„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“

(Röm.13:12)

– „Such, wer da will, ein ander Ziel“ Teil 18

 

Februar bis April 2020

Der Treuebruch

Schon während meines Aufenthalts in Peru hatte mir Bruder Florian ein Video geschickt, dass mich ziemlich überrascht, aber auch enttäuscht hatte: Er hatte mir ja im Jahr zuvor mitgeteilt, dass er sich gerne von mir taufen lassen wollte, und wir hatten vereinbart, dass wir dies im Frühjahr 2020 machen könnten, wenn ich wieder da sei. Nun schickte er mir ein Video, auf dem zu sehen war, wie er sich von einem gewissen Bruder Dominique in Hamburg taufen ließ. Skandalös war dabei gar nicht so sehr, dass er nicht abwarten wollte und ohne uns vorher zu informieren heimlich seine Taufe anderweitig plante, so dass wir als Hauskreis gar nicht dabei sein konnten. Nein, viel schlimmer war, dass er sich ausgerechnet den denkbar unwürdigsten „Bruder“ ausgesucht hatte, der sich zwar nach außen als frommer Möchtegern-Israelit ausgab, aber von dem ich durch Bruder Darius erfahren hatte, dass sein Freund Dominique ihm nicht nur die Freundin ausgespannt hatte, sondern mit dieser heimlich vorehelichen Verkehr hatte, sie dabei auch noch schwängerte und die beiden dass Baby durch eine Abtreibung ermorden ließen! Florian konnte dies zwar nicht wissen, aber ich hatte ihn schon mal vor Dominique gewarnt, der ja schon öfters in unserem Hauskreis war, weil er nicht nur ein Charismatiker war, sondern auch ein fanatischer Gesetzeslehrer, der sich sogar Quasten an sein Hemd nähen ließ. Und dann sah man auf dem Video, wie Dominique dem Florian nach der Taufe die Hände auflegte und ihm so eine Geistertaufe gab, ohne dass Florian sich dagegen wehrte, sondern es bereitwillig zuließ!

Als ich nun wieder in Deutschland war, rief ich Florian an und fragte ihn, warum er nicht gewartet habe mit seiner Taufe und warum er sich ausgerechnet von Dominique taufen ließ, obwohl er doch wusste, dass dieser Bruder mehr als zweifelhaft sei. Florian entgegnete, dass es ihm wichtig war, nicht länger zu warten und dass er mich ja gar nicht einladen konnte, da ich in Peru war. Als ich ihn auf das Händeauflegen ansprach, sagte er, dass das nicht abgesprochen war, sondern Dominique es gegen seinen Willen tat. „Aber warum hast Du es ihm nicht sofort untersagt? Man sah, dass Du es ohne Vorbehalt über Dich ergehen ließest!“ – „Es kam einfach so plötzlich, dass ich nicht wusste, wie ich reagieren konnte. Aber ich dachte mir, dass es für den Bruder vielleicht ein Affront gewesen wäre, wenn ich ihm gewehrt hätte.“ Anstatt es bei dieser Erklärung zu belassen, machte ich nun den Fehler, dass ich dem Florian bei der Gelegenheit noch eine Menge anderer Vorwürfe machte, weil ich schon seit langem den Eindruck hatte, dass Florian sich zu uns als Geschwistern treulos verhalte, indem er aus lauter Neugier schon öfters eine charismatische Gemeinde in Bassum besuchte und mit den Sektierern aus dem Ivo-Sasek-Kreis vertraute Gemeinschaft pflegte, ja sogar einen von ihnen schon in unseren Hauskreis mitbrachte. Man gewann den Eindruck, als würde sich Florian allmählich nach etwas Besserem umschauen; als wenn wir ihm nicht genug waren. Florian entgegnete, dass ich doch selbst immer gelehrt habe, dass die Gemeinde überall sei und wir ja alles prüfen und das Gute behalten sollten.

Übrigens, Simon, habe ich mich letztens auch mal mit Bruder Taifun aus der Exklusiven Brüdergemeinde getroffen. Er sagte mir, dass Du sie damals auch hintergangen hättest, weil Du ihnen verheimlicht hattest, dass Du an die Allversöhnung glaubst.“ – „Aber was sollte ich denn machen?“ fragte ich, „Du siehst ja, dass sie mich sofort rausgeworfen haben, sobald sie erfuhren, dass ich daran glaube. Und gerade das habe ich ja gerade versucht zu vermeiden, weil ich wusste, dass sie völlig intolerant sind.“ „Aber in manchen Fällen warst auch Du intolerant, Simon, z.B. gegenüber den Brüdern Wolfgang oder Dominique.“ – „Es gibt in der Bibel nun einmal eine klare Regel bezüglich von Sünden oder falschen Lehren: Wir sollen uns von denen absondern, die entweder unbußfertig in Sünde leben oder aber jenen, die unbelehrbar ein falsches Evangelium verbreiten.“ – „Bruder Taifun ist aber der Meinung, dass auch die Allversöhnung ein falsches Evangelium sei und ich deshalb keine Gemeinschaft mehr mit Dir haben dürfe.“ – „Wenn Du das auch glaubst, dann frage ich Dich mal, ob ich je behauptet habe, dass der Glaube an die Allversöhnung einen Menschen erretten könne.“ – „Darum geht’s nicht. Du verleitest die Ungläubigen dazu, dass sie sich heute noch nicht bekehren bräuchten, weil sie sich ja auch noch nach dem Tod bekehren können.“ – „Ja, diese Behauptung habe ich schon so oft gehört, aber bisher hat mir niemand je einen Menschen als Beweis zeigen können, der mit seiner Bekehrung noch bis nach dem Tod warten wolle. Das sind alles nur undurchdachte Hirngespinste.“ –

„Mag sein. Aber findest Du es nicht auch völlig unwahrscheinlich, dass von den zwei Milliarden Christen auf Erden gerade einmal nur eine verschwindend geringe Menge die angebliche Wahrheit der Allversöhnung erkannt hat?“ – „Ganz und gar nicht. Wie viel Prozent aller Gläubigen haben denn am Tag der Auferstehung Jesu an die Auferstehung geglaubt? Exakt 0,0 Prozent. Wenn die Wahrheit einer Lehre von der Menge ihrer Vertreter abhinge, dann müsste ja z.B. auch die Säuglingstaufe richtig sein. Es ist doch völlig unglaubwürdig, dass Gott Milliarden von Menschen erschafft, nur um den Großteil von ihnen dann für alle Ewigkeit quälen zu dürfen, weil sie angeblich nicht ‚rechtzeitig‘ gläubig geworden sind.“ – „Das müssen wir Gott überlassen. Aber es gibt nun einmal keine Allversöhnungslehre in der Bibel!“ – „Ich würde es auch nicht als ‚Lehre‘ bezeichnen, sondern als ein Geheimnis, das nicht jeder Christ erkennen soll, aber trotzdem biblisch gut belegt ist.“ – „Naja. Wir haben ja schon viele Male darüber gesprochen, aber bisher hast Du mich nicht überzeugt. Aber wie ich sehe, glaubt jetzt auch der Tunay an die Allversöhnung. Ich trage aber Verantwortung für den Hauskreis und kann nicht zulassen, dass Du weiter Einfluss auf die anderen ausübst. Deshalb habe ich mich mit den anderen besprochen, dass wir uns nächsten Dienstag mal bei Martin in Delmenhorst treffen sollten, um diese Sache zu klären.“ – „Was gibt es da zu klären?“ fragte ich. „Es steht doch jedem frei, ob er daran glauben will oder nicht.“ – „Nein, nicht wenn diese Lehre schädlich ist. Dann darf ich nicht länger zulassen, dass Du solche wankelmütigen, junggläubigen Brüder wie Tunay verführst.“ – „Ach! Auf einmal! Und warum hast Du das in den letzten zwei Jahren noch völlig anders gesehen? Woher kommt auf einmal diese neue Erkenntnis? Hat Dich der Taifun da beeinflusst? Was hast Du mit ihm zu schaffen?“ – „Nein, mir ist es von alleine klar geworden.“

Was hatte Florian vor? Wollte er mich etwa aus dem Hauskreis werfen? Das kann er gar nicht, denn das würden die anderen gar nicht erlauben. Was sollte das also? Aber ein klärendes Gespräch mit allen war jetzt mehr als notwendig. So fuhr ich mit gemischten Gefühlen am Dienstag zum Hauskreis nach Delmenhorst. Doch zu meiner Überraschung waren nur Maria und ihr Sohn Martin dort, zusammen mit einem mir unbekannten Bruder. Warum hatte Florian nicht auch alle anderen eingeladen? Die Begrüßung war zunächst wie immer herzlich. Aber dann begann der unbekannte Bruder mir eine Standpauke zu halten, dass ja angeblich die Allversöhnung eine Irrlehre sei usw. Als man mir dann das Wort erteilte, bezeugte ich zunächst, dass ich nur an das glauben würde, was geschrieben stehe, und es sich bei vielen Vorwürfen um Unterstellungen aus Unwissenheit handele. Dann diskutierten wir etwa zwei Stunden lang mit vielen angeführten Bibelstellen über das Thema Allversöhnung, wobei mir Florian freundlicherweise viel Gelegenheit gab, meine Ansichten und Argumente ausführlich zu erklären. Doch so sehr ich mich auch bemühte, sie zu überzeugen, stieß ich doch auf eine schier unüberwindbare Betonmauer der Ablehnung. Sogar Maria, die in den letzten drei Jahren noch nie Anstoß nahm an meinem Glauben, griff mich plötzlich an und behauptete, dass die Dauerschmerzen meiner Frau vielleicht eine Strafe Gottes seien, weil ich an die Allversöhnung glaube. Wo war hier die Logik?

