„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“

(Röm.13:12)

– Stich-Worte Teil 7

 

  1. Himmel

„Unser Bürgertum ist in den Himmeln, von woher wir auch den HErrn Jesus Christus als Heiland erwarten.“ 

(Phil.3:20)

Man findet heute im Internet unzählige Predigten, die sich mit der Endzeit und der Wiederkunft Christi beschäftigen. Wir wissen heute mehr denn je zuvor, auf was wir genau achten müssen und wie wir uns verhalten müssen, wenn der Antichrist kommt. Viele Gläubige kennen sich nicht nur über die genaue zeitliche Abfolge der Ereignisse aus, sondern können sogar schon ziemlich sicher voraussagen, wann in etwa die siebenjährige Drangsal beginnen müsste. Daraus leiten einige von ihnen sogar Konsequenzen ab, wenn es um die Frage geht, ob sich z.B. bestimmte Investitionen noch lohnen oder nicht. Denn wenn erstmal der HErr gekommen ist und die Entrückung stattgefunden hat, dann spielen alle irdischen Belange ja ohnehin keine Rolle mehr, weil wir dann am Ziele sind. Aber: Wie geht es dann eigentlich weiter?

Kommen wir eigentlich in den Himmel?

Die Formulierung „in den Himmel kommen“ ist heute so geläufig, dass man eigentlich davon ausgehen müsste, dass sie aus der Bibel ist. Tatsächlich steht aber an keiner einzigen Stelle in der Heiligen Schrift, dass wir Gläubigen „in den Himmel kommen“. Der HErr spricht zwar von einem „Eingehen ins Reich der Himmel“ (Mt.5:20, 7:21) oder ins „Reich Gottes“ (Mk.9:47, 10:23-25), aber zugleich betont Er, dass das Reich Gottes nicht an einem bestimmten Ort lokalisierbar ist, sondern dass es „mitten unter euch ist“ (Luk.17:21). Das bedeutet, immer dann, wenn Gläubige gemeinsam den Willen Gottes tun, verwirklichen sie das Reich Gottes. In Matthäus 13 z.B. beschreibt der HErr in sieben Gleichnissen das Reich der Himmel als einen Ort hier auf Erden, wo Gott am Wirken ist, aber wo der Feind u.a. immer wieder versucht, dieses Werk zu zerstören (Mt.13:24-33). Man könnte also sagen, dass das „Reich der Himmel“ alles und jeden umfasst, der sich mal bekehrt hat und dadurch in das Reich Gottes eingegangen ist.

Interessanterweise lesen wir auch von unserer Entrückung, dass diese nicht in den Himmel erfolgt, sondern „in     Wolken     dem    HErrn    entgegen     in    die      Luft“ (1.Thes.4:17). In früheren Zeiten war es ein Ausdruck der Liebe und Ehrerbietung, wenn man einem König oder geliebten Besucher kurz vor seiner Ankunft schon einmal entgegenkam, um ihn das letzte Stück seiner Reise zu begleiten (1.Mo.18:2, 19:1, 24:65, 46:29, 2.Mo.18:7, 1.Sam.10:10, 13:10, 16:4, 21:1, 25:32 usw. Im NT: Apg.10:25, 28:15, Hebr.7:1). Ob und wenn ja wie lange sich dadurch die Ankunft des HErrn u.U. verzögert (z.B. eine halbe Stunde, laut Offb.8:1, um vorher noch die Hochzeit zu feiern?), wissen wir nicht, aber persönlich halte ich es eher für unwahrscheinlich, wenn diese Verzögerung die gesamten letzten 3 ½ Jahre andauern würde. Wir begegnen dem HErrn in der Luft und dann kommt Er mit uns und allen Heiligen auf die Erde (1.Th.3:13).

Nun spricht die Bibel aber auch von einem „himmlischen Jerusalem“, von „Wohnungen im Haus des Vaters“ und von „Hütten im Himmel“, in denen zu wohnen wir begehren (Joh.14:2-3, Offb.3:12, 13:6). Was hierbei jedoch zu beachten ist, ist, dass diese Wohnungen im Himmel derzeit nur „bereitet“ werden (Joh:3, Offb.21:2), aber erst dann bezugsfähig sind, wenn die Stadt Gottes aus dem Himmel auf die Erde kommt. Deshalb spricht Paulus von dieser „Behausung“ nicht im Himmel, sondern „aus dem Himmel“ (2.Kor.5:2). Unser Erbteil und unsere Hoffnung ist derzeit für uns nur „aufbewahrt“ und „aufgehoben in den Himmeln“ (Kol.1:5, 1.Petr.1:4). Von uns Gläubigen, die der HErr durch Sein Blut aus jedem Stamm, Sprache und Volk für Gott erkauft hat, lesen wir, dass wir als Könige und Priester „über die Erde herrschen werden“ (Offb.5:9). Dies stimmt auch mit den Worten des HErrn in Luk.19 überein, wo Er Seine Verwalter zur Belohnung die Herrschaft über bestimmte Städte überträgt (Luk.19:12-27). Von daher ist unser Erscheinen im Himmel nur vorübergehend, wenn wir als Gemeinde mit dem HErrn vermählt werden. Danach werden wir dann mit Ihm regieren auf der Erde während des 1000-jährigen Reiches.

Wie ist eigentlich der Himmel?

