„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“

(Röm.13:12)

– Kann ein Kind Gottes noch verloren gehen? (Teil 2)

Ein Gespräch unter Brüdern

 

F: „Ich danke Dir, lieber Bruder R., dass Du Dir noch einmal die Zeit genommen hast, um über unser gemeinsames Thema zu sprechen. Seit unserem letzten Gespräch vor einem Monat habe ich mir nochmal Gedanken gemacht und mir ist jetzt auch klar, wo das Missverständnis besteht: Mir scheint, dass Du bisher nicht verstanden hast, dass man die wirklich Wiedergeborenen daran erkennt, dass sie bis ans Ende standhaft festhalten. Anders kann es gar nicht sein! Sonst würde der HErr doch wie ein Versager dastehen. Nein, Gott behüte! Das Heil hängt doch nicht von meiner Treue zu Gott ab! Schließlich heißt es doch: »Ihr seid um einen (hohen) Preis erkauft« (1.Kor.7:7)! Der HErr wird es nie zulassen, dass Er uns wieder verliert. ER ist schließlich der »Anfänger und Vollender unseres Glaubens« (Hebr.12:2). Wenn wir auch untreu sind, so ist Er doch treu (2.Tim.2:13), so wie geschrieben steht: »Der HErr aber ist treu, der euch befestigen und vor dem Bösen bewahren wird« (2.Thes.3:3). Und auch den Korinthern kann Paulus versichern: »Welcher euch auch befestigen wird bis ans Ende, dass ihr untadelig seid an dem Tage unseres HErrn Jesus Christus« (1.Kor.1:8).“

R: „Jawohl, das ist Gottes Verheißung, dass Er uns befestigen wird. Aber Er sagt ihnen im gleichen Brief auch eine weitere Bedingung für Seine Verheißung: »…Wenn ihr an dem Worte festhaltet, das ich euch verkündigt habe, es sei denn, dass ihr vergeblich geglaubt habt« (1. Kor.15:2).“

F: „Dieses vergebliche Glauben bezieht sich auf den Lohn, von dem es im 2.Korintherbrief heißt, dass ein jeder von uns Gläubigen eines Tages vor dem Richterstuhl Christi erscheinen wird, und dann bekommt er für seine Werke entweder Gutes oder Böses als Lohn (2.Kor.5:10), aber von der Möglichkeit des Verlorengehens ist hier ausdrücklich nicht die Rede! Das finden wir auch in 1.Kor.11:32 »Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom HErrn gezüchtigt, auf dass wir nicht mit der Welt verurteilt werden«. Ein Kind Gottes braucht sich also nie fürchten, dass es noch verloren gehen könnte, da es nicht mehr »mit der Welt verurteilt« wird!“

R: „Gott züchtigte einige der Korinther, indem Er sie sterben ließ, weil Er sie vor weiterer Sünde bewahren wollte. Dies finden wir auch bei jenem Sünder in 1.Kor.5, der »dem Satan übergeben« werden sollte durch gemeinsames Bittgebet im Namen des HErrn Jesus Christus, »zum Verderben des Fleisches, auf dass der Geist errettet werde am Tage des HErrn Jesus«. Wenn aber eine solche Fürbitte nicht erfolgt wäre und jener Sünder weitergelebt hätte mit seiner Sünde, dann wäre als Folge sein Geist nicht errettet worden am Tage des HErrn Jesus.“

F: „Nein, das ist ein unzulässiger Zirkelschluss. Wenn ein Christ abirrt und stirbt, dann erkennt Gott ihm nicht gleich seine Bekehrung ab, denn es heißt, dass »die Gnadengaben und die Berufung Gottes unbereubar sind« (Röm.11:29).“

R: „Ja, Gott bereut nicht, dass er uns und die Korinther berufen hat, damit wir Seinen Sohn als HErrn und Heiland erkennen und annehmen sollten. Aber dieses Anerkennen ist kein einmaliger Vorgang, der dann automatisch ewige Gültigkeit besitzt, sondern muss bis zum Ende unseres Lebens aufrecht erhalten werden: »Denn wir schreiben euch nichts anderes, als was ihr kennet oder auch anerkennet; ich hoffe aber, dass ihr es bis ans Ende anerkennen werdet« (2.Kor.1:13). Das Ende krönt, und nicht der Anfang (Offb.3:11).“

F: „Deswegen sollte sich ja auch der einzelne prüfen, ob er eigentlich wirklich gläubig ist, »es sei denn, dass ihr etwa unbewährt seid« (2.Kor.13:5). Erst die Bewährung durch Versuchung oder Verfolgung bringt es manchmal ans Licht, wer wirklich gläubig ist. »Der Tag wird es klar machen, weil er im Feuer geoffenbart wird« (1.Kor.3:13). Aus 1.Kor.3 geht aber auch deutlich hervor, dass nicht die Gläubigen ins Gerichtsfeuer kommen, sondern nur ihre Werke. Im schlimmsten Fall haben sie eben dann keinen Lohn, aber sie selbst sind wenigstens gerettet, »doch so wie durchs Feuer« (1.Kor.3:15).

R: „Diese Stelle darf man nicht aus dem Zusammenhang reißen, denn sonst wird ihr Sinn entstellt. Paulus spricht zuvor von Baustoffen, die von den Bauleuten am Hause Gottes verwendet werden können, und deren Brennbarkeit sich am Tage des Gerichtes herausstellen wird. Diese Bauleute sind die Verantwortungsträger der Gemeinde, und die Baustoffe sind die einzelnen Gemeindeglieder. Es gibt heute Evangelisten, durch deren Verkündigungen sich jedes Mal Hunderte oder sogar Tausende bekehren. Man kann zwar auch mit Holz und Stroh schöne Häuser bauen, aber solche Baustoffe werden dem Feuer von Prüfungen nicht standhalten. Wer jedoch nur auf große Zahlen setzt, aber sich nicht für die »Feuerfestigkeit« der Baustoffe interessiert, der muss am Ende feststellen, dass all jene im Bewährungsfall wieder abfallen und verloren gehen, auch wenn er als Prediger selbst errettet wird.“

F: „Es ist hier aber nicht von Menschen die Rede, sondern von »Werken«, die verbrennen: »Wenn das Werk jemandes verbrennen wird…“

R: „Ja, aber es geht hier nicht um irgendwelche Werke, sondern um ein Bauwerk, nämlich um den »Bau Gottes«. Deshalb sagt er auch zwei Verse weiter: »Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und solche seid ihr« (1.Kor.3:17).“

F: „Meinetwegen. Aber »verbrennen« tun in diesem Fall nur die falschen Christen, die sich nie richtig bekehrt haben, sondern nur Mitläufer waren. Ein echter Christ hingegen kann immer wieder Fehler machen, aber er wird trotzdem wie jener Prediger durchs Feuer errettet, denn das wird hier ja ausdrücklich gesagt.“

R: „Das Wort Gottes unterscheidet zwischen solchen, »die Gott nicht kennen«, und solchen, »die dem Evangelium unseres HErrn Jesus Christus nicht gehorchen«. Letztere sind Christen, die an das Evangelium geglaubt haben, diesem jedoch letztlich »nicht gehorcht« haben. Von beiden Personengruppen wird aber gesagt, dass sie »Strafe leiden werden, ewiges Verderben vom Angesicht des HErrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke« (2. Thess.1:8-9). Nur der Gehorsam zu den Geboten des HErrn kann mir letztlich die wirkliche Sicherheit geben, das Heil nicht zu verlieren, so wie geschrieben steht: »Vollendet worden, ist Er allen, die Ihm GEHORCHEN, der Urheber ewigen Heils geworden« (Hebr.5:9).“

