"Und ER ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanze nach dem Regen sproßt das Grün aus der Erde."

(2. Sam. 23:4)

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„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“ (Röm.13:12)

Stich-Worte  (Teil 2)

 

5. Gerechtigkeit

„Der aber Samen darreicht dem Sämann und Brot zur Speise, wird eure Saat darreichen und überströmend machen und die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen“ (2.Kor.9:10)

Das Thema Gerechtigkeit nimmt in der Heiligen Schrift einen zentralen Platz ein. Millionen von Richtern und Politikern versuchen durch ihre Entscheidungen Gerechtigkeit herzustellen, und letztlich ist der HErr selbst die „Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal.4:2). Von Gott heißt es immer wieder, dass Er „Gerechtigkeit liebt“ (Ps.11:7, 33:5). Deshalb lohnt es sich, sich einmal mit den verschiedenen Aspekten der Gerechtigkeit zu befassen:


Gerechtigkeit aus Glauben

Eine der ersten Erwähnungen der Bibel findet sich bei Abraham: „Und er glaubte dem HErrn, und Er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit“ (1.Mo.15:6). Abraham wurde als einziger von Gott erwählt und man hätte darüber streiten können, ob er der gerechteste Mann auf Erden war. Doch Gott sprach ihm die Gerechtigkeit nicht aus seinen Werken zu, sondern aufgrund seines Glaubens an Gottes Versprechen. Er glaubte Gott. Das Vertrauen auf Gottes Zuverlässigkeit und Gnade ersetzte die vollkommene Gerechtigkeit, die nötig war, um vor Gott zu bestehen (Röm.4:3-13). Nur durch das vollkommene Werk des HErrn Jesus, durch Seine Gerechtigkeit, werden wir vor Gott gerechtfertigt (Röm.10:4, Gal.2:16, Phil.3:9).

Viele Gläubige verwechseln heute jedoch die Werke aus Glauben mit der Werkegerechtigkeit und sind der Auffassung, dass es gar abträglich sei, gute Werke zu vollbringen, da man sonst in Verdacht geraten könne, sich nicht allein auf seinen Glauben zu verlassen. Der HErr Jesus unterscheidet aber klar zwischen der engen Pforte (d.h. der Bekehrung) und dem schmalen Pfad (d.h. die Nachfolge). Bei der Bekehrung sind unsere guten Werke eher irrelevant, da wir ja aus Gnade errettet wurden. Aber in der Nachfolge ist ein heiliges und gerechtes Leben sogar heilsentscheidend, denn „ohne Heiligkeit wird niemand den HErrn schauen“ (Hebr.12:14). Wer den HErrn Jesus als Erlöser annimmt, wird mit Seiner Gerechtigkeit bekleidet (Jes. 61:10). Aber am Ende unseres Pilgerlaufs bekommen wir jenes Kleid von feiner Leinwand, „welches sind die Gerechtigkeiten der Heiligen“ (Offb.19:8). Ohne dieses Hochzeitskleid wird man eines Tages vom Hochzeitsmahl des HErrn ausgeschlossen (Mt.22:11-13).

Viele Christen nehmen diese Warnungen des HErrn nicht mehr ernst, weil sie sich einreden, dass der HErr hier angeblich von Ungläubigen sprechen würde. Sie ignorieren die Schelte des HErrn zum faulen Knecht, der auch dachte, dass er keine Werke vollbringen müsse (Mt.25:24-30) oder hoffen, dass ein Gläubiger gem. 1.Joh.5:4 irgendwie ganz automatisch die Welt überwinden würde und deshalb nicht wieder aus dem Buch des Lebens gelöscht werden könne (Offb.3:5). Dabei übersehen sie den Rechtsgrundsatz Gottes in Hesek.33:12-16, wo es heißt: „Die Gerechtigkeit des Gerechten wird ihn nicht erretten am Tage seiner Übertretung… Wenn ich dem Gerechten sage, dass er gewisslich leben soll, und er verlässt sich auf seine Gerechtigkeit und tut unrecht, so wird aller seiner gerechten Taten nicht gedacht werden…“ Andersherum ist es aber genauso, dass der HErr dem Gesetzlosen die Vergangenheit nicht nachträgt, wenn er zu Gott umgekehrt ist. Es ist kein Ansehen der Person bei Gott (Röm.2:11), deshalb kann Er bei einem Gläubigen, der wie ein Ungläubiger lebt, keine Ausnahme machen.

