"Und ER ist wie das Licht des Morgens, wenn die Sonne aufgeht, ein Morgen ohne Wolken: von ihrem Glanze nach dem Regen sproßt das Grün aus der Erde."

(2. Sam. 23:4)

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„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“ (Röm.13:12)

Aktuelles

Die 7 Sendschreiben:    6. Philadelphia

Die Bruderliebe

»Ich kenne deine Werke. Siehe, Ich habe eine geöffnete Tür vor dir gegeben, die niemand zu schließen vermag; denn du hast eine kleine Kraft, und du hast Mein Wort bewahrt und Meinen Namen nicht verleugnet. Siehe, Ich gebe aus der Synagoge des Satans von denen, die sagen, sie seien Juden, und sind es nicht, sondern lügen; siehe, ich werde sie dazu bringen, dass sie kommen und sich niederwerfen werden vor deinen Füßen und erkennen, dass Ich dich geliebt habe. Weil du das Wort Meines Ausharrens bewahrt hast, werde auch Ich dich bewahren aus der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, die auf der Erde wohnen. Ich komme bald; halte fest, was du hast, damit niemand deine Krone nehme (Offb.3:8-11)


Die Gemeinde in Philadelphia

Philadelphia [gr. Φιλαδέλφεια , PhIL·ADÄ´LPhÄIA, Bruderliebe, Geschwisterliebe; wörtl. Freundbruderschaft, Bruder(be)freundung, Freundliebe- (zum) -Bruder/ (zur) -Schwester/ (zu den) -Geschwistern)] war eine Kleinstadt, die erst 150 v.Chr. gegründet wurde am Anfang eines fruchtbaren Tales, in dem Wein angebaut wurde. Trotz vieler Erdbeben wurde die Stadt immer wieder aufgebaut; im Jahr 17 n.Chr. wurde sie dermaßen zerstört, dass nur eine einzige Säule erhalten blieb (vergl. Offb.3:12). Um 50 n.Chr. entstand dort dann eine christliche Gemeinde, welche wie durch ein Wunder während der gesamten osmanischen Zeit überlebte. Selbst als im Jahr 1402 der Mongolen-Khan Timur die christlichen Gemeinden in Kleinasien vernichtete, bewahrten die Einwohner der kleinen Stadt als einzige ihren christlichen Glauben inmitten der muslimischen Bevölkerung, bis sie 1923 im Zuge eines türkisch-griechischen Bevölkerungsaustausches nach Athen umgesiedelt wurden, wo es bis heute einen christlichen Stadtteil namens »Neu-Philadelphia« (Νέα Φιλαδέλφεια) gibt (Anm. im NT v. L. Albrecht).

Die kleine Kraft

Der HErr versichert auch der Philadelphia-Gemeinde, dass Er ihre Werke kennt, was sie jedoch nicht beunruhigen braucht, denn sie hatten ja bis dahin alles richtig gemacht, d.h. Sein Wort gehütet und Seinen heiligen Namen nicht durch gesetzlose Werke verleugnet bzw. entehrt. Deshalb können sie sich schon heute auf einen Siegeskranz freuen, wenn sie auch weiterhin an allem festhielten, was der HErr ihnen anvertraut hat; andernfalls kann ihnen dieser aber auch wieder abgesprochen werden! Diese Warnung ist aber nicht als Kritik zu verstehen, sondern als Zuspruch und Ansporn, denn sie waren ja auf dem richtigen Weg. Auch die Anmerkung »Du hast eine kleine Kraft« sollte sie keineswegs beschämen, denn der HErr sagt ja nicht »Du hast NUR eine kleine Kraft«, als wolle der HErr sie wegen ihrer Schwäche oder »Belanglosigkeit« (A. Pohl) rügen. Denn Gottes Kraft wird ja erst durch unsere Schwachheit vollendet (2.Kor.12:9). Solange wir noch selbst zu stark sind, kann der HErr uns noch nicht helfen (»Noch ist des Volkes zu viel« Richt.7:4). Erst »wenn die Zerschmetterung der Kraft des heiligen Volkes vollbracht sein wird« (Dan. 12:7) und wir zum HErrn flehen: »In uns ist keine Kraftund wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern auf Dich sind unsere Augen gerichtet« (2.Chr.20:12, Ps.123:2-3).

Der Nachdruck liegt auf dem Wort »Kraft«. Denn bei dem HErrn »ist kein Unterschied um zu helfen zwischen dem Mächtigen und dem Kraftlosen« (2.Chr.14:11, 1.Sam.14:6). Selbst einen glimmenden Docht vermag der HErr noch zu einem lebendigen Feuer anzufachen (Mt.12:20). Entscheidend ist, dass Philadelphia überhaupt eine geringe Kraft hatte, die der HErr vermehren kann wie die »5 Brote und die 2 Fische« (Mk. 6:38). »Denn wer irgend hat, dem wird gegeben werden, und wer nicht hat, von dem wird selbst was er zu haben scheint genommen werden« (Lk.8:18, 12:48, 19:26). Sardes war völlig kraftlos geworden und dem geistlichen Tode nahe; aber Philadelphia liebte den HErrn und »die Ihn lieben werden sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Kraft« (Richt.5:31). Ja, sie gehen sogar »von Kraft zu Kraft« (Ps.84:7), und mit fortschreitendem Alter vermehrt sich sogar die geistliche Kraft (5.Mo.33:25).

Jesu Verheißung »Ich komme bald« beweist, dass es sich bei Philadelphia nicht nur um die damalige Gemeinde gehandelt haben kann, sondern dass auch jeder von uns sich »Philadelphia« zum Vorbild nehmen kann, indem wir wie jene Sein Wort bewahren und mit unserer geringen Kraft dem HErrn heute in Treue dienen. Wenn wir wie beim Scherflein der armen Witwe oder wie Maria Magdalena auch nur das tun, was wir vermögen, dann haben wir sogar schon viel getan. Wir müssen keine Helden sein, sondern sollen schon im Geringen Treue üben. Denn gerade wenn wir uns z.B. auf der Arbeit in den kleinen Details korrekt verhalten ohne dass uns jemand dabei sieht, beweisen wir ja unseren Glauben. Und wenn wir im Verborgenen freigebig sind, kann der HErr uns schon heute immer wieder neu unsere Gefäße und Krüge füllen wie bei der Witwe von Sarepta (1.Kön.17: 8-24). Der HErr Jesus gab jedem von uns unterschiedliche Verantwortungsbereiche, und selbst jene, die nur wenig begabt waren, bekommen vom HErrn genau das gleiche Lob wie die Hochbegabten, wenn sie nur ihre Gaben gewinnbringend anlegen: »Wohl du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; gehe ein in die Freude deines HErrn« (Mt.25: 21 und 23). Ach, wie sehne ich mich danach, dem HErrn auch einmal diese Freude zu bereiten!


Geöffnete Türen

Der HErr selbst investiert als kluger Kaufmann vor allem dort, wo Er sich den größten Gewinn verspricht. Dazu öffnet Er uns Türen, wenn die Aussicht besteht, dass wir erfolgreich durch diese Tür »ein- und ausgehen und Weide finden« (Joh.10:9, Ps.121:8). Philadelphia wurde einst von König Attalos II. als „Missionsstadt“ gegründet mit der Absicht, die griechische Kultur und Sprache in dieser Region zu verbreiten. Die Gemeinde hingegen erkannte es als Gelegenheit vom HErrn, ihr Unbehelligtsein von Seiten der Obrigkeit zu nutzen, um eifrig das Evangelium zu verkünden. Ebenso erkannten auch die Glaubensväter des 17. und 18. Jh. den allgemeinen Religionsfrieden nach dem 30jährigen Krieg als Gelegenheit, das Evangelium in weite Teile der Welt zu verbreiten, wodurch eine Vielzahl an Erweckungen entstand, wie wir später noch sehen werden. »Geöffnete Türen« stehen symbolisch immer wieder für »günstige Gelegenheiten«, weshalb auch Paulus sagt: »Ich werde aber bis Pfingsten in Ephesus bleiben, denn eine große und wirkungsvolle Tür ist mir aufgetan, und der Widersacher sind viele« (1.Kor.16:8-9, siehe auch 2.Kor.2:12).

Der HErr selbst entscheidet, wann und wo Er die Türen zum Reich Gottes aufschließt. Deshalb spricht Er über die Pharisäer ein »Wehe euch!« aus, weil sie sich anmaßten, durch falsche Lehren das Himmelreich vor den Menschen zu verschließen (Mt.23:13). Ähnlich verhielten sich später die Päpste der katholischen Kirche, die sich zwar nicht auf den Stuhl Moses‘, wohl aber auf den Stuhl Petri‘ gesetzt hatten. Tatsächlich hatte Petrus ja vom HErrn die »Schlüssel zum Reiche der Himmel« anvertraut bekommen, aber solch ein Vorrecht ist nicht übertragbar (Mt.16:19). Petrus sollte der erste sein, der das Heil in Christus nacheinander 1.) zuerst den Juden in Jerusalem (Apg.2), dann 2.) den Samaritern (Apg.8) und 3.) zuletzt den Nationen (Apg.10) zugänglich machen sollte durch die Verkündigung des Evangeliums. Zur Bestätigung wurden diese Anfänge von Zeichen und Wundern begleitet, die später überflüssig wurden, als der gesamte Ratschluss Gottes in Schriftform allen zugänglich war. Aber damals, als es noch kein Neues Testament gab, erkannten die anderen Apostel dadurch, dass der HErr tatsächlich »den Nationen eine Tür des Glaubens aufgetan hatte« (Apg.14:27). Seither sind diese drei Türen geöffnet und »die Felder sind weiß zur Ernte« (Joh.4:35). Von jetzt an soll auch jeder in unserm Umfeld wissen, dass wir Kinder Gottes sind, jedoch nicht nur durch einen Fisch am Auto, sondern in erster Linie durch unser Lebenszeugnis, dass wir Liebe unter einander haben (Joh.13:35, 1.Petr.4:8). Für offene Türen auf den Missionsfeldern sollen wir zudem regelmäßig beten (siehe Kol.4:3).

Der HErr kann aber auch Türen verschließen, die dann niemand mehr öffnen kann (V.7). Aber auch dieses tut Er aus Liebe zu den Verlorenen, denn für manche Menschen ist es besser, dass sie den Weg der Gerechtigkeit (noch) nicht erkennen, solange noch nicht die Bereitschaft zum Gehorsam ausreichend vorhanden ist (2.Petr.2:21). Deshalb musste auch die Tür zum Garten Eden vorerst verschlossen bleiben, damit Adam und Eva nicht unbußfertig vom Baum des Lebens essen würden (1.Mo.3.22-24). Erst seit Christus sich selbst für uns geopfert hat, ist der Vorhang zum Tempel zerrissen und damit der Zugang zum Gnadenthron endlich für alle möglich. Aber diese Tür wird bei der Wiederkunft des HErrn für die törichten Jungfrauen (trotz nachträglich gekauften Öls) verschlossen werden, so dass sie nicht am Hochzeitsmahl teilnehmen können (Mt.25:10). Die Menschen sollen den HErrn suchen, solange Er sich finden lässt (Jes.55:6). Wenn der Tag des Heils vergangen ist, wird es für alle bis dahin Unerretteten nur noch eine Auferstehung zum Gericht geben (Offb.20:5+12). Noah hatte zeitlebens als Prediger der Gerechtigkeit die gottlose Welt gewarnt, als »die Langmut Gottes harrte« (2.Petr.2:5). Aber als alle, die gerettet werden sollten, zum Schluss in die Arche gegangen waren »schloss der HErr hinter ihm zu« (1.Mo.7:6). Eine weitere Gelegenheit, die Botschaft des Heils zu hören, erhielten diese Widerspenstigen erst, als der HErr Jesus hinabstieg ins Totenreich, um den »Geistern im Gefängnis zu predigen« (1.Petr.3:19, 4:6).

Die schnell überlese Aufforderung des HErrn »Siehe!« (gr. ἰδοὺ!) kommt an 277 Stellen im NT vor und an 1060 Stellen im AT [HiN(N)e´H]. Es geht in der Regel um ein geistliches Sehen, d.h. ein Erkennen des Handelns Gottes im Alltag (Spr.3:6). Wir sollen darauf achten, wo der HErr uns eine Tür öffnet und wo Er sie gerade geschlossen hat, damit wir nicht vergeblich arbeiten und unser wertvolles Saatgut »unter die Dornen säen« (Jer.4:3). Wenn verhärtete Menschen durch ihre Reaktion deutlich machen, dass sie »sich selbst nicht würdig erachten des ewigen Lebens«, indem sie dem Wort Gottes widersprechen und lästern, dann sollen wir uns von ihnen abwenden und uns ein neues Ackerfeld suchen (Apg.13: 45-46). Mein persönlicher Eindruck ist, dass dies auf die Stadt Bremen zutrifft, denn obwohl wir schon so oft hier das Evangelium verkündigt haben, schalten die Menschen auf stur. In Lima (Peru) hingegen, wo ich erst kürzlich wieder predigen durfte, hören mir auf Anhieb zahlreich die Menschen zu, weshalb wir ernsthaft die Absicht hegen, innerhalb der nächsten 5 Jahre dorthin auszuwandern. Wir hoffen insgeheim, dass sich bis dahin noch andere Geschwister finden, die diesen Eindruck mit uns teilen und die gleiche Bereitschaft haben zum effektiveren Wirken.

Bruderliebe

Es ist sicherlich kein Zufall, dass diese Gemeinde in einer Stadt lebte, die übersetzt »Bruderliebe« hieß. Das griechische Wort PhILI´A = Liebe, Zuneigung, Freundschaft ist abgeleitet von PhI´LOS, das nicht nur »liebend« und »befreundet« bedeutet, sondern auch »angehörig« oder »eigen«, also alles, was einem natürlicherweise lieb und teuer ist. Aus der Silbe PhIL- haben sich im Laufe der Sprachgeschichte eine ganze Menge Begriffe von Leidenschaften entwickelt, für die der ein oder andere eine persönliche Schwäche hat: So gibt es z.B. die Philosophie (Liebe zur Weisheit), die Philologie (Liebe zu Worten), die Philharmonie (Liebe zur Harmonie), die Philanthropie (Liebe zu Menschen), die Philatelie (Liebe zu Briefmarken) und sogar den Philippus (Pferdeliebhaber) usw. Die Gemeinde in Philadelphia aber hatte eine Liebe zu ihren Brüdern, und zwar nicht nur zu ihren Brüdern in Christo, sondern auch zu ihren Brüdern in Adam, also ihren Menschenbrüdern. Dies wird auch deutlich, dass sie offenbar den aufrichtigen Versuch unternahmen, auch die ungläubigen Juden für Christus zu gewinnen, was der HErr dann sogar ausdrücklich unterstützt.