F: „Ich kann nur immer wieder betonen: Unser Heil hängt nicht von unserem Gehorsam oder unserer Treue zum HErrn ab; denn sonst könnte der Mensch sich ja noch seiner eigenen Werke rühmen. Stattdessen aber sieht Gott nur auf das vollbrachte Werk Seines Sohnes am Kreuz und uns als einsgemacht mit Ihm! Wir sollen natürlich auch gehorchen – das ist klar; aber davon hängt nicht unsere Stellung vor Gott ab als Erlöste. Man muss nämlich unterscheiden zwischen unserer STELLUNG vor Gott und unserer BEZIEHUNG zu Gott. Es kann Phasen im Leben eines Christen geben, wo er keine Lust hat, in der Bibel zu lesen oder zu beten. Aber das bleibt bei einem echten Kind Gottes nie ein Dauerzustand. Wer sich schwach im Glauben fühlt, darf sich durch das Wort trösten und ermuntern lassen: »Ein geknicktes Rohr wird Er nicht zerbrechen, und einen glimmenden Docht wird Er nicht auslöschen« (Matth.12:20). So geschah es ja auch bei dem Vater des besessenen Knaben, der dem HErrn Jesus zurief: »Ich glaube; hilf meinem Unglauben!« (Mark.9:24). »Der Mensch kann sich nichts nehmen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben« (Joh.3:27). Sogar der Glaube ist eine Gabe Gottes (Eph.2:8).“

R: „Die unbiblische Unterscheidung zwischen Stellung und Beziehung ist eine theologische Wunsch-Konstruktion, die einer gründlichen Schriftbetrachtung nicht standhält. Sie kann aber fatale Folgen haben für ein Kind Gottes, weil dadurch allmählich das Gewissen bezüglich der Sünde abgestumpft und die Gottesfurcht untergraben wird. Mit einer solch ungesunden Lehre ist niemandem gedient, sondern sie verführt zu einer falschen Sorglosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber den heiligen Warnungen der Schrift vor dem »Gericht am Hause Gottes« (1.Petr. 4:17). Es ist die Lüge der alten Schlange: »Mitnichten werdet ihr sterben! sondern Gott weiß…« (1.Mos.3:4). Am Ende wird sich kein Gläubiger vor Seinem HErrn herausreden können mit der Antwort des faulen Knechtes, dass er doch trotz all seines Versagens immerhin das anvertraute Gut des Glaubens bewahrt habe. »Denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß« (Joh.3:34) – will heißen: Gott beschränkt die Gabe Seines Geistes nicht mehr wie im Alten Bund für eine bestimmte Aufgabe und eine bestimmte Frist, sondern schenkt uns die ganze Fülle an Segnungen, damit wir damit haushalten können. Wir müssen aber darauf achthaben, dass wir Seinen Heiligen Geist »nicht betrüben« (Eph.4:30), denn dadurch machen wir uns Gott selbst zum Feind (Jes.63:10).“

F: „Und wie geht der Vers weiter?! : »…durch welchen ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung«. Der Geist Gottes ist der Garant dafür, dass wir unser Erbe antreten und die Erlösung des Leibes empfangen werden (Eph.1:14, Eph.4:30). ER wird bei uns »bleiben in Ewigkeit« (Joh.14:1). Wenn der Heilige Geist ewig bei den Gläubigen bleibt, wie können sie dann je in den Feuersee geworfen werden?“

R: „Der Geist Gottes bleibt dauerhaft in der Welt, um sie durch die Gläubigen zu »überführen von Sünde, von Gerechtigkeit und von Gericht« (Joh.16:8). Aber das heißt nicht, dass Er auch zwangsläufig in jedem einzelnen Gläubigen ewiglich bleiben muss. Auch Simon, der ehemalige Zauberer, glaubte dem Evangelium und empfing nach seiner Taufe mit allen den Heiligen Geist. Aber schon kurz darauf drohte er wieder ins Verderben hinabzufahren, weil er aus der Gabe Gottes ein Geschäft machen wollte (Apg.8:13-20). David schreibt in Psalm 51:13 »Den Geist Deiner Heiligkeit nimm nicht von mir!« Auch Saul ist in dieser Hinsicht eine abschreckende Warnung: Er empfing den Geist Gottes und konnte später sogar weissagen (1.Sam.10:6, 19:23). Und wenn er die Gebote des HErrn befolgt hätte, dann hätte der HErr sein »Königtum bestätigt auf ewig« (1.Sam.13:13). Stattdessen aber wurde Saul immer wieder ungehorsam, so dass eines Tages der Geist des HErrn von Saul wich und ein böser Geist vom HErrn ängstigte ihn (1.Sam.16:14).“

F: „Das ist aber die alttestamentliche Haushaltung, in welcher der Heiligen Geist nicht in den Gläubigen wohnte, sondern nur wirkte. Die Bitte Davids zielte also darauf ab, dass der Geist Gottes in seiner Wirksamkeit nicht von ihm wich, wie das bei dem ungläubigen König Saul der Fall gewesen war. Salomo hingegen ist ein Beispiel für einen Gläubigen, der in Sünde fiel und dennoch »geliebt war von seinem Gott« bis ans Ende (Neh.13:26).“

R: „Saul war KEIN ungläubiger König, sondern ein ungehorsamer. Nach dem Maßstab des Alten Bundes war Saul auf jeden Fall »gläubig«, nämlich ein von Gott Auserwählter, ja sogar der »Gesalbte des HErrn«, wie David ihn immer wieder ehrfurchtsvoll nennt. Er war kein »Unbeschnittener« wie die Philister, sondern gehörte zum damaligen Volk Gottes. Oder glaubst Du ernsthaft, dass Gott einen Ungläubigen erwählt hätte, um König über Sein Volk zu sein?! Er hatte sogar mutig gegen die Philister gekämpft und auch »die Totenbeschwörer aus Israel vertrieben« (1.Sam.28:9). Und wenn er weiter treu dem HErrn gedient hätte, dann hätte – wie ich schon sagte – der HErr sein »Königtum auf ewig bestätigt« (1.Sam.13:13)! Aber durch den Ungehorsam und die Treulosigkeit von Saul wurde ihm das Königtum wieder weggenommen, so wie auch heute ein Gläubiger seine Königswürde wieder verlieren kann. Von Salomo hingegen sagte Gott zu David: »Ich will ihm Vater sein, und er soll mir Sohn sein. Wenn er verkehrt handelt, werde ich ihn mit einer Menschenrute und mit Schlägen der Menschenkinder züchtigen. Aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen, wie ich sie von Saul habe weichen lassen, den ich vor dir weggetan habe« (2.Sam.7:14-15).“

F: „Trotzdem: Dies alles hat mit uns Kindern Gottes aus dem Neuen Bund nichts zu tun, denn von den Auserwählten des Neuen Bundes schreibt Petrus, dass wir gelangt sind »…zu einem unverweslichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, welches in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, die ihr durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt werdet zur Errettung, die bereit ist, in der letzten Zeit geoffenbart zu werden« (1.Petr.1:4-5). Oder willst Du etwa die Macht Gottes infrage stellen, als ob Gott nicht in der Lage wäre, uns bis auf den Tag der Errettung zu bewahren?!“

