„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“

(Röm.13:12)

– Gedanken über Worte Jesu

Gedanken über Worte Jesu

 

„Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ (Mt.5:48).                                                                                                                                        

Wenn wir von dem Vollkommenheitsanspruch Gottes lesen, dann gibt es wohl zwei Möglichkeiten, die Worte des HErrn nicht ernst zu nehmen: Die eine ist, dass wir uns reflexartig auf unsere Rechtfertigung in Christus berufen und uns damit begnügen, dass der HErr ja schon alles für uns vollbracht habe und wir nur durch Seine Gerechtigkeit vollkommen sein können vor Gott. Die andere Möglichkeit besteht darin, dass wir resignieren, indem wir uns damit abfinden, dass wir eben genauso unvollkommen sind wie alle anderen Christen und der HErr das schon nicht so gemeint haben kann, sondern die Vollkommenheit nur ein frommer Wunsch und eine Empfehlung des HErrn sei, die wir ein klein wenig anstreben sollten. Die Ersteren übersehen, dass es sich bei dieser Aussage des HErrn nicht nur um eine Absichtserklärung handelt von dem, was Gott mit uns vorhat, sondern auch um ein Gebot mit Aufforderungscharakter. Die Letzteren hingegen ignorieren die Notwendigkeit persönlicher Heiligkeit, „ohne die niemand den HErrn schauen wird“ (Hebr.12:14). Es reicht eben nicht aus, wenn man sich damit zufrieden gibt, auch nach 20 Jahren immer noch gläubig zu sein und nicht vom Glauben abgefallen zu sein.

Von den Hebräern erfahren wir, dass sie einmal einen guten Anfang hatten im Glauben, indem sie „den Gefangenen Teilnahme bewiesen“ und sogar „den Raub ihrer Güter mit Freuden aufgenommen“ hatten (Hebr.10:34). Doch nach Jahren stagnierte allmählich ihr Glaube und kam nicht weiter voran. Der Zeit nach hätten sie Lehrer sein müssen und beschäftigten sich noch immer mit den Anfangselementen des Glaubens (Hebr.5:11-6:3). Auch heute wird in vielen freikirchlichen Gemeinden fast immer nur das Evangelium gepredigt, so dass die Gläubigen eingeschläfert werden und folglich in ihrer geistlichen Entwicklung auf der Stelle treten. Obwohl das Ausschauhalten und Besuchen von Witwen und Waisen eigentlich ein zentrales Anliegen im Gottesdienst sein sollte (Jak.1:27), hüten sich die meisten Prediger davor, über die Notwendigkeit von guten Werken zu predigen, da dieses „Punktesammeln-wollen“ allgemein verpönt ist und als Rückschritt in die Werkegerechtigkeit gesehen wird. Das Wachsen im Glauben (2.Thes.1:3) wird heute vor allem nur noch darin gesehen, dass man sich z.B. möglichst viele Vorträge von Roger Liebi oder anderen „Lieblingspredigern“ anhört, die einem die Illusion von geistiger Erkenntnis vermitteln, obwohl man sich in Wirklichkeit nur fruchtloses Kopfwissen angeeignet hat (2.Tim.3:7, 4:3).

Das griechische Wort TÄLÄIOS = „vollkommen“ kann man auch mit „vollendet“ oder „erwachsen“ übersetzen, d.h. dass man das maximale Wachstumsziel erreicht hat. Es geht also gar nicht darum, dass wir so vollkommen werden sollen wie Gott ist (das wäre ja auch nach 1.Mo.3:5 eine teuflische Anmaßung), sondern dass wir den uns von Gott zugewiesenen äußersten Status an möglicher Heiligung anstreben sollten. Ein Prediger der Adventgemeinde hat es mal so ausgedrückt: „Ein Dreijähriger, der alles erlernt hat, was ein Siebenjähriger erlernen kann, ist vollkommen. Ein 18-Jähriger, der alles erreicht hat, was man überhaupt von einem 18-Jähriger erwarten kann, ist ebenso vollkommen. Und ein 30-Jähriger, der das menschenmögliche erlangt hat, was ein 30-Jähriger überhaupt erlangen kann, ist ebenfalls vollkommen.“ Von Maria Magdalena sagte der HErr Jesus deshalb: „Sie hat getan, was sie vermochte“ (Mark.14:8 – übrigens wäre das eigentlich eine schöne Inschrift für den Grabstein einer heimgegangenen Schwester ?). Sein Bestes zu geben geschieht aber nicht automatisch, sondern setzt einen entschiedenen Willen voraus. Muskel-Wachstum z.B. geschieht immer nur dadurch, dass man an die Grenzen geht. Es erfordert ständige Einübung und Ausdauer. Meine Frau und ich haben z.B. gerade angefangen Klavier zu lernen. Nach der ersten Stunde dachte ich noch, dass es ja viel einfacher ist, als ich dachte. Aber dann wurde mir klar, dass es äußerste Konzentration erfordert und man erst nach ständigem Üben mit einer erträglichen und sogar angenehmen Melodie belohnt wird.

Unser ganzes Leben sollte eigentlich ein ständiges Einüben in der Gerechtigkeit sein. Erst wenn wir beim HErrn sind, können wir uns ausruhen von unseren Werken. Im frühen Mittelalter wurde das Überwinden des Fleisches als notwendiges Heiligungsziel weitaus ernster verfolgt wie heute. Wir wissen von den Eremiten, die sich den Rest ihres Lebens in eine Höhle in der Wüste zurückzogen, um den Versuchungen zu entgehen und gegen die Sünde anzukämpfen „bis aufs Blut (Hebr.12:4). „Sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod“ (Offb.14:7). Einige waren sogar dermaßen „verrückt“ (nämlich von der geistlichen Mittelmäßigkeit bis hin zur Champions-League „verrückt worden“), dass sie den Rest ihres Lebens auf einer Säule verbracht haben (die sog. „Säulen-Heiligen“), um unter ständiger Beobachtung aller Menschen vor dem Sündigen gefeit zu sein! Natürlich erreichen nicht alle solch einen Grad an Vollkommenheit; aber das sollte uns nicht entmutigen. Wir sollen ja auch lernen, zu verlieren und Rückschritte in Kauf zu nehmen, da wir aus Fehlern ebenso lernen können. Wichtig ist aber, dass wir das einmal Erlernte dann auch wirklich anwenden und nicht wieder verlieren (2.Joh.8, Jud.5). Eine Hilfe kann dabei z.B. sein, dass wir uns die erlernten Lebensweisheiten in ein Tagebuch notieren. So stelle ich mir auch vor, wie das Buch der Sprüche entstanden ist: Salomo hat sich jedes Mal, wenn er wieder eine bestimmte Erfahrung gemacht hat, das gleich aufgeschrieben, um es nicht wieder zu vergessen. Das erklärt auch, warum die einzelnen Verse immer relativ zusammenhangslos hintereinanderstehen.

Jeder neue Tag sollte uns eine Gelegenheit sein, uns immer ein Stückchen weiter zu verbessern und „unsere Seligkeit mit Furcht und Zittern zu verwirklichen“ (Phil.2:12). Vor Jahren habe ich mal einen Film gesehen („Und täglich grüßt das Murmeltier“ 1993) über das tragische Schicksal eines Reporters, der zur Strafe wegen seiner zynisch-misslaunigen Art auf einmal in einer „Zeitschleife“ hängt, indem er jeden Tag immer exakt genau das gleiche erlebt wie am Vortag. Zunächst erlebt er die immer gleichen Begegnungen wie einen Alptraum, zumal niemand außer er selbst bemerkt, dass sich der Tag immer wieder neu abspielt. Zunächst glaubt er, verrückt zu sein und nimmt sich (mehrfach) das Leben; doch jedes Mal steht er morgens um die gleiche Zeit auf, so dass er diesem Alptraum nicht entkommen kann. Doch dann erkennt er aus dieser Not eine Chance, sein Leben immer weiter zu verbessern, indem er aus Fehlern lernt und nach und nach den immer perfekteren Tag erlebt, nicht zuletzt auch deshalb, um durch seine Vollkommenheit das Herz seiner Arbeitskollegin zu gewinnen. Die ständigen Rückschläge machen ihm nichts aus, weil er sofort gelernt hat, wie er sie am nächsten Tag vermeiden kann. Er bildet sich aber nicht nur weiter, sondern wird auch zum Wohltäter, der vielen Menschen der Stadt schließlich an dem EINEN Tag zu einem besseren Leben verhilft. Allmählich hat sich durch die endlos wiederholten Tage auch sein ursprünglich egoistischer Charakter derart zum Guten verändert, dass er die Liebe seiner Kollegin gewinnt. Und dann wacht er auf einmal morgens auf und darf erleichtert feststellen, dass der Spuk vorüber ist und endlich ein ganz neuer Tag begonnen hat.