Gerechtigkeit zwischen Armen und Reichen

In dem eingangs zitierten Vers aus 2.Kor.9 geht es im Zusammenhang um materielle Gerechtigkeit: „In der jetzigen Zeit diene euer Überfluss für den Mangel jener, auf dass auch jener Überfluss für euren Mangel diene, damit Gleichheit werde…“ (2.Kor.8:14). Das griech. Wort ISOTES bezieht sich weniger auf eine qualitative als auf eine quantitative Gleichheit. D.h. Gott möchte, dass der Lebensstandard der armen Gläubigen angeglichen werden soll auf jenen der reicheren Gläubigen. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt, da wir nicht bereit sind, unsere „Habe zu verkaufen und Almosen zu geben“ (Luk.12:33).

Bei meinem Besuch in Uganda im Oktober 2022 ist mir aufgefallen, dass auch jene Geschwister dort einen „Überfluss“ haben, von dem wir Gläubigen hier in Deutschland noch profitieren können: Wenn es z.B. um die Wertschätzung und die Rücksichtnahme füreinander angeht, so sind uns die Christen dort weit überlegen. Obwohl es dort so viel materielle Not gibt, habe ich in Uganda so gut wie keinen Neid und Streit erlebt, sondern im Gegenteil herzliches Erbarmen mit den Benachteiligten und die Bereitschaft, das wenige zu teilen. Wir hingegen halten uns für reich an Gütern und Wissen, ohne dass uns unsere geistliche Armut bewusst ist. Uns fehlt die „Einfalt gegen den Christus“ (2.Kor.11:3).

Gerechtigkeit bei Streitigkeiten unter Gläubigen

Es gibt einen Dienst, der heute bei vielen Kindern Gottes in Vergessenheit geraten ist, nämlich die Fußwaschung. Damit ist nicht nur die buchstäbliche Fußwaschung gemeint, wie sie der HErr Jesus in Joh.13:15 geboten hat, sondern auch die geistliche Bedeutung, dem anderen die Sünden zu vergeben. Dies setzt aber voraus, dass der sündige Bruder seine Schuld auch einsieht, weshalb er von dieser überführt werden soll (Jak.5:19-20). Zu diesem Zweck hat der HErr uns in Matth.18:15-17 einen Verfahrensweg aufgezeigt, um die Bloßstellung des Sünders weitmöglichst zu vermeiden.

Doch ist es in vielen Fällen gar nicht so einfach, herauszufinden, wer in einem Streitfall die Hauptschuld trägt, z.B. unter gläubigen Eheleuten oder bibelkundigen Brüdern, die sich so sehr zerstritten haben, dass sie schon nicht mehr miteinander reden können. Es ist sogar schon vorgekommen, dass solche am Ende vor Gericht gegangen sind, wenn es z.B. um viel Geld ging (1.Kor.6:1-8). Umso wichtiger ist es, dass es in den Gemeinden wieder Brüder gibt, die ein gutes Urteilsvermögen haben, um zwischen den zerstrittenen Parteien einen Schiedsspruch zu fällen, damit dieser Streit nicht zu einem dauerhaften Zerwürfnis führt. Der HErr warnt uns ausdrücklich davor, dass wir andere Gläubige, die Vorwürfe gegen uns erhoben haben, nicht einfach ignorieren dürfen, damit der Teufel uns nicht am Ende vor Gott verklagen kann (Matth. 5:25-26). Ebenso sollten Gläubige, die von einem Streit Kenntnis haben, nicht einfach gleichgültig zusehen, sondern sind verpflichtet, den Geschwistern zu helfen, um eine Einigung zu finden. Denn in Spr.6:19 zählt zu den aufgezählten Gräueln auch jener, wenn man „freien Lauf lässt der Zwietracht unter Brüdern.“

Eine weitere Aufgabe von verantwortlichen Brüdern ist, dass sie sich für benachteiligte Geschwister einsetzen sollen, die selbst nicht in der Lage sind, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren: „Schaffet Recht dem Geringen und der Waise, dem Elenden und dem Armen lasset Gerechtigkeit widerfahren!“ (Ps.82:3). Wir dürfen davon ausgehen, dass Gott uns die Fälle, wo wir helfen sollen, vor die Füße legen wird und dürfen dann nicht achtlos an ihnen vorbeigehen. Gerade wenn unser bisheriges Glaubensleben noch nicht so viel Früchte getragen hat, kann unser Einsatz für die Benachteiligten viele Versäumnisse in unserem Leben wieder gutmachen: „Lass dir meinen Rat gefallen und brich mit deinen Sünden durch Gerechtigkeit und mit deinen Missetaten durch Barmherzigkeit zu Elenden, wenn deine Wohlfahrt Dauer haben soll“ (Dan.4:27).

