„Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe.
Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen
und die Waffen des Lichts anziehen.“

(Röm.13:12)

– „Stich-Worte“ Teil 6

 

  1. Zorn

„Zürnet, und sündiget nicht. Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn und gebet nicht Raum dem Teufel (Eph.4:26-27)

Das Komma zwischen den Worten „Zürnet“ und „und“ war mir viele Jahre nie aufgefallen. Ich ging immer davon aus, dass wir Menschen grundsätzlich nie das Recht haben, zu zürnen, zumal es ja auch heißt: „Eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit“ (Jak.1:20). Mit dem Komma erscheint das Wort „Zürnet“ aber eher als Aufforderung, die jedoch durch die Warnung „sündiget nicht“ dann doch mehr als Zugeständnis wirkt: Ihr dürft zwar gelegentlich zürnen, aber habt acht darauf, dass ihr dadurch nicht in Sünde fallt.

Wenn der Zorn selbst schon eine Sünde wäre, dann wäre theoretisch auch der Zorn Gottes eine Sünde, was natürlich nicht möglich ist. Das griechische Wort ORGÉ meint einen Erregungszustand (vergl. Orgasmus oder Orgie), bei dem sich angestaute Energie kontrolliert entlädt. Verständlich wird uns dies in der Offenbarung, wo die Menschen den über Jahrhunderte angestauten Zorn Gottes auf einmal zu spüren bekommen, so als ob ein Staudamm brechen würde und sich ins Tal ergießt. Zorn ist also ein entlastendes Ventil, damit die Langmut (engl longsuffering = „langes Leiden“) nicht überstrapaziert wird. Zu Gottes Wesen gehört es ja bekannterweise, dass Er „langsam zum Zorn“ ist (diese Formulierung kommt übrigens zehn Mal in der Bibel vor: 2.Mos.34:6, 4.Mo.14:18, Neh.9:17, Ps.86:15, 103:8, 145:8, Joel 2:13, Jona 4:2, Nah. 1:3, Jak.1:19).

Wer seinen Unmut und Unwillen zurückhält, d.h. einem natürlichen Drang/Trieb keinen Raum gibt, sammelt im Grunde eine Handlungsenergie an, die er bei gegebener Zeit dann zielgerichtet einsetzen kann, um Missstände abzuschaffen und Fehler zu korrigieren. Dies wird deutlich in den Worten von Paulus in 2.Kor.7:11 „Seht doch, wie vieles dieser gottgewollte Schmerz bei euch ausgelöst hat: eifriges Bemühen (um Wiedergutmachung), Erklärung (eures damaligen Verhaltens), Empörung (über das was geschehen war), Furcht (vor Gottes Zorn), Sehnsucht (nach einem Wiedersehen mit mir), leidenschaftlicher Einsatz (für mich) und schließlich sogar Bestrafung (des Schuldigen)“ (NeÜ). Wenn sich jemand empört, dann hebt er sich empor, d.h. er hat vorher willen- und tatenlos auf dem Boden gelegen.

Aus unserer täglichen Erfahrung wissen wir jedoch, dass es uns selbst sehr schwerfällt, Kränkungen zu ertragen und Wut über jemanden zurückzuhalten. Hier sehen wir übrigens den Unterschied zwischen Zorn und Wut: die Wut ist immer unkontrolliert und kann deshalb sehr zerstörerische Folgen haben. Zorn hingegen ist ein Ärger, der bestrebt ist, einen ungerechten oder unhaltbaren Zustand zu beseitigen, indem der Zornige sich und andere zur aktiven Veränderung drängt (siehe der HErr Jesus, als Er im Tempel die Wechsler herauswarf).

Allerdings löst der Zorn anderer bei fleischlichen oder unreifen Menschen bekanntlich selbst Wut und Empörung hervor, weil sie aufgrund von Projektionen ihrer eigenen Befindlichkeit dem anderen keine positiven Motive zu unterstellen vermögen. Deshalb lesen wir in Spr. 17:14 „Der Anfang eines Zankes ist, wie wenn einer Wasser entfesselt; so lass den Streit, ehe er heftig wird.“ Provokation und Streitlust lassen sich zwar leicht mit frommen und sogar biblischen Motiven verbrämen, haben aber psychologisch betrachtet in der Regel ihren Urgrund in dem fleischlichen Geltungstrieb, dem anderen die eigene Überlegenheit zu beweisen. Das griech. Wort PhILO’NÄIKOS in 1.Kor.11:16 bedeutet wörtlich „sieg-liebend“, d.h. man möchte unbedingt in einem Streit als Sieger hervorgehen. Diesen „Brauch“, wie er in der Welt üblich ist, sollten aber auch wir nicht mehr haben.

Wenn wir selbst wissen, wie leicht wir uns durch andere provozieren und zum Zorn reizen lassen können, sollten wir auch selbst auf Provokationen, Kränkungen und Überlegenheitsdemonstrationen verzichten, sondern den anderen durch Sanftmut und Demut beschämen. Dies ist aber leichter gesagt als getan. Das Wort Gottes ist aber diesbezüglich klar: „Sag dich los vom Zorn, leg deine Wut ab! Lass dich von deiner Entrüstung nicht beherrschen; es führt nur zum Bösen“ (Ps.37:8). Sogar im eingangs erwähnten Epheserkapitel 4 schreibt Paulus weiter: „Bitterkeit, Aufbrausen, Zorn, wütendes Geschrei und verleumderisches Reden haben bei euch nichts verloren, genauso wenig wie irgendeine andere Form von Bosheit. Geht vielmehr freundlich miteinander um, seid mitfühlend und vergebt einander, so wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat“ (V.31-32).

