"Und ER ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanze nach dem Regen sproßt das Grün aus der Erde."

(2. Sam. 23:4)

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„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“ (Röm.13:12)

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Januar bis Juni 2009

Kappadozien

Um der Kälte und der Dunkelheit des Winters zu entfliehen, hatten Ruth und ich uns im Januar eine Reise in den sonnigen Süden gebucht, und zwar wieder in die Türkei, wo wir auch drei Jahre zuvor schon mal waren. Eigentlich wollten wir nach Peru reisen, aber dafür hatten wir kein Geld, aufgrund der herben Verluste in den letzten zwei Jahre, die uns um Jahre zurückgeworfen hatten. Stattdessen reichte es gerade einmal nur für eine dieser „Kaffeefahrten“, wo man eine Woche lang außerhalb der Saison in einem Billighotel jeden Tag ein Ausflugsprogramm geboten bekommt, das die Besichtigung touristischer Orte an den Vormittagen verbindet mit der Teilnahme an Verkaufsveranstaltungen am Nachmittag. Ich vermute mal, dass solche Reisen durch das Tourismusministerium des jeweiligen Landes gefördert werden, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Meist sind es ja Rentner, die an solchen Reisen teilnehmen und sich dann vor Ort beschwatzen lassen, einen überteuerten, handgeknüpften Teppich, teuren Schmuck oder Lederwaren einzukaufen. Man ist zwar formal nicht zur Teilnahme an diesen Verkaufsveranstaltungen verpflichtet, aber durch den zweistündigen Bus-Stopp wird einem letztlich doch keine andere Wahl gelassen, da es ansonsten weit und breit nichts anderes gibt, um die Wartezeit zu überbrücken. Für den Veranstalter hingegen sind die Einnahmen aus diesen Verkaufsgesprächen der eigentliche Zweck der Reise, denn ohne diese würden sich diese außergewöhnlich preisgünstigen Busfahrten durch das Landesinnere inkl. deutschsprachiger Fremdenführerin und Übernachtungen mit Halbpension gar nicht lohnen. Wenn man jedoch tapfer den Verlockungen der professionellen Verkäufer widerstehen kann, bekommt man für sein weniges Geld eine ausgesprochen anspruchsvolle Studienreise geboten mit vielen interessanten Infos über das Land.

Der Flug ging zunächst nach Antalya und von dort mit dem Bus nach Side in ein Riesenhotel, das direkt am Meer lag. Zum Baden war es aber auch um diese Jahreszeit bei einer Außentemperatur von etwa 15 C noch zu kalt. Von Side aus war nun für die nächsten Tage eine Busreise quer durch Anatolien geplant, um bis nach Kappadozien zu gelangen zur türkischen Stadt Kayseri mit Übernachtungen auf der Reise. Es war zugleich eine spannende Reise durch die Geschichte über das Mittelalter und das Altertum bis zurück in die Uranfänge der Menschheit. Auf der Reise machten wir zunächst Station in einer Karawanserei, also einer Art Herberge für Menschen und Kamele aus dem Osmanischen Reich. Das erste Reiseziel war dann die Stadt Konya, dem biblischen Ikonium, wo Paulus und Barnabas von den Bewohnern zunächst vergöttert und dann gesteinigt wurden (Apg.14:1-20). Dort gab es im 13.Jh. einen berühmten persischen Sufi-Mystiker namens Dschalal ad-Din Muhamad Rumi – kurz Rumi genannt – (1207-1273), der ein großer Gelehrter und Dichter war. Eines Tages lernte er einen anderen Mystiker namens Shams Tabrizi kennen, zu dem er eine so starke spirituelle Bindung entwickelte, dass er am Ende allem entsagte und nur noch für Gott und die Liebe leben wollte. Seine Anhänger verdächtigten ihn daraufhin, auch eine heimliche homosexuelle Beziehung zu Shams zu pflegen, weshalb sie Shams aus Eifersucht ermorden ließen, damit ihr „Mevlana“ (Meister) wieder nur noch ihnen gehörte. Über den Tod seines geliebten Freundes trauerte Rumi dann viele Monate bis er eines Tages aufstand in seinem langen Gewand und sich pausenlos im Kreis drehte. Auch seine Anhänger begannen daraufhin ebenso zu tanzen, so dass dadurch die Derwisch-Bewegung entstand, die im Tanz die geistliche Vereinigung mit Gott sucht. Diese Geschichte fand ich damals so rührselig, dass ich sie mir gemerkt habe. Nach der Lehre Mevlanas (Rumis) ist die Liebe die Hauptkraft des Universums, so dass alle Wesen miteinander und mit Gott in einer harmonischen Liebesbeziehung stehen. Die Liebe zu Gott soll den Menschen dazu befähigen, auch alles zu lieben, was Gott geschaffen hat.

Am nächsten Tag fuhren wir durch eine sehr bizarre Felsenlandschaft und sahen überall kleine Berge, die nur etwa 10 – 20 m hoch waren und steil emporragten, wobei auf dem Gipfel häufig ein riesiger Felsen lag, so dass diese spitzen Hügel aussahen wie Pudelmützen. Ich fragte mich, wie diese riesigen Felsen überhaupt dort hinaufgelangen konnten. Aber die Reiseleiterin klärte uns auf: Vor Jahrtausenden war die Erdoberfläche hier viel höher gelegen und die Felsen lagen als Findlinge auf dem Boden verstreut. Dann aber wurde die vulkanische Erde allmählich durch Bodenerosion und Überschwemmungen „weggespült“ (wie der Grand Canyon), so dass am Ende nur jeweils dort das Erdreich erhalten blieb, wo es durch die Felsen geschützt war, die dann wie Zipfel einer Pudelmütze auf der Spitze liegen blieben. Da das Vulkangestein sehr viel Gaseinschlüsse hatte, war es zwar stabil, aber sehr leicht und porös. Deshalb hatten die Bewohner der Gegend schon vor 2.000 Jahren diese Zipfelberge genutzt, um sie zu Wohnungen auszuhöhlen, inkl. Fenstern und Türen. Die ersten Christen hatten in dieser Gegend von Kappadokien sogar ganze Kapellenräume in das weiche Tuffgestein ausgeschabt. Wir sahen mehrere solcher ausgehöhlten Bergkapellen, die an den Wänden schöne Wandmalereinen mit biblischen Figuren hatten. Die Gesichter der Personen waren jedoch später von den Muslimen größtenteils zerkratzt worden, da im Islam ja ein strenges Bilderverbot herrscht.