 


 

6. Widerstreben

„Ein Knecht des HErrn aber soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein, lehrfähig, duldsam, und die Widersacher (Widerstrebenden) in Sanftmut zurechtweisen, ob ihnen Gott nicht etwa Buße gibt zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder aus dem Fallstrick des Teufels heraus nüchtern werden, nachdem sie von ihm gefangen worden sind für seinen Willen.“ (2.Tim.2:24-26)

Es liegt in unserer menschlichen Natur, dass wir uns alle ungerne etwas sagen lassen, da wir jede Kritik an uns immer gleich als Angriff oder sogar als Abwertung unserer Person empfinden. Gerade bei Menschen, die wir nicht gut kennen, besteht unsere Sorge, dass es vielleicht gar nicht nur um die Sache geht, sondern um das Ausüben von Macht und Revierverteidigung. Selbst bei Christen können wir nie ganz ausschließen, ob ihre Zurechtweisungsbemühungen nicht doch auch teilweise fleischlich motiviert sein könnten und es ihnen auch um Selbstaufwertung durch Rechthaberei geht. Aber all diese Überlegungen sollten für einen Knecht Jesu Christi nicht von Belang sein, denn wenn der andere von der Schrift her argumentiert, dann sollten wir grundsätzlich offen und dankbar sein, weil die Aussicht besteht, dass der HErr uns belehren will: „Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedvoll, milde, folgsam (d.h. wohlwollend überzeugbar und korrekturbereit), voller Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch (d.h. nicht schwankend oder zwiespältig bzw. unterschiedlich beurteilend), ungeheuchelt“ (Jak.3:17).

Nun gibt es aber leider auch unter Gläubigen viele, die sich trotz erdrückender Beweislage einfach nichts sagen lassen wollen, sondern auf ihren Irrtum beharren. Ja, schlimmer noch: Sie bedrängen andere Gläubige, indem sie nur ihre Sichtweise als alleingültige gelten lassen und die Annahme zur Bedingung für Gemeinschaft mit ihnen machen. Solch ein erpresserisches Parteiendenken gehört gem. Gal.5:20 zu den Werken des Fleisches, durch welche man das Reich Gottes nicht ererben kann: „Wer sich absondert, trachtet nach einem Gelüst; gegen alle Einsicht geht er heftig an“ (Spr.18:1).

Besonders hochbegabte Christen fallen in eine solche Fangschlinge des Teufels. Wie aber kann es zu solch einem Widerstreben kommen? Wörtlich heißt es in 2.Tim.2:24-26 Ein Sklave des HErrn aber darf nicht zanken, sondern muss gelinde/ lindernd sein gegenüber allen Menschen, lehrfähig, Übles ertragend, muss in Sanftmut/ Milde/ Freundlichkeit erziehen die, die Entgegengesetztes / anstelle der Wahrheit Stehendes eigenwillig als durchgehend gültig festsetzen mit dem Ziel, ob nicht etwa ihnen Gott Umdenken gebe zur wesenhaften / genauen und vollständigen Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder nüchtern werden heraus aus der Fangschlinge/ Falle* des Teufels, in der sie lebendig gefangen sind von ihm zur Hinführung in den Willen Gottes“. Das Wort griech. Verb ANTI-DIA·TI´ThEMI für „widerstreben“ bedeutet dem Wortsinn gemäß: „durchgehend gültige Festsetzungen eigenwillig durch andere ersetzen“, „sich von entgegengesetzten – die Wahrheit ersetzenden - als durchgehend gültig bezeichneten Festsetzungen leiten lassen“ oder kurz gesagt: „sich entgegen allem, was ihnen nicht passt durchsetzen“.