Da wurde mir klar, dass es ein abgekartetes Spiel war: Die drei waren im Vorhinein schon übereingekommen, dass sie mich aus dem Hauskreis ausschließen wollten, wenn ich nicht meinen Glauben abschwören würde und hatten absichtlich nicht die anderen eingeladen, um sie zum Schluss vor vollendete Tatsachen zu stellen. Meine Verteidigung war zwecklos, da das gewünschte Ergebnis von vornherein feststand und es nur einer moralischen Rechtfertigung diente. Und da sie nicht von der Bibel argumentieren konnten, hatten sie sich dieses fremden Bruders bedient, der die Anklage erheben sollte. Ich war entsetzt über diese Treulosigkeit. Vor allem war ich erschüttert, weil wir uns in den letzten Jahren bei jeder Bibelstunde immer so herzlich umarmten und uns freuten zu sehen. Wie konnte das auf einmal so schnell vorbei sein?! War es etwa alles nur frommes Theater? „Die Liebe sei ungeheuchelt“ (Röm.12:9). Als ich ihnen meine Erschütterung bekannte, musste ich sogar weinen. Wir beteten noch gemeinsam und vereinbarten, dass Bruder Olaf Latzel entscheiden solle, ob ich weiterhin Teil des Gemeindehauskreises sein dürfe. Sie versprachen, dass sie es von Olafs Entscheidung abhängig machen wollten, ob ich weiterhin kommen dürfe.

Bald darauf machte ich einen Termin bei Olaf, schilderte ihm den Vorfall und fragte ihn nach seiner Einschätzung. Olaf sagte, dass ich auch weiterhin gerne kommen dürfe und dass er persönlich keine Probleme habe mit Brüdern, die an die Allversöhnung glauben, zumal er etliche aus seiner Heimatgemeinde in Siegen kenne. Nachdem ich dies dem Florian mitgeteilt hatte, glaubte er mir nicht und schrieb dem Olaf: „Simon behauptet, dass Du kein Problem hast mit der Allversöhnungslehre. Stimmt das?“ Daraufhin entrüstete sich Olaf und betonte, dass die Allversöhnung eine Irrlehre sei und er keineswegs behauptet hätte, dass diese unproblematisch sei, sondern nur, dass er mit Simon als Bruder kein Problem hätte. Da Florian jedoch nicht mit der Toleranz von Olaf mir gegenüber gerechnet hatte, trennte er sich von der Martinigemeinde und schloss sich zusammen mit Maria und Martin einer Brüdergemeinde in Delmenhorst an. Als diese zwei Jahre später mal besuchte, ging Florian mehrfach grußlos an mir vorbei, so als ob ich gar nicht existiere. Maria und Martin hingegen baten mich später um Vergebung, nachdem Florian und die Brüdergemeinde auch sie wegen ihrer charismatischen Überzeugung ausgeschlossen hatten.

Der inszenierte Corona-Ausbruch

Mitte März brach auf einmal in Deutschland eine Panik aus, nachdem ein Video in den Nachrichten gezeigt wurde, in welchem Militär-Lkws in Bologna Särge abholten und dadurch der Eindruck erweckt wurde, dass jetzt das große Massensterben begann. Man stellte sich vor, dass auf einmal überall Infizierte herumlaufen, die – ohne es zu ahnen, einen unsichtbaren Tod verbreiteten. Sofort wurde ein totaler Lockdown verhängt, d.h. eine Ausgangssperre für alle nicht berufstätigen Menschen, die besonders die Patienten in Altenheimen und Krankenhäusern hart traf. Seit der Veröffentlichung der ungeschwärzten RKI-Protokolle im Juli 2024 kann jeder Interessierte wissen, dass das Robert-Koch-Institut von Beginn an von der Regierung dazu missbraucht wurde, um den willkürlichen Entscheidungen der Gesundheitsminister einen Anschein von Wissenschaftlichkeit zu geben. Denn während die Epidemiologen des RKI regelmäßig zu sämtlichen Corona-Maßnahmen abrieten und die Unwirksamkeit von Masken, Abstandsregeln und Kontaktverboten bezeugten, verkündigten die Politiker jedes Mal genau das Gegenteil, um in der Bevölkerung ein völlig überflüssiges Gefühl der Angst zu verbreiten. Auf einmal stand die Gesundheit aller Menschen über deren Grundrechten, so als ob man bisher mit anderen Gesundheitsrisiken wie Rauchen und Alkohol genauso konsequent umgegangen wäre.

Doch diese Panik verfing für kurze Zeit auch bei mir, jedoch nicht in dem Sinne, dass ich Angst vor einer Ansteckung hatte, sondern eher dadurch, dass mir apokalyptische Fantasievorstellungen kamen, dass jetzt die Siegel- und Posaunengerichte über die Welt hereinbrechen würden. Als ich am Montag, den 20.03.20 zur Arbeit fuhr, war ich mir noch gar nicht sicher, ob ich das überhaupt durfte. Die Straßen waren wie leergefegt. Da ich durch die Staubmaske kaum Luft bekam und ständig meine Brille beschlug, hängte ich sie mir meistens unter die Nase. Einmal fauchte mich eine Kundin im Supermarkt an: „SETZEN SIE SICH BITTE DIE MASKE ÜBER DIE NASE, VERDAMMT NOCHMAL!“ Sofort gehorchte ich zitternd, nur um mich kurz danach zu ärgern und mir alle möglichen Antworten auszudenken, die ich ihr am liebsten gesagt hätte. Aber dann erinnerte mich der Heilige Geist daran, dass man der Obrigkeit auch dann noch gehorsam sein sollte, auch wenn man keinen Sinn in deren „Seuchenschutz“-Verordnungen sehen kann [Hätte es sich bei Covid-19 um einen wirklich gefährlichen Virus gehandelt, dann hätte man sich theoretisch mit solchen Überdruck-Overalls kleiden müssen mit zusätzlichem Sauerstoff-Gerät, wie sie in jenen Biokampfstofflaboren getragen werden. Eine FFP2-Maske ist hingegen so durchlässig wie ein Maschendrahtzaun und der Glaube an diese reiner Aberglaube].

Doch schon bald wurden die neuen Corona-Verordnungen so absurd, dass man immer mehr den Eindruck hatte, dass sich die Hygienevorschriften-Erfinder vom gesunden Menschenverstand entfernt hätten: Polizisten jagten Jugendliche, weil sie sich einfach nur im Park unter freiem Himmel unterhalten haben. Alte Leute mussten einsam sterben und durften nicht mehr von ihrer Familie besucht werden. Tausende Restaurants mussten über Monate geschlossen bleiben, so dass die Eigentümer insolvent gingen. Kinder mussten jeden Tag einen Covid-Test über sich ergehen lassen und anschließend trotzdem eine Maske tragen, obwohl sie vollkommen gesund und symptomfrei waren (also auch nach der Corona-Doktrin überhaupt niemanden hätten anstecken können). Arbeitgeber wurden dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter jeden Tag zu testen usw.

Besonders verwirrend und Misstrauen erweckend war, dass sehr viele kritische Virologen und Epidemiologen von herein aus öffentlichen Debatten verbannt wurden und nur jene Wissenschaftler regelmäßig gehört wurden, die sich dem vorgegebenen Regierungsnarrativ unterwarfen, selbst wenn sie auf einmal das Gegenteil von dem behaupteten, was auch für sie jahrzehntelang selbstverständlich war. So hatte z.B. RKI-Chef Wiehler noch zu Beginn der Corona-Hysterie erklärt: „Im öffentlichen Raum ist das Tragen von Atemschutzmasken definitiv nicht angebracht […] Eigentlich ist das ein unnützer Verbrauch von diesen Masken, wenn das in der Öffentlichkeit getragen wird […] Es ist wirklich nicht nützlich und es wäre besser, diese Masken für sinnvollere Einsätze zu sparen“ (Prof. L. Wiehler am 18.02.2020 im „ZIB Magazin“ des österreichischen Senders ORF).

Im Zeitalter des Internets, in welchem sich die Wahrheit selbst durch noch so gut organisierte Medienkampagnen nicht unterdrücken oder vergessen machen lässt, war es auch für die Lobbyisten der Pharmaindustrie unmöglich, ihre Erzählung eines tödlichen Virus auf Dauer allen Leuten glaubhaft zu verkaufen. Spätestens im Juni 2020 wachten immer mehr Menschen auf und begannen, sich für Demonstrationen zu vernetzen. Die dadurch entstandene Querdenker-Bewegung verband nicht nur politisch linke oder rechte Aktivisten, sondern auch Christen, Buddhisten und Esoteriker. Auf den Demos im August kam es dann auch zu richtigen Verbrüderungen zwischen jungen Gläubigen und ungläubigen Aktivisten, so nach dem Motto: „Wir haben zwar unterschiedliche Ansichten über den Glauben, aber im Grunde wollen wir doch alle das Gleiche, weshalb wir uns verbünden sollten. Über die geistlichen Dinge kann man ja später immer noch diskutieren“. Es stellte sich jedoch auch heraus, dass die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und die übergriffige und geradezu totalitäre Durchsetzung der Corona-Verordnungen durch die Polizei mit Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern viele Ungläubige derart irritiert und desorientiert haben, dass sie sich auf den Weg machten, nach Gott zu fragen. Ich kenne selbst inzwischen viele Querdenker, die zum HErrn Jesus fanden.

