"Und ER ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanze nach dem Regen sproßt das Grün aus der Erde."

(2. Sam. 23:4)

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„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“ (Röm.13:12)

Gedanken über das Handeln Gottes im Alten Testament

 

„Gepriesen sei der HErr, der Seinem Volk Israel Ruhe gegeben, nach allem, was Er geredet hat! Kein einziges Wort ist hingefallen von allen Seinen guten Worten, die Er durch Seinen Knecht Mose geredet hat.“ (1.Kön.8:56)

Wenn wir zurückblicken auf den ganzen Weg, den der HErr uns bis hierhin geführt hat, dann können auch wir uns nur an Gottes Güte und Treue erfreuen, dass nicht eine einzige Seiner Verheißungen unerfüllt geblieben war in unserem Leben. ER hat auch uns in ein Land „von Milch und Honig“ gebracht, dass wir nun nach und nach in Besitz nehmen dürfen durch den Heiligen Geist. Auch wir stehen in der Pflicht, das Fremde aus unserer Mitte zu verbannen, damit der HErr mehr Raum in unserem Leben gewinnen kann. Und sicher nehmen auch wir alle den Beginn eines neuen Jahres zum Anlass, um von nun an wieder mehr in der Bibel zu lesen, mehr zu beten oder mehr dem guten Werke nachzujagen.

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»Abram aber sprach: „HErr, Jahwe, was willst Du mir geben? Denn ich gehe ja kinderlos dahin…“«       (1.Mose. 15:2)

Wie muss sich Abram wohl gefühlt haben, als Gott ihm kurz zuvor sagte: „Fürchte dich nicht, Abram, denn ich bin dir ein Schild, dein sehr großer Lohn!? In der Tat brauchte Abram diesen Zuspruch, denn er hatte ja gerade freiwillig auf die große Beute verzichtet, die ihm der König von Sodom angeboten hatte, und hatte stattdessen dem Melchisedek (dem „König der Gerechtigkeit“) den Zehnten von allem gegeben, was er besaß. Gott hatte den Abram bereits gesegnet mit viel Besitz (1.Mo.13:6); dennoch war Abram zu diesem Zeitpunkt schon etwa 50 Jahre kinderlos verheiratet und wartete bereits 10 Jahre auf das von Gott verheißene Wunder. Zu der damaligen Zeit bedeutete dies ja eine Katastrophe, denn ohne Nachwuchs wurde ein Name aus dem Volk „ausgelöscht“ (5.Mo.25:6, Rut 4:10) und er konnte seinen Besitz nicht mehr an eigene Kinder vererben. Neben dieser Demütigung sah sich Abram vielleicht auch all die Jahre dem heimlichen Spott anderer Stammesführer ausgesetzt, da man ihn möglicherweise der Impotenz verdächtigte. Jedenfalls muss Abram immer wieder sehr gelitten haben unter dieser Kränkung, denn ohne Nachwuchs gab es keine Zukunft und damit auch keine Hoffnung.

Wie sehr Kinderlosigkeit auf das eigene Selbstwertgefühl Einfluss nimmt, habe ich vor 25 Jahren selbst zu spüren bekommen, als ein Arzt mir mitteilte, dass ich wahrscheinlich nie eigene Kinder haben würde, da die Wahrscheinlichkeit nur bei 1 % lag. Und gerade ich träumte doch damals davon, zehn Kinder zu haben, und nun sollte ich kinderlos bleiben! „Warum ausgerechnet ich?!“ fragte ich damals den HErrn. Jahre zuvor hatte mir ein Bruder T.S. nicht ohne Häme gesagt: „Ist Dir mal aufgefallen, dass sämtliche Ehepaare in der Versammlung in S…m kinderlos geblieben sind, obwohl sie alle gerne Kinder gehabt hätten? Glaubst Du wirklich, dass dies Zufall ist? Nein, sondern es ist eindeutig ein Gericht Gottes! Denn es steht ja geschrieben, dass Unfruchtbarkeit eine Strafe Gottes sei (5.Mo.23:26, Hos.9:14)!“ Damals hatte ich ihm zugestimmt, aber nun hatte diese „Bestrafung“ auch mich selbst getroffen! Ich würde nun den Rest meines Lebens „verflucht“ im Staube liegen und voller Bitterkeit und Neid auf meine kinderreichen Geschwister hinaufschauen, die jeden Tag das Lachen ihrer Kinder hören können, während meine Frau und ich wie vertrocknete Brunnen nur zuschauen dürfen, wenn die anderen mit ihren Kindern auf dem Spielplatz herumtoben…

Abram hatte sich wohl längst mit seinem Schicksal abgefunden; aber nun hatte Gott ihm nach so vielen Jahren wieder neue Hoffnung gemacht, ohne dass sich diese bisher erfüllt hätte. Alte Wunden, die schon längst vernarbt waren, schmerzten nun erneut, und seine Sehnsucht ließ ihn nun nicht mehr zur Ruhe kommen. Er muss sich immer wieder gefragt haben: „Wenn Gott mir doch Kinder verheißen hat, - warum geschieht dann nichts? Jahr für Jahr vergeht, aber nichts passiert! Und mit jedem neuen Jahr schwindet die Wahrscheinlichkeit, dass wir noch mal ein Kind haben werden!“ Vielleicht hatte er manches Mal sogar schon Zweifel, ob Gott wirklich zu ihm geredet hatte. War es vielleicht nur eine Einbildung? Jeder Psychologe könnte es bestätigen, was Spr.13:12 sagt: „Lang hingezogenes Harren macht das Herz krank…“ Hatte er schon Wahnvorstellungen? Und jetzt war da schon wieder solch eine „Vision“, in welcher er das Wort des HErrn zu hören glaubte. Und wieder diese wunderbare Verheißung: „Dein Lohn wird sehr groß sein!“ Jetzt wollte Abram Gewissheit: „Herr, Jahwe, WAS willst Du mir geben? …“ Mit anderen Worten: „Wo bleibt Deine Verheißung, dass ich Nachwuchs haben werde?“ Und dann sogar noch so viel „wie der Staub der Erde“ (1.Mo.13:16). Seine Frau Sara war schon über 70 und ihre Gebärmutter inzwischen „abgestorben“ (Röm.4:19). Aber auf einmal bedachte er dieses alles nicht mehr, sondern „gegen alle Hoffnung auf Hoffnung“ glaubte er der Verheißung Gottes, was ihm dann auch „zur Gerechtigkeit angerechnet wurde“ (Röm.4:3). „Er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben (o. Untreue), sondern wurde gestärkt im Glauben, Gott die Ehre gebend, und war der vollen Gewissheit, dass Er, was Er verheißen hatte, auch zu tun vermag“ (Röm.4:20-21).

Trotzdem vergingen noch einmal fast 20 Jahre bis Gott Seine Verheißung ein weiteres Mal erneuerte in 1.Mo.17:2 „Ich will meinen Bund setzen zwischen mir und dir und will dich sehr, sehr mehren [wörtl. „…im Übermaß überaus“]. Und diese riesige Nachkommenschaft sollte nicht durch irgendeine junge Frau erstehen, wie Abram und Sara zwischendurch annahmen, sondern durch Sara selbst, die inzwischen schon eine Greisin von 90 Jahren war! Da konnte Abram sich das Lachen nicht mehr verkneifen und machte Gott das Angebot, dass er schon mit Nachkommen aus Ismael zufrieden wäre (1.Mo.17:17-18). Erkennen wir uns darin nicht wieder? Wie oft wollte ich Gott schon „helfen, indem ich mich mit weniger zufrieden geben wollte, als was Gott uns verheißen hatte: „Wenn Du meine Bitte aber nicht erhörst, dann ist das auch in Ordnung, HErr…“ Eigentlich ist das aber doch offensichtlicher Unglaube! Oder wenn wir beten: „HErr, gib uns auch in den nächsten Wochen unser täglich Brot, aber vorsichtshalber kaufe ich schon mal ordentlich auf Vorrat ein, denn man weiß ja nie bei diesem Coronavirus, und außerdem will ich Dich ja auch nicht versuchen.“ (vergl. Jes.7:12-13). Gott erhört unsere Bitten und erfüllt auch immer Seine Versprechen, auch wenn wir manchmal lange warten müssen so wie Abraham, denn Gott will uns in Geduld üben. Wenn unser Glaube schwach ist, erhört Gott manchmal auch schon sofort unsere Bitte (so wie bei mir und meiner Frau, denn wir bekamen dann schon kurz nach der schlechten Prognose eine Tochter geschenkt). Aber wenn wir reifer geworden sind im Glauben, dann verherrlicht sich Gott durch unser geduldiges Vertrauen.

Glauben bedeutet WARTEN. Das spanische Wort „esperar“ bedeutet sowohl „hoffen“ als auch „warten“. Denn wer ernsthaft auf etwas hofft, der kann auch warten. Manchmal belohnt Gott unsere Geduld schon zu Lebzeiten, so wie bei Hiob oder bei Abraham, der sogar noch viele weitere Kinder später zeugte (1.Mos.25:1+6). Ich hätte mir auch noch weit mehr Kinder gewünscht als nur eine Tochter, aber im Grunde hat der HErr mir auch weit mehr gegeben, nämlich all jene, die später durch mein Zeugnis [vergl. „Zeugung“] zum Glauben fanden oder auf dem Weg der Nachfolge durch mich gesegnet wurden. Deshalb heißt es: „Juble, du Unfruchtbare, die nicht geboren, brich in Jubel aus und jauchze, die keine Wehen gehabt hat! Denn die Kinder der Vereinsamten sind zahlreicher als die Kinder der Vermählten, spricht der HErr“ (Jes.54:1). So war es immer wieder in der Geschichte Israels, dass gerade solche Frauen, die große Glaubensmänner hervorbrachten, zuvor viele Jahre warten mussten auf ihr erstes Kind, ob nun bei Jakob, Simson, Samuel oder Johannes dem Täufer. Und diese brachten ihrerseits in erster Linie unzählige GEISTLICHE Kinder zur Welt, Kinder des Glaubens, also Kinder des Wartens.

Übrigens ist wahrscheinlich den wenigsten bisher aufgefallen, dass mit der „Vereinsamten“ in Jes.54:1, die Paulus in Gal.4:27 auf die heutige Gemeinde bezieht, eigentlich die von Gott verstoßenen zehn Stämme Israels gemeint sind, denn das hebr. Wort SoW´MeMaH bedeutet eigentlich „Verlassene“ bzw. „Verödete“, - d.h. eine Frau, die von Gott verstoßen wurde. Dies ist einer von etwa 30 Hinweisen in der Heiligen Schrift, dass die Gemeinde nicht nur geistlicherweise das „Haus Israel“ und damit Same Abrahams durch den Glauben ist, sondern zusätzlich auch noch natürlicherweise. Deshalb sagte Gott auch zu Jakob, dass aus seinen Lenden nicht nur EINE Nation hervorgehen werde, sondern ein „Haufe von Nationen“, nämlich alle christlichen Nationen, die damals in der Völkerwanderung aus den verschollenen zehn Stämmen Israels hervorgegangen sind. Wer sich für diese These interessiert, dem habe ich im Anhang mal einen Artikel geschickt zum Prüfen (1.Thes.2:21).

 

 

„Und es soll euch zu einer Quaste (Erinnerungshilfe) dienen, dass ihr – wenn ihr sie ansehet, euch an alle Gebote des HErrn erinnert und sie tut, damit ihr nicht umherspähet eurem Herzen und euren Augen nach, denen ihr nachhurt.“ (4.Mo.15:39)

Jedes Mal, wenn wir unseren Fernseher, YouTube, Netflix oder Facebook einschalten und uns sagen: „Mal gucken, was es so gibt…“ sind wir im Begriff, geistige Hurerei zu betreiben. Jedes Mal, wenn wir auf eine Party, ein Volksfest oder jede andere Art von Veranstaltung gehen, ohne einen Auftrag vom HErrn dafür zu haben, sondern nur mal gucken wollen, was da so los ist, sind wir dabei, geistige Hurerei zu begehen; denn dort, wo etwas LOS ist, da sind die Dinge nicht ANGEBUNDEN an den HErrn. „Eines Tages wollte Dina, die Tochter Leas und Jakobs, einige der kanaanitischen Mädchen in der Stadt treffen… dabei begegnete ihr Sichem… als er Dina sah, fiel er über sie her und vergewaltigte sie“ (1.Mo.34:1-2).

