„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“

(Röm.13:12)

– „Stich-Worte“ Teil 8

  1. Hand(eln)

„Wenn ein Mensch seinen Weg zielstrebig gehen kann, dann verdankt er das dem HErrn, der an ihm Wohlgefallen hat. Selbst wenn er einmal stolpert, fällt er nicht, denn der HErr hält ihn fest an der Hand. (Ps.37:23-24)

Gottes Hand hält mich

Nur durch Gottes Hand haben wir Gelingen in unserem Tun, wie es auch der HErr erlebte: „Das Wohlgefallen des HErrn wird in Seiner Hand gelingen“ (Jes.53:10). Der HErr Jesus konnte sagen: „Der mich gesandt hat, ist mit mir; Er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das Ihm wohlgefällige tue“ (Joh.8:29, vergl. Luk.1:66). Der HErr wusste sich immer gehalten und getragen von Seinem Vater, weil Er allezeit tat, was Ihm gefiel. Genauso erging es auch Esra und Nehemia: Sie wussten in all ihrem Bemühen die „gute Hand Gottes“ über sich (Esra 7:6+9, 8:18+22, Neh.2:8+18). Kann es überhaupt ein größeres Glück auf Erden geben als die Gewissheit, dass Gott Seine Hand über uns hält?

In 1.Chr.4:10 befindet sich innerhalb von zehn Kapiteln eines Geschlechtsregisters, inmitten einer Wüste von Namen, auf einmal unerwartet ein kurzes Gebet, das vielen Christen wohl unbekannt ist: „Und Jabez rief zu dem Gott Israels und sprach: Wenn du mich reichlich segnest und meine Grenze erweiterst, und deine Hand mit mir ist, und du das Übel fern hältst, dass kein Schmerz mich trifft! Und Gott ließ kommen, was er erbeten hatte“. Jabez hatte mit seinem Glauben auch eine große Erwartung an Gottes Allmacht und war sich seiner Abhängigkeit von Ihm bewusst. Daher war sein kühnes Gebet kein Egoismus, sondern die Sehnsucht nach einem gelingenden Leben. Die Schmerzen seiner Mutter müssen nicht bloß Geburtswehen gewesen sein, sondern vielleicht eine chronische Schmerzkrankheit, unter der seine Mutter während vieler Jahre litt. Jabez sah diesem Leid wohl von Kind auf hilflos zu und sagte sich: „So will ich nicht leben!“ Und dann tat er das, was in Psalm 37:5 steht: „Befiehl dem HErrn deinen Weg und vertraue auf Ihn! Und Er wird handeln.“

Gottes erzieherisches Handeln

In allem Handeln Gottes erkennen wir Seine Hand, sei es in der Schöpfung (Hi.12:9, Jes.66:2), Seiner Fürsorge (Ps.145:16) oder in Seinem Erlösungswerk (Jes.50:2). Theoretisch hätte Gott auch auf eine Schöpfung verzichten oder sie sich selbst überlassen können. Aber dann wäre die Menschheit schon nach kurzer Zeit ausgerottet: „Wenn er wollte, könnte er Seinen Geist und Seinen Lebensatem aus dieser Welt zurückziehen, dann würde alles Leben mit einem Schlag sterben, und die Menschen zerfielen zu Staub“ (Hiob 34:14-15). Seines Willens wegen existieren wir, und das allein sollte uns schon zu täglicher Anbetung führen (Offb.4:11). Und Gott hält auch Seine Zusagen ein und setzt all Seine Pläne in die Tat um: „Was Er will, das tut Er auch – sei es im Himmel oder auf Erden, im Meer oder in den tiefsten Tiefen“ (Ps.135:6).

Ein Prediger fuhr einmal mit hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn, als er plötzlich sein Lenkrad lose in den Händen hielt. Er konnte zwar noch bremsen, aber nicht mehr einen schweren Unfall verhindern, bei dem sein 7-jähriges Enkelkind ums Leben kam. Aus der Schrift wissen wir, dass kein Unglück geschieht, ohne dass der HErr es zugelassen hat (Am.3:6). Wenn Gott nicht mehr zu uns reden kann, muss Er oftmals mit drastischen Mitteln in unser Leben eingreifen, damit wir endlich aufwachen und nicht mit rasender Geschwindigkeit weiter in unser Verderben gehen. Dass Gott die Seinigen durch Krankheit und Tod züchtigt, ist in der Schrift hinreichend bezeugt (z.B. 1.Kor.11:30, Hebr.12). Es ist dann für den Betroffenen besonders schmerzhaft, wenn auch noch andere über die Ursache spekulieren. Ein schwer kranker Gläubiger bekam einmal Besuch im Krankenhaus von einem Bruder aus seiner Gemeinde, der ihm zurief: „Wen der HErr liebt, den züchtigt Er!“ Der leidgeplagte Christ erwiderte daraufhin nur mit bitterem Sarkasmus: „Ach, Bruder, ich wünschte, dass der HErr Dich ebenso lieben möge wie mich!