Dadurch dass sie auch unter sich eine herzliche Bruderliebe pflegten und auch Konflikte brüderlich zu überwinden wussten, waren sie gefestigt, um auch nach außen fruchtbar wirken zu können. Sie stellten durch ihre Einstellung wie kaum eine andere Gemeinde den Retterwillen Christi dar, der ebenso auf die Herrlichkeit bei Gott vorübergehend verzichtete, um zu suchen und zu erretten, was verloren ist (Luk.19:10), indem Er sich selbst für die Sünder aufopferte. Diese Gesinnung soll aber auch in uns sein, indem wir uns nicht länger nur für die Gesunden sondern vor allem für die Kranken abmühen (Luk.5:31, Phil.2:2-8). Gerade jene, die undankbar und uns lästig sind, sollen wir besonders wertschätzen und geduldig mit ihnen sein, wie auch der HErr mit uns geduldig war. Gerade wenn wir uns zu einem Dienst innerlich zwingen müssen, geschieht dies für Menschen, die unsere Liebe besonders brauchen. Rebekka Brown hatte sogar ein Herz für Satanisten, so dass durch ihren Gebetsdienst viele Satanisten am Ende zum Glauben an Christus kamen.

Heute gibt es ja viele, die Philadelphia sein wollen. Fragt man z.B. einen Darbysten, dann wird er die Brüderbewegung als Philadelphia deuten. Fragt man hingegen die Neuapostolen, dann halten sie sich für Philadelphia usw. Es gibt heute auch jede Menge Gemeinden, die sich den Namen »Philadelphia« gegeben haben. Interessanterweise gab es aber noch nie eine Gemeinde, die sich »Pergamongemeinde«, »Thyatiragemeinde«, »Sardes-gemeinde« oder gar »Laodizeagemeinde« nennt. Aber echte Brüderliebende erkennt man nicht an ihrem Bekenntnis, sondern an ihren Taten. Wie viele christliche Werke mussten z.B. aufgrund erlahmender Spendenbereitschaft wieder aufgegeben werden! Als z.B. Bruder Hans-Udo Hoster vor 50 Jahren in einem christlichen Kinderheim in Pakistan arbeitete, teilte ihm die Heimleitung irgendwann mit, dass die Arbeit beendet werden müsse, da die Kosten nicht mehr gedeckt werden konnten. Man gab ihm ein Flugticket, um nach Deutschland zurückzureisen. Er aber hatte im Vertrauen auf Gott sein Flugticket umgetauscht, den Erlös für die vorübergehende Weiterversorgung des Heims gespendet und ist per Anhalter von Pakistan nach Deutschland getrampt, um bei seinen Bekannten und Freunden dort weitere Spenden zu erbitten. Nur deshalb steht das Kinderheim bis auf den heutigen Tag, konnte für zahlreiche Kinder zum geistlichen Segen werden und ist nach wie vor angewiesen auf die Hilfe des HErrn sowie die finanzielle Unterstützung von »Bruderliebenden« (https://christlicheheime.com)

Aber in der heutigen Laodizea-Zeit ist ein solcher Glaube selten geworden. »Die Liebe der Vielen wird erkalten« (Mt.24:12), »denn alle suchen das Ihrige, nicht das was Jesu Christi ist« (Phil.2:21). Als ich mal den über 80-jährigen, gehbehinderten Bruder Gustav Ziegler aus Osterholz-Scharmbeck besuchte, saß er in einem dunklen Zimmer traurig am Fenster und wartete darauf, dass der HErr ihn endlich heimhole. Mit Wehmut erinnerte er sich daran, wie er durch Gottes Gnade in all den Jahren die Freie Brüdergemeinde im Stadtzentrum gegründet hatte, die heute von so vielen jungen Leuten besucht würde, aber nicht einer auf die Idee käme, ihn mal zu besuchen und ihn im Rollstuhl durch den Park zu schieben! Die Christen sind heute so reich geworden an Gütern und Wissen, dass sie nur noch darauf bedacht sind, ihren Reichtum zu verwalten. Aber was nützen die ganzen christlichen Bücher und Nachschlagewerke, wenn das Wort nicht in der Praxis ausgelebt wird? Meine Mutter hingegen, die gar nicht so viel Erkenntnis von der Schrift hatte, besuchte zu ihren Lebzeiten regelmäßig jeden Freitag ein Altenheim, um den Alten aus der Bibel vorzulesen und ihnen von unserer Familie zu erzählen. Die große Freude der Greise jedes Mal zu sehen, wenn meine Mutter wiederkam, war ihr Ansporn genug, um diesen Dienst immer weiterzumachen. Auch sammelte sie früher Spenden für ein christliches Kinderheim in Neapel, indem sie freimütig mit Geschäftsführern von Kaufhäusern und Banken sprach, die ihr bereitwillig Unterstützung gaben. Jetzt ist sie beim HErrn und darf sich auf ihren Lohn freuen.

Die Synagoge des Satans

Wenn der HErr von Juden spricht, »die es nicht sind, sondern die lügen«, dann will Er damit sicherlich nicht sagen, dass es sich bei ihnen um Scheinjuden im buchstäblichen Sinne gehandelt hat. Vielmehr erläutert Paulus diesen Aspekt in Röm.2:28-29 mit den Worten: »Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, noch ist die äußerliche Beschneidung im Fleische Beschneidung; 29 sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und Beschneidung ist die des Herzens, im Geiste, nicht im Buchstaben…«. Solange wir uns noch nicht dem Willen Gottes unterstellt hatten durch die Annahme des Erlösungswerks Christi, waren auch wir vom Teufel Geleitete (Eph.2:2), auch wenn es uns nicht bewusst war (Joh.8:44). Die Idee mancher antisemitisch beeinflusster Christen, dass die Juden von heute aufgrund ihrer rassischen Vermischung mit anderen Völkern keine Juden mehr seien, ist völlig abwegig, denn die rassische Reinheit hat bei Gott noch nie eine Rolle gespielt, sondern vielmehr die geistliche Reinheit. Nur deshalb sollten sich die Kinder Israel nicht mit den heidnischen Völkern verschwägern, da die Gefahr der geistlichen Hurerei zu groß war. Rassismus hingegen ist eine dem Wort Gottes fremde Ideologie.

Aber auch bei den Juden gab (und gibt) es Rassismus. Deshalb wurden die ersten Nationen-Christen von ihnen geschmäht, weil sie sich aufgrund ihrer genetischen Abstammung selbst für das einzig wahre Gottesvolk hielten und nur die zum Judentum konvertierten Proselyten als rechtmäßige Angehörige des Samen Abrahams ansahen. Für sie war klar, dass gemäß Jes.45:14, 49:23 und 60:14 eines Tages alle ihre Schmäher beschämt und gebeugt zu ihnen kommen und sich zu ihren Füßen niederwerfen würden, um sie als »Stadt des HErrn« bzw. »Zion des Heiligen Israels« anzuerkennen. Nachdem die Juden aber ihren König und HErrn verworfen hatten und auch in der Apostelzeit keine Buße taten und nicht wollten, dass dieser über sie herrsche, wurde ihnen »das Reich weggenommen« und es erfüllte sich über jene die Strafandrohung aus 5.Mo.18:18-19. Deshalb dreht der HErr jetzt den Spieß um und lässt die Juden durch Buße und Umkehr zur Einsicht bringen, dass der HErr Jesus die Gemeinde des Neuen Bundes als neues und wahres Gottesvolk geliebt und erwählt hat, ja sogar Sein Leben für sie gegeben hat, um sie sich als kostbare Perle zu erwerben: »Weil du teuer, wertvoll bist in meinen Augen, und ich dich lieb habe, so werde Ich Menschen hingeben an deiner Statt und Völkerschaften anstatt deines Lebens« (Jes.43:4). Die Gläubigen in Philadelphia (17.-18.Jh.) hatten eine solche Bruderliebe zu ihren jüdischen Brüdern, dass sie begannen, ihnen das Evangelium zu predigen. Und diese Liebe hatte eine solch große Strahlkraft, dass einige Juden um dieser Christen willen zu Christus kamen. Denn sie konnten von diesem Abglanz auf die Lichtquelle selbst schließen.

Nachdem der HErr von Seinem geliebten Volk verworfen wurde, schmerzte es Ihn wie Josef in Ägypten, der seinen Erstgeborenen den Namen Manasse gab (d.h. »Der vergessen macht«). Die Ausbreitung des Christentums in Europa durch die Römische Kirche ( = Manasse) ließ den HErrn in den ersten 1000 Jahren dann auch tatsächlich vergessen machen, dass Sein alttestamentliches Volk Ihn verschmäht hatte; und als sich dann im 2. Jahrtausend auch noch in Übersee die Heilsbotschaft durch evangelische Christen ( = Ephraim) verbreitete, konnte auch der HErr Jesus wie Josef sagen: »Gott hat mich fruchtbar gemacht im Lande meines Elends« (1.Mo.41:51-52). Dennoch aber hat der HErr Seine »Brüder nach dem Fleische« nicht vergessen, sondern wartet darauf, bis die »7 fetten Jahre« der Gemeindezeit vorbei sind, damit auch sie in der siebenjährigen Drangsalszeit zu Ihm kommen und Er sich ihnen wie Josef als Retter zu erkennen geben wird. Zuvor aber werden sie Buße tun und sagen: »Fürwahr, Er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat Er auf sich geladen. Und wir, wir hielten Ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt; 5 doch um unserer Übertretungen willen war Er verwundet, um unserer Missetaten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf Ihm, und durch Seine Striemen ist uns Heilung geworden« (Jes.53:4-5).

In Hes.37:15-22 ist von einer zukünftigen Vereinigung von Juda mit den Söhnen Israels die Rede. Die meisten Christen stimmen wohl darin überein, dass wir geistlicherweise das Haus Israel im Neuen Bund sind, aber leider sehen viele die Ekklesia auch als etwas völlig anderes, obwohl nach Hebr.8:7-13 die Verheißung aus Jer.31:31-33 eindeutig auf die Gemeinde Bezug nimmt. Den meisten Gläubigen heute ist jedoch nicht bewusst, dass wir Christen nicht nur geistlicherweise Söhne Abrahams sind, sondern auch »dem Fleische nach« (Röm.4:1). Denn wir stammen mehr oder weniger alle von den verschollenen 10 Stämmen Israels ab, die sich nach der assyrischen Gefangenschaft mit den europäischen Ureinwohnern vermischt haben. Deshalb schreibt Paulus den Ephesern, dass sie »entfremdet waren dem Bürgerrecht Israels« (Eph.2:12), d.h. sie hatten es mal besessen, aber dann wieder verloren, und erlangten es erst wieder durch die Annahme des Evangeliums. Auch sprachlich verraten viele Europäische Namen einen hebräischen Ursprung, z.B. Danmark (Gebiet von Dan), Sachsen (Isaaks Söhne), Britain (von hebr. BeRiT-aM = Bundesvolk), usw. Wer sich für die Haus-Israel-Lehre näher interessiert, dem empfehle ich folgenden Artikel: https://www.derhahnenschrei.de/index.php/14-gastbeitraege/90-zur-haus-israel-lehre-von-b-fischer

 

Die Stunde der Versuchung

Nach der GtÜ lautet Offb.3:10: »Weil du-gehütet-hast das Wort des Bleibens-unter-(dem)- (von)-Mir -(Auferlegten), werde- auch-Ich dich -hüten aus(serhalb zu bleiben von)/ auch: (herauszukommen)-aus der Stunde der Versuchung, die (sich)-anschickt (zu) kommen auf der ganzen Bewohnten-(Erde), (um zu) versuchen die(, die) (in jeder )Beziehung auf der Erde wohnen (d.h. die völlig irdisch gesinnt sind).« Sprachlich direkt verleichbar ist Joh.17:15: »Nicht bitte-Ich, dass Du- sie -wegnimmst aus der Welt, sondern dass Du- sie -hütest aus(serhalb zu bleiben von)/ auch: (herauszukommen)-aus dem Bösen.« Das Wort Stunde (gr. hOo´RA) kann im NT buchstäblich eine Stunde bedeuten, aber auch Tageszeit, kurze Zeit, Jahreszeit, Blütezeit, Zeitabschnitt. Die »Stunde der Versuchung« ist ein kurzer Zeitabschnitt, der stark von Versuchung geprägt ist. Versuchung bedeutet: vor eine Entscheidung gestellt sein, wobei die stärkste Entscheidung die zwischen Leben und Tod ist. Vor diese Entscheidung wird z.B. jeder Christ gestellt während der 42 Monate der Vollmachtszeit des Antichrists, nämlich in den zweiten 3 ½ Jahren der letzten 7 Jahre vor der sichtbaren Wiederkunft des HErrn, wo jeder sich entscheiden muss: Entweder für Gott oder für den Antichrist. Wer das Erste wählt, verliert für diese Zeit sein irdisches Lebensrecht, gewinnt aber dafür sein ewiges Leben. Wer das Zweite wählt, behält für diese kurze Zeit sein irdisches Lebensrecht, verliert aber sein ewiges Leben. Die erste Wahl entspricht dem Wort des HErrn in Mt. 24:13: »Aber der(, der) unter-(dem durch Gottes Gebote und die Lebensumstände Auferlegten)-geblieben-ist (bis )hin( zum) Ziel, dieser wird-gerettet-werden. Ähnlich wie Offb.3:10 sagt es auch 1.Thess.1:10: »… Jesus, der uns birgt/schützt/zurückhält aus(serhalb zu bleiben von)/ auch: (herauszukommen )aus dem kommenden Zorn.«

So wie der HErr in Joh.17:15 Gott bittet, dass wir außerhalb des Bösen bleiben bzw. von dort wieder herauskommen sollen, so verheißt Er der Gemeinde mit Philadelphia-Charakter, außerhalb zu bleiben bzw. wieder heil herauszukommen aus der Vollmachtszeit des Antichrists. Das kann durch unseren leiblichen Tod erfolgen (über den wir nicht selbst verfügen dürfen), indem wir vor oder in dieser Zeit geistlich unbeschadet (vielleicht auch durch den Märtyrertod) sterben, oder durch Fluchthilfe (vergl. Offb.12: 6+13-16). Das Letztere verheißt uns der HErr in Luk 21:36: »…, damit ihr-(in jeder )Beziehung-stark-(werde)t, (zu) entfliehen diesen( Ereignissen) allen, die (sich )anschicken (zu) geschehen …«. Eine vorzeitige Entrückung der Gläubigen käme einem »Wegnehmen aus der Welt« gleich, worum der HErr ja in Joh.17:15 ausdrücklich nicht bittet.

