sünder nicht gewarnt haben (Hes.3 und 33). Dieses alttestamentliche Prinzip, dass man sich nicht seiner Verantwortung anderen gegenüber entziehen kann vor Gott, finden wir auch im NT immer wieder. Paulus sagt: „Ich bin rein (von eurem Blut) … ich bin rein von dem Blute aller“ (Apg.18:6, 20:26). Die Juden hatten sich sogar selbst verflucht, als sie sprachen: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ (Mt.27:25). Der sog. „Generationenfluch“ findet sich also genauso im AT wie im NT.

Es trifft auch nicht zu, dass der HErr Jesus in Joh.9:3 die Möglichkeit einer generationenübergreifenden Sühne für eine Schuld für beendet erklärt habe, auch wenn das immer wieder in seine Aussage hineingelesen wird (Eisegese). Tatsächlich war die Frage der Jünger absolut berechtigt, und der HErr antwortet hier nicht allgemein für alle zukünftigen Fälle, sondern bezieht Seine Feststellung ganz allein auf diesen speziellen Fall, dass dieser Blindgeborene von Gott dazu bestimmt war, durch die Heilung des HErrn „die Werke Gottes zu offenbaren“ - nicht mehr und nicht weniger. Letztlich ist ja gerade die Tatsache, dass eben heute längst nicht alle schwerkranken Christen von ihren Leiden geheilt werden, der beste Beweis dafür, dass an ihnen eben auch nicht die Werke Gottes offenbart werden sollen, sondern sie ihre Krankheit – wenn es nicht durch ihre oder ihrer Eltern Sünde verursacht wurde – als ein vom HErrn ihnen auferlegtes Kreuz annehmen sollen und unter diesem mit Ausharren bleiben sollen bis der HErr kommt. Darüber hinaus gibt es aber auch die Möglichkeit, dass bestimmte Gläubige die Aufgabe haben, anstelle von anderen zu leiden. Dies galt z.B. für Paulus, der anstelle der Kolosser Leiden erlitt und dadurch in seinem Fleische „ergänzte was noch fehlte an den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung“ (Kol.1:24). Von einem solchen stellvertretenden Leiden für andere wissen wir natürlich sehr wenig, außer dem, dass es ein solches gibt. Vielleicht steht es bei Paulus auch in einem Zusammenhang damit, dass er die Christen früher gefoltert hatte und sie „zwang, zu lästern“ (Apg.26:11). Das würde jedenfalls erklären, warum der HErr sagte: „Ich werde ihm zeigen, wie vieles er für Meinen Namen leiden muss“ (Apg.9:16).

Du siehst also, lieber Michael, dass Du Dir keine Sorgen um mich machen musst, als ob ich irgendwie ein gestörtes Gottesbild hätte, nur weil ich mich getreu an dem halten will, was geschrieben steht. Der Zeitgeist geht freilich immer mehr in die Richtung, Gott als immer munteren und gleichmütigen Opi darzustellen, der jede Sünde einfach nur mit einem gemütlichen Lächeln wegzwinkert. Vielleicht verwechselt man den HErrn hier mit Buddha, der ja bekanntlich gelehrt haben soll, den Bogen einfach nicht zu überspannen. Dahinter steckt jedoch eine dämonische Verniedlichung Gottes.

Heute Morgen las ich in der Schrift in 4.Mose 22, wie Balak den Bileam bat, das Volk Gottes zu verfluchen, da es sich immer weiter ausgebreitet hat. Und sofort kam mir der Gedanke, dass es hier geistlich um die Dämonenwelt geht, der es ein Graus ist, wenn die Gemeinde des HErrn innerlich und äußerlich wächst und gedeiht. Deshalb versucht sie jedes Mittel, um sich bei Gott die Erlaubnis zu holen, dem Volk Gottes schaden zu dürfen. Das gelingt unseren Feinden natürlich erst, wenn sie uns berechtigterweise vor Gott verklagen dürfen (Offb.12:10), weil wir wieder irgendeines der Gebote Gottes missachtet haben. Hätten sie grundsätzlich nie Erfolg mit diesem Ansinnen, dann würden sie es nicht immer wieder „Nacht und Tag“ seit Jahrhunderten versuchen. Aber wir haben heute einen der besten Anwälte bei dem Vater, unser HErr Jesus Christus, der immer wieder Fürbitte für uns tut, damit wir nicht vom Glauben abfallen mögen (Luk.22:31-32). Wenn wir aber dauerhaft das Wort Gottes ignorieren, dann gelangen wir unwillkürlich in eine Fangschlinge des Teufels, durch welche wir unbewusst ein Werkzeug in seinen Händen werden, so dass der Teufel mit uns machen kann, was er will (2.Tim.2:25). Die Frage ist nun: Woran erkennt man, dass ein Christ gar nicht mehr durch den Geist Gottes geleitet wird, sondern durch einen fremden Geist?

