"Und ER ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanze nach dem Regen sproßt das Grün aus der Erde."

(2. Sam. 23:4)

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„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“ (Röm.13:12)

Lebenszeugnisse von Knechten Jesu Christi

 

„Und er wird das Herz der Väter zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern umkehren lassen, damit Ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage.“ (Mal.3:24)

Einleitung

Seit Beginn der Moderne (um 1900) und der damit einhergehenden Industrialisierung ist die traditionelle, eher ländliche Mehr-Generationen-Familie, die unter einem Dach zusammenlebte und gemeinsam den ganzen Tag der gleichen Erwerbsarbeit nachging, immer mehr auseinandergefallen. Seither vereinsamen die Großeltern und werden z.T. in Altenheimen „abgeschoben“. Aber auch die Kinder sehen ihre Eltern immer weniger, besonders seit auch die Frauen tagsüber abwesend sind aus beruflichen Gründen. Seit drei Generationen haben wir bereits eine vaterlose Gesellschaft. Söhne können ihre Väter schon allein deshalb nicht mehr als Vorbilder nehmen, da sie schlichtweg nicht mehr für sie da sind. Die Selbstverwirklichung und Emanzipation der Frau hat den Egoismus gefördert und die Eheleute gegeneinander aufgehetzt, so dass die Scheidungsraten in die Höhe geschossen und unzählige Kinder nur mit einem Elternteil aufgewachsen sind. Die Folge ist ein immer stärkerer Drogenkonsum unter Jugendlichen. Es gibt heute kaum noch Jugendliche, die nicht schon Erfahrung mit Cannabis, Alkohol und Zigaretten hatten, und viele kommen von dieser Sucht nicht mehr los. Die Zigarette ersetzt im Grunde den Schnuller und die mütterliche Wärme. Die heutige Generation ist dermaßen verweichlicht und emotional verkrüppelt, dass der Selbstmordanstieg, aber auch der Zulauf zu den LGBTQI-Verirrten nicht verwundern sollte.

Leider sieht es aber in der Gemeinde des HErrn nicht anders aus: Seit die Gläubigen aufgehört haben, sich an den heiligen Männern Gottes der Gemeindegeschichte zu orientieren und sich diese zu Vorbildern zu nehmen, irren die Christen ohne echte Hirten auf jedem Hügel umher und suchen überall nach Weideplätzen (Hes.34:5-6). Statt Vollkornnahrung bekommen sie unter den Evangelikalen fast nur noch überzuckertes Gebäck und Süßgetränke – im Bilde gesprochen, d.h. eine einseitige Kuschelpredigt ohne Ermahnung und Belehrung, so dass sie innerlich immer mehr verarmen. Die Gebote Gottes, die ihnen Orientierung gegeben hätten, wurden von den modernen Predigern für ungültig erklärt. Stattdessen wird ihnen eingeredet, dass sie das Wort Gottes ja gar nicht mehr brauchen, weil sie neuerdings ja alle potenziell prophetisch begabt seien und ihre spontanen Empfindungen für das Wirken des Heiligen Geistes halten dürfen (selbst wenn diese noch so chaotisch und widersprüchlich sind). Die sog. Lobpreis-Gottesdienste in Disco-ähnlicher Beleuchtung und mit dröhnend-lauter Musik unterscheiden sich kaum noch von jeder anderen ekstatischen Rave-Party oder Love Parade, und das eigentliche Elend und die Verarmung der jungen Christen wird als Befreiung glorifiziert als wie bei einer Gay-Pride-Show vom CSD.