Bei allen irrsinnigen, geschürten Ängsten und Wahnvorstellungen verbunden mit Lügen und Verleumdungen gegen die Maßnahmen-Kritiker (als ‚Schwurbler‘ oder ‚Verschwörungstheoretiker‘) drängt sich die Frage auf, welches Ziel die Politiker eigentlich mit dieser „Plandemie“ in Wirklichkeit verfolgten. Ging es etwa darum, die Staatskasse mit Bußgeldern zu füllen? Immerhin hatte der Fiskus allein in Hamburg mehr als 8 Millionen Euro eingenommen durch 47.076 Bußgeldbescheide wegen Verstößen gegen die Hygienevorschriften. Auf der anderen Seite wurden von den Kommunen Millionen an unnötigen Hilfszahlungen für Firmen verschenkt, ohne überhaupt den individuellen Bedarf zu prüfen. Weitere Millionen verschwendete die Kassenärztliche Vereinigung Berlin an kriminelle Großfamilienclans, indem Genehmigungen für angebliche Testzentren einfach durchgewunken wurden, ohne zu prüfen, ob es diese Testzentren überhaupt gab. Durch die leichtfertige Bewilligung von unsinnigen oder falschen Corona-Tests entstand ein Schaden von 10,5 Milliarden Euro.

Und wie war es möglich, dass die Mehrzahl der Experten einfach feige schwieg, obwohl sie doch merkten, dass dies alles gar nichts mehr mit Wissenschaft zu tun hatte, sondern nur noch mit reiner Willkür? Und warum machten die Journalisten fast alle mit und überboten sich z.T. sogar noch mit ihrer völlig unkritischen und willfährigen Hofberichterstattung, indem sie z.B. immer härtere Strafen gegen die sog. „Impfgegner“ forderten? So schrieb z.B. der ntv-Politressorleiter Nikolaus Blome: „Ich hingegen möchte an dieser Stelle ausdrücklich um gesellschaftliche Nachteile für all jene ersuchen, die freiwillig auf eine Impfung verzichten. Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen!“ Solch eine Anprangerung von Menschen, die sich lediglich auf ihr Grundrecht berufen von körperlicher Unversehrtheit, erfüllt schon den Straftatbestand der Volksverhetzung. Die linke ZDF-Propagandistin Sarah Bosetti ging sogar noch weiter, indem sie die durch die Medienhetze entstandene Spaltung der Gesellschaft als etwas Gutes amsah, da „sie ja nicht in der Mitte auseinanderbrechen würde, sondern ziemlich weit rechts unten. Und so ein Blinddarm ist ja nicht im strengeren Sinne essenziell für das Überleben des Gesamtkomplexes.“ Wenn man eine Minderheit im Land derart entmenschlicht, dann kann man das nicht mehr als Satire verharmlosen, denn auch die Nazis haben damals die Juden als „eiternden Blinddarm im Körper der Menschheit“, den man beseitigen müsse.

Unser Pastor wird wegen Volksverhetzung angezeigt

Anfang April wurde unser Pastor Olaf Latzel vom Rat&Tat-Zentrum für queeres Leben angezeigt, weil er in einem Eheseminar die Teilnehmer vom Christopher-Street-Day u.a. als „Verbrecher“ bezeichnet hatte. Zuvor hatten Homosexuelle während eines Gottesdienstes die Kirche betreten und sich vor aller Augen geküsst und posiert, um ihre Verachtung für die konservative Haltung der Gemeinde in Geschlechterfragen zum Ausdruck zu bringen. An einem anderen Tag verteilten dann ca. 50 Schwule und Lesben im Eingangsbereich der Kirche Flugblätter, in welchen die Gläubigen zum Kirchenaustritt aufgefordert wurden. Es wurden feministische und gotteslästerliche Parolen gerufen und man zeiget uns Gottesdienstbesuchern den Mittelfinger. Die alarmierte Polizei beendete schließlich diesen Hausfriedensbruch. Aber in der Nacht zum 08.03.2020 wurde unsere Gemeinde, eine der ältesten Kirchen in Bremen aus dem 13. Jahrhundert, von Feministinnen mit bunten Farben beschmiert. Auf den Sandsteinplatten am Eingang schrieben sie „God is gay“. Und auf einer anderen etwa 30 m lange Außenwand, die ich selbst zuvor noch kostenlos von Graffiti befreit hatte, schrieben sie mit riesigen Buchstaben: „FIGHT HOMOPHOBIA“ und sprühten zusätzlich noch das Hammer-und-Sichel-Symbol.

Bei all diesem Vandalismus auf dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude aus der Backsteingotik, dessen Beseitigung Kosten von mehreren 10.000 Euro verursacht hatte, kann man wohl verstehen, dass sich Pastor Olaf nicht dezent zurückhalten konnte in seiner Wortwahl. Er sprach in diesem Eheseminar von einer „teuflischen Homo-Lobby“, die überall auf Rathäusern ihre Regenbogenflaggen hissten, und dass diese Aktionen „Angriffe auf Gottes Schöpfungsordnung“ seien. Mal abgesehen davon, dass diese Werturteile biblisch gesehen zutreffend sind, erwartet niemand, dass sie im Einklang stehen muss mit der Meinung der Welt, die ja größtenteils gar nicht an die Bibel glaubt – wir haben ja schließlich Glaubens- und Meinungsfreiheit in Deutschland. Trotzdem aber wurde von Seiten der Justiz und der Medien so getan, als ob Olaf die Gemeinde durch seine Erläuterungen der biblischen Wahrheit dazu angestiftet hatte, gewaltsam gegen die LGBTQI+-Bewegung vorzugehen, was völlig absurd und unrealistisch ist. Vielmehr ist es doch genau anders herum, dass durch die ständige Stigmatisierung und Diffamierung von uns bibeltreuen Christen als „brauner Mob“ (wie uns der linke Pastor Klingbeil-Jahr beschimpfte) erst recht die linksextremen Aktivisten im dunkelroten Bremen gegen uns aufgehetzt werden, wie es ja auch schon lange bei der AfD der Fall ist. Hier wurde also mal mit zweierlei Maß gemessen (Spr.20:23) und die eigentlichen Opfer zu Tätern erklärt (Jes.5:20).

Mir war es ein Anliegen, unserem Pastor in dieser schweren Zeit voll und ganz den Rücken zu stärken, indem ich ihm nicht nur in persönlichen Gesprächen meinen Beistand und Verbundenheit bekunde, sondern auch bei allen Gerichtsprozessen eine Mahnwache halte mit selbstgemachten Protestschildern. Auf meinem Schild stand: » „Irret euch nicht! Weder Pornosüchtige, … noch Kinderschänder, noch Homosexualität Praktizierende …werden das Reich Gottes ererben“ (1.Kor.6:9)«. Um der besseren Verständlichkeit dieses Verses hatte die ursprüngliche Übersetzung etwas abgeändert, wobei ich mich bemühte, den Inhalt möglichst sinngemäß wiederzugeben: Das griechische Wort für „Unzüchtige“ heißt PORNOI; es schließt demnach auch Pornokonsum mit ein. Das Wort „Weichliche“ bezieht sich auf Männer, die eine unterentwickelte Persönlichkeit haben; das könnten aber auch Pädophile sein, die sich aus mangelndem Selbstwert an Kindern vergreifen. Und das Wort ἀρσενοκοῖται heißt wörtlich übersetzt: „(bei) Männern Liegende“, also jene, die nicht nur homoerotisch empfinden, sondern die Homosexualität auch praktizieren. Mit diesem Schild ging ich dann frühmorgens zur ersten Gerichtsverhandlung, um möglichst noch einen Sitzplatz im Gericht zu bekommen.

Als ich ankam, ging sofort der Jugendpastor Johannes Müller auf mich zu und forderte mich auf, das Schild sofort wieder zu verbergen: „Das ist ja gerade ein gefundenes Fressen für unsere Ankläger, Simon, wenn Du sie mit solchen Bibelversen provozierst!“ – „Aber was soll daran falsch sein, wenn wir zu dem stehen, was in der Bibel steht und was wir glauben?“ – „Darum geht es nicht. Wir stehen hier vor dem Amtsgericht und gleich kommen die Pressevertreter und linke Aktivisten. Wir wollen aber nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, deshalb pack das bitte wieder ein.“ – „Nein, das mach ich nicht. Denn wir sollen Gottes Wort bezeugen bei jeder Gelegenheit.“ – „Aber Olaf würde das nicht wollen, was Du hier machst! Außerdem – was steht da überhaupt auf Deinem Schild: ‚Irret euch nicht! Weder Pornosüchtige, noch Kinderschänder… Das steht ja so gar nicht in der Bibel! Das heißt Du verfälscht hier auch noch Gottes Wort! Das ist ja noch schlimmer!“ – „Aber es ist inhaltlich völlig richtig…“ – „Och, komm, hör doch auf!“ Er winkte ab, verließ mich und stellte sich wieder zu den anderen in die Schlange. Als dann die Presse kam, machten sie tatsächlich Fotos von meinem Schild, und einer vom Weser-Kurier interviewte mich. Als ich gefragt wurde, ob ich diese Mahnwache als Vertreter der Martinigemeinde halten würde, verneinte ich dieses. Am Ende der Gerichtsverhandlung wurde unser Pastor zu einer Geldstrafe von 8.100 € verurteilt, wogegen er jedoch in Berufung ging.