Diese Geschichte erinnert mich im Nachherein sehr an unser Leben als Kinder Gottes auf Erden. Unsere Bekehrung ist nur der Beginn einer täglichen Schulung in der Vervollkommnung. Die ständigen Fehltritte werden bei Gott nicht einfach unter den Teppich gekehrt, sondern Er bringt uns täglich neu in die gleiche Situation, damit wir das bis dahin Erlernte anwenden und Fehler korrigieren. Den Vorteil der Erziehung und Bewusstwerdung durch den Heiligen Geist hat unser ungläubiges Umfeld nicht, aber wir können und sollen sie beeindrucken, indem wir nicht mehr wie früher reagieren auf Stresssituationen, sondern mit der Zeit „durch Gewohnheit geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen“ (Hebr.5:14). Ohne dass wir es bemerken, verändert der HErr durch all diese Erziehungs-maßnahmen allmählich unseren Charakter zum Guten, so dass wir am Ende genau da stehen, wo der HErr uns haben wollte; so wie es in einem Lied heißt: „O welch ein Tag, wenn wir uns gegenübersteh´n, und du siehst, dass dein Lebensweg – ein Weg war zu mir. Dann wirst du staunen und versteh´n, alles hatte seinen Sinn, und du wirst seh´n, ich hatte alles in der Hand.“

 

 

„Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und wenn du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.“ (Matth. 6:6)

 

Ja, wie gut ist es, dass Gott uns sieht, wenn wir im Verborgenen zu Ihm beten! ER sieht aber auch, wenn wir es nicht  oder  kaum  tun. Vor den Menschen können wir fromm erscheinen, aber Gott können wir nichts vormachen. Normalerweise sucht ja jeder Mensch nach Anerkennung durch sein Umfeld, und deshalb nutzt man jede Gelegenheit, um durch gute Taten einen positiven Eindruck bei anderen zu hinterlassen. Wenn man jedoch bekannt und beliebt sein will, dann wäre es eigentlich unsinnig, etwas im Verborgenen zu tun, wo niemand es sieht außer Gott allein. So dachten jedenfalls die leiblichen Brüder des HErrn Jesus, wodurch sie sich aber auch als Ungläubige zu erkennen gaben (Joh.7:4-7). Denn solange unser Lebensziel noch darin besteht, Menschen zu gefallen, sind wir keine Sklaven Christi, sondern Menschensklaven (Gal.1:10, Spr.29:25). Und wer immer nur von sich selber redet und sich selbst wichtig macht, dessen Mittelpunkt ist auch nicht der HErr, sondern er selbst (2.Kor.4:5). Deshalb sagte Johannes: „Er muss (fortwährend) wachsen, ich aber muss geringer (gemacht) werden“ (Joh.3:30).

Der HErr ist ein Gott, der sich verborgen hält (Jes.45:15), denn gerade in Seinem unsichtbaren Wesen besteht Seine „ewige Kraft und Göttlichkeit“ (Röm.1:20), weil Er dadurch überall sein kann, sogar in unseren verstecktesten Gedanken (Ps.139:2-6+16). Hanna wusste, dass Gott auch ihr Gebet verstünde, wenn sie still in ihrem Herzen zu Ihm spräche und nur ihre Lippen bewegte (1.Sam.1:13). Salomo hatte von Gott gelernt, „dass Er im Dunkeln wohne“ (2.Chr.6:1). Denn schon zu Mose hatte Gott gesagt, dass Er „im Dunkel des Gewölks“ kommen würde, unter Feuer und Rauch, wie bei einem gewaltigen Vulkanausbruch in der Nacht (2.Mo.19:9+16-18). Dunkelheit, Feuer und Rauch – an was erinnert uns das? Ja, ganau, – an den Feuersee, denn auch dieser ist die „äußerste Finsternis“, wo das unauslöschliche Feuer des Zornes Gottes, aber auch Seiner Liebe brennt (Hoh.8:8), dass alles verzehren kann (5.Mo.4:24), aber nicht muss (2.Mo.3:2). In diesem Dunkel unseres Kämmerleins können wir Gott auch heute noch genauso nahen, wie es Mose tat (2.Mo.20:21).

Alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis liegen in Christus verborgen (Kol.2:3), und so wie ein Bergmann in der Finsternis eines Bergstollens nach Diamanten und Edelsteinen sucht, so dürfen auch wir in der Abge-schiedenheit des Gebets, im stillen Zwiegespräch mit Gott „im Verborgenen Weisheit kennen lernen“ (Ps.51:6). Dort will der HErr uns geistlich gesehen „verborgene Schätze und versteckte Reichtümer geben“ (Jes.45:3) und auch das „verborgene Manna“, wenn wir nur überwinden (Offb.2:17). Einer, der wie kaum ein anderer durch den Heiligen Geist die „Tiefen Gottes“ erforschen (1.Kor.2:10) und das „Geheimnis des Christus“ erkennen durfte, war Paulus (Eph.3:3-9). Er selbst war wohl auch jener Mann, der das Vorrecht hatte, „in den dritten Himmel entrückt“ zu werden, ja sogar ins Paradies, um sich dort „unsagbare Reden anzuhören, die auszusprechen einem Menschen nicht erlaubt sind“ (2.Kor. 12:3-4). Gerade weil ihm bewusst war, was für eine Gefahr in solch einer Würdigung steckt, sich zu rühmen und damit anzugeben, bekennt Paulus noch nicht einmal, dass er selbst es war, sondern sagt nur: „Ich kenne einen Menschen in Christo“; denn ihm war bewusst, dass er solche Visionen und Enthüllungen auch zukünftig nur dann bekommen würde, wenn er auf die Angeberei ganz und gar verzichte (2.Kor.12:1-2).

Das fällt uns Menschen natürlich sehr schwer. Liegt es nicht in unserer Natur, dass wir unsere außerordentli-chen Erlebnisse oder Heldentaten sofort allen berichten wollen, damit jeder uns bewundert oder uns tröstet? Es gibt einen Mann in der Bibel, der mit diesem Problem oft zu kämpfen hatte, und zwar Simson. Er war sicherlich kein besonders frommer und enthaltsamer Gottesmann, aber er gehört dennoch zu den Glau-benshelden aus Hebräer 11 (Vers 32), denn er nutzte seine körperliche Kräfte, um an den Feinden Gottes Rache zu üben. Eine interessante Begebenheit lesen wir in Richter 14:5-9; Simson hatte mit seinen bloßen Händen einen Löwen getötet, aber er prahlte nicht damit und erzählte es noch nicht einmal seinen Eltern. Und auch später, als er kurioserweise einen Bienenschwarm im Gerippe des Löwen fand, behielt er es für sich, so als ob all dieses nicht der Rede wert sei. Als er aber später seine Hochzeit feierte, erlag er dann doch der Versuchung, wenigstens ein spannendes Geheimnis aus seinem Erlebnis zu machen. Seine Schwäche, ein Geheimnis für sich zu behalten, kostete ihm am Ende das Augenlicht.

Habt Ihr schon gehört:…“, „Wisst ihr schon das Neueste,…“ – o wie schwer fällt es auch mir, etwas Erlebtes zu verheimlichen! Ich hätte auch Journalist werden können. Gerade wenn es um Skandale oder Verfehlungen anderer geht, dann möchte ich selbst immer der erste sein, der es zu berichten weiß! „Die Worte des Ohren-bläsers (d.h. des Intriganten, neudeutsch auch: „der Tratschtante“) sind wie Leckerbissen“ (Spr.18:8a). Und um seine Geschwätzigkeit fromm zu tarnen, kommt dann immer der Nachsatz: „Wir sollten unbedingt für ihn/sie beten…“ Als Kinder Gottes sollten wir aber auf jeglichen Klatsch und Tratsch verzichten, sondern wie die Engel ein unsichtbares Leben in der heiligen Stille vor Gott führen; denn wir sind den Eitelkeiten der Welt gestorben „und unser Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott“ (Kol.3:3). Der „verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes ist vor Gott sehr köstlich“ (1.Petr.3:4).