Nach weiteren zwei Stunden hielt der Bus plötzlich mitten in der Steppenlandschaft an. Die Reiseleiterin erzählte uns, dass wir nun zur größten Attraktion auf dieser Reise gelangt seien, und zwar zur Stadt Derinkuyu. Wir stiegen aus dem Bus aus, aber da war weit und breit nichts als ebene Steppe zu sehen mit ein paar Bergen am Horizont. Was sollte jetzt in dieser Ödnis Besonderes sein? Doch dann ging die Reiseführerin zu einer großen Bodenluke, die geöffnet war, hinter der sich eine Treppe befand, die hinabführte unter die Erde. Sie erklärte uns, dass sich hier mitten in der Wildnis eine riesige Stadt unter der Erde befindet. Sie ist mit einer Größe von 2.500 m² zwar nicht die größte unterirdische Stadt der Welt, jedoch mit einer Tiefe von 55 Metern und bis zu 18 Stockwerken zweifellos die tiefste von allen. Diese Stadt wurde vor etwa 4.000 Jahren von den Hethitern erbaut, wohl um sich vor Feinden zu verstecken, aber auch wegen des rauen Klimas mit einer Temperatur im Sommer von über 40 C und eisigen Minustemperaturen im Winter. Über Jahrhunderte wusste niemand etwas von der Existenz dieser Stadt, bis sie 1963 durch Zufall entdeckt wurde, als ein Mann die Kellerwand seines Hauses abriss und sich im dahinter liegenden Erdreich plötzlich ein Hohlraum befand. Er leuchtete mit der Taschenlampe hinein und entdeckte einen Gang, hinter dem sich ein Gottesdienstraum mit geraden Wänden und einer gewölbten Decke befand. In der Stadt mit ihren unzähligen Räumen und Tunnelgängen konnten bis zu 20.000 Menschen wohnen. In der Zeit des osmanischen Reiches wurde dieses Versteck hauptsächlich von Christen genutzt, um der Verfolgung und Ausrottung zu entgehen. Durch große Rollfelsen konnte man die Räume vor eindringenden Feinden verschließen. Bisher hat man erst 5 Etagen für Touristenbesuche freigegeben, da in den tiefer gelegenen Stockwerken noch archäologisch geforscht wird.

Am Abend kamen wir nach Kayseri, wo wir eine Moschee besuchten und fuhren von dort am nächsten Tag wieder zurück in unser Hotel nach Side. Wir besuchten in den Tagen danach noch eine Schmuckfabrik und eine Teppichknüpferei, wo man uns echte Seidenkokons schenkte. Dann flogen wir wieder zurück nach Deutschland und waren froh, soviel sehen zu dürfen ohne viel Geld bezahlt zu haben.

Anfang März rief mich auf einmal Mario Lieberenz (25) an, der in den Jahren von 2001 bis 2003 bei mir eine Ausbildung zum Maler und Lackierer gemacht hatte. Er erzählte mir, dass er nach seiner Ausbildung sich bei der Bundeswehr verpflichtet hatte und dann nach Afghanistan geschickt wurde. Dort habe er die letzten 5 Jahre gedient bis er vor Kurzem wegen einer Schlägerei „unehrenhaft“ entlassen wurde. Nun wolle er wieder als Maler arbeiten, erstmal nur für ein Jahr, um etwas Geld zu verdienen, und dann eine Fortbildung zum Malermeister machen. So verabredeten wir uns zu einem Vorstellungsgespräch und ich war sehr überrascht, wie viel Muskeln Mario inzwischen hatte. Er erzählte mir, dass das Body Building seine einzige Beschäftigung in den letzten Jahren bei der Bundeswehr war, da man ansonsten nicht viel machen konnte in Afghanistan. Mario fing dann am 17.03. bei mir als Malergeselle an, zusammen mit Fadi Shoushari und Peter Schönholz, die ja beide auch mal bei mir gelernt hatten. Am 01.04. stellte ich dann auch noch Andrey Tschernyaschuk ein, da die Auftragslage gut war.


Der neue Klassenlehrer

Unsere Tochter Rebekka (13) war inzwischen in die Pubertät gekommen und hatte in der Schule zuletzt z.T. relativ schlechte Noten geschrieben, besonders in Mathe und Englisch, so dass sie die Empfehlung fürs Gymnasium leider knapp verfehlt hatte. Auf der Realschule der Evangelischen Bekenntnisschule war der Unterricht nun deutlich anspruchsvoller und schneller als in anderen Schulen, so dass Rebekka das Gefühl hatte, den Anschluss zu verlieren. Ihr erstes Halbjahreszeugnis der 7. Klasse war alarmierend schlecht, so dass Ruth und ich mit Rebekka vereinbarten, dass sie von nun an regelmäßig von uns Hausaufgabenhilfe bekommen sollte. Ruth gab ihr nun regelmäßig Nachhilfe in Mathe und Biologie und ich kümmerte mich um Englisch und Deutsch. Dabei stellte ich schockiert fest, dass Rebekka bei weitem noch nicht dem geforderten Niveau entsprach, sondern noch extrem viele Fehler machte, besonders in der Rechtschreibung. Da Ruth mit ihrer neuen Arbeit als Kleintierphysiotherapeutin noch kaum Kunden hatte, machten wir Werbezettel und ließen auch ihr Auto bekleben mit Hunde- und Katzenaufklebern, die ich selbst gestaltet hatte. Doch da Ruth nachmittags nichts zu tun hatte, widmete sie sich von nun an mit Herzblut der Hausaufgabenhilfe für Rebekka.

Im Frühjahr 2009 war Elternabend, und ein neuer Klassenlehrer stellte sich vor: Andreas Imrau (28). Er wirkte auf uns hoch motiviert und hatte das ehrgeizige Ziel, die Unterrichtsqualität nicht nur anders, sondern vor allem viel besser zu machen. Noch bevor er offiziell antrat, hatte er den Klassenraum umgestaltet und modernisiert nach seinen Vorstellungen. Wenn die anderen Lehrer längst Feierabend gemacht hatten, saß er noch abends im Klassenraum und bereitete den Stoff für den nächsten Tag vor (da er nicht verheiratet war, wartete niemand zu Hause auf ihn). Während des Unterrichts war er dann immer voll in seinem Element. Mit höchster Virtuosität gewann er schon nach kürzester Zeit die Aufmerksamkeit und das Vertrauen seiner Schüler, die er mit der größten Hingabe und Leidenschaft unterrichtete. Rebekka war genauso angetan von diesem neuen Stil wie auch alle anderen Schüler (besonders die Mädchen dürften ihn angehimmelt haben, was in diesem Alter ja auch nicht ungewöhnlich ist). Es sprach sich schnell rum, dass der Herr Imrau ein ganz besonderer Lehrer sei…

Doch nach ein paar Monaten kam auf einmal auch Kritik auf am distanzlosen Führungsstil von Imrau. Die Schüler sahen in ihm inzwischen wohl eher einen Kumpel als eine Respektperson. Rebekka erzählte uns, dass er Schüler manchmal sogar bloßstellte oder sich lustig machte über sie. Aber auch die Schüler machten Scherze über ihn und nahmen ihn zum Teil nicht mehr so ernst. Das erinnerte mich sehr an meinen eigenen kumpelhaften Umgang mit meinen Azubis, sodass ich aufhorchte. Eines Tages kam Rebekka jedoch nach Haus und erzählte, dass die Schule den Lehrer Imrau gekündigt habe mit sofortiger Wirkung. Ich dachte: „Nanu!? Was ist denn jetzt passiert?“ Aber keiner wusste genau, warum. Schon bald darauf lud uns die philippinische Elternsprecherin Turisumi zu einem kurzfristig anberaumten Elterntreffen ein in ihre Privatwohnung. Alle hofften, Näheres zu erfahren, aber außer wilden Spekulationen wusste keiner so recht eine Antwort. Die resolute Elternsprecherin erklärte schließlich den betroffenen Eltern: „Ihr Lieben! Wir wissen nicht die Gründe, aber eines steht doch fest: Andreas Imrau ist mit Abstand einer der besten Lehrer, den wir uns für unsere Kinder wünschen konnten, und es ist doch wirklich eine Sauerei, dass man jetzt ausgerechnet ihn kündigen will, der sich für unsere Kinder so sehr eingesetzt hat. Das dürfen wir als Eltern aber nicht zulassen! Ich habe deshalb dem Schulleiter Balke gebeten zu einer außerordentlichen Versammlung, wo er unsere Fragen beantworten soll und unsere Forderung nach Rücknahme der Kündigung anhören und beherzigen soll. Deshalb haben mein Mann und ich hier eine Resolution geschrieben, die Ihr doch alle bitte hier unterschreiben möget.“

