"Und ER ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanze nach dem Regen sproßt das Grün aus der Erde."

(2. Sam. 23:4)

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„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“ (Röm.13:12)

Lebenszeugnisse von Knechten Jesu Christi  Teil 2

 

4. Clemens von Alexandria (*150 – 215 n.Chr.)

Um 200 n.Chr. gab es in Gallien (dem heutigen Frankreich) nur einen Bischof, nämlich den von Lyon. Doch 50 Jahre später gab es schon Bischöfe in Arles, Toulouse, Narbonne, Vienne, Paris und Trier. Ebenso schwoll die Zahl der Gläubigen an. Sie überfluteten die Gesellschaft in all ihren Schichten, so wie es der HErr vorausgesagt hatte in Mat.13:31-32, dass das winzige Senfkorn zu einem riesigen Baum heranwachen werde, in dem – wie beim Babylonischen Reich in Dan. 4 – eines Tages die Vögel des Himmels (unreinen Geister) nisten würden (vergl. Offb.18:3-5). Die römischen Götter hatten ihren Glanz verloren. Deshalb boten die Kaiser noch einmal alles auf, um den drohenden Untergang ihres Imperiums mit massiven Verfolgungswellen aufzuhalten. Doch für die damaligen Christen gab es neben der ständigen Verfolgungsgefahr noch eine weit größere Herausforderung zu bewältigen, nämlich einen Ausgleich zu finden zwischen den rigorosen und den gemäßigten Gläubigen. Schon damals mussten die Gläubigen lernen, geduldig mit Andersdenkenden zu sein.

In diesem Umfeld wuchs Clemens auf, der einen römischen Namen hatte (Clemens = lat. „der Milde“), aber tatsächlich der Sohn eines freigelassenen Sklaven aus Athen war. Er besaß ein umfangreiches literarisches Wissen über die griechischen Philosophen und betrachtete sich auch selbst zeitlebens als „Weisheitsliebenden“, bzw. als Erzieher. Nachdem er zum Glauben an den HErrn Jesus fand, sah er die christliche Lehre als eine Vollendung aller bisherigen Philosophien. Vielleicht war es dieser Drang nach göttlicher Erkenntnis, die ihn um 180 n.Chr. in die ägyptische Hauptstadt Alexandria führte, denn diese Stadt besaß ja bekanntlich die größte Bibliothek des Altertums, weshalb sie ein Anziehungspunkt für alle Religionen, Philosophien und Morallehren war. Viele Gnostiker ließen sich dort nieder und gründeten Schulen, in welchen Lehrer und Schüler nicht nur das Lehren und Lernen, sondern auch das Leben miteinander teilten. Dies brachte den sizilianischen Missionar Panthaenus ( ca. 216) auf die Idee, dort auch eine christliche Schule zu gründen, deren berühmtester Schüler dann Clemens und Origenes wurden.

Clemens zeichnete sich durch sein maßvolles Urteil aus, das gegen Extreme gefeit war. Er wusste, die Laster mit Bedacht zu rügen und teilte keine Verdammungen aus (wie Augustinus es im „Gottesstaat“ später tat). Er wollte den Gegner nicht demütigen, sondern ihm die Schwächen des Heidentums deutlich machen, d.h. ihm durch den Nebel, der ihm die Sicht nahm, hindurchgeleiten bis zur Begegnung mit Gott. Durch seine frische, aufgeschlossene und begeisterungsfähige Art gewann er die Herzen der jungen Schüler und war auch unter seinen Gegnern anerkannt und geschätzt. Er hatte eine warme und duldsame Liebe zu den Menschen und schenkte ihnen freudig Vertrauen. Aber er begnügte sich nicht damit, die Heiden aufzuklären und zu erschüttern, sondern wollte sie zu Jesus Christus bekehren. Zu diesem Zweck schrieb er das Buch „Mahnrede an die Heiden“ („Protreptikos“), das mit einem Lobgesang auf Christus beginnt. Mit viel Weisheit gelingt es ihm, sowohl bei den Christen Verständnis zu wecken für die philosophische Sichtweise auf den christlichen Glauben, als auch den Heiden zu zeigen, dass ihre Vorurteile gegen die Christen als „minderbemittelt“ und „barbarisch“ unbegründet seien. Es handelt sich bei diesem Werk um eine kluge Missions- und Werbeschrift, deren Ziel die Abkehr der Leser von der Unmoral und Torheit des Götterglaubens und die Bekehrung zu Christus, dem wahren Logos, ist. Dabei orientiert er sich wohl auch stark an jenen Argumenten, die ihm damals eine Hilfe waren, als ehemals heidnischer Philosoph auch selbst zu dem einzig wahren Gott zu finden.