Da nur Derjenige, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, wissen kann, wie es im Himmel ist (Joh.3:13), haben wir nur die Aussagen vom HErrn Jesus, sowie die Beschreibungen von Micha (1.Kön.22:19-23),  Jesaja (Jes.6:1-3), Hesekiel (Hes.1:4-28) und Johannes (Offb.422). Von Paulus wissen wir, dass es drei Himmel gibt (2.Kor.12:2), was erklären würde, warum von den „Himmeln“ häufig in der Mehrzahl gesprochen wird. Zu den Himmeln, die der HErr in 1.Mo.1:1 schuf, gehören auch alle Engelwesen. Der erste Himmel ist vermutlich der natürliche Luftraum, den man auf Englisch „sky“ nennt. Der zweite und dritte Himmel (engl. haeven) ist die unsichtbare Engel- und Geisterwelt sein, die Paulus im Epheserbrief mit „himmlische Örter“ bezeichnet (Eph.1:3+20, 2:6, 3:10, 6:12). Um eine blasse Vorstellung zu haben, wie diese unsichtbare Welt ist, hat die Bibel diese mit unserem Himmel verglichen, von dem man bis vor etwa 400 Jahren ebenso nichts wissen konnte, bis Galileo das Fernrohr erfand. Als der Sowjetrusse Juri Gagarin 1961 als erster Mensch ins All flog, soll er ja angeblich gesagt haben, dass er dort Gott nicht begegnet sei, – was sich später als Verleumdung der Sowjetpropaganda erwies, denn Juri hatte als überzeugter Christ genau das Gegenteil gesagt. Aber unabhängig davon glaubt außer den Mormonen heute niemand, dass sich Gott und die Engelwelt irgendwo an einem bestimmten Ort im Universum aufhalten. Heute wissen die Physiker, dass es nicht nur mehr als vier Dimensionen gibt, sondern auch die Quantenmechanik und die sog. „dunkle Materie“, die die Welt im Innersten zusammenhalten soll.

Nach der Auferstehung bekommen wir einen unsterblichen Leib geschenkt (1.Kor.15:53). Ob wir dann noch unser Geschlecht behalten, wissen wir nicht, sondern nur, dass es dann keine Ehen mehr gibt und folglich wohl auch keine Fortpflanzung (Luk.20:36-36). Wir werden dann die Herrlichkeit unseres HErrn sehen, wie Er es vom himmlischen Vater erbat (Joh.17:24), und diese Herrlichkeit ist nicht zu vergleichen mit den Leiden der Jetztzeit (Röm.8:18). Was wir aber dann für Aufgaben haben und wer wir überhaupt sein werden, das „ist noch nicht offenbar geworden“ (1.Joh.3:2). Die Vorstellung, dass wir dann den ganzen Tag im Himmel nur auf einer Harfe spielen, ist biblisch nicht belegbar, noch nicht einmal, ob wir uns dann immer nur im Himmel aufhalten. Denn dass wir laut Offb.7:15 einmal „vor dem Throne Gottes sind und Ihm Tag und Nacht in Seinem Tempel dienen“, ist sicherlich vor allem geistlich zu verstehen, indem wir Ihm geistliche Schlachtopfer darbringen durch das Tun Seines Willens – egal wo auch immer.

Was bedeutet es, dass unsere Namen „in den Himmeln angeschrieben sind“?

In Luk.10:20 erinnert uns der HErr daran, dass wir uns vor allem freuen sollen, dass unsere Namen in den Himmeln angeschrieben sind. Schon Mose wusste, dass Gott ein Buch geschrieben hat, aus dem all jene gelöscht werden, die gegen den HErrn gesündigt haben (2.Mo.32:32-33). Nach Psalm 69:28 sind in diesem Buch die „Gerechten“ eingetragen, und offenbar ist es jederzeit möglich, dass Menschen in dieses Buch eingetragen und auch wieder gelöscht werden können (Offb.3:5). Wir wissen aus Offb.20:12+15, dass am Ende das Eingetragensein eines Namens ins „Buch des Lebens“ abschließend darüber entscheidet, ob jemand in den Feuersee geworfen wird oder nicht. Da Gott aber grundsätzlich will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, wird Er auch nach dem Tod eines bis dahin noch nicht gläubig Gewordenen Sein Vorhaben nicht einfach vorzeitig aufgeben, sondern dem Verlorenen weiter nachgehen, bis Er es findet (Luk.15:4). Deshalb finden seit dem ersten Predigen des HErrn im Totenreich Massenbekehrungen statt, die zwar ausreichend deutlich bezeugt sind in der Schrift, aber kaum beachtet werden von den heutigen Predigern: Joh.5:24-25, Röm.14:9, 1.Petr. 3:18-20, 4:6, Jes.21:11-12, Ps.107:10-16, Hes.16:53-63 u.a. Wenn also das Gericht am großen weißen Thron stattfinden wird, dann werden die allermeisten Menschen bereits im Buch des Lebens stehen.

Nun wird von einigen Predigern wie etwa Roger Liebi die Theorie vertreten, dass alle Menschen von Anfang an im Buch des Lebens stehen und dann bei ihrem Tod aufgrund mangelnder Bekehrung wieder gelöscht werden. Grund für diese Annahme ist wohl die falsche Prämisse, dass ein Gläubiger nicht mehr verloren gehen könne und dies ja aufgrund von Offb.3:5 doch noch möglich wäre, da der HErr Jesus ja dort von der Möglichkeit spricht, dass Gläubige noch aus dem Buch des Lebens gelöscht werden können. Dass diese Annahme aber äußerst fragwürdig ist, möchte ich an Hand von drei Bibelstellen belegen:

  1. Laut Luk.10:20 ist das Angeschriebensein eines Namens im Himmel ein Privileg, dass Anlass zur Freude geben soll. Wenn aber ohnehin alle Menschen im Buch des Lebens stünden, dann wäre das nichts Besonderes mehr, sondern eher etwas Banales, das keinen Anlass zur Freude gäbe.
  2. Laut Phil.4:3 spricht Paulus von seinen „übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens sind“. Wenn dieses Vorrecht aber für alle Menschen gilt, wären entweder alle Menschen seine Mitarbeiter oder er erwähnt ein Attribut seiner Mitarbeiter, das alle Menschen besitzen, so als würde er sagen: „die eine Nase im Gesicht haben“. Beides wäre gleichermaßen widersinnig.
  3. Laut Offb.13:8 werden alle Menschen das Tier anbeten, „deren Namen nicht geschrieben ist in dem Buch des Lebens des Lammes von Grundlegung der Welt an“. Wenn alle Namen der Menschen von Grundlegung der Welt an im Buch des Lebens stehen würden, dann würde demnach niemand das Tier anbeten können und der Satz würde keinen Sinn mehr ergeben.