Wer wütend oder zornig ist, dem ist der „Duldungs-Akku“ ausgegangen und er verfügt nicht mehr über weitere Ressourcen, um der Situation Herr zu werden. Die Bibel spricht deshalb immer wieder von der Zornesglut, die entbrennt, d.h. außer Kontrolle gerät. Wir kennen das alle zu Genüge. Aber was können wir vorbeugend tun, damit wir nicht in diesen Kontrollverlust geraten? Ich möchte im Folgenden mal eine Reihenfolge an Maßnahmen vorschlagen, die vielleicht helfen können:

    1. Erkenne an, dass Dein Zorn in der Regel zwar gerechtfertigt sein mag in Deinen Augen, aber noch lange nicht gerecht und fruchtbar ist. Ruben und Simeon z.B. waren davon überzeugt, dass sie allen Grund dazu hatten, Rache an Hemor und Sichem zu üben wegen ihrer Schwester. Aber ihr Vater Jakob sagte später: „Verflucht sei ihr Zorn, denn er war gewalttätig, und ihr Grimm, denn er war grausam“ (1.Mo.49:7). Wenn Du auch noch so aufgebracht bist, lass dich vom HErrn fragen: „Ist es recht, dass du zürnest?“ (Jon.4:4).
    2. Erkenne, dass Dein Zorn immer auch etwas Mörderisches an sich hat, denn in dem Moment, wenn Du Dich über das Verhalten einer Person empörst und ihr „die Leviten liest“, neigst Du dazu, diese Person innerlich abzuschreiben und willst mit ihr nichts mehr zu tun haben. Damit aber hast Du sie nach den Worten Jesu aus Deinem Leben verbannt und de facto getötet. Der HErr unterscheidet hier jedoch noch nach einem Intensitätsgrad der Verwerfung: ein bloßes Zürnen kann u.U. noch völlig gerechtfertigt sein und soll deshalb gerichtlich untersucht und beurteilt werden. Wer seinen Bruder z.B. als „Nichtsnutz“ (RAKA) abqualifiziert, hat ihm damit einen persönlichen Nutzen abgesprochen und kommt deshalb einmal vor den „Hohen Rat“ (SYN’hÄDRION); wer ihn jedoch sinngemäß als MORä’H bezeichnet, d.h. als „Schädling der Menschheit“ (w: „Widerspenstiger“), der hat ihm jeglichen Wert abgesprochen und sieht in ihm nur noch ein lästiges Ungeziefer, das es zu vertilgen gilt. So in etwa hatten die Nazis über die Juden gedacht. Wenn aber ein Gläubiger in dieser Weise über seinen Bruder denkt und darüber keine Buße tut, dann kommt er eines Tages mit 100%-iger Sicherheit in die Gehenna des Feuers, ohne vorher auch nur angehört zu werden (Mt.5:21-22).
    3. Meide den Umgang mit Menschen, die sich bei jeder Gelegenheit erzürnen, also jähzornig sind, denn sie verleiten Dich und andere zur Sünde. David z.B. sah eine Gefahr in den Söhnen der Zeruja und sprach: „Ich aber bin heute schwach, obschon zum König gesalbt; und diese Männer, die Söhne der Zeruja, sind zu hart für mich. Der HErr vergelte dem, der das Böse tut, nach seiner Bosheit!“ (2.Sam.13:39). Immer wieder sagte er sich und ihnen, dass er nichts mit ihnen zu schaffen habe, denn sie wurden ihm zu „Widersachern“ (2.Sam.19:22).
    4. Zieh Dich ganz zurück aus den „Streitigkeiten des Volkes“ (Ps.18:43), z.B. auf Facebook, wo es letztlich oft nur noch um sinnlose Besserwisserei geht, denn im Grunde sind sie nicht nützlich für die Zuhörer, sondern sogar „zum Verderben“ (2.Tim.2:14), weil sie dadurch zwar Bibelwissen, aber keine göttliche Weisheit lernen.
    5. Tanke jeden Tag neue Kraft auf, indem Du Dich an Jesu Brust lehnst und völlig in Seine Ruhe eingehst. Am Ende wirst dann auch Du sagen: „Ich habe meine Seele besänftigt und beruhigt? Wie ein gestilltes Kind an der Brust seiner Mutter, so zufrieden ist meine Seele bei Dir“ (Ps.131:2). Selbst wenn Dir noch so ein schlimmes Unrecht angetan wurde, kannst Du es dennoch getrost Gott überlassen, dass Er Dir eines Tages Recht schafft.
    6.  Nutze die durch die Vermeidung von Streit eingesparte Energie, um sie zum Heil des anderen zu verwenden. Dies kann z.B. dadurch geschehen, indem Du durch Demut und Sanftmut genau das Gegenteil tust von dem, was Dein Feind von Dir erwartet und Du ihn dadurch beschämst (Mich.7:8, Röm.12:20).
  • Lenke die Aufmerksamkeit Deines zornigen Gegenübers auf den HErrn Jesus, indem Du ihm von Seiner Liebe, Barmherzigkeit und Weisheit erzählst, ohne ihn zu beschämen und zu demütigen. Er wird dann schon von ganz allein darauf kommen, wie weit er von dem Wesen Gottes entfernt ist und zur Besinnung kommen. Und selbst wenn dies nicht sofort geschieht, so kann Gott ihn durch ein Lebensschicksal in einen Zustand bringen, dass ihm jeder Halt entschwindet, er all seine Klugheit infrage stellt und seinen völligen Bankrott vor Gott erklären muss. Dann wird er sich an Dich erinnern.