R: „Nein, das nicht, sofern wir uns bis zum Tag der Errettung von Gott bewahren lassen. Aber auch Petrus schreibt von solchen treulosen Gläubigen wie Saul, die zwar »den Befleckungen der Welt entflohen sind durch die Erkenntnis des HErrn und Heilandes Jesus Christus, aber wiederum in diese verwickelt, überwältigt werden«. Wie viele Gläubige heute leiden unter Depressionen wie Saul und behelfen sich mit romantischer Musik, anstatt ihre Beziehung zum HErrn wieder in Ordnung zu bringen. Der unreine Geist ist zwar durch die Bekehrung von ihnen gewichen, so dass ihr Herz vorübergehend »gekehrt und geschmückt« ist (Matth.12:43-45). Wenn sich aber der HErr Jesus aufgrund von permanenter Sünde von ihnen zurückzieht, dann ist »ihr Letztes ärger geworden als das Erste«. Petrus schreibt von ihnen: »Denn es wäre ihnen besser, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als, nachdem sie ihn erkannt haben, umzukehren von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot« (2.Petr.2:21).“

F: „Es werden Menschen beschrieben, die zunächst von der christlichen Lehre fasziniert waren und ihr Verhalten etwas »aufmöbelten«. Aber da es keine Sache des Herzens war, konnte es nichts Dauerhaftes sein. Sie kannten den Weg der Gerechtigkeit, aber sie haben ihn nie geliebt. »Es ist ihnen aber nach dem wahren Sprichwort ergangen: ‚Der Hund kehrte um zu seinem eigenen Gespei und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot‘« (Vers 23). Dieses Zitat veranschaulicht, dass sie sich nur äußerlich und nicht innerlich verändert hatten. Man kann ein Schwein aus dem Schlamm ziehen, blitzeblank schrubben und seinen Schwanz mit einem Schleifchen schmücken – doch ein Schwein bleibt ein Schwein mit der Liebe zum Dreck. Seine Natur ist unverändert, und das wird sich früher oder später zeigen. Die falschen Lehrer hatten nie Buße getan, ihre Seelen waren nicht gereinigt worden und deshalb blieb ihre Liebe zur Sünde auch ungebrochen.“

R: „Würdest Du Ananias und Saphira auch zu solchen zählen? (Apg.5:3-4).“

F: „Nein, Ananias und Saphira waren schon echte Gläubige, die sich aber von ihrer alten Natur zur Sünde haben verleiten lassen, weshalb sie durch ihren Tod von Gott gezüchtigt wurden.“

R: „Das klingt mir aber sehr voreingenommen und nachsichtig, so als wolle man die beiden Unglücklichen nicht noch zusätzlich belasten, indem man ihnen auch noch das Heil abspricht. Worin unterscheiden sie sich denn objektiv von den anderen, die »den Befleckungen der Welt entflohen sind durch die Erkenntnis des HErrn und Heilandes Jesus Christus, aber wiederum in diese verwickelt, überwältigt werden«? Du sagst ja selber, dass sie sich von ihrer alten Natur verleiten ließen. Petrus formuliert es sogar noch schärfer: »Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass Du den Heiligen Geist belogen … hast? … Nicht Menschen hast Du belogen, sondern Gott!« Das klingt ja schon beinahe wie die Lästerung des Geistes, von der der HErr Jesus sagte: »Wer aber irgend wider den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen« (Matth.12:32). Kann ein Kind Gottes den Heiligen Geist belügen bzw. Gott belügen und dennoch errettet werden?“

F: „Nun, wir wissen es nicht. »Urteilet nicht etwas vor der Zeit, bis der HErr kommt, welcher auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Ratschläge der Herzen offenbaren wird« (1.Kor.4:5).“

R: „Aber genau das tust Du doch die ganze Zeit schon! Jedes Mal wenn ich Dir Beispiele aus der Heiligen Schrift nenne, dann willst Du immer schon von vornherein »wissen«, wer von diesen allen angeblich nur ein falscher, d.h. nicht wiedergeborener Bekenner-Christ ist und wer hingegen als wahres Gotteskind anzusehen sei. Mir scheint es eine unaufrichtige Willkür zu sein, weil häufig die gleichen Kriterien für den einen, aber nicht für den anderen gelten sollen, je nach dem, wie es erforderlich ist, um die fromme Wunschlehre von der Unverlierbarkeit des Heils aufrecht zu erhalten. Maßstab sollte jedoch nicht die Kompatibilität mit unserer eigenen Wunschvorstellung sein, sondern ob und wie ein Sachverhalt mit allen Aussagen der Heiligen Schrift im Einklang zu bringen sei.“

F: „Ich bemühe mich genauso wie Du, mithilfe des Heiligen Geistes die Bibel so zu verstehen, dass jede einzelne Aussage nicht mit irgend einer anderen Stelle im Widerspruch steht. Aber es gibt nun mal auf der einen Seite einige fundamentale Aussagen wie Joh.5:24, die wie ein Fels in der Brandung stehen und auf der anderen Seite eine ganze Menge sog. »schwieriger Stellen«, die im Vergleich zu den Fundamentalstellen wie Sandkörner erscheinen und die man so interpretieren muss, dass sie nicht im Widerspruch zu diesen stehen. Man darf sein Haus (=Lehre) eben nicht auf Sandkörnern errichten, sondern muss es auf einen Felsen bauen“.

R: „Du kannst aber nicht willkürlich festlegen, welche Aussagen der Heiligen Schrift als unbedeutend anzusehen sind, sprich »Sandkörner« und welche fundamentale Bedeutung haben. Ein solcher Umgang mit dem Wort Gottes ist voreingenommen und öffnet der Unaufrichtigkeit Tür und Tor! Ich habe bis vor etwa einem Jahr selber an die Unverlierbarkeit des Heils geglaubt, weil mir diese Lehre einfach besser gefiel als die andere. Jahrelang habe ich die unzähligen Stellen, die das Gegenteil behaupteten, als »schwierige Stellen« abgetan und einfach überlesen, weil sie nicht in mein eigenes Wunschkonzept passten. Dabei gibt es kaum einen Brief im Neuen Testament, der nicht mehrfach von der Verlierbarkeit des Heils spricht. Sogar ganz unauffällige Stellen wie in Jak.2:13-14 bezeugen dies: »Denn das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat. Die Barmherzigkeit rühmt sich wider das Gericht. Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber nicht Werke? Kann etwa der Glaube ihn erretten?«“

F: „Aber ein echter Gläubiger hat eben Werke und ist auch gar nicht mehr in der Lage, unbarmherzig zu sein, weil der Geist Gottes dies nicht zulässt!“

R: „Wer mit seinem Glaubensbruder nicht in gleicherweise Erbarmen hat, wie er es selbst vom HErrn empfing, der wird den Peinigern überliefert, bis er all die Schuld, die Sein HErr ihm zuvor erlassen hatte, selber abgebüßt hat (Matth.18:32-35). ER redet hier also nicht von einem bloßen Bekenner, sondern von einem echten Gläubigen, dessen Sündenschuld zuvor erlassen wurde.“

F: „Es heißt dort aber nicht, dass er in die Hölle geworfen wird, sondern nur den Peinigern überliefert. Das können vielleicht auch irdische Quälgeister sein…“