 

  1. Feinde

Lehre mich, HErr, Deinen Weg, und leite mich auf ebenem Pfade, um meiner Feinde willen.“ (Ps.27:11)

Wenn wir die Psalmen lesen, stoßen wir immer wieder auf Davids „Feinde“. Insgesamt 70 Mal werden sie in den Psalmen erwähnt. Als Christ fragt man sich: Was hat der David bloß immer mit seinen Feinden? Warum erwähnt er sie ständig? Und warum wünscht er ihnen oftmals alles erdenklich Böse? Warum nahmen seine Feinde so häufig eine zentrale Bedeutung in seinen Gebeten ein? Als Gläubige im neuen Bund fällt es uns schwer, seine Worte nachzubeten, denn uns ist es ja geboten, dass wir unsere Feinde lieben sollen und für ihr Wohl bitten sollen. Daher wirken für uns diese Verwünschungen unserer Feinde völlig unangebracht und verstörend: sie sollen „aufgerieben“ „vertilgt“ und „vernichtet“ werden, ihre „Zähne sollen zerschmettert werden“ und Gott möge ihm seine „Lust sehen lassen“ an ihnen, sie sollen „umkommen“, „zerstreut“ werden, „den Staub der Erde lecken“ und das „Meer soll sie bedecken“. Dürfen wir in solch einer Weise für die Ungläubigen beten, wenn wir sie doch segnen sollen (Mat.5:44)?

Unsichtbare Feinde

Wir wissen aus dem Neuen Testament, dass unsere eigentlichen Feinde die Dämonen und unreinen Geister sind, die durch die fleischlichen Lüste ständig gegen unsere Seele streiten, uns verführen und uns Fallen stellen (Jak.4:1, 1.Petr.2:11): „Unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Fürstentümer, gegen die Gewalten, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern“ (Eph.6:12). Gott selber hat ja diese Feindschaft gesetzt zwischen der Schlange, dem Widersacher Gottes, und uns als dem „Same der Frau“. So wie der HErr Jesus dem Teufel in der Wüste widersprach, so sollen auch wir der Schlange „den Kopf zermalmen“, indem wir dem Feind widerstehen im Glauben durch die Berufung auf das Wort Gottes (1.Mo.3:15, Jak.4:7, 1.Petr.5:8-9). Wenn wir also verstanden haben, dass es unser Fleisch selbst ist, durch welches wir von der Finsterniswelt verführt und zur Sünde angestiftet werden, können wir David martialische Ausdrucksweise (vertilgen, zerschmettern vernichten etc.) durchaus auf uns anwenden.

Viele Prediger heute betonen zwar immer wieder die Notwendigkeit des geistlichen Kampfes und die Anwendung der geistigen Waffenrüstung aus Eph.6:13-18, versäumen es jedoch meist, auch einmal ganz konkrete Beispiele zu nennen, WIE wir dem Feind ganz PRAKTISCH widerstehen können in zahlreichen, alltäglichen Versuchungs-Situationen. Obwohl die Verführungen im 21 Jahrhundert sicher anderer Art sind als zur Zeit der Bibel – Smartphones gab es damals z.B. noch nicht – lassen sich die damaligen Verführungen durchaus allegorisch deuten auf unsere heutige Zeit: Zur Zeit Sauls waren die Israeliten z.B. tributpflichtig gegenüber den Philistern und durften keine eigenen Waffen tragen. „Und das Volk versteckte sich in Höhlen und in den Dornbüschen … und es war kein Schied zu finden im ganzen Lande Israel… und ganz Israel ging zu den Philistern hinab…wenn die Schneiden an den Sicheln abgestumpft waren… Und es geschah am Tage des Streites, da wurde kein Schwert noch Speer gefunden in der Hand des ganzen Volkes…“ (1.Sam.13:6+19-22). Genauso wehrlos erscheint auch mir Gottes Volk heute, wenn es sich von der Welt gängeln und vorschreiben lassen muss, was sie tun dürfen und sollen, anstatt dem Feind zu widerstehen durch die Berufung auf das Schwert Gottes, das heute kaum einer noch kennt.

Gegen das Fleisch anzukämpfen, bedeutet konkret, Verzicht zu üben. Durch jahrelange Abhängigkeiten kann der entschlossene Verzicht auf liebgewonnene Sünden in der Anfangszeit Entzugserscheinungen verursachen. Der HErr ermutigt uns aber immer wieder „Sei stark und mutig!“ (in Josua 1 gleich 4-mal!). Zwar ist der Weg äußerlich betrachtet sehr schmal, weshalb man uns den Vorwurf macht, wir würden die Dinge „zu eng“ sehen, aber tatsächlich ist es ein unendlich weites Land, das wir jeden Tag ein Stückchen mehr geistlich erobern sollen; und jeder Schritt, auf den wir treten, gehört uns. Aber zugleich lesen wir bei Josua: „Es war keine Stadt, die sich den Kindern Israel friedlich ergab … alles nahmen sie mit Krieg ein“ (Jos.11:19). Der Feind im Innern will uns immer wieder entmutigen und einreden: „Du schaffst es ja doch nicht, was bringt es also? Gib doch auf! Wo ist denn dein Gott?“ (vergl. die berühmte Rabsake-Rede in 2.Kön.18:19-28). Aber wir können von Hiskia lernen, wie auch wir den HErrn in größter Not erfahren können, wenn wir beten. „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommet“ (Mt.26: 41). Die feindlichen Mächte nutzen gerade die Momente, in welchen wir nicht wachsam sind, sondern abgelenkt, um unsere „Wehrkraft zu zersetzen“ und zur Sünde zu verleiten (Jak.1:2-5). Wenn Paulus in 2.Tim.3:12 behauptet, dass ausnahmslos alle, die „gottselig leben wollen in Christo Jesu verfolgt werden müssen“, gilt dies sicherlich auch und besonders für die unsichtbare Verfolgung durch die Dämonen.