Unfälle mit Todesfolge gehören sicher nicht zu den gewöhnlichen „Widerwärtigkeiten“ eines Gläubigen (Ps. 34:19) oder zu unserem „Kreuz“, das wir täglich tragen sollen (Luk.9:23), sondern sind eine sehr harte Maßnahme Gottes, durch die Er zu uns reden musste. Schlimm ist es, wenn wir dieses Reden einfach ignorieren und so weitermachen wie bisher. Als ich in meiner Jugend erfuhr, dass das christliche Bücher-Schiff Logos vor der chilenischen Küste havarierte und sich die Missionsgesellschaft OM daraufhin entschied, sich ein neues und größeres Schiff zu kaufen, musste ich unwillkürlich an Jes.9:9-10 denken (vergl. auch Jos.7:5-13, 2.Sam.6:6-8, Jes.22:11). Wenn wir irgendetwas verloren haben und es nirgends finden, dann will der HErr uns damit sagen, dass wir geistlich etwas verloren haben, z.B. die erste Liebe, nach dem wir suchen sollten (vergl. Luk.15:8). Wenn wir bestohlen wurden, will der HErr uns zeigen, dass auch wir andere bestohlen oder vernachlässigt haben (vergl.1.Sam.30:1-6). Heute Morgen klemmte z.B. mein Zündschloss, so dass ich zu spät zur Arbeit kam. Ich fragte den HErrn, und Er zeigte mir, dass ich auch im Geistlichen neuerdings „Startschwierigkeiten“ habe, indem ich in letzter Zeit häufig ohne meine Stille Zeit zur Arbeit fuhr, da ich zu spät aufgestanden war.

Wenn Gott unsere Pläne durchkreuzt (Hiob 17:11), dann schieben wir tendenziell gerne die Schuld auf andere Menschen oder den Teufel. Letzterer kann uns zwar auf den Wegen Gottes behindern (1.Thes.2:18), aber er vermag nicht, Gottes erzieherische Ziele an uns zu vereiteln. Seine Macht ist grundsätzlich gebrochen, aber Gott erlaubt ihm, uns zu verwirren und zu versuchen, wenn wir ihm Raum gegeben haben. Die Stelle in Mt.24:24, wo es heißt „um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu versuchen“, ist nicht in dem Sinne zu verstehen, dass die Auserwählten niemals versucht werden können, sondern wörtlich sagt der HErr „um so, wenn die Gelegenheit es ermöglicht, auch die Auserwählten zu versuchen“. Wenn wir nicht wachsam sind, dann nutzt der Feind sofort die Gelegenheit, um uns zu versuchen, und diese Gelegenheiten sind z.B. immer dann gegeben, wenn wir unzufrieden sind mit Gottes Handeln. Diese Unzufriedenheit drückt sich oft an der Empörung über das Fehlverhalten anderer aus: „Wie konnte er mir nur so etwas antun?! Das kann ich mir unmöglich bieten lassen!“ Oder aber: „Wie kann unsere Regierung nur so ein unsinniges Gesetz beschließen?! Da müssen wir uns zur Wehr setzen!“ Der Heilige Geist will uns aber immer wieder erinnern: „Erkenne IHN auf allen deinen Wegen, dann wird Er gerade machen deine Pfade“ (Spr.3:6).

Unser Handeln und unsere Verantwortung

Solange wir Murrende sind (wie die Kinder Israel beim Auszug aus Ägypten) und mit dem uns von Gott zugeteiltem Los unzufrieden sind (Jud.1:16), kann Gott uns nicht ins verheißene Land führen. Dass Gott uns nicht straft sollte uns nicht zu der Idee verleiten, dass Er mit unserem Leben zufrieden ist, sondern es ist vielmehr Sein mildes Handeln an uns, dass uns zum Umdenken leiten soll (Röm.2:4). Sogar der ungläubige Psychologe Victor Frankl, der in Auschwitz das Leid seiner jüdischen Leidensgenossen analysierte, schrieb völlig richtig: „Wenn wir nicht mehr in der Lage sind, eine Sache zu ändern, sind wir gefordert, uns selbst zu ändern, zu wachsen, über uns hinaus zu wachsen, und das geht bis in den Tod“ („Trotzdem Ja zum Leben sagen“1946). Wenn wir vor verschlossenen Türen stehen, sollen wir nicht vor diesen verweilen in der Hoffnung, dass sie vielleicht irgendwann doch aufgehen, sondern wir sollten sie dankbar aus Gottes Hand annehmen in der Zuversicht, dass der HErr eine andere Tür für uns offenhält, zu der Er uns führen möchte (Offb.3:8-9). Es ist leider oft unsere Bequemlichkeit, dass wir keine größeren Veränderungen zulassen wollen, da wir uns schon zu sehr an die angenehmen Fehlentwicklungen in unserem Leben gewöhnt haben (Jer.48:11).