R: „An anderer Stelle spricht der HErr von einem »Gefängnis«, aus dem man nicht entlassen wird, bis man den letzten Pfennig bezahlt hat (Matth.5:26).“

F: „Wir können aber gar nicht den letzten Pfennig unserer Schuld bezahlen (Ps.49:8), das konnte nur der HErr für uns tun; deshalb sind solche Androhungen rein hypothetisch. Der HErr will uns hier zeigen, dass wir rein theoretisch selber für unsere Schuld büßen müssten. Aber faktisch können wir das gar nicht. Ich vermute, dass der HErr hier den Ungläubigen droht, aber nicht den Gläubigen.“

R: „Der HErr Jesus redet hier aber doch zu Seinen Jüngern: Zuvor sagt er: »Gehe hin und versöhne dich mit deinem Bruder« (Vers 24). Und davor sagt er: »Wer irgend zu seinem Bruder sagen wird: ‚Du Narr!‘, der Hölle des Feuers verfallen sein wird« (Matth.5:22).“

F: „Das gilt nicht für uns, sondern eindeutig für Israel! Denn Er spricht ja in diesem Zusammenhang auch von der Verurteilung vor einem »Synedrium«, also der jüdischen Ratsversammlung. Und Er sagt dort auch: »Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar…« (V.23). Also eindeutig Alter Bund – Das hat mit uns nichts zu tun.“

R: „Davor sagt der HErr aber: »Ihr seid das Salz der Erde« und »Ihr seid das Licht der Welt«. Bist Du nicht das Licht der Welt? Außerdem willst Du doch nicht behaupten, dass die Bergpredigt nicht für uns Christen bestimmt ist.“

F: „Die Anweisungen gelten auch uns, aber die Strafandrohungen gelten nur den Unbekehrten aus dem jüdischen Volk“.

R: „Das ist das, was ich mit »unaufrichtiger Willkür« bezeichnet hatte. Wenn einem eine Stelle nicht passt, dann ist sie eben für die Juden gedacht. Dabei lesen die doch gar nicht das Neue Testament.“

F: „Das ganze Matthäusevangelium richtet sich vorrangig an Judenchristen.“

R: „Merkwürdig aber, dass es das einzige Evangelium ist, das gleich zweimal das Wort »ἐκκλησίᾳ« (Gemeinde, Versammlung, wörtl.: »Herausgerufene«) verwendet, nämlich in Matth.16:18: »Auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen« und in Matth.18:17: »Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der Versammlung; wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und der Zöllner«. Übrigens auch hier wieder der Hinweis, dass ein unbußfertiger Christ wie der in den Stand eines Heiden zurückversetzt werden kann.“

F: „Er sagt aber »WIE der Heide«, – nicht aber, dass er dadurch ein Heide geworden sei.“

R: „Und dann steht in Matth.24:13 noch: »Wer aber ausharrt bis ans Ende, dieser wird errettet werden«.“

F: „In Matthäus 24 geht es aber eindeutig um die Zukunft des jüdischen Volkes! Die oben genannte Aussage des HErrn handelt von der Zeit der Drangsal nach der Entrückung der Gläubigen. Es sind hier also nicht wahre Christen gemeint! Diejenigen, die in der Drangsal ausharren, sind treue Juden, die befreit bzw. errettet werden, wenn der HErr Jesus in Macht und Herrlichkeit erscheint.“

R: „Die Bekehrung der zwölf Stämme Israels beginnt nach der prophetischen Auslegung der Joseph-Allegorie wahrscheinlich schon im 2. Jahr der 7 »Hungerjahre« (1.Mos.45:6), wenn sich der HErr Jesus Seinen »Brüdern« als der wahre Messias zu erkennen geben wird und Er den »Geist der Gnade und des Flehens« über sie ausgießt (Sach.12:10). Aber die richtige Wehklage wird nach Matth.24 erst »nach der Drangsal jener Tage« stattfinden, wenn sie »den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit« (Matth.24:30). Erst dann wird der HErr Seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, um Seine Auserwählten zur Entrückung zu versammeln (V.31). Wenn die Entrückung der Gemeinde aber schon vor den 7 Jahren der Drangsal stattgefunden hätte, dann gäbe es ja überhaupt keine Prediger mehr auf Erden, die den 12 Stämmen das Evangelium predigen könnten, damit sie sich bekehren können (Röm.10:14). Und wie sollten die bekehrten Juden eigentlich in so kurzer Zeit noch Gelegenheit finden, das Neue Testament zu lesen und zu verstehen, für das sie sich zuvor nie interessiert hatten? Und wann bekommen sie in den 7Jahren überhaupt so viel Erfahrung im Glauben, dass sie noch ausreichend gelernt haben, bis zum Ende auszuharren, um nicht verloren zu gehen? Und warum sagt der HErr eigentlich nicht zu Seinen gläubigen Jüngern: »Jene Juden, die sich eines Tages in der Drangsalszeit bekehren werden, für sie gilt dann, wenn sie den Gräuel der Verwüstung sehen an heiliger Stätte, dass sie dann fliehen sollen«? Stattdessen aber spricht Er sie immer wieder selber an: »Wenn IHR sehen werdet…«, »Ihr werdet…«, »Wenn jemand zu Euch sagt…«, »Siehe, ich habe es Euch gesagt«! Wie kann man nur auf die Idee kommen, dass sich solche Worte an die derzeitigen »Feinde« des Evangeliums richten sollen (Röm.11:28)!“

 F: „Offensichtlich glaubst Du nicht, dass der HErr die Gemeinde gemäß Offb.4:1 noch vor der siebenjährigen Drangsalszeit entrücken wird. Durch die Entrückung werden viele falsche Christen plötzlich zu echten Christen und werden das jüdische Volk bekehren.“

 R: „Aber wie denn, wenn doch angeblich in 2.Thes.2:7 mit der Gemeinde auch der angeblich noch zurückhaltende Heilige Geist von der Erde aus dem Wege geschafft wird?! Kann man sich etwa auch ohne den Heiligen Geist bekehren? Außerdem steht in Offb.4:1 doch überhaupt nichts von einer Entrückung der Gemeinde! Aber lassen wir das, denn dies ist ein anderes Thema. Wir haben bisher noch nicht über die »törichten Jungfrauen« gesprochen (Matth.25:1-13).“

F: „Ja, das hat mich auch schon gewundert, dass Du diese noch gar nicht erwähnt hattest, wo sie doch als Paradebeispiel angesehen werden, um die Verlierbarkeit des Heils zu belegen. Dabei wird doch durch die Formulierung »törichte Jungfrauen« schon deutlich, dass es sich um verweltlichte Scheinchristen handelt, die sich selbst betrügen.“

