„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“

(Röm.13:12)

Die Rufmord-Kampagnen von Stephanus Oertelt

 

Ermahne sie, über niemand schlecht zu reden und nicht zu streiten, sondern friedfertig zu sein und allen Menschen freundlich zu begegnen“ (Tit.3:2)

Bremen, den 01.07.2026

Liebe Geschwister im HErrn Jesus Christus,

In den letzten Monaten haben einige von Euch die Hetz-Kampagnen des Bruders Stephanus Oertelt (46) auf seinem YouTube-Kanal „Christenheit“ mitbekommen. Seit etwa drei Jahren äußert er sich dort kritisch zu verschiedenen Lehrauffassungen. Anfangs hatten seine Beiträge noch eher erbaulichen Charakter und erreichten nur eine relativ geringe Zahl an Aufrufen. Als Stephanus jedoch immer häufiger behauptete Sünden oder Irrlehren deutschsprachiger Bibellehrer wie Roger Liebi, Lothar Gassmann oder Tobias Riemenschneider thematisierte, schnellten die Aufrufzahlen in die Höhe und erreichten teilweise bis zu 23.000 Klicks. „Die Worte eines Gerüchteverbreiters sind wie Leckerbissen: man verschlingt sie mit großem Appetit“ (Spr.18:8). Möglicherweise hat gerade dieser Erfolg Stephanus gereizt, immer wieder neue Videos über bekannte Persönlichkeiten zu machen, um selbst bekannter zu werden und sich am Ruhm der Großen hochzuziehen. Dabei konstruierte er Skandale, wo keine waren, und veranstaltete mit Schmutzkampagnen regelrechte Hetzjagden auf die von ihm genannten Verführer. Er rechtfertigte seine öffentlichen Angriffe mit dem biblischen „Wächteramt“ oder dem Gebot zur Ermahnung, wobei er sich in Anlehnung an Lk.3:17 in wenig bescheidener Weise als „Worfschaufel“ Gottes bezeichnete. Dabei scheint er nicht zu bemerken, dass er im Grunde genau das Werk des Teufels verrichtet, der ja „der Verkläger der Brüder“ ist (Offb.12:10).

Sind Strafanzeigen gegen Christen erlaubt?

Ich hatte mich bereits vor einem Jahr in einem Video kritisch zu Stephanus’ Behauptungen zum Thema Wiederheirat geäußert. Inzwischen hat Lothar Strafanzeige wegen übler Nachrede gestellt, nachdem er erfahren hatte, dass Stephanus sämtliche Gemeinden vor ihm warnte, sobald dieser zu einem Vortrag eingeladen war. Wahrheitswidrig behauptet Stephanus, Lothar habe ihn aus Rache angezeigt, weil ihm dessen Kritik an seiner Lehrmeinung nicht gefalle. Dabei verkennt er offenbar den Sinn einer Strafanzeige. Sie dient nicht der Durchsetzung privater Interessen – dafür wäre der Zivilrechtsweg vorgesehen. Vielmehr soll sie dem Staat ermöglichen, Straftaten wie üble Nachrede (§ 186 StGB) oder Verleumdung (§ 187 StGB) zu verfolgen, um das Rechtsgut der persönlichen Ehre zu schützen. Öffentliche Rufschädigung kann die berufliche Existenz, die soziale Stellung und sogar die psychische Gesundheit eines Menschen schwer gefährden. Lothar hätte Stephanus zwar auch zivilrechtlich auf Unterlassung oder Schadensersatz verklagen können. Das wäre jedoch nach 1. Kor.6:1-4 problematisch, da wir als Christen eigenes Unrecht lieber ertragen sollten, statt es vor weltlichen Gerichten auszutragen. Hier geht es jedoch um das berechtigte, staatliche Interesse am Schutz des Rechtsfriedens und der Ehre. Da Stephanus völlig uneinsichtig bleibt und inzwischen als Wiederholungstäter auftritt, ist zu befürchten, dass er seine öffentlichen Anprangerungen fortsetzen wird – zum Schaden des christlichen Zeugnisses vor der Welt.