Der tatsächlichen Hurerei geht meistens schon die geistige Hurerei voraus, indem sich Mädchen extra auffällig sexuell anziehend kleiden oder sich entsprechend zurechtmachen. Die Botschaft von aufreizender Kleidung ist: „Du darfst Dich gerne an mir satt sehen, und wenn Du mir gefällst, bin ich gerne bereit, mit Dir Sex zu haben.“ Welchen anderen Grund sollte es sonst für öffentlich getragene Reizwäsche geben? „Da kam sie ihm entgegen, herausgeputzt und zurechtgemacht wie eine Hure… Leidenschaftlich und hemmungslos wie sie war, hielt sie es zuhause nie lange aus. Man sah sie jeden Tag draußen auf den Straßen und Plätzen, an jeder Straßenecke stand sie und schaute sich nach einem neuen Opfer um…“ (Spr.7:10-12).

Was für Frauen gilt, kann genauso auch für kirchliche Einrichtungen gelten, wie wir aus der Geschichte Israels lernen. Gott bezeichnete Sein Volk irgendwann als eine Hure, weil es offen war für jeden beliebigen Einfluss aus der Welt. Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht. Hesekiel klagte über Israel (man denke heute an die katholische und evangelische Kirche, aber auch all die Freikirchen): „Jedem, der dir über den Weg lief [z.B. LBGT, Islam, Esoterik etc.], hast du dich angeboten und dich ihm an den Hals geworfen“ (Hes.16:15). Solch eine Art Hurerei finden wir auch im Neuen Bund: „Ihr Treulosen! Ist euch denn nicht klar, dass Freundschaft mit der Welt zugleich Feindschaft gegen Gott bedeutet? Wer also ein Freund dieser Welt sein will, der wird zum Feind Gottes“ (Jak.4:4).

Woran liegt das nur, dass auch wir Christen immer wieder Zerstreuung suchen, abschweifen und uns gehen lassen? Weil wir zu wenig beten! Denn das Gebet hilft uns ja, dass wir unseren Sinn ganz auf den HErrn ausrichten, um nicht in Versuchung zu fallen (Mk.14:38). Die Vielfalt an Bildern und damit verbundenen Gefühlen, die das Internet heute bietet, darf wohl als Hauptverursacher angesehen werden für die heutige Disziplinlosigkeit unter uns Kindern Gottes. Noch nie war es bei all der Reizüberflutung so schwer, seine „Gedanken gefangen zu nehmen unter den Gehorsam des Christus“ (2.Kor.10:2). Deshalb gilt auch den Überwindern in der heutigen Laodizea-Epoche die größte Verheißung, dass sie nämlich mit dem HErrn Jesus auf Seinem Thron sitzen dürfen (Offb.3:21).

Der ganze Furor über die angeblich überzogenen Corona-Maßnahmen und die angeblich drohende Impfpflicht zeigt einmal mehr, das wir in „hysterischen Zeiten“ leben (1.Tim.4:1, hYSTÄROIS = „mangelbehaftet“), in welchen „ein jeder tut, was recht ist in seinen Augen“ (5.Mo.12:8, Richt.17:6). Während die Welt gerade jetzt in Corona-Zeiten vorbildlich organisiert ist durch Behörden, Parlament, Gerichte, Polizei oder Rettungsdienste fehlt es in den Gemeinden an wirklicher Führung. Deshalb haben jene die Oberhand, die am lautesten hetzen und an die primitivsten Instinkte des Menschen appellieren: „Sollte die Regierung wirklich gesagt haben: Ihr dürft gar nicht mehr eure Meinung sagen und euch auch gar nicht mehr versammeln?“ So stachelt Satan heute die Christen auf, um gegen die von Gott verordnete Regierung zu rebellieren.

Würden die Gläubigen indes im Gebet für die Obrigkeit auf Gottes Beistand vertrauen und mehr in der Bibel lesen als YouTube zu schauen, dann hätten sie die richtige Orientierung: „Erinnere sie, sich der Obrigkeit [wörtl. „den (Rang)anfang(smächtig)en“] und den von ihnen (Be)vollmächtigten / Vollmachtsorganen unterzuordnen, ihnen sich an erster Stelle zu fügen (zu vertrauen und zu gehorchen), zu jedem guten Werk bereit zu sein“ (Tit.3:1). Das Verb PÄITh-ARChÄ’Oo setzt sich zusammen aus PÄIThOo = sich fügen und ARChÄ = vorrangig, an erster Stelle. Es geht also darum, Gott und Seinem Wort immer an erster Stelle zu vertrauen und zu gehorchen, den HErrn immer im Blick zu behalten: „Ich habe den HErrn stets vor mich gestellt; weil Er zu Meiner Rechten ist, werde ich nicht wanken“ (Ps.16:8). „Du wirst stets die Oberhand behalten und nicht unterliegen, solange du den Geboten des HErrn, deines Gottes, gehorchst, die ich dir heute zu beachten gebe, und solange du von den Worten, die ich dir heute gebiete, weder rechts noch links abweichst…“ (5.Mo.28:13-14).

 

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„Und es war die Zahl derer, die schlabberten von der Hand in den Mund 300 Mann. Und der ganze Rest des Volkes ging in die Knie, um Wasser zu trinken“ (Richt.7:6)

 

Habt Ihr Euch auch schon mal gefragt, warum ausgerechnet diese 300 Mann hier für würdig geachtet wurden von Gott, um mit Gideon gegen das Heer der Midianiter zu ziehen? Wahrscheinlich hatten alle einen großen Durst, weshalb die Mehrzahl sich nicht erst die Mühe machen wollte, sich etwas Wasser in die Handschale zu nehmen, um es an den Mund zu führen, sondern sie knieten sich gemütlich nieder, um richtig aus vollen Zügen zu trinken.

Wir alle möchten doch von Gott gebraucht werden, aber wir eignen uns leider nicht alle. Erstaunlich, dass sich erst durch die erste Selektion, die Gott vornahm, herausstellte, dass von den 32.000 Mann aus Israel allein 22.000 von ihnen Furcht und Zittern hatten, aber dass sie dennoch gekommen waren! Was mag wohl in ihnen vorgegangen sein? Vielleicht hatten viele schon innerlich mit ihrem Leben abgeschlossen und sagten sich: „Lass auch uns gehen, auf dass wir mit ihm sterben!“ (Joh.11:16).

Gott macht diesen Furchtsamen keinerlei Vorwurf. Es war eben nicht vergleichbar mit 4.Mo.14, wo selbst die Ungläubigen im Volk noch einen Hoffnungsschimmer hätten sehen können aufgrund der Größe des israelischen Heeres. Hier aber handelte es sich um ein „Himmelfahrtskommando“! Denn schon bei einer doppelten Heeresstärke des Feindes sollte man noch mal in sich gehen, ob man überhaupt noch eine irgendeine Chance hat (Luk.14:31); hier aber standen sie einer um ein Vielfaches größeren Heeresmacht gegenüber, deren Zahl „wie der Sand des Meeres war, der nicht gezählt wird vor Menge“ (Richt.7:12). Und als die Furchtsamen gingen, war das Zahlenverhältnis noch weiter auseinander.

Doch selbst dieser verhältnismäßig kleine Rest war in Gottes Augen immer noch zu groß, um auch nur den Hauch einer Siegeschance ausschließen zu können. Keinem außer Gott allein sollte später der Ruhm und die Anerkennung gelten. Gott wollte sie also noch einmal „läutern“, d.h. reinigen, spülen, und deshalb mussten sie „ans Wasser hinab“ (V. 4). Gott prüft uns, indem Er beobachtet, wie wir auf eine Aufforderung reagieren. Und siehe da: 97 % dieser Tapferen hatten den Eignungstest Gottes nicht bestanden! Und warum nicht? Weil sie angesichts des Ernstes der Lage buchstäblich „in die Knie gingen“, anstatt die Haltung als Kriegsmann zu bewahren, indem man wie im Vorbeigehen nur „von der Hand in den Mund“ trinkt. Die Gier der meisten war so groß, dass sie sie nicht zu zügeln vermochten. Und keiner hatte ja auch damit gerechnet, dass dies ein Eignungstest war, denn sonst hätten sie sich ja von ihrer besten Seite gezeigt. Solchen Prüfungen werden aber auch wir immer wieder unterzogen.

Wie reagieren wir, wenn Gott uns eine Prüfung auferlegt? Haben wir schon durch „Gewohnheit geübte Sinne“, um sofort zu erkennen, dass dies eine Prüfung ist (Hebr.5:14)? Und wie schätzen wir uns selbst ein: Gehören wir zu jenen Pflichtbewussten, die jedoch die erst beste Gelegenheit nutzen, um dem Leid und Kampf zu entfliehen? Oder sind wir zwar mutig, aber auch bequem, dass wir wie Issaschar sehen, „dass die Ruhe gut und das Land lieblich ist“, sodass wir uns am Ende „zum fronpflichtigen Knecht“ unseres Wohlstandes oder unserer Eheverpflichtungen machen (1.Mo.49:15)?

Doch obwohl wir als Verheiratete natürlicherweise immer auch darum besorgt sein müssen, dass wir der Frau (oder dem Mann) gefallen mögen (1.Kor.7:33), werden wir zugleich ermahnt: „Brüder: Die Zeit ist gedrängt (o. verkürzt). Übrigens dass auch die, welche Frauen haben, seien mögen, als hätten sie keine, und die Weinenden als nicht Weinende, und die sich Freuenden als dich nicht Freuende, und die Kaufenden als nicht Besitzende, und die der Welt Gebrauchenden als ihrer nicht als Eigentum Gebrauchende; denn die Gestalt dieser Welt vergeht“ (1.Kor.7:29-31). Oder um es in einem kurzen Satz zusammenzufassen, der aus dem apokryphischen Thomas-Evangelium überliefert ist: „Werdet Vorübergehende“ (Logion 42), also bleibt nicht stehen, schaut auch nicht zurück!

Wer wie die 300 Tapferen – im Bilde gesprochen – von der Hand in den Mund lebt – der bekennt damit, dass er in dieser Welt wie die Taube Noahs keinen endgültigen Ruheort hat (Mich.2:10), wo er sesshaft werden könnte (Luk.9:58). „Denn die solches sagen, zeigen deutlich, dass sie ein Vaterland suchen (begehren). Und wenn sie an jenes gedacht hätten, von welchem sie ausgegangen waren, so hätten sie Zeit gehabt zurückzukehren. Jetzt aber trachten sie nach einem besseren, das ist himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott genannt zu werden, denn Er hat ihnen eine Stadt bereitet“ (Hebr.11:14-16).

Was wir glauben und bekennen, das müssen wir auch äußerlich glaubwürdig darstellen. Ein Bruder, den ich schon seit über 30 Jahren kenne, schrieb mir kürzlich zu einem Artikel von mir über Laodizea:

Als ich ihn gelesen habe, war ich erschüttert. Es steht ja wirklich manches Gute darin, aber dass Du es als Gräuel bezeichnest, wenn Frauen Hosen tragen und vergleicht es mit dem Gräuel der Homosexualität, das hat mich doch betrübt und enttäuscht. Ich denke, so krass darf man Frauenhosen nicht sehen. Ich bin zwar auch der Meinung, dass es Gott wohlgefällig ist, wenn Frauen sich weiblich bekleiden (mit einem langen Rock oder Kleid), aber so scharf die Frauen mit Hosen zu verurteilen, ist nach meiner Überzeugung vor Gott nicht recht. Wenn eine Frau sich für Gott und Menschen aufopfert und sich liebevoll mit brennenden Herzen um Obdachlose, Landstreicher oder verwahrloste Kinder kümmert oder im Ausland in der Mission Seelen für unseren Heiland gewinnt und für den Glauben sogar ihr Leben als Märtyrerin lässt, dürfen wir sie dann wegen ihrer Hosen oder kurzen Haare so scharf verurteilen?! Das kommt mir vor wie beim Schalcksknecht, dem eine riesengroße Schuld erlassen wurde und der wegen einer geringfügigen Schuld seinen Mitknecht würgt und bedroht (Matthäus 18,23-35)!