Das zweite Buch von Clemens mit dem Titel „Paidagogos“ („Erzieher“) wendet sich an die jungen Gläubigen und soll ihre christliche Unterweisung vertiefen. In der Antike war der PAIDAGOoGOS (wörtl. „Kinderführer“) bei den reichen Athenern damit betraut, die Entwicklung der Kinder zu überwachen und ihren Charakter zu formen. Mit der Wahl dieses Titels wollte Clemens die erzieherische Bedeutung Christi hervorheben. Es handelt sich somit um ein Handbuch christlicher Ethik, theoretisch und praktisch zugleich. Christus selbst sei unser Erzieher, der unser Leben umwandeln wolle durch die Einprägung christlicher Sitten. Dazu sei es nötig, dass wir wieder den Geist der Kindschaft entwickeln, der aus Demut, Schlichtheit, Aufrichtigkeit und Reinheit hervorgeht. Kinder Gottes bräuchten ebenso wie natürliche Kinder Schutz und Leitung. Sie sollen auf den HErrn schauen, zu Seinen Füßen sitzen, Ihm zuhören und nachahmen, damit sie sich immer mehr Ihm angleichen. In seinem Buch behandelt Clemens Themen wie Essen und Trinken, Tischmanieren, auch dass man nicht mit vollem Mund sprechen solle. Er kommt auf den Luxus in Geschirr und Hausrat zu sprechen. Bei seiner „Inventur“ im Schlafzimmer angekommen, spricht er vom Geschlechtsleben. Dann geht er auf eitlen Schmuck und Körperpflege ein, sowie auf die Gefahr der öffentlichen Bäder für das Schamgefühl.

Sein drittes und umfangreichstes Werk, das er „Stromata“ („Teppiche“ i.S.v. „Vermischtes“) nennt, behandelt schließlich die Vollkommenheit des zur Erkenntnis Christi gelangten Gläubigen. Die Aufzeichnungen wirken improvisiert und sind wohl unmittelbar aus der mündlichen Lehrtätigkeit hervorgegangen. Es geht darin z.B. um die Beziehung von Glauben und Wissen, den christlichen Sinn der Geschichte, den Sinn und Zweck der Ehe, die Erkenntnis Gottes, die Symbolik in der Natur und der Weg christlicher Vervollkommnung. Sein Ehrgeiz war es, die Gläubigen vom Glauben zur Erkenntnis zu führen. „Der Glaube ist der Keim, die Erkenntnis die Frucht“ (Stromata VII, 3,5). Bei der Auslegung der Heiligen Schrift wendet er immer wieder die allegorische Methode an, um die verborgene Wahrheit aufzudecken, vom Buchstaben zum Geist vorzudringen. Wer die Themen selbst einmal lesen möchte, findet sie hier:

https://bkv.unifr.ch/de/works/172/versions/191/scans.

 

5. Origenes (*185 – 254 n.Chr.)

Ohne Zweifel zählt Origenes zu den größten Bibellehrern der Christenheit, auch wenn er heute kaum noch als solcher wahrgenommen wird. Zur damaligen Zeit war er nicht nur das größte Vorbild für alle späteren Kirchenväter wie Hilarius, Ambrosius, Augustinus und Hieronymus, sondern er galt auch in der Welt als ein absolutes Ausnahmegenie, etwa so wie Goethe oder Leonardo da Vinci, da sich Origenes auch sehr für die Wissenschaften und Philosophie interessierte. Durch seine überreiche Begabung zeigte er den Gläubigen auf, was für eine Fülle sich im Wort Gottes offenbarte an kostbaren Edelsteinen, die man entdecken konnte, wenn man sich nicht mit der Oberfläche zufriedengab, sondern tiefer grub, um den Schatz ans Licht zu bringen.