Biblische Bewertung von Stephanus´ Wächteramt

Ich schreibe Euch diese Zeilen nicht, um Stephanus anzuklagen oder um in einen Streit einzusteigen. Mein Anliegen ist eine sachliche, biblische Bewertung der Vorgänge. Die Heilige Schrift spricht sehr klar über die Macht der Zunge, über Verleumdung und über den richtigen Umgang mit Fehlern unter Geschwistern. Lasst uns gemeinsam in das Wort Gottes schauen. Stephanus beruft sich als Außenstehender auf Matthäus 18:15-17. Diese Stelle spricht jedoch vom persönlichen Unrecht („dein Bruder, der gegen dich sündigt“*) und von Konflikten innerhalb einer konkreten Ortsgemeinde. Stephanus gehört weder zur Gemeinde von Lothar Gassmann noch zu der von Tobias Riemenschneider. Er hat auch sonst keine geistliche Verantwortung oder persönliche Beziehung zu diesen Brüdern. Dadurch mischt er sich in Angelegenheiten ein, die ihn „nichts angehen“ („Dass doch niemand leide, … der sich in fremde Angelegenheiten einmischt“ 1.Petr.4:15). Nach dem Wort Gottes sind in erster Linie die lokalen Gemeinden für die Zucht und Aufsicht über ihre eigenen Lehrer verantwortlich sind (Apg.20:28, Hebr.13:17, 1.Tim.519-20). Bruder Dirk Noll hat dies zu Recht feststellt: Stephanus versucht hier, als externer „Wachhund“ ohne jede Autorität oder Beziehung eine Rolle zu übernehmen, die ihm nicht zusteht. Der HErr Jesus spricht in Mat.18:17 bewusst von „der Gemeinde“, also der Ortsgemeinde, die den Betroffenen kennt und deshalb ein faires, fundiertes Urteil sprechen kann. Ein Außenstehender kann keine Ferndiagnose stellen, weil ihm die vollständigen Informationen fehlen.

(* in den ältesten Handschriften fehlt der Zusatz „gegen dich“ EIS SE wörtl. „hinein in dich“)

 

Exkurs: Eine kurze, inhaltliche Bewertung der Wiederheirat

Bruder Lothar Gassmann (67) hat sich über die Umstände seiner Scheidung vor 30 Jahren bedeckt gehalten, weil er seine Frau nicht öffentlich zum Gesprächsthema machen wollte (Mt.1:19). Es ist aber dennoch durchgesickert, dass seine Frau wohl zuvor fremdging. Dies entspricht genau der Ausnahme in Mat.5:32 und 19:9 („außer wegen Hurerei“). Viele bibeltreue Ausleger sehen darin die Berechtigung für den unschuldigen Teil, sich scheiden zu lassen und erneut zu heiraten, ohne dadurch Ehebruch zu begehen. Diese Sicht wird zusätzlich gestützt durch 1.Kor.7:27-28, wo Paulus betont, dass ein „Gelöstwordener“ (ungewollt Geschiedener) „nicht sündigt“, wenn er wieder heiratet, auch wenn Paulus dies nicht ausdrücklich empfiehlt. Die Aussagen über die lebenslange Gebundenheit an den Mann bis zu seinem Tod gemäß Röm.7:1-3 und 1.Kor.7:39 beziehen sich ausdrücklich auf die „Frau“. Stephanus´ strenge Position, dass eine Wiederheirat grundsätzlich nicht möglich sei, ist eine vertretbare, theologische Meinung, aber keineswegs unumstritten. Problematisch wurde es dadurch, als er seine eigene theologische Auffassung zum allein gültigen Maßstab erhebt und jeden verurteilt, der nach einer plausiblen biblischen Begründung gehandelt hat. Das grenzt an das selbstgerechte Richten, vor dem der HErr ist Matth.7:1-5 warnt.

Die Eskalation zu öffentlichen Videos und Gemeindewarnungen

Um die Forderung aus Matth.18:15 wenigstens formell zu erfüllen, reiste Stephanus vor einem Jahr von Rumänien nach Pforzheim, um Bruder Gassmann nach einem Vortrag auf dem Flur seiner Gemeinde anzusprechen. Es ging ihm dabei offenbar nicht darum, Lothars Position wirklich zu verstehen, sondern primär darum, ihn aufzufordern, Stephanus´ Sicht als die einzig biblische anzuerkennen und entsprechend Buße zu tun. Nachdem Lothar dies zurückwies, holte sich Stephanus noch die Bestätigung von Jakob Tscharntke und Karl-Hermann Kauffmann, allerdings nicht, um diese als Zeugen zu befragen, sondern indem er Ausschnitte ihrer Predigten veröffentlichte. Selbst nach diesem fragwürdigen Schritt hätte der biblische Weg danach vorgesehen, dass er sich an die lokale Gemeinde des Betroffenen wendet, damit diese die Angelegenheit schiedsrichterlich entscheiden kann (Matth.18:17). Stattdessen folgte eine breite öffentliche Kampagne mit mehrstündigen Videos und Warnungen an andere Gemeinden. Diese Vorgehensweise geht weit über das hinaus, was Matth.18 vorsieht, und birgt die Gefahr in Verleumdung oder Rufschädigung umzuschlagen, auch wenn die ursprüngliche Absicht vielleicht eine ernsthafte Warnung vor Sünde war. Dem Leib Christi hat dies mehr geschadet als genützt.