Ich gehe mal davon aus, dass ein Großteil meiner Leser diesen durchaus moderaten und auf Ausgleich bedachten Worten dieses Bruders zustimmen würden. Auch ich selbst bin schon alleine aufgrund meiner Harmoniebedürftigkeit und meiner natürlichen Neigung zum Pragmatismus sehr geneigt gewesen, diesem Bruder zuzustimmen, wenn ich nicht vom Worte Gottes her überzeugt wäre, dass er sich irrt. Erinnern wir uns an die unerwartete Rüge des HErrn, nachdem Petrus Ihn gutgemeint zur Mäßigung aufrief und der HErr ihn dann anfuhr: „Geh hinter mich, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn du sinnest nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist“ (Mt.16:23). Auch heute menschelt es wieder gewaltig, dabei sollen wir doch all unsere „Gedanken gefangen nehmen unter den Gehorsam des Christus“ (2.Kor.10:5). Gerade wenn sich mein Fleisch innerlich gegen eine Forderung von außen aufbäumt, kann ich sicher sein, dass es sich um den Willen Gottes handeln muss, denn das Fleisch wird immer gegen den Geist Gottes aufbegehren (Gal.5:17, 1.Mo.25:23).

 

 

„Und sie nannte den Knaben Ikabod, indem sie sprach: Die Herrlichkeit ist von Israel gewichen!“
(1.Sam.4:21)

„…wenn sie dieselbe (Weisheit) erkannt hätten, so würden sie wohl den HErrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben“ (1.Kor.2:8)

 Eigentlich ist die Geburt eines Kindes ja ein Grund zur Freude (Joh.16:21), besonders in Israel, wenn es auch noch ein Sohn ist (Luk.1:14). Aber die Frau des Pinehas bekam kurz nach Empfang der Nachricht vom Raub der Bundeslade ihre Wehen, und befand sich im Moment der Geburt bereits im Sterben (möglicherweise durch Verbluten). Die Lade Gottes war für die Kinder Israel das Höchste, was sie besaßen, und jetzt war ausgerechnet diese in die Hände der Feinde Gottes geraten! Warum hatte Gott dies zugelassen?! War die Lade nicht der Thron Gottes gewesen (Vers 4), das Symbol der Gegenwart Jahwes? Die Israeliten waren sich so sicher, dass ihnen durch diesen göttlichen Beistand nichts passieren könne, sondern sie dadurch ihre Feinde besiegen würden. Auch die Philister erschraken bei der Vorstellung, dass nun Gott selbst ins Heerlager gekommen war, und sahen sich dem sicheren Untergang geweiht. Aber ihnen blieb keine andere Wahl, als um ihr Überleben zu kämpfen.

Doch dann geschah das Unerwartete. Der Gott Israels ließ sich in die Hände von Unbeschnittenen überliefern! Was zunächst wie eine schwere Niederlage erschien, erwies sich am Ende jedoch als Sieg auf der ganzen Linie, denn der Götzendienst der Philister wurde schwer gedemütigt, und die Feinde Gottes lernten durch die folgenden Plagen den Gott Israel fürchten (1.Sam.5). Rund 1000 Jahre später wiederholte sich diese Geschichte, als der HErr Jesus in Sünderhände überliefert wurde (Mt.26:45). Die Emmausjünger gaben ihrer Enttäuschung mit den Worten Ausdruck: „Wir aber hofften, dass Er der sei, der Israel erlösen solle“ (Luk.24:21). Die Leute wollten den HErrn Jesus zum König machen, damit Er sie von der römischen Fremdherrschaft befreie (Joh.6:15). Aber sie wollten sich selbst Seiner Königsherrschaft nicht unterwerfen, sondern Ihn nur benutzen, um weiter ungestört ihr eigenwilliges Leben fortzusetzen. Auch Samuel hatte ihnen den Willen Gottes verkündigt (1.Sam.4:1), aber seine Predigt bewirkte zunächst nur ein neues Selbstbewusstsein, aber noch keine Gottesliebe. Sie befragten Gott nicht, weder vor dem Kampf, noch nach der Niederlage, sondern hielten sich in abergläubischer Weise nur an einer Form der Gottseligkeit fest (2.Tim.3:5). Auch zu der Zeit Jesu rühmten sich die Juden, dass SIE allein „Abrahams Same“ seien (Luk.3:8, Joh.8:33). Aber statt sich wie Abraham über das Kommen des HErrn zu freuen (Joh.8:56), haben sie „den Heiligen und Gerechten verleugnet“ und ihn dem Pilatus überliefert (Apg.3:13-16). „Gott aber hatte im Sinne, es gut zu machen“ (1.Mo.50:20), wie wir es auch bei der Rückkehr der Bundeslade sehen.

Der Name Ikabod bedeutet wörtlich „Unehre“ oder „Wo (ist die) Ehre /Herrlichkeit?“ Diese Frage finden wir auch in Mal.1:6 „Wenn ich denn Vater bin, wo ist Meine Ehre? Die Priester ehrten Gott nur zum Schein, indem sie zwar Opfer darbrachten, aber auch das, was für sie wertlos war, nämlich blinde, lahme oder kranke Tiere, während sie einige gesunde Tiere für sich behielten. Menschlich gesehen war dieses Verhalten rational, denn wenn das Tier doch ohnehin verbrannt wird, muss es ja nicht gleich das Beste sein. Vielleicht sagten sie sich: „Gott schaut ja nicht auf Äußerlichkeiten, sondern sieht unser Herz an!“ Deshalb empfiehlt Maleachi ihnen: „Wenn solche Gaben in Ordnung wären, warum traut ihr euch nicht, sie dem Landpfleger zu spenden? Heute müsste man sagen: „Wenn das regelmäßige Sitzen im Gebet vor Gott normal wäre, warum würdet ihr euch nicht trauen, sitzen zu bleiben, wenn die Königin von England den Raum betreten würde?“ Hofni und Pinehas verrichteten zwar ihren Dienst, aber nahmen das Beste für sich selbst, so dass sie die Opfergaben vor dem Volk verächtlich machten. Und auch heute untergraben viele Prediger die Furcht Gottes, wenn sie z.B. einen Großteil der Spenden für unbescheidene Neuanschaffungen verschwenden. Das muss noch nicht mal ein protziges Auto oder üppiges Haus des Predigers sein, sondern auch ein übertrieben aufwändiger Umbau des Gemeindehauses, durch das sich Gemeinden über Jahre verschulden.

Das Haus Gottes wird nicht durch eine verbesserte Ausstattung geehrt und geheiligt, sondern durch unser heiliges und reines Leben. Die Herrlichkeit des HErrn kann erst in unseren Gemeinden wohnen, wenn wir Gott durch unser Verhalten ehren und verherrlichen. Was nützt es, wenn man sich z.B. wegen Maleachi 3:16 zu einem Gemeindebund oder einer Bruderschaft zusammenschließt, um sich zu „unterreden“, aber dann überhaupt nicht über die Probleme innerhalb der bibeltreuen Christenheit spricht, um gemeinsam umzudenken, sondern stattdessen nur die Sünden und Verfehlungen der Welt draußen anprangert - entgegen dem Wort in 1.Kor.5:12-13 „die da draußen sind, wird Gott verurteilen“? Dadurch schließen wir zwar die eigenen Reihen und üben uns in Selbstbestätigung und Selbstgefälligkeit, aber wenn niemand seinen Finger in die Wunden unserer eigenen Verfehlungen legt, dann wird sich auch auf absehbar lange Zeit gar NICHTS ändern (Jer.6:14, 811). Einheit im Geist kann man nicht dadurch erzielen, indem man sich nur selbst beklatscht und wie bei Aschermittwochsreden auf den äußeren Feind draußen eindrischt (der einem ohnehin nicht gefährden kann). Vielmehr kommt die Einheit von ganz allein zustande, wenn wir im Licht wandeln (1.Joh.1:7). Kann es noch einen besseren gemeinsamen Nenner geben als die Liebe zum HErrn Jesus und zum Wort Gottes? Die Philadelphia-Gemeinde im 17. Und 18 Jh. wusste dies und wollte deshalb Bruderliebe zu allen Kindern Gottes anstreben. Ihnen ging es nicht um das Bekenntnis, sondern um das Leben. Erkenntnis ist stückweise und wachstümlich, entscheidend ist aber die Gesinnung. Heute hingegen wird oft nur noch auf das äußere Bekenntnis wertgelegt, ganz gleich, ob dieses auch durch einen heiligen Wandel mit Leben gefüllt ist. Man hat sich wieder einen Turm gebaut und einen Namen gegeben, um nicht verstreut zu werden auf der ganzen Erde (1.Mo.11:4). Und man verlässt sich wieder auf Lügenworte, indem man schwört: „Der Tempel des HErrn ist (nur) DIESER!“ (Jer.7:4).

Parteiungen unter Christen sind heute nahezu unvermeidlich und führen dazu, dass sich die Spreu vom Weizen trennt (1.Kor.11:19). Solange man die eigene Bibelauslegung nicht zum Maßstab für Gemeinschaft erhebt, sondern Liebe und Offenheit zu allen Kindern Gottes übt, ist gegen eine Prüfung von neuen Geschwistern mit einem Mitgliedschaftsersuchen nichts einzuwenden (Mitgliederlisten sind gemäß 4.Mo.11:26 nicht grundsätzlich falsch, sondern dienen der besseren Übersicht. Nur mit verbindlicher Mitgliedschaft ist Gemeindezucht und Anspruch auf Unterstützung überhaupt realisierbar). Mein Bruder Patrick hat in diesen Tagen einen Mitgliedsantrag bei einer russlanddeutschen Pfingstgemeinde gestellt, in welcher er sich sehr wohl fühlt. In seiner Naivität dachte er, dass es reine Formsache sei, musste dann jedoch feststellen, dass er wie bei einer Gerichtsverhandlung auf Herz und Nieren geprüft wurde. „Glaubst Du auch an die Geistestaufe?“ „Wie stehst Du zur Zungenrede?“ Patrick fragte erschrocken zurück: „Reicht es denn nicht, dass ich den HErrn Jesus und Euch liebe?“ Verstört fuhr er nach der mündlichen Prüfung nach Haus und schrieb einen Artikel mit dem Titel: „Bin ich fromm genug?“ Darin berichtet er, wie er in den 32 Jahren seines Glaubenslebens trotz aller Rückschläge immer wieder treu vom HErrn geführt wurde, aber auch die Erfahrung machte, in ein menschliches Joch der Knechtschaft zu geraten (Gal.5:1), sobald er mehr Menschen gefallen wollte als Gott. Er hatte inzwischen den Unterschied gelernt zwischen der Form und dem Inhalt, zwischen Bekenntnis und Leben, zwischen Schein und Sein. Ich versicherte ihm, dass für den Fall, dass sie ihn nicht aufnehmen, es nicht entscheidend sei, dass unsere Namen in einem Gemeindemitgliedsregister stehen, sondern im Buch des Lebens.