 

 

  1. Zweifel

Erbarmt euch derer, die zweifeln; rettet sie, indem ihr sie aus dem Feuer reißt… (Jud.22-23)

Zweifel haben tatsächlich etwas Verzehrendes wie das Feuer, weshalb man ja auch von Ver-zweifeln spricht, wenn jemand keinen Ausweg mehr sieht. Das Feuer vernichtet alles Unbeständige, was ja gewissermaßen auch etwas Gutes ist, um sich vor haltlosen Illusionen und Enttäuschungen zu schützen (1.Kor.3:13.15). Deswegen wird der Zweifel heute als etwas Positives gesehen in unserer modernen Welt, weil er den Menschen vor Betrug bewahrt oder ihn dazu drängt, sich nicht mit Annahmen zufrieden zu geben, sondern sich Gewissheit zu verschaffen. Für einen zweifelnden Christen kann dieser Zustand der Unsicherheit und Angst jedoch unerträglich werden, da dieser ihn nicht nur lähmt, sondern ihm sogar der Grundfesten seines Denkens beraubt: „Wenn die Grundpfeiler umgerissen werden, was tut dann der Gerechte?“ (Ps.11:3). Zusätzlich zu seinem inneren Leid und der Unordnung in seinem Kopf, traut er sich oft nicht, seine Schwachheit vor anderen Gläubigen zu bekennen, da er fürchten muss, auf Unverständnis und mangelndes Erbarmen zu stoßen: „Dem Verzagten gebührt Milde von seinem Freunde, sonst wird er die Furcht des Allmächtigen verlassen … Erbarmet euch meiner! erbarmet euch, ihr meine Freunde! denn die Hand Gottes hat mich angetastet“ (Hiob 6:14, 19:21).

Da es für einen Gläubigen ganz unterschiedliche Ursachen von Zweifeln gibt, macht es Sinn, sie einmal nach folgenden Kategorien und Intensitäten zu klassifizieren:

  1. Zweifel aus Angst vor dem Scheitern

Die zehn Kundschafter zweifelten daran, dass sie genug Kraft haben würden, das verheißene Land einzunehmen und vertrauten nicht auf Gottes Beistand, dass Er ihnen Gelingen schenken würde (4.Mos.13:31-33). Genauso ergeht es aber auch uns, wenn wir mit dem Anspruch Gottes konfrontiert werden, ein Leben in vollkommener Heiligkeit und ohne Sünde zu führen (Mt.5:48, Hebr. 12:14). Da wir die Sündlosigkeit bisher noch nie geschafft haben, sagt uns der Verstand: „Das wirst du auch niemals schaffen, es wird sich nie etwas ändern, denn du bist nun mal ein unvollkommener Mensch. Aber Gott macht sich nichts daraus. Dieser Frömmigkeitsanspruch führt letztlich immer nur zu Frust. Es reicht doch völlig, dass wir durch das Blut Christi gerecht gesprochen sind.“

Diese scheinbar biblisch klingende Beschwichtigung ist in Wirklichkeit eine teuflische Lüge, welche die Macht Gottes in Frage stellt. Denn tatsächlich belehrt uns Gott doch schon durch die Natur, dass wir überhaupt gar nichts von Anfang an vermochten, weder gehen, noch Fahrradfahren, noch Autofahren, und dennoch konnten wir alles erlernen. Derselbe Gott, der uns schon in der Natur die Fähigkeiten zum Erlernen einer Sache mitgegeben hat, dem dürfen wir auch glauben, wenn Er uns die Vollkommenheit versprochen hat (1.Petr.5:10).

  1. Zweifel aus Angst vorm Verstoßensein

Die Angst, dass man die Geduld Gottes inzwischen schon Überstrapaziert habe, führt über kurz oder lang jeden Gläubigen zu der bangen Frage, ob man nicht vielleicht schon von Gott verstoßen bzw. aus dem Mund ausgespuckt wurde (1.Sam.15:23+26, Offb.3:16). Es gibt wohl nichts Schlimmeres als zu glauben, dass man von Gott verworfen wurde! Dabei vergisst man leicht, dass „Gott darauf sinnt, dass der Verstoßene nicht (dauerhaft) von Ihm weg verstoßen bleibe“ (2.Sam.14:14).