Der Zeitpunkt der Entrückung der Gläubigen wird an mehreren Stellen im NT ausdrücklich angegeben, z.B.:

  • »Nach der Drangsal jener Tage« (Mt.24:29-31)

  • Nach dem Kommen des Antichristen (2.Th.2:3)

  • »Bei der letzten Posaune« (1.Kor.15:52).

Die »große Volksmenge, welche niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen«, die am Ende vor dem Thron und dem Lamm standen mit weißen Gewändern bekleidet und mit Palmen in ihren Händen (Offb.7:9), von ihnen wird in Vers 14 gesagt, dass sie »aus der großen Drangsal kommen«. Damit sollte also klar sein, dass die Gemeinde nicht in Offb.4:1 entrückt wird, wie immer wieder behauptet. In Offb.11:13 ist von einer Stunde die Rede – kurz nach der Entrückung der zwei Zeugen! – in welcher ein großes Erdbeben geschah, und kurz darauf erscholl die siebte Posaune (Vers 15), und da wir von keiner achten Posaune lesen, dürfen wir davon ausgehen, dass die siebte Posaune zugleich der Entrückungsmoment der Gemeinde ist. In Kap. 14:7 lesen wir: »die Stunde seines Gerichts ist gekommen«, und in derselben Stunde wird auch die große Babylon fallen (V.8). das Gleiche finden wir auch in Kap.18:10+16+19: »Wehe, wehe! die große Stadt, Babylon, die starke Stadt! denn in einer Stunde ist dein Gericht gekommen… denn in einer Stunde ist der so große Reichtum verwüstet worden, …denn in einer Stunde ist sie verwüstet worden«. Einen weiteren Hinweis, den wir über jene »Stunde des Gerichts« erfahren, finden wir in Kap.17:12 »…es sind zehn Könige, welche… Vollmacht wie Könige empfangen eine Stunde mit dem Tier«*. Das antichristliche Reich ist nach den sieben Jahren schon dem Untergang geweiht, wenn die letzten sieben Zornesschalen über die Erde ergossen werden. Vergleicht man die Intensität der Zornesschalen mit den Posaunengerichten, fällt sofort auf, dass diese wesentlich katastrophalere Auswirkungen hat, denn ein Großteil der Menschheit stirbt durch diese Plagen. Aber in Offb.11:18 wird deutlich, dass die Zornesschalen erst nach der siebten Posaune über die Erde ausgegossen werden.

In der Symbolsprache der Bibel bedeutet eine »Stunde« immer nur einen kurzen Zeitraum, der sich über mehrere Stunden erstrecken kann, nicht aber über mehrere Monate oder gar Jahre. So beschreibt der HErr Jesus z.B. den Zeitraum von Seiner Verhaftung bis zur Kreuzigung mit den Worten: »Dies ist eure Stunde und die Gewalt der Finsternis« (Luk.22:53, Mt.26:45). Diese Stunde, in welcher der HErr Jesus den Zorn Gottes an unserer Statt erleiden musste, ist eine Vorschattung von jener künftigen Stunde, die all jene über sich ergehen lassen müssen, welche die Sühnung nicht annehmen wollten, die der HErr ihnen angeboten hatte durch Sein Blut. Vorher konnten sie Ihm nichts anhaben, denn »Seine Stunde war noch nicht gekommen« (Joh.2:44, 7:30, 8:20), aber als sie kam, betete Er: »Jetzt ist Meine Seele bestürzt, und was soll Ich sagen? Vater, rette Mich aus dieser Stunde! Doch darum bin Ich in diese Stunde gekommen« (Joh.12:27).

Durch Gottes Erbarmen brauchen wir diese Stunde Seines Zornes nicht mehr erleiden, sondern nur noch die Ungläubigen (Röm.1:18, Eph.5:6, Kol.3:6). Die Bibel sagt uns, dass Er uns »birgt/schützt/zurückhält aus dem kommenden Zorn« (1.Th.1:10), aber Er hat uns nicht von der kommenden Drangsal befreit, denn es steht geschrieben, »dass wir durch viele Drangsale hindurchmüssen, um ins Reich Gottes hineinzukommen« (Apg.14:22). Gott hat uns zwar »nicht zum Zorn gesetzt« (1.Th.5:9), aber im selben Brief heißt es mit fast der gleichen Formulierung: »dass doch niemand wankend werde in diesen Drangsalen, denn ihr wisset, dass wir dazu gesetzt sind« (3:3). Hier sehen wir also den klaren Unterschied zwischen »Drangsal« und »Zorn Gottes«. Die sieben Jahre werden nirgendwo als »Stunde« oder als »Zorn Gottes« bezeichnet, sondern werden als Regentschaft des Antichristen in exakt 1260 Tagen bzw. 42 Monaten unterteilt. Deshalb sollten wir uns eingestehen, dass die »Stunde der Versuchung« nicht zu den sieben Jahren gehören kann, sondern findet erst danach statt, nach der Entrückung der Gläubigen, wenn die Bewohner der Erde versucht werden, indem sie »gewogen und zu leicht erfunden werden« (Dan.5:27).

Der HErr Jesus will Philadelphia dafür belohnen, dass sie das »Wort Seines Ausharrens« bewahrt hatten, indem Er auch sie bewahren wird »aus der Stunde der Versuchung« (V.10). Die Verheißung in Offb.3:10 und Mt.24:13 enthält direkt (und in 1.Thess.1:10 und Luk 21:36 indirekt) die Bedingung: »Bleiben( und Gebliebensein)-unter( dem durch Gottes Wort und die persönlichen Lebensumstände Auferlegten)«. (Die Übersetzung mit »Ausharren« verharmlost die Bedingung und ist hier irreführend). Wer sich gegen diese Bedingung sträubt und das von Gott Auferlegte abschüttelt (auch wenn er dabei fleißig »ausharrt«), für den gilt Röm.2:5: »Aber gemäß deiner (starrsinnigen )Härte und (deinem) un-umdenkbereiten (= unbußfertigen) Herzen speicherst-du dir-selbst Zorn(, der wirksam wird) im Tag des Zorns und (der) Enthüllung (des) gerechten-Richtens Gottes«.

Diese Warnung gilt prinzipiell für »jeden, der richtet /urteilt« (Röm.2:1). Ein Wiedergeborener, der z.B. das Urteil gefasst (oder übernommen) hat, dass es unzumutbar und unnötig sei, die biblischen Ordnungen zur Stellung der Frau zu befolgen, oder dass er seinen Ehepartner nicht länger ertragen könne, bekommt in den ersten 3 ½ Jahren den Zornhaufen ausgehändigt, den er sich zuvor aufgehäuft hat. Es ist ja die Zeit, in der Elia als einer der beiden Zeugen »alles wiederherstellen-, [w.: »weg( vom bisherigen)-(in den )gemäßen-(Zu)stand( bring)en«] -wird. Wie groß ist doch Gottes Gnade, dass Er uns nicht einfach entrücken und dann in die äußere Finsternis werfen wird ( = das Land mit dem Bann schlagen wird, Mal 3:24)!

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass mein väterlicher Freund und Gesinnungsgenosse Bernd Fischer gemäß der von A. Muhl erstmals entdeckten »Nachtwachen-Lehre« (www.gtü-bibel.de unter /Lehre /Endzeitprophetie der Artikel »Die Tage und die Nachtwachen«) fest davon ausgeht, dass es aufgrund von Luk.12:38 mindestens ZWEI Entrückungen geben werde, unter anderem auch eine VOR den letzten sieben Jahren (Luk.21:36). Nach anfänglicher Skepsis kann ich inzwischen diese Möglichkeit nicht mehr kategorisch ausschließen, zumal sich ein zweimaliges Aufstehen des HErrn vom Hochzeitsmahl für mich derzeit nicht besser erklären lässt. Auch für Bruder Bernd Fischer passt Mal.3:24 nicht zu der weit verbreiteten Auffassung, dass alle Wiedergeborenen ohne weitere Bedingungen gleichzeitig in einer einmaligen Entrückung vor den letzten 7 Jahren in den Himmel entrückt werden und dann nur noch Ungläubige und gläubig gewordene Juden in der Drangsalszeit auf Erden sind.

Seinem Verständnis nach liegt der Grundfehler in der üblichen Auslegung von Mt.25:5, wo unsere Bibeln übersetzen: »… wurden sie alle schläfrig und schliefen ein«. Das wäre die zutreffende Übersetzung des Aorists, es stehe aber das gr. Imperfekt mit der Bedeutung »schliefen-sie-(fortdauernd)«. Es sei also kein geistlicher Schlaf gemeint, sondern der Todesschlaf, der auch in 1.Thess 5:9 mit demselben Wort KATh-ÄU´DOo gemeint sei. Frühere Ausleger hatten recht, dass in Mt. 25 der Weg jedes Gläubigen als kluge oder törichte Jungfrau beschrieben sei, der zu der mit Christus verlobten Jungfrau gehöre (2.Kor 11:2). Laut Mt 25:10 werden die bereiten klugen Jungfrauen entrückt, und die Tür des Hochzeitssaals wird verschlossen, worauf die törichten Jungfrauen in ihrem Auferstehungsleib ausgesperrt seien, in dem sie ihren aufgespeicherten Zornhaufen ausgehändigt bekämen. Sie könnten aber bei einer der späteren Entrückungen dabei sein. Ich möchte an dieser Stelle alle schriftkundigen Brüder gemäß 1.Th.5:21 und Jak.3:17 bitten, diese These unvoreingenommen zu prüfen mit der inneren Bereitschaft, sich überzeugen zu lassen, wenn sich herausstellen sollte, dass es sich so verhält (Apg.17:10). Näheres dazu siehe gtü-bibel.de /Lehre /Endzeitprophetie: Entrueck, Nachtwac.

* (Wie man sich dieses vorstellen kann, konnten wir bereits am Ende des 2. Weltkrieges beobachten: Als Adolf Hitler, ein Vorläufer des Antichrists, sich am 30.04.1945 das Leben nahm, hatte er zuvor 10 Regenten mit der Verwaltung über sein Reich bestellt, die mit den Alliierten in den letzten Tagen vor Kriegsende (30.04.-08.05.45) die bedingungslose Kapitulation in die Wege leiteten. Ihre Namen waren: Von Dönitz, Göring, Göbbels, Keitel, Hess, Jodl, Ribbentrop, Kluge, von Brauchitsch und Fober). Die zehn Namen stehen zudem symbolisch auch für die 10 Söhne Hamans in Esther 9:7-14, die ebenfalls gehenkt wurden.

 

 

Der Pietismus (1650-1830)

Schon 100 Jahre nach der Reformation (Sardes) begann zu Beginn des 17. Jh. die anfängliche Erweckung wieder zu erlahmen. Die Lutheraner trugen über den Köpfen des einfachen Kirchenvolkes hochtheologische Dispute aus, während die einfachen Leute den Sonntagsgottesdienst als einzig verbliebenes Ritual betrieben, das sie jedoch geistlich verkümmern lies. Schon wandten sich die ersten enttäuscht den Mystikern zu, wie z.B. Jakob Böhme (1575-1624), um ihre Sehnsucht nach spirituellen Erfahrungen zu stillen. Die Römische Kirche hatte den Menschen ja über Jahrhunderte ein reichhaltiges Programm geboten an allerlei Ritualen, die sie z.T. aus dem Heidentum übernommen hatten. Die Lutheraner und Reformierten konnten den Laien aber keine vergleichbaren Aufgaben anbieten. Gute Werke wurden von Lutheranern wie Nikolaus von Amsdorf sogar als »schädlich für die Seligkeit« bezeichnet. Kein Wunder also, dass allmählich ein totes Scheinchristentum entstand, das keine Ahnung mehr hatte vom Evangelium.

So wie heute gab es auch damals viele Gelehrte, die sich damit begnügten, den elendigen Zustand in Gottes Volk zu beklagen und die Missstände aufzuzählen. Aber einige Pfarrer erkannten die Möglichkeit des Buchdrucks als Chance, als »geöffnete Tür« vom HErrn, und nutzten sie, um die gesunde Lehre der Bibel einer breiten Masse mitzuteilen. Einer von ihnen war z.B. der Pfarrer Johann Arndt (1555-1621), dessen Buch »Von wahrem Christenthum« (1605) bis 1740 in 123 Auflagen europaweite Verbreitung fand und damit zum erfolgreichsten Buch der christlichen Erbauungsliteratur wurde. Durch die Übersetzung in russischer Sprache hatte es sogar Einfluss auf die Orthodoxe Kirche. Ein anderer Theologe namens Theophil Großgebauer (1627-1661), forderte in seiner Schrift »Wächterstimme aus dem verwüsteten Zion« eine individuelle, datierbare Bekehrung mit Bußkampf und lehnte die Kirchenmusik ab. Sowohl Arndt als auch Großgebauer beeinflussten wiederum das Denken des Theologieprofessors Philipp Jacob Spener (1635-1705), den man wohl als bekanntesten Vertreter des Pietismus bezeichnen kann.

-          Bruderliebe zur Evangelischen Kirche

Spener war in einem frommen Elternhaus im Elsass auf-gewachsen und erkannte durch seine Studienreisen u.a. Jean de Labadie (1610-1674) kennen, dessen Forderung einer Rückkehr zum biblischen Urchristentum ihn sehr beeindruckte. Doch statt sich abzuspalten, war er zuversichtlich, dass Gott ihn für eine Erneuerung der protestantischen Kirche und Umsetzung der Reformation gebrauchen wollte. Nach seiner Promotion und Heirat von der 20-jährigen Susanne, wurde er 1666 nach Frankfurt berufen, wo ihm die Leitung des Pfarrer-Kollegiums übertragen wurde. Dies nimmt er als geöffnete Tür vom HErrn, um die Pfarrer für die Einrichtung der Konfirmation und der Ausrichtung von lebensnahen und praktischen Predigten zu gewinnen. Auch macht er seinen Einfluss bei der Stadtverwaltung geltend, um ein städtisches Armen- und Waisenhaus einzurichten und setzt sich aus missionarischen Gründen für eine bessere Behandlung der ca. 2000 Juden in Frankfurt ein.