Alle waren sich völlig einig und siegessicher, dass die Schule die Kündigung nun rückgängig machen würde. Doch als dann ein paar Tage später das Treffen der Eltern mit der Schulleitung begann (zu dem Herr Imrau selbst nicht geladen war, ging Herr Balke nach vorne und sagte: „Liebe Eltern der Klasse 7b, es tut mir leid, dass durch die Kündigung von Herrn Imrau solch ein Aufsehen erregt wurde. Wir haben uns mit den Gegenargumenten ausgiebig befasst und sind als Schulleitung schließlich dennoch einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, dass Herr Imrau die Klasse unmöglich weiter unterrichten kann. Leider können wir Ihnen die Gründe nicht nennen, die zu dieser Entscheidung geführt haben, da sie die Persönlichkeitsrechte unseres Kollegen gefährden und wir über die Vorfälle Stillschweigen vereinbart haben. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir es uns mit dieser Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht haben. Wir möchten wirklich nur das Beste für unseren Kollegen Imrau, aber Sie haben sicher schon mitbekommen, dass er sich keinen Gefallen damit tut, wenn er sich weiter so sehr überlastet mit den Anforderungen eines Klassenlehrers. Er ist noch jung und in einer bestimmten Entwicklungsphase, wo es schnell mal passieren kann, dass ein Lehrer die Distanz zu seinen Schülern und der Arbeit verliert und am Ende noch einen Nervenzusammenbruch bekommt. Ich bitte also um Ihr Vertrauen und Ihr Verständnis, dass unser Kündigungsbeschluss steht und nicht mehr verändert werden wird.“ Es entstand ein betretenes Schweigen in der Klasse. Einer der Väter hob den Arm und stellte die Frage, ob Herr Imrau denn die Kündigung hingenommen habe. „Er war natürlich nicht einverstanden damit,“ sagte Herr Balke, „aber da er Christ ist, wolle er die Kündigung akzeptieren und sie aus Gottes Hand annehmen.“ Danach war wieder ein langes Schweigen im Raum, das mich sehr irritierte.

Dann meldete ich mich zu Wort und sagte: „Ich bin ehrlich gesagt gerade ein wenig verwundert, dass wir alle hier so still bleiben und diese Erklärung einfach so hinnehmen. Denn wir hatten uns gerade vor knapp einer Woche zusammengesetzt und waren uns alle einig, dass wir diese Kündigung nicht akzeptieren werden, da wir mit dem neuen Klassenlehrer alle sehr zufrieden sind. Die Leistungen unserer Kinder haben sich alle deutlich verbessert, seit Herr Imrau die Klasse unterrichtet. Deshalb ist es doch überhaupt nicht einzusehen, dass er jetzt wegen irgendwas einfach gekündigt wird und wir noch nicht einmal den Grund dafür erfahren dürfen! Wir waren uns alle einig, dass wir das nicht akzeptieren wollen, deshalb bitte ich Euch, dass Ihr doch jetzt nicht schweigen möget, sondern Euch für Herrn Imrau einsetzt. Ich fände es deshalb gut, wenn wir jetzt eine geheime Abstimmung machen würden.“ Die Eltern schaute bedrückt auf dem Boden, als wenn sie gar nicht anwesend wären oder es sie nicht beträfe. Nur die Elternsprecherin Turisumi unterstützte mich: „Ja, das ist richtig, was Simon sagt, dass wir uns alle einig waren, Dirk. Wenn wir doch wenigstens die näheren Umstände erfahren könnten…“ Doch Herr Balke wiegelte ab: „Ich kann darüber wirklich nicht sprechen.“ Daraufhin erwiderte ich: „Aber es sind doch UNSERE Kinder, deswegen kann es doch nicht angehen, dass eine so wichtige Entscheidung einfach über unsere Köpfe entschieden wird! Wir sind doch schließlich in der Mehrheit!“ – Herr Balke lächelte mich an und sagte: „Herr Poppe, Sie haben doch einen Malereibetrieb, nicht wahr? Wie würden Sie es finden, wenn plötzlich die Kunden über ihre Personalentscheidungen abstimmen würden? Würden Sie das berücksichtigen, wenn die Kunden von Ihnen verlangen, einen bestimmten Mitarbeiter wieder einzustellen, den Sie zuvor aus gutem Grund entlassen haben?“ – „Das können Sie gar nicht vergleichen,“ sagte ich, „denn wir zahlen ja schließlich auch Schulgeld, und die Bekenntnisschule ist damals aus einer Elterninitiative hervorgegangen. Im Grunde sind wir Eltern es also, die zumindest ein Mitspracherecht haben müssen, da die Schule uns gehört!

Ich war mittlerweile sehr aufgeregt und mein Herz klopfte stark vor Wut. Herr Balke blieb jedoch ruhig und ignorierte mich einfach. Nun begannen aber auch die anderen Eltern, ihre Meinung zu sagen und es kam auf einmal zu einem regen Austausch zwischen dem Schulleiter und den Eltern. Am Ende fand man dann überraschenderweise einen Kompromiss: Herr Imrau durfte bleiben, aber ihm sollte ein zweiter Klassenlehrer an die Seite gestellt werden, damit Herr Imrau sich als Workaholic nicht ständig überlasten möge. Ein paar Monate später war ein Schulfest, und als ich Herrn Balke sah, ging ich auf ihn zu und entschuldigte mich, dass ich so aufgebracht war und keine Rücksicht genommen hatte auf die Gründe, die die Schulleitung möglicherweise zurecht zu diesem Entschluss bewogen hatten.