Der HErr Jesus wollte nie, dass Seine Taten überall bekannt wurden. ER hatte es nicht nötig, dass Sein Ruhm sich rumsprach, denn Er wusste, „was in dem Menschen war“ (Joh.2:25). Um uns ein Vorbild zu geben, ist Er „zu Nichts geworden (wörtl. „Er entleerte sich selbst“) und nahm Knechtsgestalt an“ (Phil.2:7). Um für den HErrn brauchbar zu werden, muss Gott uns zuerst in die Wüste führen (2.Mo.3:18, 5:1+3, 7:16, Hosea 2:14, Luk.4:1, Gal.1:16-17, Offb.12:6+14). Auch Mose musste erst mal „Schafologie“ studieren in der Wüste, bevor er die Herde Gottes weiden konnte (2.Mo.3:1). Er verzichtete auf die Reichtümer Ägyptens und ging lieber in den Untergrund, „um mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden“ (Hebr.11:25). Sogar von der Frömmigkeit Henochs können wir lernen, denn es heißt von ihm: „ER WAR NICHT MEHR…“ (1.Mo.5:24). Unser Glück sollte darin bestehen, dass wir wie „Hans im Glück“ nacheinander alles verlieren, um unbeschwert vor Gott zu sein, „wie ein Adler schweben und in Dir nur leben“. Oder wie es in einem anderen Lied heißt: „Ich bin (nur noch) einer, den die Gnade fand“.

Wenn ich dies nun schreibe, dann ist dies zuerst für mich selbst eine Lehre (Röm.2:21). Auch ich habe den Herzenswunsch, abzutauchen und vor Menschen unsichtbar zu werden. Mein Gebet ist es, wie eine Schwester mal dichtete: „HErr beuge mich! Mach aus dem Ton, der doch zu nichts sonst für Dich wert, ein Dir gebräuchliches Gefäß, das Dich gebeugt in Demut ehrt“. Deshalb möchte ich mich mit Gottes Hilfe fortan von fruchtlosen Streitigkeiten auf Facebook oder über Email zurückziehen und auch nicht mehr jeden Monat einen Artikel für die Hahnenschrei-Seite schreiben, sondern nur noch gelegentlich. All das war bisher gut und wichtig, aber es ist vorerst genug, und ich möchte mir wieder mehr Zeit nehmen fürs Gebet und für meine Frau. Auch sie hat zuletzt mehr und mehr darunter gelitten, dass ich oftmals ein ganzes Wochenende nur für meine „Hühnerei“ verbrachte, wie sie es immer liebevoll nannte.

„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit welchem Urteil ihr urteilt, werdet ihr beurteilt werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.“ (Mt.7:1-2)

Es sollte klar sein, dass der HErr hier nicht ein „Beurteilen“ im absoluten Sinne meinen kann, denn sonst wäre ja auch schon allein die Feststellung „Du richtest!“ selbst schon ein Richten. Auch könnten wir ja gar nicht die „Wölfe im Schafspelz“ erkennen, die „faule Früchte bringen“, wie Er im selben Kapitel warnend sagt, wenn wir überhaupt gar nichts beurteilen dürften. Nein, es geht dem HErrn hier um eine besondere Form des Beurteilens, nämlich die der Spekulation, d.h. des Mutmaßens über die Motivation und die Gesinnung des anderen, die unserem Urteilsvermögen jedoch nüchtern betrachtet gar nicht zugänglich ist. Das griechische Wort κρίνω KRINOo = teilen, trennen, unterscheiden, eine Entscheidung treffen, hat im NT vor allem die Bedeutung von: richten, urteilen oder seine Meinung abgeben, aber auch im Sinne eines rein gedanklichen Beurteilens oder Bildens einer Meinung. Es gibt also ein berechtigtes Urteilen und ein unberechtigtes Urteilen. Vor Letzterem – von dem der HErr spricht – wird im NT immer wieder gewarnt: „Sprecht nicht herabsetzend* über einander, Brüder (*d.h. hemmungslos/ rücksichtslos/ taktlos/ lieblos/ ohne Kontrolle der Wahrhaftigkeit)!“ (Jak.4:11) „Daher richtet nicht etwas vor der Zeit, bis der HErr kommt, der auch die verborgenen Dinge der Finsternis ans Licht bringen und die Ratschlüsse der Herzen offenbaren wird. Und dann wird jedem sein begründetes Lob werden von Gott“ (1.Kor.4:5).

In der heutigen Gemeindeausprägung („Laodizea“) finden wir zwei Reaktionen bezüglich des Richtens, und zwar die der „Lauen“, die das Richtverbot instrumentalisieren, um sich vor jeder Art der Beurteilung durch andere zu schützen, und die der „modernen Pharisäer“, die gerne die Verfehlungen anderer Christen öffentlich anprangern und sie als Heuchler entlarven, wodurch sie selbst dabei den Eindruck von Reinheit und Makellosigkeit vermitteln. Während die Lauen empfindlich reagieren, wenn man ihnen zu nahe tritt und geradezu reflexartig jede Kritik als Einmischung in die Privatsphäre abwimmeln, löst der Vorwurf des Richtens bei den heutigen „Pharisäern“ sofort den Reflex der Selbstbestätigung aus, dass man allein zu der kleinen Herde der Getreuen des HErrn zählt, die sich von jeder noch so geringen Art der äußeren Befleckung rein halten müssen durch Absonderung (Pharisäer = Abgesonderter, Exklusiver, Spalter, abgeleitet von hebr. Pe´ReSch = Trennung, Riss, Absonderung). Ein moderner Pharisäer bedarf keiner Belehrung oder Korrektur, weil er selbst unfehlbar und irrtumslos ist in seinen Augen und allein über das absolute Wahrheitsmonopol verfügt, und damit auch über die alleinige Lehrbefugnis. Er möchte nur gefragt, aber von niemandem belehrt werden, da er „nichts bedarf“ (Offb.3:17, Joh.9:34).

Das Internet und besonders die sozialen Netzwerke wie Facebook bieten heute nahezu uneingeschränkt die Möglichkeit, durch Hetzkampagnen gegen die lauen und laschen Christen hemmungslos mit verbaler Verrohung zu Felde zu ziehen. Facebook ermöglicht es jedem, Richter und Henker zugleich zu sein, wobei man sich selber moralisch aufwertet und in ein besseres Licht rückt. Durch die radikale Kritik an anderen kann man einem großen Publikum beweisen, welchen Eifer man selbst für den HErrn hat und sich dadurch von den anderen abgrenzen. Der KRITIKO´S ( = Urteilsfähige) muss dabei aufpassen, dass er nicht selbst zum hYPOˑKRITE´S = Schauspieler/ Heuchler/ Ausleger wird, der mit zweierlei Maß misst, indem er für sich selbst einen milderen Maßstab gelten lässt, während er anderen moralische Höchstleistungen abverlangt, zu denen er selbst nicht in der Lage wäre (vergl. Mt.23:4). Oftmals projizieren wir dabei unbewusst unseren Frust über unser eigenes Versagen auf andere, weil wir glauben, dass sie es sich viel zu einfach machen, während wir uns wenigstens viel mehr Mühe gaben und trotzdem versagten.

Dabei erinnert uns der HErr durch Seinen Geist daran, dass auch bei uns selbst „Verschuldungen sind gegen den HErrn, unseren Gott“ (2.Chron.28:10). All unsere Schuld hat der HErr vergeben und sie uns erlassen; deshalb gilt: „Solltest nicht auch du dich deines Mitknechtes erbarmt haben, wie auch ich mich deiner erbarmt habe?“ (Mt.18:33). Wir sind es dem HErrn schuldig, genauso langmütig, gütig und milde mit den Verfehlungen unserer Geschwister umzugehen, wie auch der HErr langmütig, gütig und milde mit uns war. Das ist die praktische Anwendung unseres Versprechens an den HErrn, wenn wir beten: „…wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Gott will uns zum Mitdenken bringen, dass wir am Ende die Welt mit Seinen Augen sehen und so milde werden wie Er, bzw. so rein und arglos wie ein Kind (Mt.5:8, 18:3). Kinder können zornig werden, aber sie sind in der Regel nicht nachtragend, sondern harmoniebedürftig, weshalb sie sich gerne aussöhnen und dem anderen nichts Böses unterstellen können, da sie es nicht kennen. „Die Liebe glaubt alles“ (1.Kor.13:6) und sie „tut den Menschen nichts Böses“ (Röm.13:10).