Wir alle haben sicher schon solche Brüder kennengelernt, die völlig verstockt sind und trotz vieler Zurechtweisungsversuche unbelehrbar an ihrer Wahnidee festhalten wollen. Im Zeitalter des Internets kursieren ja sehr viele neuartige Lehren, wie etwa die einer flachen Erde oder dass es nie einen Holocaust gab. Gefährlich sind vor allem jene Lehren, die das Volk Gottes zum Ungehorsam gegenüber den Geboten Gottes aufrufen (z.B. dass die Gebote Gottes im AT nicht mehr gelten oder dass man sich nur einer gottesfürchtigen Obrigkeit unterstellen dürfe). Durch die schnelle Verbreitung dieser Ideen und den Mangel an verantwortlichen Brüdern, die in den Gemeinden solche Irrtümer widerlegen, ist es dem Feind gelungen, dass besonders die Ungefestigten eine leichte Beute werden und alles ungeprüft nachplappern. Auffällig ist, dass es sich dabei immer wieder um faule Ausreden handelt, um die Gebote Gottes für überholt zu erklären, z.B. das Bedeckungsgebot in 1.Kor.11:2-16 oder das Verbot von nicht-geschlechtsspezifischer Kleidung in 5.Mo.22:5. Es ist so, als würden die Christen heute zu ihren bezahlten Predigern sagen: „Sagt uns nicht, was recht ist, sondern was uns gefällt! Lasst uns doch unsere Illusionen! Weicht von der Wahrheit ab und lasst uns in Ruhe mit eurem heiligen Gott Israels!" (Jes.30:10-11).

Gestern in der Bibelstunde lasen wir von Eliab, dem es widerstrebte, dass David sich über die Einschüchterung des Feindes empörte (1.Sam.17:28). Fleischlich gesinnte Christen projezieren ihre eigenen Motive häufig gerne auf andere, um von ihrer eigenen Untreue abzulenken. David erwiderte diesen Entmutigungsversuch mit aller Sanftmut: „Was habe ich getan, was nicht der Sache wert gewesen wäre?“ Wenn ein Christ in seinem eigenen Glauben schon lange keine Fortschritte mehr macht, kann es sein, dass er mit Neid auf die Fortschritte anderer schaut. Statt aber beschämt zu reagieren und Buße zu tun, relativieren sie lieber die Erfolge Gottes bei anderen, wie es der Teufel in Bezug auf Hiob tat.

Vorgestern war ich mit Bruder David beim Christopher-Street-Day zum Evangelisieren. Tausende lasen unsere Schilder, auf denen wir die Menschen zur Umkehr aufriefen. Als die LGBTQ-Teilnehmer uns sahen, umringten sie uns und versuchten, uns die Schilder zu entreißen. Die Polizei schritt ein, um uns vor dem wütenden Mob zu schützen. Aber es wurden immer mehr, so dass der Umzug für über eine halbe Stunde unterbrochen wurde. Die Polizei rückte mit 30 Mann an, die uns einkesselten. Die Menge schrie: „NAZIS RAUS!!!“ und beschimpfte die Polizei, weil sie uns schützte. Bruder David, der erst zwei Jahre gläubig ist, predigte tapfer weiter. Als ich abends darüber berichtete, sagte ein Bruder: „Was hat das jetzt gebracht!? Ihr wolltet euch doch nur wichtig tun…!“

 

 

 

7. Wohlgefallen

„Der Mich gesandt hat, ist mit Mir; Er hat mich nicht allein gelassen, weil Ich allezeit das Ihm Wohlgefällige tue“ (Joh.8:29)

Dieser Vers ist mein Lieblingsvers in der Bibel. Wie stark dieses Wort des HErrn ist, erkennt man auch an der Wirkung, die es damals auf die noch zweifelnden Juden hatte: „Als Er dieses sagte, glaubten viele an Ihn“ (Joh. 8:30). Wer kann schon von sich sagen, dass er allezeit das Gott Wohlgefällige tut? Nur der Herr allein tat es. Deshalb hatte Gott an Ihm Sein Wohlgefallen (Mt.3:17). Deshalb war es das „Wohlgefallen der ganzen Fülle, in Ihm zu wohnen und mit Ihm das All zu versöhnen“ (Kol.1:19-20).