Der Kirchentag und die Buskampagne

Zu Himmelfahrt sollte der Evangelische Kirchentag in Bremen stattfinden. Dies brachte mich auf die Idee, mit einem antichristlichen Büchertisch präsent zu sein. Doch zwei Wochen zuvor teilte mir das Büro von „attac“ in Frankfurt mir, dass man auf dem Kirchentag mit einem eigenen Stand vertreten sein wolle und dass ich als ehrenamtliches Mitglied des Vereins doch beim Aufbau und dem Verteilen von Flugblättern behilflich sein möge. Da mein Einsatz jedoch nur für zwei Tage geplant wurde, hatte ich am dritten Tag immer noch Zeit, um mein eigenes Projekt zu verfolgen. Ich ließ mir also eine große Spanplatte, die ich zuvor weiß lackiert hatte, mit einem Spruch beschriften: „Glaubst du noch, oder lachst du schon?“ (in Anlehnung an eine damalige IKEA-Werbung „Wohnst du noch oder lebst du schon?“). Ruth durfte natürlich von all dem nichts erfahren, deshalb tat ich so, als würde ich die ganze Zeit über auf dem Kirchentag aktiv sein für „attac“. So fuhr ich am Donnerstagmorgen ins Hafengebiet, wo ich mit einem anderen Attac-Mitarbeiter verabredet war, um den Stand aufzubauen. Ich unterhielt mich mit dem Studenten über den Leitspruch über dem Stand: „Wir zahlen nicht für eure Krise!“ und fragte ihn, warum attac sich eigentlich so sehr über die globale Zockerei aufrege, wo doch die meisten von ihnen Hartz-IV-Empfänger und Studenten seien, die doch ohnehin keine Steuern zahlen. Er aber sprach von Solidarität mit jenen, die für Mindestlöhne schuften und sich finanziell kaum über Wasser halten könnten. Ein anderer mischte sich in das Gespräch ein und versuchte, mich von dem bedingungslosen Grundeinkommen für alle zu überzeugen. Mir wurde allmählich klar, dass attac doch ziemlich links orientiert ist. Es ging nicht nur um die Banken, sondern um den Kapitalismus als solchen.

So verteilte ich zwei Tage lang eine attac-Zeitung an die Besucher des Kirchentages, die über die Finanzkrise aufklärte und eine strengere Regulierung der Banken forderte. Auch Ruth und Rebekka kamen mich besuchen, und wir schauten uns zusammen die Stände an und aßen etwas. Aber am Sonntagvormittag baute ich meinen eigenen Stand am Hauptbahnhof auf mit meinem provokanten Spruch, der an einem Tapeziertisch gelehnt war, auf dem lauter atheistische und antichristliche Bücher auslagen. Darüber hatte ich ein Bild platziert, das ich ein paar Jahre zuvor gemalt hatte. Darauf war der Feuersee zu sehen unter einem schwarz bewölkten Himmel voller Rauch in welchem man schemenhaft zwei Throne sehen konnte, auf denen Gott und Jesus saßen. Links im Bild war eine Art „Kaimauer“ und ein haltender Zug aus dem nackte Menschen herausgetrieben wurden im grellen Scheinwerferlicht, das von Aufsichtstürmen herabfiel – so wie in Auschwitz (auf das ich anspielen wollte). Die nackten Menschen wurden sogleich in den Feuersee hinabgeworfen, in welchem die Menschen aller Hautfarben schrien und kein Erbarmen mehr fanden. Als meine Schwiegermutter damals das erste Mal das Bild sah, sagte sie: „Ah ya, están bañandose!“ („Ah ja, die sind am Baden“). Ich sagte: „Nein, Mamá, die sind in der Hölle!“ Das war meine ganz persönliche Abrechnung mit meiner Vergangenheit. Ich führte hier einen einsamen Kampf gegen das Christentum, vor dem ich jeden Menschen warnen wollte. Einmal sagte ein junges Ehepaar zu mir: „Was soll dieser Spott hier, von wegen: `Glaubst du noch oder lachst du schon?` - so als wenn dies Widersprüche wären! Ich glaube und ich lache! Ich kann sogar sagen, ich lache WEIL ICH GLAUBE! Verstehen Sie?“ Ich sagte: „Seien Sie glücklich, wenn sie einen glücklichen Glauben haben. Ich war lange Zeit gläubig und hatte damals nichts zu lachen.

Ein paar Wochen später kündigte sich die nächste Gelegenheit zur Provokation an: Die Giordano-Bruno-Stiftung hatte einen Bus gechartert, der durch ganz Deutschland von Stadt zu Stadt fahren sollte mit der Aufschrift: „ES GIBT mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit KEINEN GOTT!“ Die Aktion war begleitet mit Informationsständen und einer Stadtrundfahrt für Interessierte. Die Stiftung hatte schon im Vorfeld alle Atheisten aus Deutschland dazu aufgerufen, möglichst zahlreich zu erscheinen, um dadurch eine Art Gegenöffentlichkeit zum Kirchentag auf die Beine zu stellen. Ursprünglich wollten die Veranstalter sämtliche Busse von deutschen Städten mit diesen Aufklebern versehen, aber die meisten Busunternehmen weigerten sich, diese Kampagne zu unterstützen. In Bremen setzte sich sogar der Bürgermeister Böhrnsen höchst persönlich dafür ein, dass diese Atheisten nicht den guten Ruf Bremens als tolerante und religionsfreiheitliche Stadt gefährden sollten. Als die evangelikale Christenheit von diesem Vorhaben erfuhr, setzte sich sofort ein „Krisenstab“ zusammen und beschloss, dass man ebenso einen Bus chartern wolle, der dem Atheisten-Bus sozusagen auf den Fersen hinterherfahren solle mit dem Spruch: „Und wenn es Ihn doch gibt…? Gottkennen.de“. Für mich war dies natürlich DIE Gelegenheit, um meinen Unglauben zu bekennen und öffentlich zu verbreiten.

Ich erkundigte mich also, wann genau der Bus nach Bremen kommen würde und nahm mir schon mal Verteilschriften der Giordano-Bruno-Stiftung mit. Als der Bus dann kam, war die Enttäuschung groß: An der verabredeten Stelle standen gerade einmal nur 5 oder 6 andere Atheisten, die dem Aufruf gefolgt waren. Wir stiegen in den fast leeren Doppeldeckerbus und spürten den stillen Hohn und Spott, dem wir jetzt ausgeliefert waren. Aber ich wollte mich in meinem Unglauben nicht erschüttern lassen, sondern tapfer ausharren bis ans Ende der Veranstaltung. Ich sah mich inzwischen schon zweifellos zur Speerspitze des militanten Atheismus in Deutschland gehörig und ich hatte hier eine Mission zu erfüllen. Der Reiseleiter des Buses begrüßte uns und bedauerte die geringe Teilnahme, machte uns aber auch Mut und erklärte uns auf der nun anschließenden Stadtrundfahrt jene Sehenswürdigkeiten der Stadt, die einen speziellen Bezug zum Humanismus und zur Aufklärung haben. Nach etwa einer Stunde waren wir wieder am Busbahnhof, wo inzwischen ein Stand aufgebaut war mit atheistischen Werbetraktaten, die von Mitarbeitern der Stiftung zur kostenlosen Mitnahme angeboten wurden. Auf einmal sah ich jene christlichen Vertreter, die in Sichtweite einen Gegen-Stand aufbauten. Ich ging zu ihnen rüber und stellte mich den Brüdern als ehemaliger Christ und Missionar vor, der aber vor nunmehr 13 Jahren zu den Feinden des Christentums übergetreten war. Sie versuchten, mich zur Buße zu erneuern, aber es war unmöglich (Hebr.6:5). Stattdessen schoss ich mit unzähligen Argumenten schlagfertig und siegessicher gegen den christlichen Glauben und redete sie in Grund und Boden.