1670 wird Spener von 5 Glaubensbrüdern gebeten, zweimal wöchentlich eine Bibelstunde zu halten. Als diese immer weiter anwächst (am Ende waren es weit über 50 Geschwister), merkt Spener, dass diese innerkirchlichen Hauskreise (Collegia Pietatis) der Motor zu einer Reformbewegung sein könnten und schreibt ein Buch darüber mit dem Titel »Pia Desideria« (Fromme Wünsche), in welchem er Therapievorschläge macht, um den biblischen Grundsatz eines allgemeinen Priestertums aller Gläubigen, das ja schon Luther befürwortete, endlich Geltung zu verschaffen. Als Spener jedoch feststellte, dass die Pfarrerschaft eher skeptisch und ablehnend auf sein Reformprogramm reagierte, konzentrierte er sich ab 1675 noch stärker auf die Idee, dass einzelne willige Pfarrer ihre Kerngemeinde in Hauskreisen sammeln. Als er 1691 zum Propst in Berlin ernannt wurde, sorgte er für eine staatliche Armenfürsorge und gewann die politische Führungsschicht für den Pietismus. In Halle gründete er schließlich eine Universität bei der es ihm durch geschickte Professorenberufungen gelingt, Halle zum Zentrum des Pietismus zu machen.

         Bruderliebe zur Katholischen Kirche

Die Erweckung in der Philadelphiazeit beschränkte sich nicht allein auf die Lutheraner und Reformierten, sondern auch in der Katholischen Kirche erweckte der Heilige Geist immer wieder einzelne Zeugen Jesu, die kraftvoll das Evangelium verkündigten. In der Spätphase des Pietismus war dies z.B. der Priester Aloys Henhöfer (1789-1862), der ein beindruckendes Zeugnis von Bruderliebe gab, indem er in seiner Zeit als katholischer Pfarrer von Mühlhausen von 1818-1822 durch herzergreifende Bußpredigten eine große Erweckung in Baden bewirkte, bei der scharenweise sowohl katholische als auch evangelische Christen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus fanden.

Trotz vieler Anfeindungen, die er von eifersüchtigen Nachbarpfarrern und einer Anklage gegen ihn beim Erzbischöflichen Vikariat, gelang es Henhöfer mit Weisheit und rücksichtsvoller Wortwahl, die Feinde der Wahrheit immer wieder zu besänftigen (Ri.8:1-3). Doch dann wurde er auch bei der Obrigkeit immer wieder verleumdet, sodass er 1822 unter Arrest gestellt wurde. Doch obwohl fast sämtliche Bürger der Stadt durch den Vogt ein Gnadengesuch eingaben wegen Henhöfers schlechter Gesundheit, wurde er erst Tage später auf Druck eines Ministers freigelassen. Seine Glaubensbrüder drängten ihn nun, endlich mit ihnen die katholische Kirche zu verlassen, aber er wollte nicht, weil er den Zugang zu den unbekehrten Katholiken nicht verlieren wollte. Zudem fragte er sich, wo er denn sonst hingehen solle, da die evangelische Landeskirche inzwischen fast ganz im Rationalismus versunken war. Am Ende war es dann die katholische Kirche, die ihn ausschloss. Doch schon ein Jahr später wurde er von der evangelischen Kirche für die Pfarrei Graben ordiniert, wo er noch viele Jahre segensreich diente und evangelisierte.

Der Eifer von Aloys Henhöfer erinnert mich sehr an den katholischen Pater Johannes Leppich (1915-1992), der in den 1950er und -60er Jahren als Straßenprediger auf dem Dach seines Opel-Lkws auf Massenveranstaltungen oder auf der Reeperbahn (Sündenmeile) ging, um vor Hunderten Zuhörern zur Buße und Bekehrung aufzurufen. Er war ständig auf der Suche nach geöffneten Türen, so dass er später auch die Telefonseelsorge in Deutschland einführte. Auf seine Initiative hin verteilt der Gideonbund bis heute Bibeln in Hotelzimmer. Auch wenn er zeitlebens Jesuit war und der katholischen Kirche treu blieb, war er aus meiner Sicht ein echter Philadelphia-Christ.

-          Bruderliebe zu allen Gläubigen

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700-1760) hat wohl wie kaum ein anderer durch sein Zeugnis die Liebe zu allen Brüdern in Christus dargestellt. Er wuchs bei seiner adeligen und zugleich hochgebildeten Großmutter auf, die mit ihm die Bibel in den Ursprachen Griechisch, Hebräisch las und hatte von klein auf eine tiefe kindliche Jesusliebe. Während seiner Schuljahre in Halle gründete er schon als 14jähriger mit einigen anderen adligen Jungen eine feste geistliche Gemeinschaft, den Senfkorn-Orden.

Während einer Bildungsreise lernt Graf Zinzendorf mit 20 Jahren viele verschiedene christliche Gruppierungen kennen und entdeckt, dass es in allen Konfessionen Christen gibt, die sich in tiefer Liebe zu Jesus in der Bibel gründen und mit denen er herzliche geistliche Gemeinschaft haben kann. So gründet er 1722 mit seiner Frau die Herrnhuter Gemeine in Berthelsdorf bei Zittau, wo er mährischen Glaubensflüchtlingen Asyl bietet. Dann beginnt er, die Gläubigen in Kleingruppen von 3-8 Leuten aufzuteilen, den sog. »Beichtgemeinschaften«, die sich gemäß ihrer Sympathie freiwillig zueinander finden. Später unterteilte sie nach ihrem Stand und Interessen wie z.B. unverheiratete Geschwister, junge Ehepaare etc. Zinzendorfs Idee war, dass sein Dorf ein in alle Welt strahlendes Licht in Form eines großen collegium pietatis sein sollte.

Um das Zugehörigkeitsgefühl des einzelnen zur Gruppe zu stärken, versah er jeden Bruder mit irgendeinem Amt. Der Phantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt. Es gab Älteste, Lehrer, Helfer, Aufseher, Ermahner, Diener, Krankenwärter, Almosenpfleger, Wirtschaftsaufseher, usw. Zinzendorf hatte lange Zeit das Vorsteher-Amt inne, bis man es 1741 feierlich Jesus Christus als Haupt und Ältesten übertrug. Hieraus stammt auch der Brauch, bei Mahlzeiten immer einen Platz für Jesus frei zu lassen. Man begann sich täglich in den Häusern zu besuchen und auch altkirchliche Bräuche wie das Liebesmahl und die Fußwaschung wieder einzuführen. Möglichst alle Trennungen des geistlichen und natürlichen Lebens sollten vermieden werden, indem jede noch so private Sache (wie z.B. die Hochzeitsnacht) von der Gemeinde liturgisch begleitet wurde. Als Graf von Zinzendorf wegen seiner Toleranz gegenüber andersgläubigen Christen 1736 aus Sachsen ausgewiesen wird, sieht er hierin die »geöffnete Tür«, sich fortan nur noch ganz der Weltmission zu widmen.

-          Bruderliebe zu den Ungläubigen

Schon als Jugendlicher war Zinzendorf von den Berichten der Missionare Plütschau und Ziegenbalg tief beeindruckt. Der Missionsbefehl des HErrn, alle Nationen zu Jüngern zu machen, war ja von den Lutheranern kaum mehr beachtet worden, weil sie sich viel zu sehr mit sich selbst beschäftigten. Aber auch einige radikale Pietisten hatten sich ganz zurückgezogen von ihrer Umwelt und wollten ihre Frömmigkeit nur still für sich leben vor Gott. Die Herrnhuter Gemeine wollten hingegen die zuhause erlebte Gemeinschaft im heiligen Geist in alle Welt tragen, so wie einst die vom Aussatz geheilten: »Dieser Tag ist ein Tag guter Botschaft. Schweigen wir aber und warten, bis der Morgen hell wird, so wird uns Schuld treffen« (2.Kön.7:9).

Zunächst aber wollte Graf Zinzendorf unter seinen Brüdern in Christo Gesinnungsgefährten suchen, bevor er sich auf die Suche nach seinen verlorenen Brüdern in Adam machte. Nachdem sich in England John und Charles Wesley von der Anglikanischen Kirche zum lebendigen Glauben an Christus bekehrt hatten, besuchten sie die Herrnhuter und wurden dadurch entscheidend beeinflusst, um den Pietismus, der in England auch Methodismus genannt wurde überall in England und Amerika zu verbreiten. Die Herrnhuter evangelisierten nicht nur unter Weißen, sondern auch unter Sklaven, Eskimos, Hottentotten und Indianern. Durch den Verzicht auf eine konfessionelle und politische Bindung, sowie ihre tiefe Demut, hatten die Herrnhuter Missionsgründungen eine große Ausstrahlung, auch auf die Ureinwohner. Graf Zinzendorf verzichtete ab 1741 auf seinen Adels- und Bischofstitel und wollte von nun an nur noch als »Bruder Ludwig« angesehen werden. Obwohl er einst Reichsgraf war, begrüßte er sogar mal eine zu Christus bekehrte schwarze Sklavin mit einem Handkuss. Er lebte mit Indianern zusammen und war tief beeindruckt von der Ursprünglichkeit ihres Lebens. Oft durchs Los bestimmt gingen Herrnhuter Brüder und Schwestern von nun an meist spärlich ausgebildet in 28 Missionsgebiete. Bis 1760 wurden 200 Herrnhuter Missionare ausgesandt; inzwischen umfasst die Brüder-Unität sogar schon 762.000 Mitglieder in 30 Ländern.

-          Bruderliebe zu den Kindern

Ein Schüler Speners wurde der spätere Theologieprofessor in Halle August Hermann Francke (1663-1727), der dem Pietismus durch seine praktischen Werke der Nächstenliebe zum entscheidenden Durchbruch verhilf. Er und auch viele seiner Nachahmer wie z.B. Johann Albrecht Bengel (1687-1752) oder Johann Friedrich Flattich (1713-1797) erkannten die Riesenchance, sich der Kleinen anzunehmen, bevor sie vom Teufel verstrickt und verschlungen würden als Erwachsene, indem sie sich voll und ganz der Erziehung von Schülern und Waisenkindern widmeten.

A. F. Francke erkannte als Pfarrer in Glaucha (bei Halle), dass die Armut in jenem Dorf mit dem erschreckend geringen Bildungsstand zusammenhing. 1695 gründete er durch Spenden ein Waisenhaus und eine Schule, und ließ seine Studenten darin als Lehrer mitarbeiten. Schon bald bekam die Arbeit viele staatliche Privilegien, sodass bei Franckes Tod schon 2234 Kinder Unterricht bekamen.

-          Bruderliebe zu den Juden

Wie der HErr Jesus im Sendschreiben verheißen hatte, hat Er seit dem 17. Jh. viele Juden losgegeben aus der Macht Satans (2.Tim.2:25-26), indem Er ihnen Buße schenkte und sie den HErrn Jesus als Messias annahmen. Dazu gebrauchte Er die brüderliche Liebe und Sanftmut der Philadelphiagemeinde, die ihnen das wahre Christsein nicht nur predigte, sondern vor allem vorlebte. Schon im Mittelalter hat die katholische Kirche eine Judenmission betrieben, aber nicht mit Liebe, sondern durch Nötigung, indem sie zu regelmäßigen Diskussionen vorgeladen wurden. Manche Juden gaben dem Druck nach und ließen sich taufen, um nicht verfolgt oder vertrieben zu werden, behielten aber heimlich ihr jüdisches Brauchtum bei. Auch Luther war 1523 noch sehr judenfreundlich und voller Zuversicht, die Juden durch Vorbildlichkeit für den christlichen Glauben zu gewinnen. Doch 20 Jahre später ließ er kein grünes Blatt mehr an den Juden, nachdem er sah, dass sie nach wie vor verstockt blieben und empfahl sogar, ihre Synagogen niederzubrennen.

Der schon erwähnte P. J. Spener hingegen bewies wirkliche Liebe zum jüdischen Volk, indem er sich für ihre sozialen Bedürfnisse einsetzte. Aus der Schrift hatte er erkannt, dass vor der Wiederkunft Christi sich erst noch die Juden bekehren müssen und begann darauf konsequent mit der Judenmission. Auch andere Theologen wie z.B. Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782) entdeckten den Heilsplan Gottes auch für das irdische Haus Juda wieder und studierten aus Liebe zu ihnen Hebräisch und den Talmud, um mit ihnen auf Augenhöhe reden zu können. Paulus sagte ja: »Ich bin den Juden ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne« (1.Kor.9:20).

-          Bruderliebe zu den Muslimen

Die Bruderliebe soll bleiben (Hebr.13:1), und um auch mal ein Beispiel zu nennen, wie sich heutige Christen zur Bruderliebe bekennen können: Heute haben wir kaum noch Juden in Deutschland, aber dafür hat der HErr uns jede Menge muslimischer Flüchtlinge und Migranten geschickt, denen wir die Liebe Christi zeigen können. Aber wo sind die Geschwister, die aus Liebe zu diesen Nachkommen Abrahams bereit sind, arabisch zu lernen, um sie für den HErrn zu gewinnen? Auf YouTube finden sich ja eine ganze Menge christliche Islamexperten, die Hunderte an Stellen im Koran und den Hadithen kennen, um sie den Muslimen zur Beschämung unter die Nase zu halten. Besonders geeignet zur Demütigung eines Muslims ist die Aufzählung der Verbrechen, die Mohammed verübt hatte. Auch ich habe mich bis vor Kurzem daran beteiligt, weil ich dachte, dass ich dadurch meine muslimischen Mitarbeiter und Lehrlinge für den christlichen Glauben gewinnen könnte – bis mich jedoch mein neuer Mitarbeiter Reza-Maziar Tabari, ein Ex-Muslim und Pastor einer iranischen Gemeinde in Bremen eines Besseren belehrt hat, indem er mir sagte:

»Simon, wenn Du den Basamba immer wieder daran erinnerst, dass der Prophet Mohammed ein pädophiler Massenmörder war, dann brauchst Du Dich nicht wundern, dass er sich völlig gegen den Glauben verhärtet hat. Du musst ihm vielmehr von Christus erzählen und ihm durch Dein vorbildliches Leben zeigen wie Christus ist, nur so kannst Du ihn gewinnen!« Diese Ermahnung hat mir die Augen geöffnet und ich habe darüber Buße getan. Reza hat in den letzten Wochen sehr viel mit Basamba zusammengearbeitet und ihm durch seine Liebe und Sanftmut versucht, den HErrn Jesus groß zu machen. Reza’s Frau Miriam hat uns letztens erzählt, dass Reza sich seit seiner Bekehrung vor 12 Jahren vollkommen in seinem Charakter verändert habe. Früher war er ein grober und bösartiger Egoist, aber heute sei er der sanfteste und liebevollste Ehemann, den sich eine Frau nur wünschen kann.