Das Bewusstsein, mit Gott völlig versöhnt und im Einklang zu sein, nennt die Bibel auch „Gottseligkeit“, also Glückseligsein in Gott. Dieses Glück hatte der HErr Jesus jederzeit auf Erden, weshalb Er auf alle anderen Freuden getrost verzichten konnte. Gottes Freude und Sein Wohlgefallen waren Ihm genug. Wir hingegen suchen ständig noch nach anderen Reizen und Genüssen in dieser Welt, die nur für eine kurze Zeit unser Interesse fesseln können, aber danach wieder verschwinden. Hingegen ist das Glück, Gottes Wohlgefallen zu haben, von beständiger Dauer und vermag durch den ganzen Tag zu tragen, ja sogar durch das ganze Leben.

Während ich gerade diese Zeilen schreibe, sitze ich mit meiner 1-Jahre alten Enkeltochter im kleinen Hof vor unserer Wohnung in Lima und schaue ihr beim Spielen zu. Während sie ihre Legobausteine erst auseinandernimmt und dann immer wieder neu zusammenbaut, schaut sie zwischendurch zu mir auf und gibt unverständliche Laute von sich. Ich lächle sie dann an und gebe ihr zu verstehen, dass alles in Ordnung ist. So in etwa stelle ich mir auch unser Verhältnis zu Gott vor: Er schaut uns an, wie wir uns abmühen, ohne dass wir auch nur annähernd eine Ahnung haben, worum es eigentlich wirklich geht. Von Zeit zu Zeit kommt sie zu mir und will einfach nur für einen Moment auf meinem Schoß sitzen. Das könnte man wiederum mit dem Gebet vergleichen: einfach einen Moment mal auf Gottes Schoß sitzen, Ihm alles sagen und sich danach wieder ins Leben begeben.

Im Alten Testament war es vor allem David, der ein Mann nach Gottes Herzen war und auch Wohlgefallen im ganzen Volk und sogar bei den Feinden Israels genoss (1.Sam.29:6+9). „Wenn eines Mannes Wege dem HErrn wohlgefallen, lässt Er selbst seine Feinde mit ihm in Frieden sein“ (Spr.16:7). David war in erster Linie ein Mann des Gebets. Durch all die Gebete Davids, die uns z.T. ja in den Psalmen überliefert sind, ahnen wir ein wenig von dem vertrauten Umgang, den David zu Gott hatte. Er machte auch Fehler in seinem Leben, aber Gott sah darüber hinweg, weil er ständig bemüht war, Gott eine Freude zu bereiten: „Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und Dein Gesetz ist im Innern meines Herzens“ (Ps.40:8). Durch die ständige Suche nach Möglichkeiten, um Gott seine Liebe auszudrücken, erkannte David, dass Gott nicht wirklich Wohlgefallen an Tieropfern hatte, sondern dass diese vielmehr Anstoß zu echten Opfern sein sollten, nämlich dem zerbrochenen Geist und dem zerschlagenen Herzen (Ps.51:16-17).

Auch im Neuen Bund sollen wir danach trachten, Gott zu gefallen: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüft, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene“ (Röm.12:1-2). Die Opfer im Neuen Bund bestehen also in der freiwilligen Entsagung auf leibliche Annehmlichkeiten. Etwas zu Opfern bedeutet immer Verzicht. Ein Opfer, das einem nichts gekostet hat, ist kein wirkliches Opfer (2.Sam.24:24). Der HErr hat Wohlgefallen daran, wenn wir lernen, aus Liebe zu Ihm Verzicht zu üben. Dabei geht es nicht darum, dass der HErr von uns einen Beweis unserer Liebe fordern würde, sondern darum, dass wir frei werden von unseren fleischlichen Lüsten, die gegen unsere Seelen streiten (1.Petr.2:11). Er hat uns aus der Lust-Sklaverei befreit, um Ihm zu dienen.

Der Psychologe Sigmund Freud war einst der Meinung, dass Menschen nur durch die Umpolung ihres sexuellen Triebes zu kulturellen oder caritativen Leistungen fähig werden. Die verbotene Lust werde unterdrückt, um sie auf eine höhere und von der Gesellschaft akzeptiertere Ebene umzuleiten (Sublimierung). Aber mal abgesehen davon, dass es nicht nur die sexuelle Lust, sondern auch viele andere Lüste gibt (z.B. die Einkaufslust, die Spielsucht oder die Sammelleidenschaft), so gibt es auch viele andere Motive, warum Menschen ihre Trägheit überwinden, um ihr Leben sinnvoll zu gestalten und sich für ihren Nächsten einzusetzen, z.B. der Ehrgeiz, die Liebe oder das Mitleid. Dauerhaft gelingt es dem Menschen aber nur durch ein Leben im Geist Gottes, seine niederen Triebe unter Kontrolle zu bringen (Gal.5:16). Und die beste Motivation dafür bleibt immer noch, um Gott dadurch wohlzugefallen.

