„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“

(Röm.13:12)

– „Such, wer da will, ein ander Ziel“ Teil 10

Juli bis Dezember 2018

Gemeinsame Buße

Inzwischen gingen Ruth und ich regelmäßig zusammen in die Gottesdienste von Olaf Latzel und hatten jeden Mittwoch unsere Bibel- und Gebetsstunde abwechselnd bei uns und bei Bruder Florian. Wir feierten auch regelmäßig das Abendmahl im Hauskreis, so wie es die Urgemeinde tat (Apg.2:46), und praktizierten auch einmal die Fußwaschung. Florian unterstützte mich sogar in der Frage der Kopfbedeckung gemäß 1.Kor.11:2-16 und war eifrig dabei, diese neu gewonnene Erkenntnis auch in der Gemeinde zu verbreiten. Auch Maria eiferte für den HErrn und wagte es sogar einmal, den Pastor Latzel nach einer Bibelstunde öffentlich zu kritisieren, dass die von ihm praktizierte Babytaufe unbiblisch sei. Trotzdem waren wir uns alle einig, dass unser Pastor wirklich ein großer Segen war für uns als Gemeinde aber auch für alle anderen Gläubigen in Bremen als Fels in der Brandung inmitten einer völlig gottlosen Stadt. Nach und nach sprach sich in der Martinigemeinde rum, dass ich Malermeister bin, und ich erhielt nun auch die ersten Aufträge von Geschwistern. Einmal rief mich Claudia an, die Architektin der Gemeinde und erteilte mir den Auftrag, den Gemeinderaum zu renovieren. Da sie zusätzlich auch Bibelverse an die Wände anbringen lassen wollte, empfahl ich ihr die Beschriftungs- und Werbetechnikerin Ursula Leitzow, die ich noch als Chefin der Humanisten und Konfessionslosen in Bremen kannte. Es ist natürlich eine Ironie, wenn ausgerechnet eine solche Atheistin für uns Bibelsprüche schrieb, aber Claudia sah es auch so wie ich, dass es ja zugleich ein Zeugnis ist und ein Zeichen unserer Offenheit und Toleranz, die man uns ja immer gerne abspricht.

An einem Abend sprachen wir im Hauskreis über den Zustand der heutigen Christenheit und lasen dazu Joel 2, wo es in den Versen 15-17 heißt: „Stoßet in die Posaune auf Zion, heiliget ein Fasten, rufet eine Festversammlung aus! Versammelt das Volk, heiliget eine Versammlung, bringet die Ältesten zusammen… Die Priester, die Diener des HErrn, sollen weinen zwischen der Halle und dem Altar und sprechen: Schone, oh HErr, Deines Volkes und gib nicht Dein Erbteil der Schmähung hin, dass sie den Nationen zur Spottrede seien! Warum sollte man unter den Nationen sagen: Wo ist ihr Gott?“  Da sich die Geschichte Israels im Neuen Bund nahezu analog wiederholt hat, ließen sich diese Aufforderungen nahtlos auf die heutige Zeit übertragen, in welcher die Mehrzahl der Christen schon wieder in eine „babylonische Gefangenschaft“ geraten war bzw. drauf und dran war, in eine solche zu kommen drohte. Der König Hiskia hatte damals Briefe gesandt an die Stämme Israels, um gemeinsam Buße zu tun und das Passah in Jerusalem zu feiern, „aber man verlachte und verspottete sie“ (2.Chr.30:1-10). Und hier im Buch Joel werden wir ausdrücklich dazu aufgefordert, das Volk Gottes zusammenzurufen, um Buße zu tun und wieder zum HErrn und Seinen Geboten umzukehren. Aber wer könnte dies heute tun? Es musste eine Autorität wie Hiskia sein.

Da kam mir die Idee, mal unseren Pastor Olaf zu fragen, ob er nicht Seinen guten Ruf unter den Christen in Bremen dazu verwenden sollte, um diesen Apell an alle Prediger und Pastoren in Bremen zu richten. Was für eine große Erweckung könnte daraus entstehen, wenn alle ernsthaft Gläubigen gemeinsam Gott um Gnade und Vergebung anrufen wegen all der Gräuelsünden, die Gottes Volk begangen hat! Vielleicht hatte Bruder Olaf auch schon mal diese Idee gehabt und würde jetzt durch unseren Zuspruch dazu motiviert werden, mit Gottes Hilfe diesen Versuch zu wagen. So schrieb ich ihm einen Brief wie folgt:

Lieber Bruder Olaf Latzel,

die Gnade und der Friede unseres HErrn Jesus Christus sei mit Dir!

Bei der Betrachtung von Joel 2:15-17 kam mir gestern der Gedanke, dass es doch angesichts der nahen Wiederkunft unseres HErrn an der Zeit ist, einen Ruf ergehen zu lassen an das Volk Gottes heute, dass wir uns – wie damals die Kinder Israel – versammeln sollten, um gemeinsam Buße zu tun und Gott um eine Erweckung bitten sollten (Esra 9, Nehemia 9, Daniel 9 und Hesekiel 9). Ich glaube, dass der HErr Dich dazu erwählt hat, diesen Aufruf hier in Bremen ergehen zu lassen an alle Prediger und Pastoren, die Buße und Umkehr als nötig empfinden und zur Anrufung des HErrn bereit sind (2.Chr.30:1-12). So wie Du vor drei Jahren vom HErrn gebraucht wurdest, um die schlafende Christenheit durch Deine Gideon-Predigt aufzuwecken, so möchte der HErr Dich auch weiterhin gebrauchen, um Gottes Volk zu retten und zur Buße zu rufen (2.Petr.3:9).

Es ist ja unschwer zu erkennen aus der Schrift, dass sich die Geschichte der Kinder Israel im Neuen Bund wiederholt hat. Und wie zur Zeit Hesekiels gibt es auch heute kaum noch Christen, die ‚seufzen und jammern über all die Gräuel, die in ihrer Mitte geschehen‘. Dabei ist ‚die Zeit gekommen, das das Gericht angefangen hat am Haus Gottes‘. So wie damals das Volk Gottes durch viele Heuschreckenplagen gezüchtigt wurde, so hat auch im Neuen Bund die Ideologie des Rationalismus und des Liberalismus sich wie Heuschrecken über die Christlichen Gemeinden und besonders die Evangelische Kirche gesetzt und alles abgefressen an gesunder, biblische Lehre. Und was diese noch übrigließen, fraßen die Vertreter der Folgeideologien Sozialismus, Emanzipation Genderismus weg (Joel 1:4). Wie Du weißt, gibt es hier in Bremen kaum noch gläubige Pastoren in der Bremischen Evangelischen Kirche. Als der inzwischen pensionierte Pastor Helmut Langel, der sich unverhohlen zum Atheismus bekannte, einmal vom Verband der Humanisten und Konfessionslosen gefragt wurde, warum er nicht aus der Kirche austrete, antwortete dieser: ‚Weil ich in der Kirche mehr erreichen kann als außerhalb der Kirche.‘