Juli bis September 2020

Ein pädophiler Satanist  oder  Opfer einer bösen Verleumdung?

Für den Sommer 2020 hatte unsere Tochter Rebekka und ihr Verlobter Dennis ihre Hochzeit geplant. Doch wegen der Corona-Vorschriften durfte zunächst nur die standesamtliche Trauung stattfinden, während die kirchliche um ein Jahr verschoben wurde. Entsprechend kleiner fiel dann auch die Feier aus, bei der sie nur uns und ein paar Studienfreunde eingeladen hatten, nicht aber die gesamte Familie. Da Dennis sein Medizinstudium für die Bundeswehr gemacht hatte, wurde er nach seinem Abschluss dann als Arzt ins Bundeswehrkrankenhaus nach Berlin geschickt. Deshalb mieteten die beiden eine Wohnung in Berlin, wo Rebekka ihr Lehramtsstudium in Spanisch und Deutsch fortsetzte. Dass wir uns dadurch nicht mehr so oft sehen würden, fanden wir nicht so schlimm. Hauptsache, dass sie sich nicht auch vom HErrn entfernen würden! Das war unsere viel größere Sorge.

Anfang Juli las ich auf Facebook dann eine Art Hilferuf: Eine deutsche Mutter aus Paraguay beklagte sich, dass man ihr ihre drei Kinder weggenommen habe und diese jetzt in den Händen ihres pädophilen Ehemanns seien. Irgendwie machte mich diese Geschichte neugierig, und ich nahm Kontakt zu ihr auf, um näheres zu erfahren. Natalia erzählte mir, dass sie in einer Mennoniten-Gemeinde aufwuchs und 2003 nach Deutschland kam, wo sie ihren späteren Ehemann Ingmar kennenlernte. Sie fand Arbeit als Krankenschwester während er ein angehender Arzt war. Doch schon sehr bald will sie ihn dabei ertappt haben, wie er Kinderpornos konsumierte. Er bekannte ihr, dass er als Kind missbraucht wurde und seither diese Neigung habe. Sie hatte Mitleid mit ihm, beschwor ihn jedoch zugleich, dass er sich niemals an den Kindern vergreifen dürfe, was er ihr hoch und heilig versicherte. Sie gingen gemeinsam zu einer Therapieberatung, aber mehr geschah wohl auch nicht. Als ihr erster Sohn sich im Kindergarten auffällig verhielt, schöpfte sie zunächst noch keinen Verdacht. Aber dann häuften sich immer mehr die Ungereimtheiten, besonders wenn Natalia morgens vom Nachtdienst nach Haus kam: mal erzählte die Nachbarin etwas von zwei Transvestiten, die in aller Früh das Haus verließen, dann fand sie einen Schlüpfer vom Sohn im Müll mit einem Blutfleck drauf etc.

Aber dann passierte etwas, das fast zu unglaublich war, als dass es wahr sein konnte: Natalia berichtete von einem baufälligen Haus in Hockenheim, wo Ingmar immer mit den beiden Kindern am Wochenende hinfuhr, um dort zu renovieren. Sie selbst sollte dorthin meist nicht mit hinkommen, was ihr merkwürdig vorkam. Irgendwann kurz vor Weihnachten 2016 platzte sie vor Neugier und fuhr dann am Abend heimlich dorthin mit ihren Kindern, während ihr Mann auf der Arbeit war. Sie wusste, wo der Schlüssel versteckt war und sah sich überall im leerstehenden Haus um, ohne dass ihr etwas Besonderes auffiel (außer dass gar keine echten Renovierungsarbeiten stattgefunden haben, seit sie das letzte Mal vor Monaten dort war. Doch dann wollte sie auch nochmal im Keller nachsehen. Sie sei die Stufen hinuntergegangen und will auf einmal zwei Kinder gesehen haben, die nur mit Windeln bekleidet waren. Sie habe sie angesprochen, aber sie hätten ihr „in einer slavischen Sprache“ geantwortet, die sie nicht verstanden habe. Auch sollen sie leicht sediert und verängstigt gewirkt haben. Vor Schreck habe sie sofort die Polizei anrufen wollen, aber der Akku des Handys war leer. Deshalb fuhr sie mit dem Auto zur nahe gelegenen Polizeistation und berichtete dem Beamten aufgeregt, was sie dort gesehen habe. Sie ging nun davon aus, dass die Polizei sofort dorthin fahre und die Kinder befreie, weshalb sie beruhigt nach Hause fuhr.

Doch auch eine Woche später habe sie nichts von der Polizei hehört, weshalb sie selbst noch einmal nach Hockenheim gefahren sei. Diesmal soll niemand im Keller gewesen sein. Aber dann sah sie eine Tür zum Anbau und hinter dieser eine Bodentür, die in einen unteren Keller führte. Sie habe diese aufgemacht und sei mit dem Licht ihrer Handy-Taschenlampe hinabgestiegen. Da will sie auf einmal mehrere Kinder gesehen haben, die auch nur mit Windeln bekleidet waren und hinter Holzverschlägen gefangen gewesen seien. Sie habe sofort alles gefilmt und habe dann einen Raum betreten, in dem ein großes Bett zu sehen war und über diesem eine Glasscheibe an der Decke. Dahinter sah sie eine Kamera und Kabel verlegt. Daraufhin habe sie sich so erschrocken, dass sie völlig kopflos nach Hause gefahren, um ihren Mann und ihre Schwiegereltern zur Rede zu stellen, was es damit auf sich habe. Spätestens hier wurde die Geschichte für mich unglaubwürdig: „Warum hast Du denn nicht sofort die Polizei angerufen?“ – „Weil ich völlig durcheinander war und erstmal wissen wollte, was Ingmar und seine Eltern dazu sagen.“ – „Und was haben sie gesagt?“ – „Sie haben mich bedroht, ich solle mich nicht in Dinge einmischen, die mich nichts angehen.“ – „Aber das ist doch völlig unglaubwürdig! Wenn es wirklich um Kinder geht, die gefangen gehalten werden, dann kann man doch nicht mehr von Einmischung reden, sondern ist verpflichtet, sie sofort befreien zu lassen.“

Natalia berichtete mir dann, wie ihr Mann sich in den Wochen danach immer merkwürdiger verhielt, ja sogar auf einmal einen Anschlag auf ihr Leben verübt hatte. Die Polizei wertete dies als „häusliche Gewalt“ und erteilte dem Ingmar ein Kontaktverbot. Natalia beantragte die Scheidung, so dass Ingmar sich eine eigene Wohnung nahm. Doch dann erzählten ihre Kinder Emil und Tabea ihr, dass ihr Vater und Opa sie schon mehrmals missbraucht hätten und berichteten ihr viele Details, die sie dann auf Band aufnahm. Sie spielte mir eine dieser Aufnahmen vor, die mich ziemlich erschütterte. Sie habe dann eine Anzeige gegen ihren Mann wegen Kindesmissbrauch gemacht und schickte mir handgeschriebene Zeugenaussagen ihrer beiden Kinder, in denen Dinge beschrieben wurden, die sich ein 9-Jähriger nicht ausdenken konnte. „Was ist denn aus den Kindern von Hockenheim geworden? Wie ist das ausgegangen?“ – „Keine Ahnung. Die Polizei erzählt mir nichts. Ich habe das Gefühl, dass die alle unter einer Decke stecken. Mein Mann und sein Vater gehören nämlich zu einem satanischen Geheimbund. Die entführen Kinder, missbrauchen sie und opfern sie dann für Satan. Die Behörden decken sie, weil die Staatsanwaltschaft auch zu dieser Bruderschaft gehört.“

Woher willst Du das wissen?“ fragte ich. „Weil ich heimlich seine Bücher und Unterlagen durchstöbert habe. Er hat sich ja schon immer für Magie und Satanismus interessiert, aber ich dachte immer, dass es bloße ein Hobby sei. Aber dann fand ich jede Menge Informationen, die ich dann im Internet weiter recherchiert habe. Und jetzt bis ich mir sicher, dass sie zu einer dieser Bruderschaften gehören. Das habe ich dann auch vor Gericht erklärt.“ – „Und hat man Dir geglaubt?“ – „Nein, natürlich nicht. Mein Mann wurde freigesprochen und das Sorgerecht hat er auch noch bekommen! Noch im Gerichtssaal hat man mir die Kinder weggenommen und sie vorrübergehend in die Obhut des Jugendamts gegeben. Aber am 31.07.20 wird man ihm die Kinder übergeben, und dann kann er mit ihnen machen, was er will!“ – „Aber das kann doch gar nicht sein. Die haben doch die Audioaufnahmen gehört und die Aussagen der Kinder gelesen. Da können die doch nicht so tun, als wenn Du Dir dies alles ausgedacht hättest!