Sichtbare Feinde

Können Gläubige überhaupt Ungläubige zu Feinden haben, wo sie doch alle Menschen lieben sollen? Doch, selbstverständlich. Denn wenn sie von den unsichtbaren Feinden benutzt werden, um uns zu schädigen, dann sind auch sie unsere Feinde. Und die Tatsache, dass wir unsere Feinde lieben, bedeutet ja nicht, dass sie nicht mehr unsere Feinde sind (Mt.5:44). Im Unterschied zu den Weltmenschen sollen wir sie aber nicht mit verbaler oder physischer Gewalt bekämpfen. Während einer Studentenrevolte in Lima in den 80er Jahren verkündigte ein gläubiger Student auf einmal das Evangelium. Da riss ihm einer der Guerrilleros des kommunistischen Sendero Luminoso das Mikrophon aus der Hand und schubste ihn weg. In dem Moment stellte sich ein anderer gläubiger Student vor ihm auf, und der Terrorist dachte, er würde ihn jetzt schlagen. Aber stattdessen umarmte der Bruder ihn mit aller Kraft und küsste ihn. Da war der Terrorist so perplex, dass er wie gelähmt die unerwartete Zärtlichkeit über sich ergehen ließ.

Gott will ja, dass alle Menschen errettet werden, auch die Bösen, ja selbst die Satanisten (1.Tim.2:4). Als ich letztens in Lima eine Debatte mit einem Kommunisten führte, warf dieser mir vor, dass ich angeblich keine Feindesliebe übe, weil ich Israels Kampf gegen die Hamas guthieße. Ich erwiderte ihm, dass ich auch die Terroristen der Hamas lieben und für sie beten würde, aber das nicht automatisch bedeute, dass ich Verständnis hätte für ihre Gräueltaten. Genauso unterscheide ich auch zwischen der Kritik an unserer Regierung und meiner Fürbitte, dass Gott sie erretten möge. Dass sich Regierende nicht an ihre eigenen Gesetze und an die Verfassung halten oder versuchen, diese einfach unrechtmäßig zu ändern, geschieht immer häufiger. Wir Gläubige aber können für sie beten und sie nötigenfalls durch Apelle und Petitionen zu einem Umdenken bewegen, anstatt tatenlos zuzusehen, wie sich die Gesetzlosigkeit immer weiter ausbreitet. Zu denken, dass uns die Politik nichts angehe, ist purer Egoismus. Der HErr sagt, dass wir das „Salz der Erde“ sind (Mt.5:13). Das Salz wirkt der fortschreitenden Verderbnis entgegen. Wenn wir jedoch „kraftlos“ geworden sind (MOoRAThE heißt wörtlich „töricht geworden“), dann überlassen wir der Welt ihrer zunehmenden Verwahrlosung, so dass es uns auch immer weniger gelingt, sie für den HErrn zu gewinnen. Wir müssen aus der Ohnmacht ins aktive Handeln kommen.

Der Vollkommenheits-Hass

Dass wir unsere Feinde lieben sollen, bedeutet nicht, dass wir sie nicht auch in gesunder Weise „hassen“ sollen. Ja, es gibt einen heiligen, biblischen „Hass“, von dem der Psalmist sagt: „Hasse ich nicht, HErr, die Dich hassen … Mit vollkommenem Hasse hasse ich sie, sie sind Feinde für mich“ (Ps.139:21-22). Wir sollen ja z.B. unsere ungläubigen Familienangehörigen „hassen“ (Luk.14:26), aber auf keinen Fall mit dem unvollkommenen Hass der Welt, sondern mit diesem „vollkommenen Hass“ des HErrn. Gemeint ist nicht der fleischliche Hass aufgrund von Kränkung; das biblische Hassen bedeutet, dass wir eine Person oder Sache an zweite Stelle setzen, d.h. sie in Bezug auf etwas Höheres herabsetzen und vernachlässigen. Jakob hat Lea z.B. nicht wirklich „gehasst“, sondern nur der Rahel den Vorzug gegeben (1.Mo.29:31+33). Auch Gott hat den Esau nicht in bösartiger Weise „gehasst“, sondern Jakob ihm gegenüber bevorzugt (Röm.9:13). So sollen wir das vom Fleisch befleckte Kleid HASSEN (Jud.1:23). Ohne Hass gibt es keine Veränderung zum Guten.