Wir können Babylon nicht heilen, aber wir sollten uns außerhalb des Lagers versammeln, um den HErrn um Vergebung zu bitten für unseren Abfall von der Glaubenstreue. Denn auch die Übriggebliebenen, die aus der ‚Babylonischen Gefangenschaft‘ zurückkehrten, sind heute in einem erbärmlichen Zustand. Die Mauern Jerusalems sind nach wie vor niedergerissen und seine Tore mit Feuer verbrannt (Neh.1:3). Es brüllen Gottes Widersacher inmitten Seiner Versammlungsstätte … und der Eber aus dem Wald zerwühlt den Weinstock Gottes (Ps. 74:4, 80:13). In Zeiten wie diesen, hat Gott schon immer Führer erweckt, die die Freiwilligen aus dem Volke zusammenriefen (Richt.5:2) und die wie Jonathan den Mut hatten, nötigenfalls auch ganz allein gegen die Aufstellungen der heutigen Philister zu ziehen (1.Sam.14:10-16).

Ich selbst sehe mich dazu außer Stande; aber Du bist einer, auf den das Volk Gottes hören würde. Deshalb lade doch mal durch Briefe und E-Mails alle gläubigen Pfarrer und Prediger (auch der Freikirchen) ein, indem du einige Gräuel innerhalb der Kirche konkret beim Namen nennst, denn vielen ist ja noch nicht einmal bewusst, dass sie Opfer bzw. Geschädigte von Heuschrecken-Ideologien sind. Jene Verantwortlichen, die sich überzeugen lassen, sollten dann ihrerseits ihre Gemeinden zu einem gemeinsamen Tag des Fastens und der Buße aufrufen, so wie es damals die Männer Gottes taten, damit der HErr Sein Gericht am Haus Gottes abwende und möglichst viele einen Neuanfang mit dem HErrn machen. Ich würde z.B. ein Wochenende im September dazu vorschlagen, so wie ja auch die Juden einen Tag der Buße im September halten (Jom Kippur). Du könntest z.B. alle Christen aus Bremen an einem Ort unter freiem Himmel versammeln lassen und unsere elende Lage in einer Predigt darlegen, um danach jedem, der möchte, die Möglichkeit zu einem Bußgebet mit Mikrofon zu geben. Was wird das ein für eine Wirkung haben in der unsichtbaren Welt und gewiss auch in der Sichtbaren! Und im Anschluss könnten Brüder sich in Stuhlkreis zusammensetzen und gemeinsam über Veränderungen beraten. Zum Beispiel sollten sich Geschwister, die noch keine geistliche Heimat haben, sich zu Hauskreisen zusammenfinden. Als Philipp-Jacob Spener im Jahr 1675 in Seiner Schrift ‚Pia Desideria‘ dazu aufrief, überall in Deutschland Hauspreise zu gründen (collegia pietatis), ist ja eine große Erweckung entstanden (Pietismus). Denn der Christliche Glaube lebt ja von der persönlichen und familiären Beziehung der Geschwister untereinander.

Die heutige Laodizäa-Gemeinde steht kurz davor, aus dem Mund des HErrn ausgespien zu werden wegen ihrer Lauheit (Offb.3:16). Aber es ist noch nicht zu spät, so dass wir noch Buße tun können, um das Kaufangebot des HErrn anzunehmen, nämlich ‚Gold‘ (Bewährung in der Prüfung 1.Petr.1:7), ‚weiße Kleider‘ (Werke der Gerechtigkeit Offb.19:8) und ‚Augensalbe‘ (Schrifterkenntnis Ps.119:130). Gott hat Dich erwählt und Dich begabt, um wie Luther damals den Anfeindungen zum Trotz das Wort Gottes wieder auf den Leuchter zu stellen. Deshalb nimm diese brüderliche Anregung als vom HErrn an und sammle die Herde des HErrn auch außerhalb der Martini-Gemeinde, und der HErr wird‘s Dir lohnen (Mt. 24:45). Ich bitte Dich, meinen Vorschlag im Gebet vor Gott zu prüfen. Wir können uns dann auch gerne demnächst mal treffen und mündlich darüber sprechen.

In der Liebe zum HErrn Jesus verbunden, Dein Bruder Simon

Zu meiner großen Überraschung erfolgte auf meinen Brief an Olaf überhaupt keine Reaktion. Damit hatte ich ehrlich gesagt gar nicht gerechnet. Ich erfuhr zwar von Geschwistern, dass er gerade im Urlaub war, aber auch Wochen später kam keine Antwort mehr von ihm. Vielleicht war er ganz anderer Meinung als ich, aber selbst das hätte er mir doch dann sagen können. Und eine noch so kurze Antwort oder ein Anruf war ja sogar schon ein Gebot der Höflichkeit. Sicherlich war Olaf ein gefragter Mann und hatte viele Verpflichtungen. Aber war mein Anliegen nicht weitaus wichtiger als alles andere? In einer Predigt erwähnte er dann mal, dass „alle Erweckungen der Geschichte mit einer Buße begonnen hatten“ und betonte immer wieder, wie wichtig das gemeinsame Gebet sei. Aber warum ließ er seinen Worten dann nicht auch Taten folgen? Ich fragte mich, ob ich ihn nach dem Gottesdienst vielleicht mal ansprechen sollte, um mit ihm ein Gespräch unter vier Augen zu vereinbaren. Immerhin hatte ich seit Beginn meiner Gemeindebesuche vor ein paar Monaten noch nie ein persönliches Gespräch mit ihm gehabt, abgesehen von den Beteiligungen in der Bibelstunde. Ich hätte mich ihm ja wenigstens einmal vorstellen können. Aber wenn er mit mir über dieses Thema hätte reden wollen, dann hätte er mir doch schon geantwortet. Man sagt ja: Keine Antwort ist auch eine Antwort. Vielleicht war es ihm unangenehm, dass ich als Laie ihm Vorschläge mache, auf die er eigentlich auch selbst hätte kommen können. Ich entschied mich schließlich, ihn nicht mehr zu kontaktieren, sondern einfach nur dafür zu beten, dass der HErr Sein Herz berühre.

Und tatsächlich erhörte der HErr mein Gebet, wenn auch anders, als ich es erwartet hatte. Etwa vier Monate später kündigte Olaf Latzel nach dem Gottesdienst an, dass wir als Gemeinde anlässlich des bevorstehenden Buß- und Bettages eine Fastenwoche machen wollten, in der wir uns jeden Abend zum gemeinsamen Gebet in der Gemeinde treffen sollten, um für eine Erweckung des Volkes Gottes zu bitten. Diese Ankündigung konnte ich nur so verstehen, dass mein Brief nun doch etwas bewirkt hatte, selbst wenn Olaf nie einräumte, dass die Idee von mir kam. Es war mir völlig egal, was ihm dazu Anlass gab – Hauptsache, dass wir nun gemeinsam Gott um Vergebung und eine Erweckung bitten konnten, wenn auch nur innerhalb unserer Gemeinde und nicht auf ganz Bremen ausgedehnt.