-          Bruderliebe zu den Verstorbenen und den Engeln

Die Philadelphia-Christen hatten nicht nur eine große Liebe zu den lebenden Gliedern des Leibes Christi, sondern auch zu den bereits Entschlafenen (Hebr.12:23). Sie ehrten das Andenken ihrer Väter, nicht nur indem sie ihre Schriften lasen, sondern auch ihrem ehrenvollen Beispiel nachzuahmen trachteten. Sie erkannten auch schon damals die gemeindegeschichtliche Auslegung der Sendschreiben und wollten bewusst Philadelphia sein, indem sie sich an den Gläubigen aus der Smyrna-Epoche ein Vorbild nahmen. Diese hatten dem HErrn noch in aller Schlichtheit gedient, ohne Kirchengebäude, Liturgie oder Gemeindehierarchie. Stattdessen stand auch bei ihnen die Predigt und die Seelsorge im Mittelpunkt, sowie die persönliche Beziehung des einzelnen Jüngers zum HErrn.

Durch eifriges Schriftstudium erkannten auch viele Brüder aus der Philadelphiagemeinde den Heilsplan Gottes und Seine große Versöhnungsbereitschaft, nicht nur mit Israel sondern auch mit allen Menschen, selbst den unbekehrt Gestorbenen (Röm.11:32, Kol.1:20), indem sie aufgrund von 1.Petr.3:19, 4:6 und vieler anderer Stellen noch einen späteren Missionsauftrag im Totenreich erkannten. Selbst die Engel, die nach 1.Kor.4:9 ebenso zum Kosmos zählen, den Jesus Christus zu retten gekommen war (Joh.3:17, 12:47), wurden von den Philadelphia-Christen geliebt und als ihre Brüder angesehen (Offb.12:10, 19:10, 22:9), denen wir in der Auferstehung gleich sein werden (Mark.12:25). Einmal würden sich alle Geschöpfe des HErrn, d.h. die Himmlischen, die Irdischen und die Unterirdischen, vor dem HErrn Jesus niederbeugen und Ihn als ihren HErrn anbeten (Phil.2:10), indem sie bekennen: »Nur in dem HErrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke!« (Jes.45:22-24).

 

 

 

 

 

Die 7 Sendschreiben:   5. Sardes

Sterbende Bekenntnis-Christen

»Ich kenne deine Werke, das du den Namen hast, dass du lebst, und bist tot. Werde wach! und stärke das Übrige, das im Begriff stand zu sterben, denn Ich habe deine Werke nicht völlig erfunden vor Meinem Gott. Gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue Buße. Wenn du nun nicht wachst, so werde Ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde Ich über dich kommen werde. Aber du hast einige wenige Namen in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; und sie werden mit Mir einhergehen in weißen Kleidern, denn sie sind es wert. Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern bekleidet werden, und Ich werde seinen Namen nicht auslöschen aus dem Buch des Lebens, und Ich werde seinen Namen bekennen vor Meinen Vater und vor Seinen Engeln« (Offb.3:1-5)

Die Gemeinde in Sardes

Sardes [gr. Σάρδεις , SA´RDÄIS, viell. von »SARX + -DIS« = »zweimal Fleischliche« ( = vor u. nach der Bekehrung), fleischwärts( gerichtete Gemeinde)] war die alte Hauptstadt von Lydien [LYDI´A (Hinauf)erzeugte/ Wiedergeborene], eine vormalig reiche und prunkvolle Stadt, aus der einst der sagenhaft superreiche König Krösos stammte. Sardes wurde reich durch das Goldschürfen, und sie waren das erste Volk der Welt, dass Gold- und Silbermünzen prägen ließ. Auch fand man Edelsteine, wie z.B. den nach ihr benannten roten Sarder, gr. SA´RDION (Offb.21:20). Um sich vor Feinden zu schützen, war die Burgfeste auf einem steilen Berg erbaut, die sie im Grunde uneinnehmbar machte. Doch als im 6. Jh. v.Chr. Kyros angriff, beobachtete ein aufmerksamer persischer Soldat, wie ein Verteidiger aus einem Geheimversteck hinabkletterte, weil er versehentlich seinen Helm verloren hatte (Eph.6:17). Vom Verteidiger unbemerkt folgten ihm die Perser wieder zum Gipfel hinauf und nahmen so mit ihrem überraschenden Zug die ganze Stadt ein (E. Müller, Der Erste und der Letzte -Studien zur Offenbarung, S.121).

Dieser dumme und durch mangelnde Achtsamkeit verursachte Fehler unterlief Sardes auch 300 Jahre später noch einmal durch Antiochus III., weil ihre Wächter nachlässig und selbstsicher waren. Unter den Seleukiden wurden in Sardes jüdische Kriegsveteranen angesiedelt, was das spätere Entstehen einer christlichen Gemeinde begünstigte. Als Konstantinopel Hauptstadt des Byzantinischen Reiches wurde, entwickelte sich ein neues Straßensystem, das die Provinzen mit der Hauptstadt verband. Damit geriet Sardes zunehmend an den Rand und verlor seine Bedeutung. Heute sind in Sardes nur noch Ruinen zu finden.

Mit dem Zerfall der Stadt ging auch der geistliche Untergang der Gemeinde einher. Auch sie hatte einst einen guten Ruf (= Namen), und vielleicht wurde ihr gerade dies zum Verhängnis, weil sie sich allein auf diesen stützte. Auf den ersten Blick schien alles noch lebendig zu sein: die Lehre stimmte und auch rein äußerlich war alles noch in Ordnung. Sie wurde auch nicht wie andere Gemeinden von den Juden oder Heiden verfolgt, sondern hatte sich wohl mit ihnen auf eine Übereinkunft im Zusammenleben (einen sog. "Modus Vivendi") verständigt, der nur möglich wurde, indem sie auf ein Anstoß erregendes Zeugnis verzichtete.


Geistlicher Todesschlaf

Wenn wir vom Feind nicht bedrängt werden, dann sollten bei uns die Alarmglocken schrillen, denn es steht ja geschrieben: »Alle aber auch, die gottselig leben WOLLEN in Christo Jesu, WERDEN verfolgt werden« (2.Tim.3:12). Satan lässt normalerweise keine Gemeinde in Ruhe, es sei denn, dass sie geistlich erstorben ist. Wo kein Sündentod ist, da gibt es auch keinen Märtyrertod. Wenn Christen nämlich von Jugend auf wie Moab »auf ihren Hefen liegen« (gemütliches und beschauliches Christsein) und wir »nicht ausgeleert werden« durch Leid, Prüfungen und Buße, dann wird ihr stinkender »Geruch nicht verändert« (Jer.48:11). Denn wir sollen ja »Gott ein Wohlgeruch Christi sein … vom Leben zum Leben« (2.Kor. 2:15-16); »wer aber zur Erntezeit im tiefen Schlafe liegt, ist ein Sohn, der Schande bringt« (Spr.10:5). Deshalb gilt UNS Gläubigen der Ruf: »Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Toten, und der Christus wird dir leuchten!« (Eph.5:14)

Wir können Menschen täuschen durch das Aufrechthalten einer frommen Fassade. Aber der HErr Jesus hat »Augen wie eine Feuerflamme« und kann damit »auch ins Verborgene der Finsternis schauen« (Offb.2:18, 1.Kor.4:5). Damit hatte Er schon Thyatira gewarnt, dass Er »ihre Kinder mit Tod töten« würde (Offb.2:23), wenn sie nicht Buße täten; und bei Sardes war dieser geistliche Tod nun eingetroffen. Auch die 10 Jungfrauen waren alle eingeschlafen, indem sie sich allein auf ihr richtiges Bekenntnis (brennende Lampe) verließen, aber nicht regelmäßig prüften, ob noch genügend Öl (geistliches Leben) in ihren Behältern ist (Mt.25:1-13). Sie begnügten sich damit, dass sie doch schließlich »Jesus angenommen« hatten, ohne Ihm zu erlauben, auch ihr Leben zu verändern. Sie verließen sich darauf, Gott zum Vater zu haben, so wie sich auch die Juden rühmten: »Wir haben doch Abraham zum Vater“ (Mt. 4:3+9). Aber nicht das Bekenntnis allein errettet. Wenn wir den HErrn durch unser Leben verleugnen, dann wird auch Er uns eines Tages verleugnen und sagen: »Ich kenne euch nicht«. So wie geschrieben steht: »Sie geben vor, Gott zu kennen, aber in den Werken verleugnen sie Ihn und sind gräulich und ungehorsam und zu jedem guten Werk unbewährt« (Tit.1:16).

Obwohl die Gläubigen in Sardes nur dem Anschein bzw. dem Namen nach Leben hatten, waren sie weder »Schein-Christen« noch »Namens-Christen«; denn da es noch etwas »Übriges« gab, das im Begriff war, ebenso zu sterben, dann muss auch der bereits gestorbene Teil einmal echtes Leben gehabt haben, das sie aber inzwischen nur noch zum Schein aufrecht hielten. Aber wie konnte es überhaupt so weit kommen? Wenn an einer Weinrebe z.B. ein Zweig bricht, dann kann der auch weiter noch lange am Stock herabhängen, aber er bringt keine Frucht mehr, weil keine ausreichende Verbindung mehr zum Baum besteht. Ebenso kann es auch uns im übertragenen Sinn passieren, dass wir die Verbindung zum HErrn verlieren und folglich geistlicherweise »verdorren« (Joh.15:6). Oder wenn die Blätter auf einmal alle von Läusen oder Pilz befallen sind und absterben, können die Trauben nicht mehr reifen und verkümmern. Gott hat uns aber durch Seine Kraft alles zum Leben und zur Gottseligkeit gegeben (2.Petr.1:3), so dass Er auch uns einmal fragen wird: »Was war noch an meinem Weinberg zu tun, das Ich nicht an ihm getan hätte? Warum habe ich erwartet, dass er Trauben brächte, und er brachte Herlinge?« (Jes.5:4).

Ein junger Bruder kam einmal von einer christlichen Veranstaltung wieder und berichtete uns, dass dort »viel los war«. Darauf erwiderte Bruder Edgard: »Das ist aber sehr bedauerlich, dass dort so viel LOS war! Besser wäre, wenn alles angebunden geblieben wäre an Christus!«  Ja, wahrlich, getrennt von Ihm können wir nichts tun (Joh.15:5). Unsere äußeren Aktivitäten können uns selbst darüber hinwegtäuschen, dass wir diese Verbindung zu Christus längst verloren haben. Wenn Jakobus aber von »Werken« spricht, die uns vor dem geistlichen Tod bewahren (Jak.2:24), dann meint er nicht ein eigenwilliges »Umher-Wirken« (gr. PÄRI-ÄRGA´ZsOMAI) wie in 2.Thes.3:11, sondern einen geistgeleiteten Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes. Viele suchen sich nämlich selber irgendeinen Zeitvertreib aus wie z.B. das Surfen im Internet auf der Suche nach neuesten antichristlichen Entwicklungen und reden sich dabei ein, dass sie dadurch einen »Wächterdienst« üben. Dabei ist Eigenwille nichts anderes als Götzendienst (1.Sam.15:23).

Was für den Einzelnen gilt, betraf in Sardes die ganze Gemeinde. Man predigt noch immer über den Glauben, aber im Alltag wendet ihn niemand mehr an; man singt sonntags über die Nachfolge Christi, aber verfolgt in der Woche seine eigenen Interessen. Man weiß um die »weißen Felder zur Ernte« (Joh.4:35), und sieht seelenruhig dabei zu, wie sie verderben, weil man sich selbst nicht für zuständig sieht. Wie viele denken heute nicht genauso! »Hauptsache wir selbst haben noch rechtzeitig ein Rettungsboot ergattert vor dem baldigen Sinken der „Titanic“ (Welt). Und wenn Gott die anderen auch noch retten will, dann soll Er es doch einfach tun, schließlich braucht Er uns ja nicht dazu, da die Rettung ja allein Gottes Werk ist und die Auserwählten ohnehin alle errettet werden

Dem HErrn sei Dank, dass nicht alle Gläubigen so denken! Es gibt auch in Sardes noch immer Pastoren, die sich nicht mit dem Zeitgeist besudelt haben, sondern das Evangelium ohne Abstriche predigen, egal, ob man sie öffentlich als »geistige Brandstifter« bezeichnet. Sie sehen die sterbende Kirche, aber wenden sich nicht selbstgerecht von dieser ab, sondern sehen wie Hesekiel, dass Gott aus diesem Tal von »verdorrten Gebeinen« sich noch Kinder zu erwecken vermag (Hes.37:1-13, Mt.3:9). Der HErr wird ja auch »nicht das geknickte Rohr zerbrechen« (Jes.42:3). Und er hat auch die Werke von Sardes »noch nicht völlig erfunden« vor Seinem Gott, d.h. Er verschiebt noch ein weiteres Mal die Rechenschaftslegung zugunsten von Sardes, in der Hoffnung, dass sie diese Gnadenfrist nutzen, um noch einmal zu graben und Dünger zu legen (Luk.13:8).


Geistliches Wachen

Der HErr fordert Seine Gemeinde auf, endlich wach zu werden und sich um die Verbleibenden in Sardes zu kümmern, die drauf und dran sind, ebenso zu sterben aufgrund der Nachlässigkeit der Verantwortlichen. Hier wird deutlich, was wahrer Wächterdienst bedeutet, nämlich den verlorenen Schafen nachzugehen, wie es der HErr ja auch tut. So wie die Hirten Israels versagt hatten und sich selber weideten, so dass sich die Schafe zerstreuten und niemand nach ihnen fragte, um sie zu suchen (Hes.34:1-22), so ist es auch im Neuen Bund passiert, dass viele Pastoren nur an ihr besseres Gehalt dachten, als sie Theologie studierten, anstatt sich um das geistliche Seelenheil ihrer Schafe zu sorgen. Wachen bedeutet sowohl Interesse als auch Aufmerksamkeit: »Darum wachet, und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen jeden mit Tränen zu ermahnen« (Apg.20:31).

Das griechische Wort GREGORÄ´Oo bedeutet »wachen« i.S.v. »wach bleiben«, im Vergleich zum Wachen im Sinne eines bloßen Hütens und Bewachens (PhYLA´SSOo). Geistlich wach bleiben geschieht nur durch Gebet. Deshalb wird das Wachen auch immer wieder in Verbindung mit dem Beten genannt: Neh.4:9, Mt.26:41, Mark.13:33, Luk.21:36, Eph.6:18, Kol.4:2). Nur durch das regelmäßige Gebet kann ich mir sicher sein, dass der Gnadenstrom von oben ungehindert fließt. Der HErr fragt auch mich immer wieder mal: »Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht EINE Stunde zu wachen?!« (Mk.14:37). Weil das Fleisch schwach ist, werden wir im NT immer wieder aufgefordert, zu wachen (z.B. Mt.24:42, Mk.13:35+37, 1.Kor.16:13, 1.Petr.5:8). Wir müssen nicht immer eine ganze Stunde am Stück beten, aber wir sollten gerade in schweren Prüfungen immer wieder beten, wie der HErr im Garten Gethsemane.