Der Historiker Eusebius, der ein großer Bewunderer von Origenes war, berichtet von dessen ausgezeichneter, frommer Erziehung und umfangreicher Schulbildung. Sein Vater Leonides starb als Märtyrer. Als man ihn verhaftete, wollte der junge Origenes ihm folgen. Seine Mutter war gezwungen, seine Kleider zu verstecken, um zu verhindern, dass er sich den Behörden auslieferte. So schrieb er seinem Vater wenigstens und ermahnte ihn zur Standhaftigkeit. Er war erst 17 Jahre als, als er „Aufforderung zum Martyrium“ schrieb. Origenes war von Eifer für Wissenschaft und Askese verzehrt. Diese Einsatzfreude und Frühreife bewog den Bischof Demetrius, dem jungen Bibellehrer den sog. Katechumenunterricht von Alexandrien anzuvertrauen. Dazu legte sich Origenes die härtesten Entbehrungen auf: Es gab das Gerücht, dass er sich sogar entmannt habe, um den Versuchungen durch die hübschen Ägypterinnen nicht zu erliegen.

Origenes Erfolg wuchs und wuchs. Heiden und Häretiker drängten sich zu seinen Vorlesungen. Die Bibelschule, Didaskaleion genannt, erlangte solchen Ruhm und Zulauf, dass die Kurse geteilt werden mussten. Origenes überließ dem Herakles die Anfänger und behielt sich die Fortgeschrittenen vor. Auch in Rom und Jerusalem hielt er auf Einladung der Bischöfe biblische Vorträge. Damals lernte er den Gnostiker Ambrosius kennen, den er zum wahren Glauben zurückführte. Er hatte sogar eine Mannschaft von Schnellschreibern (Stenographen), die stundenweise abwechselnd nach seinem Diktat schrieben, und ebenso viele Kopisten und Schönschreiberinnen für die Reinschrift, um die Werke zu vervielfältigen. Als die Bischöfe ihn während eines Besuchs in Cäsarea aus Dankbarkeit zum Ältesten (PRÄSBYTEROS, „Priester“) weihten, um ihm dadurch eine Erlaubnis zum Predigen zu geben, gab es jedoch einen Eklat mit seinem Vorgesetzten, dem Bischof von Alexandrien, der die Ordination kurz darauf annullieren ließ. Daraufhin ließ sich Origenes endgültig in Cäsarea nieder, wo er eine Bibelschule gründete. In den Folgejahren wurde nun Cäsarea zum geistigen Brennpunkt und Glanz der Christenheit, und Origenes war weit und breit der bekannteste und gefragteste Theologe. Überall wurde er eingeladen, um theologische Dispute zu entscheiden und bewies in der Diskussion vollkommenes Talent und Takt, um den Streit zu schlichten.

Im Jahr 250 brach eine der furchtbarsten Christenverfolgungen aus. Kaiser Decius, der sie im ganzen Reich gut organisiert und entfesselt hatte, sah es auf die Spitze ab, d.h. die Bischöfe und Lehrer. Origenes konnte nicht entkommen, aber er war bereit, für Christus zu sterben. Eusebius berichtet darüber, wie Origenes alle Peinigungen an seinem Körper tapfer erduldete. Drei Jahre lang war er eingekerkert in Eisenketten in einem tiefen Verlies, wurde auf dem Folterblock gespannt und mit Feuer gequält. Kurz nachdem man ihn wieder freiließ, starb er an den Folgen des Martyriums und wurde um 254 in Tyrus begraben. Jahrhundertelang wurde sein Grab von Pilgern aufgesucht. Doch obwohl Origenes wegen seines hohen Ansehens nie offiziell als Häretiker verdammt wurde von der Katholischen Kirche, war seine Theologie schon immer umstritten. Epiphanios von Salamis war der erste, der Origenes 374/77 als Ketzer bezeichnete, da er es wagte, den Sohn dem Vater unterzuordnen. Als dann die sog. Anthropomorphisten den Origenes verdammten, verließen daraufhin viele Origenistische Mönche ihre Klöster in Ägypten, um sich in Palästina und Konstantinopel niederzulassen. Im 6. Jh. flammte der Streit um Origenes Lehren erneut auf, als es um die Natur Christi ging. Kaiser Justinian (527-565) förderte zunächst die origenistischen Kleriker, verwarf jedoch später die Apokatastasislehre und verbannte Origenes 553 auf dem 2.Konzil von Konstantinopel.