Mohammed – angeblich ein „Gesalbter des HErrn“??

Ende Juli erhielt ich auf einmal einen Einschreibebrief aus der Schweiz, in welchem mich der Prediger Ivo Sasek, mit dem ich ja 25 Jahre zuvor mal befreundet war, mit einer Millionenklage drohte. Er bezog sich in seinem Brief auf einen Artikel über ihn, den ich ein Jahr zuvor auf meiner Hahnenschrei-Seite veröffentlicht hatte (https://derhahnenschrei.de/offene-briefe-an-irrende-brueder/ivo-sasek-offener-brief-an-einen-groessenwahnsinnigen-verfuehrer/). Er forderte mich auf, diesen Artikel „innerhalb der nächsten 7 Tage“ zu löschen, da er mich andernfalls verklagen wolle wegen angeblichen Verstoßes gegen den Datenschutz. Er siezte mich in seinem 2-seitigen Brief und schrieb nicht ein einziges biblisches Argument, sondern stattdessen nur jede Menge Zitate aus der „seit dem 25.05.2018 gültigen Datenschutz-Grundverordnung der ER (DSGVO)“. Er schrieb im Grunde wie ein Gottloser im Stile eines eiskalten Rechtsanwalts, der die Gegenseite unter Berufung unbekannter Paragraphen einzuschüchtern sucht: „Gemäß DSGVO werden bei Verstößen gegen die Bestimmungen Geldbußen in Millionenhöhe oder im Fall eines Unternehmens von bis zu 4 % seines gesamten weltweit erzielten Jahresumsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahrs angedroht … Ich fordere Sie hiermit nochmals auf, die Inhalte unter genanntem Internetlink innerhalb der nächsten 7 Tage zu löschen. Freundliche Grüße  Ivo Sasek“.

Es war erschreckend zu sehen, wie tief Ivo inzwischen gefallen war. Er war ja mal eine Zeit lang ein treuer Zeuge der Wahrheit und hatte sehr geistliche Gedanken, als er noch mit dem HErrn gelebt hatte. Heute aber war er nur noch bemitleidenswert, indem er mich auf solch eine gottlose Art einzuschüchtern und zu täuschen versuchte, um mich auf diese Weise mundtot zu machen. Er wusste ganz genau, dass mein Artikel von der Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt war, die man nicht einfach mit dem Verweis auf Datenschutz außerkraftsetzen kann. Denn sonst müssten sämtliche Zeitungen und Rundfunkanstalten ihren Betrieb einstellen, da sie ja ständig über Personen des öffentlichen Lebens berichten müssen, auch wenn diesen das gar nicht recht ist. Besonders heuchlerisch war das Vorgehen von Ivo gegen mich auch deshalb, weil er sich ja auch selbst ständig wegen Negativschlagzeilen öffentlich als Märtyrer zelebrierte, dem man durch Zensur seiner freien Meinungsäußerung berauben würde. Jetzt aber tat er genau das Gleiche, was er seinen Kritikern immer vorwarf, indem er berechtigte Kritik an ihm unterdrücken wollte. Da er jedoch keine Chance hatte mit dieser Klageandrohung, unternahm ich nichts weiter.

Stattdessen nahm ich seinen Einschüchterungsversuch zum Anlass, um mich im Internet mal über seine berühmt-berüchtigte „AZK“ (Anti-Zensur-Koalition) und seinen „Klagemauer-TV“-Kanal zu informieren. Erst ein Jahr zuvor wurde Ivo selbst verurteilt wegen Unterstützung einer Holocaustleugnerin und mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen á 90 Franken belegt. Was für eine Schande und welch eine Verunglimpfung des Namens Christi, dass die Welt nun über einen Christen berechtigterweise richten musste wegen Antisemitismus! Er hatte sich mit Gesetzlosen eins gemacht, um die Verbrechen anderer Gesetzloser kleinzureden oder abzuleugnen! In einem „Kontrovers“-Video vom Bayerischen Rundfunk machte Ivo folgende Aussagen: „Um das zu überwinden, befehlen wir den Menschen, wie sie zu erkennen, wie sie zu glauben, was sie zu bewundern, was sie zu bestaunen haben, aber auf der anderen Seite genauso, was sie zu verachten haben und wen sie zu verraten haben… Ich sage: Ohne Diktatur geht es nicht, weil diese Schöpfung ist nicht auf Demokratie eingestellt. Sie funktioniert nicht nach demokratischem Prinzip! … Und ich sag’s jetzt mal, und dann sollen sie es zerreißen, wie sie wollen: Ich ruf euch in meine Diktatur, unter meine Diktatur, um eine neue Welt zu bauen, die politisch sich auswächst, die diese Politik hier unten ablöst, aber von innen her, nicht von außen“ (Sendung vom 01.12.2016).

Und dann fand ich einen Artikel, dass Ivo es selbst mit dem Datenschutz nicht so genau nahm, indem er seit 2013 seine OCG-Anhänger dazu aufrief, Personen des öffentlichen Lebens auszuforschen, um „Feindes- und Freundeslisten“ anzulegen. Darin fanden sich am Ende mehr als 8.200 Datensätze über Politiker und Journalisten mit ihren Privatanschriften, Telefonnummern, Eintragungen zu Religion, Nationalität und sexueller Orientierung (https://www.confessio.de/system/files/cf_pdf/Conf202_m.pdf). Der Gipfel des Ungeheuerlichen war dann eine Predigt über den „Gesalbten Gottes“, die ich leider trotz mehrfacher Suche nicht mehr finden konnte und deshalb nur aus meinem Gedächtnis wiedergeben kann. Der rote Faden der Predigt war, dass das Wort „Christus“ ja „Gesalbter“ bedeute, aber dass es in der Bibel ja viele Gesalbte Gottes gab, nämlich z.B. alle Könige und Priester. Nachdem er das dann anhand mehrerer Bibelstellen nachgewiesen hatte, behauptete er auf einmal, dass auch der Prophet Mohammed angeblich ein Gesalbter Gottes war. Gedächtniszitat: „Wir reden heute immer wieder so böse über den Propheten Mohammed. Dabei sollte uns bewusst sein, dass auch er ein Christus Gottes ist und wir ihn deshalb ehren sollten!“ Dann rief er seine Zuhörer auf: „Kommt, lasst uns mal alle gemeinsam laut rufen: Gesegnet sei der Gesalbte Prophet Mohammed!“ Und dann wiederholte seine Anhängerschaft diese Worte.