Mir ist aufgefallen, dass wir in unseren gebeten immer wieder Floskeln verwenden wie: „HErr, mach doch, dass…“ oder „Bitte hilf, dass doch…“ Dabei schieben wir unbewusst Gott die Schuld zu, wenn wir in unserem Leben nicht vorankommen. Unsere Bitte hat dadurch einen Alibi-Charakter, wie in Jes.58:3-12 beschrieben: Man begnügte sich damals mit einem geradezu erpresserischen Fasten, aber erkannte nicht, dass der HErr ganz andere Erwartungen an das Volk hatte: „Ungerechte Fesseln zu lösen, die Knoten des Joches zu öffnen, gewalttätig Behandelte als Freie zu entlassen und dass ihr jedes Joch zerbrecht… dein Brot dem Hungrigen zu brechen und dass du heimatlose Elende ins Haus führst. Wenn du einen Nackten siehst, dass du ihn bedeckst und dass du dich deinem Nächsten nicht entziehst… Wenn du aus deiner Mitte fortschaffst das Joch, das Fingerausstrecken und böses Reden und ⟨wenn du⟩ dem Hungrigen dein Brot darreichst und die gebeugte Seele sättigst…“ Mit all diesen Forderungen verband der HErr die Verheißung auf endgültige Heilung und Lösung von den eigenen Problemen: „Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell sprossen. Deine Gerechtigkeit wird vor dir herziehen, die Herrlichkeit des HErrn wird deine Nachhut sein. Dann wirst du rufen, und der HErr wird antworten. Du wirst um Hilfe schreien, und er wird sagen: Hier bin ich!“

Nicht wenige Gläubige befinden sich heute in einer Art geistlichem Gefängnis, d.h. in einer „Fangschlinge des Teufels“ (2.Tim.2:25-26), in der sie keinen Ausweg sehen. Die Ursachen für eine solche Gefangenschaft können ganz unterschiedlich sein, jedoch ist der Ausweg immer der gleiche, wie wir es in Psalm 107 lesen: „Weil sie widerspenstig gewesen waren gegen die Worte Gottes und verachtet hatten den Rat des Höchsten … Dann schrien sie zu dem HErrn in ihrer Bedrängnis, und aus ihren Drangsalen rettete Er sie“ (V.6+13+19+28). Man kann eine solche geistliche Gefangenschaft mit Recht auch als „Beugehaft“ bezeichnen, denn Freiheit gibt es für solche Christen erst dann, wenn sie die geforderte Aussage oder Handlung erbracht haben. „Du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast“ (Mt.5:26). Es gibt jedoch einen Weg, durch welchen jeder Gläubige über kurz oder lang begnadigt wird: „Brich mit deinen Sünden durch Gerechtigkeit und mit deinen Missetaten durch Barmherzigkeit gegen Elende, wenn deine Wohlfahrt Dauer haben soll“ (Dan.4:27). Denn nur die Barmherzigen werden einmal Barmherzigkeit erlangen (Mt.5:7).

 

  1. Keuschheit

„Jeder, der diese Hoffnung auf Ihn hat, läutert sich selbst, wie auch Jener lauter (w. keusch) ist. (1.Joh.3:3)

In der griechischen Sprache gibt es zwei Wörter für „rein“. Das eine ist KAThAROS = rein, sauber, und das andere Wort ist hAGNOS = keusch, lauter, ursprüngl. geweiht. Der HErr Jesus war nicht nur sauber, sondern auch jungfräulich und in diesem Sinne keusch, bzw. Gott geweiht. Deshalb sollen auch wir uns in jeder Hinsicht Gott weihen und in geistlicher Weise keusch bleiben bzw. werden. Durch die Errettung und die Taufe wurden wir „gebadet“ und sind „ganz rein“ (Joh. 13:10); aber um uns nicht immer wieder zu verunreinigen, müssen wir lernen, ein keusches Leben zu führen.

Ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau vor den Christus hinzustellen“ (2.Kor.11:2). Kürzlich hielt ein Pastor eine ganze Predigt über diesen Vers, ohne auch nur einmal auf das Wort „keusch“ einzugehen. Stattdessen betonte er immer wieder, dass wir uns für Jesus „entscheiden“ müssen, obwohl davon nichts im Text steht. Wir können uns weder „mit Jesus verloben“ noch uns „für Jesus entscheiden“, sondern Er ist es, der uns auserwählt hat (Joh.15:16). Unsere Verantwortung und Aufgabe aber ist es, dass wir für Ihn keusch / jungfräulich werden und bleiben, und nicht einfach bloß auf die Hochzeit warten, wie es jener Bruder predigte. Wenn schon die Königin Esther ein ganzes Jahr benötigte, um sich durch Myrrhe-Öl und Salben zu reinigen, dann benötigen wir ein ganzes Leben, um uns für unseren himmlischen Bräutigam zu läutern (Est.2:12)!

Was bedeutet Keuschheit?