Man könnte fast verzweifeln an der heutigen Misere, wenn der HErr uns nicht eine wunderbare Verheißung gegeben hätte, dass nämlich Er selbst durch Seinen Boten Elia eine wirkliche Änderung der Lage herbeiführen werde. Dies erfüllte sich – wie wir wissen – bereits vor dem ersten Kommen des HErrn durch Johannes dem Täufer (Mt.11:14) und wird sich – wie die meisten Prophetien – auch noch vor dem zweiten Kommen des HErrn wieder erfüllen, wovon ja auch Offb.11:3-12 berichtet. Doch obwohl dieses Ereignis inzwischen sehr nahe bevorsteht, wird heute leider kaum darüber gepredigt. Und selbst wo doch, so wird nur auf den Zeugnis-Charakter für Israel und die Welt hingewiesen, nicht aber auf die zurechtbringende Wirkung für die Gemeinde, wie sie schon Petrus beschreibt in Apg.3:21, wo er von der „Wiederherstellung aller Dinge“ spricht, wörtl. APO´KATA´STASIS = „Hinweg-gemäß-Stellung“, d.h. Weg-(von dem Bisherigen und hin zu der Gott-)gemäßen Stellung. Interessant ist, dass diese Zurechtbringung in Mal.3:24 dadurch geschieht, dass es zu einer Versöhnung zwischen Vätern und Söhnen kommt, denn dies scheint demnach die Hauptursache für den gegenwärtig untragbaren Stand der Gemeinde aus Sicht des HErrn. Würde der Zustand der Unversöhntheit bis zur Wiederkunft des HErrn andauern, dann müsste der HErr notgedrungen „das Land mit dem Bann schlagen“. Wir sehen also, wie ernst dies ist!

Väter“ sind geistlich gesehen auch die Gemeindeväter, die bereits heimgegangen sind (1.Kor.4:15, Jak.2:21). Da viele Gläubige heute das Zeugnis der Gemeindeväter nicht mehr ernstnehmen und sich stattdessen nur mit ihren eigenen Errungenschaften zufriedengeben, ist das Verhältnis geistlich gesehen zerrüttet. Eine Versöhnung bestünde demnach unsererseits darin, dass wir wieder mehr Interesse zeigen an der Beurteilung des HErrn über die verschiedenen Epochen der Gemeindegeschichte und ihren entsprechenden Gemeindeausprägungen, wie sie uns der Geist Gottes heute durch die Sendschreiben in Offb.2 und 3 vermitteln will. Dazu ist es aber erforderlich, dass wir uns nicht nur mehr mit der Kirchengeschichte beschäftigen, sondern auch mit den Lebenszeugnissen und Denkweisen unserer „Väter“, damit wir uns diese wieder zu Vorbildern nehmen können für unsere heutige Zeit. Uns ist zwar bereits alles in der Heiligen Schrift gegeben worden, was wir zu unserer Heiligung benötigen, aber wie die Zeugnisse der Schrift dann ganz praktisch angewendet werden können, das lernen wir an den Vorbildern, die der HErr uns durch die bereits entschlafenen Väter gegeben hat. Deshalb möchte ich von nun an damit beginnen, von mehreren Glaubensvätern der Kirchengeschichte mal ein kurzes Zeugnis zu schreiben, was von ihrem Leben und Lehren überliefert wurde, um uns mit ihnen vertrauter zu machen:


1. Ignatius von Antiochien (110-117)

Ignatius war einer der ersten Bischöfe (griech. EPISKOPOS = Aufseher) in der Gemeinde Antiochiens, dem heutigen Antakya an der türkisch-syrischen Grenze, die nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n.Chr. vorübergehend das geistige Erbe antrat. Ignatius ist uns heute durch den Geschichtsschreiber Eusebius bekannt und galt als erster Schriftsteller der Gemeinde, der aus dem Heidentum kam. Die Apostel waren ja inzwischen alle durch den Märtyrertod heimgegangen, und auch der junge Bischof Ignatius hatte ein großes Verlangen, den HErrn durch das Martyrium zu ehren. Zugleich war er aber auch besorgt um Seine Herde, wie sich den sieben Briefen, die er während seiner militärischen Bewachung auf den Weg nach Rom schrieb, entnehmen lässt. Er mahnt darin, die Einigkeit und den Frieden zu wahren und warnt vor den judaistischen und doketistischen Irrlehrern. In seinem Brief an die Magnesier erwähnt er z.B., dass der Sonntag den Sabbat als christlichen Ruhetag abgelöst habe. An seinen jüngeren Amtsbruder Polykarp von Smyrna schrieb er: „Stehe fest wie ein Ambos unter den Schlägen des Hammers! Ein guter Kämpfer erhält Streiche und erringt doch den Sieg“. An die Christen in Rom schrieb er, keine Schritte zu unternehmen, die ihm das Glück des Martyriums vereiteln könnten: „Ich bin Gottes Weizen. Von den Zähnen der wilden Tiere werde ich gemahlen, um reines Brot Christi zu werden“. Er wollte noch nicht einmal ein eigenes Grab, das gepflegt werden müsste, sondern wollte von den Löwen gänzlich verzehrt werden.