Wenn wir nicht ausreichend wachen, kann das fatale Folgen mit sich bringen:

  • Hesekiel wurde von Gott zum »Wächter« bestellt über das Haus Israel. Er sollte den Gesetzlosen warnen, und wenn er dies nicht tat, sollte er zur Verantwortung gezogen werden (Hes.3:17-18). Dieser Grundsatz gilt auch im NT, weshalb Paulus darauf hinwies, dass er »rein sei von dem Blute aller« (Apg.20:26).

  • Schlafende kriegen nichts mit. »Wenn der Hausvater gewusst hätte, in welcher Wache der Dieb komme, so würde er wohl gewacht und nicht erlaubt haben, dass sein Haus durchgraben würde« (Mt.24:43).

  • Mangelnde Wachsamkeit führt »in Versuchung« (Mt.26:41), und zwar besonders bei zu viel Liegen in sexuelle Versuchung wie bei König David (2.Sam.11:2). Das gebetslose Liegen führt zwangsläufig dazu, dass man sich »besudelt« (Offb.3:4), wobei man sich auch schon in Gedanken besudeln kann (Offb.14:4).

  • Lethargie und Gleichgültigkeit machen auf Dauer schlaff, kraftlos und willenlos im Kampf gegen die Sünde wie im Rausch: »Und du wirst sein wie einer, der im Herzen des Meeres liegt, und wie einer, der auf der Spitze eines Mastes liegt. „Man hat mich geschlagen, es schmerzte mich nicht; man hat mich geprügelt, ich fühlte es nicht. Wann werde ich aufwachen? Ich will es wieder tun, will ihn nochmals aufsuchen“« (Spr.23:34-35).

  • In dieser Abwärtsspirale geht es immer weiter nach unten, bis der Feind einen dahin gebracht hat, dass man sogar am Ende an der Glaubwürdigkeit der Bibel zweifelt. Da man aufgrund mangelnden Bibellesens auch keine Ahnung hat, wann der HErr wiederkommt, verpasst man schließlich die Entrückung (Mt.25: 10).

    Vor dieser Gefahr warnt der HErr Sardes zum Schluss, und kündigt ihnen an, dass Sein Kommen dann auch für sie völlig überraschend sein wird »wie ein Dieb in der Nacht«. Die Worte »Ich werde über dich kommen« drücken die erschreckende Wirkung aus, die einem Überfall und einer Heimsuchung gleicht. Aber der HErr will Seine Gemeinde vor diesem Gericht bewahren und rät ihr daher dringend, sich an die Zeit ihres Gläubigwerdens zurückzuerinnern, »wie du genommen und gehört hast« (Vers 3), d.h. welche Herzenshaltung damals noch vorhanden war, damit sie ihr Denken wieder entschieden auf diese Zeit der »ersten Liebe« ausrichten (Offb.2:5). In der Computersprache nennt man dies ein Recovery, d.h. dass man seinen Glauben »auf Werkseinstellung zurücksetzen« lässt. Damit all der schädliche Datenmüll auf einen Schlag mit gelöscht wird und man einen Neuanfang machen kann. Hier wird deutlich, dass die Sardes-Christen wirklich einmal gläubig waren, nun aber in Gefahr standen, »aus dem Buche des Lebens gelöscht« zu werden, wenn es ihnen nicht gelang, die Sünde zu überwinden (Offb.3:5). Zugleich sehen wir in dieser Mahnung des HErrn auch die Lösung, wie ein Gläubiger wieder aus diesem geistlichen Sterben herausfindet.


    Das Überwinden – weder eine Option noch eine Selbstverständlichkeit

    An dieser Stelle sei auch mal ein Wort erlaubt zu den Überwinderverheißungen am Ende jedes Sendschreibens. Überraschenderweise tun sich viele Bibelausleger schwer damit, diese einfach nur so zu nehmen, wie der HErr sie formuliert hat, sondern versuchen diese mit allerlei theologischen Kniffen zu entschärfen. So hat z.B. der ansonsten sehr bibeltreue und beliebte Prediger Armando Alducín (60), der unter den Gläubigen in Südamerika einen Bekanntheitsgrad von ca. 80 % hat, kürzlich in einer Predigt über die Sendschreiben behauptet, dass sich diese Verheißungen nur auf den Lohn beziehen, den die Gläubigen bei der Wiederkunft Christi erhalten (1.Kor.3:12-14), aber nicht etwa das ewige Leben als solches gefährden, da man sich dieses ja nicht durch Leistung erwerben könne. Wer nicht überwinde, der stünde nach seinen Worten eben »fruchtleer« da gemäß 2.Petr.1:8.

    Wenn man aber mal die Überwinder-Zusagen genau anschaut, so beziehen sich diese mehrheitlich auf Verheißungen, die wir eigentlich bisher doch für selbstverständlich annahmen für jeden Gläubigen: Haben wir denn nicht bereits alle vom Baum des Lebens gegessen (Offb.2:7) durch den Glauben an Christus, um dadurch ewiges Leben zu erlangen (1.Mo.3:22)? Denn ohne diesen kann keiner in die heilige Stadt eingehen (Offb.22:14+19). Und wenn jemand »geschädigt wird vom zweiten Tod« (Offb.2:11), kann dies nur bedeuten, dass man in den Feuersee geworfen wird (Offb.20:14, 21:8). Demnach wird auch jeder, der nicht überwindet, »aus dem Buche des Lebens gelöscht werden« und der HErr wird sich auch nicht zu »seinem Namen bekennen vor dem Vater und den heiligen Engeln« (Offb.3:5). Das Überwinden ist also heilsnotwendig.

    Der andere Trick, um das unbiblische Dogma von der Unverlierbarkeit des Heils aufrechtzuerhalten, ist die sture Behauptung, dass doch nach 1.Joh.5:4 ohnehin alle echten Wiedergeborenen auch automatisch zugleich Überwinder sind, zumindest nach dem »Stand«, in den sie versetzt wurden, wenn auch nicht unbedingt nach der äußeren Realität. Durch solch eine Auslegung wird der bedrohliche Unterton jeder Überwindermahnung zu einer leeren Posse degradiert, die man gar nicht mehr ernst nehmen braucht. Wenn ohnehin alle überwinden, wozu dann überhaupt diese überflüssige Ankündigung mit dieser missverständlichen Formulierung? Warum nicht einfach die Feststellung »Wer wiedergeboren ist, der…«? Aber da man sich ja nicht selber wiedergebären kann, hätte diese Feststellung gar keinen Aufforderungscharakter und wäre daher unnötig und sinnlos. Abgesehen davon entspricht es auch bei Weitem nicht der Realität, dass alle Wiedergeborenen tatsächlich immer ein Überwinderleben führen. Hier dürfen wir aber nicht trotzig dem HErrn die Schuld geben, sondern sollten uns selbst fragen, warum das bei uns nicht (immer) der Fall ist. Das Wort sagt: »Jeder, der (ständig) in Ihm bleibt, sündigt nicht; jeder, der sündigt, hat Ihn nicht gesehen, noch Ihn erkannt« (1.Joh.3:8). Das Perfekt hier meint den Zustand, nicht den Vorgang, d.h. der Sündigende befindet sich in diesem Moment in einem Zustand, als ob er Ihn nie gesehen und nie erkannt hätte. Im Zustand des Gesehen- und Erkannthabens könnte er nicht sündigen. Wir werden also dazu aufgefordert, bewusst auf Ihn zu sehen, damit wir nicht sündigen.

    Es gibt also keinen Gehorsamsautomatismus. Wer den Kampf gegen die Sünde aufgibt, gibt damit auch seine Hoffnung auf das ewige Leben auf. Überwinder können fallen, aber sie stehen immer wieder auf. Sie haben den Geist Josuas, indem sie nicht auf ihr eigenes Unvermögen schauen, sondern auf die Kraft Gottes (4.Mo.14:24). Sie mögen selber schon viele Male versagt haben wie jene Hure, der das lebendige Kind gehörte (1.Kön.3:26), aber sie bewies durch ihre bußfertige Gesinnung, dass ihr die Gerechtigkeit Gottes nicht egal war. Die Überwinder kämpfen wie Jakob mit Gott gegen ihr Fleisch und tragen dabei den Sieg davon (1.Mo.32:28).

    Wir dürfen also davon ausgehen, dass die Mehrzahl in der Sardes-Gemeinde wiedergeborene Christen waren, an die sich die Botschaft des HErrn richtete und nicht »Namens-Christen« oder »Scheinchristen«, wie manche behaupten. Denn wie wir schon sahen, sollten sie sich ja zurückerinnern, wie sie das Evangelium einst hörten und aufnahmen, um dadurch Buße zu tun. Also ist auch die Vermutung abwegig, dass sich die Androhungen des HErrn nur auf jenen nicht wiedergeborenen Teil in Sardes beziehen. Wenn aber nur den Überwindern verheißen wird, dass ihre Namen nicht ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens, dann werden doch im Umkehrschluss all jene Namen ausgelöscht, die nicht bereit waren, zu überwinden! Alle hatten durch ihre Wiedergeburt ein neues Kleid bekommen, aber nur wenige gaben acht, dass sie es nicht besudelten durch die Sünde. »Die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten [w. die Gerecht(igkeit verwirklich)enden( Taten/Aktivitäten)] der Heiligen« (Offb.19:8).


    Prophetisches Wachen

    Wir leben heute in einer Zeit, in welcher nicht mehr nur Ungläubige unter vorgehaltener Hand die provozierende Frage stellen: »Wo ist die Verheißung Seiner Ankunft?« (2.Petr.3:4). Auch viele Christen haben inzwischen kein Interesse mehr für das Kommen des HErrn: »Es haben schon so viele Überlegungen angestellt, wann Jesus wiederkommt, und sie haben sich alle geirrt! Er kann vielleicht schon morgen wiederkommen oder in 500 Jahren oder vielleicht auch erst in 10.000 Jahren, was spielt das schon für eine Rolle!« Wer so gleichgültig redet über den Zeitpunkt der Wiederkunft des HErrn, der hat auch längst das Warten auf Ihn aufgegeben. Aber genauso falsch und verlogen ist die Meinung: »Gott kann es machen, wie Er will – das braucht uns nicht zu interessieren!« - So als ob Gott selbst noch gar keinen Plan habe, wie es weitergehen soll! Dabei hat der HErr uns doch längst mitgeteilt, wie Sein Kommen genau sein wird, und »Der Herr, Jahwe, tut nichts, es sei denn, dass Er Sein Geheimnis (zuvor) Seinen Knechten, den Propheten, anvertraut habe« (Am.3:7).

    Petrus gibt auf die Frage nach dem Zeitpunkt der Wiederkunft Christi den Hinweis, »dass ein Tag bei dem HErrn ist wie 1000 Jahre, und 1000 Jahre wie ein Tag« (2.Petr.3:8). Damit zitiert er Ps.90:4, wo es noch ergänzend heißt: »…und wie eine Wache in der Nacht«. Nun besteht eine Nacht immer aus 4 Nachtwachen von je 3 Stunden, zwischen 18.00 Uhr abends und 6.00 Uhr morgens (Mark.13:35). Demnach entsprechen die 4000 Jahre zwischen Adam und dem ersten Kommen des HErrn Jesus auf die Erde geistlich gesehen einer einzigen Nacht. In Jes.21:11-12 fragt jemand über Duma (ü: »Totenstille«) zweimal: »Wächter, wie weit ist’s in der Nacht?« und der Wächter antwortet: »Der Morgen kommt, und auch die Nacht. Wollt ihr fragen, so fragt! Kehrt um, kommt her!« Eine mögliche Deutung könnte hier in Offb.6:10 liegen, wo die Märtyrer ebenso fragen, wann ihr unschuldig vergossenes Blut endlich gerächt werde. Der »Morgen« ist ein Bild auf das erste Kommen des HErrn nach 4000 Jahren, d.h. vier Nachtwachen (2.Sam.23:4, Ps.19:2-7, Joh.9:4). Eigentlich hätte Er da schon Seine Herrschaft antreten können, aber die Seinen nahmen ihn nicht als König an (Joh.1:11), sondern verwarfen Ihn, was die »Versöhnung der Welt« ermöglichte (Röm.11:15). Aber die Nacht musste erneut kommen, diesmal jedoch eine um zwei Nachtwachen verkürzte, bis der HErr ein weiteres Mal kommen wird, um für immer zu bleiben (Röm.13:12, Offb.22:5).

    Tatsächlich sollten wir als Christen in etwa wissen, wann unser HErr wiederkommt. Denn darin unterscheiden wir uns von jenen, die »nicht wissen, zu welcher Stunde« der HErr eintrifft (Offb.3:3). Die Generation, die noch die Gründung des Staates Israel 1948 miterlebte, wird auch das Kommen des HErrn erleben (Mt.24:34). Wir wissen zwar zur Zeit noch nicht »Tag noch Stunde« (Mt.25:13), aber das regelmäßige Wachen ermöglicht uns, dass wir es kurz vor Seinem Eintreffen doch relativ bestimmt vorhersehen können, denn am Ende »wird die Erkenntnis zunehmen« (Dan.12:4). Zudem gibt es eine ganze Menge Bibelstellen, die uns einen Hinweis darauf geben, dass der HErr Jesus wahrscheinlich irgendwann zwischen 2028 und 2040 wiederkommen wird. Dies jetzt näher zu begründen, ist hier nicht der Platz, aber wer möchte, kann eine ausführliche Begründung beim Anklicken dieses Links finden:

  • https://www.derhahnenschrei.de/index.php/aktuelles/85-wann-kommt-jesus-wieder

     

    Die Reformation

  • Martin Luther und der Ablasshandel

    Die große Zeit der päpstlichen Vorherrschaft über die Welt (Thyatira) neigte sich zum Beginn der Renaissance (»Wiedergeburt« der Antike) im 15. Jh. allmählich dem Ende entgegen, und nach der dunklen Zeit des Mittelalters brach von Italien aus ein neues Lebensgefühl der Freiheit und der Fleischeslust an, in welcher der Mensch im Mittelpunkt stand. Das Papsttum war dekadent und käuflich geworden und hatte auch in den Augen vieler Kleriker seinen einstigen Glanz verloren. Der homosexuelle Papst Leo X. (1513-1521), ein Sohn der Bankiersfamilie Medici, sagte noch bei seiner Thronbesteigung: »Da Gott uns das Pontifikat verliehen hat, so lasst es uns denn genießen!«. Er interessierte sich nicht für den Glauben, dafür aber für die Kunst und wollte sich mit dem Neubau des Petersdoms ein Denkmal setzen. Doch die Einnahmen durch die 7000 registrierten Prostituierten in Rom (bei einer Bevölkerung von gerade einmal nur 50.000 Menschen!) brachten nicht genug ein. Um sein Einkommen aufzubessern, erfand Leo immer neue Ämter, die er gegen den Meistbietenden versteigerte. Und als auch dies nicht reichte, verkaufte er Ablassbriefe in ganz Europa, durch welche die Menschen für sich oder ihre Angehörigen Sündenvergebung oder Straferlass im Fegefeuer erlangen könnten. Damit machte er dem Kurfürsten von Sachsen, Friedrich dem Weisen, Konkurrenz, der durch seine fast 19.000 Reliquien ebenso hohe Einnahmen erzielte. Denn nach damaliger Lehre konnte allein der Anblick eines Holzsplitters aus der Arche Noah, der Asche aus Babylons Feuerofen oder einem Zweig vom brennenden Dornbusch einer Seele bis zu 1.902.202 Jahre und 270 Tage im Fegefeuer ersparen...