Mit dem Richtverbot des HErrn in Mt.7:1-2 appelliert der HErr an unser eigenes Bedürfnis nach Milde und Nachsicht und erinnert uns zugleich daran, dass Gott uns eines Tages mit derselben Unnachgiebigkeit und Strenge richten wird, wie wir sie zu Lebzeiten auch selber an unseren Mitmenschen geübt haben. Das Wort in Römer 2: 1-4 richtet sich in erster Linie an Gläubige: „Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, Mensch, jeder, der da richtet; denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe. Wir wissen aber, dass das Gericht Gottes der Wahrheit entsprechend über die ergeht, die so etwas tun. Denkst du aber dies, Mensch, der du die richtest, die so etwas tun, und dasselbe verübst, dass du dem Gericht Gottes entfliehen wirst? Diese Worte sind sehr ernst, und wir vermögen kaum die Tragweite zu ermessen, wenn wir bedenken, dass die Engel Gottes uns jeden Augenblick unseres Lebens beobachten und alle unsere Worte und Taten schriftlich festhalten. Mit der von David ausgesprochenen Verurteilung in 2.Sam.12:5-6 „der Mann, der das getan hat, ist ein Sohn des Todes; …das Lamm soll er vierfach erstatten“ hatte er letztlich sein eigenes Urteil gesprochen („Du bist der Mann“ V.7): Aufgrund seines Sündenbekenntnisses wurde seine Selbstverurteilung zum vorzeitigen Tod aufgehoben (V. 13), nicht aber die angekündigte Bestrafung: 4 seiner Sohne starben vorzeitig bzw. gewaltsam (der im Ehebruch gezeugte Sohn, Amnon, Absalom u. Adonija). Mit jeder Sünde, die wir begehen, geraten wir automatisch unter das Urteil, das wir früher einmal über einen Sünder, der die gleiche Sünde beging, gefällt haben. Die Sünde wird also immer gefährlicher für uns, je weiter wir im Glauben und im Leben fortgeschritten sind. Das durch unser Urteilen und Dem-eigenen-Urteil-Verfallen angesammelte Gerichtspotential können wir nur durch Erbarmen mit dem Mitmenschen entschärfen und für uns erträglich machen: Denn „das Erbarmen rühmt sich gegen das Gericht“ (Jak.2:13).

 

 

„Der aber auf die gute Erde gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und versteht, welcher wirklich Frucht bringt; und der eine trägt hundert-, der andere sechzig- und der andere dreißigfältig.“ (Matth.13:23)

Jeder der einen Garten hat oder auf dem Land wohnt, freut sich jeden Sommer über all die Blumen oder Früchte, wenn sie allmählich heranreifen. Wir können sie düngen oder begießen, wenn es zu wenig geregnet hat, aber uns ist bewusst, dass allein Gott derjenige ist, der das Wachstum bewirkt (1.Kor.3:6-7). Und so ist es auch im Geistlichen: Gott wirkt das Wollen und Vollbringen nach Seinem Wohlgefallen (Phil.2:13). Aber wie steht es mit unserer Verantwortung? Davon lesen wir im Gleichnis von den Verwaltern: zwei von ihnen vermehrten die Gaben ihres Herrn, aber einer gab es unvermehrt zurück (Mat. 25:14-30). Eine Rebe, die keine Frucht bringt, wird abgeschnitten und ins Feuer geworfen (Joh.15:2+6, Lk.13:7-9), denn der Sinn unserer Berufung ist ja gerade, dass wir Frucht bringen sollen, „und eure Frucht bleibe“ (Joh.15:16). Viele Christen brachten im Anfang ihres Glaubenslebens noch Frucht, aber dann kamen „die Sorgen des Lebens und der Betrug des Reichtums und die Begierde nach den übrigen Dingen hinein und ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht“ (Mark.4:19). Es gibt jedoch viele „Scheinfrüchte“ wie z.B. das Wissen über die neuesten Verschwörungen, die man auf YouTube findet und dann weiterverbreitet. Manche Christen verbringen den ganzen Tag damit und glauben, dass sie dafür eines Tages vom HErrn Lohn bekommen. Tatsächlich schadet man aber dadurch andere Gläubige, indem man sie verführt, es ihnen gleichzutun (Mt.23:15).

Bei den geistlichen Früchten denken wir immer sofort an gute Werke, was grundsätzlich auch richtig ist (Ps.128:2, Jes.3:10). Aber in erster Linie will Gott natürlich in uns Seine Charaktereigenschaften als „Frucht des Geistes“ hervorbringen, nämlich „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit“ (Gal.5:22-23). Diese Veränderungen sind ja eine natürliche Folge der Buße (Mt.3:8, Apg.26:20). Darüber hinaus gibt es aber ein schrittweises Wachstum, beginnend mit dem Glauben, der die Tugend wirkt, diese dann die Erkenntnis, die zur Enthaltsamkeit führt, und diese zum Ausharren (w. Untenbleiben), zur Gottseligkeit, zur Bruderliebe und von dieser schließlich zur reinen AGAPÉ (Liebe); „Wenn diese Dinge bei euch sind und reichlich vorhanden, so stellen sie euch nicht träge, noch fruchtleer hin bezüglich der Erkenntnis unseres HErrn Jesus Christus“ (2.Petr.1:5-8).

Normalerweise muss sich ein Kind Gottes keine Sorgen machen, genügend Frucht hervorzubringen, denn das geschieht i.d.R. ganz von selbst, ohne dass wir das mitbekommen (Mark.4:27-28). Wenn wir nur am Strom lebendigen Wassers gepflanzt sind, dann bringen wir Frucht zu Seiner Zeit (Ps.1:3, Jer.17:8). Aber um die Früchte zu genießen, müssen wir uns auch mühen (Jes.53:11, 2.Tim.2:6), und wenn der HErr es erlaubt, dürfen wir manchmal schon auf Erden die Früchte unseres Mühens sehen. „Der da erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf dass beide, der da sät und der da erntet, zugleich sich freuen“ (Joh.4:36). Unsere Glaubenstaten sind sozusagen das Hochzeitsgeschenk für unseren Bräutigam, obgleich Er selbst maßgeblich daran beteiligt war. Wie weit entfernt ist diese Freude von dem heutigen Geschrei über „Werkegerechtigkeit!“ Man hat fast den Eindruck, als ob es in den Augen mancher Christen Sünde sei, nach guten Werken zu streben. Dabei steht doch geschrieben: „Wenn der Glaube keine Werke hat, ist er totDer Mensch wird aus Werken gerechtfertigt und nicht aus Glauben allein“ (Jak.2:17+24).

Issak hatte in einem Jahr mal einen hundertfachen Ertrag (1.Mo.26:12). Viele Christen begnügen sich damit, wenn sie nur „dreißigfältig“ Frucht hätten. Manche Prediger entmutigen die Gläubigen ja geradezu zu einer falschen Bescheidenheit. Als ich vor 30 Jahren meine Gesellenprüfung machte, sagte uns der Prüfer zu uns Lehrlingen: „Wenn ihr alles genauso macht, wie man es von einem Malergesellen erwarten kann, bekommt ihr eine 4. Wenn ihr aber besser seid, als der Durchschnitt, bekommt ihr eine 3. Und ihr müsstet schon eine herausragende Leistung bringen, um eine 2 zu schaffen. Aber eine 1 bekommt ihr ohnehin nicht, denn das schafft keiner!“ Ich ließ mich jedoch nicht einschüchtern und erlangte mit meinem Gesellenstück sogar 91,6 Punkte (2+). Mir hatten nur 0,4 Punkte gefehlt, um eine 1 zu bekommen. „Wisset ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber nur einer den Preis empfängt? Laufet also, auf dass ihr ihn erlanget. Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem…“ (1.Kor.9:24).

Hundertfach Frucht zu bringen, ist im Grunde das Normale, was Gott auch von uns erwarten kann. Wir sollen durch den Glauben nicht nur dieselben Werke des HErrn Jesus tun, sondern darüber hinaus noch Größere tun, weil der HErr vorzeitig sein Leben beendete und zum Vater ging (Joh.14:12). Wir haben also i.d.R. viel mehr Lebenszeit zur Verfügung, die wir auskaufen sollen (Eph.5:16). Dass es Christen geben wird, die nur dreißig- oder sechzigfältig Frucht bringen, liegt daran, dass sie so viele Möglichkeiten zum Dienst ungenutzt lassen. Jener Knecht des HErrn, der statt zehn nur fünf Pfunde eingebracht hatte, bekam vom HErrn nicht das Lob des anderen zu hören: „Wohl, du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu warst, so habe Gewalt über zehn Städte!“ (Lk.19:16-19). Er war zwar auch treu, aber nicht in den geringen Dingen! Wie viele von uns finden es „übertrieben“, wenn einer z.B. mehr als 10 % seines Lohnes für die Bedürftigen weggibt (Hoh.8:7)! Bruder Daniel saß einmal abends im Bus, als auf einmal ein junger Mann einstieg und von hinten anfangend jeden Fahrgast ansprach: „Entschuldigen Sie, glauben Sie schon an den Retter Jesus Christus?“ – Da wurde er beschämt, da dieser junge Bruder sogar als psychisch gestört galt

 

„Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte die Perle.“ (Mt.13:45-46)

 

Ja, wer würde das schon tun? Wer von uns würde seinen ganzen Besitz verkaufen, nur um einen glänzenden Stein zu kaufen?! Welch ein Kaufmann würde schon solch eine Entscheidung treffen, wenn sich dieses Geschäft nicht doppelt und dreifach für ihn rentieren würde!