Wo der eigenen, eigenwilligen Lehrauffassung mehr Bedeutung beigemessen wird als der tatsächlichen Gegenwart Gottes durch ein heiliges Leben, ist man für die Zeit der zukünftigen Verfolgung nicht ausreichend gerüstet. Man gleicht eher jenem Jüngling in Mark.14:51-52, der seine feine Leinwand (symbolisch für Anschein von Gerechtigkeit) über einen nackten Leib geworfen hatte, damit niemand seine Blöße sehe (d.h. heimlicher Wandel in Sünde, vergl. Offb.3:18); er wurde schließlich zur leichten Beute für seine Verfolger, die ihn entblößten (d.h. demaskierten, vergl. Hohl.5:7). Wie viele hochbegabte junge Brüder haben schon eine steile Karriere unter den Gläubigen gemacht durch ihre Wortgewandtheit und ihr Bibelwissen, aber sind dann durch eine peinliche Affäre wie eine Rakete wieder aus dem Himmel herabgestürzt, in den man sie hochgelobt hatte, weil ihr Heiligungsleben hinterherhinkte und nicht mit der Erkenntnis mithalten konnte! Aber auch ganze Gemeinden können sich durch einen äußeren Schein und mangelnde Selbstkritik selbst täuschen und glauben, der HErr sei noch in ihrer Mitte, während Er in Wirklichkeit längst außerhalb von ihnen ist und an die Tür klopft, damit der Einzelne Ihm Zutritt gewähre (Offb.3:20). Gerade jene Gemeinden, die diese Möglichkeit für sich kategorisch ausschließen, sind am wahrscheinlichsten davon betroffen.

 

„Und Absalom redete mit Amnon weder Böses noch Gutes; denn Absalom hasste Amnon…“ (2.Sam.13:22)

 

Ja, hätte Absalom bloß mit seinem Bruder geredet und sein Missfallen ihm mitgeteilt – wie viel Schaden hätte dann vermieden werden können! Wie viele Beziehungen zerbrechen auch heute, nur weil man seinem Frust nicht rechtzeitig Raum gibt und dem anderen Gelegenheit zur Aussprache! Absalom machte aus seinem Herzen eine Mördergrube, im wahrsten Sinn des Wortes, und keinem war das aufgefallen. Dabei werden wir ja aufgefordert vom HErrn, unsere Opfergaben für Gott stehen zu lassen, wenn uns einfällt, dass ein Bruder etwas gegen uns haben könnte oder wir gar ein schlechtes Gewissen haben, weil wir ihm Unrecht taten (Mt.5:23-26).

Kain wurde rechtzeitig gewarnt, bevor er seinen Bruder tötete, aber da gährte schon seine Missgunst und sein Frust so leidenschaftlich in ihm, dass er nur noch Genugtuung fand, wenn er seinen Bruder losgeworden war (1.Mo.4:4-8). Fällt uns da nicht auch der ein oder andere Bruder oder Schwester ein, die uns so sehr nervt, dass wir lieber nicht ans Telefon gehen, wenn er/sie uns schon wieder anruft, um 3 Stunden unserer Zeit zu stehlen? Ja, die Lieblosigkeit kann sich schon in ganz harmlosen Dingen zeigen. Oder wir sehen scheel auf einen Bruder in der Versammlung, der von allen bewundert und bevorzugt wird, obwohl er es aus unserer Sicht gar nicht verdient? Absalom verachtete seinen Bruder heimlich, so wie jener ältere Bruder in Luk.15:25-32, der sich nicht freuen konnte über die Rückkehr seines jüngeren Bruders.

Dabei sollten wir uns über das Glück unserer Geschwister freuen, selbst dann noch wenn der HErr uns scheinbar vorübergehend auf ein „Abstellgleis“ gestellt hat und ich mich unbeachtet oder benachteiligt fühle. Aus einer „Wurzel der Bitterkeit“ oder einem „bösen Herzen des Unglaubens“ kann schnell auch ein „Abfall vom lebendigen Gott“ werden (Hebr.3:12, 12:15). So mag es vielleicht auch Satan ergangen sein, als er erfuhr, dass Gott Menschen nach Gottes Ebenbild schaffen wollte und der Vater dafür Seinen einzig geborenen Sohn beauftragte. Scheinbar hielt er gar nichts von dieser Idee und wollte Gott schon von Anfang an beweisen, dass dieser Plan nicht funktionieren würde, da der Mensch zu egoistisch sei (Hiob 1:9-11, 2:4).

Dabei hatte Satan noch mitgejubelt bei der Grundsteinlegung der Erde zusammen mit allen anderen Söhnen Gottes (Hiob 38:6-7). Er hatte ja selber eine sehr verantwortungsvolle Position inne, denn er war ein „Cherub“, d.h. ein „Vielseiender“, also mit vielen Aufgaben Betrauter und Begabter (Hes.28:14); zudem war er auch noch das „Bild der Vollendung“, wörtlich sogar ein „Versiegler des Maßgebenden“ (Hes.28:12). Man kann sich das so vorstellen, dass alle Anträge über seinen Tisch gingen und es ihm allein oblag, sie zu versiegeln. Mit dieser hohen Machtposition betraut, wurde er allmählich stolz und eitel. Er dachte vielleicht: „Was der Höchste kann, das kann ich auch, und sogar noch viel besser! Ich hätte das alles ganz anders gemacht!“ Wie viele Angestellte haben nicht auch schon so über ihren Chef gedacht! Und wie viele Gläubige dachten so über ihren Prediger!

Satan wusste, dass er diesen Gegenbeweis nur antreten könnte, wenn er Gott offen den Krieg erklärte. Seither ist diese Welt ein einziges Schlachtfeld im Kampf zwischen Licht und Finsternis. Satan und seine Dämonen möchten den Menschen in ihr Bild verwandeln, so wie Gott uns Auserwählte in das Bild Christi verwandeln möchte. Aber wie schnell geraten auch wir in Gefahr, uns über andere zu erheben, und ohne es zu bemerken, nehmen wir satanische Charakterzüge an! Auch mich hatte ein Bruder vor Kurzem gewarnt, dass ich durch meine vielen Aktivitäten auch ein „Vielseiender“ sei, und ich möchte diese Warnung sehr beherzigen.

Absalom begnügte sich nicht damit, wieder in Jerusalem wohnen zu dürfen. Als er nicht die gewünschte Beachtung fand, zündete er die Ackerfelder Joabs an (2.Sam.14:28-30). Spätestens da hätte Joab merken müssen, dass Absalom ein gefährlicher Psychopath war, der zum Erreichen seiner Ziele auch über Leichen geht. Aber weil er selbst die Versöhnung mit dessen Vater eingeleitet hatte, sah er sich nun in der Pflicht. Absalom aber tat nur zum Schein Buße, als er sich vor David beugte, denn heimlich schmiedete er schon den Plan, seinen Vater zu stürzen. Vielleicht kam er durch den zärtlichen Kuss seines Vaters auf die Idee, auch selber die Menschen zu küssen, um ihr Herz zu gewinnen, was er ja dann auch in die Tat umsetzte. Ein Kuss hat eine sehr starke emotionale Wirkung! „Und so stahl Absalom das Herz der Männer von Israel“ (2.Sam.15:6). Ja, wie schnell kann das auch uns passieren, wenn Jungbekehrte sich hilfesuchend an uns wenden und wir sie nicht auf den HErrn Jesus hinweisen, sondern sie stattdessen an uns selber binden wollen!

Absalom ist ein Bild auf den Satan. Von ihm hieß es: „In ganz Israel war kein Mann wegen seiner Schönheit so sehr zu preisen wie Absalom; von seiner Fußsohle bis zu seinem Scheitel war kein Makel an ihm“ (2.Sam.14:25). Kommt uns das nicht bekannt vor? „Voll von Weisheit und vollkommen an Schönheit“ war auch Luzifer (Hes.28:12). Wie gefährlich! Wenn wir den Blick von DEM abwenden, dem wir alles zu verdanken haben, dann kann es auch uns passieren wie Nebukadnezar, dass wir sagen: „Ist das nicht mein großes Haus mit großem Garten, das ich mir für meine Altersvorsorge erbaut habe durch die Größe meiner Intelligenz und zu Ehren vor all meinen Nachbarn?“ (vergl. Dan.4:30). Nebukadnezar wurde genauso wie Satan das „Königtum weggenommen“ und er wurde ausgestoßen bis er erkennen sollte, dass allein Gott derjenige ist, der absolut souverän Macht verleiht, wem Er will. Ich bin davon überzeugt, dass Gott allen Menschen und vor allem auch dem Satan diese Lektion erteilen will.

 

 

„Da ging einer auf das Feld hinaus, um Kräuter zu lesen, und er fand eine wilde Ranke und las davon wilde Koloquinthen, sein Gewand voll, und er kam und zerschnitt sie in den Kochtopf, denn sie kannten sie nicht. Und sie schütteten es aus zum Essen für die Männer. Aber es geschah, als sie von dem Gericht aßen, da schrien sie und sprachen: »Der Tod ist im Topf, Mann Gottes!« Und sie konnten es nicht essen.“ (2.Kön.4:39-40)

 

Ja, wie schnell haben diese Prophetenschüler erkannt, dass ihr Essen vergiftet war! Dabei reichen nämlich schon wenige Gramm des darin enthaltenen Zellgifts Cucurbitacin, um schwere Nierenschäden, Blutungen und Darmdurchbrüche auszulösen bis hin zum Atemstillstand. Trotz ihres großen Hungers hatten sie also das Essen nicht gleich verschlungen, sondern erst mal nur probiert. Als ich 6 Jahre alt war, da bot mir ein Nachbarsjunge an, aus einer Flasche Coca-Cola zu trinken aus dem Kofferraum des Autos seines Vaters. Tatsächlich war es aber Nitroverdünnung. Als ich daran gerochen hatte, wollte ich es nicht trinken, sondern reichte es weiter an meinen Zwillingsbruder Marcus, der sofort trank ohne daran zu riechen. Er fing an zu spucken und zu heulen, und mir dämmerte, dass das Zeug wohl nicht gerade gesund war. Ich begleitete ihn nach Hause, und er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, wo ihm der Magen ausgespült werden musste.

Geistlich betrachtet handelt es sich bei dem, was wir täglich in uns aufnehmen, um Gedanken oder Lehren, die uns angetragen werden, ob es nun eine erbauliche Predigt ist oder aber ein Fernsehfilm oder gar ein Fußballspiel der Weltmeisterschaft – entweder ist es etwas Nahrhaftes, das uns im Glauben voranbringt oder aber Überflüssiges und Schädliches. Manches wird vielleicht von uns für nützlich und förderlich gehalten, obwohl es uns auf Dauer in Wirklichkeit schädigt. Als meine peruanische Frau Ruth noch ein Kind war, litt sie unter schwerem Asthma. Weil ihre indianischen Eltern sehr arm waren und sich keine Medizin leisten konnten, schickte ihr Vater seine beiden Söhne jeden Morgen los, um Schnecken zu sammeln. Diese wurden dann in einen Mixer zusammen mit Milch zerschreddert, und meine Frau musste jeden Tag ein Glas dieser merkwürdig schleimigen Flüssigkeit trinken, weil ihr Vater davon überzeugt war, dass sie dadurch eines Tages gesund werde. Stattdessen bekam meine Frau irgendwann Bauchweh. Als sich dann auch noch lange Würmer in ihrem Kot fanden, ahnte mein Schwiegervater, dass das mit dem Schnecken-Milchshake doch nicht so eine gute Idee war und ließ davon ab.

Es gibt Irrlehren, wie z.B. die der Zeugen Jehovas, die so offensichtlich falsch sind, dass sie jeder einigermaßen Bibelkundige sofort als solche erkennt und laut aufschreien wird: »Der Tod ist im Topf!« Aber viel gefährlicher sind solche verderblichen Lehren, die mit so vielen Bibelstellen scheinbar »belegt« sind und/oder so dermaßen weit verbreitet sind, dass ihr Gift selbst von den meisten Bibelkundigen gar nicht mehr bemerkt wird. Zu diesem allmählich verderben-bringenden Sauerteig zähle ich vor allem die Lehre von der Unverlierbarkeit des Heils, da sie den Gläubigen in falscher Weise sorglos und gleichgültig machen kann gegenüber der Sünde (1.Joh.3:7). Genauso verderblich ist aber auch das Ungültigerklären der Gebote Gottes, indem man sich selbst als einer anderen Heilsordnung Gottes zugehörig glaubt, in welcher man sogar als faktisch Gesetzloser trotzdem gerettet sei (Röm.2:13). Es mag ja Lehren geben, die tatsächlich nicht heilsnotwendig sind wie z.B. die Trinitätslehre oder die Allversöhnungslehre, weil sie keinen nachweisbaren Einfluss auf unser praktisches Leben ausüben. Anders ist es, wenn jemand dem Wahn verhaftet wäre, dass ihm als Wiedergeborener nichts mehr passieren könne (1.Joh. 2:29). Denn nur solange wir mit Ausharren die »Gerechtigkeitsforderungen des Gesetzes erfüllen« (Röm.8:4), stehen wir nicht unter dem Fluch des Gesetzes! Andernfalls kann aus unserer Herzensbeschneidung schon bald wieder ein Unbeschnittensein werden (Röm.2:25-26).