Vom Hexentum zum Missionar – die dramatische Geschichte vom Dirk Rohwerder

Im September erhielt ich einen Anruf meines Facebook-Freundes Johannes Büttner (28) aus Halle. Er berichtete mir, dass ein anderer Facebook-Freund ihn kontaktiert habe, ein Missionar namens Dirk Rohwerder (41), der mit seiner Familie auf den Philippinen wohne und „am Verhungern“ sei. Da er keinen anderen Kontakt mehr nach Deutschland habe außer Johannes, bat er diesen, einen Spendenaufruf zu machen, um ihn und seine Familie aus dieser Not herauszuhelfen. Johannes selbst konnte ihm als Harz4-Empfänger kein Geld schicken, weshalb Johannes mich bat, etwas zu spenden, was ich dann auch tat. Dirk bedankte sich bei mir und sagte, dass dies eine Rettung im letzten Moment gewesen sei. Ein paar Wochen später teilte Dirk mir mit, dass er Anfang November nach Deutschland fliegen würde und fragte mich, ob er vorübergehend bei mir wohnen könne, bis er eine eigene Wohnung gefunden habe. Da Ruth Anfang November schon vorab nach Peru reiste und ich erst am 01.12.18 nachreisen sollte, konnte ich Dirk ohne Probleme für einen Monat bei mir wohnen lassen.

Nachdem ich Dirk vom Bremer Hauptbahnhof abgeholt hatte, begann er mir zu erzählen, wer er eigentlich ist: „Ich bin eigentlich ein gebürtiger Jude aus Dresden, aber meine Eltern lehnten ihre jüdische Herkunft ab und ließen sich damals in der DDR einen anderen Nachnamen zulegen. Mein Vater ist Atheist und Steuerberater, und meine Mutter ist eine praktizierende Hexe, die der Wicca-Bewegung angehört. Schon früh hat mich meine Mutter in die weiße und schwarze Magie eingeführt. Mit 18 Jahren hatte ich dann meinen eigenen Jüngerkreis, und wir opferten dem ägyptischen Gott Horus. Als ich ein paar Monate später mal nach Israel reiste, macht ich dort zum ersten Mal Bekanntschaft mit meiner spätere Frau Arianna kennen, die eine bibelgläubige Christin aus den Philippinen war. Ich machte eine Ausbildung zum Schlachter, fand aber in Deutschland nur gering bezahlte Jobs. Als ich erfuhr, dass man in den skandinavischen Ländern deutlich mehr verdient als in Deutschland, reiste ich nach Norwegen und suchte eine Arbeit. Eines Tages fand ich in Oslo auf der Straße plötzlich Arianne wieder, die ich in Israel kennengelernt hatte. Wir glaubten beide nicht, dass das Zufall war, sondern vielmehr eine göttliche Vorsehung. Arianne erzählte mir von ihrem christlichen Glauben, und ich bekehrte mich zum HErrn Jesus.

Doch sofort wurde ich massiv von der Dämonenwelt angegriffen. Auf der Fahrt zu meiner Taufe fuhr ich durch eine Baumallee, und überall saßen schwarze Krähen auf den Bäumen, welches in Wirklichkeit Dämonen waren, aber das wissen nur die Okkultisten. Sie beobachteten mich auf Schritt und Tritt, weil sie sich an mir rächen wollten wegen meines Glaubens. Als meine Eltern erfuhren, dass ich mich zum Christentum bekehrt hatte und eine Christin geheiratet habe, hassten sie mich und wollten mich nicht mehr als Sohn akzeptieren. Bald darauf reisten Arianne und ich nach Island, nahmen uns dort eine Wohnung und gründeten eine Familie. Wir schlossen uns dort der sog. „Primitive Lutheran Church“ (PLC) an, eine Gruppierung, die ihren Hauptsitz in Florida hat. Ich hatte zunächst wieder als Schlachter gearbeitet und verdiente fast 4.000,- € im Monat. Aber einer der Ältesten überredete mich, Theologie zu studieren, um dann eine PLC-Gemeinde zu leiten. Nachdem unsere beiden Kinder geboren wurden – eines ist geistig behindert – bot meine Gemeinde mir an, für sie als Missionar auf den Philippinen zu arbeiten, zumal wir dort durch meine philippinische Frau dort schon erste Kontakte hatten. So wanderten wir aus und bekamen von unserer isländischen Gemeinde jeden Monat Spenden, um davon zu leben und die Gemeindearbeit zu finanzieren.

Doch dann brach das Unglück über unsere Familie ein. Denn im Laufe der Zeit traten immer mehr neue Christen unserer isländischen Gemeinde bei, die aus Toronto eine neue Lehre mitbrachten, nämlich die Charismatische Geistertaufe. Es dauerte nicht lange, da war die Gemeinde charismatisch unterwandert. Die neuen Führer der Gemeinde verkündigten eines Tages, dass die Spenden von nun an in vollem Umfang der Verbreitung dieser sog. ‚Dritten Welle‘ zur Verfügung gestellt werden sollten. So geschah es, dass die Ältesten der Gemeinde mir Anfang 2018 ein letztes Mal Geld für den Rückflug nach Island überwiesen und dann keine Zahlung mehr leisteten. Ich konnte aber meine im Aufbau befindliche Gemeinde auf den Philippinen nicht einfach im Stich lassen, sondern vertraute auf Gott, dass Er mich und meine Familie schon versorgen würde. Als im Sommer 2018 jedoch die letzten Reserven aufgebraucht waren, bat ich Arianne mit den Kindern zu ihrer Schwester zu ziehen, die mich noch nie mochte, während ich versuchen wollte, mit Hilfe meiner Schwester in Deutschland zurückzufliegen. Es vergingen zwei Monate, in denen ich wirklich Hunger litt. Ich bat Johannes um Hilfe, und er vermittelte mich an Dich. Deine Spende hat mir echt das Leben gerettet. Ein paar Wochen später schickte mir meine Schwester dann das Geld für den Flug.“

Und was ist jetzt mit Deiner Frau und Deinen Kindern?“ fragte ich. „Die sind ja jetzt erstmal bei meiner Schwägerin untergebracht. Und ich werde mir jetzt in Deutschland eine Arbeit suchen. Und wenn ich genug Geld angespart habe, dann kaufe ich Flugtickets für sie und hole sie nach Deutschland.“