Wir wissen, dass der HErr Jesus jener „Kaufmann“ war, der alles hingegeben hat, um uns durch Sein kostbares Blut zu erkaufen. Wie wertvoll müssen wir in Seinen Augen für Ihn gewesen sein! „Für die vor Ihm liegende Freude hat Er das Kreuz erduldet“ (Hebr.12:2), und diese Freude hatte Er „an den Menschenkindern“, die Er ja selber auch erschaffen hatte (Spr.8:31).

Der neue „Hahnenschrei“ befasst sich u.a. auch mit Martin Luther, der diese Wahrheit von dem vollkommen ausreichenden Opfer des HErrn Jesus als Sühnung für unsere Sünden wieder ans Licht der großen Öffentlichkeit gebracht hatte, so dass seither viele Millionen Menschen erkennen durften, dass sie sich nicht selbst die Errettung verdienen können, sondern das Heil durch den Glauben an das Evangelium von Gott geschenkt bekommen. Leider wird bis heute das Gleichnis von der Perle nur einseitig gesehen als Handeln Gottes für die Glaubenden, und nicht auch andersherum, dass auch wir fortan „nicht mehr für uns selbst leben, sondern für den, der für uns gestorben ist“ (2.Kor.5:15). Wir haben zwar nicht selbst den HErrn erwählt, sondern Er hat uns erwählt (Joh.15:16a), aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn der Satz geht noch weiter: „…und euch gesetzt, auf dass ihr hingeht und Frucht bringt, und eure Frucht bleibe“ (Joh.15:16b). Diese notwendige Folge der Bekehrung wurde erst später durch „Philadelphia“ (den Pietismus) im 17. und 18. Jahrhundert erkannt und in die Tat umgesetzt.

Natürlich können wir diese Frucht nicht aus uns selbst hervorbringen, denn „all unsere Gerechtigkeiten gleichen einem unflätigen Kleid“ (Jes.64:6), aber „Aus Mir wird deine Frucht gefunden“ (Hos.14:8). Solange wir in Ihm bleiben, bringen wir viel Frucht (Joh.15:2-6). Im Grunde ist es ja der HErr Jesus selbst, der in uns die Frucht bewirkt, denn Er führt Sein Leben in uns, und zwar jeden Tag aufs Neue. Wir sind solange Siegende, wie wir den HErrn Jesus in uns siegen lassen. Daher bat die Braut im Hohelied: „Lege mich wie einen Siegelring an Dein Herz, wie einen Siegelring an Deinen Arm!“ (Hoh.8:6). Deshalb sollte Aaron als Hohepriester die Namen der Kinder Israel eingeritzt in Onyx-Steinen in einem Ephod auf seinen Schultern tragen als „Gedenkzeichen für die Kinder Israel“ (2.Mo.28:12) und auch noch einmal zusätzlich 12 verschiedene Edelsteine in einem „Brustschild des Gerichts“, dass er „beständig auf seinem Herzen tragen soll vor dem HErrn“ (2.Mo.28:15-30).

Steine haben mich schon seit meiner Kindheit fasziniert, weshalb ich zuhause eine kleine Ansammlung von Steinen habe, die ich auf Reisen nach und nach fand. Manchen sieht man rein äußerlich gar nicht an, dass sie von innen wunderschöne Kristalle enthalten, die erst durch das Aufschneiden sichtbar wurden (1.Petr.3:4). Viele Edelsteine findet man erst, wenn man sich in tiefe Höhlen abseilt (Hiob 28:3-4). Andere entdeckt man durch Zufall, wenn der Mensch „die Hand anlegt an das harte Gestein, die Berge umwühlt von ihrer Wurzel, um Kanäle durch den Felsen zu hauen, und dabei allerlei Kostbares entdeckt“ (Hiob 28:9-10). Die meisten haben ihre schönen Formen und Farben erst durch hohe Temperaturen und starken Druck erlangt (1.Petr.4:12). Die Entstehungsgeschichte von Steinen nennt man übrigens Petrogenese.

Ich erinnere mich noch wie ich damals schmunzelte, als die alte Schwester Hedi mir in ihrer Einfalt erklärte, dass selbst Steine wachsen würden. Ich entgegnete ihr altklug, dass Steine nicht wachsen könnten, da sie leblos sind, aber sie wollte mir nicht glauben. Heute weiß ich, dass es mindestens einen Stein gibt, der tatsächlich wächst, nämlich die PERLE. Wir wissen ja, dass diese durch eine Verletzung im Inneren einer Muschel allmählich heranwächst. Sie enthält nämlich neben einem Anteil von 80-90 % Calziumcarbonat auch einen kleinen organischen Anteil an Proteinen, durch welchen die einzelnen Kristallplättchen miteinander verkittet sind. Auch wir sind wie der tote Kalk in der Muschel gestorben, und unser „Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott“ (Kol.3:3). Doch so wie die Perle allmählich heranwächst im Verborgenen, so werden auch wir als „lebendige Steine aufgebaut“ (1.Petr.2:5), um zusammen die „Tore des neuen Jerusalems“ zu bilden (Offb.21:21).

Mein Zwillingsbruder Marcus sagte einmal zu mir: „Ich brauche keine Stadt, deren Straßen aus Gold sind und deren Mauern buchstäblich aus Edelsteinen besteht“. Auch ich glaube inzwischen, dass jene Edelsteine im Neuen Jerusalem eine geistliche Bedeutung haben. Durch „Zufall“ habe ich vor zwei Tagen entdeckt, dass das hebräische Wort HaLa´L = „loben“ (vergl. „Hallelujah!“) wörtlich eigentlich „erhellen“ bedeutet. Jedes Mal, wenn ich Gott lobe, dann werfe ich ein helles Licht auf Sein Wesen. Von HaLa´L ist vielleicht auch das deutsche Wort „hell“ abgeleitet (und wahrscheinlich auch das arabische Wort „Halal“ für „erlaubt“). Das Licht kommt aber nicht von uns, sondern der HErr selbst ist der „Lichtgeber“ in der Stadt Gottes (Offb.21:11+23), und in Seinem Lichte beginnen wir als geistliche Edelsteine zu glänzen.

Unser Leben soll aber schon heute die Herrlichkeit Christi wiederspiegeln (Spr.4:18, Hoh.6:10). „Wenn aber unser Evangelium doch verdeckt ist, so ist es nur bei denen verdeckt, die verloren gehen, den Ungläubigen, bei denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen. Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als HErrn, uns aber als eure Sklaven um Jesu willen. Denn Gott, der gesagt hat: ‚Aus Finsternis wird Licht leuchten!‘, Er ist es, der in unseren Herzen aufgeleuchtet ist zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi“ (2.Kor.4:3-6, vergl. Ps.115:1).

Das Wort HaLa´L bedeutet zugleich auch „prahlen“. Jedes Mal, wenn ich mich selbst „erhelle“, d.h. mein eigenes Tun in den Vordergrund stelle, dann predige ich nicht mehr Christus als HErrn, sondern mich selbst. Ein reiner Edelstein aber kann nur deshalb das Licht hindurch-scheinen lassen, weil er keineVerunreinigungen“ besitzt, die das Licht trüben. Ein Diamant z.B. besteht zu 100 % aus Kohlenstoff, ist aber dennoch nicht schwarz wie Kohle, sondern durchsichtig, weil seine Moleküle in einer vollkommen gleichmäßigen Gitterstruktur angeordnet sind. Mögen wir doch alle leuchten, von nun an, dass die Herrlichkeit des HErrn über uns aufgehe (Jes.60:1-2) und wir das Leben Christi durch unseren Wandel wiederspiegeln!

Christen sollen leuchten, leuchten sollen wir,

du in deiner Ecke und ich in meiner hier!

 

“Verkaufet eure Habe und gebet Almosen; machet euch Säckel, die nicht veralten, einen Schatz, unvergänglich, in den Himmeln, wo kein Dieb sich naht und keine Motte verdirbt.“
(Luk.12:33)

Als ich vor 20 Jahren noch viel mit Aktien gehandelt habe, bekam ich immer sehr viele Börsenbriefe zugeschickt mit Kauf- und Verkaufsempfehlungen, die ich aufmerksam studiert habe. Man kann sein (Spiel-)Geld ja nur immer jeweils für EINE Anlage zur Zeit ausgeben, deshalb war ich damals darauf bedacht, dass mein angelegtes Geld auf die gewinnversprechensten Unternehmen verteilt ist. „Lahme Enten“ in meinem Depot habe ich daher schnell wieder verkauft, um auf aussichtsreichere Aktien zu setzen. Dahinter steckte die Sorge, dass man im Leben Chancen verpassen könnte und Potentiale nicht genug ausschöpfen würde. Zugleich aber spielte auch der Wahn eine Rolle, zu einer Gruppe „Auserwählter“ zu gehören, die so clever sind, dass sie irgendwann nicht mehr für Geld arbeiten müssten, sondern allein ihr Geld für sich arbeiten lassen würden. Geld ist jedoch eine Illusion, die nur durch zwischenmenschliche Vereinbarungen aufrecht erhalten wird. Geld ist ja kein nachwachsener Rohstoff, sondern ein Schuldverhältnis. Reichtum kann also immer nur durch Verarmung von anderen entstehen. Die Gewinne der einen, sind die Verluste der anderen.