Keuschheit bezieht sich in der Bibel nicht unbedingt nur auf die Sexualität, sondern vor allem auf unseren Charakter. In 2.Kor.11:3 spricht Paulus von der „Einfalt und Keuscheit gegenüber Christus“, von der unsere Gedanken verderbt und abgewandt werden können durch Schlangenlist. Gerade in der heutigen Zeit ist die Gefahr besonders groß durch die Vielzahl von Angeboten in der Welt, dass wir immer mehr zerstreut und abgelenkt werden vom Wesentlichen. Eine Armee, die zerstreut wurde, ist de facto vom Feind besiegt. Das lateinische Wort für „zerstreuendistrahere bedeutet wörtlich „weg-ziehen“. Heute aber suchen viele Gläubige geradezu eine Zerstreuung nach Feierabend durch das Fernsehen oder das Internet, so dass der Feind leichtes Spiel hat, unsere Einfalt und Keuschheit gegenüber Christus auszulöschen. In dem Moment, wo du den Fernseher einschaltest, schaltest du die Verbindung zu Christus aus!

Das inzwischen etwas altmodisch klingende Wort „keusch“ kommt wohl vom lat. conscius = bewußt und deutet auf eine geistige Klarheit hin als Voraussetzung für eine beherrschte und maßvolle Lebensführung. Es geht also nicht darum, den Sexualtrieb zu unterdrücken oder im Zölibat zu leben, sondern darum, dass wir wach und konzentriert sind, um uns in jeder Versuchung sofort an die Gebote Gottes zu erinnern. Diese gedankliche Keuschheit steht in Jak.3:17 an erster Stelle und ist somit die Grundvoraussetzung für den Erwerb von Weisheit, um in Problemen und Herausforderungen die sinnvollste Handlungsweise herauszufinden: „Die Weisheit von oben aber ist erstens keusch, sodann friedvoll, milde, folgsam, voller Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt.“

Wozu ist Keuschheit nötig?

Für die Juden im Alten Bund war es selbstverständlich, dass sie sich erst mal innerlich und äußerlich reinigen mussten, wenn sie sich Gott nahen wollten. Deshalb gingen sie z.B. schon vor einem großen Fest nach Jerusalem, um sich durch Gebet und Andacht zu läutern (Joh.11:55). In meiner Kirche bleiben viele Besucher vor dem Platznehmen erst nochmal eine Minute stehen, um im Stillen ein Gebet zu sprechen. Zur Läuterung gehörte auch die vorübergehende Enthaltung von leiblichen Lüsten (1.Sam.21:5, Apg.21.26). Keuschheit kann man zwar bei anderen Gläubigen nicht kontrollieren, aber man spürt es irgendwie am Verhalten, ob Gläubige einen „in Furcht keuschen Wandel führen oder nicht (1.Petr.3:2). Und da wir Gott allezeit priesterlich dienen, sollen wir uns auch stets „keusch bewahren“ (1.Tim.5:22).

Wie erlangt man Keuschheit?

Keuschheit ist nicht eine zufällige Begabung, die einige haben und andere nicht, sondern ein Zustand, den jeder Christ erlangen kann und soll. Gerade wenn man schuldbeladen ist und kaum noch glauben kann, dass der HErr einem nochmal eine Chance geben will, gilt die Verheißung: „Naht euch Gott! Und Er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt (w. läutert) die Herzen, ihr Wankelmütigen (w. Zweigeseelten)“ (Jak. 4:8). Wer zwei Seelen in seiner Brust hat, der will zwei Herren dienen (Mt.6:24) oder führt ein Doppelleben. In der Psychologie nennt man dies eine kognitive Dissonanz, d.h. ein geistiger Missklang. Man will zwei Dinge, die sich gegenseitig widersprechen und sich nicht harmonisieren lassen. Aus diesem Dilemma kann uns nur der HErr hinausführen durch einen starken Willen.

Der erste Schritt kann immer nur die Buße sein, d.h. eine Änderung des Sinnes. Dies geschieht meist erst durch eine schwere Betrübnis und Enttäuschung über sich selbst, was aber in der Folge zu einer sehr fruchtbaren Entschlossenheit führt: „Denn siehe, ebendies, dass ihr Gott gemäß betrübt worden seid, wie viel Bemühen hat es bei euch bewirkt! Sogar Verteidigung, sogar Unwillen, sogar Furcht, sogar Sehnsucht, sogar Eifer, sogar Bestrafung! In allem habt ihr bewiesen, dass ihr in der Sache keusch seid“ (2.Kor.7:11). Und um keusch zu bleiben, ist es unerlässlich, dass unser Sinn stets auf das Gute gerichtet ist: „Alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was keusch, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt!“ (Phil.4,8). Das Wort „erwägen“ kann man auch mit „für vernünftig“ bzw. „für selbstverständlich halten“ (gr. „LOGIZEThE = „für logisch halten“) übersetzen. Keuschheit wird durch Gehorsam bewirkt, und die Folge von Keuschheit ist eine ehrliche Liebe zu Gott und unseren Geschwistern: „Da ihr eure Seelen durch den Gehorsam gegen die Wahrheit zur ungeheuchelten Bruderliebe geläutert habt, so liebt einander anhaltend, aus keuschem Herzen!“ (1.Petr.1:22).