Wir blicken zwar „voll Beugung und Staunen hinein in das Meer Seiner Gnad‘“ – wie es in einem Lied heißt, aber wenn es nicht mehr um die Bekehrung sondern um die Nachfolge geht, dann stellen sich viele Gläubige vor, als wenn Gott sich inzwischen in einen unerbittlichen Schuldeneintreiber verwandelt hat, den man schon zu oft enttäuscht habe, als dass Er noch ein weiteres Mal vergeben könnte. Heißt es nicht auch entsprechend in Luk.13:7 und Joh.15:2+6, dass der HErr mit den Seinen nicht unendlich geduldig ist, sondern einen Christen, der keine Frucht bringt, beizeiten verwirft? Und heißt es etwa nicht im Hebräerbrief, dass ein Land, das nur noch „Dornen und Disteln hervorbringt, unbewährt ist und dem Fluche nahe, und sein Ende ist die Verbrennung“ (6:8)? Und ist es nicht so, dass „wenn wir mit Willen sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, kein Schlachtopfer für Sünde mehr übrig bleibt“ (Hebr.10:26), und damit keine Vergebung?

Wer diese Sorgen hat, zeigt damit, dass ihm sein Heil und damit sein Erstgeburtsrecht nicht egal ist wie Esau. Selbst wenn ein Christ sich in nichts von anderen Hurern unterscheidet, so erkennt der HErr in Seiner Weisheit doch das willige Herz wie König Salomo, als er zwischen den beiden Huren urteilen musste (1.Kön.3:25-28). Schon allein, wenn einem Gläubigen noch das schlechte Gewissen quält, zeigt er damit, dass ihm die Ehre Gottes ein Herzensanliegen ist und er noch nicht abgestumpt ist. Auch das bittere Weinen wie bei Petrus ist ein Zeichen aufrichtiger Reue, die dem HErrn bewusst macht, wie sehr wir Ihn trotz allem noch lieben. Vor allem müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, dass wir Gott NIE ENTTÄUSCHEN können, denn das würde ja bedeuten, dass man Gott täuschen könnte. Gott hat stets unser Lebensziel im Blick und verlässt uns nicht einfach im Moment unseres Versagens. Vielmehr gebraucht Er unsere Verlorenheitsängste, um uns Seine Furcht beizubringen (Ps.34:11, 119:120).

  1. Zweifel am Wort Gottes

Es gibt wohl kaum etwas Unangenehmeres für ein Kind Gottes, wenn es Zweifel am Wort Gottes hat. Wenn es schon erschreckend ist, sich selbst diese einzugestehen, so kostet es umso mehr Überwindung, solche Zweifel vor anderen Gläubigen zu bekennen, weil man Angst hat, von ihnen verachtet zu werden. Dabei sollte die Gemeinde doch eigentlich der barmherzigste Ort auf Erden sein, wo man im Grunde all seine Not bekennen können sollte! Oft ist es aber gar nicht die Intoleranz der anderen, sondern der eigene Stolz, der einen Gläubigen daran hindert, über seine Glaubenszweifel offen zu reden.

Dabei gibt es jede Menge schwieriger Fragen, die Anlass geben können, an der Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift zu zweifeln: Warum z.B. passt der Schöpfungsbericht nicht mit den Forschungsergebnissen der Wissenschaft überein? Warum hat Gott Adam und Eva der Gefahr ausgesetzt, vom Baum der Erkenntnis zu essen, anstatt diesen außerhalb ihrer Reichweite zu pflanzen? Warum gibt es homosexuell empfindende Menschen, wenn die Ausübung ihrer Neigung von Gott verboten wurde? Was soll an der Ermordung unschuldiger Kinder gerecht gewesen sein, die Gott bei der Eroberung Kanaans ja nicht nur erlaubt, sondern sogar ausdrücklich angeordnet hat? (z.B. 4.Mo.31:17-18, Jos.7:15+24-26). Warum hat Gott Seinem unschuldigen Knecht Hiob nie erklärt, warum er leiden sollte? Warum ist Gott nicht sichtbar oder hörbar für alle Menschen? Warum hat Gott den Glauben zur Bedingung gemacht, um errettet zu werden, wo dieser doch eine Gabe Gottes ist? Wieso will Gott, dass wir an Wunder glauben sollen? Und warum haben die einen ein gutes Leben und die anderen ein schlechtes? Und warum hat Gott Menschen geschaffen, von denen Er wusste, dass sie einmal im Feuersee landen werden?

Die Unfehlbarkeit der Bibel anzuzweifeln, nur weil man (noch) nicht alle Fragen beantwortet findet, ist sicherlich auch ein Zeichen von mangelnder Dankbarkeit, wo man doch so viele Beweise hat für die Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift (man denke nur an all die erfüllten Prophezeiungen in Bezug auf Jesus Christus). Vielmehr sollten uns doch die Rätsel der Bibel Ansporn sein, um noch tiefer zu forschen, um eine Auflösung der scheinbaren Widersprüche zu finden. Sich frustriert abzuwenden vom fundamentalistischen Glauben, um Ausschau zu halten nach einem liberaleren Bibelverständnis, ist im Grunde wie ein Ehebruch, weil man nicht mehr an die Heilbarkeit und Beantwortbarkeit der ungelösten Fragen glaubt. Umso wichtiger ist es, sich an erfahrene und schriftkundige Brüder zu wenden, die einem jungen Bruder Hilfestellung geben können in ihrem Dilemma.