Derzeit wird im Bundestag über einen neuen Gesetzentwurf debattiert, der eine nicht näher definierte „Hassrede“ unter Strafe stellen soll. Grundsätzlich wäre es eigentlich zu begrüßen, wenn die Regierung etwas unternimmt, damit die Menschen wieder respektvoller miteinander umgehen. Aber die Frage ist: Wer definiert denn, was diese Hassrede ist? Davon abgesehen haben wir ja längst in unserer ständigen Rechtsprechung eine definierte Grenze, die geschützte Meinungen von unerlaubten Beleidigungen zu unterscheiden weiß. Von daher kann ein neues Gesetz, dass die Meinungsfreiheit einschränken soll zur Unterdrückung von unliebsamer Kritik an den Regierenden nur verfassungswidrig sein, zumal es nach Belieben angewandt werden kann. Dieses sog. „Demokratiefördergesetz“ ist also im Grunde genau das Gegenteil, nämlich ein Diktaturfördergesetz, das auch gegen uns Gläubige zukünftig angewendet werden soll, um unseren Glauben willkürlich als Hassrede zu diffamieren. Dabei ist Hass noch nicht einmal eine Straftat, sondern nur eine starke emotionale Reaktion, infolge erlittenen Unrechts. Wenn wir aber bloß eine sachliche Feststellung machen, dass z.B. praktizierte Homosexualität nach der Bibel ein „Verbrechen“ ist, da es mit der Todesstrafe belegt wird, werden unsere Feinde uns zukünftig des „Hasses“ bezichtigen und mit hohen Geldstrafen mundtot machen wollen wie zuletzt Pastor Olaf Latzel.

 

  1. Unglaube

Verzweifelt rief der Mann unter Tränen: Ich vertraue (Dir ja) – hilf (mir doch), meinen Unglauben (zu überwinden)!“ (Mark.9:24)

Eine ungewöhnliche Bitte: Der Vater beteuert hier seinen Glauben, aber bekennt zugleich seine Skepsis, also seinen Unglauben, den er bereut und am liebsten loswerden möchte. Er fordert den HErrn nicht heraus und versucht Ihn auch nicht wie die Pharisäer, indem er spräche: „Zeig doch mal, was Du kannst, damit ich an Dich glauben kann!“ (Luk.11:16+29). Vielmehr steckt in seiner Bitte: „Hilf meinem Unglauben“ der unausgesprochene Wunsch: „Bitte enttäusche mich nicht (wieder)!“ Nichts kann den kindlichen Glauben mehr erschüttern und auf die Probe stellen als ein nicht erhörtes Gebet. Und wenn wir ehrlich sind, haben wir schon viele Male diese Enttäuschung erlebt, dass der HErr nicht (sofort) unserer Bitte (so) erhört hat, wie wir sie von Ihm erbaten. Diese Erfahrung ist jedes Mal verstörend, zumal der HErr doch die Verheißung gegeben hat: „Bittet, und es wird euch gegeben werden!“ (Luk.11:9).

Der Pfarrer Gustav Knak (1806-1878) dichtete ja das bekannte Kirchenlied: „Keiner wird zuschanden, welcher Gottes harrt; sollt´ ich sein der Erste, der zuschanden ward? Nein, das ist unmöglich, Du getreuer Hort, eher fällt der Himmel, eh‘ mich täuscht Dein Wort!“ Wenn der HErr eine meiner Bitten nicht erhört hat, dann habe ich jede Menge Gründe aus der Bibel oder aus meinem Lebenswandel parat, um mir zu erklären, warum es dieses Mal wieder nicht geklappt hat. An irgendeinem dieser Gründe wird es dann schon gelegen haben, so dass ich meine Enttäuschung zu unterdrücken versuche. Bis jetzt habe ich mich nicht entmutigen lassen oder gar Gottes Versprechen infrage gestellt. Ich sehe aber andere Brüder, die schon gar nicht mehr Gott um etwas Konkretes bitten aus Angst, enttäuscht werden zu können. Oder aber sie bitten um Schutz und Bewahrung, unternehmen jedoch selbst alles Erdenkliche, um sich selbst zu schützen. Wenn ich sie darauf anspreche, sagen sie beschwörend: „Wir dürfen Gott schließlich nicht versuchen!“ Im Grunde ist ihr Glaube im Laufe der Zeit völlig abgestumpft, so dass sie nicht mehr mit Gottes Hilfe rechnen. Umso mehr sind sie dann überrascht, wenn plötzlich wirklich mal das Erbetene eintrifft. Die Nonne Theresa von Avila schrieb schon im 16. Jh.: „Es werden mehr Tränen vergossen über erhörte Gebete als über nicht erhörte Gebete.“

Ist Unglaube eigentlich eine Sünde?

Es kommt drauf an. Zunächst einmal gilt festzustellen, dass Unglaube keine moralische Kategorie hat, d.h. man ist nicht absichtlich ungläubig, sondern nur deshalb, weil man von etwas nicht überzeugt ist. Letzteres liegt nicht zuletzt auch an der Glaubwürdigkeit einer Botschaft bzw. daran, wie gut oder wie schlecht sie begründet oder belegt ist. Der HErr Jesus hat z.B. durch Seine vielen Wunder umfangreich bewiesen, dass Er von Gott gesandt wurde (Joh.10:25, 37-38, 14:11). Ebenso konnten die Kinder Israel durch all die Wunder, die Gott beim Auszug aus Ägypten tat, erkennen, dass es nicht Mose, sondern Gott war, der sie aus ihrer Sklaverei befreit hatte (2.Mo.13:3, 14:11, 16:6, 17:3, Ps.95:9). Ihr Murren gegen Mose und Aaron war deshalb ein Murren gegen Gott selbst (2.Mo.16:2-12, 17:3, 4.Mo.14:2-36), und es war schon allein deshalb Sünde, weil sie ja Gottes Macht und Beistand so viele Male selbst erlebt hatten (5.Mo.3:24, 5:15, 7:19, 11:2-3). Gott hatte ihnen geboten, dass sie Seine großen Taten ihren Kindern als Augenzeugen weitererzählen sollten (Psalm 78, Psalm 106), um ihnen das Vertrauen in Gott ins Herz zu legen, denn der Glaube kommt ja auch aus der Verkündigung des Erlebten (Röm.10:14).