Im neuen Hahnenschrei geht es um die Gemeinde in Laodizea, die ebenfalls aufgrund einer falschen Sicherheit allmählich sorglos und gleichgültig wurde über ihren geistlichen Stand vor Gott, weil man ihnen vielleicht auch ein völlig verkehrtes Evangelium vermittelt hatte (»Du brauchst Dich einfach nur einmal für Jesus entscheiden, dann kann Dir nichts mehr passieren und Du kannst genauso weltangepasst weiterleben wie bisher!«). Der HErr Jesus wollte aber nicht, dass Laodizea verloren gehe, und Er will auch heute nicht, dass die Gläubigen der Endzeit am Ende verloren gehen, weshalb Er ihnen u.a. »Augensalbe« zum Kauf anbietet, damit sie ihren tatsächlichen Zustand erkennen können. Leider bedarf meist gerade derjenige besonders viel »Augensalbe«, der davon überzeugt ist, dass er sie am wenigsten benötige. »Da ist ein Weg, der einem Menschen gerade erscheint, aber sein Ende sind Wege des Todes« (Spr.14:12, 16:25). Blindheit für seine eigenen Fehler ist immer auch ein Gericht Gottes (Joh.9:39). Wer sich aber vor Gott demütigt und Ihn um Licht bittet, dem schenkt Er geöffnete Augen, damit er Wunder schaut im Gesetz Gottes (Ps.119:18). So tat es auch jener Blindgeborene, der dem HErrn gehorchte und zum Teich Siloah ging, wo er sehend wurde (Joh.9: 6-7). Der HErr Jesus hatte zuvor eine »Augensalbe« aus dem bereitet, was aus Seinem Munde hervorging (5.Mo.8:3); aber erst der Gehorsam des Gesalbtwordenen bewirkte, dass er sehend wurde. SchILo´aCh bedeutet Gesandter (gr. APÄSTALMÄ´NOS – vergl. »Apostel«), d.h. er sollte zu der Lehre der Apostel Jesu und überhaupt aller von Gott Gesandter zurückgehen, also auch zum Gesetz und den Propheten. Aus einer geistlichen Erblindung kann ich also nur befreit werden, wenn ich nach der Demütigung bereit bin, jedes erkanntes Gotteswort auch umzusetzen.

Zuweilen nehmen uns die vielen Aktivitäten in unserem Beruf, der Familie und in der Gemeinde dermaßen in Anspruch, dass wir gar keine Zeit mehr finden, um vor Gott Bilanz zu ziehen. Dann muss der HErr manchmal auch wie bei Saul durch einen Propheten oder ein Ereignis zu uns reden: »HALT ! dass ich dir kundtue, was der HErr … geredet hat« (1.Sam.15:16). Wir müssen zur Ruhe kommen und unser »Gewissen reinigen von toten Werken, um dem lebendigen Gott zu dienen« (Hebr.9:14). Letztens fiel mir auf, dass dieses »Halt!« auch im Wort »Ent-halt-samkeit« vorkommt. Das griech. Wort ÄnGˑKRA´TÄIA bedeutet wörtlich (E)inhalt, in(nnerer) Halt, d.h. Lenkungs- und Kontrollgewalt über das eigene Innere. Wir sollen innerlich »haltmachen«, damit wir durch die Kraft des Geistes Gottes einen inneren Halt und Verfügungsgewalt über unseren Willen erlangen. Durch Enthaltsamkeit schenkt uns der HErr durch »durch Gewohnheit geübte Sinne« (Hebr.5:14), so dass unsere Ohren die Worte zu prüfen vermögen, »so wie der Gaumen die Speise kostet« (Hiob 34:3). Nebenbei sei bemerkt: Wenn man wie Paulus einem Ungläubigen bekennt, dass es im christlichen Glauben auch um Enthaltsamkeit geht, dann kann es mitunter vorkommen, dass dieser uns freundlich abwiegelt mit den Worten: »Für heute reicht es! Wenn ich mehr Zeit habe, werde ich dich wieder anrufen« (Apg.24:25). Aber wir lernen daraus, dass auch die Enthaltsamkeit ein Teil der Evangeliumsverkündigung sein sollte, um den Menschen reinen Wein einzuschenken.

Wenn wir dem HErrn das Innerste unseres Herzens übergeben haben, dann finden unsere Augen auch Wohlgefallen an Gottes Wegen (Spr.23:26). Nicht nur Israel sondern auch wir Gläubige im Neuen Bund haben uns am HErrn vergangen und haben uns immer wieder auf unsere eigenen Wege gewandt (Jes.53:6). Deshalb bedürfen wir auch alle der Buße und des Schuldbekenntnisses vor Gott, wie es Esra, Nehemia, Daniel und Hesekiel taten (jeweils im 9.Kapitel). Es ist Zeit, dass wir – im Bilde gesprochen – in die Posaune stoßen, um ein Fasten auszurufen und dass wir uns alle mal an einem Ort versammeln, um die Schuld des Volkes Gottes zu bekennen (Joel 2:15-17). Ich habe dies vor kurzem dem Pastor Olaf Latzel vorgeschlagen, einen solchen Aufruf mal hier in Bremen ergehen zu lassen unter den Pastoren und Predigern, ob nicht der HErr eine Buße und Belebung der Christen in Bremen schenken möge durch Rückbesinnung und Glaubensgehorsam zum Wort Gottes. Aber auch Ihr solltet Verbündete suchen und gemeinsam die Christen an Eurem Ort aufrufen wie es auch Hiskia tat (2.Chr.30:1+6-10).

 

 

„Und er sprach: »Nimm die Pfeile«. Und er nahm sie. Und er sprach zu dem König von Israel: »Schlage auf die Erde!« Und er schlug dreimal und hielt inne. Da ward der Mann Gottes zornig über ihn und sagte: »Du hättest fünf- oder sechsmal schlagen sollen, dann würdest du die Syrer bis zur Vernichtung geschlagen haben; nun aber wirst du die Syrer dreimal schlagen«.“ (2.Kön.13:18-19)

 

Wer hätte das gedacht! dass diese symbolische Handlung des Königs Joas solche schwerwiegenden Konsequenzen nach sich ziehen würde! Woher hätte er wissen können, dass er möglichst viele Male hätte schlagen sollen?     Aber wie viele Dinge gibt es auch in unserem Leben, die wir nicht nachvollziehen können und deshalb zögerlich sind in der Umsetzung! Vielleicht wird der HErr auch eines Tages zu uns sagen: „Du hättest 5 oder 6 Mal für diese Sache beten sollen, aber weil Du nur 3 Mal dafür gebetet hast, konntest Du auch nur einen Teil Deines Wunsches erfüllt bekommen!“ oder Er sagt uns eines Tages am Richterstuhl: „Du hättest 5 oder 6 Mal jenen Ungläubigen besuchen sollen, dann hättest Du ihn für Christus gewinnen können“ (Mt.11:21+23) oder „Du hättest 5 oder 6 Mal in der Woche mit Deinen Kindern in der Bibel lesen sollen, dann wären sie nicht in die Welt gegangen!“ oder: „Du hättest Dich 5 oder 6 Mal am Tag mit Deiner Frau unterhalten sollen, dann hätte sie Dich nicht verlassen“… usw.

Solche Vorwürfe sind hart. Aber es ist besser für uns, wenn wir sie uns heute schon machen, anstatt abzuwarten, dass der HErr uns eines Tages diese Vorwürfe machen muss, denn heute können wir unser Leben noch korrigieren.

Das eigentliche Problem besteht doch darin, dass wir vieles heute noch nicht verstehen und keinen Sinn darin sehen. Wie albern muss sich König Joas vorgekommen sein, dass er die Pfeile wie ein kleiner Junge auf den Boden schlagen sollte! Den ersten Pfeil mit dem Bogen abzuschießen, dürfte ihm noch vergleichsweise leichtgefallen sein; denn auch wenn er darin noch keinen Sinn erkennen konnte, konnte der eine Pfeil wenigstens noch mit dem Bogen seine Zweckbestimmung erfüllen. Aber Pfeile einfach auf den Boden zu schlagen, war doch eigentlich absolut sinnlos, und jeder von uns würde sich dabei dumm vorkommen! Aber ist es nicht auch so mit dem regelmäßigen Gebet? Könnte man nicht einwenden, dass Gott doch längst unsere Anliegen kennt, weil wir sie Ihm schon so oft gebracht haben? Weiß Er etwa nicht ohnehin schon alles, was wir brauchen, ehe wir Ihn bitten (Mt.6:8)? Und weiß Gott etwa nicht schon längst, dass wir Ihn lieben und Ihm dankbar sind, dass wir es Ihm immer wieder bezeugen müssten (Joh.21:17)? Tatsächlich hatte mal ein Bruder zu mir gesagt: „Ich danke Gott einmal im Jahr für das ganze Essen, was ich im kommenden Jahr essen werde, dann brauche ich es nicht extra bei jeder einzelnen Mahlzeit tun…“ – Was für ein frivoler Rationalismus!

Dabei können wir gar nicht ermessen, wie viel allein schon unsere Fürbitte in der unsichtbaren Welt bewirken tut! Durch unsere Fürbitten nehmen wir im Grunde Teil am himmlischen Parlament. Im Buch Daniel ist z.B. von himmlischen Engel-Fürstentümern die Rede, die sich gegenseitig befehden (Dan.10:13+20). Kleinste Veränderungen auf der Erde können schon unvorstellbare Auswirkungen in der Geisterwelt haben. Joas hätte nur dreimal mehr auf den Boden schlagen brauchen, dann hätte er seine Feinde bis zur Vernichtung besiegt. Hätte er es nur gewusst! Das Gebet ist sicherlich die größte Glaubenstat auf Erden. Einerseits ist es – rationell betrachtet – die so ziemlich stumpfsinnigste Tat, die ein Mensch überhaupt tun kann, und andererseits gibt es kaum eine bedeutendere Handlung, durch welche ein Mensch Einfluss auf das Weltgeschehen üben kann. Ja, wenn wir nur Glauben hätten wie ein Senfkorn! Wenn wir nur immer so einfältig wären wie ein Kind! Einem Kind muss man nicht sagen, wie oft es mit Pfeilen auf den Boden schlagen soll, denn es hätte schon aus einem inneren Impuls heraus unzählige Male drauflos geschlagen!

Unser Dilemma besteht also darin, dass wir vieles, was Gott von uns erwartet, nicht einsehen können und deshalb vernachlässigen. Ein Kind muss aber erst einmal gehorchen, auch wenn es etwas noch nicht versteht. Ich erinnere mich an eine Geschichte, die eine tiefe geistliche Bedeutung hat: Es war einmal ein Junge, der von seinen Mitschülern immer wieder verprügelt wurde und nicht vermochte, sich dagegen zu wehren, weil er klein und schmächtig war. Eines Tages lernte der Junge einen Karate-Meister kennen und klagte ihm sein Leid. Dieser versprach ihm, dass er ihm in den Sommerferien innerhalb von zwei Wochen Karate beibringen könne, wenn er bereit sei, immer nur das zu tun, was der Karate-Meister von ihm verlange. Der Junge war begeistert und fragte am ersten Tag, was er tun solle. Der Meister sagte: „Schau mal: ich habe hier einen ganz langen Bretterzaum ringsum mein Grundstück. Hier hast Du einen großen Eimer Farbe und einen breiten Pinsel. Ich möchte nun, dass Du diesen Zaun zweimal streichen sollst, und zwar musst Du den Pinsel dabei immer rauf und runter führen, und zwar so: rauf und ruuunter. Rauf und ruuunter, Rauf und ruuunter, siehst Du?