Obwohl Origenes zu Lebzeiten über ein Heer von Schreibern verfügte, lebte er stets in Armut und Askese. Er wollte unbeachtet bleiben, ja verschwinden, damit nur noch Christus als das lebendige Wort Gottes im Vordergrund stehe. Er wollte wie Johannes der Täufer nur eine „Stimme in der Wüste“ sein, um dem HErrn den Weg zu bahnen. Es ist schier unmöglich, die Vielzahl seiner Werke aufzuzählen, die man auf bis zu 2000 schätzt. Unter ihnen war die Hexapla allein eine gigantische, synoptische Bibelausgabe, in welcher Origenes in sechs Kolumnen den hebräischen Text mit griechischer Transkription und vier vorhandene Fassungen der Bibel nebeneinanderstellte. In seiner apologetischen Schrift Contra Celsum widerlegt er den heidnischen Philosophen, und in dem Traktat De principis („Von den Prinzipien“) fasst er erstmals die Geschichte der Theologie zusammen. In dieser vertritt und begründet er auch die Lehre von der Allversöhnung (vor allem mit 1.Kor.15:28), um derer willen er später so sehr verketzert wurde. Der Großteil seiner Schriften handelt jedoch von der Exegese. Er schrieb unzählige Kommentare zu schwierigen Bibelstellen und analysierte Worte anhand ihrer wörtlichen Übersetzung aus dem Grundtext. In den Nachschriften seiner 500 Predigten beweist er seine Gelehrsamkeit auf den Gebieten der Philologie (Sprachkunde), Geschichte, Naturwissenschaft, Medizin, Philosophie und Theologie. Er blieb nicht beim Wortsinn stehen, dessen Bedeutung er genauer als jeder andere ergründete, sondern suchte den geistigen Sinn zu erfassen, und zwar nach der allegorischen Methode, die schon Clemens angewandt hatte. Von seinem umfangreichen Briefwechsel sind heute nur noch zwei Briefe vollständig erhalten, „Aufforderung zum Martyrium“ und „Über das Gebet“.

Für Origenes war das Wort Gottes Mitte seines Denkens. Er suchte mit der Liebe der Braut im Hohelied nach der Anwesenheit des HErrn in Seinem Wort, die sich verbirgt und die es um jeden Preis zu entdecken gilt. Er erkannte überall allegorische Aussagen in den Geschichten der Bibel und erklärte ihre tiefere Bedeutung. Um zu diesem Verständnis zu gelangen, hielt Origenes das Gebet für absolut notwendig. Immer wieder geschah es, dass seine Schüler ihn während seines Studiums beim Gebet überraschten, wobei seine Mundwinkel unmerklich zitterten vor Erregung. Er wandte sich für gewöhnlich an Christus, den Origenes als König, Freund und Bräutigam anrief. Mit Ihm und Seinem Leiden wollte er sich völlig eins machen in der Askese. Dieses Einswerden mit dem HErrn im Gebet bezeichnete er als „Ekstase“ (griech. EKSTASIS), ein Außer-sich-Sein, wie es in Apg.10:10 und 22:17 als „Entzückung“ beschrieben wird. Dem Origenes war klar, dass er solche kostbaren Offenbarungen nur geschenkt bekäme, wenn er sich dieser nicht rühmen würde (2.Kor.12:1).

Da die Gemeinde sowohl Leib als auch Braut Christi sei, rede Christus in der Predigt wirklich direkt zu ihr. Dem Origenes lag es fern, irgendwie als Führer oder Gründer einer neuen Gruppierung angesehen zu werden. Für ihn war das Wort „Christ“ ein Ehrentitel, weshalb er nur ein Christ unter Christen sein wollte. Er schreibt: „Ich möchte ein Mann der Kirche und nicht nach irgendeinem Gründer einer Häresie, sondern nach Christi Namen benannt werden, und diesen Namen tragen, der auf Erden gesegnet ist. Und es ist mein Begehren, in Tat und Denken ein Christ genannt zu werden“ (Homilien zum Lukasevangelium 16,6). Und an die Kirche gewandt, schrieb er: „Wenn ich, der ich deine rechte Hand zu sein scheine, der ich den Priesternamen trage und das Wort Gottes zu verkündigen habe etwa gegen die kirchliche Lehre und die Regel des Evangeliums verstieße, so dass ich dir, Kirche, zum Ärgernis werde, so möge die gesamte Kirche in einhelligem Beschluss mich, ihre rechte Hand, abhauen und von sich werfen“ (Josuahomilien 7,6). Wie sehr sieht man hier die Demut von Origenes, dem die Braut Christi unendlich wichtiger war als seine eigene Person. Für ihn war die Kirche heilig um Christi willen. Aber sie konnte ihre Heiligkeit nur dadurch aufrechterhalten, indem sie ihre Sünden immer wieder mit dem Blute Christi reinwäscht und ein Leben in Heiligkeit und Reinheit anstrebe. „So stellt denn jeder Gerechte, der nach Kräften den Erlöser nachahmt, ein Bildwerk nach dem Bild des Schöpfers dar. Er bringt es dadurch zustande, indem er Gott mit reinem Herzen anschaut, dass er Gott zum Vorbild genommen hat … so wohnt Christi Geist, wenn ich so sagen darf, in Seinen Abbildern.“ (Gegen Celsos VII,18).