Viele, die sich heute in der Tradition alttestamentlicher Propheten als Warner sehen, überhören dabei oft selbst die Warnungen der Bibel vor der eigenen Fehlbarkeit in Lehrfragen (Jak.3:1-2) und vor dem damit verbundenen Risiko, unbewusste Irrtümer unkontrolliert in die ganze Welt heraus zu posaunen: „Genauso ist es mit unserer Zunge. So klein sie auch ist, so groß ist ihre Wirkung! Ein kleiner Funke setzt einen ganzen Wald in Brand. Mit einem solchen Feuer lässt sich auch die Zunge vergleichen. Sie kann eine ganze Welt voller Ungerechtigkeit und Bosheit sein. Sie vergiftet uns und unser Leben, sie steckt unsere ganze Umgebung in Brand, und sie selbst ist vom Feuer der Hölle entzündet.“ (Jak.3:5-6). Ein YouTube-Video erreicht Tausende oder Zehntausende innerhalb von Stunden. Ein einmal verbreiteter Vorwurf lässt sich kaum zurücknehmen. So wird aus einem persönlichen Anliegen schnell ein öffentlicher Schlagabtausch, der ganze Gemeinden spalten und die Herzen vergiften kann. Die Bibel bezeichnet dies nicht als „Wächteramt“, sondern warnt davor als eine List des Feindes, um durch Ruhmsucht „ganze Häuser zu zerstören“ (Tit.1:11).

Gott hasst Rufmord und falsches Zeugnis

Man unterscheidet im Recht zwischen zulässiger Meinungsäußerung und strafbarer falscher Tatsachenbehauptung. Letztere erweckt den Anschein der Wahrheit, obwohl sie frei erfunden oder bewusst verzerrt bzw. übertrieben ist. Auch das Wort Gottes unterscheidet hier: Während es in 2.Mo.20:16 wörtlich heißt: „Du sollst nicht antworten/zeugen gegen deinen Nächsten als Zeuge der Lüge (hebr. eD SeQeR)“, geht 5.Mo.5:20 deutlich weiter und verbietet das Zeugnis des Wahnhaften, d.h. der eingebildeten, eigenen Wahrheit: „Und nicht sollst du antworten/zeugen gegen deinen Nächsten als Zeuge der Falschheit/ des Wahnhaften/ der Nichtigkeit (hebr. eD SchaW)“. Damit ist nicht nur die bewusste Lüge, sondern auch die absichtliche oder fahrlässige Erweckung eines falschen Eindrucks gemeint z.B. durch einseitige, tendenziöse Berichterstattung (man denke hier an den Correctiv-Artikel über die angebliche Potsdam-Verschwörung). Beides hasst Gott, besonders wenn es einem Wehrlosen schadet, da man von einem Zeugen vor Gericht erwartet, dass er in jeder Hinsicht die Wahrheit sagt. „Diese sechs Dinge hasst der HErr, diese sieben sind ihm ein Gräuel: stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen, ein Herz, das arge Ränke schmiedet, eilige Füße, die zum Bösen laufen, ein falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und wer Streit zwischen Brüdern anrichtet.“ (Spr. 6:16-19).

Verleumdung ist nicht dasselbe wie berechtigte Kritik an falscher Lehre. Die Bibel unterscheidet klar: Berechtigte Ermahnung und Wächterdienst (z.B. Hes.33, 1.Tim.5:20, Gal.6:1) geschieht in Liebe, zielt auf Wiederherstellung, erfolgt oft zunächst unter vier Augen (Matth.18:15-17) und stützt sich auf klare, überprüfbare Tatsachen und Zeugen. Bei Leitern gibt es sogar besondere Regeln (1.Tim.5:19: „Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an außer aufgrund von zwei oder drei Zeugen.“). Verleumdung und üble Nachrede dagegen verbreiten Vorwürfe öffentlich, oft einseitig, ohne vollständige Beweise oder ohne den Betroffenen vorher persönlich und liebevoll angesprochen zu haben. Sie zerstört den guten Ruf eines Menschen, indem einseitig nur die Sichtweise seines Kritikers verbreitet wird, so als ob es keine andere Sichtweise gäbe. Und genau das ist es, was viele Betroffene in diesen Tagen erleben. Die Bibel warnt eindringlich: „Redet nicht übel gegeneinander (od.: Tratscht nicht untereinander), liebe Brüder! Wer gegen seinen Bruder schlecht redet und seinen Bruder verurteilt, der redet schlecht über das Gesetz und verurteilt das Gesetz“ (Jak.4:11). „Legt also ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle Verleumdung“ (1.Petr.2:1). „Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch getan mit aller Bosheit.“ (Eph.4:31).