R: „Nein. Jungfräulichkeit ist in der Heiligen Schrift immer ein Symbol für Unbeflecktheit und Keuschheit (d.h. Absonderung von der Welt). Es handelt sich hier also nicht um »Feinde des Kreuzes Christi«, sondern ganz im Gegenteil um äußerst fromme Gläubige, die »dem Lamme folgen, wohin irgend es geht«, denn sonst wären sie keine Jungfrauen (Offb.14:4). Die törichten haben sich jedoch mit dem, was sie vom HErrn bekommen haben – nämlich Lampen und Öl – zufrieden gegeben, aber sich nicht um zusätzliches »Erfülltsein« bemühen, wie es die klugen Jungfrauen durch ihre zusätzlichen Gefäße taten. Diese Geistesfülle erlangen wir nicht nur durch häufigeres Beten oder freiwilliges Studieren in der Bibel, sondern auch durch Bereitschaft zur Aufopferung, indem wir jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um dem HErrn unsere Liebe zu Ihm unter Beweis zu stellen, so wie es die Helden Davids taten. Das müssen keine großen Heldentaten sein, sondern gerade die Bereitschaft, im Geringsten Treue zu leisten, ist dem HErrn sehr kostbar. Viele laufen in der Rennbahn, aber nur einer erlangt den Preis (1.Kor.9:27). Die törichten Junggrauen begnügten sich mit ihrem Status, Hauptsache errettet zu sein, und brachten dadurch keine weitere Frucht hervor. Ähnlich wie der faule Knecht bewahrten sie zwar das Empfangene, aber sie vermehrten es nicht. Dadurch waren sie in der Zeit der Prüfung (»Mitternacht«) unbewährt, so dass ihre Lampen am Erlöschen waren.“

F: „Nicht ganz richtig! Nirgendwo steht, dass die Törichten auch Öl mitnahmen in ihren Lampen. Nur weil die Lampen bis Mitternacht brannten, muss dies nicht bedeuten, dass sie auch Öl enthielten, denn ein Docht kann auch ohne Öl eine Zeit lang brennen. Das war ja gerade ihre Torheit, dass sie kein Öl mitnahmen, d.h. nie den Geist Gottes besessen haben. Rein äußerlich machten sie alles mit, was die anderen taten, aber ihnen fehlte der Geist Gottes!“.

R: „Ein Docht kann ohne Öl überhaupt nicht lange brennen, sondern geht schon nach wenigen Minuten wieder aus. Nein, diese Auslegung funktioniert hinten und nicht, denn sie unterstellt dem HErrn nicht nur, dass Er ihnen Lampen ohne Öl mitgegeben habe, sondern führt bei der Gleichung Öl = Errettung zur Schlussfolgerung, dass man sich die Errettung auch erkaufen könnte, weil sie sich ja später tatsächlich Öl besorgt hatten bei den Verkäufern, aber dann trotz ihrer angeblich erlangten Errettung dennoch nicht an der Entrückung teilnehmen durften. Zudem suggeriert eine solche Auslegung, dass der HErr den Bekehrten zwar Lampen gibt, aber kein nötiges Öl, was bedeuten würde, dass sie gar nichts dafür konnten, dass ihre Lampen erloschen. Die Botschaft des Gleichnisses zielt aber darauf ab, dass wir rechtzeitig selber etwas dafür tun können und sollen, damit wir am Ende nicht mit leeren Händen dastehen. Wir sollen wirken »solange es Tag ist, denn es kommt die Nacht, da niemand wirken kann« (Joh.9:4). Wir sollen uns mit dem Geist füllen lassen (Eph.5:18) und durch fleißiges Arbeiten im Weinberg unsere »Vorratskammern« füllen (Spr.18:21). Die törichten Jungfrauen hingegen lebten zwar keusch und abgesondert von der Welt, aber sie hatten »die erste Liebe verlassen« und auch »die Einfalt gegen den Christus« (2.Kor.11:2). Sie hielten es nicht mehr für nötig, ihre Füße für den HErrn schmutzig zu machen, um Ihm die Herzenstür zu öffnen (Hohel.5:3, Offb.3:20). Wie Laodicäa waren sie »reich geworden« in ihren Augen und meinten, dass sie nichts weiter benötigten; und dabei sahen sie nicht die Gefahr, dass der HErr sie aus Seinem Munde speien könnte (Offb.3:16).“

F: „Wie gesagt, ich kann nur immer wieder betonen, dass es in der Christenheit sehr viel Selbstbetrug gibt, weil solche Scheinchristen nie eine echte Wiedergeburt erlebt haben. Ich glaube der Schrift, wenn sie sagt: »Der aus Gott geborene bewahrt sich und der Böse tastet ihn nicht an« (1.Joh.5:3). Verführt werden können nur die falschen Christen.“

R: „Waren die Kolosser denn z.B. »falsche Christen«, wenn Paulus ihnen eine Bedingung stellen muss, um das Heil nicht zu verlieren: »Sofern ihr in dem Glauben gegründet und fest bleibet und nicht abbewegt werdet von der Hoffnung des Evangeliums...«(Kol.1:23)?“

F: „Aber zuvor sagt er, dass es nur darum geht, die Kolosser »heilig und tadellos und unsträflich« vor Gott hinzustellen (V.22). Als Wiedergeborene konnte der Diabolos sie zwar durcheinanderbringen, aber nicht mehr antasten, weil Gott sie beschützte.“

R: „Der Böse kann uns nur solange nicht antasten, wie wir uns als Gläubige bewahren lassen. Sobald wir aber dem HErrn »von ferne folgen« wie Petrus (Matth.26:58), und nicht dem HErrn völlig anhangen auf dem Leidensweg, kann der Teufel uns sofort in Versuchung bringen, so dass wir den HErrn am Ende wie Petrus verleugnen. Diesen Gedanken finden wir auch in 1.Mo.3:15, dass die Schlange dem HErrn in die »Ferse« stechen würde. Das hebr. Wort עָקֵֽב׃ bedeutet eigentlich »das Nachfolgende«. Hier ist also die Gefolgschaft des Frauensamens gemeint, und zwar speziell jene, die Ihm nicht unmittelbar folgen, sondern mit Abstand. In einem Kommentar der GtÜ heißt es zu dieser Stelle:

»‘Du sollst ihm die Ferse schnappen‘ ist also eine Generalvollmacht bzw. einen Generalauftrag für die Satansschlange, die dem Christus nicht unmittelbar folgenden Nachfolger hart anzugreifen und unter ihre Gewalt zu bringen – und zwar mit dem positiven Ziel, die Zurückbleiber bzw. Nachhinker zur unmittelbaren Nachfolge zu bringen, ähnlich wie ein Hirtenhund den zurückbleibenden Schafen der Herde – im Interesse ihrer eigenen Sicherheit – Beine macht« (Kommentar zu Hebr.2:14 aus der GTÜ-Bibel von B. Fischer).“

F: „Klingt ja ganz interessant. Aber Du sagst damit ja selber, dass der Teufel die Herde nur zusammenhält, aber nicht zum Abfall verführen kann.“

R: „Der Teufel ist nicht nur ein gehorsamer Hirtenhund, sondern auch »ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge« (1.Petr.5:8). Er ist »der große Drache und die alte Schlange, der die ganze Erde (griech. οἰκουμένην = Ökumene!) verführt« und einen Krieg führt gegen den übrigen Samen des »Weibes«, d.h. die Gläubigen (Offb.12:9+17). Falsche Christen braucht er nicht erst verführen, weil sie ihm ohnehin gehören. Er möchte aber die wirklich Gläubigen verführen, weshalb Paulus warnt: »Ich fürchte aber, dass etwa, wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, also auch euer Sinn verderbt und abgewandt werde von der Einfalt gegen den Christus. Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfanget, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertrüget ihr es gut« (2.Kor.11:3-4).“

F: „Das ist nur hypothetisch, also rein theoretisch, deshalb sagt er »HÄTTET ihr es gut ertragen«. Ein wirklich Bekehrter kann weder einen anderen Geist annehmen, noch ein anderes Evangelium, weil der HErr dies gar nicht zulassen würde.“