Grundsätzlich ist das Streben nach Gewinn etwas Gutes, weshalb der HErr uns in Luk.12:33 eine Verkaufs- und zugleich Kaufempfehlung gibt. Gott besitzt das gröβte Bankhaus überhaupt, bei dem schon kleinste Investitionen horrende Gewinne garantieren (vergl. Luk.21:1-4). Die Bankangestellten Gottes, die für ihn die „Kauforders“ entgegen nehmen, sind die Armen und Bettler dieser Welt, denn: „Wer des Armen sich erbarmt, leiht dem HErrn; und Er wird ihm seine Wohltat vergelten“ (Spr.19:17). Die meisten Christen halten diese Geldanlage leider für „hochspekulativ“ und sagen sich: „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.“ Sie fürchten sich, dass ihr Geld pfutsch ist, falls es sich bei dem Bettler um einen listigen Betrüger handeln würde. Dabei geht es beim Geben gar nicht in erster Linie darum, dass wir dadurch Gott helfen müssten, als ob Er auf uns angewiesen wäre, denn Ihm gehört ja schlieβlich alles und Sein ist „der Erdkreis und seine Fülle“ (Ps.50:9-13). „Denn die Bedienung dieses Dienstes ist nicht nur eine Erfüllung des Mangels der Heiligen, sondern ist auch überströmend durch viele Danksagungen gegen Gott; indem sie durch die Bewährung dieses Dienstes Gott verherrlichen wegen der Unterwürfigkeit eures Bekenntnisses zum Evangelium des Christus und wegen der Freigebigkeit der Mitteilung gegen sie und gegen alle“ (2.Kor.9:12-13).

Es geht Gott also vor allem um die Bewährung unseres Glaubens, damit der Liebesstrom, den wir von Gott empfangen haben, sich nicht in unserem Herzen staut, sondern weiter flieβen kann zu den anderen hin, die in ihrem bisherigen Leben nur bittere Enttäuschungen erlebt haben (1.Chron.29:14). Wir sind Boten der Liebe Gottes in dieser Welt, aber zugleich verherrlicht sich Gott auch durch unser Vertrauen auf Seine Zusage, dass Er uns eines Tages überreichlich unsere guten Taten belohnen wird. Wir können uns durch den Glauben einen „unveränglichen Schatz in den Himmeln“ erwerben, der uns im Vergleich zu unserem irdischen Besitz nicht mehr weggenommen werden kann. Erinnern wir uns doch nur an jene Momente, wo wir auf einmal solche „Hiobsbotschaften“ empfingen, z.B. in Form eines Briefes vom Finanzamt (wegen einer Steuernachzahlung), oder von einem gegnerischen Anwalt, von einer Inkassofirma oder gar vom Gerichtsvollzieher. Oder wenn uns auf einmal der Arbeitsplatz oder ein Groβauftrag gekündigt wird und wir nicht mehr wissen, wie wir im nächsten Monat unsere Miete und Lebensunterhalt bezahlen können. Oder wenn – wie bei uns im letzten Jahr – das Aquarium ausgelaufen ist und die Versicherung den Schaden nicht bezahlen will. Oder die ungläubige Ehefrau will sich scheiden lassen und verlangt den Verkauf des Hauses, um den Besitz zu teilen. Oder ein Fremder verlangt 70.000 € Schadenersatz wegen einer kleinen Unachtsamkeit mit unvorhersehbaren Folgen usw. Solange wir noch etwas zu verlieren haben, kann ein materieller Verlust sehr schmerzhaft sein, weil wir uns sagen: „Hätte ich das sauer verdiente Geld wenigstens rechtzeitig gespendet, dann würde es mir jetzt wenigstens nicht von Leuten weggenommen, die ohnehin schon genug Geld haben!“ Jemand, der sich gemäss Luk.14:33 wirklich „von allem verabschiedet hat, was er besitzt“, der kann bei Eintritt eines Schicksalsschlags auch „den Raub seiner Güter mit Freuden aufnehmen“, da er weiβ, dass er für sich „eine bessere und bleibende Habe besitzt in den Himmeln“(Hebr.10:34).

Gottes Wort fordert uns auf, dass wir uns „Freunde machen sollen mit dem ungerechten Mammon, auf dass, wenn er zuende geht, man euch aufnehme in die ewigen Hütten“ (Luk.16:9). Wir sollen nicht für uns Schätze sammeln, sondern „reich in Bezug auf Gott“ werden (Luk.12:21). Manche mögen ihren Besitz vielleicht nach ihrem Tod per Testament für einen wohltätigen Zweck spenden wollen – was ja immerhin besser als nichts ist; aber ein Bruder sagte mal: „Besser mit warmer Hand geben, als sich mit kalter Hand aus der Hand nehmen lassen“. Noch schlimmer ist es, wenn ein Gläubiger durch seinen vorzeitigen plötzlichen Heimgang auch noch einen Streit unter seinen ungläubigen Erben auslöst. Wir sollten bedenken, dass es mit der Verwaltung unseres Besitzes als Christen etwa so ist wie beim Romeespiel: Alles, was wir beim Verlieren am Ende noch nicht rechtzeitig rausgelegt, sondern noch in der Hand haben, wird uns als „Minuspunkte“ angerechnet. Daher sollten wir es so machen wie jener Bruder Percy W. Heward, der lange vor seinem Tod begann, den HErrn um zwei Anliegen zu bitten: Erstens wollte er zum Zeitpunkt seines Todes nichts mehr besitzen und zweitens wollte er nicht bettlägerig werden, sondern im Moment seines Todes wie ein Baum umfallen und liegen bleiben (Pred.11:3). Gott hat dann sein Gebet erhört: Als er 1948 eines Abends in den Bunkern von London Traktate verteilte, fiel er um und starb mit 66 Jahren an einen Herzinfarkt. Da er nie geheiratet hatte, brauchte er auch nichts für seine Familie zurücklassen. Der Verkaufserlös seiner wenigen Habseligkeiten reichte gerade aus, um seine Bestattung zu bezahlen, so dass er niemandem zur Last fiel.

 

„Simon, Simon, siehe, Satan fordert euch für sich, um euch wie das Getreide zu sieben.

Ich aber habe für dich gefleht, damit dir dein Glaube nicht ausgehe.

Und wenn du dich einst umwendest, dann festige deine Brüder.“ (Luk.22:31-32)

Mein oben genannter Taufspruch, den ich am 31.07.1985 durch Bruder Daniel Werner (1921-2009) erhielt, hatte sich in meinem Leben wie eine Prophezeiung erfüllt. Auch ich war damals (wie Simon Petrus) empört, als mir drei verschiedene Geschwister ihre Befürchtung kundtaten, ich könne vielleicht irgendwann noch mal in die Welt zurückkehren, und entgegnete ihnen: „Das ist doch völlig absurd und wird niemals geschehen!“ (vergl. Mt.26:33). Doch so wenig, wie ich mir vor 1996 vorstellen konnte, dass ich eines Tages vom Glauben abfallen könnte, so wenig hätte ich mir vor 2014 vorstellen können, dass ich je wieder Christ werden würde. „Vielen bin ich wie ein Wunder (hebr. MoPheT, d.h. der überführende Beweis der Macht Gottes); Du aber bist meine starke Zuflucht“ (Ps.71:7).

Nun stellt sich aber die Frage, warum Gott überhaupt zugelassen hatte, dass Satan sowohl mich als auch den Apostel Simon damals auf eine Probe stellte, die wir beide – in unterschiedlicher Weise – nicht bestanden. Mit welchem Recht kann Satan überhaupt Forderungen stellen, deren Folgen der HErr Jesus nur durch Fürbitte abzumildern vermag? Hätte Er diesen „Widersacher“ nicht einfach von Anfang an in Ketten legen können (denn dann wäre doch auch der Sündenfall nie passiert)?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zum Anfang der Schöpfung zurück: Nachdem Gott die Himmel und die Erde erschaffen hatte (hebr. BāRā˚), hatte Er die Engel in 1.Mo.1:26 aufgefordert, Menschen zu gestalten (˜āSsā’H = zurechtzumachen) in Sein und der Engel Bild. Körper, Seele und Geist konnte der HErr den Menschen anerschaffen, aber geistliche Eigenschaften wie Glaube, Hoffnung und Liebe konnte Er ihnen mit Hilfe der Engel nur AN-ERZIEHEN. Mit dieser Idee, aus Menschen – die doch den Tieren ähnlich sind (Pred. 3:18) – Söhne Gottes zu machen, waren scheinbar nicht alle Engel einverstanden, allen voran der Satan, der den dritten Teil der Engel auf seine Seite zog (Offb.12:4). Doch die Berufungen und Gaben Gottes sind „unbereubar“ (Röm.11:29), weshalb auch die Satans-Engel trotz ihrer Rebellion nicht einfach aus ihrer Zurechtmachungsaufgabe entbunden wurden, sondern sie dienen Gott genauso wie die anderen auch weiterhin.