Doch als ich am späten Nachmittag wieder nach Haus fuhr, fühlte ich mich innerlich leer und todtraurig. Ich hatte so viel zu sagen, aber letztlich wollte keiner es hören. Am Ende würde ich einsam und verbittert sterben, da ich im Grunde ja nichts erreicht hatte. Denn wenn man keine Freunde hat, dann ist letztlich alles Mühen vergeblich. Selbst den Atheisten komme ich mir mit meinem Bibelwissen suspekt vor, und so richtig will mir eigentlich auch von ihnen keiner glauben, dass ich jetzt kein Christ mehr sei. Dabei hatte ich so sehr gehofft, dass jetzt alles anders werden würde. Mir war ja schon seit langem aufgefallen, dass sich mein bisheriges Leben immer in 6-Jahres-Zyklen verändert hatte: 1984 kam ich zum Glauben, 1990 hatte ich mich innerlich (und ein Jahr später auch äußerlich von dieser Sekte getrennt, 1996 hatte ich meinen Glauben an die Bibel verloren, 2002 hatte ich meinen Glauben an die Existenz Gottes verloren und letztes Jahr 2008 wollte ich doch zum Kämpfer gegen das Christentum voranschreiten. Aber wie sollte das gehen? Ich bräuchte Verbündete. Aber wie konnte ich diese finden? Vor ein paar Monaten hatte mein Bruder Patrick mir eine Internetseite eingerichtet, wo ich meine atheistischen Texte veröffentlichen konnte. Ich hatte der Seite den Namen „zeitaufzustehen.de“ gegeben (heute nutze ich diese Anschrift für meine evangelistische Seite). Aber es gab kaum jemand, der Verständnis hatte für meine Situation. Wo gibt es schon ehemalige Christen, die plötzlich sich bewusst abkehren vom Glauben und Atheisten werden? Nur solche könnten mich verstehen.

Doch dann fiel mir Florian Köhler (39) ein. Er ist der jüngere Bruder meines Freundes Manfred und war früher bei den Adventisten, bis er schließlich seinen Glauben verlor und Philosophie studierte. Ich rief Florian an und wir sprachen über die alten Zeiten und was aus uns geworden sei. Florian erklärte mir, dass er sich seit kurzem wieder als „Christ“ betrachte, seit er ein Buch gelesen habe vom Theologen Paul Tillich (1886-1965). Dessen rationalistische Überlegungen hätten Florian dermaßen angesprochen, dass er sich sagte: „So wie der Christ ist, so kann ich selber auch Christ sein“. Florian erklärte mir die Theologie Tillichs, der die Begriffe der Bibel neu und umfassend deutete als philosophische Symbole für unsere existentiellen Fragen über uns selbst, unserem Nächsten und Gott. Die Entfremdung des Menschen entspräche demnach dem Begriff der Sünde, und die Teilhabe des Menschen am universalen Leben wäre demnach die Erlösung. Während er redete, merkte ich, dass hier im Grunde die biblische Botschaft nicht nur ausgelegt, sondern missbraucht wurde, um die eigene Philosophie mit biblischen Begriffen zu ersetzen, die aber völlig sinnentstellt wurden. Vor allem lag diese Theologie gar nicht im Sinn der Bibelschreiber. Genausogut hätte man vielleicht auch die Mao-Bibel umdeuten können als Einführung in die Regeln der Marktwirtschaft oder Hitlers „Mein Kampf“ als Utopie für eine aufgeklärte und humanistische Weltverbrüderung. Nein, das war nichts für mich.

Derweil verschärften sich zuhause immer mehr die Spannungen, nicht nur zwischen Ruth und mir, sondern auch zwischen Rebekka und Ruth. Denn Rebekka war ja plötzlich in die Pubertät gekommen und verbrachte immer mehr Zeit mit ihren zahlreichen Freundinnen, bei denen sie bis spät abends blieb oder sogar übernachtete. Ruth hatte Rebekka vorgeschrieben, spätestens um 21.00 Uhr zuhause zu sein, aber oftmals überschritt Rebekka diese Zeit, so dass es Schreierei gab. Ruth machte sich Sorgen, dass Rebekka eines Tages vergewaltigt und ermordet werden könnte, zumal sie ein hübsches Mädchen war und die Medien häufig über Triebtäter berichtet hatten. Und dann hatte Rebekka mitbekommen, dass ich mir Musik und Hörbücher aus dem Internet herunterlud und wollte, dass ich dies auch für sie täte. Ich begann, Rebekka Hörbücher von mir zu leihen, die sie begierig verschlang. Damals kam auch die Vampier-Saga „Twilight-Biss zum Morgengrauen“ in die Kinos, die Rebekka bereits als Hörbuch konsumiert hatte. Irgendwann kontrollierte Ruth die Hörbücher und fand mit Erschrecken heraus, dass es auch erotische Szenen gab oder grausame Serienmorde von Psychopathen. Darauf stellte Ruth mich zur Rede, wie ich denn so verantwortungslos sein könne, dass ich Rebekkas Unschuld mit solchen ungöttlichen Geschichten verderben würde. Ich gab mich unschuldig, da ich ja gar nicht all diese Hörbücher gehört hatte und nicht wusste, dass sie auch Sex und Gewalt enthielten. Ruth verbot mir, ihr weiter Hörbücher und Musik zu leihen. Da Rebekka mich jedoch immer wieder drängte, gab ich sie ihr heimlich, zumal ich mir nichts dabei dachte. Als Rebekka einmal zu Ruth sagte: „Mama, Papa hat mir erzählt, dass es die Hölle und den Teufel in Wirklichkeit gar nicht gibt!“ da hatte ich das Fass zum Überlaufen gebracht. Ruth spielte damals immer häufiger mit dem Gedanken, sich von mir zu trennen und Rebekka mitzunehmen, da sie nicht wollte, dass sie durch mich geschädigt werden dürfe.