  1. Zweifel an Gottes Existenz

Der Umstand, dass Gott weder sichtbar noch akustisch hörbar, sondern nur durch den Glauben erfahrbar ist, führt einen rational denkenden Menschen oft an seine Grenzen des Denkens. Wie tröstend ist es umso mehr, wenn Gott hin und wieder durch ein einschneidendes Erlebnis Kontakt zu uns aufnimmt und das quälende Schweigen unterbricht. Wie sehr sehnen wir uns alle nach Gottes Eingreifen in unserem Leben! Besonders der Umstand, dass Gott offenbar unsere Gebete häufig nicht erhört, irritiert uns, da es scheinbar die Zusage des HErrn infrage stellt, dass Er all unsere Bitten erhören wird, die wir im Namen Jesu erbitten. Tatsächlich nennt die Schrift aber bestimmte Bedingungen, z.B. dass wir nicht in Sünde leben dürfen (Joh.9:31 „Wir wissen, dass Gott Sünder nicht hört“), dass wir nichts aus übler Lust erbitten sollen (Jak.4:3) oder dass wir unsere Ehefrauen ehren müssen, damit unsere Bitten nicht verhindert werden (1.Petr.3:7). Wenn aber alle diese Voraussetzungen erfüllt sind und wir trotzdem keine Gebetserhörung erfahren, gibt es noch die Möglichkeit, dass Gott uns wie in 2.Kor.12:8-9 eine Bitte zu unserem Wohl versagen muss. Aber tröstet uns das, wenn der HErr doch immer wieder verspricht, dass er uns doch nicht einen Stein geben wird, wenn wir Ihn um Brot bitten (Mt.7:9)?

Ein Hauptgrund für unerhörte Gebete mag auch an unserem Kleinglauben liegen, wie wir in Jak.1:6-8 lesen. Dort spricht Jakobus von den „Wankelmütigen“ (griech. DI-PsYCh´OS = „Doppelseeligen“, d.h.  sie haben eine geteilte Seele, haben zwei sich widersprechende Interessen, zwischen denen sie sich nicht entscheiden können). Auch in dem Wort „zweifeln“ DIA-KRI´Noo, wörtlich „(durch)-urteilen“ steckt das Wort „teilen“ bzw „geteilt sein“ drin. Der Zweifel entsteht nämlich nicht in der „Einfalt“ (2.Kor.11:3), sondern in der Vielfalt von Wünschen und Attraktionen, zwischen denen man sich entscheiden muss (Mt.6:24). Deshalb lautet der Rat an alle Zweifler: „Naht euch Gott, so wird Er sich euch nahen. Reinigt die Hände ihr Sünder und läutert entschieden) die Herzen, ihr Doppelseeligen“ (Jak.4:8).

 

 

  1. Engel

„Denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind Engeln gleich und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind… (Luk.20:36)

In unserer modernen Welt sind die Engel heute nahezu völlig aus der Vorstellung und dem Interesse der Menschen verschwunden, aber leider oftmals auch aus dem Bewusstsein der Gläubigen. In früheren Zeiten hat man den HErrn immer wieder um den Schutz und die Bewahrung durch Engel gebeten (Psalm 91:11-12). Aber da sie ihrer Natur nach unsichtbar sind, ist es bei den Engeln wie mit allen Dingen: Aus dem Auge, aus dem Sinn. Möge Gott uns die Augen öffnen wie in 2.Kön.6:17, dass wir wieder der Gegenwart der Engel gewahr werden!

In vielen Kirchen hat man die Engel („Boten“) meist als Frauen oder gar Kinder mit Flügeln dargestellt, obwohl sie nach  der Bibel eigentlich eher wie Männer aussehen (vergl. 1.Mo.18:2 mit 19:1, 2.Mo.32:24 mit Hos.12:4, Ri.13:6-99) und sie haben auch keine Flügel – mit Ausnahme der Cherubim und Seraphim. Häufig sind Engel ja bewaffnet und führen sogar Kriege in der unsichtbaren Welt, wie wir es aus Dan.10:13-21 erfahren. Paulus spricht von „Thronen oder Herrschaften oder Fürstentümern oder Gewalten“ (Kol.1:16), die sich in der unsichtbaren Welt befinden (Eph.3:10). 270 Mal lesen wir von Gott als dem HErrn der „Heerscharen“, die im Himmel sind (Luk.2:13) bzw von „Zehntausende mal Zehntausende“ (Offb.5:11), wobei schon ein einziger Engel um ein Vielfaches stärker ist als ein Mensch (2.Petr.2:11).

Früher dachte ich immer, dass nur Kinder bis zu einem bestimmten Alter Schutzengel haben (Mt.18:10), bis mich ein Bruder auf Apg.12:15 aufmerksam machte, wo scheinbar auch jeder erwachsene Christ einen eigenen Engel hat. Von ihnen heißt es ja auch, dass sie „alle dienstbare Geister sind, ausgesandt zum Dienst um derer willen, welche die Seligkeit ererben sollen“ (Hebr.1: 14). So wie damals bei Jakob, steigen sie auch heute auf und nieder, um uns zur Seite zu stehen (1.Mo.28:11-13, Joh.1:51). Man stelle sich das nur mal vor: Gott stellt uns allen einen persönlichen Bodyguard zur Verfügung, und wir machen so gut wie keinen Gebrauch davon!