In einer Zeit vieler Angriffe von außen und innen erkannte Ignatius die Wichtigkeit des Aufseheramtes und ermahnt deshalb die Christen, dass „der Aufseher an Gottes Statt den Vorsitz haben soll und die Ältesten die Stelle des Apostelkollegiums einnehmen mögen… Gehorchet alle dem Aufseher, wie Jesus Christus dem Vater… Ohne Aufseher soll keiner in Dingen, die die Gemeinde angehen, etwas tun.“ Solche Mahnungen haben möglicherweise den Weg für das spätere Papsttum bereitet, sind aber für sich genommen nachvollziehbar und wären gerade in der heutigen Zeit für uns Evangelikale notwendig. Denn solange niemand Verantwortung trägt und jeder tut, was recht ist in seinen Augen (wie zur Zeit des Richterbuches), kann eine Gemeinde schnell durch Eigenwillen und Streitigkeiten von innen zerstört werden. Ein Amt in Verantwortungsposition kann man sich nicht selbst aneignen (wie es heute durch den Besuch einer Bibelschule oder theologischen Fakultät geschieht), sondern muss von Christus selbst aufgrund tatsächlicher Eignung und durch Anerkennung der Gemeinde zugewiesen werden.

Ebenso sollte auch jede Gemeinde in einem Wettbewerb untereinander danach streben, einen „Vorsitz in der Liebe“ zu erlangen, wie ihn Ignatius der Gemeinde in Rom zusprach. Überhaupt war die Liebe ein zentrales Thema für ihn. An Polykarp schrieb er: „Trage die Krankheiten aller als vollkommener Held… Nicht jede Wunde wird mit dem gleichen Pflaster geheilt… In allem bin ich für dich zum Opfer bereit“. Seine Briefe waren stets voll von Mahnungen in Sorge um den Eifer der Gemeinden. Dabei war er durchaus auch selbstkritisch und bekannte sich zu seiner Schwäche des Übermuts und Übereifers: „Vieles denke ich in Gott, aber ich lege mir Maß auf, damit ich nicht in Überhebung verlorengehe. Denn jetzt muss ich mich mehr in Acht nehmen und darf nicht hören auf solche, die mich aufblähen; denn die so zu mir reden, geißeln mich. Denn ich liebe zwar das Leiden, aber ich weiß nicht, ob ich würdig bin. Mein eifriges Streben sehen nämlich viele nicht, mir aber setzt es kräftiger zu. Ich brauche also Mäßigung, durch die der Fürst dieser Welt zuschanden wird“ („An die Trallianer“). Es lohnt sich wirklich für jeden, seine Briefe und die der anderen Kirchenväter immer wieder mal zu lesen, denn sie unterscheiden sich in ihrem Stil und ihrer Ernsthaftigkeit kaum von denen des Paulus.

 

2. Justin der Märtyrer (100 – 165 n.Chr)

Wer um Verständnis für die eigene Glaubensüberzeugung wirbt, wurde bei den alten Griechen als Apologet bezeichnet (von APO´LOGIA = Verteidigungsrede). Einer der ersten großen Verteidiger des christlichen Glaubens gegenüber der griechischen und römischen Oberschicht war Justin(us), der im 2.Jh n.Chr. lebte und als Sohn griechisch-römischer Eltern in Palästina geboren wurde (im heutigen Nablus). Er beschäftigte sich schon von Jugend auf mit den griechischen Philosophen und wurde zum überzeugten Anhänger Platons. Doch dann kam er eines Tages ins Gespräch mit einem alten Christen und bekehrte sich zum Christentum, das er als „allein brauchbare und zuverlässige Philosophie“ sah. Von da an lebte er eine Zeit lang als Wanderprediger und ließ sich schließlich in Rom nieder.