    Immer dann, wenn Gottes Volk völlig in die Irre abgleitete, sandte der HErr einen Retter, der wieder vorübergehend »das Wort der Wahrheit recht teilte« (2.Tim.2:15). Anfang des 16. Jh. war dies Martin Luther, als er am 31.10.1517 als Augustinerpater die 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg anbrachte, um damit gegen den Ablasshandel und viele andere Verirrungen der Römischen Kirche zu protestieren, die er als »Hure Babylon« ansah (Offb.17+18). Schon lange vor Luther gab es mutige Glaubensmänner, welche die Sünden der Kirche anprangerten, wie z.B. John Wyclif (1330-1384), der die Bibel ins Englische übersetzte, oder der von ihm beeinflusste Prediger Jan Hus aus Böhmen (1370-1415). Jedoch die meisten wurden bereits von der Kirche verfolgt und als Ketzer hingerichtet, bevor sie überhaupt die Möglichkeit gehabt hätten, Einfluss auszuüben. Viele hielten sich bewusst versteckt wie die Waldenser, die schon über eine eigene Bibelübersetzung in deutscher Sprache verfügten.

    Als Johann Tetzel dann im Namen des Papstes in Wittenberg Ablassbriefe verkaufte mit den Worten: »Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt«, war das Maß endgültig voll, weshalb der HErr eingreifen musste, damit die Menschen nicht völlig dem Aberglauben verfielen. So wie damals Gideon erweckte der HErr einen bis dahin unbekannten Pfarrer aus dem Städtchen Wittenberg, der sich gegen solche staatlich genehmigten Gräuel zur Wehr setzte. Und als Luther sah, dass das Volk mit Wohlwollen auf seine 95 Thesen reagierte, nutzte er obendrein auch den gerade erfundenen Buchdruck und ließ seine Botschaft im gesamten Kaiserreich verbreiten. Das war schon wirklich sehr mutig, denn die Römische Kirche war nicht nur Luthers Vorgesetzte, die ihn hätte kündigen können, sondern ihm war auch durchaus klar, dass jeder Widerspruch zur katholischen Lehre als Ketzerei galt, auf welche die Todesstrafe stand.

    Wer heute hingegen z.B. auf einer Schwulenparade ein Plakat hochhält, dass praktizierte Homosexualität vor Gott ein Gräuel sei, muss lediglich mit einer Geldstrafe rechnen wegen Diskriminierung. Derzeit hängen in Bremen z.B. Plakate, auf denen der Ex-Werder-Trainer Thomas Schaaf zitiert wird mit den Worten: »Das Leben hat keine Nachspielzeit«. Was wäre, wenn ich darunter schreiben würde: »Aber deine Taten werden ein Nachspiel haben!«? Oder wenn ich an mein Haus einen Bibelspruch anbringe mit den Worten »Lasst euch versöhnen mit Gott!« - werde ich mir damit nicht die Nachbarschaft zum Feind machen? Oder wenn ich gar in meinem Vorgarten einen großen Schaukasten errichte, in welchem ich jede Woche einen neuen evangelistischen Bibelvers ausstelle – werden sie dies nicht als Provokation empfinden? Die meisten von uns scheuen heute die direkte Konfrontation mit den Leuten und würden sich nicht wie Luther mit ihrem Arbeitgeber anlegen, um ihn auf Sünde hinzuweisen, obwohl dies doch ein guter Anlass wäre zum Evangelisieren. Wie oft bin ich in den letzten Jahren schon von meinen Kunden angesprochen worden, ob ich den Auftrag auch ganz oder teilweise ohne Rechnung machen würde! Dabei steht auf meiner Malerseite im Internet ausdrücklich: »Wir streichen in allen Farbtönen, aber nicht schwarz…«. J

    Luthers Protest blieb nicht ohne Folgen: 1520 wurde er exkommuniziert und über ihm die Reichsacht verhängt, d.h. er war vogelfrei, konnte straflos getötet werden. Nachdem er 1521 auf dem Reichstag in Worms unter Berufung auf Gottes Wort und sein daran gebundenes Gewissen sich geweigert hatte, seine Kritik an den Missständen in der Kirche zu widerrufen, wurde er auf Veranlassung seines Kurfürsten auf dem Rückweg zu seinem Schutz entführt. So fand Luther also Zuflucht auf der Wartburg in Eisenach, wo er verkleidet als Junker Jörg das Neue Testament ins Deutsche übersetzte.

  • Die Rechtfertigungslehre

    Ohne Frage war Luther ein Werkzeug in Gottes Hand. Der HErr gebrauchte ein Gewitter, um Luther 1505 zu veranlassen, ein Möchsgelöbnis abzulegen. Nach jahrelangem Ringen um Heilsgewissheit, entdeckte Luther beim Studium des Römerbriefes, dass es zur Erlangung des Heils keiner Vorleistungen des Menschen bedürfe, wie es in der Katholischen Kirche gelehrt wurde. Diese Einsicht war wohl auch der Moment seiner Wiedergeburt. Der Heilige Geist öffnete ihm nach und nach die Augen für all die Verirrungen der RKK, z.B. der Vorrangstellung der katholischen Tradition vor der Heiligen Schrift (entgegen Mk.7:7-13, Kol.2:8; Offb.22:18), das Papsttum (Mt.23:6-12, Eph.1:22, 1.Kor.3:11), ihre weltliche Macht (Mt.4:8-9, 20:25-26, Joh.18:38), das Zölibat (1.Tim.3:2 + 4:1-3), die Stellvertreterrolle Marias als angebliche »Gottesmutter« (Mt.4:10, Röm.3:23, 5:12, Luk.1:30+46-47), der Bilderdienst (2.Mo. 20:4, 5.Mo.27:15, Ps.115:4-8), das Messopfer (Hebr.7:27, 9:12+25-28, 10:1-4+10-14), die Absolution durch Priester (Ps.51:1-10, Luk.7:48, 15:21, 1.Joh.1:8-9), das Verbot für Laien, die Bibel zu lesen (sie wurde 1229 auf dem Konzil von Valencia sogar auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt!) (Joh. 5:39, 1.Tim.3:15-17), usw.

    Vor allem aber war es Luthers Erkenntnis, dass die Errettung allein aus Gnade durch den Glauben an das bereits vollbrachte Stellvertreteropfer Christi zu erlangen sei, die den Menschen wieder den Zugang zum wahren Evangelium ermöglichte. Nicht etwa, dass diese Erkenntnis neu war – sie wurde ja schon von Anfang an durch die im Untergrund lebende Gemeinde des HErrn verbreitet – sondern dass die Rückendeckung durch die deutschen Fürsten es Luther ermöglichte, diese Wahrheit ungehindert von der Kanzel aus dem Kirchenvolk zu predigen. Das war das eigentlich Neue an Luthers Werk. Die RKK hatte den Menschen ja den Zugang zum Reich Gottes versperrt durch ihre vielen Irrlehren, so wie es einst die Pharisäer taten (Mt.23:13-14). Nun aber traten innerhalb weniger Jahrzehnte zahlreiche Gruppierungen hervor, die offen das Evangelium verkündigten, ob nun die sog. Wiedertäufer, die Mennoniten, die Hutterer oder Presbyterianer: überall war eine hoffnungsvolle Aufbruchsstimmung zu sehen.

    Was aber hat diese Erweckung mit Sardes zu tun?

    Nun, auch Sardes war ja einst auf eine »Goldader« gestoßen, durch welche ihre Bewohner übermäßig reich wurden. Aber dieser Reichtum fiel ihrer Unachtsamkeit zum Opfer. Und wenn wir uns den weiteren Verlauf der Evangelischen Kirche ansehen, dann müssen wir feststellen, dass sie in der Tat heute geistlich fast völlig tot ist. Aber wie konnte es dazu kommen?

    Das Verderben geht häufig nicht von einem begnadeten Lehrer aus, sondern von seinen Nachfolgern, die die Lehren ihres Meisters einseitig und verabsolutiert wiedergeben und durch das Verschweigen eines ausgleichenden Aspektes eine ganz falsche weil einseitige Heilsbotschaft verbreiten. So haben z.B. die Lutheraner die Errettung allein aus Glauben derart theoretisch dargestellt, dass keine Notwendigkeit mehr gesehen wurde, dem Glauben auch Werke folgen zu lassen. Ein Glaube ohne Werke ist aber tot: »Ihr seht also, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein« (Jak.2:24). Die Überbetonung von Röm.3:28, dass ein Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt werde, hat bis heute dazu geführt, dass ein dem Worte Gottes gehorsamer Christ häufig von anderen Christen als »gesetzlich« oder »selbstgerecht« geschmäht wird. Man hat als Lutheraner geradezu eine Abscheu vor Begriffen wie »Gebote« oder »Gehorsam«, weil man sie sofort mit dem Alten Bund in Verbindung bringt. Dabei ist der HErr Jesus letztlich nur jenen ein »Urheber ewigen Heils« geworden, die »Ihm gehorchen« (Hebr.5:9). Die Nachfolge ist keine Theorie, sondern bedeutet, dass wir dem HErrn wirklich folgen! Während die meisten Lutheraner eine hohe Arbeitsethik haben, gehören sie in geistlichen Dingen eher zu den »faulen Knechten« (Mt.25:26-27). »Sie kommen zu dir, wie das Volk zusammenkommt, und werden als Mein Volk vor dir sitzen und deine Worte hören, aber nicht danach handeln. Denn wenn sie auch mit dem Mund ihre Liebe bekunden, so läuft ihr Herz doch hinter dem Gewinn her« (Hes. 33:31). Wenn die faulen Knechte sich dermaleinst vor dem HErrn mit den Worten verteidigen werden: »Wir haben doch gar nichts gemacht!«, dann wird der Hausherr ihnen antworten: »Genau das ist das Problem!«

    Wie geistlich tot die Evangelische Kirche heute ist, sei nur mal an einem Beispiel erwähnt: Im Jahr 1985, als meine Mutter noch nicht gläubig war, da war sie mit einer evangelischen Pastorin aufs engste befreundet. An einem Abend, als sie mit vielen anderen Frauen zu einem Gesprächskreis zusammen waren und sich verabschieden wollten, sagte meine Mutter zu der Pastorin: »Eva, ich fänd’s schön, wenn wir zum Schluss noch einmal ein Gebet sprechen würden«. Die Pastorin reagierte schockiert und lehnte es ab, zu beten. Auf das Drängen meiner Mutter hin, sagte sie: »Renate, wenn du unbedingt beten willst, dann bete du doch!« Als meine Mutter später mit der Pastorin alleine war, schimpfte diese mit ihr: »Renate, du hast mich heute vor allen Frauen bloßgestellt!« - »Aber was ist denn dabei, wenn wir gemeinsam beten? Du betest doch auch immer im Gottesdienst!« - »Ja, aber ich bete grundsätzlich nur, indem ich ein Gebet vorlese« …

  • Der Calvinismus

    Ähnlich einschläfernd wie die Lehre von der billigen Gnade ist auch die calvinistische Lehre von der doppelten Prädestination, dass Gott also die einen dazu bestimmt habe, errettet zu werden und die anderen dazu, verdammt zu werden. Tatsächlich geben manche Bibeltexte dazu Anlass, wie z.B. Römer 9:15-18. Dahinter stand die gut gemeinte Absicht, das souveräne Handeln Gottes wieder hervorzuheben, das durch die Selbsterlösungs-Übungen des Katholizismus völlig in den Hintergrund getreten war. Für eine von Angst geplagte Seele mag die Zuversicht einer vollkommenen Heilssicherheit ein großer Trost sein und ein Fels im Sturm der Unsicherheit. Aber der Calvinismus ist eine ungesunde Überreaktion, welche ebenso die Gefahr der fromm getarnten Zurückhaltung in sich birgt (»Der HErr wird ohnehin die Auserwählten erretten, also warum sollte ich versuchen, dabei nachzuhelfen?!«)

    Im Unterschied zu Luther glaubte Calvin, dass die Errettung ein willkürlicher Akt der Gnade sei, die völlig im unbegreiflichen Willen Gottes liegt. Der Calvinismus geht von 5 Grundannahmen aus, die sich im Englischen durch die Abkürzung TULIP beschreiben lassen:

    1. Völlige Verderbtheit (Total depravity),

    2. Bedingungslose Erwählung (Unconditional election),

    3. Begrenzte Sühne (Limited atonement),

    4. Unwiderstehliche Gnade (Irresistible grace), und

    5. Ausharren der Heiligen (Perseverance of the saints).

    Diese Grundannahmen sind aber nicht alle biblisch belegt:

    1. Völlige Verderbtheit

    In der Tat beherrscht die Sünde den ganzen Menschen aufgrund des Sündenfalls, d.h. sein Denken, seine Gefühle und z.T. auch seinen Willen. Dies macht ihn aber dennoch nicht so willenlos und unfähig, dass er noch nicht einmal die Botschaft des Evangeliums verstehen und glauben könne. Gott stellt den Menschen immer wieder vor die Wahl (Jes.1:19-20, Hes.33:11, Lukas 7:30, Tit.2:11).