Doch auch in meiner Firma gab es inzwischen immer mehr Spannungen und Reibungen. Meine Lehrlinge schwänzten viel zu häufig unter dem Vorwand, krank zu sein. Zunächst versuchte ich, diesem Missbrauch durch eine jährliche Prämie von 600,- € entgegenzuwirken für denjenigen, der es schafft, ein Jahr lang mal nicht krank zu sein. Aber offensichtlich reichte dies nicht als Anreiz, denn die Lehrlinge machten auch weiterhin blau. Deshalb versuchte ich es auf die harte Methode und machte Kontrollbesuche bei ihnen. Als ich Marco Krull aber zweimal hintereinander nicht antraf, erteilte ich ihm eine Abmahnung. Als er daraufhin einmal wieder fehlte, schrieb er mir intelligenterweise: „Diesmal bin ich aber wirklich krank…“ ohne zu merken, dass er sich dadurch selbst in die Pfanne gehauen hatte. Ich sprach mit ihm und sagte, dass es so einfach keinen Zweck habe, da er innerhalb eines Jahres schon 30 mal gefehlt habe. Er sagte, dass er eigentlich ohnehin keine Lust mehr hatte zu der Ausbildung, da er sich Hoffnung mache, als Rapper Karriere zu machen und brach die Ausbildung ab. Bei Andre Suppas hingegen lohnte sich eine Kündigung hingegen nicht mehr, da er im Sommer ohnehin zusammen mit Nils Ahrend die Gesellenprüfung machte. Als ich ihm nach bestandener Prüfung gratulierte und den Werkstattschlüssel zurück erbat, sagte mir Andre in seiner rotzfrechen Art: „Nein, Simon, den bekommst Du erst, wenn ich von Dir all meine Papiere bekommen habe, denn ich kenne Dich, dass Du immer sehr vergesslich bist.“ Ich dachte, dass könne ja wohl nicht wahr sein und antwortete: „Hör mal, Andre, mit mir redest Du nicht so respektlos! Und Du gibst mir jetzt augenblicklich den Werkstattschlüssel, sonst werde ich Dich wegen Unterschlagung anzeigen.“ – „Mach doch, Digga!“ wahr seine Antwort. Darauf wandte ich mich ab, holte mein Handy raus und rief die Polizei. Als es anfing, in der Leitung zu klingeln, lief er mir hinterher und gab mir wortlos und mit zornigem Blick den Schlüssel. Doch als ich am nächsten Montag morgens zur Werkstatt kam, lag ein riesiger Traktor-Reifen auf einem meiner Firmenwagen. Da dieser über 50 kg wog, konnte Andre den nur mit Hilfe eines anderen hinauf gewuppt haben. Die Reifen hatte er mir zum Glück nicht zerstochen.


Juli bis Dezember 2009

Heiratsvermittlungen (Teil 1)

Doch nur die wenigsten Mitarbeiter waren nach ihrem Ausscheiden so undankbar, sondern mit vielen hatte ich noch Freundschaft oder sie behielten mich in guter Erinnerung, selbst wenn ich sie gekündigt hatte. Bereits im Sommer 2008 hatte ich ein Gespräch mit meinem ehemaligen Mitarbeiter Jörg Osterkamp, den ich zufällig bei McDonald traf und der sich zu mich an den Tisch setzte. Er sagte mir: „Simon, ich wollte Dich mal was fragen. Und zwar bin ich schon 35 Jahre und habe noch immer keine Frau gefunden. Ich werde ständig von Geschwistern aus unserer Gemeinde zu deren Hochzeit eingeladen, aber für mich hat sich bisher keine Glaubensschwester interessiert. Dabei bin ich doch wirklich nicht hässlich oder dick, sondern relativ gutaussehend und zudem ein netter und fröhlicher Typ. Ich weiß auch nicht, was ich falsch mache, dass ich bei den Frauen nicht ankomme. Deshalb wollte ich Dich mal fragen, ob Du mir nicht helfen könntest, vielleicht eine Frau aus Peru zu finden. Du hattest mir doch mal erzählt, dass Du die peruanische Freundin Deiner Frau mit einem Freund von Dir verkuppelt hattest. Könntest Du das nicht auch mal für mich tun? Ich wäre Dir sehr dankbar.“ Mir tat der Jörg sehr leid und ich versprach ihm, alles zu tun, was ich konnte, damit auch er eine Frau fände. Zunächst fragten wir mal im Spanischkreis mit einer Schwester Amparo, die in etwa in Jörgs Alter war, allerdings deutlich kleiner (wenn sie auf einem Stuhl saß, reichten ihre Füße gerade mal eben auf den Boden). Beim ersten Treffen mussten wir natürlich noch immer übersetzen, da auch Amparo kaum Deutsch konnte. Aber während Jörg regelrecht draufgängerisch war, sagte Amparo kaum etwas, als habe sie kein richtiges Interesse. So blieb es am Ende bei diesem einen Treffen, und wir mussten weitersuchen.

Daraufhin schrieb Ruth einen Brief an meinen Schwager Israel, ob er nicht mal unter den Gläubigen in Peru fragen könne, welche Glaubensschwester sich gerne mit einem deutschen Bruder verheiraten würde. Prompt kamen drei „Bewerbungen“, jeweils mit Foto und Lebenslauf. Die eine war Lehrerin, die andere Ärztin und die Dritte war Agrarökonomin, also alles studierte Akademikerinnen. Jörg entschied sich für die Ärztin namens Erika Condori, die eine weitläufige Verwandte von Ruth war. Das Problem war nun, dass Jörg nicht nur kein Spanisch oder Englisch konnte, sondern obendrein noch Legastheniker war. Die Bedeutung der Worte aus seinen ersten Liebesbriefen konnte ich nur mit viel Fantasie erraten, so dass eine Übersetzung ins Spanische sehr mühsam war. Deshalb bat ich Jörg, mir einfach zu diktieren, was er ihr schreiben wolle. Zum Glück war Jörg sehr unkompliziert und genierte sich nicht dabei. Ein paar Monate später reiste Erika dann nach Deutschland und wohnte bei uns. Wir luden Jörg ein zum Kaffee-und-Kuchen-Essen, damit er sie kennenlernen konnte. Um das Treffen zu entspannen, machten wir erst einmal ein Kartenspiel am Küchentisch. Doch nach einer halben Stunde sagte Erika auf einmal: „Eigentlich bin ich ja nicht zum Kartenspiel gekommen, sondern weil ich mit Jörg sprechen will“. Wir beendeten also das Spiel und Erika fuhr fort: „Simon, könntest Du bitte Jörg mal fragen, ob er sich vorstellen könnte, mich zu heiraten…“ Ich war überrascht, wie schnell Erika zur Sache kam und übersetzte es. Jörg grinste und schaute Erika in die Augen. Auch sie lächelte und Jörg sagte: „Ja, ich würde gerne“. Erika sagte: „Ich auch!“ und da war die Freude groß.

Es vergingen dann noch ein paar Wochen bis Erika und Jörg alle notwendigen Papiere beisammen hatten inkl. aller übersetzten und beglaubigten Urkunden, um zu heiraten. Sie hatten mich als Trauzeugen und Übersetzer zugleich bestimmt, und so geschah es, dass sie im Sommer 2009 vor dem Standesamt in Bremen sich das Ja-Wort gaben. Ein Jahr später hatten sie dann auch eine gemeinsame Tochter Daniela, und Erika erlernte in Windeseile die deutsche Sprache und schaffte sogar die Anerkennung um in Deutschland als Internistin in einem Krankenhaus zu arbeiten. Ruth und ich freuten uns über das Glück der beiden und fassten den Entschluss, dass wir auch noch die anderen beiden Frauen an deutsche Ehemänner vermitteln wollten, zumal Jenny (32) und Fanny (30) nicht nur leibliche Schwestern, sondern ebenfalls weitläufig mit Ruth verwandt waren (sie sind die Töchter von Ruths Cousine Melania). Wir überlegten, wer noch in Frage käme. Da fiel Ruth ein, dass sich der Schwager von Ingrid, einer Glaubensschwester aus Honduras, namens Uwe (50) gerade bekehrt hatte und sehnlichst eine Frau suchte. Da Uwe jedoch aufgrund eines Kindheitstraumas leicht autistisch war und geistig zurückgeblieben, hatte er nie eine Beziehung und war wegen seiner Arbeitsunfähigkeit auch in Frührente. Uwe wollte gerne Fanny heiraten und ließ ihr ganz spontan 800,-€ zukommen, sozusagen als eine Art Brautgeld. Unter Vermittlung von Ruth wurden Uwe und Fanny sich dann tatsächlich „handelseinig“, so dass Uwe bald darauf nach Lima reiste und seine 23 Jahre jüngere Braut heiratete. Als er sie jedoch später nach Deutschland bringen wollte, zweifelte die Deutsche Botschaft an der Echtheit der Beziehung und vermutete eine Scheinehe. Deshalb sollten beide zur Prüfung ihrer Liebe einer getrennten mündlichen Prüfung unterzogen werden. Zu diesem Zweck hatte Fanny dem Uwe alle möglichen Details aus ihrem Leben schriftlich übermittelt, die Ruth ihm übersetzt hatte. Da sich Uwes Intelligenz jedoch nur auf bestimmte Spezialgebiete beschränkt, nahm er zur Befragung einen Spickzettel mit, der jedoch bemerkt und ihm aus der Hand genommen wurde. Man wertete dies tragischerweise als Betrugsversuch und verbot daraufhin der Fanny die Einreise nach Deutschland (Fortsetzung folgt).