 

 

 

8. Gutes tun

„Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es Sünde“ (Jak.4:17)

Die meisten Sünden, die uns jeden Tag unterlaufen, sind Unterlassungssünden. Selbst derjenige, der immer darauf achtet, nichts Verbotenes zu tun, hat sich vor Gott schon allein dadurch schuldig gemacht, dass er nicht alle Gelegenheiten genutzt hat, Gutes zu tun. Das sollte uns aber nicht entmutigen, sondern wir sollten unsere Aufmerksamkeit umso mehr schulen, dass wir diese Gelegenheiten sofort erkennen, wo Gott UNS meint und nicht einfach vorübergehen, wenn jemand hilflos am Boden liegt – wie im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Luk.10:31-32).

Lasst uns aber im Gutestun nicht müde werden, denn zu Seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. Also nun, wie wir Gelegenheit haben, lasst uns das Gute wirken gegen alle, am meisten aber gegen die Hausgenossen des Glaubens“ (Gal.6:9-10). Ja, wir können tatsächlich im Gutestun müde werden und ermatten, wenn wir z.B. den Eindruck haben, dass es uns trotz all unserer guten Taten nicht gelungen ist, auch andere Gläubige anzuspornen, sondern sehen, dass sie es nicht für nötig halten, auch selbst mal einen größeren Beitrag zu leisten. Asaph hatte diese Anfechtungen und fragte sich immer wieder, ob es vielleicht „ganz umsonst“ sei, dass er sein Herz rein hielt und in Unschuld seine Hände wusch, wo er doch die Wohlfahrt der anderen sah, während er selbst „geplagt war den ganzen Tag und jeden Morgen neu meine Züchtigung da war“ (Ps.73:13).

Wenn wir nicht auf den HErrn schauen und uns Ihn zum Maßstab nehmen, sondern stattdessen uns immer nur an anderen messen, dann kann es schnell passieren, dass wir Gott enttäuscht fragen: „HErr, kümmert es Dich nicht, dass meine Schwester mich allein gelassen hat zu dienen? Sage ihr nun, dass sie mir helfe“ (Luk.10:40). Durch den Sozialneid ist letztlich der Sozialismus der DDR am Ende gescheitert, da man die Menschen trotz aller Propaganda nicht dazu motivieren konnte, mehr Leistung zu bringen, wenn es die anderen auch nicht taten. Paulus stellte fest: „Ich habe viel mehr gearbeitet, als die anderen“; aber dann räumt er ein: „… nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir war“ (1.Kor. 15:10). Solange wir wie der faule Knecht nicht merken, dass in Wirklichkeit alle Kraft und Gnade von Gott kommt, haben wir keinerlei Ansporn zum Gutestun.

Ein weiterer Hinderungsgrund zum Gutestun können schwere Enttäuschungen sein, die man mit Menschen erlebt hat, denen man z.B. Geld geliehen hat und die es einem am Ende nicht zurückgezahlt haben. Dann beschleicht einem das Gefühl, dass man ausgenutzt wurde und andere sich mit dem eigenen, sauerverdienten Geld ein schönes Leben gemacht haben, obwohl sie es gar nicht verdienten. Und selbst, wenn wir nicht selbst betrogen wurden, sondern man nur immer wieder hört, dass es solche Betrüger geben soll, dann nehmen wir dies gern zum Anlass, selbst auch nichts mehr spenden zu wollen. „Man weiß immer nicht, ob das Geld am Ende nicht in irgendwelchen dunklen Kanälen versickert“ ist dann das Standartargument. Oder wir sagen uns: „Die bekommen schon genug Spenden von anderen, die viel reicher sind, während ich so wenig verdiene, dass Gott nicht ausgerechnet auf mein bisschen Geld angewiesen ist.“ Dabei vergessen wir, dass auch jene Witwe arm war und trotzdem sogar ihren ganzen Lebensunterhalt gespendet hatte (Luk.21:4). Es geht Gott also gar nicht um die Menge, sondern um unsere Bereitschaft überhaupt.