Justin hatte von früh auf gelernt, offen und aufnahmebereit zu sein, da man nur durch Zuhören und Dialog-Bereitschaft seinen eigenen Horizont erweitern konnte. Seine Bekehrung fiel in eine Zeit, als sich in der Christenheit schon sehr viele Abspaltungen und Sekten ergeben hatten, so dass das Zeugnis nach außen hin in Verruf zu geraten drohte. Die Lehre Jesu, dass wir uns als Brüder nicht über andere überheben (Mt.20:25-26), sondern auch jenen nicht wehren sollen, die uns persönlich nicht folgen (Mk.9:39), geriet schon 100 Jahre später in Vergessenheit, weil die Gläubigen die „erste Liebe verließen“ (Offb.2:4). Zuletzt hatte Paulus den Timotheus noch daran erinnert, bloß keinen unnützen Wortstreit zu führen, der ja nur „zum Verderben der Zuhörer“ sei (2.Tim.2:14). Aber schon ein paar Jahrzehnte später waren die Brüder untereinander heillos zerstritten. Es konnte nicht mehr davon die Rede sein, dass die Welt sie „durch die Liebe untereinander als Jünger Jesu erkennen“ konnte (Joh.13:35). Die ungläubigen Römer mussten den Eindruck gewinnen, dass die Christen sich selbst untereinander nicht einmal darüber im Klaren waren, an was sie eigentlich glaubten.

Ausgerechnet in solch einer Zeit erweckte Gott den Justin, der eher aus der gebildeten Gesellschaftsschicht kam. Kaum einer war besser dazu gerüstet, die vielen Vorurteile und Missverständnisse wieder aufzuklären, die es seitens der Ungläubigen gab, um ihre Vorbehalte gegen das Christentum dadurch zu entkräften. Justin wusste z.B., dass man nichts erreichen konnte, wenn man Widersachern einfach nur widersprach, weil dies sie nur noch mehr zum Widerspruch anreizen würde. Stattdessen hatte er gelernt, dass man Einsicht in die eigenen Denkfehler nur durch Rückfragen erreichen konnte, wie es Sokrates regelmäßig tat. Auch war er geübt im folgerichtigen Denken, nämlich der Logik, weil sich alle Philosophen dieser Methode erfolgreich bedienten. Wer etwas behauptete, musste es auch beweisen. Und Fakten sprachen nie für sich, sondern bedurften der rechten Auslegung. Er kannte die rhetorischen Tricks und die Fallen der Manipulation. Dabei konnte nur seine Liebe zur Wahrheit ihn davor bewahren, sich selbst dieser Kniffe zu bedienen (1.Kor.2:4). Jede Form von Manipulation kommt niemals vom Geist Gottes (Gal.5:8, Kol.2:4). Und Justin wusste auch, dass seine gebildeten Leser und Zuhörer dies ohnehin schnell durchschaut hätten.

Doch alle menschliche Weisheit allein vermag einen Menschen nicht zu Gott führen, sondern nur Gottes Selbstoffenbarung (Gal.1:15-16). Dies musste Justin selbst von jenem Greis lernen, der ihm den Weg zu Gott durch Christus wies. Als er sich mit etwa 30 Jahren bekehrte, vertraute er nicht mehr seiner Gelehrsamkeit. Aber ihm wurde bewusst, dass der HErr auch diese gebrauchen wollte, damit er fortan als Menschenfischer „den Juden ein Jude“ sein konnte, um die Juden zu gewinnen (1.Kor.9:20). Und tatsächlich behandelte eine seiner Apologien die Auseinandersetzung mit dem Juden Tryphon, die er während des Bar-Kochba-Aufstandes führte. Doch auch die philosophisch Gebildeten versuchte er für Christus zu gewinnen, indem er selbst die Argumente Platons verwendete, die er als Platoniker gut kannte. Für ihn war es kein Widerspruch, Christ und zugleich Philosoph zu sein, denn die „Liebe zur Weisheit“ war für ihn die Liebe zu Christus (1.Kor.1:30). Für ihn waren die Philosophen Christen, ohne es zu wissen. Das Wort Gottes erleuchtet ja alle Menschen (Joh.1:9), und deshalb finden sich in allen menschlichen Weisheiten Ansätze göttlicher Wahrheit.