Das biblische Wächteramt in Hesekiel 33 dient der Warnung vor Gottes Gericht, damit Menschen umkehren. Es ist kein Freibrief für öffentliche Charakterzerstörung oder für einen „Krieg“ gegen Geschwister, die in anderen Punkten treu lehren und leben. Das Verhalten vom Stephanus wirkt auf viele gesund denkende Gläubige daher übergriffig und lieblos. Solche reißerischen Methoden (Clickbait-Titel, öffentliches „Zerlegen“, „zerstören“ oder „vernichten“ wollen), kennen wir aus der Welt. Aber einem Kind Gottes sollten sie fremd sein. Wer seine Miterlösten wirklich liebt, bedrängt sie nicht unnötig, sondern betet für sie und wartet geduldig, bis der HErr sie aus der Fangschlinge des Teufels befreit und ihnen Seinen Willen offenbart (2.Tim.2:25-26). Selbst in der Welt ist es verpönt, einem Freund seine Überzeugung mit Stalking-Methoden einfach aufzudrängen.

Wer war Daniel Werner?

Dieser selbstgerechte Duktus und dieses übergriffige Sendungsbewusstsein wird besser verständlich, wenn man den geistlichen Hintergrund von Stephanus betrachtet. Stephanus ist zusammen mit seinen zehn Geschwistern in Schmalkalden (Thüringen) geboren, aber nach der Wende in der von Daniel Werner geprägten Hausgemeinschaft in Sachsenheim aufgewachsen. Dort hat er seine gesamte theologische Prägung erhalten. Auch Stephanus’ Ausdrucksweise („Das ist kostbar!“, „Das ist ernst!“, „Das ist furchtbar!“) ist eine fast perfekte Nachahmung Daniel Werners, dem er jahrelang bis zu dreimal täglich zuhörte während der Wortbetrachtungen in Sachsenheim. Auch ich bin stark geprägt von ihm und habe dem Daniel sehr viel zu verdanken.

Daniel Werner (1922–2009) wuchs mit seinem Bruder Elieser und seiner Schwester Ruth in einem streng gläubigen Elternhaus in Peterswaldau (Schlesien) auf. Sein Vater Heinrich zwang die Kinder, ganze Psalmen auswendig zu lernen. Daniel empfand dies als Last und war erleichtert, als er im Zweiten Weltkrieg zur Wehrmacht eingezogen wurde. Während ein junger Glaubensbruder aus der Hausgemeinde wegen Kriegsdienstverweigerung hingerichtet wurde, diente Daniel in der 6. Armee unter Generaloberst Paulus und überlebte als einer von nur etwa 6.000 Soldaten die Schlacht von Stalingrad und die russische Gefangenschaft – körperlich und seelisch schwer traumatisiert. Nach seiner Rückkehr 1945 lachte er nie wieder. In Stuttgart bekehrte er sich am 13.12.1945 zusammen mit seinem Bruder bei einer Evangelisation der Volksmission (Pfingstbewegung). Beruflich arbeitete er zunächst als Staubsaugerverkäufer und später als Versicherungskaufmann bim Deutschen Ring, wo er bis zur Rente eine Führungsposition erreichte. Er heiratete die gläubige Schwäbin Magdalena; die Ehe blieb kinderlos.