6. Tertullian (*155 - 220)

Quintus Septimius Florens Tertullianus, kurz Tertullian, war der Sohn eines römischen Offiziers und wie Klemens und Origenes ein nordafrikanischer Christ, allerdings nicht aus Alexandria, sondern aus Karthago (im heutigen Tunesien). Vor seiner Bekehrung führte er ein sehr ausschweifendes Leben, war versessen nach Schauspielen und beging Ehebruch. Vielleicht war es gerade die Sittenlehre und die Leidensbereitschaft der Christen, die den Tertullian schon in jungen Jahren anzog und beeindruckte. Nach seiner Bekehrung war er jedoch alles andere als ein stiller Dulder, sondern nutzte seine rhetorische und juristische Bildung, um den Eliten seiner Zeit die Stirn zu bieten. Tertullian war hitzig, leidenschaftlich und schlagfertig. In seiner Verteidigung des Christentums klagte er 197 das Imperium im Namen des Rechts der Intoleranz und Verfolgung an: „Fahrt nur fort, treffliche Statthalter, die ihr beim Volk noch beliebter werdet, wenn ihr ihm die Christen opfert; quält uns, foltert uns, verurteilt uns, reibt uns auf: Eure Ungerechtigkeit ist der Beweis unserer Unschuld… All eure ausgesuchte Grausamkeit führt zu nichts; sie verstärkt nur die Anziehungskraft unserer Gemeinschaft. Zahlreicher werden wir, so oft wir von euch niedergemäht werden. Ein Same ist das Blut der Christen“ (Apologeticum 50,12).

Tertullian wuchs wie viele Afrikaner damals zweisprachig auf, und schrieb in Griechisch und Lateinisch. Er war verheiratet, aber sein Leben lang quälte er seine Frau mit Eifersucht, die so weit ging, dass er ihr verbot, sich im Falle seines Todes wieder zu verheiraten. Er verband die aufbrausende, eigenwillige, sinnenstarke Natur des Afrikaners mit den römischen Eigenschaften, die dem Starken und Nützlichen zugeneigt sind. Ihm gelang es, die christliche Lehre seiner provinziellen Umgebung anzupassen und schuf dazu ganz neue Vokabeln in der lateinischen Sprache, die bis heute das Denken in der Kirche beeinflusst hat. Ihm gelangen einprägsame Sätze und er kannte die Kniffe der Rhetorik, Sophistik (Wortklauberei) und Rabulistik (Spitzfindigkeit). Durch seinen z.T. abgehackten und mit Bildern beladenen Satzbau brachte er die Übersetzer immer wieder an den Rand der Verzweiflung. Zuweilen wirkte sein aggressiver Schreibstil bitter und lieblos. Dadurch stieß er weder damals noch heute auf Sympathie. „Seine grellen Worte blenden, aber sprechen nicht an; sie glänzen, aber wärmen nicht“ (Adalbert Hamman u. Alfons Fürst, Kleine Geschichte der Kirchenväter, S.63).