    2. Bedingungslose Erwählung

    Aufgrund missverstandener und einseitig gedeuteter Bibelstellen kam Calvin auf die Idee einer willkürlichen Auswahl Gottes, die noch nicht einmal den Glauben und Gehorsam zur Bedingung für das Heil macht. Die nicht erwählten Geschöpfe hätten keine Chance, gerettet zu werden, da sie nun einmal kein Erbarmen finden sollen, sondern zum Verlorengehen bestimmt sind. Diese geradezu lästerliche Vorstellung von Gott als einem unbarmherzigen Tyrann steht im krassen Widerspruch zu sämtlichen Zeugnissen der Schrift (Hi.33:29-30, Hes.18:23, 1.Tim.2:4, 4:10, Röm.8:28-30, 11:32, 1.Petr.1:1-2, Joh.6:40+51).

    3. Begrenzte Sühne

    Angeblich sei der HErr Jesus nicht für alle Menschen gestorben, sondern nur für die Auserwählten (vgl. Mt. 26:28). Auch hier wird eine ungeheuerliche Verkürzung der Worte und des Werkes Christi vorgenommen, um die Idee einer elitären »Geschlossenen Gesellschaft« aufrecht zu halten, die sich um den verlorenen Rest nicht kümmern braucht, ganz entgegen dem klaren Zeugnis der Schrift (2.Petr.3:9, 1.Joh.2:2, Apg.17:30, Joh.1:7, Mt.11:28, Röm.3:23-24, 5:6+15, 10:13, Hebr.2:9, 10:1 etc.).

    4. Unwiderstehliche Gnade

    Die Calvinisten behaupten, dass ein Erwählter so oder so errettet wird und dass man die Gnade Gottes nicht auszuschlagen vermag. Ebenso wenig könne er abfallen vom Glauben, selbst wenn er wollte. Tatsächlich vergewaltigt Gott niemanden, sondern wirbt um jeden Menschen durch Seine Güte, um ihn zur Buße zu bewegen (Röm.2:4). Er sagt in Matth.23:37 nicht: »Ihr habt nicht gekonnt«, sondern »Ihr habt nicht gewollt«! (vergl. auch Jes.65:2, Hebr.3:10-11, Hebr.10:26).

    5. Beharrlichkeit der Heiligen

    Die einmal Geretteten würden (automatisch) treu bleiben und könnten ihr Heil nicht verlieren, da ja niemand sie aus der Hand Gottes rauben könne (Joh.10:28, Röm.8:28). Von Gottes Seite aus ist das Heil tatsächlich unverlierbar, aber es ist nicht unabweisbar, denn die Liebe kann nur freiwillig erfolgen, weil es sonst keine Liebe wäre. Wenn diese aber immer weiter nachlässt, dann stirbt allmählich das geistliche Leben ab und es bleibt nur noch ein theoretisches Bekenntnis übrig (Hes.33:13, Mt.5:13+22+26, 6:15, 7:21-22, 8:11-12, 10:33, 13:21, 24:13, 25:1-13+30, Joh.15:2+6, 1.Kor.3:17, 10:1-6+11-12, 15:2, 2.Kor.1:13, 11:2-4, Gal.1:6, 3:1, 4:11+19, 5:7+21, 6:7-8, Kol.1:23, 2.Th.2:3, 1.Tim.4:1, 2.Tim.2:10+ 13+ 18, Hebr.2:2-3, 3:6+12+14, 4:1+11, 5:9, 10:26+29, 12:14+25+ 29, Jak.2:13+14, 1.Joh.3:15, 1.Pet.5:8, 2.P.2:21-23, Offb.3:16).

    Aufgrund seines Verständnisses von Gottes Souveränität zwang Calvin z.B. die Menschen, am Gottesdienst teilzunehmen, auch wenn sie nicht bekehrt waren. Das Volk bemühte sich deshalb aber auch nicht nach persönlicher Frömmigkeit, sondern begnügte sich mit der allsonntäglichen Anwesenheit in der Kirche. Wie zu katholischen Zeiten delegierte es auch weiterhin seine Verantwortung für sein Heil auf den theologisch geschulten Klerus. Die Predigt rückte aber wieder in den Vordergrund, und zum ersten Mal gab es auch Sitzbänke in den reformierten Kirchen, die jedoch auch zur Schläfrigkeit verleiteten. Wer einschlief, wurde jedoch von den Aufsehern mit einer Rute geweckt. Dank des Buchdrucks konnten auch die ersten Gesangbücher hergestellt werden, so dass die Kirchenmusik immer mehr an Bedeutung gewann (siehe Johann-Sebastian Bach).

    Positiv kann man vom Calvinismus sagen, dass seine Anhänger eher fleißig und diszipliniert waren, denn Nachlässigkeit und Faulheit galten ihnen ja als Zeichen für Unerwähltsein. Deshalb haben die calvinistisch geprägten Siedler Amerikas (Puritaner = die »Reinen«) es trotz widrigster Umstände zu bemerkenswertem Wohlstand gebracht. Überhaupt sehen wir heute die protestantischen Länder der Welt als wirtschaftlich deutlich überlegen gegenüber den katholisch geprägten Ländern, was nicht erst der Soziologe Max Weber herausfand (»Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus«, 1905), sondern schon in der Bibel vorhergesagt wurde:

    In der Geschichte von Joseph sehen wir ja allegorisch die Heilsgeschichte des HErrn Jesus vorgeschattet. So wie der Pharao ihn aus dem Gefängnis holte und ihn über sein ganzes Reich setzte, wurde auch der HErr Jesus nach Seiner Auferstehung zum HErrn über Himmel und Erde erhoben (die 7 fetten Jahre entsprechen den 7 Gemeindeepochen in den Sendschreiben, und die 7 Hungerjahre deuten auf die 7jährige Drangsalszeit). Joseph nahm sich eine Frau aus Ägypten, die ihm Manasse und Ephraim gebar. Symbolisch handelt es sich bei diesen um zwei Ausprägungen der Gemeinde, die sich im Verlauf der Kirchengeschichte nacheinander herausbildeten: Manasse steht für den Katholizismus in der Zeit von Ephesus bis Thyatira in Offb.2; und Ephraim steht für den Protestantismus in der Zeit von Sardes bis Laodizea in Offb.3 (nebenbei bemerkt: Jakob/Israel adoptierte die Söhne Josephs gemäß 1.Mo. 48:5, was ganz im Einklang steht mit Römer 11, dass wir als Nationenchristen in den Ölbaum Israel eingepfropft wurden). Der Name Ephraim bedeutet wörtlich »doppelte Fruchtbarkeit«, und tatsächlich waren ja protestantische Länder rückblickend nicht nur wirtschaftlich erfolgreicher, sondern waren auch im Geistlichen den Katholiken überlegen, sowohl mengenmäßig als auch inhaltlich.

  • Verhärtung und Verstockung

    Eigentlich wollte Luther keine neue Kirche gründen, sondern die Römisch-Katholische Kirche nur reformieren, d.h. sie inhaltlich erneuern (lat. reformatio Wiederherstellung). Mit seinen Thesen wollte er einen Dialog mit anderen Theologen anregen, um einen Reformprozess in Gang zu bringen. Doch je mehr er sich selbst mit der Heiligen Schrift auseinandersetzte, desto mehr wurde ihm bewusst, wie weit die katholische Kirche inzwischen schon von der biblischen Lehre entfernt war. Sie zu erneuern, war eine Utopie. Babel konnte man nicht mehr heilen, sondern sie nur noch verlassen (Jer.51:9). Aber Luther war nur anfangs radikal und konsequent: Bis 1525 lehnte er z.B. noch die Babytaufe ab und bezeichnete sie als »Gaukelwerk« (Kirchen-Postille, 1522, S. 578). Ein Zusammengehen mit den Täufern („Wiedertäufern“) scheiterte daran, dass diese z.T. sehr radikale Pläne hatten (z.B. Aussperrung aller Babygetauften und Namenchristen aus der Kirche bis hin zum Umbringen aller Pfarrer und Auswechslung der Obrigkeit) und die Reformatoren, die das nicht mitmachen wollten, als Heuchler und Antichristen beschimpften. Sicher spielte bei Luther damals auch die berechtigte Furcht eine Rolle, dass die Bewegung schon sehr bald wieder unterdrückt und ausgelöscht werden könnte durch den völlig Rom-hörigen Kaiser Karl V.. Deshalb unterstellte sich Luther den Fürsten, wodurch die Sardes-Gemeinde zu Landeskirchen wurde mit entsprechend weltlicher Einflussnahme. Schon bald wurde das Glaubensbekenntnis von Herrschenden und Untergebenen für eigennützige innerweltliche Ziele ausgenutzt. So versuchten die Bauern, die im 16. Jh. 85 % der Bevölkerung ausmachten, das Evangelium für ihre Wünsche nach Sozialreformen zu instrumentalisieren. Nach anfänglichem Verständnis für ihre Not, widerstand Luther ihnen später, da er die Gefahr eines unbändigen Aufstands der Massen sah, durch den das Land ins Chaos versinken könnte, und forderte die Fürsten auf, die Aufstände mit aller Härte niederzuschlagen. Ebenso unerbittlich zeigten sich die Reformatoren (nicht ohne Grund) auch gegenüber Laienpredigern und Andersgläubigen.

    Kaiser und Papst und die katholischen Fürsten hätten die evangelische Bewegung gern ausgerottet. Aber weil die Türken damals wiederholt angriffen, brauchte der Kaiser die Hilfe der evangelischen Fürsten und sah sich zu Zugeständnissen an diese genötigt. Der größte Schlag der Gegenreformation war der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), dem geschätzte 40 % der Deutschen Bevölkerung zum Opfer fiel. Die völlige Erschöpfung beider Seiten führte zum „Westfälischen Frieden“ 1648 und somit fortan zur Duldung des evangelischen Christentums. Trotz der Verrohung der Deutschen durch den Krieg entwickelte sich anschließend als geistliche Frucht der extrem schweren Leiden im Schoß der evangelischen Kirchen die Philadelphia-Ausprägung der Gemeinde in Form des Pietismus, der die theoretischen Erkenntnisse der Reformation verwirklichte.

    Der Pietismus wurde zumeist von Pfarrern initiiert und unterstützt, sodass er trotz vieler Anfeindung und Ablehnung doch schließlich geduldet wurde. Er hat sehr befruchtend in der Sardeskirche gewirkt. Aber genau im Herzen des Pietismus, an der von August Hermann Francke (1663-1727) gegründeten Universität in Halle, konnte der Teufel durch den (anfänglichen) Pietisten Johann Samuel Semler (1725-1791) die historisch-kritische Theologie erwecken (Mt.13:25). Das Kirchenvolk tat nicht, was Luther wollte, und las nur wenig eigenständig in der Bibel, sondern überließ dies zunehmend den Theologen, die im Zuge der Aufklärung allmählich das historisch-kritisches Bibelverständnis annahmen. Die Ideologie des Humanismus setzte sich wie Heuschrecken über die christlichen Nationen und besonders die Evangelische Kirche und fraß alles ab an gesunder biblischer Lehre. »Was die einen noch übrig ließen, fraßen die Vertreter der Folge-Ideologien weg (Joel 1:4). So kamen als Folge der Aufklärung der Atheismus, Liberalismus, Rationalismus, Darwinismus, Sozialismus, Kommunismus, Nationalsozialismus, Stalinismus, Genderismus, Islamismus, und im Zentrum der Bibeltreuen (im Laodizea-Bereich) der Dispensationalismus, der zum Hyper-Dispensationalismus auswuchert, d.h. die Schriftzerschneidung (Phil.3:2), die wie ein Krebsgeschwür um sich frisst (2.Tim.2:17) und zur Verwerfung der Worte Jesu und letztlich zum Verlorengehen ihrer Anhänger führt (2.Petr.3:16)« (B. Fischer „Ein Wort an meine Brüder in Sardes, Philadelphia und Laodizea“, 2016, S.9)

    Es gab und gibt auch heute noch »Nam(haft)e« in Sardes, die ihre Gewänder nicht besudelt haben (Offb.3:4), weder mit Brudermord, noch mit bibelkritischer Theologie. Zu diesen zählen z.B. Martin Bucer (1491-1551), Johann Gerhard (-1637), Paul Gerhardt (1607-1676), der Schöpfer kostbarster Kirchenlieder, Johann Albrecht Bengel (1685-1752), Theodor Fliedner (1800-1864), J. Chr. Blumhardt (1805-1880), C. F. Keil (1807-1888), Hinrich Wichern (1808-1881), Franz Delitzsch (1813-1890), Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910). Der Pfarrer Paul Schneider (1897-1939) und der Theologe Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), die der Bekennenden Kirche angehörten, wurden beide als Märtyrer von den Nazis ermordet. Luther gehört wegen seiner Hasstiraden gegen die Juden nicht zu den Unbesudelten, aber durch seine Wiederentdeckung der Bibel als absolut maßgebendes Wort Gottes schuf er die Voraussetzung dafür, dass die Philadelphia-Gemeinde entstehen und aus Bruderliebe die Juden aus ihrer tiefen Verstockung heraus zu ihrer bevorstehenden Bekehrung führen konnte.

    Die heutige Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) hat mit Luther kaum mehr Gemeinsamkeiten. Luther hatte ja den Papst als den Antichrist bezeichnet. Daraufhin betrachtete die Katholische Kirche ihn als Erzfeind, bzw. »der schlechteste Mensch, der je geboren wurde« (1555), »garstiger Bock und unreiner Beelzebub« (1609), »unverschämter und fleischlich gesinnter Zungendrescher« (1751), »feistes Schwein aus der Herde Epikurs« (1838), »saufrecher lausiger Bettelbruder« (1903) und als »einer der gemeinsten aller Zweifüßler« (1904). Umso erstaunlicher ist es, dass im Lutherjahr 2017 ausgerechnet ein jesuitischer Papst, Franziskus, sich mit dem deutschen Lutheraner-Präses Bedford-Strom völlig einig geworden ist, dass man sich gegenseitig vergeben müsse, um die alten Wunden zu heilen (vergl. 1.Kön.20:31-42). Das erinnert uns an Luk.23:12 »Pilatus und Herodes wurden an selbigem Tage Freunde miteinander, denn vorher waren sie gegeneinander in Feindschaft…«.

    Während die (glaubensgetauften) Laodizea-Christen fast alle Hitler folgten und dies nie wirklich bereuten, erstand aus der Sardeskirche die Bekennende Kirche von babygetauften Sardes-Christen, die dem Evangelium treu blieben und nach dem Zusammenbruch des Hitlerregims ein reuevolles Schuldbekenntnis abgaben. Auch heute gibt es nur in Sardes von Pfarrern gegründete Netzwerke, die für die Glaubenstreue in der evangelischen Kirche eintreten mit dem Ziel, einen Zusammenschluss gläubiger Christen ähnlich der Bekennenden Kirche zu gründen, der die Totalherrschaft der Hure Babylon über diese Kirche beendet. Diesem Bestreben sollten wir uns anschließen.

 

 

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