Wir unterhielten uns noch lange an jenem Abend, und auch in den nächsten Tagen. Mich beeindruckte besonders, wie Gott den Dirk aus dem Hexentum herausgeholt hatte, weshalb ich möglichst alles wissen wollte. Er sagte, dass den meisten Hexen nicht bewusst ist, dass sie Satan dienen. Der Satanismus habe seinen Ursprung im alten Ägypten. Den wenigsten sei bewusst, dass die ägyptischen Priester im Grunde Satanisten waren, die sich durch ihre Rituale und Formeln dämonische Kräfte zunutze machten. Im Grunde habe sich seit damals nichts geändert. Es ging bei dem Sprechen bestimmter Formeln darum, die Götter herbeizurufen und die Kultbilder mit ihnen zu beseelen. Den Göttern zur Ehre wurden auch Menschen geopfert: „Die Priester töteten einen Menschen vor den Augen des Pharaos, indem sie ihm die Brust aufschnitten. Dann hat der Priester mit seinem Zähnen das noch warme Herz aus der Brust gerissen. Das ist übrigens auch der Grund, warum die Clowns heute so einen großen roten Mund und eine rote Nase haben. Der Clown, ursprünglich Clöyne, ist eigentlich ein kinderfressender Dämon.“

Mich gruselte es. Aber bevor ich weiter fragen konnte, blockte Dirk ab: „Ich könnte Dir noch vieles andere verraten, aber ich will mit Dir nicht mehr über diese Dinge sprechen. Denn als Christen sollen wir uns nicht für die ‚Tiefen des Satans‘ interessieren. Jedes Mal, wenn wir von der Macht des Teufels oder der Dämonen reden, geben wir diesen unbewusst Ehre und Aufmerksamkeit, und das will ich nicht. Der HErr Jesus hat dem Teufel, der alten Schlange, am Kreuz den Kopf zertreten und ihn ein für alle Mal besiegt. Deshalb sollen wir immer nur noch vom HErrn Jesus reden und Ihm alle Ehre geben!“ Diese Worte gefielen mir gut, und wir vereinbarten, das Thema nicht mehr anzusprechen.

Dämonische Angriffe

An einem Samstagnachmittag hatte ich mich mit meinem Freund Daniel am Hauptbahnhof verabredet, um gemeinsam zu predigen. Daniel war dort mit einigen jungen Brüdern der „Werde-Licht-Mission“ aus Soltau im Einsatz. Als ich mit Dirk zusammen ankam, hörten wir den Bruder Daniel schon von weitem laut predigen. Wir begrüßten ihn herzlich, und ich stellte ihm den Dirk vor. Nachdem ich mit Daniel ein paar Worte gewechselt hatte, flüsterte mir Dirk auf einmal ins Ohr: „Simon, hier ist ein Mann, der gerade unauffällig ein magisches Ritual vollzieht, um Dich und Daniel zu schädigen!“ – „Wo? Wer?“ fragte ich erschrocken. Dann zeigte er mit dem Finger auf einen Mann, der einen Rock trug und sich auf einmal schnell davon machte. Dirk flüsterte weiter: „Der Feind wird uns jetzt gleich angreifen, aber der HErr wird uns beschützen, keine Sorge.“ In dem Moment sagte Daniel zu mir: „Simon, darf ich Dir mal den Thomas hier vorstellen: Thomas war jahrelang schwer drogenabhängig, aber der HErr hat ihn befreit!“ Ich gab dem Thomas die Hand, stellte mich vor und erzählte ihm von meiner Vergangenheit. Dann plauderte ich eine Weile mit ihm über die Frage, ob ein Kind Gottes noch vom Glauben abfallen könne. Thomas widersprach mir ungewöhnlich aggressiv und ließ keinen Widerspruch zu. Da versuchte ich, das Gespräch zu beenden und mich wieder um Dirk zu kümmern. Wir predigten dann ebenso und verteilten Traktate.

Dann sagte Daniel zu mir: „Simon, wir haben gleich um 18:00 Uhr eine Jugendstunde in der Martini-Gemeinde, die ich alten soll. Ich würde Euch beide gerne dazu einladen.“ – „Ja, sehr gerne.“ Wir gingen mit Daniel rüber zur Gemeinde und stiegen die Treppen hinauf in den Kirchturm, wo an einem langen Tisch etwa 50 Jugendliche und erwachsene Brüder saßen. Daniel machte eine Andacht über 1.Mose 49, indem er die Segensworte an die zwölf Söhne Jakobs geistlich auslegte. Die Predigt war sehr anspruchsvoll und ich befürchtete, dass die Jugendlichen dem Daniel gar nicht ganz folgen konnten. Zum Ende der Stunde stand auf einmal der Thomas auf und rief mit lauter Stimme: „Ich finde es ungeheuerlich, dass sich in unseren Reihen ein Irrlehrer eingeschlichen hat, der hier einfach geduldet wird!“ Er zeigte auf mich und sagte: „Ich verlange, dass Simon Poppe sofort hier rausgeschmissen wird, denn er ist ein Allversöhner!“ In diesem Moment stand Dirk auf, stellte sich mit gerader Haltung zwischen mir und Thomas und rief laut: „SEI SOFORT STILL! Und lass meinen Bruder in Ruhe!“ Thomas war ziemlich verdattert und schwieg sofort.

In einem ungewöhnlich vollmächtigen Befehlston fuhr Dirk nun fort: „Sag mir, was in Epheser 6:12 steht!“ Irritiert fragte Thomas: „Woher soll ich das wissen…“ – „Das solltest Du aber wissen! Also, was steht da?“ – „Ich weiß es nicht. Was soll das?“ – „Dann werd‘ ich es Dir sagen. Dort steht: ‚Unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die finsteren Fürstentümer der geistlichen Welt.“ – „Ja, und? Was hat das mit mir zu tun?“ fragte Thomas. „Du bist von ihnen geschickt!“ Auf einmal hatte ich das Gefühl, dass die Situation gleich total eskalieren würde, weshalb ich es für weise hielt, zusammen mit den anderen nach unten zu gehen zum Ausgang. Ich wartete draußen eine Weile bis Daniel und Dirk nach rauskamen. Ich war die ganze Zeit ziemlich angespannt wegen dieser Schreierei, mit der ich gar nicht gerechnet hatte, aber umso mehr bedankte ich mich bei Dirk, dass er mich in Schutz genommen hatte.

Am Sonntag waren wir eingeladen von Bruder Eduard (27) zu seiner Aramäischen Gemeinde in Soltau, um dann im Anschluss zu ihm nach Hause zu kommen. Ich hatte ein etwas mulmiges Gefühl, als wir dort hinfuhren, denn dort waren ja genau jene Brüder wie Thomas, die mich im Grunde ablehnten wegen meiner anderen Schrifterkenntnis. Deshalb musste mein Erscheinen dort wie eine Provokation wirken für die, die mich kannten. Ich begab mich also in die Höhle des Löwen. Als wir den Versammlungsraum betraten, grüßte ich Eduard und Daniel, setzte mich aber gleich ganz hinten hin mit Dirk, um möglichst nicht aufzufallen. Da kam Issa zu mir, der Gemeindeleiter, und begrüßte mich. Statt aber mich des Hauses zu verweisen, war er sehr freundlich und fragte, wer der Dirk sei. Ich erklärte ihm, dass er ein Missionar aus den Philippinen sei und gerade zu Besuch in Deutschland. Daraufhin bot Issa dem Dirk an, nach der Predigt doch mal ein Zeugnis zu geben, was Dirk gerne annahm. Als Dirk dann nach der Predigt nach vorne ging, waren alle sehr überrascht, dass er – anstatt von seinen Erlebnissen als Missionar zu berichten – die Gelegenheit nutzte um scharfe Kritik an der lauen Christenheit zu üben, die völlig verweichlicht sei und untauglich, um die nahe bevorstehenden Verfolgungszeit zu ertragen. „Ich weiß, was Hunger ist, Leute!“ Alle schauten betreten auf den Boden, und als er fertig war, klatschten alle zustimmend.