Deshalb verwundert es auch nicht, dass sich Satan unter den Söhnen Gottes befand, als diese sich vor den HErrn (zum Dienst bereit) stellten. Als „Verkläger der Brüder“ (Offb.12:10) gehört es zu seinen Aufgaben, die Erde zu durchstreifen, um Menschen zu „verschlingen“ (Hiob 1:7, 1.Petr.5:8). Satan stellte die Motive der Frömmigkeit Hiobs in Frage und verdächtigte ihn des Opportunismus: „Ist es umsonst, dass Hiob Gott fürchtet?“, so als ob Hiob nur deshalb so rechtschaffen und gottesfürchtig sei, weil er dadurch von Gott mit Reichtum gesegnet wurde (nach dem Motto: „wie Du mir, so ich Dir“). Dadurch unterstellte Satan dem Hiob, dass er nicht aus Liebe zu Gott treu und gehorsam war, sondern nur aus einem materialistischen Geschäftsinteresse. Und Gott warf er eine parteiische Begünstigung Hiobs vor, weil Er Seinen Knecht vor den Widrigkeiten des Lebens beschützt hatte, so dass er sich so weit ausbreiten konnte. Theoretisch ist eine solche Möglichkeit nicht abwegig, nur im Falle von Hiob war sie absolut unberechtigt, weshalb Gott keine Bedenken hatte, dass Sein Knecht unbeschadet den Gegenbeweis in einer Prüfung überstehen würde. Als erste wurde Hiob seines Eigentums beraubt, wozu auch seine Söhne zählten, und Hiob überstand diese Prüfung mit Bravour: „Der HErr hat gegeben, der HErr hat genommen, der Name des HErrn sei gepriesen!“ (Hiob 1:21, Hebr.10:34). Erst als Hiob in der zweiten Prüfung auch durch Krankheiten und Schmerzen geplagt wurde, fiel es ihm deutlich schwerer, so gleichmütig und gelassen zu bleiben, so dass er seinem Unmut Luft machte.

Wenn der Teufel uns prüft, dann wird so manch einer „zu leicht erfunden“ werden, so dass er für untauglich betrachtet wird (Dan.5:27). Hinzu kommt, dass die Satan-Schlange speziell den Auftrag bekommen hat, dem Samen der Frau in die „Ferse“ (hebr. ˜āˑQeBh = das Nachfolgende, der Nachtrab) zu schnappen (1.Mo.3:15), d.h. die Nachfolger Jesu, die dem HErrn zeitweise oder regelmäßig nurvon Ferne folgen“ in Versuchung zu bringen (Mark.14:54, 5.Mo.25:18). Petrus war unter den Zwölfen als Wortführer anerkannt, deshalb war er zugleich auch am meisten gefährdet, zumal Satan seine Schwächen kannte. Er hatte den Mund zuvor sehr voll genommen, und der HErr wollte ihn durch diese Prüfung demütigen, damit er später befähigt wäre, die Herde des HErrn zu weiden (Joh.21:15-19). Satan benutzt dafür – bildlich gesprochen – „Siebe“. Wenn der Weizen nach dem Dreschen von seiner Spreu und Halmen befreit wurde, wird er anschließend noch durch ein Sieb von kleinen Steinen, Sand oder Käfern gereinigt (Mt.3:12). In diesem Rüttelprozess muss sich also das einzelne Korn bewähren, dass es auch wirklich reif genug ist, um nicht durch die Löcher im Drahtgeflecht zu fallen. Auch wir schleppen aber in unserem Glaubensleben allerlei Verunreinigungen mit uns, die sich mit dem feinen Weizensamen des Wortes in uns vermengt haben.

Wenn ich heute rückblickend die Umstände analysiere, die mich damals im Glauben Schiffbruch erleiden ließen, dann waren es im Wesentlichen sieben „Siebe“, durch die ich geprüft und zu Fall kam:

1.   Festhalten am Liebgewonnenen,         

2.   Ehrgeiz / Ungeduld / faule Kompromisse,

3.   Gleichgültigkeit gegenüber Regeln und Geboten Gottes,

4.   Gebetslosigkeit,

5.   Falsche Nachgiebigkeit / Lauheit,                             

6.   Falsche Sturheit / Dickköpfigkeit,        

7.   Mangelnder Glaube.

Nun werden wohl die meisten von Euch sagen: Das sind doch alles typische Schwächen, mit denen wir alle mal zu kämpfen haben, aber deswegen verzweifelt man doch nicht gleich an seinem Glauben! Aber im Unterschied zu den meisten von Euch glaubte ich, dass diese Schwächen nicht in MIR vorhanden waren, sondern ich hielt mich für immun dagegen. Der Teufel aber ahnte wohl, dass bei mir diese fleischlichen Eigenschaften vorhanden waren und beantragte bei Gott, mich in diesen Bereichen zu prüfen. Gott aber erlaubte diese Prüfungen so wie bei Hiskia, um auch mir am Ende zu zeigen, was von ihm gesagt wird: „…damit er alles erkennte, was (noch) in seinem Herzen war“ (2.Chr.32:31).

Nachdem Brüder aus meinem engeren Umfeld schon weite Teile meiner Geschichte vorab gelesen hatten, bat mich einer, dass er in meiner Geschichte möglichst nicht mehr erwähnt werden möchte. Dies hätte in manchen Fällen bedeutet, dass ich ganze Kapitel hätte verstümmeln oder sogar ganz löschen müssen. Diesem habe ich erwidert: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben“ (Joh. 19:22). Viele glauben sogar, dass es nach der neuen Datenschutzverordnung überhaupt gar nicht erlaubt sei, Menschen ohne deren Einwilligung im Internet namentlich zu erwähnen. So schickte mir z.B. ein Bruder (Ivo Sasek) vor ein paar Monaten eine Abmahnung, da ich auf meiner Internetseite einen offenen Brief an ihn aus dem Jahr 1993 veröffentlicht hatte. Er drohte mir mit einer Klage auf Schadenersatz in Millionenhöhe, wenn ich diesen Brief nicht bis Monatsende gelöscht haben würde. Ich tat es jedoch nicht, denn öffentlich Kritik zu äußern an anderen Personen ist durch das Recht der freien Meinungsäußerung gedeckt. Auch unter Gläubigen dürfen Sünden und Sünder beim Namen genannt werden, sofern sie nie Buße darüber getan hatten (Mt.18:17, 1.Tim.1:20, 5:20, 2.Tim.2:17, 4:14-15). Dort aber, wo es nicht um Sünde geht, sondern nur um peinliche Dinge, habe ich aus Rücksicht bei einigen Personen die echten Namen gegen Pseudonyme ersetzt, wie es bei Biografien ja häufig gemacht wird, denn nicht jeder ist ohne weiteres bereit, dass man Geheimnisse aus seinem Leben öffentlich erwähnt (Spr.25:9). Wer jedoch trotz der Anonymisierung seines Namens noch immer fürchtet, dass man allein schon aufgrund der Beschreibung seiner Funktion seine Person zuordnen und aufdecken könnte, der kann sich jederzeit an mich wenden, ggf. mit Verbesserungsvorschlägen; denn letztlich möchte ich auch niemandem ein Anstoß oder Ärgernis sein (Röm.14:13, 15:1). Unser verborgenes Tun wird natürlich ohnehin eines Tages ans Licht kommen (Luk.8:17, 1.Kor.4:5), weshalb wir alle Zeit so leben sollten, dass wir uns in nichts schämen müssten (2.Kor.4:2).

 

„BLEIBET in mir…!“ (Joh.15:4)

Ist das nicht eine merkwürdige Aufforderung? Schon viele Jahre habe ich mich immer gefragt, was der HErr wohl damit meint. Wenn eine Handlung so heilsnotwendig ist, wie der HErr es hier im Weiteren ankündigt, dann sollten wir doch unbedingt auch wissen, wie wir es tun können. Eigentlich aber ist ein „Bleiben“ ja gar keine richtige Handlung, sondern eher das Gegenteil einer bestimmten Handlung, nämlich des Weggehens. Es scheint also der natürliche Drang eines Menschen zu sein, vom HErrn wegzugehen; aber es kostet hingegen Anstrengung, zu bleiben.