Der Junge verstand nicht, was diese Aufgabe mit Karate zu tun hätte, aber er gehorchte willig, weil er dachte, dass dies vielleicht die Gegenleistung sei, dafür dass der Meister ihm in der nächsten Woche Karate beibringen würde. Doch als die folgende Woche begann, sagte der Meister zu ihm: „Schau her, ich gebe Dir hier eine Bürste, und mit dieser sollst Du die Bodenplatten auf diesem Hof sauber schrubben auf den Knien, und zwar folgendermaßen: erst dreimal mit dieser Hand rechts herum, dann dreimal mit der anderen Hand links herum, siehst Du? Und dann immer so weiter…“ Der Junge war nun wirklich enttäuscht und fühlte sich vollkommen ausgenutzt von dem alten Meister. Tag für Tag ließ er ihn immer nur schuften, anstatt ihm Karate beizubringen! Was für eine Enttäuschung, wo er ihm doch so sehr vertraut hatte! Widerwillig erfüllte der Junge seine Pflicht, doch am letzten Tag machte er seinem Herzen Luft: „Ich hatte gehofft, dass Sie mir Karate beibringen würden, aber stattdessen haben sie mich zwei Wochen nur ausgebeutet und ihr Versprechen nicht eingehalten!“

Du irrst Dich!“ sagte der alte Mann. „Ich habe Dir inzwischen Karate beigebracht, ohne das Du es bemerkt hast, und ich werde es Dir jetzt beweisen. Bitte mach jetzt einmal abwechselnd genau jene Bewegungen, die Du bisher gelernt hast, und zwar ganz schnell hintereinander, während ich Dich jetzt attackieren werde!“ Daraufhin griff der Meister ihn mit voller Wucht an, aber der Junge machte schnell alle Handbewegungen, die er schon eingeübt hatte und merkte auf einmal, dass sie alle genau geeignet waren, um die Schläge des Meisters abzuwehren und sogar zurückzuschlagen. Auf einmal hatte er – ohne es selbst verstanden zu haben – die wichtigsten Grundbewegungen erlernt, die man als Karate-Kämpfer benötigt. Und so konnte er fortan tatsächlich sich gegen seine Mitschüler zur Wehr setzen und sogar große Karatekampf-Wettbewerbe gewinnen.

Aber ist es nicht auch so in unserem Leben? Wie oft musste Gott uns schon regelrecht „gängeln“, ohne dass uns bewusst war, dass Er uns dadurch helfen will (Hos.11:3). Der HErr Jesus sagte zu Petrus: „Was ich tue, weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach verstehen“ (Joh.13:7). Aber Petrus wollte nicht etwas geschehen lassen, wenn er es nicht nachvollziehen konnte, weshalb der HErr drastischer mit Ihm reden musste. Aber auch die anderen Jünger folgten dem HErrn, ohne auch nur einen leisen Schimmer davon zu haben, was Er eigentlich vorhatte, und „Seine Worte waren ihnen verborgen, und sie begriffen das Gesagte nicht“ (Luk.18:34). Aber sie vertrauten Ihm dennoch, auch wenn sie das meiste zunächst „nicht verstanden; jedoch als Jesus verherrlicht war, dann erinnerten sie sich, dass dies von Ihm geschrieben war und sie Ihm dies getan hatten“ (Joh.12:16). Wir werden die ganze Ewigkeit noch zu staunen haben, wenn wir eines Tages alles vom HErrn erklärt bekommen, was Er heute für unser Leben entschieden hat!

 

 

"Der HErr ist mit euch, wenn ihr mit Ihm seid. Und wenn ihr Ihn sucht, wird Er sich von euch finden lassen; wenn ihr Ihn aber verlasst, wird Er euch verlassen" (2.Chr.15:2).

 

Wenn heute ein Prediger solche Worte an seine Gemeinde richten würde, dann gäbe es wohlmöglich einen Aufschrei der Empörung. Man würde ihn vielleicht daran erinnern, dass der HErr doch ohnehin „alle Tage" bei uns sei (Mt.28.20) und die Seinen sowieso nie verlassen würde (Hebr.13:5). Die Zeit, dass Gott Seine Güte und Fürsorge an Bedingungen knüpfen würde, sei doch im Neuen Bund längst vorbei, da wir ja nicht mehr unter dem Gesetz seien, sondern unter der Gnade. Man könne eben mit Gott kein Geschäft machen, heißt es. Im Alten Bund mag ja noch gegolten haben, dass Gott sich 1:1 zu uns so verhielt, wie wir uns zu Ihm: „Der HErr erstattete mir nach meiner Gerechtigkeit, … Gegen den Gütigen erzeigst Du Dich gütig, mit dem makellosen Mann wirst Du voll zum Abschluss gelangen; dem Verklärten verklärst Du Dich, aber dem Verkehrten zeigst Du Dich verdreht“ (Ps.18:26-27). „Denn die Mich ehren, werde Ich ehren, und die Mich verachten, werden verachtet werden“ (1.Sam.2:30).

Aber stimmt das, dass der HErr uns in der heutigen Gnadenzeit nicht mehr vergilt nach unserem Tun? Nein, denn auch im Neuen Bund gilt, dass der HErr uns verleugnet, wenn wir Ihn verleugnen (Mt.10:33, 2.Tim.2:12). Deshalb wird Er zu den gesetzlosen Christen ja auch einmal sagen: „Ich habe euch nie gekannt“, obwohl Er sie sehr wohl kannte und deshalb wusste, dass sie „Täter der Gesetzlosigkeit“ waren (Mt.7:23, vergl. 1.Mo.42:8-9). König Asa, dem die obigen Worte galten, war aber keineswegs gekränkt, sondern im Gegenteil heißt es: „Er fasste Mut“ (2.Chr.15:8 ). Er gewann also inneren Halt und Stärke, weil er wusste, dass er sich auf Gottes Zusage verlassen konnte; und als Folge „schaffte er die Gräuel weg aus dem Land“. Wie viel Segen würde das Volk Gottes heute haben, wenn es ebenso den „Gräuel“ in Gottes Augen wieder abschaffen würde, der sich infolge der Emanzipation der Frau vor 50 Jahren in die Welt eingeschlichen hat und auch von den Gläubigen unkritisch toleriert wird! Ich rede von der sog. „Frauenhose“ (vergl. 5.Mo.22:5), durch die die Frauen seither nicht nur buchstäblich sondern auch bildlich gesprochen „die Hosen anhaben“ in der Ehe.

Trotzdem heißt es auch bei Asa: „Die Höhen aber wichen nicht aus Israel“ (2.Chr.15:17). Gibt es auch heute „Höhen“ unter dem Volk Gottes, die „nicht weichen“, weil man ihre schädliche Wirkung vielleicht unterschätzt? Ist es etwa nicht jenes „Bild“, das sprechen kann aus Offenbarung 13:15, und vor dem sich alle heute niederknien vom Kleinen bis zum Großen, sowohl Reiche als auch Arme? (auch der Fernseher ist ja auf einer „Höhe“ aufgestellt, nämlich auf einer Konsole). Dabei hat der HErr uns doch durch Paulus befohlen, dass wir „jede Höhe, die sich erhebt gegen die Erkenntnis Gottes, zerstören“ sollen (2.Kor. 10:5). Sicherlich hinkt dieser Vergleich etwas, aber es sollte uns doch mal nachdenklich stimmen. Asas Herz war ja trotz der Höhen "ungeteilt alle seine Tage", und so mag es gewiss auch heute viele entschiedene Christen geben, die noch einen Fernseher haben. Aber es sollte doch unstrittig sein, dass das Fernsehen sich ständig "gegen die Erkenntnis Gottes erhebt", schon allein dadurch, dass Gott fast in jeder Sendung totgeschwiegen wird. Und dass es den Gläubigen wertvolle Zeit raubt und ihr Gebetsleben beeinträchtigt, sollte uns auch bewusst sein. Zudem wird durch das Fernsehen oder das Internet (YouTube etc) die „Lust der Augen“ gereizt und durch die Befriedigung der Neugier letztlich der „Hochmut des Lebens“ gefördert (1.Joh.2:15-17). Alles Sinnliche und Seelische ist gemäß Jak.3:15 auch „teuflisch“.

Wenn wir aber dann in Kapitel 16 lesen, dass Asa nach all der Treue zu Gott auf einmal sein Vertrauen auf den HErrn verlor und sich in seiner Bedrängnis Hilfe bei einem heidnischen König suchte, dann bestürzt uns das. Gott bewertet diesen Fehltritt jedoch zunächst nur als eine "Torheit" (2.Chr.16:9). Doch als Asa sich über die Ermahnung des Sehers ärgerte und ihn verhaften ließ, endete auch schon bald die Erfolgsgeschichte Asas und er erkrankte stark "an seinen Füßen" (möglicherweise ein sog. "Gangrän" oder eine "nekrotisierende Faszitis"). Füße symbolisieren immer unseren Wandel (Joh.13:10), und ein "Ausschlag" ist immer auch ein Zeichen von Sünde (4.Mo.12:10, 2.Kön.5:27). Leider erkannte Asa in dieser Krankheit kein Reden Gottes (1.Kor.11:30), und suchte daher auch "nicht den HErrn, sondern die Ärzte" (2.Chr.16:12). Man kann hier also wirklich von einem Abfall vom Glauben sprechen.

Alles fing damit an, dass er die "Schätze des Hauses des HErrn" verkaufte (2.Chr.16:2). Wenn wir „Perlen vor die Säue werfen oder das Heilige den Hunden“ geben (Mt.7:6) kann das z.B. dadurch geschehen, dass wir unsere intimen Probleme im Glauben den Ungläubigen verraten oder auf ihre Ratschläge hören, anstatt dass wir uns vom HErrn selbst beraten lassen. So ging Saul ja bekanntlich zu einer Spiritistin (1.Sam.28:7), weil er nicht sofort eine Antwort von Gott erhielt (Hi.35:14, Hab.35:14); und ich ging damals sogar zu den Freimaurern, nachdem ich vom Glauben abgefallen war (siehe beiliegendes Zeugnis). Der Glaube bewährt sich aber gerade dann, wenn unsere "Grundfesten erschüttert" werden (Ps.11:5). "Mein Volk hat eine zweifache Sünde begangen: Mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen zu graben, löchrige Zisternen, die kein Wasser halten!" (Jer.2:3). "Da gab Er ihnen ihr Begehr, aber Er sandte Magerkeit in ihre Seelen" (Ps.106:15). Wenn wir uns bewusst der Erziehung Gottes entziehen wollen, indem wir uns entscheiden, lieber unsere eigenen Wege zu gehen, wie ich es 18 Jahre lang tat, dann lässt der HErr uns gehen, wie der Vater seinen jüngeren Sohn gehen ließ, damit er seine eigenen Erfahrungen machen möge ohne Gott in der Fremde (Luk.15:12). Aber unser Heiland-Gott überlässt uns auch dann nicht unserem Schicksal, sondern geht dem verlorenen Schaf solange nach, bis Er es zur Herde zurückbringen kann. Das durfte auch ich durch Gnade erleben vor nunmehr 5 Jahren, genau gesagt am 07.05.2014. Ihm sei die Ehre, das Lob und der Dank dafür in Ewigkeit!