Nach dem Gottesdienst mussten wir uns beeilen, denn Eduard wollte, dass wir ihm hinterfahren zu seinem Haus. Als wir jedoch gerade weg waren – so erfuhr ich später – umringten die Brüder den Daniel mit seiner Familie und sagten: „Hör mal, Daniel, das ist jetzt schon das zweite Mal, dass Du den Simon Poppe hier mit herschleppst, obwohl Du weißt, dass wir den hier nicht haben wollen wegen seiner Allversöhnung. Wenn Du ihn nochmal einlädst, dann werden wir uns auch von Dir trennen müssen, so leid es uns tut.“ – „Aber ich habe ihn doch gar nicht eingeladen!“ protestierte Daniel. „Und außerdem hättet Ihr es dem Simon doch auch direkt sagen können, dass er nicht mehr herkommen darf.“ Wie der weitere Verlauf des Gespräches verlief, ist mir nicht bekannt. Aber das Erlebnis mit diesen Brüdern hatte Daniel so dermaßen hart getroffen, dass er auf einmal für Monate nicht mehr in die Gemeinde ging, sondern – wie er sagte – stattdessen in schwere Sünde fiel. Einen Zusammenhang zwischen dem sektiererischen Verhalten der Gemeindeleiter und Daniels Reaktion darauf konnte ich aber bisher nicht erkennen.

Gerade noch rechtzeitig konnte ich vor meiner Abreise am 01.12.18 nach Peru dem Dirk noch helfen, eine Wohnung und eine Arbeitsstelle zu finden. Die 30 qm große Ein-Zimmer-Wohnung in der Nähe des Stadtzentrums sollte 600,- € warm kosten, was ich ziemlich happig fand. Zudem musste Dirk auch noch ein Deponat von zwei Monatsmieten zahlen, also insgesamt 1.800,- €. Da er noch kein Geld verdient hatte, legte ich ihm den Betrag aus. Dirk blieb noch bis Ende November bei mir wohnen und zog dann um.

Der Fall des Elijah Nathan (Teil 1)

Ich hatte eigentlich schon meine Koffer gepackt und traf nur noch letzte Vorbereitungen für meinen Abflug, – da las ich auf Facebook, dass ein mir bekannter Bruder völlig unerwartet in größte Not geriet und dringend Hilfe brauchte. Elijah Nathan (26), wie er sich nannte (in Wirklichkeit heißt er Maikel Avdula), war ein äußerst bekannter YouTuber aus Albanien, der als Ex-Muslim sein enormes Koran-Wissen nutzte, um mit berühmten muslimischen YouTubern apologetische Debatten zu führen, zusammen mit seinem iranischen Freund Amir Arabpour. Schon bald fiel mir auf, dass Elijah ein typischer, unreifer und aufgeblasener „Jungspross“ war (1.Tim.3:6), dem der Applaus seiner großen Fangemeinde viel wichtiger war, als wirklich Ungläubige für den HErrn Jesus zu gewinnen. Anstatt in seinen Videos die Herzen der Muslime mit der Liebe Christi zu gewinnen, machte Elijah genau das Gegenteil, indem er und sein Kumpel Amir die Muslime verhöhnten und sich über die Absurditäten im Koran lustig machten. Sie hofften wohl darauf, dass junge Muslime sich irgendwann ihrer Religion schämen würden und dann die Seiten wechseln könnten. Stattdessen verhärteten sie durch ihre lieblose und hochmütige Art nur noch mehr die Herzen ihrer Gegner und wurden zu den meist gehassten Islam-Kritikern im Netz. Natürlich waren ihre muslimischen Gegner auch nicht besser. Fleisch kämpfte gegen Fleisch. Es ging beiden Seiten überhaupt nicht mehr um die Ehre Gottes, sondern um Selbstprofilierung.

Ein Jahr zuvor hatte Elijah auf Facebook seine Verlobte vorgestellt, ein ausnehmend hübsches Mädchen aus Norddeutschland. Astrid hatte sich als 14-Jährige von einer Schulfreundin überreden lassen, dem Islam beizutreten, hatte aber dann, als sie sich in Elijah verliebt hatte, wieder die Seite gewechselt und den christlichen Glauben angenommen. Doch ein paar Monate später erschien auf einmal ein Video, auf dem nicht nur Elijah und seine Freundin, sondern auch ihr gemeinsames Baby zu sehen war. Nanu, dachte ich: Ist mir da etwas entgangen? Ich fragte Elijah, wann sie denn geheiratet hätten, erhielt aber keine Antwort. Doch dann machte Elijah ein Video, in welchem er seine Anhängerschaft um Vergebung bat und erklärte, dass er und Astrid versucht hätten, zu heiraten, aber es nicht konnte, weil er keine Papiere hatte. Diese Begründung leuchtete mir nicht ein, denn zum einen hätte er ja auch warten können bis die neuen Dokumente fertig sind und zum anderen hätte er ja sonst wenigstens erst einmal kirchlich heiraten können. Durch seine Hurerei hatte er als selbsternannter Bibellehrer aber ein besonders schlechtes Zeugnis abgegeben, weshalb er scharf kritisiert wurde, u.a. von Schah Alsaifuddin.

Nun aber war für ihn eine Katastrophe passiert. Während er große Debatten mit mehreren, angesehenen Koran-Lehrern führte, rief seine Verlobte Astrid eines Abends heimlich bei einem der schlimmsten Gegner von Elijah an und bekannte ihm, dass sie unglücklich sei in ihrer Beziehung mit Elijah und sogar überlege, wieder Muslimin zu werden. Der Islamverteidiger erkannte sofort die Gelegenheit und machte heimlich einen Mitschnitt vom Telefonat. Darin lud er Astrid ein, das islamische Glaubensbekenntnis (Shahada) nachzusprechen, dass da lautet: „Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter“, was sie dann auch tat. Als sie sich tags darauf mit Elijah stritt, bekannte sie ihm, dass sie mit seinem Erzfeind telefoniert habe und sich zum Islam zurückbekehrt hatte. Dadurch eskalierte der Streit, so dass Astrid ihn schließlich aus der gemeinsamen Wohnung warf (sie wohnte noch bei ihren Eltern). Da Elijah jedoch zu jener Zeit an einer beruflichen Bildungsmaßnahme dort in der Nähe teilnahm, konnte er ohne Wohnsitz nicht weiter dort hingehen und verlor jetzt auch die staatliche Unterstützung wegen Nicht-Teilnahme. Innerhalb weniger Tage verlor er alles: seine Freundin, sein Kind, seine Arbeit, seine Wohnung und – was ihm sehr wichtig war: das Ansehen vor seinen Anhängern und Gegnern.