R: „Und was ist mit den Galatern? Paulus wunderte sich, dass sie sich so schnell von dem, der sie in der Gnade Christi berufen hatte, »zu einem anderen Evangelium umwendet« haben (Gal.1:6).“

F: „Die Galater haben sich nur »bezaubern« lassen, weil sie den Unterschied zwischen Gesetz und Gnade noch nicht verstanden hatten (Gal.3:1). Sie hatten einen guten Anfang genommen durch den Geist Gottes, aber waren allmählich immer fleischlicher geworden, weshalb Paulus sie daran erinnert, den Kampf gegen das Fleisch wieder aufzunehmen. Aber ihre Errettung stellte Paulus keineswegs in Frage. Ein Kind Gottes kann nachlassen und fleischlich werden, aber dadurch keineswegs die Rettungstat Gottes rückgängig machen.“

R: „Das hatten die Galater auch geglaubt, weshalb Paulus sie ermahnte: »Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgendein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleische Verderben ernten…« (Gal.6:7-8). Und hier geht es nicht um ein Verderben des Körpers oder der fleischlichen Werke, sondern um ein Verderben der Seele. Wer die Werke des Fleisches »praktiziert« (πράσσοντες), also dauerhaft tut, der wird »das Reich Gottes nicht ererben« (Gal.5:21).“

F: „Das bezieht er aber auf jene Mitläufer-Christen unter den Galatern, die (noch) nicht wirklich wiedergeboren waren. Von diesen sagt er deshalb auch, dass er wegen einiger von ihnen »Geburtswehen« um sie leide, bis Christus in ihnen Gestalt genommen habe (Gal.4:19).“

R: „Nein, nicht wegen »einiger von ihnen«, sondern er spricht sie alle an. Paulus fürchtete um die Galater insgesamt, dass er an ihnen »nicht etwa vergeblich gearbeitet habe« (Gal.4:11), weil sie »der Wahrheit nicht (mehr) gehorchten«, obwohl sie zuvor einen vortrefflichen Anfangslauf zurückgelegt hatten (Gal.5:7). Er schreibt sogar: »Ihr seid abgetrennt von dem Christus, so viele ihr im Gesetz gerechtfertigt werdet; ihr seid aus der Gnade gefallen...« D.h. sie waren schon mal IN Christus bzw. IN der Gnade, standen jetzt aber im Begriff von Christus »abgetrennt« zu werden bzw. »aus der Gnade zu fallen«.“

F: „Das muss aber nicht bedeuten, dass ein Gläubiger durch seinen Ungehorsam das ewige Heil verlieren kann. Aus der Gnade fallen bedeutet, sich aus dem Bereich der Gnade Gottes in den Geltungsbereich des Gesetzes zu begeben. Wer wie die Empfänger des Galaterbriefs das Gesetz vom Sinai und die Beobachtung seiner Vorschriften als Richtschnur für sein Glaubensleben wählt, verlässt die Gnade als Grundlage seiner Beziehung zu Gott und ist damit »aus der Gnade gefallen«.“

R: „Damit ist er aber auch »abgetrennt von dem Christus«, denn diese Ausdrucksweisen werden hier ja als Synonyme gebraucht. Kann man denn wohl »abgetrennt von dem Christus« sein, ohne dadurch auch zugleich sein Heil verloren zu haben?“

F: „Wohlgemerkt: das ist rein hypothetisch. Wer wirklich IN Christus ist, der ist eine neue Schöpfung und ist gar nicht mehr in der Lage, sich von Christus abzutrennen, weil er völlig erneuert wurde durch den Geist Gottes. Paulus spricht diese Warnung nur deshalb aus, um die Galater an das zu erinnern, was ihnen ohnehin völlig klar sein musste. Der HErr Jesus sagt, dass nur jene Pflanzen ausgerissen werden, die der himmlische Vater nicht gepflanzt hat (Matth.15:13). Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass alle anderen nicht ausgerissen werden, weil sie IN CHRISTUS gewurzelt und gegründet sind.“

R: „Wenn eine Rebe keine Frucht bringt, dann nimmt der HErr sie weg, – so sagt Er es in Johannes 15:2. Und dabei ist es interessant, zu sehen, dass Er selbst der wahre Weinstock ist und wir als Reben IN IHM sind. Trotzdem aber sagt Er, dass wenn jemand in einem konkreten Bewährungsfall nicht in Ihm verbunden bleibt, dann wird er nach draußen geworfen, um zu vertrocknen und ins Feuer geworfen zu werden (Joh. 15:6). Hier wird also deutlich, dass er zuvor aber IN Christus war!“

F: „Dies lässt sich möglicherweise mit Römer 11 erklären: Wir wurden ja alle als Heiden wie wilde Zweige »in den edlen Ölbaum eingepfropft«. Dabei kann es aber im Einzelfall passiert sein, dass dieser Einpfropfungsvorgang nicht immer den gewünschten Erfolg erzielt hat, sondern einzelne Zweige nie mit dem Saft des Ölbaums in Verbindung gekommen sind und daher fruchtlos blieben. Viele folgten Jesus nach, aber es musste sich zeigen, ob sie wahrhaftige Jünger waren. Ein Weinstock hat viele Reben, aber ob eine wirkliche »Lebensverbindung« zu dem Weinstock besteht, macht erst die Frucht offenbar. Wenn eine Rebe keine Frucht bringt, nimmt der Vater sie weg (V. 2). Es heißt nicht, dass die Rebe keine Frucht mehr bringt, sondern dass sie keine bringt, also noch nie welche gebracht hat. Das ist ein Bild von Ungläubigen, die das neue Leben und den Geist nicht haben, und deshalb nicht fähig sind, die Frucht des Geistes hervorzubringen. Das gilt auch für die Person in Vers 6, die nicht in Christus bleibt. »Bleiben« ist der erkennbare Ausdruck einer inneren Lebensverbindung mit dem Sohn Gottes, durch die ein wahrer Christ gekennzeichnet ist. Bei einem solchen fällt der gute Same des Wortes nicht auf das Steinichte oder unter die Dornen, weil es dort keine Chance hat, Frucht zu bringen, sondern auf einen von Gott zubereiteten Boden (Matth.13:19-23). Wo wirklich »neuer Wein in neue Schläuche« gefüllt wurde, da wird auch beides zusammen erhalten bis zum Ende (Luk.5:38).“

R: „Die Theorie vom gescheiterten Einpfropfen hinkt auf allen Seiten und ist nur ein weiterer Versuch, die Schuld für ein misslungenes Glaubensleben auf Gott zu schieben. Denn wenn die Fruchtlosigkeit ja nur durch das missglückte Einpfropfen verursacht wurde, dann kann die Rebe ja gar nichts dafür, dass sie fruchtlos bleibt. »Gott aber sei wahrhaftig, jeder Mensch aber ein Fälscher!« (Röm.3:4). Der »wahre Weinstock« deutet auf jenes Gleichnis in Jes.5:1-7 hin, wo Gott schon einmal einen Weinberg pflanzte, nämlich Israel, in der Erwartung, dass er Frucht brächte, aber er brachte nur Herlinge (d.h. spät entwickelte, unausgereifte, saure Trauben, deren Ernte sich kaum lohnt). Die Geschichte wiederholt sich und hat mit dem Ölbaum aus Römer 11 nun wirklich nichts zu tun. Dein Hinweis auf die Saat, die auf das Steinichte bzw. unter die Dornen fiel ist aufschlussreich, denn genau dort geht es um Christen, die aus verschiedenen Gründen keine Frucht mehr bringen. »Nur für eine Zeit« (Vers 21) kann theoretisch auch 20 oder 30 Jahre andauern, bis irgendwann der Glaube abstirbt. Es heißt dort übrigens nicht, dass solch ein Saatgut »keine Frucht« bringt, sondern in der Fußnote der Elberfelder Übersetzung heißt es: »W. er (es) wird unfruchtbar«, d.h. es gab schon mal Frucht, aber die Sorgen des Lebens und der Betrug des Reichtums bewirkten, dass das Saatgut unfruchtbar wurde. Das sind genau jene Christen, von denen ich die ganze Zeit spreche, die zwar wiedergeboren sind, aber letztlich keine bleibende Frucht zur Ehre des HErrn hervorbringen und deshalb »ins Feuer geworfen« werden (Joh.15:6).“