Eigene Wege sind selbstverschuldete, leidvolle UMWEGE, die nie folgenlos bleiben, sondern immer auch Konsequenzen nach sich ziehen, denn Gott hält keineswegs für schuldlos den Schuldigen (2.Mo.34:7, Nah.1:3). Lots Fehlentscheidung für Sodom führte letztlich dazu, dass er seine Frau verlor, seine Töchter Inzest begingen und er am Ende in einer Höhle wohnen musste (1.Mo.19:30). Gott hat uns ja dazu geschaffen und berufen, damit wir "die Werke Gottes wirken" sollen und nicht unsere eigenen Werke (Joh.6:28). Wie viele Jahre hat die "Heuschrecke" und der "Abfresser" schon in unserem Leben vertilgt, die wir sinnlos vergeudet haben durch eigene Wege (Joel 2:25)! Und vor allem habe ich in den 18 Jahren meines Glaubensabfalls nicht nur nicht dem HErrn gedient und Seelen zu Ihm geführt, sondern sogar andere Menschen geschädigt, die zum HErrn hätten kommen wollen! "O dass du gemerkt hättest auf meine Gebote, dann würde dein Friede gewesen sein wie ein Strom, und deine Gerechtigkeit wie des Meeres Wogen!" (Jes.48:18). "Ich bin der HErr, dein Gott,... tue deinen Mund weit auf, und Ich will ihn füllen. Aber Mein Volk hat nicht auf Meine Stimme gehört und Israel ist nicht willig gegen Mich gewesen. Und Ich gab sie dahin der Verstocktheit ihres Herzens; sie wandelten nach ihren Ratschlägen. O dass Mein Volk auf Mich gehört, dass Israel in Meinen Wegen gewandelt wäre! Bald würde Ich ihre Feinde gebeugt und Meine Hand gewendet haben gegen ihre Bedränger..." (Ps.81:10-14).

 

„Wenn du in einer Zeit wie dieser schweigst, so wird Befreiung und Errettung für die Juden von einem anderen Orte her erstehen; du aber und deines Vaters Haus, ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob du nicht gerade für eine Zeit wie diese zum Königtum gelangt bist?“ (Esther 4:14)

 

Der obige Vers gehört wahrscheinlich zu den merkwürdigsten des ohnehin schon ungewöhnlichen Buches Esther. Der Umstand, dass Gott nirgendwo – und noch nicht einmal an dieser Stelle - im Buch Esther erwähnt wird, hat schon viele christliche (aber auch jüdische) Gelehrte daran zweifeln lassen, ob das Buch Esther überhaupt berechtigterweise zum Kanon der Bibel gezählt werden kann. Gerade in Est.4:14 hätte man doch eigentlich erwartet, dass Mordokai dem HErrn die Ehre gibt, indem er sagt: „…dann wird der HErr Befreiung und Rettung für Sein Volk von woanders her bewirken… Aber vielleicht hat Gott gerade deshalb dir in dieser Zeit das Königtum anvertraut (weil Er Sein Volk durch dich retten will).“ Stattdessen verschweigt Mordokai hier ganz bewusst, dass die Rettung allein von Gott kommen kann. Und auch am Ende der Geschichte lesen wir nur von der Rache der Juden an ihren Feinden, so als ob es sich bei den Juden nur um irgendeine andere beliebige Ethnie handelt, der es durch eine schicksalhafte Fügung gelingt, den Spieß umzudrehen und vom Verfolgten zum Verfolger zu werden.

Ich möchte mir nicht anmaßen, eine einfache und erst recht nicht alleingültige Antwort auf all die theologischen Rätsel im Buch Esther zu haben, die sogar schon Luther Kopfzerbrechen bereitet hatten Zitat: „Ich bin dem Buch (2.Makk.) und Esther so feind, daß ich wollte, sie wären gar nicht vorhanden. Denn sie judenzen* zu sehr und haben viel heidnische Unart“ (*d.h. „verglorifizieren das Judentum zu sehr“; zitiert aus Luthers „Tischreden“). In der Tat bereitet nicht nur das Verschweigen Gottes, sondern auch die Botschaft am Ende des Buches ein gewisses Unbehagen, denn selbst in den apokryphischen Geschichtsbüchern wie Judith oder Tobit wird Jahwe als Retter und Beschützer Seines Volkes genannt. Wir dürfen jedoch davon ausgehen, dass auch das Buch Esther vom Heiligen Geist inspiriert ist (2.Tim.3:16), zumal Gott über Sein Wort „wacht (Jer.1:12) und deshalb nie zugelassen hätte, dass Sein Volk über Jahrhunderte ein vermeintlich apokryphisches Buch für einen Teil des Wortes Gottes hält.

Da das Buch Esther weder im NT noch von den Kirchenvätern zitiert wird und noch nicht einmal Teil der Schriftrollen vom Toten Meer ist, wundert es nicht, dass auch heutige Prediger das Buch Esther nur sehr selten thematisieren. Um so mehr sollten wir als Kinder Gottes bestrebt sein, eine Antwort auf all die rätselhaften Fragen zu finden, um zu verstehen, was Gott uns mit diesem Buch zu sagen hat. Ich möchte deshalb im Folgenden einmal versuchen, die drei wichtigsten Fragen zu beantworten:

 

1. Warum wird Gott im Buch Esther nicht erwähnt?

Zunächst einmal muss man feststellen, dass es seit dem 5.Jh. v.Chr. unter den Juden üblich wurde, den Namen JHWHs nicht mehr zu nennen, sondern nur noch zu umschreiben mit Begriffen wie „der Ewige“ (Ha-OLaM) oder einfach nur „der Nam(haft)e“ (Ha-ScheM). Dieser Brauch wird bis heute eingehalten aus Ehrfurcht vor Gott, da die Juden sich nicht würdig sehen, den heiligen Namen Gottes auszusprechen. Damit erfüllt sich zugleich aber auch der Schwur Gottes in Jer.44:26, dass der Sein Name „nie mehr im Mund irgendeines Mannes von Juda genannt werden soll“. Grund dafür war die Entweihung des Namens Gottes durch ihren unwürdigen Lebenswandel unter den Nationen, in die sie kamen, „indem man von ihnen sagte: JaHWäHs Volk sind diese, und aus Seinem Lande sind sie gezogen“ (Hes.36:20). Schon zu biblischen Zeiten geschah es, dass man sich gegenseitig ermahnte: Still! Denn der Name JaHWäHs darf nicht genannt werden“ (Am.6:10). Es war sozusagen eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Aber es ist ja nicht nur der Name Gottes, sondern Gott selbst, der im Buch Esther ganz bewusst nicht erwähnt wird, sogar an Stellen wie Est.4:14, wo man dies eigentlich zwingend erwartet hätte. Ich hatte bisher die Vermutung, dass Gott sich absichtlich vor diesen Juden verhüllt hätte, weil sie nicht wie Esra und Nehemia gehorsam waren, ins Land ihrer Väter zurückzukehren und dadurch unter ein Verblendungs- und Verstockungsgericht fielen. Ich war der Meinung, dass sich ihre jüdische Identität von nun an abgekoppelt hatte von ihrem Gott und sich nur noch auf einen gewissen Nationalismus beschränkte (so wie es ja auch heute bei einigen Zionisten der Fall ist). Aber diese Auslegung ist im Grunde nicht schlüssig, denn dann müsste man ja z.B. auch dem Propheten Daniel den gleichen Vorwurf machen, der ja ebenso in Babylon blieb und später am Hof der Meder und Perser angestellt war. Aber Daniel war ausdrücklich ein „Vielgeliebter“ von Gott (Dan.9:23, 10:11+19).

Meine Vermutung ist heute, dass das Buch Esther noch zu Lebzeiten von Mordokai und Esther (oder kurz danach) geschrieben wurde, und der persische König es nicht duldete, dass man Begebenheiten niederschrieb, die einem ihm fremden Gott die Ehre gaben, zumal er ja neben eigenen Göttern (Götzen) auch sich selbst als göttlich ansah. Deshalb handelte der Autor hier „klug wie die Schlangen“ (Mt.10:16), indem er absichtlich auf die Erwähnung Gottes verzichtete, weil es dem gläubigen Leser ohnehin klar sein musste, dass allein Gott die Geschicke der Menschen lenkt nach Seinem Wohlgefallen, und insbesondere Seinem Volk beistand, damit es nicht vernichtet werde. Als um das Jahr 250 n.Chr. die Septuaginta, d.h. die griechische Übersetzung des AT, geschrieben wurde, hat man das Buch Esther noch um mehrere Abschnitte ergänzt, z.B. mit den Gebeten von Mordokai und Esther.

 

2. Welche geistliche Bedeutung hat das Buch Esther für uns heute?

Zunächst einmal können wir viele praktische Anwendungen aus der Geschichte von Esther entnehmen, z.B. dass sogar auch heidnische Völker den Nutzen in der göttlichen Schöpfungsordnung erkannten, dass „jeder Mann Herr in seinem Haus sein solle“ (Est.1:22). Wird diese Ordnung missachtet, dann gerät auch bald die öffentliche Ordnung und der Hausfriede in Gefahr, wie es die Berater des Königs schon richtig vorhersahen (Est.1:17-18). Ferner lernen wir, dass es durchaus rechtens ist, wenn wir als Kinder Gottes die Obrigkeit unterstützen, indem wir Straftaten und Verschwörungen rechtzeitig zur Anzeige bringen, wie es Mordokai tat (Est.2:21-23), denn die Obrigkeit ist ja schließlich eine „Dienerin Gottes, eine Rächerin zur Strafe für den, der Böses tut“ (Röm.13:4). Und nicht zuletzt lernen wir an einer fast schon ironischen Geschichte, wie jemand eine Grube gräbt, in die er am Ende selbst hineinfällt (Spr.26:27), indem Haman am Ende an jenen Galgen geknüpft wurde, den er für den von ihm Befeindeten aufstellen ließ (Est.7:9). Gott vergilt jedem Menschen seine Bosheit zu gleichem Maß: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Und auch Er selbst verhält sich den Menschen gegenüber, wie sie sich Ihm gegenüber verhalten: „Gegen den Gütigen erzeigst Du Dich gütig, gegen den Vollkommenen erzeigst Du Dich vollkommen, gegen den Reinen erzeigst Du Dich rein, und gegen den Verkehrten erzeigst Du Dich verdreht“ (2.Sam.22:26-27).

Doch mir scheint, dass das Buch Esther auch eine Allegorie auf „Christus und die Versammlung“ ist (Eph.5:32). Esther (hebr. °äSTe´R, griech. ASTE´R = Stern) steht hier wohl für das an Christus gläubig gewordene Israel, d.h. die Gemeinde, die „Vollkommene …die Auserkorene ihrer Gebärerin“ (Hohl.6:9). Sie findet Gnade in den Augen des großen Königs und wird von Ihm zur Königin erwählt, nachdem die ursprüngliche Königin Vasti von ihm verworfen wurde. Vasti („Gewünschte“, „Begehrte“) sind die Juden, die der HErr einlud, zu Seinem Festmahl zu kommen, aber die am Ende „nicht bereit waren“ (Mat.22:4+8). Im weiteren Sinn steht sie für das Volk Israel unter dem Gesetz, dem die Königswürde genommen wurde, weil sie „nicht gewollt“ haben (Mt.23:37). Sie hatten "die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkannt" (Luk.19:44). Deshalb hat sich der HErr die "Unfruchtbare" und "Vereinsamte" zu Seiner Braut gemacht (Jes.54:1, Gal.4:27). Hegai, der königliche Kämmerer, steht für den Heiligen Geist, der von Gott für die Zubereitung der Gemeinde beordert wurde und sein Name bedeutet „Erwäger“, der „Bewahrer“. Und durch die Erwählung der Esther kann auf einmal das ganze jüdische Volk gerettet werden vor „dem bösen Haman“ ( =„Großartiger“, „Aufwiegler“), der ein Bild auf Satan ist. Mordokai („der Zerriebene" bzw. der "Myrrhen Zerreibende“ und dadurch Wohlgeruch Verbreitende) ist in dieser Geschichte wohl ein Bild für den HErrn Jesus in der Endzeit, der der Gemeinde in einer beratenden Funktion beisteht, um sie auszubilden zur Geburtshelferin für die Juden („welche die Vielen zur Gerechtigkeit weisen“ Dan.12:3).