 

  1. Männlichkeit

„Wachet, stehet fest im Glauben; seid männlich! Seid stark!“ (1.Kor.16:13)

Es ist sicherlich kein Zufall, dass Paulus besonders die Korinther auffordern musste, männlich zu sein, wo doch der ganze 1.Korintherbrief von Problemen berichtet, die alle mit einer mangelhaften Männlichkeit zu tun haben: Es fängt an mit Paulus Kritik am kindischen Personenkult in Kap.1:12, der ihn zu einer Verurteilung ihrer geistigen Unmündigkeit und Zwietracht in Kapitel 3 führt. In Kap. 4 spricht Paulus von ihrer pubertären Überheblichkeit gegenüber dem Apostel, während schwere Sünden in der Gemeinde einfach verantwortungslos toleriert wurden (Kapitel 5). In den Kapiteln 6 und 7 beantwortet er dann Fragen zur sexuellen Enthaltsamkeit und kommt dann in den Kapiteln 8 und 10 auf den leichtfertigen Umgang mit Götzen zu sprechen – übrigens ein Thema, das heute in Zeiten des Smartphones aktueller ist denn je! In den Kapiteln 11 und 14 thematisiert er dann u.a. die göttliche Schöpfungsordnung, die heute weitläufig völlig ignoriert wird von unmännlichen Brüdern.

Schon in der Antike begann der Feind durch den Einfluss der allgemein anerkannten Homosexualität und der damit einhergehenden Verweichlichung vieler Männer sich über die göttlich zugewiesenen Rollenbilder in 1.Mo.3:16 lustig zu machen und sie in ihr Gegenteil zu verkehren. Durch das Christentum setzte sich jedoch dann in ganz Europa die Einsicht durch, dass Gott den Mann zum Beschützer und Verantwortungsträger in der Familie gesetzt hat und die Frau gesegnet wird, wenn sie sich an diese Schöpfungsordnung hält. Trotz der Aufklärung im 18. Jh. und der allmählichen Infragestellung des Wortes Gottes, hielten sich die Menschen weltweit noch bis zu Beginn des 20. Jh. weitestgehend an die Gebote Gottes. Jedoch zerbrach die familiäre Bande immer mehr durch die Industrialisierung, sowie durch die Ideologien des Kommunismus und Nationalsozialismus, indem Männer, Frauen und Kinder voneinander getrennt und für staatliche Interessen instrumentalisiert wurden (Hitlerjugend, Pioniere, BDM, SDAJ etc).

Das Aufbegehren und die Rebellion vieler Frauen heute ist nicht zuletzt einer einseitigen und unbiblischen Vorstellung von Männlichkeit geschuldet. Seit der Emanzipationsbewegung in den 1970er Jahren hegen viele Frauen einen z.T. verständlichen Groll gegenüber ihren Männern, da sie sich jahrelang von deren Unreife und Verantwortungslosigkeit ausgenutzt und hintergangen fühlten. Der Mann kommt müde von der Arbeit nach Hause, nimmt sich ein Bier und schaltet den Fernseher an, während er seine Frau, die er den ganzen Tag nicht gesehen hat, mit ihren Gefühlen und Sorgen, den Kindern und dem Haushalt allein lässt. Die Folge ist ein starker Anstieg der Scheidungsrate (zum Vergleich: 1960 wurden nur 10,66 % der Ehen geschieden, im Jahr 2005 waren es schon 51,92 %). Die Folge war eine vaterlose Gesellschaft durch alleinerziehende Mütter. Den Heranwachsenden fehlten von nun an echte männliche Vorbilder, so dass die Söhne später verunsichert waren im Umgang mit Frauen und unter Versagensängsten litten.

Die traditionelle Familie zerbrach erst richtig, als man 1977 ein gutes Gesetz abschaffte, nachdem die Ehefrau nur dann erwerbstätig sein durfte, „sofern dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ sei (bis dahin hatte der Ehemann laut § 1354 BGB das „Letztentscheidungsrecht in allen Eheangelegenheiten“). In einem vertraulichen Gespräch, das der US-Regisseur Aaron Russo mit einem Mitglied der Rockefeller-Familie geführt haben soll, bekannte ihm dieser offen: „Die Zerstörung der Familie und der Feminismus ist unsere Erfindung aus zwei Gründen: Vorher zahlte nur die Hälfte der Bevölkerung Steuern, jetzt aber fast alle, weil die Frauen arbeiten gehen. Außerdem wurde dadurch die Familie zerstört und wir haben dadurch die Macht über die Kinder erhalten. Sie sind unter unserer Kontrolle mit unseren Medien und bekommen unsere Botschaft eingetrichtert, stehen nicht mehr unter dem Einfluss der intakten Familie. Indem wir Frauen gegen Männer aufhetzen und die Partnerschaft und die Gemeinschaft der Familie zerstören, haben wir eine kaputte Gesellschaft aus Egoisten geschaffen, die arbeiten für die angebliche Karriere, Mode, Schönheit und Marken konsumieren, dadurch unsere Sklaven sind und es dann auch noch gut finden“.