Obwohl auch ich manches an ihm zu kritisieren hatte, sah ich jetzt, dass ich ihm irgendwie meine Hilfe anbieten sollte und schrieb ihm: „Hallo Elijah, ich habe von Deiner Not erfahren und hoffe, dass Du sie als Prüfung und Züchtigung von Gott annehmen kannst. Wenn ich Dir irgendwie helfen kann, dann sag mir, wie. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten sehe ich Dich als meinen Bruder und will Dir meine Hand reichen. Was brauchst Du?“ Daraufhin schrieb Elijah zurück: „Hallo Simon, das ist sehr lieb von Dir. Vor allem bräuchte ich vorübergehend ein Auto und vielleicht auch etwas Geld…“ Ich schrieb ihm, dass ich jetzt für zwei Monate nach Peru reise und er deshalb mein Auto haben könne. Elijah freute sich sehr darüber und kam nach Bremen, um den Wagen abzuholen. Ich lieh ihm auch noch 300,- € und vereinbarte, dass er mir den Wagen Anfang Februar sofort vorbeibringen möge. Wenn ich geahnt hätte, was in diesen zwei Monaten noch alles passieren würde…

Der Fall Turgay Yazar

Obwohl ich in diesen Fall nicht direkt beteiligt war, scheint er mir doch ein Lehrstück für uns alle zu sein: Während des Jahres 2018 erfuhr die gesamte christliche Internetgemeinde über die sozialen Netzwerke etwas Ungeheuerliches und Unfassbares, und zwar dass ein Laienprediger namens Turgay Yazar (36) gleich zwei Mordanschläge verübt haben soll. Drei Jahre später sollte sich dann aber herausstellen, dass in Wirklichkeit Turgay selbst Opfer eines teuflischen Verleumdungs- und Intrigenspiels geworden war, das ein Gangster namens Sidar Akanli mit ihm gespielt hatte. Doch der Reihe nach:

Bereits 2016 wurden ich und Ruth auf den türkischen Rocker Turgay Yazar aufmerksam, da er als ehemaliger Verbrecherbandenchef mit Knasterfahrung überall in deutschen Gemeinden ein gefragter Redner war, der mit seiner authentischen Milieusprache und seinem leicht charismatisch angehauchten Predigtspiel besonders junge Leute mit Migrationshintergrund ansprach. Auch ich war anfangs sehr beeindruckt davon, wie der HErr sogar Ex-Muslime aus dem Rotlichtmilieu in seine Jüngerschaft zu rufen vermag. Doch schon bald stellte sich heraus, dass dem Turgay sein schneller Ruhm scheinbar zu Kopf gestiegen war und er sich als Neuling anmaßte, ohne jegliche Bibelkenntnis sich als YouTube-Bibellehrer in Szene zu setzen. So bezeichnete er z.B. die Muslime als „Brüder“ und leugnete die Gottheit Christi.  Weit schlimmer jedoch war, dass auf einmal Gerüchte aufkamen, dass Turgay mit einigen seiner Verehrerinnen in Hurerei lebte. Ein Schweizer Prediger namens Patrick Altendorfer (41) betrachtete es nun (eigenmächtig) als seine Aufgabe, Zeugenaussagen für das unmoralische Doppelleben vom Turgay zu sammeln und zu veröffentlichen. Turgay verklagte ihn daraufhin wegen Verleumdung und übler Nachrede, so dass Patrick am Ende verurteilt wurde auf 12.000 € Schadenersatz. Trotzdem gab dieser nicht auf, zumal er immer neue Vorwürfe von Geschädigten bekam. Schließlich meldete sich Turgay im März 2018 in der Öffentlichkeit und erklärte seinen Rücktritt vom christlichen Glauben, „um endlich Ruhe zu haben“.

Ende September wurde ein Mordanschlag auf Patrick Altendorfer verübt: Als er mit seiner Familie nach einem Gottesdienstbesuch die Treppen zu seiner Wohnung hinaufstieg, wurde er plötzlich von einem Unbekannten mit einer Eisenstange geschlagen, mit Pfefferspray besprüht und erhielt dann Messerstiche in den Bauch. Seine brasilianische Frau, die schnell noch die Kinder bei einem Nachbarn in Sicherheit gebracht hatte, filmte sofort mit ihrem Handy, wie ihr Mann blutverschmiert auf den Knien rief, dass man die Polizei verständigen soll und dass dies jene „Hunde“ waren. Tags darauf meldete sich Patrick über Video aus dem Krankenhaus, um mitzuteilen, dass er den Anschlag überlebt hatte, dem HErrn sei Dank! Er bat zugleich um Spenden, da es ihm finanziell sehr schlecht gehe. Sofort überwies ich ihm 1000,- Euro, erhielt aber nie einen Dank oder Empfangsbestätigung von ihm. Dann erfuhr ich, dass man Turgay und seine Leute in Spanien verhaftet habe. Zu Beginn des Gerichtsprozesses wurde dann bekannt, dass Turgays Leute am 28.08.18 in Düsseldorf einen Aussteiger ihrer Gruppe überfallen und versucht hatten, ihn mit Messerstichen zu töten. Das Opfer sagte aus, dass Turgay dreimal versucht hatte, ihn zu erschießen, aber jedes Mal hatte die Pistole Ladehemmungen.

Doch vier Jahre später im Jahr 2022 kam auf einmal heraus, dass Turgay unschuldig war und in Wirklichkeit jenes „Opfer“ aus Düsseldorf der eigentliche Täter eines perfiden Intrigenspiels gegen Turgay war. Der Türke Sidar Alkanli (23) hatte bereits ein langes Vorstrafenregister, als er 2017 im Gefängnis erfuhr, dass er nach dem Absitzen seiner Haft sofort in die Türkei abgeschoben werden sollte. Dies wollte er unter allen Umständen verhindern, weshalb er sich schnell ein PKK-Symbol auf die Haut tätowieren ließ und als Foto auf Facebook veröffentlichte, um sagen zu können, dass er wegen seiner PKK-Zugehörigkeit nicht abgeschoben werden könne. Doch man glaubte ihm nicht. Dann hatte er die Idee, sich einfach als christlicher Konvertit auszugeben und ließ sich katholisch taufen. Kurz darauf machte das von Turgay gegründete Missionswerk „True Life“ einen evangelistischen Einsatz in jenem Gefängnis. Sidar kannte ihn noch aus seiner Jugendzeit als Kleinkrimineller und staunte, dass Turgay durch seinen Glauben nun moralisch so sehr geläutert war, dass er sich völlig selbstlos mit seinem Verein um ehemalige Strafgefangene kümmerte, um ihnen den Start in ein neues Leben zu ermöglichen. Sidar erkannte hier wohl seine Chance und bat den Turgay zum Schein, Christ werden zu wollen. Turgay freute sich darüber und taufte ihn ein weiteres mal kurz nach seiner Entlassung in einer Badewanne. Auch besorgte er ihm aus reiner christlicher Nächstenliebe eine mietfreie Wohnung und eine Arbeitsstelle.