F: „Mit Feuer könnte aber auch eine Art Züchtigung gemeint sein und nicht der Feuersee. Denn Petrus schreibt ja auch uns Gläubigen, dass Gott langmütig gegen uns ist, »weil Er nicht will, dass irgend welche verloren gehen, sondern alle zur Buße kommen« (2.Petr.3:9).“

R: „Ich glaube schon, dass hier der Feuersee gemeint ist, denn in Offb.2:11 wird den Überwindern verheißen, dass sie »nicht beschädigt werden von dem zweiten Tode«, also dem Feuersee. Im Umkehrschluss wird jeder, der nicht überwindet, von dem zweiten Tod beschädigt.“

F: „Das ist wahr; nur darf man nicht übersehen, dass es für einen wahren Gläubigen charakteristisch ist, zu überwinden. Johannes, der Schreiber der Offenbarung, bezeugt das in seinem ersten Brief: »Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube. Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?« (1.Joh.5:4.5). Demzufolge muss sich ein Kind Gottes keine Sorge machen, dass es noch in den Feuersee geworfen werden kann.“

R: „Du versuchst jedes Mal, die Warnungen des HErrn zu verharmlosen, indem Du sie als für Gläubige nicht gültig darstellst und sie auf unbekehrte Namenschristen abwälzt. Aber redet der HErr in den Sendschreiben etwa zu Gemeinden, die nur aus bloßen Namens-Christen bestehen (2.Tim.3:16)? Meinst Du, »dass die Schrift vergeblich redet« (Jak.4:5)? Oder brauchen wir heute nicht mehr auf das hören, »was der Geist den Versammlungen sagt«? Durch die ständige Behauptung »Nur für Israel! « oder »Nur für Unbekehrte! « hebst Du die Worte Gottes auf und setzt Deine eigene Überlieferung an dessen Stelle (Mark.7:9). Ich bin jetzt aber mal gespannt, ob Dir das auch bei dieser Ankündigung des HErrn gelingen wird: »Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buche des Lebens und werde seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln« (Offb.3:5). Wie kann es sein, dass der HErr hier von der Möglichkeit spricht, dass der Name eines bereits Erretteten wieder aus dem Buch des Lebens gelöscht wird, wenn das doch nach Deiner Theorie unmöglich ist?“

F: „Nun, wir wissen, dass es mehrere Bücher gibt, in denen Unerrettete und ihre Werke verzeichnet sind (Offb.20:12+15). Das andere Buch, welches das des Lebens ist, beinhaltet die Namen derer, die von Grundlegung der Welt zum ewigen Leben verordnet waren (Offb.13:8, 17:8, Apg.13:48). Man könnte natürlich jetzt auch annehmen, dass alle Menschen ursprünglich mal von Grundlegung der Welt an im Buche des Lebens stehen und dann jeweils nach und nach gelöscht werden, sobald sie das Heil ausgeschlagen haben, so dass am Ende nur noch die Gläubigen übrig bleiben, – aber dafür haben wir keinen Beleg in der Heiligen Schrift. Gott hatte in 2.Mos.32:33 nur in den Worten von Moses im vorigen Vers gesprochen, so wie es Moses verstehen konnte, und David spricht im Psalm 69:28 wohl ebenfalls nur aus der Sicht und dem Verständnis der Gläubigen im Alten Testament, als »Leben und Unverweslichkeit« noch nicht ans Licht gebracht waren durch das Evangelium (2.Tim. 1:10). Möglicherweise stehen alle möglichen Menschen im Buche des Lebens, die bei Gott schon mal in die engere Wahl gekommen sind, um errettet zu werden, d.h. auch jede Menge Mitläufer, die dann nach und nach gelöscht werden.“

R: „Wenn im Buche des Lebens auch Mitläufer stehen würden, die später ausgelöscht werden, dann würde sich Paulus in Phil 4:3 gewiss etwas konkreter ausgedrückt haben: »…und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buche des Lebens sind«. Außerdem heißt es weder von den Unerretteten, dass sie »nicht mehr« im Buche des Lebens angeschrieben stehen, noch heißt es von den Erretteten, dass sie »immer noch« in demselben Buche angeschrieben sind (Offb.21:27).“

F: „Mir fällt gerade noch eine weitere Stelle ein, die zeigt, dass im Buche des Lebens nur echte Kinder Gottes stehen können: »Doch darüber freuet euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freuet euch aber, dass eure Namen im Buche des Lebens angeschrieben sind« (Luk.10:20). Was wäre es auch schon für eine Freude für uns, wenn neben unseren auch die Namen aller anderen Menschen im Himmel angeschrieben sind.“

R: „Jawohl! Aber diese Stelle hätte jetzt eigentlich von mir kommen müssen. Wenn Du aber einräumst, dass nur echte Kinder Gottes im Buche des Lebens angeschrieben stehen, dann gibst Du damit indirekt zu, dass es möglich ist, dass ein Kind Gottes aus dem Buch des Lebens gelöscht werden kann.“

F: „Stimmt. Da muss ich passen. Diese Stelle hat mich in meiner Argumentation »Schachmatt« gesetzt. Wer hätte das gedacht! Mir fällt wirklich keine weitere Möglichkeit ein. Es sei denn vielleicht, dass ein Löschen aus dem Buch des Lebens nicht gleichbedeutend ist mit einem Verlorengehen.“

R: „Du vergisst Offb.20:15 »Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buche des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen«.“

F: „Auch wieder wahr. War mir gerade entfallen. Ich muss zugeben, dass dies wirklich eine schwierige Stelle ist. Aber das bedeutet nicht, dass ich deshalb meine Hoffnung auf die Unverlierbarkeit des Heils aufgeben muss. Denn nur weil ich keine Erklärung habe für Offb.3:5 muss das nicht heißen, dass es sie nicht gibt.“

R: „Es gibt ja eine Erklärung dafür, aber diese willst Du nicht wahrhaben. Stattdessen windest Du Dich wie ein Aal, weil Du Angst hast, dass Dein schönes Lehrgebäude einstürzt. Dieses ist aber nicht auf dem Felsen des Wortes Gottes, sondern auf Sand gebaut. »Gott hat den Menschen aufrichtig geschaffen, sie aber suchten viele Konstruktionen« (Pred.7:29).“

F: „Du bist aber selber häufig ausgewichen und bist auf einige Argumente gar nicht wirklich eingegangen.“