Wir erleben seit den 68er Jahren einen rasanten Werteverfall. Traditionelle Werte wie Ehre, Fleiß, Tugend, Pflichtgefühl, Sittlichkeit, Disziplin, Ehrgeiz, Geistigkeit und Fortschrittsstreben werden heute als rückständig und problematisch empfunden. Stattdessen wird in den Filmen und Serien aus Hollywood ein neues Männerbild als „cool“ vermittelt, das alles andere als vorbildlich ist: Der moderne Mann ist chaotisch, faul, genießerisch, hat keinerlei Impulskontrolle, unterwirft sich gerne starken Frauen, ist albern, sprunghaft und vor allem erschreckend oberflächlich. Doch nicht nur durch die falschen Vorbilder, sondern schon allein durch das Überangebot an PC-Spielen und Filmen durch Streamingdienste werden die Männer immer mehr zu passiven Konsumenten, die lieber in eine Scheinwelt abtauchen, als sich ihren realen Verpflichtungen zu stellen. Hinzu kommen Drogen- und Alkoholkonsum, Rauchen und Pornographie.

Dieses „verweichlichte“ und „verzärtelte“ Wesen bzw. Unwesen wird in 5.Mo.28:54+56 als Folge eines Fluches Gottes gedeutet. Paulus spricht in Röm.1:24-28 von einem „unbewährten Denken“ infolge eines „Dahingegeben-seins“ (wörtl. „danebengegeben“). Gott gibt solche „Männer“ zwar nicht auf, aber Er stellt sie erstmal beiseite und überlässt sie ihrem verderblichen Zustand, bis sie irgendwann selbst merken, dass sie mit ihrem Trotz und Irrwahn nur Schaden angerichtet haben bei sich und anderen (ich denke hier z.B. an Die Grünen-Partei). Wenn Gott aber einen Unmännlichen und Verweichlichten errettet, dann vermag Er einen solchen vollkommen umzugestalten und umzuerziehen, weshalb Paulus die Korinther daran erinnert: „Ihr wart solche!“ (nämlich Unzüchtige, Weichliche, Homosexuelle… 1.Kor.6:9-11), „jedoch seid ihr abgewaschen, jedoch wurdet ihr geheiligt, jedoch wurdet ihr gerechtfertigt in dem Namen des HErrn Jesus Christus und in dem Geist unseres Gottes.“

Die Korinther hatten Paulus Bescheidenheit irrigerweise als Schwäche gedeutet, so dass Paulus ganz entgegen seines Willens sich immer wieder rechtfertigen musste und ihnen erklärte, dass gerade der Verzicht ein Zeichen echter Stärke und Tugendhaftigkeit ist. Er vergleicht es mit einem Wettkämpfer, der sich aller irdischen Freuden enthält, um dadurch die höchste Leistung zu erbringen (1.Kor.9:19-27). Einmal sagte z.B. ein erfahrener Missionar zu mir, dass ich mit meinem Bäuchlein nicht in Pakistan predigen könnte, weil ich für die Gläubigen dort gar nicht glaubwürdig wäre. Denn da sie selber von der Bibel her erkannt haben, dass Christen ein enthaltsames Leben führen müssen, können sie von jemandem wie mir, der offen-sichtlich viel zu häufig noch Eis und Schokolade isst, nichts mehr über Heiligung lernen…

Männlichkeit äußert sich jedoch nicht (nur) in einer starken Disziplin und Ausdauer, wie man sie etwa bei Sportlern sieht, sondern vor allem durch Belastbarkeit und Standhaftigkeit. Als Beschützer und Familienernährer hat Gott dem Mann nicht nur angeordnet, Haupt der Frau zu sein (1.Mo.3:16, 1.Kor.11:3), sondern Er hat ihn auch entsprechende Eigenschaften gegeben, durch die er sich gegen die Unbilden des Lebens beHAUPTen kann. Ein echter Mann „steht seinen Mann“. Weil ihm Gottes Wort ein festes Fundament ist, kann er auch seiner Frau ein echter Halt und Schutz sein, um eine Familie zu gründen. Deshalb ist ein fehlender Schulabschluss oder Arbeitslosigkeit für einen jungen Mann existenzbedrohend, da er seiner zentralen, männlichen Aufgabe von Gott nicht gerecht werden kann. Junge Muslime versuchen dies durch lautstarke Männlichkeitsrituale zu vertuschen. Grölerei und Machogehabe sind aber nicht Zeichen von Mannhaftigkeit, sondern von charakterlicher Schwäche und Minderwertigkeitskomplexen.