Als wir letztens in der Bibelstunde 1.Petr.1 betrachteten, sprach ein Bruder bei Vers 21 etwas despektierlich über die Engel, als hätten die „keine Ahnung“ und bekämen „nichts auf die Reihe“. Ich wies ihn darauf hin, dass wir aufgrund von 1.Petr.2:10 nicht herablassend über die Engel sprechen dürfen, sondern im Gegenteil wertschätzend und demütig, zumal sie unsere „Mitknechte“ sind (Offb.22:9). In der Heilsordnung habe Gott ja uns Menschen „ein wenig niedriger gemacht als die Engel“ (Ps.8:6), aber uns in Aussicht gestellt, dass auch wir einmal nach der Auferstehung „den Engeln gleich“ sein dürfen, da auch wir dann wie sie Söhne Gottes sind. Hier widersprach man mir: „Wo steht denn, dass die Engel Söhne Gottes sind?“ Ich wies auf Psalm 82 hin und erklärte, dass die Engel als „Söhne des Höchsten“ in Sünde fallen können und dann wie Menschen ihre Unsterblichkeit verlieren (Vers 7). Von daher sei jenes Lied von Carl Brockhaus fehlerhaft, wenn es in der 3.Strophe von den Engeln heißt: „doch Söhne sind sie nicht. Kein Tod hat sie gekettet, kein hoher Preis gerettet“ etc. Selbstverständlich können auch Engel sündigen (Hiob 4:18, 2.Petr.2:4) und dann durch Christus errettet werden (Luk.5:32, 1.Tim.2:5).

Hier erhob sich wieder starker Widerspruch von Seiten der Brüder, zumal sie diese Auslegung noch nie gehört hatten. Ich erinnerte sie daran, dass der HErr Jesus nicht nur für unsere Sünden gestorben sei, sondern auch für die des ganzen Kosmos (1. Joh.2:2), zu dem auch die Engel gehören (1.Kor.4:9). Ich erklärte dann noch, dass Hebr.2:16 ungenau übersetzt sei, da das griechische Wort ἐπιλαμβάνεται laut der Elb. Studienbibel eigentlich „jemanden ergreifen, anpacken“ i.S.v. von „verhaften“ bedeutet (Mt.14:31, Mk.8:23, Lk.9:37, 23:26, Apg.9:27). Die Engel brauchen nicht vom HErrn angepackt werden, um sie wie ein Schaf vor dem Sturz in den Abgrund zu erretten, denn sie sind allezeit vor Ihm, um Ihn um Vergebung zu bitten. Wie schrecklich wäre es ansonsten, wenn Gott zwar den Engeln die Fähigkeit zum Sündigen gab, aber angeblich keine Vorkehrung getroffen hätte, damit sie Vergebung und Errettung erlangen könnten.

Wir sollen die Engel als unsere Brüder lieben und respektvoll von ihnen reden, zumal sie sich ständig um uns bemühen. Als Gott sprach „Lasset uns Menschen (zurecht-)machen“ (1.Mo.1:27), sprach Er die Engel an. Denn mit der Erschaffung unseres Seins, das aus Geist, Seele und Leib besteht, waren wir noch längst nicht vollkommene Wesen, die Gott aus uns machen will. Die göttlichen Eigenschaften, die in Gal.5:22 als Frucht des Geistes aufgezählt werden, erlangen wir nicht durch die natürliche, sondern durch die geistige Geburt von oben. Und dann sind es die Engel, die durch verschiedene Eingriffe in unser Leben uns erziehen durch den Geist. Der HErr Jesus, der unser eigentlicher Schöpfer war, trat im Alten Testament immer nur verdeckt als „Engel des HErrn“ auf, obwohl Er die Worte Gottes immer wieder in der Ich-Form sagte (z.B. 2.Mo.3:2, Richt.2:1 usw.). Es ist nicht auszuschließen, dass auch wir schon manches Mal Engeln begegnet sind, die sich als Menschen ausgaben und denen wir ahnungslos halfen, indem wir sie z.B. beherbergt haben (Hebr.13:6). Ich bin auch schon mal einem jungen Bruder begegnet, zu dem ich sagte: „Du scheinst mir nicht von dieser Welt zu sein, denn Du bist einfach zu vollkommen!“ Auf der einen Seite freut es mich, wenn ich solchen heiligen Brüdern begegnen darf, aber auf der anderen Seit beschämt es mich, weil ich ja schon längst genauso ein heiliges Leben führen sollte.

 

  1.  Das Kreuz

„Wer nicht sein Kreuz aufnimmt und Mir nachfolgt, ist Meiner nicht würdig“ (Mt.10:38)

Das Wort „Kreuz“ erscheint in dieser Aussage des HErrn zum ersten Mal im Neuen Testament. Trotzdem waren die Jünger nicht verwundert, sondern es scheint damals schon eine bekannte Metapher gewesen zu sein für das bereitwillige Ertragen eines von Gott auferlegten Leids. Sein Kreuz zu tragen bedeutet, das von Gott Gebotene, aber der Seele Unangenehme zu tun und die daraus folgenden Konsequenzen auf sich zu nehmen. Wer nicht bereit ist, dem HErrn auch im Leiden zu folgen, ist des HErrn nicht würdig.