R: „Und die wären?“

F: „Zum Beispiel, wo ich Dir beim letzten Mal die bedingungslosen Tatsachen in Joh.10:28-29 nannte, da hast Du einfach nur behauptet, dass niemand wirklich immer auf die Stimme des Hirten höre und Ihm folge, so als ob der HErr sich hier geirrt hätte, wenn Er das so klar formuliert.“

R: „Der Eindruck täuscht. Man muss hier den Zusammenhang beachten: Der HErr spricht ja dort zu den Pharisäern, die Er mit diesen Worten beschämen will: »Ihr seid nicht von meinen Schafen«, weil sie eben nicht auf Seine Stimme hörten im Gegensatz zu Seinen echten Schafen (Joh.9:40, 10:26). Die Pharisäer glaubten, dass sie allein schon durch ihren äußeren Status einen Anspruch auf das ewige Leben hätten ohne dass sie auf den HErrn Jesus angewiesen wären. Es ging Ihm also darum, sie eifersüchtig zu machen, damit auch sie das Verlangen bekämen, Seine Schafe zu werden. Aber auch ein Schaf oder eine ganze Herde kann sich täuschen und verführen lassen, wenn sie irgendwann nicht mehr auf ihren Hirten hört, sondern einem verderblichen Wolf im Schafspelz nachläuft, wovor Paulus die Gemeinde in Ephesus eindringlich warnt (Apg.20:28-30). Warum fordert der Apostel sie auf zur Wachsamkeit, wenn sie doch ohnehin nicht mehr verloren gehen können?“

F: „Du willst also sagen, dass der HErr dort nicht die ganze Wahrheit gesagt hat, so wie Du ja auch behauptet hattest, dass der HErr in Matth.7:23 gelogen hat, als Er sagte, dass Er sie »NIEMALS gekannt« habe!“

R: „Es geht hier nicht um ein Lügen, sondern um ein Verleugnen. Natürlich kannte Er sie, denn sie haben ja vor Ihm gegessen und getrunken, und auf ihren Straßen hat Er gelehrt (Luk.13:26). Aber Er will mit ihnen nichts mehr zu tun haben und verleugnet sie, so wie auch sie Ihn zuvor immer wieder in ihren Werken verleugneten (Matth.10:33, Tit.1:16). Sie haben sich zwar mit Seinem Namen geschmückt, aber durch ihre Liebe zur Welt nicht den Willen des Vaters getan. Aber nur, »wer den Willen des Vaters tut, bleibt in Ewigkeit« (1.Joh.2:17). Paulus sagt: »Wenn wir verleugnen, wird auch Er uns verleugnen« (2.Tim.2:12). War Paulus etwa ein Namenschrist, wenn er hier »wir« statt »ihr« schreibt? Auch Joseph verleugnete seine Brüder und sagte: »Ihr seid Kundschafter!« oder anders gesagt: »Ich kenne euch gar nicht; beweist mir erstmal, dass ihr es ehrlich meint« (1.Mos.42:7-17).“

F: „Ja, das passt schon. Joseph ist ja auch ein Bild auf Jesus. Aber letztlich hat sich ja Joseph doch zu ihnen bekannt, so wie der HErr sich ja auch noch Seinem Volke Israel zu erkennen geben wird. Und um diese geht es doch auch hier – und nicht um die Gemeinde aus dem Neuen Bund. Wir sind aus unverdienter und bedingungsloser GNADE errettet worden und können doch dem vollkommenem Werk unseres HErrn am Kreuz nichts mehr hinzufügen. Denn sonst wäre es doch keine Gnade mehr, sondern doch noch unser Verdienst, dass wir errettet wurden, oder nicht?“

R: „Der Begriff »Gnade« wird heute in einer Weise definiert, die der Heiligen Schrift fremd ist. Das griechische Wort »charis« bedeutet einfach nur »Freudebereitung« (von griech. »chará« = Freude) und ist die Freude, die man gibt, im Gegensatz zu »chará« für die Freude, die man nur hat. Aber die Gnade Gottes wird nicht einfach bloß sinnlos verschwendet, sondern ist immer auch mit einer klaren Absicht verknüpft: »…damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben sollen in dem jetzigen Zeitlauf« (Tit.2:12). Wir sollen der persönliche Heiligung nachjagen, »ohne welche niemand den HErrn schauen wird« (Hebr.12:14). Solche Worte sagt der Schreiber nicht den Namenschristen, welche noch nicht einmal die Anfangselemente des Glaubens verstanden haben, die er aber bei den Hebräern als erledigt voraussetzt (Hebr.5:12-14).“

F: „Aber gab es unter ihnen nicht auch solche, die ein »böses Herz des Unglaubens« hatten?“

R: „»Unglaube« bedeutet aber nicht automatisch »ungläubig«. Der HErr Jesus hat die Jünger immer wieder gescholten wegen ihres Unglaubens und fragte sich, wie lange Er sie noch ertragen könne (Mark.9:19, 16:14). Wenn ein Gläubiger nicht mehr glaubt, mit Gottes Hilfe im geistlichen Kampf das »verheißene Land in Besitz nehmen« zu können, sondern sich wie das Volk Israel wieder »nach Ägypten« zurücksehnt, dann muss er damit rechnen, wie jene vom HErrn verstoßen zu werden: »Weil ihr euch von der Nachfolge des HErrn abgewandt habt, wird der HErr nicht mit euch sein« (4.Mo.14:43).“

F: „Aber von ihren Kindern heißt es: »Er erblickt keine Ungerechtigkeit in Jakob und sieht kein Unrecht in Israel« (4.Mo.23:21), obwohl sie ebenfalls murrten und später sogar mit den Töchtern Moabs hurten.“

G: „Genau das ist die Lehre Bileams (Offb.2:14)! Vorsicht! Der Teufel weiß, dass er das Volk Gottes nur mit der Freundschaft zur Welt zu Fall bringen kann, denn durch geistliche Hurerei machen wir uns Gott zum Feind (4.Mo.31:16, Jak.4:4). Sie vertauschten den Gott der Heiligkeit gegen den Baal-Peor, den unkeuschen Liebesgott der Welt – so wie es auch heute landläufig in den Gemeinden geschieht. Und dabei beruft man sich weiterhin auf die Worte Bileams und hofft darauf, dass der HErr auch weiterhin »keine Ungerechtigkeit« im Volke Gottes erblickt, weil ja der HErr für alles bezahlt habe! Man sündigt fröhlich weiter und wähnt sich, durch seine Stellung vor Gott begnadigt zu sein.“

F: „Ja, da hast Du recht. Das ist leider so. Ich gebe meinen Widerstand auf. Mir ist jetzt klar geworden, dass Gott tatsächlich keinen Unterschied macht, sondern sogar echte Gläubige, die abgefallen sind, verloren gehen lässt. Das schmerzt mich tief in meinem Inneren, denn dann stellt sich für mich die nächste Frage, warum der HErr so wunderbare Verheißungen für die Auserwählten angekündigt hat, wenn es letztlich doch an ihnen selber liegt, ob sie diese Verheißungen auch am Ende erlangen.“

R: „Ja, das Thema Auserwählung oder Freier Wille ist auch so ein Streitpunkt, wo die Ansichten weit auseinander gehen, aber das sollten wir heute nicht mehr erörtern, sondern für das nächste Mal aufschieben, wenn wir uns wiedersehen. Wir können dem HErrn nur danken, dass Er uns in der Frage der Verlierbarkeit des Heils Einigkeit geschenkt hat, auch wenn dies sehr anstrengend war.“

 

 

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