Justin war weder Bischof noch Prediger, sondern nur ein einfacher Christ in der Gemeinde Roms, die er regelmäßig besuchte. Er beschreibt in seiner ersten Apologie die Einheit und Brüderlichkeit in der Gemeinde, die unter den Christen der ersten Jahrhunderte eine Vorbildstellung hatte. Er gründete in Rom auch eine Philosophenschule, um auf diese Weise Interessierte mit der christlichen Lehre bekannt zu machen. Sechs Schüler Justins folgten ihm später in den Märtyrertod. Sein Erfolg bei jungen Leuten brachte schnell Neider hervor, die ihn scharf attackierten. Der Kyniker Crescenz machte schließlich eine Anzeige gegen ihn. Da Justin immer mehr Einfluss hatte und dem christlichen Denken zu öffentlichem Ansehen verhalf, sahen die römischen Behörden eine Gefahr in ihm und nahmen ihn fest. Aber Justin fürchtete den Tod genauso wenig wie seine Schüler. Er schrieb einmal: „Niemand glaubte dem Sokrates so, dass er für seine Lehre zu sterben bereit war. Aber um Christi willen haben selbst Handwerker und Unwissende Angst und Tod verachtet“ (2.Apologie 10,8). Da sich auch Kaiser Marc Aurel sehr für Philosophie interessierte, schrieb Justin ihm wie einem Philosophen. Doch war dem Justin klar, dass seine Verurteilung schon von vorherein feststand. Es ging nicht mehr ums Verteidigen, sondern nur noch ums Bekennen. Vor seiner Enthauptung pries er den HErrn, dass er seinen Tod in Anwesenheit seiner sechs Schüler erleiden durfte.

 

3. Irenäus von Lyon (135 – 200 n.Chr.)

Im 2.Jh. n.Chr. erreichte das Römische Reich unter den Kaisern Trajan, Hadrian, Antonius Pius und Mark Aurel die Blütezeit seiner Entwicklung. Es beherbergt zwischen dem Atlantik und dem Persischen Golf zu dieser Zeit rund 100 Millionen Menschen, eine Zahl, die später nie mehr erreicht wurde. In China wird das Papier erfunden und in Rom die Seife. Mit den Kaufleuten, die im Mittelmeer und an den Flussläufen neue Märkte erschließen, kommen auch die ersten Missionare nach Westen und können unter der friedlichen Regierung des Kaisers Antonius Gemeinden gründen, so auch in der keltischen Stadt Lugdunum in Gallien, dem heutigen Lyon. So gelangte auch Irenäus 177 n.Chr. nach Lyon und wurde der 2.Bischof der Gemeinde. Sein Vorgänger Pothinus hatte in der gerade beginnenden Christenverfolgung unter Marc Aurel im selben Jahr das Martyrium erlitten. Zuvor lebte er in Rom, wo er gegen gnostisch-christliche Lehren kämpfte. Die Gemeinde in Lyon bestand zu jener Zeit aus etwa 1000 Christen, sowohl Akademiker als auch Proletarier und Sklaven. Auch Irenäus sah die größte Gefahr für die Christen im Aufkommen falscher Lehren. Sein geistiger Vater war Polykarp aus Smyrna, der den Apostel Johannes noch persönlich kannte.

Irenäus (der „Friedliche“ von griech. εἰρήνη = Frieden) war wirklich ein Friedensstifter, dem es nicht darum ging, die Irrenden auszuschließen, sondern zur Mäßigung zu rufen, wie z.B. den streitbaren Bischof Eleutherus von Rom in Bezug auf den Montanismus (eine der Charismatik ähnliche Lehre). Auch in der Streitfrage, wann die Auferstehung des HErrn Jesus zu feiern sei, bot sich Irenäus immer wieder als Vermittler an. Irenäus verstand, dass die Einheit nicht Einförmigkeit bedeutet und dass der Friede und die Eintracht unter zerstrittenen Gläubigen nur durch Zugeständnisse in Nebensächlichkeiten möglich wird. Er war davon überzeugt, dass der christliche Glaube nicht nur eine individuelle Angelegenheit ist, sondern sich in der Gemeinschaft der Gläubigen vollzieht. Die kirchliche Gemeinschaft formuliert ihren Glauben auch gemeinsam in den Bekenntnissen. Damit wurde Irenäus zum ersten systematischen Theologen des Christentums und zum Begründer der christlichen Dogmatik.