Obwohl er zunächst in eine Pfingstgemeinde ging, blieb Daniel zeitlebens den Lehren des britischen Bibellehrers Percy W. Heward (1882–1948) treu. Hewards Einfluss verbreitete sich über Stanley C. Bown („Monthly Record“) und den Kardiologen Dr. Arthur Vincent, der in Mittel- und Südamerika zahlreiche „Gemeinden der gesunden Lehre“ gründete. Eine Besonderheit dieser Kreise war die strenge Lehre zum Abendmahl: nur ungesäuertes Brot und Traubensaft seien erlaubt, da nur sie die Sündlosigkeit Christi abbilden würden. Jede Abweichung galt als Lästerung, Kontakt zu anderen Christen als Sünde. So verließ auch Daniel die Volksmission und gründete mit Gustav Stadler eine eigene Hausgemeinde in Sachsenheim, die auf etwa 15 Geschwister wuchs. In den 1970er Jahren erkrankte er schwer an Magenkrebs. Nach einer Operation (Entfernung von zwei Dritteln des Magens) und einem Gelübde diente er fortan vollzeitig dem HErrn, reiste durch Deutschland und intensivierte die Schriftenverbreitung. 1980 schloss sich Edgard Böhnke (1926–2009) ihm an. Daniel unterstützte ihn zwei Jahre beim Aufbau einer Hausgemeinde in Bremen-Blumenthal. 1985 lernte ich Edgard kennen und zog 1986 bei ihm und seiner Frau Hedi ein.

Meine eigene Erfahrung

Von Anfang an war mir jeder Kontakt zu anderen Christen untersagt. Fünf Jahre lebte ich bei den Böhnkes wie in einem Kloster: kein Fernsehen, keine Musik, keine weltlichen Bücher – stattdessen feste Gebets- und Bibellesezeiten morgens, mittags und abends. Ein Studium wurde mir verboten; ich sollte die Oberstufe abbrechen und eine Lehre im Bauhandwerk machen. Daniel gab mir Hewards Schriften zum Übersetzen und förderte mich offenbar als möglichen Nachfolger. Bei meinen Besuchen in Sachsenheim erlaubte er mir, dass ich bis spät in die Nacht bei Schwester Christiane Hallich (26), der Ziehtochter von Daniel und Magdalena, verbringen durfte in der Wohnung nebenan. Daniels „Erziehungsmethoden“ waren jedoch so streng und rücksichtslos, dass ich 1991 die Gemeinschaft verließ. Daniel war tief enttäuscht und erklärte: „Mit Simon bin ich fertig!“ Nach einer Radtour durch Deutschland und einem Praktikum in einem rumänischen Kinderheim ging ich 1992 nach Peru. Stanley Bown wies die dortigen Gemeinden an, mich nicht aufzunehmen. Nur etwa die Hälfte folgte dieser Weisung. Durch Gottes Gnade konnte ich Ruth heiraten, die Tochter des leitenden Bruders in Peru, Luis Condori (1920–2006).

Nach Daniels Tod kam es in der Oertelt-Familie in Sachsenheim scheinbar zu Konflikten über eine mögliche Öffnung nach außen. Andreas und Johannes Oertelt verließen die Gemeinde und zogen nach Bremen. Ich fragte die Oertels 2015 bei einem Besuch in Sachsenheim, ob ich mit ihnen gemeinschaftlich verbunden sein könnte. Bruder Elieser (86) antwortete, dass sie mich niemals aufnehmen können, da ich an die Verlierbarkeit des Heils und an die Allversöhnung glaube. Ich erklärte dem Elieser, dass er nach Röm.15:7 verpflichtet sei, mich aufzunehmen, da ich ein Kind Gottes sei, und dass der HErr dies nicht ungestraft lassen würde, wenn er mich aus der Gemeinschaft der Gläubigen verstoße (vergl. 1.Sam.26:19). Eine Woche danach starb Elieser, und Benjamin Oertelt bestätigte mir, dass auch sie dies mit meiner Warnung in Verbindung brachten. Doch an ihrer exklusiven Haltung gegenüber Andersdenkenden änderte dies nichts. Später wurden auch Stephanus und seine Schwester Tabea ausgeschlossen und wanderten nach Rumänien aus, um der Schulpflicht in Deutschland zu entgehen.

Stephanus Oertelt, ein selbsternannter Deutschland-Wächter

Nach 1.Tim.3:2-3 soll ein Aufseher nicht nur besonnen und ehrbar sein, sondern auch rücksichtsvoll und streitvermeidend. Stephanus erfüllt diese charakterlichen Voraussetzungen nach meinem Eindruck nicht. Stattdessen scheint er durch pharisäische Überheblichkeit über „die Großen“ selbst zu den Größten gehören zu wollen (vgl. 3.Joh. 9-10). Sein Verhalten erinnert an Asael, den Sohn der Zeruja, der in 2.Sam.2:18-23 verbissen den Heerführer Abner jagte, um sich Ruhm zu erwerben. Trotz mehrfacher Warnungen ließ er nicht ab und bezahlte es mit dem Leben. Ähnlich hat sich Stephanus regelrecht in Lothar Gassmann verbissen, um einen angesehenen Bibellehrer zu Fall zu bringen, obwohl er vom Alter her dessen Sohn sein könnte (vgl. Jes.3:5).