Und dann gibt es nicht wenige „Gläubige“, die sagen, man bräuchte überhaupt keine guten Taten tun, denn das seinen ja schließlich alles nur Versuche, sich durch eine Werkegerechtigkeit das Heil zu verdienen. Sie sind der Meinung, dass wir uns nur um die „Nächsten“ kümmern bräuchten, aber ja schließlich nicht die Aufgabe hätten, die Welt zu retten. Zudem sei „die Armut bestimmter Völker ja ein Gericht Gottes über diese“ und man wolle ja „letztendlich auch nicht dem HErrn entgegenwirken, indem man solchen helfe, die aus der Sicht Gottes keine Hilfe verdient“ hätten. Es ist erschreckend, aber es gibt leider tatsächlich „Christen“, die so argumentieren, um keine Hilfe leisten zu müssen.

Hinter einer solchen Kaltherzigkeit steckt nicht zuletzt eine pharisäerische und durch jahrzehntelang eingetrichterte Kirchenfeindlichkeit, die solche Ladodizea-Christen immer mehr abgestumpft und unempfindlich gemacht hat für die simpelsten Bibelwahrheiten. Sehr viel Schaden hat in diesem Zusammenhang die Verkehrung der Worte „Frömmigkeit“ oder „Religion“ in ihr Gegenteil mit sich gebracht, so dass diese Begriffe heute in der Regel als etwas Negatives angesehen werden, obwohl sie in der Bibel ausschließlich positiv stehen. Der HErr sagt: „An Frömmigkeit habe ich gefallen“ (Hos.6:6) – warum reden dann manche abfällig von „Frömmlern“? Und in den romanischen Sprachen heißt es in Jak.1:27 „Eine reine und unbefleckte Religion vor Gott und dem Vater ist diese: Waisen und Witwen in ihrer Drangsal besuchen [wörtl. „nach ihnen Ausschau halten“] …“.

Aus diesem Vers wird auch deutlich, dass es nicht reicht, einfach nur auf Gelegenheiten zu warten, bis sie sich von allein ergeben, sondern wir sollen geradezu mit einer wachen Bereitschaft nach Gelegenheiten suchen. Wenn ich z.B. in Lima durch die Innenstadt gehe, dann nehme ich mir immer genügend Münzen mit, um sie an die zahlreichen Bettler zu verteilen. In Deutschland hingegen würde ich das nicht machen, da die Bettler meist Drogenabhängige sind, die sich von dem Geld nur Alkohol oder Haschisch kaufen würden. Stattdessen lade ich sie ein zu einem Döner, wenn sie Hunger haben. Ebenso vorsichtig bin ich auch bei Bettelanfragen aus Pakistan oder Indien, denn hinter den rührseligen Fotos im Internet von Kindern, denen zu Essen gegeben wird, stehen nicht selten Betrüger, die mit dem schönen Schein werben, um sich zu bereichern. Wer regelmäßig und dauerhaft für ein Dritte-Welt-Projekt spenden will, der sollte sich die Arbeit unbedingt auch mal vor Ort anschauen, um nicht irgendwann eine Enttäuschung zu erleben.

Gute Werke sind grundsätzlich auch für Unerrettete eine gute Voraussetzung, um bei Gott Erhörung zu finden, wie wir beim Hauptmann Kornelius lesen („Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgestiegen zum Gedächtnis vor Gott“ Apg.10:4). Wenn Nicht-Christen Gott loben, dann bereiten sie dadurch einen Weg, auf dem Gott ihnen Sein Heil zeigen kann (Ps.50:23). Wenn ein Ungläubiger einem Christen ein Glas Wasser gibt, dann wird er nach der Verheißung des HErrn „seinen Lohn nicht verlieren“ (Mt.10:42). Und letztlich hat Gott sogar allen Menschen verheißen, dass diejenigen, „die mit Ausdauer in gutem Werk Herrlichkeit und Ehre und Unvergänglichkeit suchen, ewiges Leben“ bekommen. Grundsätzlich verspricht der HErr „Herrlichkeit und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt, …. Denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott“ (Röm.2:7+10).