Im Umkehrschluss haben bei Gott jene als unschuldig oder vermindert schuldfähig zu gelten, die mangels eigener Erfahrung oder Verkündigung gar keinen Zugang zum christlichen Glauben und damit zur Sündenerkenntnis haben oder hatten, weil ihnen niemand das Evangelium gepredigt hat: „Wie aber werden sie an den glauben, von welchem sie nicht gehört haben? Wie aber werden sie hören ohne einen Prediger?“ (Röm.10:14). Wie bei jenem Blindgeborenen aus Johannes 9 ist ja bei vielen ungläubig Gestorbenen die Bereitschaft zum Glauben durchaus da, wenn sie denn gewusst hätten, wer der Sohn Gottes ist (Joh.9:36). Deshalb erklärte der HErr Jesus: „Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde. So ihr aber saget: wir sehen, so bleibt eure Sünde“ (Joh. 9:41). Es gibt zwar bestimmte Dinge, die jeden Menschen Gott gegenüber schuldig machen, wie etwa die Schöpfung (Röm.1) oder sein Gewissen (Röm.2), aber eben auch nur in dem Maße, wie sich daraus Konsequenzen für ihr Denken und Handeln ableiten ließen, nämlich dass es einen Gott gibt und dass sie eines Tages mit demselben Maß gerichtet werden, wie sie zu Lebzeiten andere gerichtet haben. Aber da die meisten Menschen all jene Wunder Jesu nicht gesehen haben wie die Leute von Kapernaum, werden sie wie Sodom ein milderes Urteil empfangen am Tage des Gerichts (Mt.10:15, 11:24), indem sie vorzeitig aus der Gefangenschaft entlassen werden (Hes.16:53).

Der Unterschied von Kleinglaube und Unglaube

Bisher ging es nur um jene Ungläubigen, die gar keine Möglichkeit hatten, an den HErrn Jesus zu glauben, da sie z.B. in Afghanistan, im Jemen oder Somalia aufgewachsen sind, wo das Evangelium so gut wie nie gepredigt wird. Jetzt aber soll es um den Unglauben von Gläubigen gehen, die der HErr Jesus an mehreren Stellen liebevoll scheltend als „Kleingläubige“ bezeichnet (Mt.6:30, 8:26, 14:31, 16:8, Luk.12: 28). In seinem Buch „Die Pilgerreise“ schreibt John Bunyan vom Kleinglauben als einem Mann, der eines Tages von Straßenräubern überfallen wurde, die sich „Kleinmut, Zaghaft und Schuld“ nannten. Diese raubten ihm fast alles, was er hatte (z.B. die Lebensfreude) außer ihren Gottesglauben, wodurch ihre Pilgerreise noch beschwerlicher wurde. Aus meiner Erfahrung sind Kleinmut, Zaghaftigkeit und Schuld jedoch nicht sie Ursachen, sondern die Folgen eines tief verwurzelten Misstrauens gegenüber Gottes Verheißungen. Der HErr will ja, dass wir den kindlichen Glauben bewahren sollen (Mk.10:15), die „erste Liebe“ (Offb.2:4), und da wo wir diese verlassen haben, sollen wir uns nicht einfach damit abfinden, sondern zurückkehren zum Anfang, als unser Glaube noch leidenschaftlich war. Wir sollen nicht versuchen, unseren Glauben in Übereinstimmung zu bringen mit einer neuen „Lebensrealität“, sondern vielmehr erkennen, dass wir das Fleisch nicht mitnehmen können auf dem schmalen Weg. In diesem Sinne sollen wir Gläubigen sozusagen geistliche Veganer werden.

In einem alten Kirchenlied heißt es: „Auch wie elend ist ein Leben, das der Freiheit mangeln muss; denn wer Gott nicht völlig dienet, hat nur Ärger, Angst und Verdruss. Der nur kämpfet recht vergnügt, der die liebste Lust besiegt!“ Die Liebe und Leidenschaft des kindlichen Glaubens ist auch bereit, auf die Annehmlichkeiten des Lebens zu verzichten und für den HErrn zu leiden, wenn es nötig ist. Eine Menge Leid ist aber nicht vom HErrn auferlegt, sondern entsteht aus Enttäuschungen, weil wir auf Verlockungen und trügerische Angebote hereingefallen sind, die wir mithilfe von Gottes Wort hätten durchschauen können. Wir können die Verheißungen Gottes nur dann erfahren, wenn wir uns auch an Seine Regeln halten, d.h. Seine Gebote und Verbote.  Zudem kann unser Glaube nur dann Gott wohlgefällig sein, wenn er auch glaubWÜRDIG ist, d.h. unverwässert und ungeheuchelt, indem wir das auch leben, was wir glauben. Wir können uns zwar unseren eigenen Glauben zurechtbasteln, der mit unseren Gewohnheiten übereinstimmt; aber wenn dieser dem Wort Gottes widerspricht, dann ist er vor Gott wertlos. Da helfen auch keine Durchhalteparolen. Das Fleisch ist wie ein Hund, den wir auf einer Bergtour mitnehmen wollen: Je steiler es bergauf geht, desto lästiger und anstrengender wird uns der Weg, weil der Hund, d.h. unser Fleisch, uns immer wieder an der Leine nach unten zieht, weil er nicht mitkommen will.

Kann Unglaube auch etwas Gutes sein?