 

3. Welche praktische Anwendung können wir aus Esther 4:14 entnehmen?

Wir leben ja heute im „Tag des Heils“ (Jes.49:8, 2.Kor.6:2). Die von Gott beschenkten Aussätzigen sagten sich: „Dieser Tag ist ein Tag guter Botschaft (gr. Evangelium); schweigen wir aber und warten, bis der Morgen hell wird, so wird uns Schuld treffen“ (2.Kön.7:9). Wir sollen wirken, solange es Tag ist, denn „es kommt die Nacht, da niemand wirken kann“ (Joh.9:4). „Wer im Sommer sammelt, der ist klug; wer aber in der Ernte schläft, wird zu Schande“ (Spr.10:5). Und genauso sagte auch Mordokai: „Wenn du in dieser Zeit schweigst…“ Von dem Verhalten Esthers hingen Tausende an Menschenleben ab! Und so stehen auch wir heute in großer Verantwortung vor Gott. Es ist zwar nicht so, dass Gott auf uns angewiesen wäre – das war Er ja auch nicht bei Esther – aber dass Gott uns eben für bestimmte Personen gebrauchen WILL. Wenn wir diese Chancen jedoch ungenutzt versäumen, dann machen wir uns schuldig am Blute dieser Personen: „Wenn ich zu dem Gesetzlosen sage: Du musst gewisslich sterben! Und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, um dem Gesetzlosen vor seinem gottlosen Weg zu warnen und ihn am Leben zu erhalten, so wird der Gesetzlose um seiner Missetat willen sterben; aber sein Blut werde ich von deiner Hand fordern! (Hes.3:18).

Auch wir sind als „zu einem Königtum gemacht“ worden (Offb.1:6), und zwar für genau dieses Leben hier auf Erden, damit wir „NICHT schweigen“ (Ps.30:12, Jes.62:1). Gott stellt uns alle gelegentlich in Situationen, die wir als Chance erkennen und ergreifen sollten, den HErrn zu bezeugen. Und manchmal sind es auch gerade solche vertrackten Geschichten, in welchen Gott uns gebrauchen will. Dann dürfen wir nicht wie Mose sagen: „Ach, HErr, sende doch, wen Du senden willst! (aber bitte nicht mich)“ (2.Mo.4:13). Oder wir sehen auf einmal die Not eines Menschen, der am Boden liegt und gehen einfach an ihm vorbei (Luk.10:31-32). Dann nützt uns auch nicht mehr zu beten: „HErr, bitte hilf ihm, aber ich habe ja gerade wirklich keine Zeit“, denn der HErr hat uns ja selbst diese Person vor die Füße gelegt! Manchmal ist es auch nur ein kaum hörbarer Hilferuf, den wir durch Zufall gerade eben so vernehmen.

Vor einer Woche schickte mir ein junger Bruder z.B. die Einladung zu einer Kundgebung auf dem Bremer Marktplatz von „Safe Abortion“, den „antikapitalistischen Feministinnen und Queers“, die für eine Abschaffung des Abtreibeverbots eintreten wollten (vergl. Ps.2:3). Daraufhin lud ich sofort meine FB-Freunde ein zu einer Gegen-Demo, denn es steht ja geschrieben: „Tue deinen Mund auf für den Stummen, für das Recht all derer, die dem Untergang geweiht sind“ (Spr.31:8). Es kamen insgesamt zwölf Geschwister zusammen, und wir stellten uns um ein großes Schild mit der Aufschrift „Abtreibung ist Mord.“ Schon bald darauf stürmten Demonstranten dieser gottlosen Veranstaltung auf uns zu, so dass die Polizei uns rundherum schützen musste wie bei einer Wagenburg. Währenddessen beteten wir und sangen mit Gitarrenbegleitung, so dass diese Kommunisten (aber auch die Polizei) sehen konnten, wie wir unseren Glauben praktizieren. Dann fing ich an, mit Mikrophon zu predigen, doch sofort skandierten diese Gesetzlosen laut: „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat!“ (Apg.19:28-32). Doch dann wurden sie plötzlich still als ich sagte: „Ich verstehe euch, denn wir alle wünschen uns eine bessere und gerechtere Welt. Aber ohne Gott und ohne einen funktionierenden Staat ist dies gar nicht möglich. Außerdem könnt Ihr alle froh sein, dass wir in einem christlichen Land leben, das auf die Schwächsten der Gesellschaft Rücksicht nimmt, denn wenn man Euch abgetrieben hätte, dann wäret Ihr heute gar nicht hier. Deshalb ist es Unfug, was ihr hier fordert.“

 

 

»Richtet euer Herz auf eure Wege! Ihr habt viel gesät und wenig eingebracht; ihr esset, aber nicht zur Sättigung; ihr trinket, aber nicht zur Genüge; ihr kleidet euch, aber es wird keinem warm; und der Lohnarbeiter erwirbt Lohn für einen durchlöcherten Beutel…

Ihr habt nach vielem ausgeschaut, und siehe, es wurde wenig; und brachtet ihr es heim, so blies ich darein. Weshalb das? spricht der HErr der Heerscharen; wegen Meines Hauses, das wüst liegt, während ihr laufet, ein jeder für sein eigenes Haus« (Hagg.1:6-9)


Wie sehr passt dieses prophetische Wort doch auch heute in unsere Situation! Auch wir sind ja alle aus einer „Babylonischen Gefangenschaft“ gekommen und ins „verheißene Land“ zurückgekehrt, indem wir vom toten, kirchlichen Traditions-Christentum uns abwandten und durch die Nachfolge Jesu zum lebendigen, biblischen Glauben zurückkehrten (Hebr.13:13). Doch auch bei vielen von uns ist diese Nachfolge ins Stocken geraten und wir fragen uns, woran das eigentlich liegt. Unzufriedenheit birgt die große Chance eines Neuanfangs in sich. Denn solange wir mit unserer Lage zufrieden sind, haben wir überhaupt kein Interesse, unser Leben von Grund auf zu verändern.

Deshalb erlaubt Gott Nöte und Schwierigkeiten in unserem Leben, damit wir endlich merken, dass es so nicht weiter gehen kann (Hiob 33:19-28). Wir sollen durch Hindernisse im Alltag erkennen, dass Gott uns ausbremsen und zur Besinnung bringen will. „Du aber stehe jetzt still, dass ich dich das Wort Gottes hören lasse!“ (1.Sam.9:27). Umdenken sollen wir aber nicht nur zum Zeitpunkt unserer Bekehrung, sondern jedes Mal, wenn wir als Gläubige wieder vom Wege abgekommen sind. Wenn Gott unser Gebet nicht mehr erhört, dann können wir uns nicht einfach damit abfinden und „zur Tagesordnung übergehen“, denn das ist doch eine KATHASTROPHE (1.Sam.14:37, 28:6)! Gott erwartet dann von uns, dass wir Sein Handeln darin erkennen (Spr.3:6) und dass wir wie David die notwendigen Schlüsse daraus ziehen (s. 1.Sam.30:6-8, 2.Sam.6:6-12, usw.).

Wie viele Traktate haben wir schon „gesät“, und wie wenig Resonanz haben wir dadurch erzielt! Wie oft haben wir schon das Evangelium gepredigt, und wie wenige haben sich dadurch bekehrt! Und wenn sich mal einer bekehrt hat, dann ist er schon nach kurzer Zeit auf Nimmerwiedersehen wieder verschwunden! Ist es nicht so, liebe Geschwister? Und wie viele Brüder sind in größter Not durch Eheprobleme oder diverse Gebundenheiten, so dass sie sich völlig nutzlos und unbrauchbar fühlen, um im Werk des HErrn arbeiten zu können. Demnächst findet wieder eine Straßenprediger-Konferenz in München statt (29.09.-02.10.18), aber warum gibt es bisher so wenig Anmeldungen (wie ich durch den Bruder Alan Haufe erfuhr)? Ist es nicht auch bei vielen so, dass sie lieber zuhause bleiben, um an so einem verlängerten Wochenende Ausflüge zu machen oder das eigene Haus zu renovieren?

Wie oft hören nicht auch wir in den Gemeinden heute den Spruch: „Die Zeit ist noch nicht gekommen für eine große Erweckung“ (Hagg.1:2). Aber wir selber nehmen uns die Zeit für Urlaubsreisen, Einkaufsbummel oder für unsere Hobbies, so oft wir können, als ob wir dafür überhaupt Zeit hätten (2.Kön.5:26)! Hat der HErr uns nicht geboten: „Trachtet ZUERST nach dem Reiche Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit…“ (Mat.6:33). Die arme Witwe in 1.Kön.17:13 wurde in ihrem Gottvertrauen schwer geprüft, als Elia von ihr verlangte, dass sie von dem wenigen Mehl und Öl, das sie noch besaß, erst dem Elia ein Brot zubereiten sollte und danach erst für sich und ihren Sohn. Wie viele von uns hätten hier nicht protestiert und erst einmal sich selbst und der eigenen Familie den Vorrang gegeben! Wir werden aber aufgefordert, aus Glauben zu glauben (Röm.1:17). Deshalb sagt der HErr mir und Dir: „Wenn ihr heute, wo ihr noch alles habt, schon in den kleinsten Prüfungen versagt, wie soll es erst werden, wenn ihr in der bevorstehenden Drangsalszeit nichts mehr kaufen oder verkaufen könnt“ (Offb.13:17)?!

Dass sich so wenig zum Guten ändert in unserem Leben, liegt auch daran, weil wir nicht bereit sind, uns liebgewordene Dinge und Gewohnheiten aufzugeben (Luk.6:37, Mt.16:24-26). Wenn wir aber unser Herz auf unsere Wege richten würden, dann kann uns der Heilige Geist zeigen, woran es eigentlich hakt. Und dann kommt es auf uns an, dass wir den ersten Schritt im Glauben tun, um das Übel aus unserer Mitte zu beseitigen, damit Gott uns wieder Sieg schenkt in unserem Leben (Jos.7:10-13!!!). Buße bedeutet nicht, einfach nur mal an einer Schraube im Leben zu drehen, um es durch ein Justieren ein wenig zu verbessern, sondern es setzt die Bereitschaft voraus, dass wir auch unbequeme Forderungen Gottes bereit sind zu erfüllen, wie es Naaman tat (2.Kön.5:11-14).

Jemand hat einmal gesagt: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. Der HErr Jesus sagt es ganz ähnlich, indem Er von „alten Schläuchen“ spricht, in die man nicht neuen Wein füllen kann (Mt.9:17). Wenn Du nicht bereit bist, Dein verdorbenes Fleisch täglich für gekreuzigt zu halten (Gal.5:24), indem Du durch den Geist die Handlungen des Leibes tötest (Röm.8:13), dann wird sich gar nichts ändern in Deinem Leben. Wenn Du aber bereit bist, nicht mehr für Deine eigenen Bedürfnisse zu leben, sondern aus Liebe zum HErrn alles aufzugibst, ob Häuser oder Beruf oder Familie oder Besitztümer, um dem HErrn bedingungslos zu folgen (Mt.19:29), dann kann der HErr Dich wirklich gebrauchen zu Seiner Ehre. Indem wir immer mehr loslassen, mögen wir zwar äußerlich ärmer werden, aber dafür innerlich immer reicher, so wie „Hans im Glück“, weil wir unbeschwert dem HErrn folgen.

Die vielen Zeugnisse der Glaubensmänner und –frauen der Bibel sollen mich und Dich dazu ermutigen, dass wir „jede Bürde (d.h. alles was den Wahn von Wichtigkeit erhebt) ablegen“ und ebenso die „leicht umstrickende Sünde“, damit wir wieder mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf, hinschauend auf Jesum (wörtl. Wegschauend, nämlich von allem anderen), den Anfänger und Vollender des Glaubens“ (Hebr.12:1-2). Solange Du noch zurückschaust, erstarrt auch Dein Glaubensleben zu einer Salzsäule (1.Mo.19:26). Du hast schon viel zu viel Zeit verloren damit, „den Willen der Nationenmitzumachen (1.Petr.4:2-3). Die Engel Gottes rufen Dir zu: „Rette dich, um deines Lebens willen; sieh nicht hinter dich, und bleibe nicht stehen in der ganzen Ebene“ (1.Mo.19:17).