Männlichkeit bedeutet auch Wehrhaftigkeit, was gerade heute in der antichristlichen Welt überlebensnotwendig ist. Damit ist aber nicht gemeint, sich gegen Angreifer mit Gewalt zur Wehr zu setzen, sondern genau das Gegenteil: sich NICHT gegen einen Gegner zu wehren, obwohl man es könnte, bedarf weit mehr Tapferkeit, als wie Petrus das Schwert zu ergreifen (Mat.5:38-44). Wer gelernt hat, sich z.B. von den neuesten Nachrichten oder von Süßigkeiten zu enthalten, der wird sich auch nicht von Provokationen und Ungerechtigkeiten zur Gegenwehr reizen lassen, weil er im Guten Hirten alle Genüge hat.

 

  1. Neid

„Der HErr blickte auf Abel und auf seine Opfergabe; aber auf Kain und auf seine Opfergabe blickte Er nicht. Da wurde Kain sehr zornig, und sein Gesicht senkte sich. Und der HErr sprach zu Kain: Warum bist du zornig, und warum hat sich dein Gesicht gesenkt? Ist nicht, wenn du wohltust, Erhebung? Wenn du aber nicht wohltust, lagert die Sünde vor der Tür…“ (1.Mo.4:4-7)

Wenn Kain ein geistlicher Christ gewesen wäre, dann hätte er sich darüber gefreut, dass sein Bruder Abel bei Gott Beachtung fand, so wie geschrieben steht: „Wenn ein Glied verherrlicht wird, so freuen sich alle Glieder mit“. Da wir ja als Glieder am Leibe Christi völlig eins sind, ist die Ehre des einen zugleich auch die Ehre aller. Ja noch mehr: Wir wünschen uns zugleich, dass Gott den Schwächsten besondere Ehre zuteilwerden lasse, damit sie im Glauben gestärkt werden (1.Kor.12:23-24).

Der Neid Kains auf seinen Bruder Abel bezog sich nicht auf materielle Güter, sondern auf das Ansehen bei Gott. Hätte es bei Kain bewirkt, dass er sich von nun an auch viel mehr bemühen und eine größere Opferbereitschaft an den Tag legen würde, dann wäre alles gut gewesen und diese Zurücksetzung hätte viel Frucht gebracht. Er hätte „frei den Blick erheben können“, wie Luther übersetzt, und vielleicht eines Tages sogar mehr Gunst bei Gott erreicht wie sein Bruder. Beide hätten gemeinsam wetteifern und sich gegenseitig motivieren können, dem HErrn noch mehr zu gefallen. Da Kain aber den Rat Gottes, sich korrekt zu verhalten, außer Acht ließ, blieb er in der für ihn unerträglichen Niedergeschlagenheit und zerstörte am Ende nicht nur Abels, sondern auch seine eigene Zukunft, indem er ihn ermordete.

Da wir Menschen soziale Wesen sind, liegt es in unserer Natur, dass wir uns nicht nur an anderen orientieren, sondern uns auch mit ihnen vergleichen. Jeder bemüht sich, einen anerkannten Stand in der Gesellschaft zu erreichen. Sieht man sich indes abgehängt oder an zweite Stelle gesetzt, kann dies dazu führen, sich ungerecht behandelt zu fühlen („Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen! Der andere schummelt doch!“). Nach außen gibt man sich noch immer freundlich und streitet jede Art von Neid ab. Aber innerlich brodelt es in einem, und man wünscht sich wieder eine Rückkehr der alten Verhältnisse, in denen man besser dastand.  Und je länger dieses Gefühl der Ohnmacht und des Versagens andauert, desto stärker entsteht der Wunsch nach Rache und Genugtuung. Das sehen wir bei dem Neid der Brüder Josephs (Apg.7:9), bei Saul gegenüber David (1.Sam. 18:9) und nicht zuletzt bei den Pharisäern, die den HErrn Jesus aus Neid töten wollten (Mt.27:18). Auch der aktuelle Nahost-Konflikt hat letztlich seine Ursache nur in dem Neid der Palästinenser auf Israel, denn sie hätten ja 1948 auch einfach einen eigenen Staat gründen können, wie es ihnen die UNO anbot. Aber die meisten wollten nicht bloß 75 % von Palästina, sondern 100 %. Nur wenige Araber waren bereit, im Staat Israel friedlich mit den Juden zusammenzuleben, wie sie es schon 1500 Jahre zuvor taten. Den anderen wurde schon von Kind auf eingebläut, dass sie die die Juden hassen müssen, da sie angeblich für alles Unglück ihres Lebens verantwortlich seien. Und allein dieser Hass und Missgunst hat seit 1948 schon rund 120.000 Menschenleben gefordert.