Schnell lernte Sidar, wie er fromm reden und sich verhalten müsse, um von den Brüdern nicht als Schein-Christ entlarvt zu werden. Er war verblüfft von der Naivität und Leichtgläubigkeit der Christen und ahnte, wie sehr er sich diese noch zunutze machen könne, um zukünftig noch viel einfacher und ungefährlicher seine kriminellen Geschäfte betreiben zu können unter dem Deckmantel eines christlichen Vereins. Doch noch immer schwebte seine drohende Abschiebung wie ein Damoklesschwert über ihm. Nachdem er dann als verdächtigter Tatbeteiligter an einem Raubüberfall in Eschweiler wieder in einer polizeilichen Ermittlungsakte auftauchte, verfügte die Behörde dann am 01.08.18 endgültig seine Abschiebung binnen eines Monats. Um trotzdem noch weiter in Deutschland bleiben zu können, entwarf Sidar einen perfiden Plan:

Wenn er nämlich als angebliches Opfer eines versuchten Mordes als Kronzeuge benötigt werde, dann könne er für die Zeit der Ermittlungen und des Gerichtprozesses ohne Probleme noch ein oder zwei weitere Jahre in Deutschland bleiben. Als ahnungslosen, angeblichen Täter wählte er sich Turgay aus, der ja ohnehin schon wegen seiner Frauengeschichten in Verruf geraten war und der in das Klischee eines Frauen-manipulierenden Sektenbosses passte, um den Medien ein gefundenes Fressen zu bieten. Deshalb nahm Sidar heimlich Kontakt zu Turgays Erzfeind auf, dem Schweizer Pastor Patrick Altendorfer, und bot ihm alle möglichen „Informationen“ an – natürlich alle frei erfunden – damit Patrick den Turgay endgültig zur Strecke bringen könne. Patrick nahm Sidar daraufhin in eine Christen-Chat-Gruppe auf, deren Teilnehmer sich allesamt gegen Turgay verschworen hatten. Dann fertigte Sidar mithilfe eines gewissen Attila gefälschte Videos an, die dem Turgay alle möglichen Straftaten zur Last legten, u.a. Zuhälterei, Terrorismus und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Mit diesen Fake-Videos fütterte er dann die Chat-Gruppe und besonders den Patrick, der sie dann als nützlicher Idiot an die Polizei weiterleitete.

Turgay erfuhr jedoch von den Videos und forderte von Sidar eine Erklärung dafür. Sie verabredeten sich in Düsseldorf zu einer Aussprache. Dabei provozierte Sidar absichtlich einen Streit, in dessen Verlauf er ein Messer zog und Turgays Freunde angriff. Diese versuchten, ihm das Messer zu entwenden, indem sie ihn mit einem abgebrochenen Flaschenhals und Pfefferspray attackierten. Als es ihnen gelungen war, ihm das Messer abzunehmen, ließen sie ihn leicht verletzt auf dem Boden. Gegenüber der Polizei gab er später an, dass Turgay angeblich dreimal versucht hätte, ihn zu erschießen, was sich allerdings durch eine Videoüberwachung als Lüge erwies. Trotzdem wurde Turgay am 15.09.18. in Spanien als mutmaßlicher Rädelsführer verhaftet. Nun gab Sidar allen möglichen Pressevertretern Auskunft über den angeblichen Tathergang, u.a. auch IDEA-Spektrum, dass es z.B. angeblich um Glaubensfragen ginge. Da die Angaben vom Sidar der Polizei jedoch widersprüchlich vorkamen, ließen sie heimlich sein Telefon abhören. Da rief ihn auf einmal der noch immer nichts ahnende Turgay aus dem Knast an: „Also, hör zu, Junge, … ich sitze jetzt wegen versuchten Mordes im Gefängnis. Du weißt ganz genau, dass ich dir kein Haar gekrümmt habe; ich habe dich nicht mal angefasst! EINE Aussage von dir in der Wahrheit und ich bin morgen wieder draußen… Ihr habt mir eine Falle gestellt… Stell einfach nur das gerade, dass ich mit dieser Scheiße nichts zu tun habe, ok? … Du gehst jetzt zu meinem Anwalt und zum Polizeirevier und stellst die Sache klar, dass ich damit nichts zu tun habe! Hast du mich verstanden?“

Sidar tat daraufhin genau das Gegenteil: Er ließ seinen Freund Attila unter falscher Identität eine Email an die Polizei schreiben, in welcher dieser alle Tatbeteiligten verriet und den Turgay erneut schwer belastete mit neuen Falschaussagen („Turgay beugte sich zu ihm nieder, um zu prüfen, ob er wirklich tot ist“). Zwei Wochen später geschah dann der Mordanschlag auf Pastor Altendorfer. Dass es nicht Turgays Leute gewesen sein konnten, fand die Schweizer Polizei an Hand der Handyüberwachung statt, durch welche ihre Standorte nachverfolgt werden konnten. Turgay wurde inzwischen rehabilitiert, und Patrick hat ihn und seine gläubigen Mitarbeiter um Vergebung gebeten, dass er sie die ganze Zeit zu Unrecht verdächtigt hatte. Gegen Sidar wird inzwischen polizeilich ermittelt, weshalb er sich nach Montenegro abgesetzt hat. Es besteht zu hoffen, dass alle beteiligten Gläubigen diese schweren Prüfungen als Züchtigung Gottes erkannt haben, da nicht einer von ihnen völlig unschuldig ist an dem, was er erlitten hat. Und wir alle können lernen, dass man sich nicht mit Gesetzlosen einlassen darf und auch nicht leichtfertig einem Gerücht glauben soll, sondern es gründlich prüfen sollte, bevor man es weiterverbreitet.

Vorheriger Beitrag
– Dürfen Christen Waffen tragen?
Nächster Beitrag
– „Such, wer da will, ein ander Ziel“ Teil 11

Inhaltsverzeichnis

Etwas nicht gefunden?

Neuste Beiträge

Gastbeiträge

„Der ist kein Narr, der aufgibt, was er nicht behalten kann, damit er gewinnt, was er nicht verlieren kann.“

(Jim Elliott)