Er verfasste zahlreiche Bücher, von denen nur wenige erhalten sind. Sein bekanntestes Buch „Adversus hareses“ richtete sich „gegen die Häresien“. In kaum einer anderen Quelle werden die Lehren der Gnosis ausführlicher beschrieben. Er betont die Einheit Gottes im Gegensatz zur gnostischen Unterscheidung zwischen einem transzendenten „höchsten Gott“ und einem niederen „Demiurgen“, der die Welt erschaffen habe. Gott allein hat die Welt erschaffen, wobei der Sohn und der Geist die beiden „Hände Gottes“ waren. Alles, was geschieht, ist folglich von Gott geplant, der Menschheit zu helfen, ihre Unreife zu überwinden und aufzuwachsen. Nur durch Leid und Tod reife der Mensch heran und erlange die Erkenntnis Gottes. Höchster Punkt der Heilsgeschichte ist Christus, der Erlöser, der das Stadium menschlichen Lebens durchlaufen und es durch Sein göttliches Leben geheiligt hat. Nur durch Christus erlangen auch wir Gläubigen die Heiligkeit und damit auch die Unvergänglichkeit.

Neben den meisten Büchern der neutestamentlichen Kanons zitiert Irenäus auch aus dem 1.Clemensbrief und dem Hirten des Hermas, die er scheinbar für inspiriert hält. Als klassisch Gebildeter zitiert er aber auch den heidnischen Dichter Homer, jedoch nur, um vor den profanen Einflüssen, insbesondere der Gnosis, zu warnen. Für ihn galt allein das Wissen, das er aus der Schrift und den unmittelbaren Zeugen geschöpft hat. Gerade in unserer heutigen Zeit gewinnt diese klare Linie wieder an Bedeutung. Gnostische Ansichten wie die von Marcion finden seit ein paar Jahren wieder regen Zulauf, wie z.B. in Südamerika. Marcion versuchte, einen Spalt zu treiben zwischen dem von ihm unverstandenen und angeblich bösen Gott Jahwe auf der einen Seite und dem in Christus geoffenbarten guten Gott. Die Vermischung von christlicher mit philosophischer Lehre breitete sich so sehr aus, dass die Literatur ihrer Verfechter am Ende viel beträchtlicher war als die der rechtgläubigen Schriften, und diese zu ersticken drohte. Und schlimmer noch: es traten immer mehr Pseudo-Schriften auf wie z.B. das Thomasevangelium, welche die gnostischen Lehren stützten und als christlich erscheinen ließen. Daher war die Aufklärungsarbeit von Irenäus unerlässlich, und auch heute sind gut fundierte Widerlegungsschriften unverzichtbar für die Gemeinde. Je listiger die Argumente der Verführung sind, desto gründlicher muss ihnen von der Schrift her entgegengewirkt werden.

Wir können von Irenäus aber vor allem lernen, dass er seine Widerlegungen ganz ohne Feindseligkeit übte, denn er wusste, den Menschen von seinem Irrtum zu unterscheiden. Jeder Mensch war für ihn als Gottes Ebenbild wertvoll und alles in einem Werdeprozess, bei dem am Ende Christus als Anfang und Ziel der gesamten Schöpfung steht. Hierin unterschied er sich diametral von den Gnostikern, die nur einer kleinen Schar von Erleuchteten die Glückseligkeit zusprachen und die übrige Menschheit für nichts achteten. Das Evangelium war für ihn nicht etwas Errungenes, sondern etwas Anvertrautes und Übergebenes, das er weiterzugeben hatte. Er war vor allem Hirte seiner Herde und bewies maßvolle Leidenschaft, Wärme, Scharfblick für Gefahren und Fehlentwicklungen, aber auch Sinn für das Wesentliche. Von ihm kommt der Satz: „Gott ohne Güte, das gibt es nicht“. Dies war keine bloße Theorie, sondern lebendige Erfahrung durch einen vertrauten Umgang mit Gott im Gebet. Er schreibt nicht, um die Häretiker in Stücke zu zerreißen, sondern damit sie den Irrtum verlassen. Es ging ihm nicht darum, sie zu beschämen und zu demütigen, sondern um „ihnen die Hand zu reichen“ und sie zu Christus zu führen. Er schrieb seine Widerlegungen im Angesicht Gottes und war getrieben von der Liebe des Christus.