Ich war empört und fassungslos. Die Geschichte von Natalia hatte zwar so manche Merkwürdigkeiten, aber das lag wohl eher an ihrer Einfalt und Arglosigkeit. Und in der Tat wirkte sie für mich wie die Unschuld vom Lande: Treuherzig, gutgläubig und grundanständig, allerdings auch ziemlich naiv und manipulierbar. Man muss ja bedenken, dass sie in einer Mennoniten-Gemeinschaft aufgewachsen ist, wo sie völlig abgeschnitten war von der modernen Welt. Das würde gut erklären, warum sie mit den Themen Pädophilie und Satanismus von Anfang an recht ahnungslos und unbeholfen umging. Außerdem: Welchen Grund sollte sie haben, sich von ihrem Ehemann zu trennen, zumal sie sich doch erst kurz zuvor ein eigenes Haus gekauft haben? Es ist eher anzunehmen, dass sie über manche Ungereimtheit einfach hinweggeschaut hat, weil sie um der Kinder willen ihre Ehe nicht gefährden wollte. Und jetzt war genau das geschehen. Dieser Ingmar musste als Arzt einen so respektvollen Eindruck auf das Gericht gemacht haben, dass man ihm all diese Untaten nicht zugetraut hat. Auch in der Strafverfolgung gibt es bei manchen Ermittlern wohl noch einen gewaltigen Nachschulungsbedarf, da man sich Satanisten eher als verrückte, tätowierte Gruftis vorstellt und nicht als hochintelligente Psychopathen mit Anzug und Krawatte. Dabei liegt es doch in der Natur der Sache, dass sie zum Zwecke der Geheimhaltung hochprofessionell vorgehen und sich ein argloses Mennoniten-Mägdlein mit schlichtem Gemüt doch noch am besten zur Tarnung eignet, um ein bürgerlich-konservatives Leben vorzutäuschen.

Kein Platz für Aussätzige

Ich versprach der Natalia, dass ich ihr helfen wolle, um diesen inzwischen abgeschlossenen Familienrechtsstreit noch einmal neu aufzurollen. Dazu bedurfte es aber knallharter Beweise. Es musste doch irgendwie möglich sein, sich Zugang zu jenem Keller in Hockenheim zu verschaffen, wo angeblich die Kinderpornos gedreht werden. Aber wie sollte ich das anstellen, zumal ich ja in Bremen wohne? Ich betete und erbat von Gott Weisheit, dass Er doch der Natalia Gerechtigkeit widerfahren lassen möge. Dann erzählte ich diese Geschichte einer befreundeten Schwester aus Pforzheim und fragte sie, ob sie der Natalia nicht irgendwie helfen könne. Auch sie war erschüttert und bot an, die Natalia zu besuchen. Später berichtete sie mir, dass sie mit Natalia zusammen zum Haus nach Hockenheim gefahren sei. Dort habe sie einfach geklingelt und sich dem Vater von Ingmar als jemand ausgegeben, der ein Haus kaufen wolle und deshalb auf dieses unbewohnte Haus aufmerksam wurde. Sie fragte, ob es zum Verkauf stehe und sie es mal von innen besichtigen dürfe. Leider hatte sie mit dieser raffinierten Idee keinen Erfolg, da Ingmars Familie das Haus nicht verkaufen wollte.

Da meine Frau Ruth und Rebekka Anfang September einen gemeinsamen Urlaub machen wollten, nahm ich mir vor, wieder eine Deutschlandrundreise zu machen, um bei dieser Gelegenheit nicht nur meine bekannten Brüder zu besuchen, sondern auch mal die Natalia und ihren Ex-Mann, um die Wahrheit herauszufinden. So fuhr ich am 05.09.20 los, zunächst zu Bruder Johannes (32) nach Halle (Saale) zu, der mich schon mit ein paar anderen Brüdern zum gemeinsamen Evangelisieren erwartete. Nachdem ich angekommen war, traf ich mich sogleich mit Johannes im Stadtzentrum, zusammen mit den charismatischen Geschwistern Susanne und Dirk, der gerade auf seiner Gitarre spielte und etwa 100-mal hintereinander das Lied sang: „Komm zu dem Herrn, denn er hat den Sieg“ (der Refrain, der nur aus einem ständig wiederholten „Halleluja“ bestand, erinnerte mich ein wenig an die monotonen Lieder von Hare Krishna, wegen der ständigen Wiederholungen). Die Stimmung war aber sehr fröhlich und unbeschwert. Johannes machte sogar mit der Susanne einen Ringeltanz, und ich legte mir meine Faltplakate-Weste an, so dass man schon von Weitem sehen konnte, um was es in den Traktaten ging, die ich verteilte. Die Leute waren leider sehr abweisend und schauten uns nur mit einem mitleidigen Lächeln an. Sie dachten wohl, dass wir eine Gruppe von Irren sind. Johannes hatte mir schon erzählt, dass 94 % der Bürger von Halle Atheisten sind. Vor 300 Jahren war es noch ganz anders, – da war Halle eine der gottesfürchtigsten Städte in Deutschland mit sehr vielen Kirchen, als August Hermann Franke und andere Pietisten die Halleschen Waisenhäuser gegründet hatten. Damals riefen die Menschen “Hosianna!“ und heute sagen sie nur noch: „Kreuziget ihn!“ So schnell kann sich alles ändern.

Trotz zahlreicher Ablehnung haben dennoch ausreichend viele die Traktate angenommen, besonders auch Araber, denen ich jeweils eine Jesus-Film-DVD auf Arabisch schenken konnte. Am Nachmittag verabschiedete ich mich dann von den Geschwistern und fuhr weiter nach Radeberg, um den Bruder Lutz (60) abzuholen, den ich schon seit ein paar Jahren durch Facebook kennen gelernt hatte, um gemeinsam weiterzufahren nach Bautzen, wo wir von den Geschwistern Johannes und Diana, sowie Bruder Klaus erwartet wurden. Zuvor wollten wir jedoch eine ganz neue Freikirche in Radeberg besuchen, um zu sehen, ob das vielleicht eine Gemeinde für Lutz wäre, der schon längere Zeit ohne Gemeinschaft war (auch Lutz glaubte an die Allversöhnung). Da wir etwas zu früh waren und der Gottesdienst erst 45 Minuten später beginnen sollte, setzten wir uns zu den größtenteils noch recht jungen Geschwistern der Gemeinde an einen Tisch im Vorraum der Gemeinde und stellten uns gegenseitig vor. Als ich an der Reihe war, gab ich Zeugnis davon, wie der HErr Jesus mich errettet hat von großer Sündenschuld und mir durch Gnade auch die Erkenntnis der Allversöhnung schenkte. Ein junger Bruder, der erst seit einem Jahr gläubig war (wie er zuvor berichtete), stand abrupt auf und sagte, dass man einen wie mich nicht in der Gemeinde dulden dürfe, weil ja die Allversöhnung angeblich eine Irrlehre sei. Begründen konnte und wollte er dies nicht, sondern er ergriff mich vielmehr am Arm und zog mich regelrecht aus der Gemeinde heraus. Lutz folgte mir lächelnd und wunderte sich nur, warum ich gleich mit der Tür ins Haus gefallen sei. Ich sagte: „Es ist doch gut, wenn doch gleich im Anfang feststeht, welcher Geist in der Gemeinde weht, um nicht erst später enttäuscht zu werden.“

Wir fuhren dann weiter zu Bruder Johannes nach Bautzen, wo wir gemeinsam Abendbrot aßen und man sich zum Kennenlernen jeweils aus seinem bisherigen Leben erzählte. Am nächsten Morgen fuhr ich mit Bruder Lutz zurück nach Radeberg und von dort weiter nach Ludwigsstadt, wo ich gegen Mittag bei den Geschwistern Bernd und Brigitte ankam. Da wir uns fast ein Jahr lang nicht mehr gesehen hatten, gab es viel zu berichten beim Mittagessen, vor allem über den „Fall Natalia“, der bei den Geschwistern blankes Entsetzen hervorgerufen hatte. Am Nachmittag erhielten wir Besuch von Bernds Schwestern Sigrid und Adelheid, mit denen wir zusammen Kaffee und Kuchen zu uns nahmen und über das bevorstehende antichristliche Weltreich sprachen. Anschließend machte ich mit Bruder Bernd eine kleine Wanderung in der idyllischen Landschaft des Frankenwaldes bei untergehender Sonne. Wir sprachen über die zeitliche Abfolge der Ereignisse in den zukünftigen letzten sieben Jahren der antichristlichen Weltregierung, waren uns aber in der Frage der Entrückung nicht ganz einig (Bernd geht aufgrund von Stellen wie Lukas 12:38 und der sog. Nachtwachenlehre nach Arthur Muhl davon aus, dass es mehr als eine Entrückung gebe). Die biblische Prophetie war dann auch noch bis spät in die Nacht unser Gesprächsthema.