Und wie sieht es bei uns aus? Schon allein, wenn wir eine unbiblische Abneigung oder gar eine tiefe Abscheu gegen einen Bruder oder Schwester empfinden, sind wir in Gottes Augen zum „Brudermörder“ geworden (1.Joh. 3:10-15). Das kann sich in ganz subtilen Alltagssituationen bemerkbar machen, z.B. wenn ich bewusst nicht ans Telefon gehe beim Anblick des Namens des Bruders in der Anzeige. Oder wenn ich schlecht über ihn rede zu anderen, obwohl ich ihn kaum ausreichend kenne und eigentlich nur neidisch auf seinen Erfolg bin. Indem ich seine Bedeutung herabwürdige und ihn vor anderen leichtmache, erhöhe ich unbewusst meine eigene Bedeutung. Wer andere z.B. als ungeistlich beurteilt, gibt sich dadurch selbst als besonders geistlich aus. Es reicht sogar schon, wenn ich bösartige Andeutungen mache, durch die sich der andere einen eigenen Reim machen könnte. „Ein verkehrter Mann streut Zwietracht aus, und ein Ohrenbläser entzweit Vertraute“ (Spr.16: 28).

Als Kinder Gottes sollen unsere ungläubigen Arbeitskollegen sich ein Vorbild an uns nehmen. Wenn ich aber genauso wie die Welt über die böse Regierung oder die Superreichen herziehe, dann unterscheide ich mich in nichts von ihnen. Schlimmer noch: es findet eine völlig unheilige Solidarisierung statt, indem man einen gemeinsamen Feind verortet hat, über den man nach Belieben herziehen kann, ohne Angst vor Strafe zu haben, da dieser sich ja nicht wehren kann. In Pred.10:20 warnt uns der HErr vor dieser Art Schmähkritik gegen Politiker und Reiche, da uns diese durch den „Verkläger der Brüder“ zur Last gelegt wird (Offb.12:10). Ein „Schmäher“ kommt nicht ins Reich Gottes, und wir sollen mit einem solchen nicht einmal essen (1.Kor.5:11, 6:10). Gerade der Frust und die Hoffnungslosigkeit der Arbeiter und Angestellten verleitet sie dazu, sich ein Opfer zu suchen, über das sie in der Mittagspause ablästern können. Und wenn es mal nicht die „unfähige Regierung“ ist, dann schwatzen sie untereinander hinter dem Rücken schlecht über den faulen oder egoistischen Kollegen, den ohnehin niemand mag. „Und ich beobachtete all die  Mühe und all die Geschicklichkeit in der Arbeit, dass es Eifersucht des einen gegen den anderen ist. Auch das ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind“ (Pred.4:4).

Es gibt jedoch eine Form von Neid, die nicht missgünstig oder bösartig ist, sondern eher als positiv und vorbildlich angesehen wird, und das ist die Anerkennung bzw. Bewunderung des Erfolgs des anderen, der häufig zu mehr eigenem Bemühen und Ehrgeiz motiviert. Als Glieder am gleichen Leibe sollen wir uns „freuen mit den Freuenden und weinen mit den Weinenden“ (Röm. 12:15). Statt einander zu neiden, sollen wir uns anreizen „zur Liebe und zu guten Werken“ (Hebr.10:24). Leider reizen wir uns heute noch viel zu sehr zu materiellem Wohlstand an. Gerade unter den besonders Strenggläubigen wird mit heimlichem Interesse darauf geachtet, wie seine Wohnung oder Haus ausgestattet ist, welches Essen zubereitet wird, wie viele Kinder der andere hat, welchen Beruf der Bruder hat und welchen Wagen er fährt. Gerade junge Brüder, die erst am Anfang ihres Lebens stehen, bekommen dadurch Minderwertigkeitsgefühle und ein völlig falsches Vorbild, so als ob es im Glauben darauf ankäme, auch materiell gesegnet zu sein, um in der Gemeinde anerkannt zu werden. Sollte nicht vielmehr die Geistesfülle und der bescheidene Wandel eines Bruders zum Vorbild genommen werden?

Ein geistlicher Christ hat an dem HErrn alle Genüge und empfindet deshalb auch keinen Neid mehr. Das 10. Gebot (Neidverbot) ist in der hebräischen Sprache zugleich eine Verheißung für alle, die im Geist wandeln: „Du wirst die Frau deines Nächsten nicht begehren. Und du wirst dich nicht gelüsten lassen nach dem Haus deines Nächsten noch nach seinem Feld noch nach seinem Knecht noch nach seiner Magd noch nach seinem Rind noch nach seinem Esel noch nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört“ (5.Mo.5:21). Er kann voller Ruhe und Gelassenheit bekennen: „Mein Herz will nicht hoch hinaus, meine Augen sind nicht hochmütig. Ich gehe nicht mit Dingen um, die zu groß und zu wunderbar für mich sind. Habe ich meine Seele nicht beschwichtigt und gestillt? Wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter, wie ein Entwöhntes ist meine Seele in mir“ (Ps.131:1-2).

 

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