  1. Das Kreuz in Bildern des AT

Als Paulus den Korinthern seine gesamte Botschaft, die er in allen Gemeinden und Synagogen, sowohl Gläubigen als auch Ungläubigen, über die Errettung und über die Nachfolge, in einem einzigen Begriff zusammenfassen wollte, nannte er diesen „das Wort vom Kreuz“ (1.Kor.1:18). Bis heute hält die Welt unseren Glauben an die Erlösung von unseren Sünden durch das Sühneopfer Jesu für eine Torheit, so als hätten die Jünger nach Seiner unerwarteten Kreuzigung sich mal eben schnell eine Geschichte zurechtgelegt, nur um Seinen Tod noch irgendwie sinnvoll erscheinen zu lassen. In Wirklichkeit haben die Propheten im Alten Bund schon von jeher das Leiden, das Sterben und die Auferstehung des Messias vorausgesagt, insgesamt sollen es etwa 65 im AT sein (Luk.24:26). Hinzu kommen jede Menge symbolische Bilder, durch die das Stellvertreterwerk unseres HErrn veranschaulicht wird. Das fängt an bei den „Fellröcken“ in 1.Mo.1:21, mit denen Gott die Blöße von Adam und Eva bedeckte, indem ein Tier sterben musste.  Bekleidungsstücke stehen symbolisch immer für die Gerechtigkeit (Hi.29:14, Ps.132:9, Jes.61:10), die ja die Blöße eines Sünders bedecken soll. Als Jakob sich vor seinem Vater Isaak als Esau ausgab, waren es die Ziegenfelle, die ihn vor der Anklage seines Vaters schützten – gleichwie auch uns die Gerechtigkeit Jesu schützt vor dem kommenden Zorn Gottes (1.Thes.1:10, 1.Mo.27:23). Deutlicher als kaum ein anderes Bild von der Kreuzigung haben wir im AT die eherne Schlange, die Moses machen sollte, damit jeder, der zu dieser aufschaute, gerettet wurde (4.Mo.21:9). Der HErr bestätigt diese Bedeutung ja auch in Joh.3:14-15.

Eine eher weniger bekannte Allegorie zur Kreuzigung finden wir in 2.Kön.6:1-7. Der Jorden steht in der Bibel immer für den Tod, weshalb man ja auch sagt „über den Jordan gehen“ = sterben (Jos3:15). Deshalb hat Johannes der Täufer die Menschen im Jordan in den Tod getauft, wie damals Naeman (Mt. 3:5-16, 2.Kön.5:10, Röm.6:3). Das verlorengegangene Eisen des Beils steht für das Leben bzw. die Seele, die Gott uns anvertraut hat, die wir Ihm aber eines Tages zurückgeben müssen (Hes.18:4). Eisen hat als unedles Metall zwar einen vorübergehenden Nutzen, wird aber schnell rostig, wenn es nicht geläutert und veredelt wird.

Um die Seele nun aus der Tiefe der Sünde und des Todes herauszuholen und ans Licht zu bringen, musste der Prophet nun ein grünes Holz abschneiden. Das „grüne Holz“ erinnert uns an Luk.23:31. Der HErr Jesus war ja „abgeschnitten aus dem Lande der Lebendigen“ (Jes.53:8). In Dan.9:26 heißt es: „Der Messias abgeschnitten und nichts haben“. Das Holz musste sterben, damit der Sünder leben kann. Erst durch dieses Opfer kann die verlorene Seele jetzt wieder vereint werden, um ein nützliches Werkzeug in der Hand seines Herrn zu sein. „Er streckte Seine Hand aus von der Höhe, Er nahm mich, Er zog mich aus großen Wassern“ (Ps.18:16).

  1. Das Kreuz Jesu

Um einen Menschen nicht bloß hinzurichten, sondern sein Martyrium auch noch möglichst abschreckend für andere zur Schau zu stellen, wurde er im Altertum gekreuzigt. Kreuzigungen wurden aber nicht nur bei den Römern durchgeführt, sondern auch in Israel (5.Mo.21:22-23), in Ägypten (1.Mo.40:19) und in Persien (Ester 2:23). Was jedoch den meisten Christen nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass der HErr Jesus splitternackt gekreuzigt wurde. Denn es heißt ja in Joh.19:23-24, dass sie Ihm nicht nur Sein Gewandt raubten, sondern sogar auch Seine Unterwäsche, den Leib-rock. Aus Scham und Respekt hat man diese Tatsache auf den vielen Gemälden von der Kreuzigung nicht zeigen wollen. Wie furchtbar muss es für den HErrn gewesen sein, dass man sogar Seine Genitalien sah! „Der Hohn hat Mein Herz gebrochen, und Ich bin ganz elend…“ (Ps.69:20).