Das Wort „Weggehen“ erinnert mich daran, wie mir ein Freund aus Kolumbien mal vor Jahren von einem Jungen erzählte, der sich ständig um sich drehte, indem er den rechten Fuß auf den Holzboden fixiert hielt und nur mit dem linken sich im Kreis bewegte; dabei sagte er unentwegt zu seiner Mutter: „Mama, ich will hier weg! Mama, ich will hier weg…“ usw. – Die Mutter aber sagte: „Sei endlich ruhig, sonst nagel ich dir den anderen Schuh auch noch auf dem Boden fest!“ Was eigentlich als Witz gemeint war, hat eine tiefe, geistliche Bedeutung: denn wenn wir mit Christus gekreuzigt sind, dann sind ja auch wir im Grunde „festgenagelt“ in geistlicher Weise und können dann nicht mehr einfach irgendwo hingehen, wo wir gerade wollen (Joh.21:18).

Meint der HErr aber wirklich, dass wir möglichst immer zu Hause bleiben und uns meist eher passiv verhalten sollten? Nein, denn auch eine Rebe kann ja nicht einfach weggehen, da sie ja mit dem Weinstock verbunden ist, sondern muss daher erst mal abgeschnitten werden. Es geht um eine innere Verbundenheit mit dem HErrn, und auf diese haben wir sehr wohl Einfluss, sonst würde die Aufforderung des HErrn keinen Sinn ergeben. Hier kommen wir zum eigentlichen Ziel des Gebotes, nämlich dem unablässigen Gebet. Oftmals ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass ich doch gerade im Moment keine Zeit habe fürs Gebet und mache dann irgendetwas anderes, das in Wirklichkeit völlig wertlos ist für die Ewigkeit. Es gibt aber nichts Nützlicheres und kein besseres Auskaufen der Zeit, als nur das Gebet. Das Beten ist der „Pulsschlag Gottes“, wie der Norweger Ole Hallesby es mal in seinem Buch „Vom Beten“ nannte. So wie in einem Blutkreislauf die Gefäßklappen sich immer wieder öffnen, um den Körper überall mit sauerstoffreichen Blut zu versorgen und Schadstoffe abzuleiten, so ist auch die Verbindung eines Gläubigen mit Gott ein fortlaufendes Bitten und Empfangen, das nicht unterbrochen werden darf. Wenn wir kein Gebetsleben mehr führen, dann „verdorrt“ unsere Hand, die wir eigentlich zum Gebet erheben sollten, so wie jene, die der HErr einst heilte (Mark.3:1-5). Wenn wir keinen „Saft“ mehr haben vom HErrn, können wir auch keine Frucht mehr bringen; Letztere ist aber der eigentliche Sinn und Zweck unserer Errettung („Ich habe euch auserwählt… damit ihr hingeht und Frucht bringet“ V.16). Wenn wir wenigstens ein wenig Frucht brächten, schneidet der HErr nur unsere unbrauchbaren Werke weg, damit wir mehr Frucht bringen; aber wenn wir gar keine Frucht mehr bringen würden, dann schneidet Er uns irgendwann ganz weg und wirft uns ins Feuer.

Aber kann ein Gläubiger denn sein Heil wieder verlieren? Selbstverständlich! Ich z.B. hatte ja mein Heil verloren in den Jahren 1996-2014. Die Frage muss vielmehr lauten: Wie kann Gott jemanden, der verloren gegangen ist, noch einmal erretten? Ich war nicht nur „beinahe verloren gegangen“, sondern ich wurde bereits in dem Moment, wo ich die Entscheidung traf, nicht mehr an das Wort Gottes zu glauben, vom Weinstock abgeschnitten und verdorrte. Manch einer wird sagen: „Ja, aber du bist nicht im Unglauben gestorben!“ Nein, das nicht, aber der leibliche Tod hätte nichts daran geändert, dass ich bereits tot und verloren WAR, so wie der „verlorene Sohn“ (Luk.15:24+32). Ja, man kann sein Heil wieder verlieren, und ich hatte es verloren. Schon zu Lebzeiten hatte Gott mich (durch Verblendung) in die „äußerste Finsternis“ geworfen, und ich habe damals „unendlich“ viel geweint und mit den Zähnen geknirscht vor Wut gegen mich selbst und vor Trauer über den Verlust meines Glaubens. Damals schon begann für mich die „ewige Pein“ (und sie setzt sich in gewisser Weise sogar heute noch fort, jedes Mal wenn ich mich an meine „peinlichen“ Sünden erinnere, mit denen ich den HErrn verleugnet hatte). Die Erinnerung an jene Zeit „wurmt“ mich, und diese innere, immer wiederkehrende Plage ist wie ein „unauslöschliches Feuer“, das mir keine Ruhe lässt Tag und Nacht und mich ins Gebet drängt. Mir geht es in solchen Momenten dann so, wie den Bewohnern von Jerusalem, wenn sie eines Tages erfahren werden, dass Gott sogar die Leute von Sodom wieder aus der Gefangenschaft befreien wird, nachdem sie „des ewigen Feuers Strafe erlitten“ haben (Hes.16:53, Jud.7): „…auf daß du eingedenk seiest und dich schämest, und den Mund nicht mehr auftuest wegen deiner Schmach, wenn ich dir alles vergebe, was du getan hast, spricht der Herr, Jahwe“ (Hes.16:63).

Ich wurde schon viele Male gefragt, wie das passieren konnte, dass ich vom Glauben abfiel, denn so recht glauben wollte mir das kaum einer. Entweder unterstellte man mir einfach, dass ich vorher nicht wirklich wiedergeboren war oder aber man vermutete, ich hätte den Glauben nie wirklich verloren. Um das Gegenteil zu beweisen, habe ich vor längerer Zeit mal ein Buch geschrieben, um die Umstände ausführlich zu schildern, die letztlich zu meinem Glaubensabfall geführt hatten („Einmal auf dem Schoß Gottes sitzen“). In diesem Buch habe ich schonungslos bekannt, in was für eine Verblendung ich anschließend geriet, bis hin, dass ich 2009 mit einem antichristlichen Büchertisch auf dem Kirchentag war, um mich mit einem Schild über die Christen lustig zu machen, auf dem es hieß: „Glaubst du noch, oder lachst du schon?“ Ich möchte dies als Zeugnis aber auch als Warnung an alle Gläubigen weitergeben, damit jeder sehen kann, mit welcher List der Teufel uns dazu bringen kann, dass wir am Ende sogar in der Lage sind, den Glauben an das Wort Gottes und später sogar an Gott selbst aufzugeben. Zugleich war meine Geschichte aber auch ein Zeugnis von der Liebe und Langmut Gottes, der mich trotz meiner Treulosigkeit nicht verließ, sondern mir nachging, um mich zur Umkehr zu bewegen (Hos. 11:3-4, 2.Tim.2:13).

In der Tat redet Gott ja nicht nur durch Sein Wort zu uns. Auch durch alles Erlebte sollen wir Gottes Wege erlernen und Konsequenzen daraus ziehen (Spr.3:6, Klag.3:40). Deshalb ist es wertvoll und sogar unverzichtbar, dass wir von Zeit zu Zeit innehalten und „all des Weges gedenken, den der HErr, unser Gott, uns geführt hat“ (5.Mo.8:2). Meine Vergangenheit wäre ja sonst völlig vergeblich gewesen, wenn ich in ihr nicht auch die Erziehungsmaßnahmen Gottes bemerken konnte, um mich zum Guten zu bewegen. Selbst meine Gottlosigkeit gebrauchte der HErr, indem Er mir vor Augen führte, in was sie mich hineinbrachte. Wenn wir in den Psalmen immer wieder von den „Taten Gottes“ bzw. „Seinem Tun“ lesen (Ps. 64:9, 66:5, 78:7, 106:2), dann handelt es sich bei diesen Werken sowohl um Seine vorausgehende Fürsorge, als auch um Seine anschließende Reaktion auf unser Handeln bzw. Sein Eingreifen. „Ich will nachdenken über all Dein Tun, und über Deine Taten will ich sinnen“ (Ps.77:12). „Ich denke zurück an die früheren Tage, sinne nach über all Dein Tun…“ (Ps.143:5). Gottes Handeln sollen wir nicht nur erkennen und verstehen, sondern wir sollen auch darüber berichten: „Kommet, höret zu, alle, die ihr Gott fürchtet, und ich will erzählen, was Er an meiner Seele getan hat“ (Ps.66:16). „Was wir gehört und erfahren haben… das wollen wir auch unseren Kindern nicht vorenthalten. Denen die nach uns kommen, wollen wir von den großartigen Taten des HErrn erzählen… Denn die ganze Nachwelt sollte gut Bescheid darüber wissen…“ (Ps.78:3-4+6).

Im Wort, im Werk, und allem Wesen, sei Jesum – und sonst nichts – zu lesen!

 

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