Aber auch Jenny, die Schwester von Fanny, suchte noch einen deutschen Mann. Deshalb telefonierte ich mit ihr und machte den Vorschlag, über eine christliche Partnersuchbörse im Internet einen Mann zu finden. Um registriert zu werden, musste sie eine ganze Menge Fragen beantworten, damit sichergestellt wäre, dass sie auch wirklich eine echte, d.h. bibelgläubige Christin sei. Während Jenny die Fragen beantwortete staunte ich nicht schlecht und sagte später zu Ruth: „Entweder ist Jenny wirklich eine Heilige oder sie hat doch reichlich übertrieben!“ Kurz darauf meldete sich ein Thomas aus Lörrach bei mir; wir telefonierten und ich erzählte ihm von Jenny. Er war ein 29jähriger Hilfsarbeiter und wohnte noch bei seinen Eltern. Leider konnte Thomas kein Englisch, so dass ich immer alles übersetzen musste. Jenny verliebte sich sofort in Thomas und auch er war nicht abgeneigt. Ich schrieb Thomas öfters und richtete ihm die Fragen von Jenny aus, aber statt mir diese zu beantworten, rief er mich immer nur an und hatte meine Fragen noch nicht einmal gelesen. Deshalb hatte ich einen Verdacht und fragte ihn: „Sag mal Thomas – ganz ehrlich: Kannst Du eigentlich lesen?“ Er gab zu, dass er es nicht konnte. Ich dachte: „O nein, schon wieder ein Bruder ohne Bildung! Was werden die Peruanerinnen nur von uns Deutschen denken! Dass wir alle scheinbar etwas plemplem sind.“ Aber Jenny machte das nichts aus, als ich ihr dies mitteilte, denn sie fand Thomas ansonsten attraktiv. Da Ruth und ich vorhatten, im Winter nach Peru zu fliegen, bot ich dem Thomas an, mit uns zusammen zu reisen, damit er Jenny kennenlernen konnte. Ich kaufte für ihn ein Flugticket und erklärte ihm den Ablauf der Reise. Thomas freute sich und war ganz aufgeregt. Doch schon eine Woche später rief er mich an und sagte alles ab, da er auf einmal eine panische Angst bekommen hatte. Er entschuldigte sich bei Jenny, dass er ihr Hoffnung gemacht hatte und erstattetet mir den Kaufpreis fürs Ticket. Jenny war am Boden zerstört. Wir mussten also jemanden anderes für sie finden (Fortsetzung folgt).


Meine 6. Perureise

Nachdem mal wieder fünf Jahre vergangen waren, wollte ich auf meiner 6. Perureise die Gelegenheit nutzen, um in Ecuador endlich mein Landhaus zu veräußern. Allerdings hatte ich die Hoffnung aufgegeben, es noch verkaufen zu können, sondern wollte es einfach verschenken an den Neffen meiner Frau, Jonatan Condori (23). Es sollte für ihn sozusagen ein Sprungbrett sein, um aus der Armut heraus zu kommen und besser ins Leben zu starten. Als wir deshalb Mitte Dezember in Peru ankamen, fuhr ich sogleich weiter nach Ecuador in Begleitung von Jonatan und seinem Bruder Joel (22). Als wir am nächsten Tag in Guayaquil ankamen, ließen wir unser Gepäck bei Familie Ramirez und gingen ins Stadtzentrum, um uns einen Anwalt und Notar zu nehmen. Ich erklärte ihm unser Anliegen und übergab ihm meine Eigentumsdokumente mit der Bitte, das Haus auf Jonatan zu überschreiben. Er erklärte mir, dass wir zur Grundstücksüberschreibung nach Daule fahren müssten, da dort das Grundbuchamt für das Landhaus in Laurel sei, und wir verabredeten uns für den nächsten Tag. Als wir im Anschluss noch ein paar Besorgungen in der Millionenstadt erledigen wollten, wurde mir auf einmal ziemlich schlecht. Ich hatte starke Kopfschmerzen und mir war schwindelig. Beim Überqueren der Straße musste ich mich plötzlich übergeben. Wir suchten eine nahegelegene Arztpraxis auf und ich ließ mich untersuchen. Der Arzt stellte bei mir einen Blutdruck von 185 zu 130 fest und sagte, dass das viel zu hoch sei. Er gab mir eine Tablette mit einem Blutsenkungsmittel und ein Rezept mit. Als ich bezahlen wollte, sagte er mir, dass er dies gratis machen wolle, da es ihm eine Ehre sei, auch mal einen Gringo behandelt zu haben.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Anwalt zu meinem Landhaus nach Laurel. Als wir gegen 10.00 Uhr ankamen, war Apollo Sanchez nicht zuhause, sondern nur seine Frau. Ich erklärte ihr, dass nun der Zeitpunkt gekommen sei, dass sie sich ein neues Zuhause suchen müssten entsprechend der Entschädigungsvereinbarung, die wir fünf Jahre zuvor geschlossen hatten, und dass ich am Nachmittag noch einmal wiederkommen würde, um mit Apollo zu sprechen. Dann fuhren wir zur Gemeindeverwaltung nach Daule, wo auch das Grundbuchamt lag. Unser Anwalt sprach mit der zuständigen Sachbearbeiterin, während wir im Wartebereich Platz nahmen. Nach etwa einer Stunde kam er wieder zu uns und erklärte, dass es zwei Probleme gäbe: Zum einen seien die Unterlagen nicht vollständig und zum anderen bestünde ein gewisses Risiko, dass ich mein Haus verlieren könne, da ich seit 15 Jahren keine Grundsteuer mehr bezahlt hätte und sich die Gesetzeslage verändert habe. Denn seit zwei Jahren gäbe es eine neue linksnationalistische Diktatur in Ecuador, die den Reichen und insbesondere den Ausländern den Kampf angesagt habe. So habe man neue Gesetze erlassen, die es den bis dahin unrechtmäßigen Grundstücksbesetzern der armen, indigenen Bevölkerung („invadores“) ermögliche, sich die Häuser und Grundstücke der reichen Ausländer einfach anzueignen, wenn sie diese schon eine Weile bewohnt hätten. Dies könne aber nur auf Antrag geschehen, und da Apollo Sanchez Analphabet sei und auch kein Geld für einen Anwalt habe, bestünde noch eine gute Chance, das Haus vor der Fremdaneignung zu schützen und die Eigentumsrechte auf Jonatan zu übertragen. Als wir jedoch nachmittags noch mal zum Haus fuhren, bedrohte uns Apollo mit einer Schrotflinte und sagte, er würde mich abknallen, wenn ich noch einmal „sein“ Grundstück betreten würde. Der Anwalt sagte mir jedoch: „Machen Sie sich keine Sorgen, denn wenn die Übertragung erst einmal durchgeführt wäre, könne man Apollo und seine Frau nötigenfalls auch mit Polizeigewalt aus dem Haus werfen“.