Am nächsten Tag sprachen wir vormittags über knifflige Fragen der Heiligung, zum Beispiel inwieweit Kunst, Musik und Humor für uns Gläubige ihre Berechtigung haben. Bernd erklärte, dass wir zwar nicht den Lüsten des Fleisches dienen dürfen, aber auch ein völlig asketisches Leben uns als Gläubige auf Dauer überfordern kann, da wir noch immer eine Seele haben, die genauso wie unser Körper Bedürfnisse hat, die befriedigt werden wollen. Gott hätte die Natur ja auch sonst zum Beispiel ohne Blumen oder Vogelgezwitscher erschaffen können, wenn Gefühle völlig bedeutungslos wären. Auch sprachen wir über das Thema Sexualität in der Ehe, die ja bei Mann und Frau ganz unterschiedlich ist und mit zunehmendem Alter auch an Bedeutung verliert. Wir waren uns einig, dass auch hier ein Kind Gottes nicht das Seinige, sondern das des anderen suchen sollte, um dadurch wirkliche Liebe zu üben. Am Nachmittag kamen wieder Adelheid und Sigrid zu Besuch, und wir sprachen über die aktuellen Verschwörungstheorien und auch über die Bedeutung der Zahl 7 in der Bibel. Am Abend hatten wir dann Bibelstunde in Lichtentanne, wo ich über Klag. 4:1-6 sprach und es auf den Zustand der heutigen Gemeinde bezog. Statt gegen Ungerechtigkeit in der Welt zu protestieren, sollten wir Gläubige lieber über den Zustand der Gemeinde heute trauern. Viele laue Geschwister werden noch verloren gehen, aber das sollte uns nicht zu Hochmut, sondern zu Mitleid veranlassen, so wie Paulus über seine jüdischen Brüder trauerte (Röm.9:1-3) und David über Saul und Absalom weinte.

In der Nacht schrieb ich dem Vater von Ingmar, stellte mich kurz vor und erklärte, dass mir an einer Aufklärung des Falles gelegen sei. Ich fragte ihn, ob wir uns nicht treffen könnten, um über die Vorfälle zu sprechen. Er willigte ein und bot an, dass wir uns am folgenden Mittwochnachmittag im Haus in Hockenheim treffen könnten, also in jenem Haus, wo nach Natalias Angaben Kinder in einem Kellerraum gefangen gehalten wurden, um mit ihnen Kinderpornos zu drehen.

Der Geisterunterscheider

Nach dem Frühstück verabschiedete ich mich von Bernd und Brigitte und machte mich auf den Weg Richtung Nürnberg, um die Familie Stanojevic in Bad Windsheim zu besuchen. Ich hatte diese Roma- bzw. Sinti- Großfamilie ja schon letztes Jahr zum ersten Mal besucht und war sehr berührt über das mächtige Handeln Gottes in dieser Familie. Ganz ohne Menschenhilfe hatte sich der HErr ihnen allen durch Träume offenbart, und schon in kürzester Zeit hatten sie durch schwere Prüfungen hindurch gelernt, wie sie dem HErrn in aller Konsequenz treu nachfolgen sollten. Besonders beeindruckt war ich von der engen Verbundenheit der fünf leiblichen Geschwister und ihrer Ehepartner, die damals noch fast alle unter einem Dach wohnten. Mit diesem Zusammenhalt war es aber inzwischen vorbei, denn es hatte eine Spaltung stattgefunden wegen der Frage der Unverlierbarkeit des Heils, was sehr schade ist. Denn eigentlich sollte eine unterschiedliche Ansicht in dieser Frage kein Anlass zum Streit – und erst recht nicht zur Trennung – sein. Vielleicht konnte ich auf diese jungen Geschwister irgendwie einwirken…

Als ich ankam und den Wagen parkte, sah ich drei Personen vor dem Haus warten. Ich dachte mir nichts dabei und ging durch die offene Tür nach oben ins Haus. Da kam mir Mariana (49), die Mutter der jungen Geschwister entgegen. Ich begrüßte sie und fragte nach ihrem Wohlergehen. Sie antwortete mit bedrückter Stimme: „Gar nicht gut“. Als ich dann oben die anderen alle begrüßte, die ebenso traurig aussahen, erzählten sie mir, was passiert war: Ihr Sohn Mike (25) hatte neben seinen drei Kindern noch einen vierten Sohn aus seiner ersten Beziehung, nämlich Mian (5). Als er 2015 zum Glauben kam, trennte er sich von seiner damaligen muslimischen Freundin und heiratete die bosnische Glaubensschwester Ivana, wobei er Mian mit in die Ehe nahm, da sich seine Ex-Freundin nicht um den gemeinsamen Sohn kümmern konnte bzw. wollte. Inzwischen hatte diese jedoch den Mike gegenüber dem Jugendamt beschuldigt, ein religiöser Fanatiker zu sein, der den Sohn Mian indoktrinieren und gegen die leibliche Mutter aufhetzen würde. Nachdem das Jugendamt die Vorwürfe überprüft hatte, entschied es sich, Mian aus der Familie hinauszunehmen und einer Pflegefamilie zu übergeben. Da sich Mike jedoch weigerte, seinen Sohn aufzugeben, drohte man ihm zusätzlich mit Gefängnis, so dass er schließlich aufgab. Heute war nun der Tag, an dem Mian abgeholt werden sollte von den drei Mitarbeitern vor der Tür, und sie gestatteten Mian noch, sein Mittagessen aufzuessen und sich von seinen Eltern zu verabschieden. Mike redete auf ihn ein, dass er am Glauben festhalten möge und erinnerte ihn an Josef, der ebenfalls seiner Familie entrissen wurde und in einem fremden Land aufwuchs – und dennoch durchhielt, weil der HErr mit ihm war. Und dann spielten sich herzzerreißende Szenen ab, als Mian schreiend ins Auto getragen wurde und Mike ihm hinterherrief wie David: „Mein Sohn! mein Sohn!“ (2.Sam.19:4).

Als wir wieder zurück in der Wohnung waren, sprachen wir lange miteinander über das Thema und ich tröstete die Eltern. Eigentlich wollten wir noch zusammen Brüder besuchen in Nürnberg, aber weil es schon spät am Nachmittag war, blieben wir und sprachen noch lange über bestimmte Lehrfragen, wie z.B. die Allversöhnung. Mike erzählte mir, dass der HErr ihm und seinen leiblichen Geschwistern ständig durch Träume neue Erkenntnisse offenbart habe, so dass er auch Klarheit in Lehrfragen erhielt. So hatte er lange Zeit Zweifel, ob die vielen Erscheinungen der charismatischen Bewegung alle auch vom Geist Gottes seien und er fragte den HErrn. Und kurz darauf erzählte der kleine Mian am Tisch, dass er einen Traum hatte von einer Taube und einem bunten Papagei, der alles nachplapperte. Und dann sah er, wie der Papagei die Taube angriff und mit seinem Schnabel verletzte. Mike deutete die Taube als Heiligen Geist und den Papagei als den falschen Geist der Charismatik, der schillernd bunt daherkommt und alles Echte nachahmt. Ich sagte ihm, dass diese Deutung aus meiner Sicht korrekt sei, da Geister in der Bibel immer mit Vögeln verglichen werden. Auch hatte Mike erkennen dürfen, dass Jesus und der Vater nicht die gleiche Person seien, wie er lange Zeit glaubte.

Am Morgen des nächsten Tages las ich in Jakobus 2 über die Benachteiligung von armen und benachteiligten Geschwistern in einer Gemeinde. Auch heute ist es in gewisser Weise so, dass man leider gerne solche Brüder bevorzugt, die „arisch“ sind und einen „hohen Wuchs“ haben (1.Sam.16:7), während dunkelhäutige und schwarzhaarige Brüder wie der Mike eher misstrauisch beäugt werden, weil man in ihnen vielleicht einen faulen Zigeuner vermutet. Dabei hat doch der HErr gerade das Geringe der Welt erwählt, um das Geachtete zu beschämen. Deshalb sollte auch unser Geschmack sich an Gottes Geschmack orientieren, anstatt an der Welt, und wir sollten jene Brüder höher achten, die in der Welt geringgeachtet werden (1.Kor.1:27, 12:23). Zu den armen und einfachen Geschwistern kann man sicherlich auch den Bruder Mike zählen, der mit nur niedriger Schulbildung, ohne abgeschlossene Lehre sich und seine Familie schon seit Jahren mit gering bezahlten Tätigkeiten über Wasser hält. Geistlich hingegen hat der HErr ihn bisher reich beschenkt, indem Er ihm ein sehr feines Gespür für menschliche Charaktere gegeben hat, was er selbst als „Gabe der Geisterunterscheidung“ bezeichnet. Aufgrund seiner vielen Träume und seiner Begabung zur Traumdeutung sieht er sich selbst als einen Propheten wie Jeremia an, der das Volk Gottes vor dem Abfall von der Glaubenstreue warnen soll. Sein heiliger Ernst beeindruckte mich, denn er lächelte praktisch nie, erst recht nicht über komische Bemerkungen oder Scherze. Seine beschwörende Art des Redens bewirkte bei vielen, dass sie ihn für einen irren und größenwahnsinnigen Fanatiker hielten, den man besser meiden sollte. Um ihn indes zu ermuntern und aufzuerbauen, versicherte ich ihm, dass ich seine Gnadengabe der Geisterunterscheidung für echt hielte und ermutigte ihn, diese Gabe im Dienst für den HErrn anzuwenden. Später sollte sich herausstellen, dass ich ihm durch dieses Lob geschadet hatte, denn ihm fehlte noch die geistliche Reife, um solch ein Lob überhaupt verkraften zu können, ohne dabei hochmütig zu werden.