Von Anfang an hatte Tertullian einen Hang zu rigoristischer Moral und strenger Askese, weshalb er den Montanisten zugeneigt war und sich vermutlich im Jahr 207 auch ihnen anschloss. Die Montanisten waren damals das, was wir heute vielleicht Pfingstler nennen würden, d.h. sie glaubten an neue Offenbarungen und Propheten und lebten in radikaler Askese und Selbstverleugnung. Da sich die Erwartung eines nahen Weltendes nicht erfüllt hatte, wurde die Kirche allmählich behäbiger und entwickelte zunehmend starre Strukturen. Diesen Ermüdungserscheinungen begegnete der Montanismus mit einer Rückbesinnung auf urchristliche Wurzeln in einer schwärmerisch-endzeitlichen Verkündigung. Obwohl diese Bewegung grundsätzlich rechtgläubig war, wurde sie von der Kirche zunehmend als spalterische Gefahr gesehen, da der Montanismus die Abgeschlossenheit des biblischen Kanons und der Lehre infrage stellte. Deshalb wurde er in den Folgejahren zur Häresie (Ketzerei) erklärt. Es ist erstaunlich, dass Tertullian bei all seinem Scharfsinn und seiner üblichen Klarsichtigkeit nicht merkte, wie unnüchtern und ungereimt die Ansichten dieser Sekte waren. Vielleicht war es sein Hang zur maßlosen und überspannten Leidenschaft und seine Abscheu vor Mittelmäßigkeit, dass er hier Kompromisse einging. Da sich Tertullian positiv über den Gründer Montanus äußerte, ging Hieronymus sogar davon aus, dass Tertullian eine eigene Kirche gegründet habe. Daher wird er in der Katholischen Kirche bis heute auch nicht als Heiliger verehrt. Von den Orthodoxen wird er sogar als Quelle einer schlechten theologischen Tendenz angesehen, die sich in Augustinus fortsetzte und 1054 schließlich zum Bruch zwischen West- und Ostkirche führte.

Das literarische Werk Tertullians ist beträchtlich. Er behandelt in seinen Schriften die mannigfaltigsten Themen. Tertullian befürwortet ein kämpferisches Christentum, das der heidnischen Welt die Stirn bot, ohne Brücken zu suchen. Das Apologeticum bleibt dabei sein Hauptwerk, eine sprühende und kraftstrotzende Komposition. „Ich werde die gegen uns vorgebrachten Anklagen nicht nur zurückweisen, ich werde sie gegen ihre Urheber kehren“ (Verteidigung des Christentums 4,1). Mit juristischer Präzision und harter Logik teilt er die Argumente wie Hammerschläge aus und macht keine Zugeständnisse an die Staatsgewalt. Es reicht ihm nicht, den Gegner zu überzeugen; er wirft ihn zu Boden und demütigt ihn. Ähnlich verfährt er mit den Falschlehrern. Das Wort „gegen“ verwendet er in vielen seiner Titel: „Gegen die Juden“ (Adversus Iudaeos), „Gegen Markion“ (Adverus Marcionem), „Gegen Hermogenes“ (Adversus Hermogenem), „Gegen die Valentianer“ (Adversus Valentianos), „Gegen Praxeas“ (Adversus Praxean). Immer wieder griff er die häretischen Lehrer seiner Zeit auch persönlich an. Er hält ihnen entgegen, dass Christus nur die Apostel beauftragt habe, seine Lehre zu verkündigen und sonst niemandem. Die Apostel wiederum haben sie den Gemeinden anvertraut, die sie gegründet haben. Damit weist er die unrechtmäßigen Ansprüche der Häretiker ab („Vom prinzipiellen Einspruch gegen die Häretiker“).

Dieser gefürchtete Inquisitor erregte bald auch schon über die Grenzen Karthagos hinaus Bewunderung und Schrecken zugleich. Er legte sich schließlich auch mit den zwei großen Kirchenlehrern seiner Zeit an, nämlich Origenes und Clemens von Alexandria, die beide davon überzeugt waren, dass das Evangelium am Ende siegreich sein werde und alle Menschen zum Heil in Christus finden. Von den sechs bekannten theologischen Schulen in den ersten fünf Jahrhunderten lehrten vier die Allversöhnung (P. Schaff, J. Herzog, Enzyklopädie des religiösen Wissens). Tertullian hingegen vertrat die Auffassung, dass die Ungläubigen in der Hölle endlos gequält werden bei vollem Bewusstsein. Die Strafe sei ein „nie endendes Töten“, während Clemens z.B. der Überzeugung war, dass Gott die Bestraften „um ihres eigenes Wohles willen züchtigt“, wohingegen eine nie endende Rache sinnlos sei und nichts anderes als „Böses mit Bösem zu vergelten“. Tertullian beeinflusste später den Kirchenvater Augustinus von Hippo, der ebenso scharf die Lehre von der Allaussöhnung ablehnte.