Nicht nur die Zeugen Jehovas, sondern auch einige Schriftkundige glauben, dass der HErr Jesus gar nicht gekreuzigt, sondern gepfählt wurde, denn das griechische Wort für Kreuz STAUROS bedeutet eigentlich „Pfahl“, und zwar nicht der Querbalken, sondern ein aufrecht stehender Pfahl, an dem der Verurteilte mit seinen Händen über dem Kopf angenagelt wurde. Tatsache ist, dass es in römischer Zeit beide Varianten gab und dass griechische Begriffe im Laufe der Zeit eine Bedeutungsanpassung erfahren können. Dass der HErr aber nicht mit den Händen überkreuzt an einem einzigen Nagel ans Holz angebracht wurde, geht aus Joh.20:25, wo der Thomas von dem Mal der Nägel in Seinen Händen spricht (Mehrzahl!). Zudem ist auf einer der frühesten Abbildungen der Kreuzigung aus dem Jahr 123 n.Chr. im sog. Paedagogium auf dem Palatin in Rom deutlich ein Kreuz zu sehen. Diese Ritz-Zeichnung hatte ein Mitschüler eines gewissen Alexamenos angefertigt, um diesen zu verspotten, indem er den HErrn Jesus mit Eselskopf zeichnete.

  1. Das Kreuz als Schmuckstück

Das eigene Kreuz zu tragen, wird heute von vielen Christen insofern missverstanden, indem sie es sich als Kettchen um den Hals hängen. Das Kreuz ist heute längst zum weltläufigen Mode-Accessoire verkommen. Es ist heutzutage noch nicht einmal mutig oder gar ein Bekenntnis, eine Kreuzkette zu tragen, da selbst Ungläubige dieses Schmuckstück für sich entdeckt haben. Vor allem ist das Kreuz als Massenware und Allerweltsartikel belanglos und billig geworden. Hierzu schrieb der Kommentator der Wuppertaler Studienbibel Werner de Boor einmal trefflich: „Es ist eine Frage bis hin zu den Bachschen Passionen, ob dieses Sterben mit Seinem Schrei der Gottverlassenheit überhaupt künstlerisch verklärt und damit verharmlost werden darf. Es ist zum Erschrecken, dass die Leidensgeschichte zum ästhetisch-musikalischen Genuss werden konnte.

In einem islamischen Land mag das Tragen eines Kreuzes sicherlich noch ein mutiges Bekenntnis zum christlichen Glauben sein. Wenn man sich hier in Deutschland jedoch zum Glauben bekennen will, sollte man lieber gleich einen Bibelvers wählen, um ihn z.B. aufs Auto zu kleben. Mein peruanischer Schwiegervater, durch den viele in den Anden zum Glauben fanden, sagte einmal ironisch: „Die Kreuze über einer Kirche zeigen nur, dass diese Kirchen tot sind.“ Die Atheisten fragen sich indes, warum die Christen sich ausgerechnet ein grausames Hinrichtungsinstrument als Symbol gewählt haben. Einer fragte mal spottend, ob die Christen auch eine Axt verehrt hätten, wenn ihr Herr mit einer solchen erschlagen worden wäre. Wie sehr ein ursprünglich von Gott gebotenes Symbol zu einem Götzen werden kann, lesen wir über die Eherne Schlange Nechustan in 2.Kön.18:4, Moses Schlange hatte ja längst ihre Aufgabe erfüllt in 4.Mose 21, aber danach wurde sie immer noch jahrhundertelang in abergläubischer Weise verehrt.

  1. Unser Kreuz

Immer wieder wird heutzutage gepredigt, dass der HErr Jesus für unsere Sünden gestorben ist; aber kaum ein Prediger traut sich, auch mal über die Konsequenzen zu sprechen, dass wir durch ein Überwinderleben zeigen, dass auch wirmit Ihm gekreuzigt“ sind (Röm.6:6), und dass wir „täglich“ unser eigenes Kreuz tragen sollen (Luk.9:23). Durch den Glauben hängen wir nämlich wie die Räuber geistlich mit dem HErrn am Kreuz, unfähig zum Sündigen und wartend auf die Erlösung unseres Leibes. Die Welt kann mit uns nichts mehr anfangen, weil wir ihr gekreuzigt sind (Gal.6:14). „Ich bin mit Christo gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal.2:20).

Praktisch sieht das nun so aus, dass wir bereitwillig alles geduldig tragen, was Er uns auferlegt hat. „Wer aber ausharrt (wörtl. unten bleibt) bis ans Ende, dieser wird errettet“ (Mt.24:12). Das griechische Wort EIS bedeutet hier „in Richtung auf“, nämlich auf die „Vollendigung“. Es geht hier also nicht um irgendein sinn- und zielloses Warten, sondern um ein aktives Mitwirken an unserer Vollendung, indem wir das Leid als ein Erziehungsmittel Gottes begreifen. Simon von Kyrene dachte wie viele Gläubige heute auch erst, dass die Christusnachfolge sich schon allein auf ein passives Zugucken beschränken würde, bis er zum Kreuztragen gezwungen wurde (Mt.27:32). Und dem anderen Simon kündigte der HErr an, dass er irgendwann nicht mehr auf eigenen Wegen wandeln, sondern durch den Geist Gottes dazu gebracht werde, seine Hände eines Tages bereitwillig auszubreiten, um ebenso gekreuzigt zu werden (Joh.21:18).

 

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