Mike fragte mich, ob er mich auf der weiteren Fahrt begleiten könne, weil der HErr ihm dies gezeigt habe. Ich hatte nichts dagegen und dachte, dass er mir sogar nützlich sein könnte, nicht nur um mich abwechselnd beim Fahren und gemeinsamem Evangelisieren zu unterstützen, sondern auch, um herauszufinden, ob es sich bei den Leuten in Hockenheim um pädophile Satanisten handeln würde. So machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Baden-Württemberg. Unterwegs bestärkte ich ihn noch, seine prophetische Gabe zu nutzen, indem ich sagte, dass wir uns gut ergänzen würden. Ich hätte zwar mehr Bibelwissen und Erfahrung, aber mir fehle es an menschlicher Intuition, da ich schon immer sehr leichtgläubig sei und mich z.B. vom äußeren Anschein leicht blenden lasse. Er hingegen hätte so ein feines geistliches Gespür wie ein Profiler und könnte die Wahrheit vielleicht ans Licht bringen. Ich erzählte ihm die Geschichte von Natalia und dem „Kinderschänder-Ring“, der nach ihrer Aussage Kinder in einem Kellerverlies in Hockenheim gefangen hielt, um sie für Kinderpornos zu missbrauchen und der auch die Kinder von Natalia missbraucht und angeblich bei satanischen Ritualen habe zusehen lassen, wie Babys getötet wurden. „Und da fährst Du noch hin?“ fragte Mike. „Nicht ich allein, sondern wir beide“ – „Wann?“ – „Heute Nachmittag um 15:00 Uhr.“ Er schluckte. „Und das sind echte Satanisten?“ – „Keine Ahnung. Das wollen wir ja gerade herausfinden. Da kannst Du mal Deine Gabe der Geisterunterscheidung anwenden.“ – „Dann müssen wir sehr dafür beten!“ – „Ja, das habe ich auch schon, und wir werden es vorher noch mal tun, dass der HErr auf uns achtgebe.“

Gegen 12:00 Uhr kamen wir zunächst in Heilbronn an, und da wir noch etwas Zeit hatten, evangelisierten wir in der Fußgängerzone, wobei wir abwechselnd predigten und der andere jeweils Traktate verteilte. Dann fuhren wir weiter nach Hockenheim und hatten noch eine kleine Gebetsgemeinschaft, bevor wir dann zum Haus gingen. Ich begrüßte den Ingmar und seinen Vater, und wir setzten uns an einen Tisch. Doch bevor ich eine Einleitung machen konnte, um unser Anliegen zu erklären, fing Ingmar an, mit sanfter Stimme und einem völlig emotionslosen Ausdruck sein Bedauern über seine gescheiterte Ehe zu bekunden und über die tragischen Verdächtigungen zu sprechen, denen er sich in der Folge ausgeliefert sah. Dabei fiel mir auf, dass er kein einziges negatives Wort über Natalia verlor, was mich sehr beeindruckte. Er hatte eine ruhige, sachliche und eloquente Ausdrucksweise, wie sie für einen Akademiker typisch war. Ob er heimlich pädophil war, konnte ich nicht ausschließen, aber dass er kriminell und gewalttätig sei, konnte ich mir jetzt gar nicht mehr vorstellen. Dann begannen auch sein Vater und seine Schwägerin auf mich einzureden und beteuerten, dass Natalia eine schwere psychische Störung habe, um sich all diese Geschichten auszudenken. Ich dachte, ich müsse sie irgendwie dazu überreden, mir den Keller anschauen zu dürfen, den mir Natalia im Detail beschrieben hatte. Also sagte ich, dass ich gerne bereit sei, in diesem Konflikt zu vermitteln, aber dass ich dazu Beweisfotos bräuchte, um zukünftige Verdächtigungen auszuräumen. Auf einmal stand Mike auf und sagte mit lauter Stimme zu Ingmar: „DU BIST EIN HEUCHLER! ICH HABE GESEHEN, DASS DU ES MIT MÄNNERN UND KLEINEN JUNGEN TREIBST UND EINEN GEIST DER UNZUCHT HAST. TU BUßE UND BEKENNE VOR GOTT DEINE SÜNDEN, DANN KANN DIR NOCH VERGEBEN WERDEN. Wenn du willst, kann ich dich von deiner Pornosucht befreien im Namen Jesu, indem wir zusammen beten.“ Und zur Schwägerin Julia gewandt sagte er: „UND DU HAST DEN HUREN-GEIST DER ISEBEL, ICH SEHE ES IN DEINEN AUGEN! TU BUßE VON DEINER HUREREI!“ Und dann wandte sich Mike zu mir und sagte: „Ich kann hier nicht mehr an diesem Tisch sitzen, deshalb gehe ich jetzt raus.“ Dann ging er hinaus und machte die Tür hinter sich zu.

Das war jetzt ein Scherz, oder?“ fragte der Vater. „Ich fürchte, nein“, sagte ich, „der Bruder ist noch jung, und ich habe ihn auch jetzt erst kennengelernt. Aber er sagt von sich, dass er ein Prophet sei.“ – „Aber Sie glauben das doch nicht etwa auch, oder?“ – „Ich kann und will mir hierzu gar kein Urteil erlauben, denn dazu sehe ich mich außer Stande.  Aber ich möchte gerne zur Aufklärung in dieser Frage beitragen. Dazu müsste ich jedoch wirklich mal einen Blick in den Keller werfen, um ein paar Fotos zu machen“. Ingmar sagte: „Sie können überall hier im Haus Fotos machen, wir haben nichts zu verbergen!“ Daraufhin standen wir auf und ich ging mit den Leuten in den Keller. Überall lag Gerümpel und Sperrmüll, auf etwa fünf oder sechs Räume verteilt. Eine Bodenluke, die zu dem geheimen Verlies führen würde, konnte ich nirgends finden. Es sah aus wie ein ganz normaler Keller. Hatte sich Natalia diese Geschichte also doch nur ausgedacht? Aber wie kann man als Christ sich eine solche Geschichte ausdenken?! Wie kann man unschuldige Leute mit solchen Vorwürfen belasten? Ich war völlig ratlos und verabschiedete mich von den Leuten. Als wir losfuhren, erzählte mir Mike, dass er sich ganz sicher sei, dass diese Leute lügen, aber dass er sich auch vorstellen könne, dass auch Natalia zum Teil gelogen haben könnte. Ich sagte nur, dass ich jetzt genauso schlau sei wie vorher, aber dass vielleicht der Besuch bei Natalia Aufklärung bringen könnte…

Nun fuhren wir drei Stunden hinunter nach Hechingen, wo wir schon von Bruder Hans-Udo Hoster zum Abendessen erwartet wurden. In fröhlicher Runde unterhielten wir uns über die Erlebnisse auf unserer Reise. Die ganze Zeit blieb Mike ganz still. Als wir dann einen langen Spaziergang machten, erzählte Mike, wie er und seine Familie zum Glauben kam. Während wir auf dem Wanderweg waren, gab Hans-Udo den Passanten jeweils ein Traktat, so dass der Redefluss von Mike immer mal wieder kurz unterbrochen wurde. Als wir wieder zurück waren und uns zum Gespräch an den Tisch setzten, sagte Mike auf einmal überraschend: „Ich muss mal einen Eindruck sagen, den mir der Geist Gottes eingegeben hat. Bitte entschuldigt, dass ich ganz offen sein muss, aber das ist wirklich nicht böse gemeint. Lieber Bruder, der HErr hat mir gezeigt, dass in deinem Leben Heuchelei ist und dass du auch einen Geist der Witzelei hast.

Bevor Hans Udo sich dazu äußern konnte, wandte ich ein: „Das kann gar nicht der Geist Gottes gewesen sein, denn Dein Urteilen ist überhaupt nicht biblisch. Wir haben überhaupt nicht die Aufgabe, das Verborgene des Herzens zu beurteilen (1.Kor.4:5), und das hat auch kein einziger Prophet der Bibel je getan“. Mike unterbrach mich sofort: „Das kannst du gar nicht beurteilen, weil du diese Geistesgabe – wie ich sie habe – gar nicht hast. Der HErr hat mich dies sehen lassen, und es steht geschrieben, dass wir Weissagungen nicht verachten sollen“. – „Ja, aber im nächsten Vers steht: ‚prüfet aber alles und nur das Gute behaltet‘. Was du hier aber sagst, ist ganz und gar nicht gut und in Ordnung, denn du beschuldigst den alten Bruder völlig ungebührlich und ohne Grund, obwohl er dir seine Gastfreundschaft angeboten hat, und das ist niemals vom Heiligen Geist, sondern völlig lieblos. Die Liebe aber ist ‚milde‘, d.h. wörtlich ‚gebrauchsfähig‘. Wenn du aber ohne Anlass solche ungeheuerlichen Vorwürfe machst, kann deine Kritik niemals Wirkung haben, selbst wenn sie berechtigt wäre, weil sie unannehmbar und unverdaulich ist.“ Mike erwiderte: „Du argumentierst seelisch und menschlich, aber nicht geistlich. Es steht auch geschrieben, dass die Liebe sich nicht mit der Ungerechtigkeit freut, sondern mit der Wahrheit. Du aber willst immer Menschen gefallen und sagst das, was die Menschen hören wollen, aber ich muss das sagen, was der Geist Gottes mir gebietet.“ – „Dann ist das aber ein falscher Geist, der Dir das sagt, weil es fundamental dem Wort Gottes widerspricht. Wir sollen nicht die Motive anderer beurteilen, sondern nur ihre Werke. Und außerdem steht geschrieben: ‚Vor grauem Haare sollst du aufstehen und die Person eines Greises ehren, und du sollst dich fürchten vor deinem Gott. Ich bin der HErr‘ (3.Mo.19:32). Der Geist Gottes wird dir aber nie etwas eingeben, was dem Wort Gottes widerspricht.