Wir fuhren also zurück nach Guayaquil in das Büro des Anwalts und machten einen Vertrag, damit der Anwalt sich in meiner Abwesenheit eigenständig um die Übertragung kümmern solle. Ich gab ihm dafür einen Vorschuss von 450 US$ und verabredete mit Jonatan, dass er etwa im März 2010 nach Abschluss der Formalitäten wieder nach Ecuador reisen solle, um dann in sein neues Haus zu ziehen. Jonatan war jedoch in großer Sorge, dass sich die inzwischen erwachsenen Söhne von Apollo an ihm rächen könnten. Ich beschwichtigte ihn, dass er das nicht so gemeint habe und man ihn mit etwas zureden leicht überreden könne zu einer Zusammenarbeit: „Wenn Du ihm gut zuredest, dann könnte er Dein Partner und Hausmeister werden, der Dir zeigen kann, wie man Reis anbaut. Du wirst ihn brauchen, um Dich überhaupt die erste Zeit hier zurechtzufinden.“ Doch Jonatan hatte kalte Füße bekommen und hatte Angst, ganz allein in diesem fremden Land zu leben. Ich sagte: „Schau mal, Jonatan, als ich so alt war wie Du, bin ich zum ersten Mal nach Südamerika geflogen, und das war auch für mich zunächst alles ungewohnt und fremd. Aber man gewöhnt sich schnell an die neue Situation. Du könntest Dir doch jetzt auch eine Frau nehmen und mit ihr zusammen dann diesen Neuanfang wagen. So eine Chance wie diese, dass Du ein so großes Landhaus mit 3,6 ha Grundstück geschenkt bekommst, solltest Du Dir nicht entgehen lassen!“ Jonatan sagte nichts mehr, aber ich spürte, dass er Angst hatte. Später stellte sich dann heraus, dass er tatsächlich einen Rückzieher machte und auf das Haus lieber verzichtete.

Als ich wieder zurück in Peru war, wollten Ruth und ich die Zeit nutzen, um auch mal in den Urwald zu reisen nach Puerto Maldonado, einem alten Goldschürfer-Dorf, das mitten im Amazonas-Regenwald liegt. Wir buchten einen Flug mit Übernachtung in einer Lodge, die Flussabwärts in einem Naturreservat namens Tambopata liegt in der Provinz Madre de Dios. Als wir nach zweistündiger Fahrt auf dem Motorboot durch den Dschungel am Ziel ankamen, ahnte ich, warum man die Region „Madre de Dios“ nannte, zu Deutsch „Mutter Gottes! [steh‘ uns bei!]“, denn es war so heiß und so viele Moskitos, dass ich dachte: „Hier werden wir es keine einzige Nacht aushalten, geschweige denn eine ganze Woche!“ Dieser Ort war so lebensfeindlich, als würde die Natur sich rächen an jedem Eindringling, der die Torheit besaß, hier her zu kommen. Warum hatten wir uns bloß auf diesen Wahnsinn eingelassen! Hier im Regenwald von Peru hatte der Regisseur Werner Herzog in den 70er Jahren seine Kinofilme mit Klaus Kinski gedreht („Aguirre, der Zorn Gottes“ und „Fitzcarraldo“), und man konnte gut nachvollziehen, warum Kinski immer so aggressiv und gereizt war. Hier gab es keinen Strom oder fließendes Wasser. Wir waren völlig durchgeschwitzt, denn die Luftfeuchtigkeit lag jetzt in der Regenzeit bei nahezu 100 %. Die Wege waren schlammig, der Schweiß lief mir in die Augen, und ich wäre am liebsten in den lauwarmen Fluss gesprungen, aber das hatte man uns verboten wegen der starken Strömung.

Am Abend teilte der Reiseleiter uns mit, dass er uns um 3.00 Uhr wecken würde, um eine Nachtwanderung zu machen durch den Urwald, da die meisten Tiere nachtaktiv seien. Wir schliefen in einer Hängematte, die von einem Moskitonetz umhüllt war. Selbst in der Nacht waren es noch über 30 C, aber immerhin gab es Regentonnen mit einer Schale, die man sich zum Duschen über den Kopf kippen konnte. Als wir in der Nacht aufbrachen, bekam jeder ein Stirnband mit einer Halogenlampe drin, damit wir im Stockdunkeln etwas sehen konnten. Schon nach wenigen Metern sahen wir eine dünne, rotorange Schlange, die genau auf Brusthöhe an einem Zweig hing. Wir waren aufgeregt und machten Fotos, doch im Laufe der Woche sahen wir noch so viele Schlangen, dass wir uns allmählich daran gewöhnten.

Tagsüber sahen wir bei den Wanderungen Affen, die sich uns auf ein Meter Entfernung nahten, um Bananen zu bekommen. Auch sahen wir riesige blaue Schmetterlinge, die immer entlang der Urwaldweg flatterten. Hinten an einem großen See gab es Fischotter, die wir allerdings nur mit dem Fernglas sehen konnten. An einem Tag fuhren wir morgens flussaufwärts zu einem Berg, an dessen Abhang wir jede Menge Aras sahen, diese rot-gelben Papageien, die sich am sandigen Abhang krallten und die Mineralien aßen. Auch sahen wir Mammutbäume, Frösche und Vogelspinnen, so dass wir jede Menge schöne Fotos machen konnten. An einem Tag hielt der Reiseleiter mitten im dichten Urwald an und schnitt einen Zweig von einem bestimmten Baum. Dann sagte er, dass jeder einmal eines von den Blättern in den Mund nehmen möge, um darauf zu kauen. Wir taten es und auf einmal spürten wir unseren Mund und Zunge gar nicht mehr. Aber nach etwa 3 Minuten kam allmählich das Gefühl wieder zurück, wie wenn nach einer Zahnbehandlung die Narkose nachlässt. Am Ende der Reise feierten wir Heiligabend bei Kerzenschein und Weihnachtsliedern mit Gitarre, was sehr schön romantisch war. Im Großen und Ganzen war es dann doch eine sehr schöne Reise geworden, die wir nicht so schnell vergessen sollten.