In seinen Videos spricht er verächtlich vom „Rentner Gassmann“, nennt ihn einen „Egologen“ und bezeichnet dessen Strafanzeige als Verhalten eines „pubertierenden Jugendlichen“. Bibellehrern wie K. H. Kauffmann oder R. Ebertshäuser, die sich nicht von Lothar distanzieren wollten, wirft er vor: „Dein Teil war mit Ehebrechern“ (Psalm 50:18). Dabei verurteilt gerade Psalm 50 genau dieses Verhalten: „Du ließest deinen Mund los zum Bösen, und deine Zunge flocht Trug. Du saßest und redetest gegen deinen Bruder, über den Sohn deiner Mutter brachtest du Schande“ (Ps. 50:19-20).

Als ich Stephanus darauf hinwies, dass die Anzeige nicht wegen seiner abweichenden Meinung, sondern wegen übler Nachrede erfolgte, nannte er mich einen „Allversöhner“ und meinte, ich müsse erst mal wirklich gläubig werden. Solche Arroganz zeugt nicht nur von geistiger Unreife, sondern von Fleischlichkeit und Gesetzlosigkeit. Ein Gesetzloser ist nach Jes.57:20 „wie das aufgewühlte Meer; denn er kann nicht ruhig sein, und seine Wasser wühlen Schlamm und Kot auf“.

Ähnlich problematisch war die Vorgehensweise in der Frankfurter Gemeinde, wo Bruder Tobias Riemenschneider (42) vor sechs Monaten offenbar unrechtmäßig seines Amtes enthoben und exkommuniziert wurde. Die Begründung – er sei „zu autoritär“ und „zu politisch engagiert“ – ermangelt einer biblischen Substanz. Wenn es nicht noch andere Gründe gab, war das auf jeden Fall zu wenig. Auch hier mischte sich Stephanus sofort ein, obwohl es ihn nichts anging (1.Petr. 4:15, Spr.26:17). Etwas anderes wäre es gewesen, wenn Stephanus sich als Vermittler angeboten hätte, um zwischen den Streitparteien eine Schlichtung herbeizuführen (Jes.58:12; Matth.5:9; Jak. 3:8). Auch hätte er Gott um Versöhnung bitten können. Stattdessen verlor er offenbar schnell die Geduld und griff Gott vor. Dabei kann uns der HErr gerade in der Stille des Gebets zum Umdenken führen, „denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht sehen wir das Licht“ (Psalm 36:9).

Der HErr Jesus fordert uns zur Fußwaschung auf, nicht zur Kopfwaschung. Wenn wir verleumdet werden und „allerlei Böses lügnerisch“ gegen uns geredet wird, dürfen wir uns sogar freuen (Mat.5:11-12). Gott selbst sieht und richtet die Verleumder (Ps.101:5). Unsere Aufgabe bleibt es, „die Wahrheit in Liebe“ zu sagen (Eph.4:15), „in Sanftmut die Widersacher zurechtzuweisen“ und zu beten, dass Gott ihnen Buße schenkt (2.Tim.2:25). Ein treuer Diener des HErrn weint um der Irrenden willen (Ps.119:136; Jer.9:1; Hes.9:4) und hat teil am Herzen Gottes. Er veranstaltet jedoch keine öffentlichen Rufmord-Kampagnen, die Spaltungen unter den Gläubigen vertiefen, dem Ansehen der Gemeinde schaden und Junggläubige entmutigen. Wo wir selbst zu schnell geurteilt, zu wenig gebetet oder falsch geredet haben, brauchen auch wir Buße. Wo echte Irrtümer oder Sünden vorliegen, gibt es biblische Wege der Klärung; aber der Weg der öffentlichen Rufschädigung ist sicher nicht der Weg Jesu.

Seid dem Frieden Gottes und der Gnade unseres HErrn Jesus Christus befohlen!

Simon Poppe

 

 

Vorheriger Beitrag
Joy Bibel

Inhaltsverzeichnis

Etwas nicht gefunden?

Neuste Beiträge

Gastbeiträge

„Der ist kein Narr, der aufgibt, was er nicht behalten kann, damit er gewinnt, was er nicht verlieren kann.“

(Jim Elliott)