Nun mischte sich Hans-Udo ins Gespräch: „Ich würde auch gerne mal was dazu sagen. Und zwar habt ihr beide ja aus 1.Korinther 13 zitiert, und dort gibt es auch noch einen weiteren Vers, den ich hier mal vorlesen möchte: ‚Als ich Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und beurteilte wie ein Kind. Als ich aber erwachsen wurde, tat ich das Kindische hinweg. Mike, Du hast heute gezeigt, dass du wirklich noch ein Kind im Glauben bist und deshalb nehme ich Dir auch nicht übel, was Du über uns gesagt hast. Es ist ohnehin keine Kunst, wenn man jemandem vorwirft, zu heucheln, denn diesen Vorwurf kann man praktisch jedem Menschen machen, weil niemand wirklich immer aufrichtig ist. Wenn Du aber wirklich mir eine Sünde vorwerfen willst, dann musst Du sie auch konkret begründen, denn sonst kann niemand etwas mit dem Vorwurf der Heuchelei anfangen.“ Mike antwortete: „Als wir zum Beispiel vorhin spazieren gingen, da hast du die ganze Zeit immer wieder Traktate verteilt, um uns zu beeindrucken. Das zum Beispiel ist Heuchelei.“ Hans Udo grinste und sagte: „Warum hat der Heilige Geist Dir dann nicht auch gezeigt, dass ich jeden Abend beim Spazierengehen Traktate mitnehme und sie jedes Mal den Passanten gebe?“ Mike war jedoch uneinsichtig und beharrte darauf, dass er diese Botschaft sagen musste, weil sie angeblich vom HErrn war. Er verabschiedete sich vorzeitig von uns, um ins Bett zu gehen, und ich sprach noch eine Weile mit Hans-Udo über alles Mögliche. Als ich mich eine Stunde später zu Mike ins Bett legte, war er noch wach und wir sprachen noch etwa eine halbe Stunde über seine Kritik. Ich sagte ihm zum Trost, dass ich seine prophetische Gabe nicht grundsätzlich infrage stellen würde, dass er aber zuweilen sich irren kann und über das Ziel hinausschieße. Nach 1.Kor.14:29 muss auch das Wort eines Propheten beurteilt werden können. Dann schliefen wir ein.

Beim Frühstück am nächsten Tag aß Mike kaum etwas da er wohl glaubte, sich zu versündigen (Spr.23:6-8). Und dann fing er schon wieder an, dem Hans-Udo vorzuwerfen, er habe die Sünde der Witzelei begangen, als er bei unserer Ankunft eine scherzhafte Bemerkung gemacht hatte. Mir warf er vor, dass ich diese Sünde fahrlässig decken würde, so dass ich dem Hans-Udo an der Buße hindern würde: „Du wirst eines Tages vor Gott Rechenschaft ablegen dafür, dass du mir in den Rücken gefallen bist und Hans-Udo dadurch vielleicht verloren geht!“ Ich erklärte ihm, dass er völlig übertreiben würde und sich wie Asael in 2.Sam.3 verrannt hätte, der dem Abner immer wieder hinterherlief, weil er sich unbedingt an einem Großen messen wollte und dies ihm am Ende zum Verhängnis wurde. Er solle doch lieber als junger Mann das Gebot in Klag.3:29 befolgen, seinen Mund in den Staub zu legen, bis es Hoffnung für ihn gäbe. Wenn er aber nicht aufhöre, würde ihn eines Tages sein Hochmut zu Fall bringen. Mike ließ sich jedoch nicht überzeugen, weshalb ich ihm den Vorschlag machte, diesen Streit zu beenden, indem wir ihn einvernehmlich in die Hand Gottes legten, um wie ein Schiedsrichter zwischen uns zu entscheiden. Damit war er einverstanden.

Wir verabschiedeten uns von Hans-Udo und Elsbeth und fuhren Richtung Stuttgart. Auf dem Weg urteilte Mike über mich, dass ich auch nicht frei sei von Witzelei, Heuchelei und Menschengefälligkeit. Ich gab zu, dass er in punkto Witzelei recht habe und ich mir diese Ermahnung zu Herzen nehmen würde, dass aber der Vorwurf der Heuchelei und Menschengefälligkeit wie Gummi sei, dass irgendwie immer passen würde, aber dadurch wirkungslos bliebe. Wir vereinbarten, uns nicht länger zu streiten, zumal dies nur im Interesse des Feindes sei. In Stuttgart angekommen, legte ich mir wieder meine Schilder um und wir marschierten in die Innenstadt. Mike sang christliche Lieder und ich verteilte alle Traktate, bis auch nicht eines mehr übrigblieb. Dann gingen wir in den Schlosspark und sprachen allein sitzende Personen an, die auf einer Bank saßen. Gott schenkte viele Gespräche, sodass wir voller Freude waren, dass der HErr unseren Dienst so gesegnet hat.

Wir fuhren nun nach Heidelberg zu Bruder Lukas (52), der wie ich Malermeister ist und den ich schon seit über 25 Jahren kenne, um dort zu übernachten. Lukas war gerade in seine neue Wohnung eingezogen, so dass noch nicht alle Kartons ausgepackt waren. Dennoch war er trotz der Unannehmlichkeit überaus gastfreundlich und ließ durch seine beiden Töchter Frohmute und Heidelind den Abendbrotstisch decken. Währenddessen unterhielten wir uns über die Gottheit Jesu und stellten gemeinsam fest, dass es bei dieser Streitfrage eigentlich nur um verschiedene Deutungen des Begriffes „Gott“ gehe. Mike hörte unserer Unterredung angespannt zu, meinte jedoch herauszuhören, dass Lukas die Göttlichkeit Jesu leugnen würde, weil er die Lehre von der Dreieinigkeit ablehnte. Während des Abendessens nahm Mike nichts zu sich, obwohl er eigentlich ziemlich hungrig gewesen sein muss, da er kaum etwas gegessen hatte in den letzten zwei Tagen. Dann stand er auf und sagte: „Simon, ich kann hier nicht mehr bleiben, weil Lukas den Geist des Antichristen hat. Denn es steht geschrieben, dass, wer leugnet, dass Gott im Fleisch gekommen ist, den Geist des Antichrist hat!“ Lukas unterbrach ihn: „Das hast Du aber falsch zitiert, denn es heißt: ‚Wer leugnet, dass Christus im Fleisch gekommen ist‘ (1.Joh.4:2)…“ – Mike ging nicht darauf ein, sondern fuhr fort: „Ich darf nicht bei jemandem im Haus übernachten, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt; deshalb will ich lieber im Auto übernachten.“ Lukas sagte: „Aber es heißt dort: ‚den nehmet nicht ins Haus auf‘ (2.Joh.9). Du brauchst mich aber doch gar nicht in Dein Haus aufnehmen, sondern kannst Dich hier ganz frei fühlen und darfst hier übernachten“. Ich sagte: „Lass man. Er will im Auto übernachten, dann lass ihn das tun“. Ich übergab ihm den Autoschlüssel, und er verließ die Wohnung. Die pubertären Töchter von Lukas standen ziemlich unter Schock und sagten, dass ihr Vater noch nie so sehr beleidigt wurde vor ihren Augen. Ich entschuldigte mich bei ihnen für das schlechte Benehmen meines Freundes, aber Lukas nahm dies gelassen, da er solche fanatischen Eiferer schon öfters erlebt hatte. „Im Moment scheint er sich ja für den Stellvertreter Gottes auf Erden zu halten. Meistens sind das ja solche Brüder mit geringer Schulbildung und Minderwertigkeitskomplexen, nicht wahr?“ Ich nickte und gestand mir ein, dass ich wohl selbst daran schuld war, dass er sich so sehr überhoben hatte. Als ich mich schlafen legen wollte, las ich auf dem Handy eine Nachricht von Mike: „Er ist ein Antichrist, weil er nicht bekennt das Gott in Fleisch gekommen ist.“ Ich schrieb ihm: „Wenn Du Deine unnüchternen und vorschnellen Verurteilungen nicht zurücknimmst, kann ich Dich nicht weiter mitnehmen, sondern werde Dich morgen nach Haus schicken. Daraufhin warf er mir eine „falsche Liebe“ vor und dass ich mich den Menschen durch ein „falsches Kissen“ anbiedern würde, um ihre Freundschaft nicht zu verlieren.

Ich verabschiedete mich am Morgen ohne Frühstück von Lukas und ging zum Wagen, wo Mike bereits auf mich wartete. Während ich ihn zum Bahnhof Heidelberg fuhr, wechselten wir kein Wort, bis wir am Bahnhof ankamen. Wir gingen ins Foyer des Bahnhofs, und ich gab ihm Geld für die Fahrkarte, das er zunächst nicht annehmen wollte. Dann sagten wir uns Lebewohl und befahlen uns der Gnade Gottes an.

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