Der atheistische Evolutionsbiologe Richard Dawkins schrieb einmal (Gedächtniszitat): „Jeder Christ ist ungläubig in Bezug auf 9.999 Götter; ich bin nur um einen Gott mehr ungläubig.“ Dies trifft in der Tat zu, denn wenn wir Christen nicht entschieden den Glauben an andere Götter ablehnen würden, könnten wir nicht dem allein wahren Gott treu sein. Gleiches gilt aber auch gegenüber falschen Lehren innerhalb des Christentums. Gott hat uns ja sein Wort gegeben, damit unser Glaube nicht beliebig sei, sondern damit wir schriftgemäß glauben (Joh.7:38). Wir sollten jedoch nicht nur falsche Bibelauslegungen kritisch gegenüber sein, sondern auch unserer eigenen Fehlbarkeit und Erkenntnisfähigkeit. Demut und eine gesunde Skepsis gegenüber der eigenen Erkenntnisfähigkeit ist sehr hilfreich, um nicht in fleischlichen Fanatismus abzugleiten. Wenn wir uns aber voll und ganz auf Gottes Zusagen berufen können, dann hat es nichts mit Fanatismus zu tun, wenn wir in einer Prüfung selbst das höchste Risiko eingehen und alles auf eine Karte setzen, weil unser Glaube unerschütterlich ist. Ich denke hierbei an Georg Müller, den Waisenvater von Bristol (1805-1898), der mit 300 Waisenkindern an einem Morgen für das Essen dankte, obwohl dies gar nicht vorhanden war, weil er darauf vertraute, dass Gott alles vermag und Er sich in Seiner Treue immer fürsorglich um uns kümmert. Und so geschah es bekanntlich, dass es nach dem Gebet an der Tür läutete und ein Bäcker den Kindern mehrere Bleche mit Brot schenkte, da er in der Nacht eine Weisung von Gott bekam, diese für die Kinder zu backen. Kurz darauf klopfte ein Milchmann, dessen Milch durch einen Radbruch nicht mehr auslieferbar war und er sie deshalb an die Kinder verschenken wollte. Was für eine herrliche Offenbarung der Treue Gottes!

Es gibt aber noch eine weitere, positive Form ds Unglaubens, von der wir z.B. in Neh.6:12 lesen: „Ich hatte nämlich erkannt, dass Schemaja nicht von Gott beauftragt worden war. Er hatte zwar wie ein Prophet zu mir gesprochen, aber Tobija und Sanballat hatten ihn dafür bezahlt.“ Wir leben heute in einer Zeit, in welcher immer mehr Lügner ihr Unwesen reiben. Erst gestern hatte mich z.B. ein sog. Enkeltrick-Betrüger angerufen, der sich als Polizist ausgab und mir eine völlig unglaubwürdige Geschichte erzählte. Als ich ihn dann mit der Wahrheit konfrontierte, legte er sofort auf. Wie viele alte Leute aber fallen auf solche Geschichten rein! Der HErr hatte ja angekündigt, dass in der Endzeit viele falsche Propheten auftreten werden, um allerorten einen neuen Christus anzukündigen. Wir werden indes aufgerufen, nicht jedem Geist zu glauben, sondern die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind (1.Joh.4:1).

 

  1. Augen

Meine Augen sind stets auf den HErrn gerichtet“ (Ps.25:15)

Erstaunlich, nicht wahr? Obwohl Gott Seinem Wesen nach unsichtbar ist (Kol.1:15, 1.Tim.1:17, Hebr.11:27), lässt Er sich doch schauen mit den Augen des Herzens: „Gott… gebe euch… die Erkenntnis Seiner selbst, damit ihr erleuchtet werdet an den Augen eures Herzens“ (Eph.1:17-18). Hier wird deutlich, dass es nicht um unsere natürlichen Augen geht, sondern um unsere von Gott erleuchtete Herzensgesinnung, die sich bewusst und erwartungsvoll auf Gott ausrichtet: „In uns ist keine Kraft; und wir wissen nicht, was wir tun sollen, aber auf Dich sind unsere Augen gerichtet“ (2.Chr.20:12). „Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Gebieterin, so sind unsere Augen gerichtet auf die Hand unseres Gottes, bis Er uns gnädig ist“ (Ps.123:2).

Die biblische Bedeutung der Augen kann gar nicht überschätzt werden. Die Anzahl der Sinne, mit denen Gott uns ausgestattet hat, macht deutlich, dass das Hören und Sehen doppelt so wichtig ist wie das Reden. Das Wort Auge kommt in der Elberfelder Übersetzung 911 Male in der Bibel vor, angefangen mit dem versprochenen Aufgetanwerden der Augen durch die Erkenntnis des Guten und Bösen in 1.Mo.3:5 bis hin zum Abwischen der Tränen von den Augen in Offb.21:4. Und wenn man dann noch die griechische Präposition ÄN Oo´PION = „vor“, wörtl. „im Auge von“ hinzuzählt, dann sind es weit über 1000 Vorkommen. Von diesen ist die natürliche Bedeutung weit seltener als die geistliche, weshalb es hier um diese gehen soll:

Geistliche Erleuchtung

Der HErr bezeichnet das Auge als „Lampe des Leibes“, d.h. von der geistlichen Wahrnehmung und Beurteilung von Dingen und Ereignissen hängt es ab, ob unser Inneres verfinstert oder erleuchtet ist (Luk.11:34-36). Durch das Ansehen der Werke Gottes werden im Prinzip „alle Menschen erleuchtet“ (Joh.1:9). Erleuchtung bedeutet, dass wir durch den Glauben an Sein Wort Gott und Sein Handeln in alle unsere Überlegungen mit einbeziehen. Die Medien jedoch tun so, als würde es Gott gar nicht geben, indem Er und Sein Wort so gut wie nie thematisiert wird. Er wird von der Welt wie ein Greis behandelt, den man in ein Altenheim abgeschoben hat. Es sind heute nur wenige, deren Augen Gott erleuchtet hat vom Lichte der Lebendigen (Hi.33:30), damit sie nicht zum Tode entschlafen (Ps.13:3). Diese Erleuchtung geschieht in erster Linie durch die „Eröffnung Deines Wortes“ (Ps. 119:130) bzw. durch Sein Gebot (Ps.19:8). Aber diese Erleuchtung der Augen brauchen wir auch immer wieder neu auf dem Weg, um nicht zu ermatten (Esr.9:8).