1. Wenn er gar nicht mehr von der Schrift her argumentiert, auch nicht mehr auf Argumente der Schrift eingeht, sondern emotionale, scheinlogische aber eher klischeehafte Argumente bemüht, die vielleicht bei ihm selbst verfangen und überzeugen können, nicht aber bei einem geistlichen Christen, der allein von der Schrift her argumentiert und nichts anderes gelten lässt. Auch der Feind hat ja bei der Versuchung Christi zunächst versucht, fromm zu wirken, indem er mit einer Bibelstelle argumentiert hat, die er aber völlig verdreht und missbraucht hatte. Als ihm aber dann massiv die Gegenargumente aus der Schrift entgegen gehalten wurden, gab er das biblische Argumentieren auf und versuchte, den HErrn durch das Voraugenführen aller Schätze der Welt vom Weg abzubringen, nach dem Motto: „Lassen wir mal das ganze Argumentieren mit Bibelzitaten einfach mal beiseite…“

2. Wenn er von der sachlichen Ebene auf die persönliche wechselt und dem Christen einflüstern möchte: „Sollte Gott wirklich gesagt haben…“ Der Feind will Gott immer als grausam darstellen, der Seine Geschöpfe vernachlässigt und sie viel zu schlecht behandelt, weil er selbst nicht die Weisheit Gottes in Seinen Erziehungsmethoden verstanden hat und sie auch gar nicht verstehen will. Deshalb spricht er den seelischen Christen auf der Gefühlsebene an und redet ihm ein: „Mitnichten werdet ihr leiden oder sterben, wenn ihr die Gebote Gottes missachtet, denn Gott hat das nur so angedroht, aber er meint das doch gar nicht so.“ Wenn man dann von sich selbst auf Gott schließt und seine fleischlichen Überlegungen für das Reden des Geistes Gottes hält, dann kann man tatsächlich zu der Überzeugung gelangen: „Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird". Gott aber wird eines Tages jedem gesetzlosen Christen vorwerfen: „Du hattest gedacht, dass Ich so wie du bin, aber ich werde es dir zeigen und es dir vor Augen führen, dass du dich geirrt hast“ (Psalm.50:21).

3. Einen geistlichen Christen erkennt man grundsätzlich daran, dass er sich über solche freut, die Gott fürchten und ermutigt sie, nicht davon abzulassen, so wie geschrieben steht: „Die dich fürchten, werden mich sehen und sich freuen“ (Ps.119:63). Sie werden Gott sogar darum bitten: „Lass sich zu mir kehren, die Deinen Namen fürchten“ (Ps.119:63). Ein fleischlicher Christ hingegen wird anderen Christen versuchen, die Furcht Gottes auszutreiben, da er selbst Gott nicht fürchtet und deshalb nur solche in seinem Umfeld ertragen kann, die Gott ebenso nicht fürchten. Er wird wie Petrus zeitweise ein Sprachrohr des Teufels werden, indem er anderen sagt: „Das wird Gott doch niemals zulassen!“ (Mt.16:19).

4. Ein fleischlicher Christ erkennt auch nicht, dass selbst die vergebene Sünde Davids noch Konsequenzen für ihn hatte, weil er „den Feinden des HErrn durch sein Tun einen Anlass zur Lästerung gegeben hatte“. Paulus musste vieles leiden, hat aber auch selbst zuvor viel Leid angerichtet. "Das Gericht fängt immer am Haus Gottes an, und wenn der Gerechte mit Not errettet wird, was wird erst mit dem Gottlosen und Sünder geschehen!“ (1.Petr.4:18-19).

5. Ein fleischlicher Christ kann und will sich einen strafenden Gott nicht vorstellen, weil er dann ja ständig eine Belastung in seinem Gewissen spüren würde. Deshalb hat er sich immun gemacht und ist abgestumpft vor Selbstvorwürfen, um sich selbst emotional nicht runter ziehen zu lassen. Da er selbst die Schicksalsschläge in seinem eigenen Leben nicht interpretieren kann und will, stört es ihn um so mehr, wenn er sieht, wenn ein anderer Christ mühelos das Handeln Gottes in seinem Leben verstehen kann und will, zumal ja geschrieben steht: „Erkenne Ihn (und Seine Absichten) auf allen deinen Wegen, dann wird Er deine Pfade gerade machen“ (Spr.3:6).

Lieber Michael, lass uns dieses Hin und Her doch jetzt beenden, da es nur zu immer weiterer Betrübnis führt. Wenn Du der Ansicht bist, dass ich Gottes liebevolle Eingreifen in meinem Leben nicht richtig interpretiere, dann bete doch für mich, dass der HErr mir Erkenntnis Seines Willens schenken möge. Oder glaubst Du, dass Du bei mir mehr erreichen könntest als Gott?

Sei dem HErrn befohlen und liebe Grüße an Lisa auch von Ruth

Simon