Geistliche Blindheit

Derselbe Gott, der uns zu erleuchten vermag, kann uns Menschen auch mit Blindheit schlagen, und zwar nicht nur mit buchstäblicher (1.Mo.19:11, 2.Mo.4:11, 2.Kön. 6:18), sondern auch mit geistlicher Blindheit (5.Mo. 28:28-29): „Führe heraus, das blinde Volk, das doch Augen hat, und die Tauben, die doch Ohren haben!“ (Jes. 43:8). Der HErr wird Laodizäa vor, dass sie „blind“ sind und empfiehlt aus Seine „Augensalbe“ zum Kauf (Offb. 3:17). Interessant ist hier eine Stelle in Jes.42:19-20, da es hier nicht allein um das blinde Gottesvolk, sondern auch in einem ganz anderen Sinn um den HErrn Jesus geht, der für die Verlockungen der Welt blind war: „Wer ist blind, als nur mein Knecht? Und taub wie mein Bote, den ich sende? Wer ist blind wie der Vertraute… Du hast vieles gesehen, aber Du beachtest es nicht; bei offenen Ohren hört Er nicht“. Dieser positiven Art von Blindheit begegnen wir schon in Jes.33:15-16: „Wer seine Augen verschließt, um Böses nicht zu sehen, der wird auf Höhen wohnen… sein Brot wird ihm dargereicht, sein Wasser versiegt nie.“ Hiob sagte: „Ich habe mit meinen Augen einen Bund gemacht, und wie hätte ich auf eine Jungfrau geblickt!“ (Hi.31.1).

Die Lust der Augen

Und hier sind wir bei einem weiteren wichtigen Aspekt, nämlich der Augenlust, mit welcher der Teufel nicht nur die Eva verführte, sondern auch den HErrn Jesus in der Wüste vergeblich reizte. Es dieser Dreiklang aus 1.Joh.2: 15-16, mit dem beide versucht wurden: 1.Die Lust des Fleisches – „Eva sah, dass der Baum gut zur Speise sei“ – „Sage zu dem Stein, dass er zu Brot werde“ (1.Mo.3:6, Luk.4:3). 2.Die Lust der Augen: „…und dass er eine Lust für die Augen sei“ – „Er zeigte Ihm alle Reiche der Welt in einem Augenblick…“ (1.Mo.3:6, Luk.4:5). 3.Der Hochmut des Lebens: „…und dass der Baum begehrenswert wäre , um Einsicht zu geben“ – „Wirf Dich von dannen herab, denn … Seinen Engeln wird Er befehlen, dass sie dich bewahren…“ (1.Mo.3:6, Luk.4:9-10). Der Psalmist bat Gott: „Wende meine Augen ab, dass sie Eitles nicht sehen, belebe mich in Deinen Wegen“ (Ps.119:37). Und da wir uns so leicht ablenken lassen, gebot der HErrn den Kindern Israel, sich Quasten zu machen: „damit ihr nicht umherspähet eurem Herzen und euren Augen nach, denen ihr nachhuret“ (4.Mo.15:39).

Die Augen des HErrn

Da Gott uns nach Seinem Ebenbild schuf, hat auch Er Augen, mit denen Er auf uns und unsere Werke blickt (Ps.33:13-18). Gottes Augen sind überall auf der ganzen Welt zur gleichen Zeit wachsam (Spr.15:3), Er schaut sogar ins Verborgene (Ps.90:8, Jer.16:17, Hebr.4:13). „Ihm entgeht nichts“ (Ps.66:7). „Seine Augen durchstreifen die ganze Erde, um sich mächtig zu erweisen an denen, deren Herz ungeteilt auf Ihn gerichtet ist“ (2.Chr.16:9). „Seine Augen ruhen auf allen, die Ihn fürchten“ (Ps.34: 16, 1.Petr. 3:12). Und das Beste ist: Er will uns sogar mit Seinen Augen leiten (Ps.32:8). Wörtlich heißt es: „Mein Auge auf Dich richtend, will ich dir raten“. Voraussetzung dafür aber ist, dass wir uns nicht störrisch wie ein Ross oder ein Maultier verhalten, sondern uns willig Seinen Zaum und Zügel anlegen lassen (Ps.32:9).

Rechtes oder Böses in den Augen des HErrn

Ohne göttliche Leitung tun wir Menschen in der Regel nur das, was recht ist in seinen eigenen Augen (Richt. 17:6, 21:25). Aber Gott allein gibt den Maßstab für alles Rechte und Geradlinige. Wir Menschen können mit unseren Einschätzungen oft völlig daneben liegen, wie wir es z.B. bei Sauls Überlegungen zum Opfern sehen können (1.Sam.13:11-13, 15:22-23). Um zu wissen, was gut und recht ist in Gottes Augen (Beurteilung), hat Er uns Seine Gebote gegeben (2.Mo.15:26, 5Mo.12:28, 13:19).

Im Neuen Bund möchte uns der Heilige Geist lehren, die verschiedenen Lebenssituationen mit den Augen Gottes zu sehen (d.h. zu beurteilen), indem wir „Christi Sinn“ haben (1.Kor.2:15-16). Dieser ist aber niemals losgelöst vom Wort Gottes, sondern lediglich eingeübt, um in einer konkreten Frage die schriftgemäße Antwort zu geben. Wenn für den HErrn bestimmte Dinge ein „Gräuel sind in Seinen Augen“ (z.B. dann, wenn Frauen sich mit männertypischen Hosen bekleiden), dann sollten solche Dinge auch bei uns als Gräuel empfunden werden (5.Mo.22:5). Denn Gottes Gefühle ändern sich nicht.

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